Viele gute Ansätze in einer lebendigen Geschichte
Fanny. Das Mädchen, das Glück verteiltAuch wenn Fanny, das Mädchen, das Glück verteilt grundsätzlich als Kinderbuch ab etwa 8 Jahren gedacht ist, hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass es für die Zielgruppe inhaltlich nicht immer gut verständlich ...
Auch wenn Fanny, das Mädchen, das Glück verteilt grundsätzlich als Kinderbuch ab etwa 8 Jahren gedacht ist, hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass es für die Zielgruppe inhaltlich nicht immer gut verständlich und teilweise überfordernd ist.
Fanny lebt mit ihrer Familie (Mama, Papa und Oma) im ehemaligen Pförtnerhaus am Eingang der sogenannten Sonnwendkolonie. Diese wird als riesige Wohnanlage mit vielen Höfen, Durchgängen und Treppenhäusern beschrieben. Genau dieses Setting hätte eigentlich großes Potenzial, wirkt im Buch aber eher unübersichtlich als klar aufgebaut. Zwar entstehen dadurch viele Begegnungsmöglichkeiten, gleichzeitig bleibt die räumliche Struktur für junge Leserinnen und Leser vermutlich schwer greifbar. Dass sich sogar der Paketpostbote regelmäßig im Labyrinth der Anlage verirrt und Pakete teilweise über Zäune geworfen werden, unterstreicht zwar die Besonderheit des Ortes, verstärkt aber auch den chaotischen Gesamteindruck, den am Ende auch die ganze Geschichte auf mich hatte..
Die Ausgangssituation rund um das violette Paket, dessen Adressaufkleber nicht mehr eindeutig lesbar ist, dient als Anlass für Fannys Suche durch die Kolonie. Dabei lernt der Leser verschiedene Bewohner kennen und wie Fanny anfängt Freundschaften zu schließen. Eigentlich bietet dieser Handlungsstrang eine schöne Möglichkeit, Gemeinschaft und Zusammenhalt zu zeigen. Allerdings wirkt die Umsetzung häufig sprunghaft: Fanny trifft viele Figuren, doch die Übergänge zwischen den einzelnen Begegnungen und Ereignissen sind nicht immer klar nachvollziehbar, sodass die Handlung eher lose aneinandergereiht wirkt.
Auch die wichtigen Themen (Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit und Zusammenhalt) werden zwar angesprochen, aber oft nur oberflächlich behandelt. Viele Situationen werden nicht ausreichend erklärt oder kindgerecht eingeordnet, was dazu führen kann, dass zentrale Botschaften nicht vollständig verstanden werden.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Verwalter der Kolonie, der eigene Interessen verfolgt und das ehemalige Postgebäude aus „Bauschutzgründen“ abreißen lassen möchte. Dieser Konflikt hätte sich gut für eine klare kindgerechte Entwicklung von Gut und Böse geeignet, bleibt jedoch ebenfalls eher angedeutet und wird nicht konsequent oder verständlich ausgearbeitet.
Positiv hervorzuheben ist dagegen die Figur Fanny selbst. Sie wird als sehr aufgeweckt, klug und gleichzeitig mitfühlend dargestellt. Auch ihr familiäres Umfeld ist interessant beschrieben: Durch Homeoffice-Arbeit der Eltern und das Studium der Oma ist das Zuhause zwar sehr chaotisch, gleichzeitig aber auch von Zusammenhalt geprägt. Die Aussage, dass es „kein Zuckerschlecken“ sei, in dieser Familie aufzuwachsen, zeigt eine gewisse Ehrlichkeit und Authentizität. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Familie in wichtigen Momenten sehr unterstützend und liebevoll miteinander umgeht.
Trotz dieser positiven Aspekte bleibt mein Gesamteindruck kritisch. Die vielen Ideen und Figuren wirken zwar kreativ, führen aber zu einer sehr sprunghaften und teilweise unübersichtlichen Erzählweise. Gerade für ein Kinderbuch fehlt mir persönlich dadurch die nötige Klarheit und Struktur, um die Inhalte wirklich zugänglich zu machen.
Insgesamt wirkt das Buch trotz seiner guten Absichten nicht optimal für die Zielgruppe geeignet, da sowohl Inhalt als auch Erzählweise zu wenig klar und kindgerecht aufbereitet sind. Deshalb vergebe ich 2 von 5 Sternen.