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Veröffentlicht am 25.01.2020

Der rechte Mann am rechten Ort

Priest of Bones
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Thomas Piety war drei Jahre im Krieg für die Königin. Siegreich kehren er und seine Männer heim, so siegreich, dass eigentlich alle von ihnen an Kriegskoller leiden. Man hat sie nicht nur ent-, sondern ...

Thomas Piety war drei Jahre im Krieg für die Königin. Siegreich kehren er und seine Männer heim, so siegreich, dass eigentlich alle von ihnen an Kriegskoller leiden. Man hat sie nicht nur ent-, sondern auch sich selbst überlassen. Als sie Pietys Heimat erreichen, muss er feststellen, dass alles, was er sich zuvor aufgebaut hatte, kaputt ist. Seine Geschäfte wurden übernommen oder zerstört. Doch er und seine Männer sind kampferprobt, und obwohl er der Priester der heiligen Jungfrau ist, ist diese alles, nur nicht barmherzig. Thomas und seine Männer holen sich die Straßen der Pious Men zurück, doch bald muss er einsehen, dass es gefährlichere Feinde gibt als den Gouverneur oder rivalisierende Banden und manchmal List erfolgreicher ist als Magie.

Thomas Piety, der Erzähler, ist ein schlauer, aber kein gebildeter Mann. Das merkt man auch daran, wie er die Dinge berichtet. Aus einfachen Verhältnissen stammend hat er sich zu einer Art Mafiaboss hochgearbeitet, der den Leuten in seinen Vierteln zwar keine Wahl lässt, aber auf gewisse Weise wirklich gerecht regiert. Trotz der Brutalität, die ihn und seine Männer umgibt, und ihrer Kriegsschäden fällt es meistens schwer, ihn nicht zu mögen. Reife Leistung des Autors! Andererseits gibt es in Ellingburg wirklich schlimmere Leute als die Pious Men. Das Buch ist spannend und flüssig geschrieben, allerdings fand ich, bei all den Problemen, die sich vor Thomas auftürmten, wurden diese immer ein bisschen zu einfach gelöst, notfalls mit Magie. Auch gab es ein paar zu viele Wiederholungen, die irgendwann zu Augenrollen führten. Unterhaltsame Lektüre, die sich jedoch in ihrer Komplexität mit den nächsten Büchern gern steigern dürfte. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 23.01.2020

Es gibt immer einen Ausweg!

Das Wolkenschiff
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Marie und Arthur sind Zwillinge. Ihr Vater ist ein berühmter Entdecker, der mit seinem Wolkenschiff auf der Suche nach Südpolaris und schon Monate lang fort ist. Da erhalten sie eines Tages eine schreckliche ...

Marie und Arthur sind Zwillinge. Ihr Vater ist ein berühmter Entdecker, der mit seinem Wolkenschiff auf der Suche nach Südpolaris und schon Monate lang fort ist. Da erhalten sie eines Tages eine schreckliche Nachricht: Ihr Vater ist verschollen, wahrscheinlich tot, und alle seine Besitztümer werden eingezogen, weil er gegen den Ehrenkodex der Entdecker verstoßen hat. Die Zwillinge müssen in das Elendsviertel der Stadt ziehen und werden wie Sklaven behandelt. Doch sie geben nicht auf - als eines Tages eine neue Expedition ausgelobt wird, bewerben sie sich bei der jungen, dynamischen und fortschrittlichen Entdeckerin Harriet Culpepper und werden angenommen. Das Abenteuer ihres Lebens beginnt!

Eine sehr tolle, kurzweilige Geschichte, die ich wirklich gern gelesen habe. Mir gefallen all diese starken Frauenfiguren, ganz egal, ob sie auf Seiten der Guten oder der Bösen agieren. Dabei werden die Männer keinesfalls abgekanzelt, auf beiden Seiten gibt es mega Leute, gut und böse. Teilweise ist die Geschichte fast schon märchenhaft mit den Königen der Wüste oder erinnert ein bisschen an His Dark Materials mit sprechenden Tieren. Ein bisschen Kritik muss ich trotzdem üben. Welche Message bringt es rüber, wenn jemand mit 14fachem Mord davonkommt - selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich hier um einen Mehrteiler handelt? Überhaupt war es gerade am Schluss ganz schön brutal für ein Kinderbuch mit mehreren Mordversuchen, die auf überraschende und eher unlogische Weise überlebt wurden. Insgesamt gesehen hat die Geschichte aber großen Spaß gemacht und ich hoffe, es wird noch weitere Bände geben.

Veröffentlicht am 22.01.2020

Hellsehen für Anfänger

Das Labyrinth von London
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Zuerst einmal: Vergesst diesen dümmlichen Klappentext. Der hat mit der Handlung so viel zu tun wie ein Einhorn mit dem Reparieren von Uhren. Wahrscheinlich möchte man auf den Aaronovitch-Zug aufspringen, ...

Zuerst einmal: Vergesst diesen dümmlichen Klappentext. Der hat mit der Handlung so viel zu tun wie ein Einhorn mit dem Reparieren von Uhren. Wahrscheinlich möchte man auf den Aaronovitch-Zug aufspringen, aber so funktioniert das eher schlecht.

Alexander Verus ist ein Magier, der in London lebt. Ein echter, keiner, der so Geldmünzen hinter Ohren oder Hasen aus Zylindern hervorholt. Er ist Hellseher, kann also gewisse Sachen aus der Zukunft sehen. Eines Tages fällt ihm nicht nur ein sonderbares Artefakt in die Hände, aus dem er nicht schlau wird, sondern ihn sucht auch jemand vom Rat auf, um ihn für einen seltsamen Job anzuheuern. Da Alex und der Rat nicht auf besten Fuß stehen, lehnt er ab. Nur kurz darauf erhält er dasselbe Angebot von der Magier-Mafia, das er fast noch schwerer ablehnen kann. Alles läuft am Ende darauf hinaus, dass zwei Parteien etwas Mächtiges beherrschen wollen und Alex samt seiner Freundin Luna mitten ihnen stehen.

Ich mag Magier. Ich lebe quasi in Hogwarts und amüsiere mich immer wieder mit Peter Grant in London. Kein Wunder also, dass ich auch zu diesem (Hör)Buch greifen musste. An und für sich sind die Ideen auch sehr cool. Ein Magier mit Zauberladen, eine nähende Riesenspinne von der Größe und dem Gewicht eines Kleinwagens, ein Luftelementar, den man gelegentlich als Taxi nehmen kann, der Fluch einer jungen Frau und ein Tarnumhang, den Alex wahrscheinlich von Harry geklaut hat. Soweit, so gut.

Kaputtgemacht wird das Ganze durch ewiges Drumherumlabern. Selten habe ich so viele nichtssagende Dialoge gehört, die nicht auf den Punkt kamen und wo Fragen gestellt wurden, die schon beim ersten Satz beantwortet waren. Dann hat der Autor scheinbar nicht begriffen, dass in Actionszenen auch etwas Wichtiges vorkommen muss: nämlich Action! Man kann während einer gefährlichen Szene nicht erst ausführlich darüber dozieren, warum dieses oder jenes funktioniert (oder auch nicht). Wenn man das nicht vorher unauffällig im Fließtext untergebracht hat, hat man seinen Job irgendwie verfehlt. Ich könnte jetzt noch ewig selbst darüber dozieren, warum dieses Buch zumindest für mich so gar nicht funktioniert hat, aber dann wäre ich kaum besser als Jacka. Zumindest den Sprecher trifft keine Schuld. Er und der völlig verpeilte Luftelementar waren meine Highlights in dem Hörbuch.

Veröffentlicht am 21.01.2020

Hier hört die Geschichte auf

Die Stadt der Träumenden Bücher (Comic)
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Der junge, angehende Dichter Hildegunst von Mythenmetz hat Glück im Unglück gehabt. Obwohl er von dem intriganten Buchhändler und Antiquar Phistomefel Smeik vergiftet und in die Katakomben verbannt wurde, ...

Der junge, angehende Dichter Hildegunst von Mythenmetz hat Glück im Unglück gehabt. Obwohl er von dem intriganten Buchhändler und Antiquar Phistomefel Smeik vergiftet und in die Katakomben verbannt wurde, um dort von den Bücherjägern getötet zu werden, wurde er gerettet. Die Schrecklichen Buchlinge, die alles andere als schrecklich sind, nehmen ihn in ihre Gemeinschaft auf und zeigen ihm die Wunder unter der Erde. Das endet abrupt, als die grausamen Buchjäger ihre Heimat überfallen und Hildegunst fliehen muss - direkt ins Herz der Katakomben, zu Schloss Schattenhall. Dort herrscht der grausame Schattenkönig und Hildegunst weiß nicht, ob er dieses Abenteuer überleben wird.

Wie schon der erste Teil ist auch dieser wahnsinnig gut gezeichnet und illustriert worden. Jeder Moment, jede Szene, jede einzelne Seite ist mit so viel Können, Liebe und Schönheit gestaltet worden, dass ich immer wieder innehalten und schauen musste. Dabei - und ich bin nicht stolz darauf, wie lange es dauerte, bis ich dahinter kam - bemerkte ich, dass die ganzen Dichter Anagramme für echte Schriftsteller oder Dichter sind. Hab zwar noch nicht alle entschlüsselt, aber einige sind dann doch sehr offensichtlich. Warum aber trotzdem einen Punkt Abzug? Um ehrlich zu sein, war es mir teilweise zu brutal. Für mich war das bis hierhin eine totale Feel-Good-Story und auf einmal gab es ganz schöne Gemetzel und Zerstörungen. Das war mir ein bisschen too much. Insgesamt gesehen sind diese beiden Graphic Novels jedoch totale Highlights und absolut empfehlenswert.

Veröffentlicht am 20.01.2020

Hier fängt die Geschichte an

Die Stadt der Träumenden Bücher (Comic)
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Auf der Lindwurmfeste lebt der blutjunge Dichter (gerade mal 77 Jahre alt) Hildegunst von Mythenmetz. Als sein Dichtpate stirbt, vermacht er ihm ein Manuskript, das einfach nur perfekt ist. Hildegunst ...

Auf der Lindwurmfeste lebt der blutjunge Dichter (gerade mal 77 Jahre alt) Hildegunst von Mythenmetz. Als sein Dichtpate stirbt, vermacht er ihm ein Manuskript, das einfach nur perfekt ist. Hildegunst will unbedingt herausfinden, wer dieses Manuskript verfasst hat und macht sich deshalb auf den Weg nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Dort lernt er schnell, dass Bücher nicht nur faszinieren können, sondern auch gefährlich werden. Doch natürlich stecken immer die Lebenden dahinter, wenn jemandem was passiert - nicht, dass es in Buchhaim nicht auch lebende Bücher gibt: Denn was nicht auf dem ersten oberflächigen Blick existiert, gibt es ganz bestimmt unterhalb dieser besonderen Stadt - in den Katakomben. Und Hildegunsts Abenteuer hat gerade erst begonnen ...

Ich wusste eigentlich so gar nicht, worauf ich mich einlasse. Natürlich sind mir das kleine Arschloch und Capt'n Blaubär ein Begriff und ich möchte mich als durchaus erfahrenen Graphic-Novel-Leser bezeichnen. Doch ich hatte trotzdem nicht mit einer so außergewöhnlich erzählten Geschichte gerechnet, die vielleicht absurd erscheint, aber einen Mordsspaß macht. Dazu kommen die wirklich genialen Bilder, die teilweise Wimmelqualität besitzen; egal, wie oft man sie ansieht, man findet wieder etwas Neues. Ein toller erster Teil, wie gut, dass der zweite gerade schon bereitliegt!