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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Kompost

Richtig kompostieren für Einsteiger
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Wer anfängt, sich etwas intensiver mit seinem Garten zu beschäftigen, kommt früher oder später um einen vernünftigen Komposthaufen nicht drumherum - und warum sollte man den nicht gleich richtig anlegen, ...

Wer anfängt, sich etwas intensiver mit seinem Garten zu beschäftigen, kommt früher oder später um einen vernünftigen Komposthaufen nicht drumherum - und warum sollte man den nicht gleich richtig anlegen, um Garten- und Küchen/Bioabfälle gleich perfekt wieder nutzen zu können? Zumindest war das meine Motivation, zu dem Buch zu greifen. Bisher hat unser Komposthaufen immer in einer Ecke rumgelegen, dank des Buches habe ich ihn jetzt - so hoffe ich - effektiver angelegt.

Der Autor sagt zwar, richtiges Kompostieren sei alles andere als Hexenwerk, aber man kann trotzdem eine Menge falsch machen und damit im besten Fall jahrelang keinen eigenen Kompost herstellen oder im schlimmsten Fall auch noch Schädlinge in den Garten holen. Beides nicht optimal. Das Buch erklärt mehr oder weniger Schritt für Schritt, wie man es richtig macht. Cool finde ich dabei gewisse Hacks oder auch, dass andere Gartenexperten zu Wort kommen. Die beste Motivation ist am Ende doch auch immer, wenn was funktioniert. Ich habe jetzt erst angefangen, den alten Kompost quasi neu aufzubauen und weiß also nicht, ob es sich in der Praxis bewährt, aber ich habe das Gefühl, viele wichtigen Infos und auch Inspiration bekommen zu haben.

Veröffentlicht am 27.03.2026

Hofjungfer

Lady Grace Mysteries
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England, 16. Jahrhundert. Königin Elisabeth I. regiert das Land. Lady Crace Cavendish, eine junge adlige Waise von nicht einmal 14 Jahren, dient ihr als Hofjungfer und soll sich beim nächsten Ball aus ...

England, 16. Jahrhundert. Königin Elisabeth I. regiert das Land. Lady Crace Cavendish, eine junge adlige Waise von nicht einmal 14 Jahren, dient ihr als Hofjungfer und soll sich beim nächsten Ball aus drei Verehrern ihren zukünftigen Gatten aussuchen. Grace fühlt sich noch gar nicht bereit dafür, aber ein Befehl der Königin ist ein Befehl der Königin. Da wird der unangenehmste ihrer Verehrer mitten auf dem Ball umgebracht und derjenige, mit dem sie noch am liebsten zusammen wäre, des Mordes bezichtigt. Lady Grace glaubt nicht an den offensichtlichen Tathergang und sie macht sich auf, den wahren Mörder zu finden. Zum Glück hat sie mit dem Dienstmädchen Ellie und dem Hofakrobaten Masou zwei tapfere Freunde an ihrer Seite.

Das Alleinstellungsmerkmal dieser Geschichte ist nicht, dass ein paar Jugendliche einen Mord und eventuell die ein oder andere Intrige aufklären, sondern wo genau das geschieht: am Hofe der Königin Elisabeth. Dabei vermittelt die Autorin schon ordentliches Wissen über diese Zeit und es macht auch Spaß, das Buch zu lesen. Auch die Jugendlichen selbst sind größtenteils sympathisch, wobei die beiden Nichtadligen nur oberflächig charakterisiert werden. Was mich jedoch mehr gestört hat, war, dass diese Geschichte einfach nur geradeaus ging. Es gab keine falschen Fährten, der zeitige Verdacht, den die geneigten LeserInnen fassen, bestätigt sich und das einzig wirklich Wichtige, was man sich am Schluss in Bezug auf Graces Mutter gefragt hat, wird nicht geklärt. Das ist ein bisschen unbefriedigend und es ist noch viel Luft nach oben für die nächsten Bände übrig.

Veröffentlicht am 25.03.2026

Küchendienst

The House Witch 1
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Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft ...

Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft aus dem Haus - in dem Fall dem Schloss. Er ist jung und gut aussehend und durch seine Kochkünste erweckt er schnell das Interesse der Schlossbewohner. Doch Fin gibt sich abweisend, weil noch immer Hexen manchmal gejagt werden. Langsam macht er Bekanntschaft mit den Menschen, sogar mit Adligen und dem König und dessen Gemahlin. Mit der Adligen Anika verbindet ihn bald mehr - und dann ist da noch der drohende Krieg, der im Nachbarreich geplant wird.

Das Buch wird mit "Eine heiße Tasse Kakao" beworben. Ich bin kein großer Fan von heißem Kakao, vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht den allzu begeisterten Stimmen anschließen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch - genau wie eine heiße Tasse Kakao - nicht mehr zu bieten hat. Man trinkt, man hat ein bisschen flüssigen Zucker im Mund und dann ist der Geschmack weg. Jetzt stellt euch vor, dieser Kakao bleibt über Stunden in eurem Mund. Es passiert nichts weiter, außer dass es irgendwann ein bisschen schal schmeckt. So ähnlich ging es mir mit diesem Buch. Über 600 Seiten lang passiert ... eher nichts. Ein bisschen Küchenzeugs hier, ein bisschen Küchenzeugs da, Kochen, Backen, ein bisschen Magie. Es soll cozy sein, ist es auch, aber irgendwann ist bei cozy auch mal die Luft raus. Besonders, wenn jemand das Schreibhandwerk noch nicht sehr gut beherrscht, wie es hier der Fall ist.

Die Handlung plätschert so dahin. Es wird gelegentlich mitten im Absatz die Perspektive gewechselt, und die Reaktionen vieler (aller!) sind selten konsistent. Da wird an Stellen gelacht, die nicht lustig sind - und einmal wird offensichtlich aus "Das Leben des Brian" geklaut. Einmal wird behauptet, der König findet den Koch sympathisch, im nächsten Moment misstraut er ihm zutiefst. Fin und ein Botschafter sollen alte Freunde sein, haben aber nichts Besseres zu tun, als sich zu prügeln. Ein bisschen cozy mit dem kleinen Prinzen, ein bisschen cozy mit dem Kater, ein bisschen cozy mit den Rittern. Es plätschert hierhin und dahin. Die Liebe kommt aus dem Nichts. Und wenn man das Buch nach 600 Seiten zuschlägt, hat man das Gefühl, einen ziemlich langen Prolog hinter sich zu haben, denn bei all diesen vielen Worten und Seiten gibt es nicht mal eine Art von Abschluss. Das Ende lässt uns rein königsreichmäßig an derselben Stelle zurück, an der wir begonnen haben.

Ach, und erwähnte ich eigentlich schon die Neigung der Autorin, alle Leute saufen zu lassen und das witzig zu finden? Spoiler: Ist es nicht. Nichts ist witzig, worüber außer man selbst niemand weiter lachen kann. Positiv zu erwähnen ist, dass man sich eventuell als Queer-Ally beweisen möchte - wobei da der Wermutstropfen bleibt, dass Fin immer sehr vehement darauf besteht, straight zu sein. Alles in allem ist das Buch eine süße Idee mit eigentlich toller Magie, bei der mit entsprechendem Handwerk der Autorin oder zumindest einem konsequenten Lektorat richtig was hätte entstehen können. Ich mache mir jetzt erstmal eine Tasse heißen Tee.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Zustände

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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The Return of the witzigste politische Känguru! Und Zeit wurde es, denn es gibt jede Menge Zustände, von denen man Zustände kriegen kann. Jemand muss eine Rebellion starten, und wer könnte das besser als ...

The Return of the witzigste politische Känguru! Und Zeit wurde es, denn es gibt jede Menge Zustände, von denen man Zustände kriegen kann. Jemand muss eine Rebellion starten, und wer könnte das besser als das Känguru und sein Kleinkünstler Marc-Uwe? Und so schließen die beiden WG-Partner sogar vor der Augen der fassungslosen Herta eine Wette ab, wer die meisten Revolutionäre an Land zieht. Doch bevor sich herausstellt, wer von ihnen gewinnt, gibt es jede Menge Dinge zu besprechen. Im Wohnzimmer von Marc-Uwe, aber auch in ihrem zweiten Wohnzimmer, der Eckkneipe von Herta bei deren neuem Podcast ...

Herr im Himmel, der Mann (und sein Känguru) haben's einfach drauf. Es ist natürlich alles wahnsinnig witzig, aber entspricht dennoch den Tatsachen und was das Beste ist: Man kommt einen perfekten Politikunterricht serviert, wie er aktueller nicht sein könnte. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht nur die CDU/SU samt Gesödere und des Frühlings Merzens sein Fett weg kriegt, sondern auch andere inkompetente und/oder korrupte PolitikerInnen (also viele). Und genauso logisch ist, dass einem dabei oft das Lachen im Hals stecken bleibt. Ich wünschte, die Bücher (ja, meinetwegen sogar die Hörbücher!) würden Pflichtlektüre in der Schule und ich bin außerdem auch für den Vorschlag, dass die nächsten 47 Jahre nur Frauen wählen dürften. Wo muss ich für die Rebellion unterschreiben? Wie immer wurde das Ganze auf den Punkt genial gelesen vom Autor selbst, das Einzige, was nervte, waren die Lach- und Klatschkonserven. Wer Letzteres nicht ausstehen kann, warte bitte, bis es eine Nichtlive-Aufnahme gibt.

Veröffentlicht am 19.03.2026

September in Gold

Fräulein Renée und das kartografische Komplott
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1908. Der achtzehnjährige Caspar beantwortet eine ungewöhnliche Stellenanzeige und lernt die fast gleichaltrige reiche Erbin Renée kennen, die einen Sekretär und Chronisten sucht, der mit ihr Abenteuer ...

1908. Der achtzehnjährige Caspar beantwortet eine ungewöhnliche Stellenanzeige und lernt die fast gleichaltrige reiche Erbin Renée kennen, die einen Sekretär und Chronisten sucht, der mit ihr Abenteuer erlebt und darüber berichtet. Das Abenteuer lässt auch nicht lange auf sich warten, denn sie stolpern beinahe sofort in einem alten Forsthaus über die Leiche einer Frau. Da diese Leiche plötzlich verschwindet, ermittelt Renée mit der manchmal widerwilligen Hilfe von Caspar allein, ohne die Polizei hinzuzuziehen. Dabei geraten die beiden nicht nur in Lebensgefahr, sondern müssen einiges über Liebe und Vertrauen lernen.

Ich habe das Buch von Anfang an genießen können. Man taucht sofort in das damalige Leben ein und bekommt ganz nebenbei noch einiges an Wissen über diese Zeit, Stuttgart, geographische Komplotte und das Verhalten und Benehmen verschiedener Klassengesellschaften mit auf den Weg. Dabei ist wohl ein besonderer USP die Charakterisierung der Hauptpersonen. Renée ist zwar die Tochter eines Großkapitalisten, hat aber dank ihres Hintergrunds auch genug humanistisches Verständnis für andere und spricht sich gegen Kolonialisierung und Eroberungen aus. Sie ist eine moderne junge Frau, die allerdings auch noch einiges zu lernen hat. Caspar behält seine Karten eng am Körper, ist aber ein hochsympathischer junger Mann mit verdammt guten Ansichten. Dass er außerdem auch Synästhesie hat und mit Romantik höchstens auf dichterischer Ebene etwas anfangen kann, macht ihn nur noch spannender. Mit einem Teil des Endes war ich nicht ganz so glücklich, aber das Gesamtwerk hat mich schon sehr glücklich gemacht und ich hoffe, der Verlag bitte um Fortsetzungen. Ich würde gern sehen, wie sich Caspar und Renée entwickeln und welche weiteren Abenteuer sie erleben. 4.5/5 Punkten.