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Veröffentlicht am 25.01.2023

Neue Erziehungsmethoden

Die Kinder von Schönbrunn (Die Schönbrunn-Saga 2)
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Seit fast sechs Jahren ist der Weltkrieg vorbei und eine neue Zeit ist angebrochen. Der Kaiser hat abgedankt, es gibt wirtschaftlichen Aufschwung. Doch Greta fällt es noch immer schwer, sich dem Leben ...

Seit fast sechs Jahren ist der Weltkrieg vorbei und eine neue Zeit ist angebrochen. Der Kaiser hat abgedankt, es gibt wirtschaftlichen Aufschwung. Doch Greta fällt es noch immer schwer, sich dem Leben anzupassen. Zu sehr vermisst sie Gustav, ihren Mann, der damals verschollen ist. Doch dann trifft sie auf Melanie, die sie überredet, eine Ausbildung zur Erzieherin auf Schloss Schönbrunn zu machen. Dort lernt sie neue Ideen der Kindererziehung, die sich mit den bisherigen Methoden von Strafe und Disziplin überwerfen. Und sie begegnet Michael Brenner, dem Pädagogen, der sich nicht nur für Kinder einsetzt, sondern auch an ihr Interesse zeigt. Doch kann Greta loslassen?

Eigentlich ist das nicht mein Genre, aber ich hatte die Leseprobe gelesen und fand sie ansprechend. Die 20iger waren schon eine spannende Zeit und man wird hier gut mitgenommen. Meistens wird aus Gretas Sicht erzählt, aber es kommen auch die Kinder zu Wort. Und da fand ich, dass die allesamt zu erwachsen oder vernünftig rüberkamen. Natürlich sind Waisen schon gezwungen, von Anfang an stärker zu sein, aber das kam mir trotzdem alles ein bisschen übertrieben vor. Und was ich auch nicht so richtig mochte, waren Worthülsen wie "das macht doch keinen Sinn" - ist auch viel zu modern, meiner Meinung nach - und dass es teilweise ziemlich kitschig wurde. Nett geschrieben, interessante Zeit, ein paar Abstriche in der Umsetzung. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 22.01.2023

Nicht nur im Veganuary

Schnell mal vegan
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Mittlerweile dürfte allgemein bekannt sein, dass veganes Essen nicht nur gesund ist, sondern auch unserem Planeten und damit auch uns hilft. Katharina Seiser legt hiermit bereits ein weiteres Kochbuch ...

Mittlerweile dürfte allgemein bekannt sein, dass veganes Essen nicht nur gesund ist, sondern auch unserem Planeten und damit auch uns hilft. Katharina Seiser legt hiermit bereits ein weiteres Kochbuch aus ihrer Reihe veganer und vegetarischer Kochbücher vor.

Was mir hier sehr gut gefällt: Es ist sehr strukturiert, aufgeteilt in die Jahreszeiten, sodass man sich nicht nur vegan, sondern auch saisonal orientieren kann. Am Anfang des Buches gibt es ein paar Erklärungen für völlige Neueinsteiger. Es wird versprochen, dass man alle Rezepte innerhalb von dreißig Minuten zubereiten kann. Vorneweg: Bei den Gerichten, die ich ausprobiert habe, kommt das hin.

Sehr empfehlen kann ich daher an dieser Stelle Spaghetti aglio et olio, die Linsensauce und die Kartoffeleinbrenne. Wie man schon daran sieht, sind das alles keine megafancy Gerichte, wie man sie gern mit vegan in Zusammenhang bringt. Das gefällt mir gut.

Wovon ich nicht so wirklich ein Fan bin: In dem Buch gibt es wahnsinnig viele Salate. Und jetzt mag ich Salate so gern wie jeder andere Mensch, aber dafür brauche ich nicht unbedingt ein Kochbuch. Die Hälfte der Salate hätten meiner Meinung nach gern durch warme, schnelle Mahlzeiten ersetzt werden dürfen. Trotzdem: Alles in allem ein tolles Kochbuch, das ich auch weiterhin und nicht nur im Januar nutzen werde.

Veröffentlicht am 22.01.2023

Schöne Gegend

Die Nordlicht-Saga 1: Fate and Fire
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Der Titel gibt schon das Positivste an diesem Buch her: Es spielt in einer schönen Gegend. Den Rest kann man eigentlich vergessen.

Emma verbringt ihre Sommerferien immer in England bei ihrer Mutter. ...

Der Titel gibt schon das Positivste an diesem Buch her: Es spielt in einer schönen Gegend. Den Rest kann man eigentlich vergessen.

Emma verbringt ihre Sommerferien immer in England bei ihrer Mutter. Als sie dieses Jahr nach Hause kommt, hat sie viele Sorgen. Ihr Vater hatte einen Herzinfarkt und daher sind sie finanziell am Ende. Ihr kleiner Outdoor-Shop im Nationalpark wirft nicht genügend ab. Besonders jetzt nicht, als er geschlossen wird, weil ein Mädchen im Park verschwunden ist. Dann kommt auch noch ein neuer Schüler an Emmas Schule, der so schön, charmant und schön ist, dass alle, die ihn sehen, in Ohnmacht fallen. Oder es am liebsten würden, leider ist das in der Schule verpönt. Und Emma stellt fest, dass sie quasi direkt im Mittelpunkt eines ihrer geliebten Romantasy-Romane sitzt.

Ja, das erfindet schon mal das Rad nicht neu, das steht fest. Aber es hätte sich ja trotzdem vom Einheitsbrei abheben können. Spoiler am Rande: tut es nicht. Es beinhaltet wirklich jedes Klischee, jeden Kitsch und jeden Schmachtfetzen, den man sich vorstellen kann und wirkt wie eine mühsam zusammengestöpselte Mischung aus Twilight und A fate darker than love, die jemand bei Wish bestellt hat. Der Schreibstil ist ... nennen wir ihn jugendgerecht? Ich hoffe nicht. Ich gehörte ja auch mal zur Jugend und hätte ich mich in Deutsch in der Schule eines solchen Sprachstils bedient, meine Aufsätze hätten rot geblutet von all dem, was angestrichen worden wäre. (Zu Recht.) Richtig anstrengend sind die Überschriften. Die sollen bestimmt cool, witzig, Krasschecker sein, aber die sind schon bei Ms Tracy Wolff peinlich und hier einfach nur noch cringy. (Seht, ich kann Jugendspeak.)

Reden wir über Logik? Nein, lieber nicht. Natürlich lasse ich meinen Vater zwei Monate im Sommer allein, wenn er ohnehin ohne mich allein ist und niemanden hat, der sich abends um ihn kümmern kann, wenn er doch mal umkippt. Macht man doch so, oder? Oder einen Outdoor-Shop in einem Nationalpark: Es gibt keinen Grund, ihn zu schließen. In keinem amerikanischen Nationalpark wird irgendwas geschlossen oder Leute davon abgehalten, wandern zu gehen, weil ein Mädchen verschwindet. In den riesigen Nationalparks verschwinden ständig Leute. Sie fallen von Felsen, ertrinken, werden von Bären gefressen und die Hälfte der Verschwundenen fallen entweder irgendwelchen berühmten Serienkillern zum Opfer oder ihrem eigenen Leichtsinn. Das ist völlig normal und gilt als "bisschen Schwund ist ja immer". Und warum landet Emma eigentlich in Boston (Massachusetts), wenn sie entweder in New Hampshire oder Maine lebt, wo sich die White Mountains befinden? Und dann hat Emma übrigens vor, in dem Outdoorshop ein Lesecafé einzurichten. Kopf - harte Fläche. Klar. Kennt man ja. Die Wanderer und Outdoorspezialisten, die extra zum A... der Welt fahren, um dort in Ruhe einen Kaffee zu trinken und ein Buch zu lesen.

Im Übrigen vereint Emma alle unangenehmen Eigenschaften aller nervigen Jugendbücher. Sie errötet ständig, stammelt, sobald der schöne - habe ich schon erwähnt, wie schön der ansonsten völlig unspektakuläre Held ist? - ist schüchtern, vergisst ständig was und benimmt sich meistens nur dumm. Aber Hauptsache, zum Schluss erzählt ihr jemand, wie stark und mutig sie ist. Ja. Logisch. Erzählen kann man viel. Papier ist schließlich geduldig. Und wenn man es lange genug hört, glaubt man es vielleicht sogar. Jedenfalls war's das für mich. Bye, Emma. 1,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.01.2023

Einmal Hölle und zurück

Wer die Hölle kennt
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Alex Stern is back! Warnung: Wer Teil 1 nicht kennt, hat in dieser Rezension nichts verloren, weil er sehr wahrscheinlich gespoilert wird.

Alex hat ihren Mentor Darlington verloren, er wurde in die Hölle ...

Alex Stern is back! Warnung: Wer Teil 1 nicht kennt, hat in dieser Rezension nichts verloren, weil er sehr wahrscheinlich gespoilert wird.

Alex hat ihren Mentor Darlington verloren, er wurde in die Hölle gerissen. Doch Alex wäre nicht Alex, wenn sie es darauf beruhen lässt. Obwohl sie von Lethe die Anweisung erhält, Darlington als tot zu betrachten, sucht sie nach einem Weg, ihn zu befreien. Sie weiß, dass er noch lebt, auch wenn er möglicherweise zu einem Dämon geworden ist. Aber auch Darlington wäre nicht Darlington, bliebe er dabei nicht ein Gentleman. Und so sucht sich Alex Verbündete, Leute, die aus irgendwelchen Gründen nichts mehr oder zu viel zu verlieren haben, und mit ihr durch die Hölle gehen.

Ich fand den ersten Band der Reihe ein bisschen anstrengend, zu sehr New Adult, um mich umzuhauen, aber zum Ende hin spannend genug, um dranzubleiben. Und das habe ich hier nicht bereut. Es gibt hier viel mehr magisches und dämonisches Zeug als Uni-Kram und Coming-of-Age-Gelaber und mir gefällt, wie wahnsinnig intrigant und dreckig die Beschwörungen und die Politik innerhalb der Häuser ablaufen. Alex ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, aber sie ist so dermaßen tough und lässt sich nicht unterkriegen, egal, welche Steine (und manche würde nicht mal Sisiphos aufheben können!) ihr in den Weg geworfen werden. Die Nebenfiguren haben alle Fleisch auf den Rippen und ordentliches Gepäck, stehen also nicht nur als Schablonen in der Gegend herum, um umhergeschoben zu werden. Kein Schwarz/Weiß, jeder hat Dreck am Stecken und trotzdem entweder das Herz an der richtigen Stelle oder eben nicht. Jetzt bin ich zwar immer noch der Meinung, dass man das Buch kürzen und damit die Spannung erhöhen könnte, aber mir hat dieser zweite Band besser als der erste gefallen und ich möchte jetzt unbedingt wissen, wie es ausgeht. Vermutlich können sich Hölle und Teufel warm anziehen ...

Veröffentlicht am 14.01.2023

Blutige Herzen

Der denkwürdige Fall des Mr Poe
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1830: An der Militärakademie West Point wird ein toter Kadett gefunden. Als wäre das nicht schlimm genug, wird seiner Leiche über Nacht das Herz entnommen und gestohlen. Der Superintendent der Akademie ...

1830: An der Militärakademie West Point wird ein toter Kadett gefunden. Als wäre das nicht schlimm genug, wird seiner Leiche über Nacht das Herz entnommen und gestohlen. Der Superintendent der Akademie beauftragt den nahe lebenden ehemaligen New Yorker Polizeioffizier Augustus Landor mit der Aufklärung dieser Sache, die West Point ihren Ruf kosten könnte. Doch es bleibt nicht bei dem einen Toten. Innerhalb weniger Tage gibt es noch einen zweiten toten Kadetten und ein weiterer verschwindet. Landors Nachforschungen kommen erst voran, als er Hilfe eines der älteren Kadetten der Akademie erhält. Sein Name: Edgar Allen Poe ...

Eigentlich ist die Grundidee der Geschichte wirklich spannend. Allein in die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts einzutauchen, machte wirklich Spaß und man muss Bayard zugutehalten, dass er den gemächlichen Schreibstil, der damals üblich war, gut studiert hat. Gleichzeitig ist das aber auch eines der Mankos dieses Buchs. Gerade das ewige Geschwafel in den Berichten Poes konnte dem geneigten Leser beinahe Tränen in die Augen treiben und man wollte ihm zurufen: Jetzt komm doch endlich mal zum Punkt, verdammt! Immerhin gab es zum Schluss einen netten Twist - wenn auch tatsächlich relativ schwach gelöst - und beinahe so etwas wie einen dramatischen Showdown. Was mich auch noch gestört hat als Geschichtsfreak: Wie konnte um 1830 ein Mann bereits im Ruhestand nach jahrzehntelanger Arbeit bei der New Yorker Polizei gewesen sein, wenn die New Yorker Polizei erst gegen 1844/1845 gegründet wurde? Ja, dichterische Freiheit, weil sonst natürlich Poe nicht mehr Kadett an West Point gewesen wäre. Aber es hätte auch gut ohne Poe funktioniert oder man hätte Landor anderweitig juristische Kenntnisse unterjubeln können - die Person eines Sheriffs als Art Untersuchungsbeamten ist in den Staaten schließlich seit dem 17. Jahrhundert bekannt. So habe ich das Buch nicht ungern gelesen, aber haderte gelegentlich mit dem zähen Vorankommen und den historischen Ungenauigkeiten.