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Veröffentlicht am 10.11.2019

Für Eve

Eve of Man (I)
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Fünfzig Jahre lang wurden auf der ganzen Welt keine Mädchen mehr geboren - und dann kam sie: Eve. Dieses Kind ist der kostbarste Schatz der Menschheit, denn auf ihr ruht die Hoffnung, dass eben diese überlebt. ...

Fünfzig Jahre lang wurden auf der ganzen Welt keine Mädchen mehr geboren - und dann kam sie: Eve. Dieses Kind ist der kostbarste Schatz der Menschheit, denn auf ihr ruht die Hoffnung, dass eben diese überlebt. Die Männer haben natürlich völlig die Macht an sich gerissen, Frauen zur Brut verdammt, den Planeten vor die Hunde gehen lassen. Stürme sind an der Tagesordnung, das Klima ist kaputt. Doch Eve wächst behütet und abgeschirmt von allem in einem 4000 Meter hohem Turm auf, wird von alten Frauen behütet, unterrichtet und sportlich gehalten. Junge Männer, so genannte Piloten, schlüpfen regelmäßig in eine Art Avatar, um ihr als "Holly", der besten Freundin, Gesellschaft zu leisten. Einer davon ist Bram, der Sohn des Wissenschaftlers, der hinter allem steht, was hier passiert. Doch sowohl Eve als auch Bram merken irgendwann, dass es nicht mehr nur um die Rettung der Menschheit geht, sondern nur noch Macht, und sie beschließen, sich aufzulehnen ...

Okay. Ich weiß nicht wirklich, was ich erwartet habe. Vielleicht etwas mehr logischer wissenschaftlicher Hintergrund? Ich meine, selbst wenn Eve in der Lage wäre, nur Mädchen zu gebären, sie allein könnte die Menschheit mit ihren Nachkommen nicht retten. Das müsste auch den Protestierenden und allen anderen Regierungen, die sich anscheinend der Organisation, die Eve besitzt, klar gewesen sein. Doch selbst wenn wir das mal außen vor lassen, bleibt von der Geschichte nicht viel Substanz. In der ersten Hälfte zeichnen sich die beiden Protagonisten dadurch aus, dass sie immer genau das tun, was das Dümmste ist, obwohl sie genau wissen, dass sie permanent überwacht werden. Ab der zweiten Hälfte kommt dann Action hinzu, allerdings so furchtbar pathetisch und unlogisch, dass es schwer fällt, dabei zu bleiben. Was ist also übrig von dem Buch? Jedenfalls auf meiner Seite nicht das Bedürfnis, noch mehr Bände dieser Trilogie zu lesen.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Kalter Fall

Winteraustern
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Luc Verlaine, der lange bei der Polizei in Paris gearbeitet hat, ist zurück in seiner Heimat, direkt am Meer, dort wo die Austernfischer leben. Er will für seinen an Krebs erkrankten Vater da sein und ...

Luc Verlaine, der lange bei der Polizei in Paris gearbeitet hat, ist zurück in seiner Heimat, direkt am Meer, dort wo die Austernfischer leben. Er will für seinen an Krebs erkrankten Vater da sein und organisiert in einer kalten Winternacht einen Ausflug mit dem alten Herrn, hinaus in die Austernparks, wo Verlaine sr früher selbst gefischt hat. Genau in dieser Nacht passieren zwei furchtbare Sachen: Zuerst wird ein Fischer überfallen aufgefunden, der ohne ihre Hilfe durch die Flut ertrunken wäre, dann finden sie zwei tote Jugendliche an Pfähle gebunden vor. Wer könnte ein Interesse daran haben, den Austernfischern so etwas anzutun? Hat der Austernkönig was damit zu tun, der versucht, alle aufzukaufen? Sind es Kriminelle aus Paris? Oder steckt was ganz anderes dahinter?

Für mich ist das der erste Fall, in dem ich Luc Verlaine begleite, aber es gibt ab und zu Rückblicke, also fühlte ich mich nicht irgendwie abgehängt. Der Schreibstil ist gut, der Fall/die Fälle interessant, für meine Verhältnisse gibt es ein bisschen zu viel französisches Lokalkolorit, als wollte der Autor auch ja beweisen, wie gut er sich auskennt, was ich jedoch eigentlich sowieso nicht bezweifelt habe. Die Sache scheint simpel, aber gut konstruiert zu sein, ich fühlte mich krimitechnisch gut unterhalten. Und dann? Dann kam der Schluss, der meiner Meinung nach den ganzen Fall irgendwie kaputtmacht und mich äußerst unzufrieden zurücklässt. Dazu kommt ein in meinen Augen unnötiger Cliffhanger, der auf Band 4 hindeutet, mich aber so gar nicht reizen kann und tatsächlich eher denken lässt, dass ich den nicht lesen muss oder will. Weiß nicht, ob sich der Autor hier wirklich einen Gefallen erwiesen hat, aber ansonsten war das ein solider Frankreichkrimi.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Sei mutig, wild und wunderbar

Pages & Co.
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Matilda ist elf, kennt ihre Eltern nicht und wächst bei ihren Großeltern im Buchladen Pages & Co auf. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt verschwunden, ihr Vater, so sagen die Großeltern, ist tot. Ihr ...

Matilda ist elf, kennt ihre Eltern nicht und wächst bei ihren Großeltern im Buchladen Pages & Co auf. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt verschwunden, ihr Vater, so sagen die Großeltern, ist tot. Ihr mangelt es trotzdem an nichts, denn ihr Zuhause ist äußerst liebevoll. Doch plötzlich gehen im Buchladen seltsame Dinge vor: die Großmutter unterhält sich mit jemandem namens Lizzie Bennett und der Großvater ist im Gespräch mit einem altmodisch aussehenden Herrn mit Steerwalker und Pfeife. Und dann tauchen da auch noch Mädchen auf, die haargenau aussehen wie Matildas Lieblingsprotagonisten! Sie muss der Sache auf den Grund gehen und zum Glück hat sie einen Freund wie Oscar, der sie dabei unterstützt.

Das ist eines dieser Bücher, die sogar mir so richtig von Cover und Aufmachung her gefallen und die es wahrscheinlich deshalb nicht schaffen, mit der Erwartungshaltung gleichzuziehen. Tatsächlich hebt sich Matilda nicht sehr von Büchern ähnlicher Machart ab, in denen Protagonisten in die Buchwelt gelangen. Es ist zwar alles sehr nett und die Idee, bei "Störungen" oder "Unterbrechungen" des Inhalts von Büchern die Buchstaben über die Seiten tanzen zu lassen, witzig. Doch richtig packen konnte mich Matildas Abenteuer nicht. Vielleicht liegt es zum Teil auch daran, dass das Korrektorat nicht sehr sorgfältig ausgeführt wurde und es immer wieder schaffte, mich aus Matildas Welt zu reißen, ohne dass ich nach Fehlern gesucht hätte. Allein schon den Imperativ von "lesen" als "Lese!" auszudrücken, tut weh, und es bleibt leider nicht dabei. Für mich also "nur" 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Achtung, Magie!

Alabasterball
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Vor einem Jahr hätte Amy auf eine geheimnisvolle Insel reisen sollen, um am Alabasterball teilzunehmen. Doch nach einem Streit mit ihrer Schwester klaut ihr diese die Einladung und fährt selbst hin. Seitdem ...

Vor einem Jahr hätte Amy auf eine geheimnisvolle Insel reisen sollen, um am Alabasterball teilzunehmen. Doch nach einem Streit mit ihrer Schwester klaut ihr diese die Einladung und fährt selbst hin. Seitdem ist sie verschwunden und Amy hat alles daran gesetzt, eine erneute Einladung zu bekommen. Jetzt hat sie es geschafft. Zusammen mit zwei weiteren Mädchen und drei Jungen kämpft sie um den Titel der Ballkönigin, denn diese darf sich wünschen, was immer sie will. Doch auf der Insel geht nicht alles mit rechten Dingen zu, und immer gefährlicher werden die Tänze und Aufgaben. Dann verliebt sich Amy auch noch und muss sich zwischen dem Leben eines Jungen und dem ihrer Schwester entscheiden.

Leider hat für mich der Klappentext etwas völlig anderes suggeriert, als ich letztendlich erhalten habe. Von Arena und auch Beatrix Gurian habe ich eher eine Art Jugendthriller erwartet, stattdessen bekam ich eine Geschichte mit Magie und Göttern, eine Art moderne Version von Heldin in der Unterwelt, um geliebten Menschen zu retten. Sehr griechisch, auch in den Entscheidungen und Konsequenzen, aber eben nicht das, was ich eigentlich erwartet hatte. Davon abgesehen erschien mir Amy tatsächlich nicht wie der Typ Mädchen, die ein mächtiges Wesen dazu bringen könnte, sich zu verlieben. Sie ist zwar nett und versucht, das Richtige zu tun, aber eigentlich ist sie ganz schön langweilig. Alles in allem eine nette Geschichte, bei dem zum Schluss mal noch eben die Motivationen aller Beteiligten aufgeführt wurden, aber man muss sich vor Augen halten, es hier mit märchenhafter Fantasy, nicht realem Geschehen zu tun bekommen.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Die dunkle Seite des Brexit

Exit Now!
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Samantha ist die Tochter eines hohen Politikers in England kurz nach dem Brexit. Das Land ist zu, die Regierung greift hart durch, doch Sam hat kaum Schlimmeres auszustehen, als auf Empfängen die nette ...

Samantha ist die Tochter eines hohen Politikers in England kurz nach dem Brexit. Das Land ist zu, die Regierung greift hart durch, doch Sam hat kaum Schlimmeres auszustehen, als auf Empfängen die nette Tochter zu spielen und zu lächeln. Da ihre Zensuren in einigen Fächern zu wünschen übrig lassen, bekommt sie die siebzehnjährige Ava zugeteilt, die ihr Nachhilfestunden geben soll. Ava stammt aus einer mittellosen Familie, ihre Mutter ist verschwunden, ihr Vater hält sie mit Taxifahren gerade so über Wasser. Samantha erkennt auch durch Ava immer mehr, wie ungerecht die neuen Gesetzgebungen, Verbote und Erlasse sind und beginnt, dagegen vorzugehen. Doch ihre Gegner sind übermächtig und gehen im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen ...

Das ist ein wahnsinnig rasantes, actionreiches und auch mit Gewaltdarstellungen nicht geizendes Buch, das für mich einige sehr authentische bzw. wirklich mögliche Szenarien enthält. Manche Sachen werden zu Lasten des Erzählflusses ein bisschen zu schnell abgehandelt und ich bin der Meinung, um viele Sachen, Entscheidungen oder Personen richtig zu verstehen, sollte man entweder vorher die Gelöscht-Trilogie lesen oder zeitnah hinterher. Doch selbst, wenn man diese Bücher nicht kennt, ist es ein Buch, das zu erschüttern weiß und vielleicht auch zum Nachdenken bringen wird. Wenn man sich so umsieht, was in der Welt passiert, glaube ich gar nicht, dass allzu vieles hier allzu überspitzt dargestellt wird.