Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2017

Die Wege trennen sich

Die Gabe der Auserwählten
1

Lia wurde bei der Flucht schwer verletzt, doch zusammen schaffen sie, Rafe und dessen Männer es nach vielen Gefahren in das sichere Militärlager Dalbrecks an der Grenze zu Venda. Hier erfährt Rafe, dass ...

Lia wurde bei der Flucht schwer verletzt, doch zusammen schaffen sie, Rafe und dessen Männer es nach vielen Gefahren in das sichere Militärlager Dalbrecks an der Grenze zu Venda. Hier erfährt Rafe, dass sein Vater gestorben ist, mit einem Schlag wird aus Rafe, dem Soldaten, König Jaxon, der Herrscher. Und wie es Herrscher so an sich haben, lassen sie nur ungern andere Meinungen neben sich stehen, auch lügen und betrügen sie gern einmal. Rafe ist in dieser Hinsicht nicht anders, wie Lia schmerzhaft erfahren muss. Als sie bemerkt, dass er sie weder ernst nimmt noch wirkliches Vertrauen in sie hat, entschließt sie sich zu einem Schritt, der ihnen beiden wehtun muss.

Auch dieser Band schließt sich nahtlos dem zweiten an, und mir gefällt wirklich gut, dass es eine durchgehende, stringente Handlung gibt. Immer mehr Konflikte und Intrigen stürzen auf Lia ein, aber anstatt sich geschlagen zu geben, wächst sie daran. Obwohl sie bald alles verliert: Freunde, Vertraute, Sicherheit, wird sie nicht zu einer Heulsuse, aus jeder Konfrontation geht sie stärker hervor. Endlich mal eine Heldin, die nicht den Prinzen auf dem weißen Pferd braucht, um sie zu retten, eine, die nicht völlig den Kopf wegen eines hübschen Gesichts und muskulösen Körpers verliert. Was mich absolut aufregt, ist die Unsitte, ein im Englischen bestehendes Buch zweizuteilen und damit an einer Stelle aufzuhören, die so sinnlos und ereignislos wie möglich ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Gefühl
Veröffentlicht am 18.10.2017

Das Cover ist Programm

Schreckliche Gewalten
1

Man muss dem Verlag zugutehalten, dass er diesen Roman wohl selbst nicht ernst nimmt, denn das Cover haben sie bestimmt von den malenden Affen im Krefelder Zoo entwerfen lassen. Das Cover ist auch noch ...

Man muss dem Verlag zugutehalten, dass er diesen Roman wohl selbst nicht ernst nimmt, denn das Cover haben sie bestimmt von den malenden Affen im Krefelder Zoo entwerfen lassen. Das Cover ist auch noch das Beste am Buch. Und was eine Jury als Kunst betrachtet, nun, dafür kann so ein Verlag nun echt nichts.

Worum geht's? Keine Ahnung. Aber spekulieren. Ich stelle mir folgendes Szenario vor:
Verleger und/oder Agent kommen zum Autor und sagen: Weißt du was? Dein Erstlingswerk hat sich gut gemacht, schreib doch mal was Neues, was Tiefsinniges, so was, wie du immer in dein Buch da kritzelst.
Der Autor schaut pikiert auf und sagt: Hey, ich schreibe da nichts. Das ist ein Zeichenbuch für Erwachsene, ich male die Mandalas aus. Solltest du auch mal probieren, ist voll Hare Krishna und so.
Ach, egal, sagen Verleger und/oder Agent. Bald ist wieder dieses Dings, wie heißt das?
Deutscher Buchpreis?, fragt der Autor, während er sorgfältig - die Zungenspitze zwischen die Zähne geklemmt -, ein helles Rot auswählt.
Genau, das Dings. Also, schreibst du was?
Klar, wenn ich die Blüte ausgemalt habe. Apropos Blüte, hast du schon mal Bachblüten ausprobiert? (Hält ihm eine Pflanze vor die Nase.)
Das ist Hanf!, empören sich Verleger und/oder Agent.
Ja, voll gut. Wird man ruhig und kriegt auch schöne Träume. Fast wie Mandalas. Manchmal wird man auch aggressiv.
Ach, egal, wiederholen Verleger und/oder Agent. Schreib das so, Longlist ist sicher.
(Sie hatten Recht.)

Veröffentlicht am 17.10.2017

Von Fuchslingen, flügellosen Vögeln und einem Mäuseritter

Der Wunderling
0

Nummer Dreizehn ist ein Erdling, ein Geschöpf halb Mensch, halb Tier. Er sieht aus wie ein auf zwei Beinen gehender (junger) Fuchs, nur dass er menschlich denkt und spricht. Solange er denken kann, lebt ...

Nummer Dreizehn ist ein Erdling, ein Geschöpf halb Mensch, halb Tier. Er sieht aus wie ein auf zwei Beinen gehender (junger) Fuchs, nur dass er menschlich denkt und spricht. Solange er denken kann, lebt er in Miss Carbunkles Heim für missratene Wesen, in dem Erdlingswaisen von der grausamen Heimleiterin nur für Arbeiten missbraucht werden. Sie dürfen keine Freude haben, sollen nur leiden und schuften. Eines Tages lernt Nummer Dreizehn Trixxi kennen, ein flügelloses Vögelchen, das ihm Geschichten und Märchen erzählt und ihm den Namen Arthur gibt. Gemeinsam beschließen die beiden Freunde zu fliehen und nach ihren Verwandten und/oder ihrer Bestimmung zu suchen. Auf der Flucht lernt Arthur nicht nur die Außenwelt und Torten, sondern auch Diebe, Gauner, Elfen und Nachtkrähen kennen.

Das ist mal wieder eine Fantasygeschichte, die ich mögen wollte. So richtig. Allein die Beschreibung klingt toll, und die ersten Rezensionen waren vielversprechend. Die Ideen fand ich klasse, aber die Umsetzung eher lala. Als könnte sich die Autorin nicht entscheiden, ob sie Prinzessin Lilifee oder doch lieber Oliver Twist schreiben wollte. Einerseits ist es superkindlich, wenn zum Beispiel der Elfenjunge auftaucht, andererseits supergrausam, wenn einer der Handlanger der Miss Carbunkle auch vor (versuchten) Mord nicht zurückschreckt. Oder wenn die Elfeneltern supernett die Kinder verköstigen und sie dann sehenden Auges in ihr Verderben schicken - da wollen sich mal eben zwei Elfjährige mit Verbrechern anlegen, über die ihnen ausgiebig berichtet wurden. Ach, was soll's, sind ja nur Erdlinge, wer braucht die schon. Wenn es keinen vernünftigen Ausweg mehr gibt, wird mal schnell ein uraltes Gesetz der Magie erwähnt, eine (Nacht)krähe kann tagsüber nicht fliegen, ein Manticor lebt in einem Stock ... der Wunderlichkeiten waren wahrhaftig viele, nur bezaubern vermochten sie nicht. Jedenfalls mich nicht. Wenn ich ehrlich bin, hat mich Arthur meistens ganz schön genervt; dafür, dass er der Held der Geschichte war, hat eigentlich immer nur Trixxi dafür gesorgt, dass die Story voranging, während er meistens schlaff irgendwie abhing oder rumheulte. Und was soll das mit der Suche nach einer Bestimmung? Die Message lautet: jeder hat eine. Echt mal? Wer sagt denn so was? Dumme Message, finde ich. Die Sprecherin klingt nach unendlich vielen Whiskys, Zigarren und durchgemachten Nächten, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, ist sie eigentlich ziemlich cool. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 16.10.2017

Fanny Funke, 17 Jahre, aus Achim bei Bremen

Wolkenschloss
0

Fanny ist Schulabbrecherin und arbeitet in einem Nobelhotel in den Schweizer Bergen als Jahrespraktikantin. Das Hotel, Wolkenschloss genannt, ist schon alt und nicht mehr auf dem allerneuesten Stand, genauso ...

Fanny ist Schulabbrecherin und arbeitet in einem Nobelhotel in den Schweizer Bergen als Jahrespraktikantin. Das Hotel, Wolkenschloss genannt, ist schon alt und nicht mehr auf dem allerneuesten Stand, genauso wie die Hälfte aller Angestellten. Doch zu dem berühmten Silvesterball reisen immer noch die Reichen und Schönen an, unter ihnen ein russischer Oligarch, der so incognito unterwegs ist, dass jeder weiß, wer er in Wirklichkeit ist, ein Thrillerautor ohne Namen, ein berühmter britischer Schauspieler, der gerade überhaupt keine Rolle spielt, und andere. Fanny hat gerade mit den Kindern alle Hände voll zu tun, dann sind da noch zickige Hotelaushilfskräfte, die obligatorischen zwei megaheiße Jungs, die um ihre Aufmerksamkeit buhlen, ach, stimmt, en passant gab's auch noch Kidnapper und Mordversuche.

Man muss Frau Gier zugute halten, dass sie es schafft, wirklich jedes einzelne Berg- und Jugendbuchromanklischee zu verarbeiten, ohne dass man (meistens) mehr macht, als ein bisschen die Augen zu verdrehen. Denn während man die Augen verdreht, grinst man (meistens) auch ein bisschen, und das macht es (meistens) fast wieder wett. Dabei betreibt sie auch (meistens) ein bisschen Namedropping ohne Namedropping, wenn ihr versteht, was ich meine, siehe der Thrillerautor oder Fannys Nachnamen. Fast noch amüsanter als die (meistens) vorhersehbare Handlung waren die auftretenden Tiere wie die Verbotene Katze oder sieben Dohlen namens Hugo sowie das Namens- und Begriffsverzeichnis am Schluss. Erwähnenswert ist wohl auch noch Rocher, der Concierge, der nicht ganz von dieser Welt scheint, sowie der ariensingende Bulgare im Keller des Hotels. Friede, Freude, Lebkuchen am Ende des Buches, 3,5/5 Glitzerschneeflocken aus Einhornpupsen.

Veröffentlicht am 14.10.2017

Wenn Fabelwesen zum Leben erwachen

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherstadt
0

Samir ist ein Dieb, schon so lange er denken kann. Nach dem Tod seines Bruders beschließt er, sein Leben zu ändern, auf die größtmögliche Weise. Er will in der Palastwache des Weißen Königs aufgenommen ...

Samir ist ein Dieb, schon so lange er denken kann. Nach dem Tod seines Bruders beschließt er, sein Leben zu ändern, auf die größtmögliche Weise. Er will in der Palastwache des Weißen Königs aufgenommen werden, und durch einen kleinen Betrug gelingt ihm das auch. Doch statt den König zu bewachen, bringt man ihn in die Bücherstadt, wo er tagein, tagaus ein riesiges, langweiliges Tor bewachen soll. Nur staubige Bücher, staubige Bibliothekare, staubige Wachen glaubt Samir. Das ändert sich abrupt, als eines Nachts scheußliche Fabelwesen ihr Unwesen treiben und Samir sie verfolgt. Er gerät in etwas, das größer ist als er, und er muss all seinen Witz und Diebescharme zusammennehmen, um nicht nur zu überleben, sondern auch hinter die Geheimnisse und Intrigen zu kommen.

Die Idee gefällt mir gut, auch der Schreibstil ist nicht schlecht. Anfangs hielt ich zwar Samir für knapp acht bis zehn Jahre jünger, als er eigentlich ist (fünfundzwanzig), doch das legte sich nach einer Weile. So richtig-richtig abgeholt hat mich die Geschichte trotzdem nicht. Ich möchte zwar wissen, wie es weitergeht, aber mich ärgern auch ein paar Sachen, die ich unlogisch oder zu einfach gelöst finde (wie zum Beispiel die Superhilfe durch Jakobus, der sich von jetzt auf eben überzeugen lässt). Einerseits mag ich das orientalische Flair, andererseits wird das gern durch die italienischen Namen gestört, die hier und da plötzlich auftauchen. Ich weß nicht recht - ich wollte das Buch absolut mögen, aber dafür ist es mir nicht überzeugend genug, gerade der Schluss, wo Samir beschließt zurückzukehren. Echt jetzt? Als ob keiner irgendwie misstrauisch wird, nachdem er ständig weg ist oder was komisch bei ihm läuft? Ich muss wirklich auf den zweiten Band warten, um mir über diese Serie schlüssig zu werden. Es ist noch alles offen, kann noch richtig gut, aber auch richtig in den Keller gehen.