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Veröffentlicht am 19.06.2018

Elemente der Magie

Vier zauberhafte Schwestern
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Sky ist die Jüngste von vier Cantrip-Schwestern. Flame, die Älteste, ist dreizehn und hat am selben Tag Geburtstag wie sie, Marina ist zwölf, Flora ist zehn, sie selbst neun. Am Tag nach ihrem Geburtstag ...

Sky ist die Jüngste von vier Cantrip-Schwestern. Flame, die Älteste, ist dreizehn und hat am selben Tag Geburtstag wie sie, Marina ist zwölf, Flora ist zehn, sie selbst neun. Am Tag nach ihrem Geburtstag stellt sie fest, dass sie zaubern kann, doch ihre Schwestern sind nicht halb so überrascht, wie sie erwartet hatte. Die können das nämlich auch. Zufälligerweise hat jede eine Magie zur Verfügung, die etwas mit ihrem Namen zu tun hat. Flame beherrscht das Feuer, Marina das Wasser, Flora die Erde und jetzt eben Sky die Luft. Wichtig ist, so lernt Sky, dass sie niemandem außer ihren Schwestern und der Großmutter davon erzählen darf, und ihre Magie auch nie für was Böses einsetzen darf, weil sie dann geschwächt wird. Doch eine alte Feindin der Großmutter kommt in die Stadt, und sie hat nur einen Wunsch: sich zu rächen und der Familie Cantrip zu schaden. Und dass, obwohl sie eigentlich einem anderen Zweig der Familie angehört.

Gut gefallen hat mir, dass die Message lautete: Ihr müsst zusammenhalten, nur so könnt ihr gegen etwas Übermächtiges bestehen oder sogar gewinnen. Nicht so richtig cool fand ich die Umsetzung bzw. die Logik des Ganzen. Die eine Seite der Familie darf ihre Magie nur für Gutes einsetzen, sonst verlieren sie sie. Die andere darf fröhlich gemein sein und fiese Sachen veranstalten und wird dadurch stärker. Warum? Auch in einem Kinderbuch erwarte ich dafür eine Erklärung, die mich zufriedenstellt. Dann erzählt die Großmutter, dass sie ihre Magie verloren hat, weil sie jemandem anders geschadet hat. Im gleichen Atemzug behauptet sie aber, um sich selbst zu verteidigen, ist das erlaubt - sie hatte sich selbst verteidigt, warum also ist sie jetzt magielos? Kann ja sein, dass Kinder über so was nicht nachdenken, aber ein gutes Kinderbuch ist eben nur eines, das auch Erwachsenen gefällt. Dieses hier war ganz nett, aber auch nicht mehr.

Veröffentlicht am 18.06.2018

Paris, 1761

Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel
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Der junge Nicolas le Floch ist - im Gegensatz zu dem, was der Titel behauptet - keineswegs ein Commissaire. Fast auf sich allein gestellt kommt er 1759 nach Paris, ausgerüstet mit Edelmut und dem Brief ...

Der junge Nicolas le Floch ist - im Gegensatz zu dem, was der Titel behauptet - keineswegs ein Commissaire. Fast auf sich allein gestellt kommt er 1759 nach Paris, ausgerüstet mit Edelmut und dem Brief seines Paten, der ihn dem Polizeipräfekten de Sartine empfiehlt. Dieser bringt ihn bei einem der Untreue verdächtigen Kommissar unter und befiehlt ihm, seine Rechtskenntnisse von einem alternden Juristen zu vertiefen. Nur anderthalb Jahre später und völlig unverhofft schlittert le Floch in Mordfälle, Intrigen gegen den König, Glücksspielhöllen und Prostitution. Plötzlich mit unverhoffter Macht von de Sartine ausgestattet muss der junge Polizist verhindern, dass feindliche Mächte Papiere in die Hand bekommen, welche sie gegen Frankreich verwenden könnten.

Die große Stärke des Autors ist, die Mitte des 18. Jahrhunderts wieder aufleben zu lassen. Es ist schmutzig, kalt, brutal und manchmal überraschend. (Ich wusste nicht, dass es in Paris Leute gab, die tragbare Klos mit sich herumschleppten.) Der Fall war interessant und zusammen mit den historischen Informationen spannend präsentiert. Was mir anfangs einige Schwierigkeiten bereitet hatte, war nicht einmal die (wohlgewählte) Sprache jener Zeit, sondern die auktioriale Erzählweise eines allwissenden Erzählers, in welcher ich mich so manches Mal zu sehr auf Distanz gehalten fühlte. Auch das Lektorat war nicht berauschend, immer mal wieder stieß ich auf Fehler, die ich jedoch dem Buch selbst nicht anlaste, lediglich dem Verlag. Alles in allem war es jedoch ein interessanter Ausflug in einen historischen Kriminalfall.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Past Crimes

Die Schlingen der Schuld
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Im westaustralischen Outback wird die Leiche eines Mannes gefunden. Sein Name: Dieter Schäfer. Nationalität: deutsch. Wer könnte ein Interesse daran haben, einen in Australien lebenden Deutschen zu töten? ...

Im westaustralischen Outback wird die Leiche eines Mannes gefunden. Sein Name: Dieter Schäfer. Nationalität: deutsch. Wer könnte ein Interesse daran haben, einen in Australien lebenden Deutschen zu töten? Und warum hat sich der Mörder die Mühe gemacht, dem Toten das blutige T-Shirt auszuziehen und durch eines mit der Meistermannschaft des HSV 1979 zu ersetzen? Daniel Clement ist frisch nach Broome zurückgekehrt und muss mit einer noch nicht zusammengewachsenen Polizeitruppe dieses Verbrechen klären. Hinderlich dabei ist nicht nur sein desolates Privatleben, sondern auch ein aufziehender Zyklon und die Tatsache, dass sich das Motiv des Verbrechens irgendwo in der Vergangenheit – und auf der anderen Seite des Erdballs versteckt.

Die Stärke des Buches besteht in der bildlichen Darstellung des für uns doch ziemlich exotischen australischen Westens, in dem es furchtbar heiß ist und die Entfernungen jeder Beschreibung spotten. Um eine Leiche obduzieren zu lassen, werden per Flugzeug Strecken zurückgelegt, die der von London nach Moskau entsprechen, die Einheimischen finden Krokodile im nächsten Tümpel zwar gefährlich, aber nicht ungewöhnlich und ein Wirbelsturm der Stufe 2 ist Anlass zur Besorgnis, jedoch kein Grund, in Angstschweiß auszubrechen. Dass gleichzeitig eine Brücke zu dem uns Bekannten wie Hamburg oder der HSV geschlagen wird, verbindet Vertrautes mit Fremden. So hätte aus dem Krimi Außergewöhnliches entstehen können, und viele werden es so sehen; mir jedoch gab es zu viel des typischen Bullendramas. Einsamer Wolf, der seiner Ex hinterherweint und keine Zeit für seine kleine Tochter hat sowie auch zu viel privater Kram mit seiner Familie. Das machte einen Teil des Buches recht zäh, obwohl es zwischendurch durchaus spannende Momente beinhaltete. Was mich jedoch wirklich störte, ist die Tatsache, dass das, was sich schließlich als Lösung präsentierte, weniger ermittelt als vielmehr in Rückblenden erzählt wurde, wobei der dabei mitdenkende Leser durch fehlende Zeitangaben bewusst getäuscht wird. Ein Kunstkniff, mag sein. Aber einer, der bei mir verpufft, weil ich das Motiv nicht wirklich überzeugend finde. Trotzdem nicht uninteressant geschrieben und mich würden auch weitere Fälle von Clement und dessen Team reizen. 3,5/5 Punkten.

  • Einzelne Kategorien
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  • Spannung
  • Charaktere
  • Geschichte
Veröffentlicht am 13.06.2018

Ein Dackel namens Dornröschen

Das Hotel der verzauberten Träume – Fräulein Apfels Geheimnis (Das Hotel der verzauberten Träume 1)
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Schuld ist ja ihre Mutter: Hätte sie nicht das Navi falsch programmiert, würden Joelle und ihr Bruder Lancelot nicht mitten im Nirgendwo an der Ostsee festsitzen, mit einem uralten Kasten, das sich Hotel ...

Schuld ist ja ihre Mutter: Hätte sie nicht das Navi falsch programmiert, würden Joelle und ihr Bruder Lancelot nicht mitten im Nirgendwo an der Ostsee festsitzen, mit einem uralten Kasten, das sich Hotel nennt, mit einem Dackel namens Dornröschen und einer Gans namens Agathe aufwartet. Stattdessen könnten sie in einem megamodernen Club schwimmen, tauchen, Bogenschießen und was der Adler was noch machen. Gut, der Adler weiß das nicht, der ist nämlich ausgestopft und sitzt in der Lobby des alten Hotels, aus dem sie nicht wegkommen, weil ein Marder die Autokabel durchgebissen hat. Doch dann entdecken die beiden Geschwister mit Benny nicht nur einen Spielkameraden, sondern auch ein Geheimnis - und dieses hat etwas mit den vielen Traumfängern zu tun, die überall herumhängen.

Die Geschichte ist ganz nett. Leider war es das auch schon - nett. Hübsche Ideen, hübsch formuliert, hübsche Illustrationen. Aber, und das ist ein dickes Aber: Man merkt, dass es von jemandem geschrieben wurde, der vergessen hat, wie es ist, zehn oder zwölf Jahre alt zu sein. In diesem Alter ist man am wildesten, am abenteuerlustigsten, am neugierigsten. Schon allein daher hätte es auch bei einem Kinderbuch durchaus mehr Verwicklungen, mehr Spannung und mehr Action geben dürfen. So plätscherte alles ein bisschen dahin wie die Wellen der Ostsee - Probleme wurden gesehen, erkannt, durchdacht und im Vorübergehen gelöst. Wie soll da Spannung aufkommen? Auch Kinder mögen es, wenn sie mitfiebern können. Übrigens die Sache mit dem Adler. Da steht ein ausgestopfter Adler in der Lobby - Erklärung: Weil der Besitzer ihn zu Lebzeiten gemocht hat, ließ er ihn nach dem Tod ausstopfen. Ich hoffe ja sehr, dass dieses Buch nicht wirklich von wilden, abenteuerlustigen und neugierigen Kindern gelesen wird, denn dann wird die erste Frage lauten: Mama, wenn du stirbst, darf ich dich dann auch ausstopfen und in den Korridor stellen lassen?

Veröffentlicht am 12.06.2018

Auf den (G-)Punkt gebracht

Paula kommt
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Paula Lambert - die ich bis dato nicht kannte oder je im Fernsehen gesehen habe - ist eine Expertin für Sex. Jedenfalls hat sie auch eigene Fernsehsendungen. Da ich mir unter einer Sexpertin nichts vorstellen ...

Paula Lambert - die ich bis dato nicht kannte oder je im Fernsehen gesehen habe - ist eine Expertin für Sex. Jedenfalls hat sie auch eigene Fernsehsendungen. Da ich mir unter einer Sexpertin nichts vorstellen konnte, bin ich recht unbedarft und offen in die Lektüre gegangen und kann sagen, dass es mich positiv überrascht hat.
Erstens mal finde ich, dass die Frau sehr sympathisch rüberkommt. Ihr Schreibstil ist amüsant, locker, immer mal abschweifend, aber dann doch auf den (G-)Punkt kommend.

Gekommen ist sie anscheinend auch schon oft, und sie scheut sich auch nicht, darüber zu plaudern. Immer wieder erscheinen Fragen, denen sie sich annimmt und aus einem reichhaltigen Repertoire anscheinend eigener Erfahrungen greifen kann. Ob es dabei um Sexunfälle geht oder den schnarchigsten Sex der Welt, um seltsame Begierden oder komische Clubs - Paula kennt alles, wenn sie auch selbst zugibt, nicht alles aus eigenem Erleben. Muss ja aber auch nicht. Bei manchen beschriebenen Dingen wurde mir schon ein bisschen anders, und das meine ich nicht unbedingt im angeregten Sinne.

Für mich war es jedenfalls eine kurzweilige Lektüre, bei der ich zwar nicht unbedingt viel Neues erfahren habe, aber gelegentlich sogar lachen konnte. Leute, die weder mit ihrem Selbstbild noch mit Sex Probleme haben, werden sich beim Lesen amüsieren, denjenigen, die Sex für eine vertrocknete Topfpflanze halten, empfehle ich, Abstand von diesem Buch zu nehmen. 4,5/5 Punkten.