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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2026

Heimsuchung

Good Spirits
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Harriet York stammt aus einer wohlhabenden Anwaltsfamilie, zu der sie kaum noch Kontakt hat. Sie führt einen Antiquitätenladen und versucht, ein guter Mensch zu sein. Dass also ausgerechnet sie Anfang ...

Harriet York stammt aus einer wohlhabenden Anwaltsfamilie, zu der sie kaum noch Kontakt hat. Sie führt einen Antiquitätenladen und versucht, ein guter Mensch zu sein. Dass also ausgerechnet sie Anfang Dezember von dem Geist der Vergangenheit heimgesucht wird, ist ihr unverständlich. Da sie jedoch ein People Pleaser ist, möchte sie auch dem Geist, einem mürrischen Mann namens Nolan Calahan, helfen. Die beiden machen sich also mehrmals auf, ihre Vergangenheit zu erkunden. Dabei kommen sie sich näher, als man bei einem Geist und seiner Heimgesuchten erwarten sollte und plötzlich spielt die Magie von Nolan verrückt ...

Mir hat das Buch im Großen und Ganzen gut gefallen. Die beiden Protagonisten sind sehr sympathische Leute, Nolan ist eine ziemliche green flag, obwohl er aus dem 19. Jahrhundert stammt, und Harriet ist wirklich so gut wie behauptet. Daraus ergibt sich ein richtig cosy read, der manchmal so cosy wurde, dass ich beim Lesen eingeschlafen bin. Das ist nicht unbedingt schlecht, nur sollte man Bescheid wissen, dass trotz familiärer Konflikte keine wirklichen Spannungen in irgendeinem Umfeld auftauchen. Wem das taugt, der wird hier mega gut bedient. Was mich auch ein bisschen irritiert hat, war diese Verbindung, die da zwischen Harriet und Nolan geschaffen wurde; die hätte es für mich nicht gebraucht. Alles in allem: ganz nett. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 08.02.2026

Die Geisterflüsterin

Whisperling - Die Geister-Detektivin
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Peggy Devona ist gerade mal zwölf, lebt in einem kleinen englischen Dorf und kann Geister sehen und mit ihnen sprechen. Dafür wird sie von dem unsympathischen und gehässigen Pastor Tate verfolgt, obwohl ...

Peggy Devona ist gerade mal zwölf, lebt in einem kleinen englischen Dorf und kann Geister sehen und mit ihnen sprechen. Dafür wird sie von dem unsympathischen und gehässigen Pastor Tate verfolgt, obwohl der nicht genau weiß, dass Peggy ein Whisperling ist, denn das wissen nur ihre Familie und ihre beste Freundin, die vierzehnjährige Sally. Als Sally einen Job bei einer reichen alten Frau erhält, scheint es endlich auch deren Familie besser zu gehen. Bis sie eines Tages des Mordes an ihrer Arbeitgeberin angeklagt wird und gehängt werden soll. Peggy weiß, dass sie es nur mithilfe ihrer Whisperlingfähigkeiten schaffen wird, ihre Freundin zu retten.

Ich hatte anhand des doch relativ niedlichen Covers etwas anderes erwartet, aber das heißt nicht, dass das Buch schlecht war, im Gegenteil. Verpackt in eine kindgerechte Story wird vieles aufgegriffen, das für das 19. Jahrhundert typisch war. Arme Bauernfamilien, bei denen schon die Kinder mitarbeiten mussten, dasselbe für Arbeiter und Minenkumpel. Der Tod war allgegenwärtig und konnte jeden treffen. Mir gefiel auch, dass der schurkische Geistliche Tate heißt, das schlägt so einen schönen Bogen in die heutige Zeit zu einem wirklich ekelhaften Brüderpaar. Auf angenehme Weise bekam man hier jedenfalls ganz nebenbei in eine fantastische Geschichte noch ein wenig ... Geschichte vermittelt.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Teuflisch

Devil's Deal
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Jaga ist eine junge Frau, die in ihrem Dorf fast nur mit Misstrauen und Verachtung behandelt wird. Sie besitzt magische Kräfte und möchte die Heilerin ihrer Gemeinde werden, aber weil man sie für eine ...

Jaga ist eine junge Frau, die in ihrem Dorf fast nur mit Misstrauen und Verachtung behandelt wird. Sie besitzt magische Kräfte und möchte die Heilerin ihrer Gemeinde werden, aber weil man sie für eine Hexe hält, wird jemand anders für diesen Posten ausgesucht. Doch dann passiert das Unmögliche: Während der Sommersonnenwende erscheinen Götter und Dämonen auf dem Festplatz und Jaga tanzt die ganze Nacht mit Woland, dem Teufel, der sie für sich beanspruchen will. Doch dafür soll sie in seinen Besitz übergehen und sie weiß nicht, was er plant, also lehnt sie ab. Von nun an macht er ihr das Leben zur Hölle.

Es wird als dunkle Enemies-to-Lovers-Romantasy angepriesen, aber ganz ehrlich? Was ist daran romantisch? Ich sag's euch ohne Spoiler: nichts. Wer das als romantisch verkauft, hat jedenfalls eine andere Vorstellung von Romantik als ich. Woland manipuliert sämtliche Menschen und wenn das nicht reicht, bringt er einfach Leute um, die Jaga am Herzen liegen. Wenn sie nicht will, dass anderen noch mehr passiert, muss sie Sex mit ihm haben. Keine Ahnung, wer das als Romantasy betrachtet, mir bereitet es Übelkeit. Eigentlich schade, weil die Autorin gut schreiben kann und auch Athmosphäre aufbaut. Ich hatte mich auf slawische Folklore gefreut, aber das war einfach furchtbar.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Metoo

Hazel sagt Nein
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Die Familie Blum zieht von New York nach Riverburg, ins Hinterland von Maine. Gus, der Vater, hat dort an der Universität einen guten Job erhalten, außerdem ist hier alles billiger und es lebt sich einfacher. ...

Die Familie Blum zieht von New York nach Riverburg, ins Hinterland von Maine. Gus, der Vater, hat dort an der Universität einen guten Job erhalten, außerdem ist hier alles billiger und es lebt sich einfacher. Oder sollte es. Denn gleich am ersten Tag in der neuen Schule erlebt Hazel Blum, die achtzehnjährige Tochter, etwas Schreckliches. Der Direktor der Schule erklärt ihr, dass er jedes Jahr Sex mit einer Schülerin der Abschlussklasse hat und er dieses Jahr sie auswählt. Geschockt sagt Hazel Nein und dieses Nein zieht Wellen nach sich, die nicht nur die Gemeinde von Riverburg erschüttern.

Das ist mit Sicherheit ein wichtiges Buch und es sollte gelesen werden. Denn das, was Hazel hier passiert, passiert noch immer überall. Und wie auch im Buch gehen die Täter auf Konfrontation, versuchen es mit Täter-Opfer-Umkehr, mit Drohungen, Einschüchterungen, Lügen, Manipulation. Das Schlimme daran ist, dass sie oft genug damit durchkommen - nicht nur, weil sie in Machtpositionen sitzen, sondern weil sie Hilfe und Unterstützung von Leuten in Machtpositionen bekommen. Wie sich das auf die Überlebenden - ich werde nicht Opfer schreiben! - auswirkt, kann man sich vorstellen. Das wird hier im Buch auch teilweise gut vermittelt. Manchmal jedoch auch zu oberflächig aufgeführt. So entscheidet sich Hazel irgendwann, dass sie genug von ihrer Depression hat, steht auf und geht joggen und bekommt ihr Leben wieder in den Griff. Einfach so. Es wäre schön, wenn mit Depressionen sensibler, auch in Büchern, umgegangen wird. Auch verliert sich die Autorin mit ihrem ganzen Bücher/Agenten/Filmstrang. Vielleicht soll das Hoffnung vermitteln, aber es nimmt den Impact aus der Geschichte, zerfasert sie, macht sie kleiner. Und das hat dieses Buch nicht verdient, es sollte und könnte weitaus intensiver sein, eine Stimme für alle Überlebenden. Ein Plädoyer dafür, dass die Scham endlich die Seiten wechseln muss, dass niemand mehr wegsieht oder sich hinter die Täter stellt. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 31.01.2026

Piraten und Knechte

Nightweaver
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Vor 600 Jahren sind die Menschen von den Nightweavern besiegt worden. Seitdem dienen sie ihnen entweder an Land als Dienstboten oder sie haben sich aufs Meer zurückgezogen und leben als Piraten. Aster ...

Vor 600 Jahren sind die Menschen von den Nightweavern besiegt worden. Seitdem dienen sie ihnen entweder an Land als Dienstboten oder sie haben sich aufs Meer zurückgezogen und leben als Piraten. Aster und ihre sechs Geschwister leben mit ihrer Mutter, der Kapitänin, und ihrem Vater, dem Smutje, als Piraten auf dem Meer. Als sie eines Tages gegen einen Angreifer kämpfen, geht alles schief. Ihr Bruder Owen stirbt, sie selbst und ihre Familie werden von den Nightweavern gefangen genommen. Doch statt sie zu töten, nimmt der junge Lord Will sie mit auf seinen Landsitz, wo sie in den Dienst seiner Familie genommen werden. Als es dort zu mysteriösen Ereignissen mit den blutrünstigen Unterlingen kommt, muss sich Aster entscheiden, wem sie noch vertrauen kann und ob sie bleibt oder geht.

Das Buch hat sich echt gut gelesen und mir gefiel auch die Idee und oft die Umsetzung gut. Womit ich jedoch ernsthaft Probleme hatte, war dieses sofortige Akzeptieren von Asters Familie der neuen Umstände, die sie von freien Menschen zu Knechten degradierte. Einerseits mag es schon schön sein, sich sicher zu fühlen und sie hatten das "Glück", in eine "nette" Familie zu kommen. Aber Leute, die als Piraten ein freies Leben geführt haben, plötzlich als willige Diener zu sehen, hat mir nur wenig getaugt. Auch war mir Aster zwar sympathisch, aber sie entwickelte sich ganz schön in Richtung special snowflake, und es deutet sich stark ein Triangle an. Ein wenig Probleme hatte ich auch mit der zeitlichen Einordnung der Geschichte. Auf der einen Seite leben die Piraten auf einem Schiff, wie es im 17. Jahrhundert üblich war, auch die Landbevölkerung scheint nicht sonderlich weiter zu sein, zumal es auch noch Steinschlosspistolen und ähnliches gab.

Dann wiederum gibt es schon Züge und Autos. So etwas irritiert mich. Genauso, dass die Autorin sich nicht die Mühe gemacht hat, Reiten zu recherchieren. Niemand reißt an den Zügeln oder tritt die Pferde zum Losreiten, ist ja schließlich kein Moped mit Kickstarter. So hat mich das Buch zwar oft fesseln können, aber dann gab es auch wieder ordentliche Dämpfer. Möchte trotzdem wissen, wie es weitergeht.