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Veröffentlicht am 22.03.2025

Last men standing

Lyneham
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Als es dank der Menschen mit der Erde endgültig zu Ende geht, ist Henry Meadows gerade einmal zwölf Jahre alt. Zusammen mit seiner kleinen Schwester, seinem älteren Bruder und seinem Vater besteigt er ...

Als es dank der Menschen mit der Erde endgültig zu Ende geht, ist Henry Meadows gerade einmal zwölf Jahre alt. Zusammen mit seiner kleinen Schwester, seinem älteren Bruder und seinem Vater besteigt er eines der Raumschiffe, das die letzten Menschen zu ihrer neuen Heimat bringt: Perm. Ein Mond, irgendwo so weit entfernt, dass nicht nur Henry keine Ahnung hat, wie lange die Reise dahin in den Schlafkapseln dauert. Ihre Mutter Mildred, eine Wissenschaftlerin, fliegt mit einem späteren, aber dafür schnelleren Raumschiff. Sie und ihre Mannschaft sind lange vor Henry und den anderen da und werden den Mond für die menschlichen Siedler bewohnbar machen. Doch ihr Chef, eine Art Musk-Verschnitt, hat seine eigene Agenda und er bringt damit alles in Gefahr. Lange Zeit später wird selbst Henry noch diese Auswirkungen zu spüren bekommen ...

Wow. Das war ein wilder Ritt, ganz ehrlich. Und Westerboer hat es geschafft, ein einzigartiges Buch zu schreiben. Nicht nur, dass er eine äußerst komplexe Geschichte aus der Sicht eines Kindes schreibt, er lässt auch zwischendrin Mildred zu Wort kommen. Sowohl Mildred als auch Henry sind - glaube ich - Asperger und gehen daher mit einigen Situationen auf ganz spezielle Weise um. Das fügt der Handlung noch das gewisse Etwas hinzu. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Lesenden aufgrund der beschriebenen Technik und der Tatsache, dass der Autor erwartet, dass man mitdenkt, schnell überfordert fühlen könnten. Manche Sachen muss man sich zusammenreimen - und das klappt eigentlich auch ganz gut, wenn man keine Raketentechnik studiert hat. Um ehrlich zu sein, der Schluss war mir ein bisschen zu drüber, aber als Gesamtpaket war das eine einzigartige Geschichte, die mich mitgenommen und gefesselt hat, zumal auch der Schreibstil des Autors sehr gefällig ist. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 09.03.2025

Oma ist weg

Cosy Secrets – Der kupferne Schlüssel
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Rae, eine erfolgreiche Autorin von Krimis, erhält eine panische Nachricht aus ihrer alten Heimat in Schottland. Ihre Oma ist verschwunden, entführt! Da ihre Großmutter ständig wegfährt, ohne ein Handy ...

Rae, eine erfolgreiche Autorin von Krimis, erhält eine panische Nachricht aus ihrer alten Heimat in Schottland. Ihre Oma ist verschwunden, entführt! Da ihre Großmutter ständig wegfährt, ohne ein Handy mitzunehmen oder jemandem Bescheid zu sagen, macht sie sich noch keine großen Gedanken. Allerdings braucht sie ohnehin eine Auszeit, also fährt sie in den Ort, in dem ihre Großeltern sie aufgezogen haben und in dem sie seit 12 Jahren nicht mehr war, weil ... (An dieser Stelle wurde immer abgebrochen, weil es so geheim war, dass man gähnen musste. Aber kleiner Spoiler: Es ging um einen Kerl.) Eigentlich soll sie hier Ermittlungen anstellen, weil jemand, der Krimis schreibt, schließlich auch weiß, wie Polizeiarbeit funktioniert. (Noch ein Spoiler. Weiß man nicht.) Irgendwann stößt sie dann doch mal auf Ungereimtheiten ...

Puh. So lange habe ich schon ewig nicht mehr für ein Buch gebraucht. Irgendwie wollte ich aber auch nicht abbrechen, weil ich dachte, es müsste doch mal was passieren. (Letzter Spoiler: tut es nicht.) Die Geschichte plätscherte endlos vor sich hin und obwohl wir fast alles aus Raes Perspektive erfahren, erfahren wir höchstens, dass sie dazu neigt, sich zu wiederholen. Und an einen Typen zu denken - Stichwort second chance. Besagten Typen hat sie übrigens vor 12 Jahren gegen einen 60 Jahre alten Mercedes-Oldtimer eingetauscht. Anfangs war ich empört, je mehr ich jenen kennenlernte, desto mehr war ich der Meinung, dass sie damit die bessere Wahl getroffen hat. Er war nicht mal eine red flag, nur genauso langweilig wie diese gesamte Geschichte. Warum sie in Schottland spielt, weiß man nicht. Es gab so viel schottisches Flair, dass das Ganze genauso gut in Hintertupfingen stattfinden könnte. Was diesem Buch gut getan hätte, wäre eine massive Kürzung und Straffung gewesen, dann hätte daraus vielleicht nicht Spannendes, aber doch Interessantes werden können.

Veröffentlicht am 09.03.2025

Zerrbild

Einsame Entscheidung
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Es ist Sommeranfang, noch haben die Touristen Fuseta und Faro nicht überlaufen. Da wird in einer Ferienunterkunft ein ermordeter Engländer. Die Sache scheint klar: Seine Begleiterin, eine Portugiesin, ...

Es ist Sommeranfang, noch haben die Touristen Fuseta und Faro nicht überlaufen. Da wird in einer Ferienunterkunft ein ermordeter Engländer. Die Sache scheint klar: Seine Begleiterin, eine Portugiesin, ist die Täterin, denn sie ist verschwunden. Auf der Flucht? Es dauert nicht allzu lange, bevor es Lost und seinen KollegInnen gelingt, die Frau dingfest zu machen. Sie und auch der Tote arbeiteten für eine Firma, die anscheinend sehr zukunftsorientiert ist und weil sie geheimes Material gestohlen hat, soll sie an den englischen Mutterkonzern ausgeliefert werden. Doch Leander kann die Frau nicht übergeben - die Papiere stimmen nicht zu 100 %. Und dann entschließt er sich, mit ihr zu fliehen, denn es gibt noch mehr Ungereimtheiten ...

Um ehrlich zu sein, war das nicht mein Lieblingsband. Natürlich ist Lost zu lesen ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Man fühlt sich in seiner portugiesischen Wahlfamilie und unter seinen KollegInnen einfach wohl. Aber hier ging es mir die erste Zeit ein bisschen zu cosy zu zwischen allen Beteiligten. Gefühlt gab es die ersten hundert Seiten nur Familie, Essen und noch mehr Familie. Bis es dann mal endlich wirklich losging und die Geschichte Fahrt aufnahm, war ich bereits etwas ungeduldig. Danach fand der Autor allerdings wieder zu seiner spannenden Routine zurück und ich habe den Rest gern gelesen (auch wenn ich die Beziehung zwischen Carlos und Graciana nun wirklich nicht über die geschwisterliche hinaus vertieft haben muss).

Veröffentlicht am 01.03.2025

Fake Mates

The Serpent and the Wolf
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Vaasalina ist die ungeliebte Tochter eines Fürsten und als dieser stirbt, wird sie von ihrem psychopathischen Bruder an das Nachbarreich verkauft. Da in ihr eine unkontrollierbare Magie schlummert, geht ...

Vaasalina ist die ungeliebte Tochter eines Fürsten und als dieser stirbt, wird sie von ihrem psychopathischen Bruder an das Nachbarreich verkauft. Da in ihr eine unkontrollierbare Magie schlummert, geht ihr Bruder davon aus, dass sie entweder sich oder ihren neuen Ehemann Reid tötet oder beide. Ihm wäre alles recht. Doch Vaasa möchte selbstbestimmt leben und flieht. Als Reid sie wiederfindet, bietet er ihr einen Deal an: Sie hilft ihm, den Posten des Hauptmanns - des obersten Heerführers - in seinem Land zu erreichen, danach gibt er sie frei. Und er lässt sie nicht nur von seinen Soldaten trainieren, sondern auch von einem Hexenbund, der alles über ihre Magie weiß. Doch Vaasas Bruder ist kriegslüstern und es dauert nicht lange, bis er alles gefährdet, was Vaasa und Reid gerade aufbauen ...

Der Klappentext ist recht irreführend und beinahe hätte ich das Buch deshalb nicht gelesen. Zum Glück habe ich es mir doch noch überlegt und damit einen guten Griff getan. Nicht nur, dass Vaasa eine starke, tapfere Frau ist, dazu noch clever, manchmal geradezu listig, die genau weiß, was sie will. Mit Reid haben wir endlich auch mal einen großen, starken Helden vorliegen, der eine absolute green flag ist. Er tut nichts ohne Consent von Vaasa und zusammen sind sie wirklich ein unschlagbares Team. Daran könnten sich einige andere FantasyautorInnen eine große Scheibe abschneiden. Vielleicht ist es in der Mitte für eine bestimmte Klientel (diejenigen, die nur Rambazamba im Bett und ein Wischi-Waschi-Worldbuilding bevorzugen) zu komplex und politisch. Das Tempo geht an dieser Stelle auch ein bisschen zurück, zugegeben. Aber mir hat diese Geschichte wirklich gut gefallen und ich bin gespannt, wie es mit Reid und Vaasa weitergehen wird. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Wild Wild West East

Kummersee
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Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt ...

Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt davon, ein Monster gesehen zu haben, doch niemand glaubte ihr. Jetzt kehrt Lena mit Vermessern in ihre alte Heimat zurück, doch niemand ist davon begeistert. Die Vermesser sollen herausfinden, ob man ein Atomendlager in der Gegend anlegen kann; nicht nur Umweltschützer gehen auf die Barrikaden. Dann stirbt zuerst einer der Vermesser, dann jugendliche Umweltschützer und Lena erkennt, dass alles nicht nur mit dem Kummersee zusammenhängt, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit.

Ich weiß gar nicht so recht, was ich von der Geschichte halten soll. Der Prolog war sehr stimmig und konnte gut mitnehmen, doch dann ging es mit der Gegenwart und der erwachsenen Lena weiter. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Lena mit ihren psychischen Problemen überhaupt Polizistin hätte werden können, geschweige denn Personenschützerin. Aber gut. Die Geschichte plätschert eine Weile wie der Kummersee vor sich hin, bis dann die Morde geschehen. Was nach dann nach einer eher zähen Ermittlung folgt, lässt schon manchmal an den Kopf greifen. Die von Angstzuständen geplagte Lena, die noch nie ihrem Leben getaucht ist, geht bei Nacht und Nebel in ein offenes Wasser, taucht auf zehn Meter runter und verteidigt sich da unten gegen ausgebildete Kampfschwimmer. Als wäre das nicht genug, dreht der Autor danach erst völlig auf, als wollte er den etwas zu ruhigen Anfang irgendwie ausgleichen und macht zum Schluss eine wilde All-Out-Shooting-Story draus, bei der gefühlt alle Leute, die im Buch vorkamen, drauf gehen. Dass die Begründung für all die Geschehnisse dann mit einer an den Haaren herbeigezogenen Ost-West-Geschichte erklärt werden, hat mich dann auch nicht mehr groß gestört. Ich sag's, wie es ist: Dank des guten Sprechers erhält das Buch noch wohlwollende 3 Punkte.