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Veröffentlicht am 25.03.2026

Küchendienst

The House Witch 1
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Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft ...

Ein neuer Koch tritt die Stelle am Königshof von Daxaria an. Er heißt Finlay Ashowan, stammt von einer kleinen Insel und was anfangs niemand weiß: Er ist eine Haushexe und bezieht seine magische Kraft aus dem Haus - in dem Fall dem Schloss. Er ist jung und gut aussehend und durch seine Kochkünste erweckt er schnell das Interesse der Schlossbewohner. Doch Fin gibt sich abweisend, weil noch immer Hexen manchmal gejagt werden. Langsam macht er Bekanntschaft mit den Menschen, sogar mit Adligen und dem König und dessen Gemahlin. Mit der Adligen Anika verbindet ihn bald mehr - und dann ist da noch der drohende Krieg, der im Nachbarreich geplant wird.

Das Buch wird mit "Eine heiße Tasse Kakao" beworben. Ich bin kein großer Fan von heißem Kakao, vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht den allzu begeisterten Stimmen anschließen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Buch - genau wie eine heiße Tasse Kakao - nicht mehr zu bieten hat. Man trinkt, man hat ein bisschen flüssigen Zucker im Mund und dann ist der Geschmack weg. Jetzt stellt euch vor, dieser Kakao bleibt über Stunden in eurem Mund. Es passiert nichts weiter, außer dass es irgendwann ein bisschen schal schmeckt. So ähnlich ging es mir mit diesem Buch. Über 600 Seiten lang passiert ... eher nichts. Ein bisschen Küchenzeugs hier, ein bisschen Küchenzeugs da, Kochen, Backen, ein bisschen Magie. Es soll cozy sein, ist es auch, aber irgendwann ist bei cozy auch mal die Luft raus. Besonders, wenn jemand das Schreibhandwerk noch nicht sehr gut beherrscht, wie es hier der Fall ist.

Die Handlung plätschert so dahin. Es wird gelegentlich mitten im Absatz die Perspektive gewechselt, und die Reaktionen vieler (aller!) sind selten konsistent. Da wird an Stellen gelacht, die nicht lustig sind - und einmal wird offensichtlich aus "Das Leben des Brian" geklaut. Einmal wird behauptet, der König findet den Koch sympathisch, im nächsten Moment misstraut er ihm zutiefst. Fin und ein Botschafter sollen alte Freunde sein, haben aber nichts Besseres zu tun, als sich zu prügeln. Ein bisschen cozy mit dem kleinen Prinzen, ein bisschen cozy mit dem Kater, ein bisschen cozy mit den Rittern. Es plätschert hierhin und dahin. Die Liebe kommt aus dem Nichts. Und wenn man das Buch nach 600 Seiten zuschlägt, hat man das Gefühl, einen ziemlich langen Prolog hinter sich zu haben, denn bei all diesen vielen Worten und Seiten gibt es nicht mal eine Art von Abschluss. Das Ende lässt uns rein königsreichmäßig an derselben Stelle zurück, an der wir begonnen haben.

Ach, und erwähnte ich eigentlich schon die Neigung der Autorin, alle Leute saufen zu lassen und das witzig zu finden? Spoiler: Ist es nicht. Nichts ist witzig, worüber außer man selbst niemand weiter lachen kann. Positiv zu erwähnen ist, dass man sich eventuell als Queer-Ally beweisen möchte - wobei da der Wermutstropfen bleibt, dass Fin immer sehr vehement darauf besteht, straight zu sein. Alles in allem ist das Buch eine süße Idee mit eigentlich toller Magie, bei der mit entsprechendem Handwerk der Autorin oder zumindest einem konsequenten Lektorat richtig was hätte entstehen können. Ich mache mir jetzt erstmal eine Tasse heißen Tee.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Zustände

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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The Return of the witzigste politische Känguru! Und Zeit wurde es, denn es gibt jede Menge Zustände, von denen man Zustände kriegen kann. Jemand muss eine Rebellion starten, und wer könnte das besser als ...

The Return of the witzigste politische Känguru! Und Zeit wurde es, denn es gibt jede Menge Zustände, von denen man Zustände kriegen kann. Jemand muss eine Rebellion starten, und wer könnte das besser als das Känguru und sein Kleinkünstler Marc-Uwe? Und so schließen die beiden WG-Partner sogar vor der Augen der fassungslosen Herta eine Wette ab, wer die meisten Revolutionäre an Land zieht. Doch bevor sich herausstellt, wer von ihnen gewinnt, gibt es jede Menge Dinge zu besprechen. Im Wohnzimmer von Marc-Uwe, aber auch in ihrem zweiten Wohnzimmer, der Eckkneipe von Herta bei deren neuem Podcast ...

Herr im Himmel, der Mann (und sein Känguru) haben's einfach drauf. Es ist natürlich alles wahnsinnig witzig, aber entspricht dennoch den Tatsachen und was das Beste ist: Man kommt einen perfekten Politikunterricht serviert, wie er aktueller nicht sein könnte. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht nur die CDU/SU samt Gesödere und des Frühlings Merzens sein Fett weg kriegt, sondern auch andere inkompetente und/oder korrupte PolitikerInnen (also viele). Und genauso logisch ist, dass einem dabei oft das Lachen im Hals stecken bleibt. Ich wünschte, die Bücher (ja, meinetwegen sogar die Hörbücher!) würden Pflichtlektüre in der Schule und ich bin außerdem auch für den Vorschlag, dass die nächsten 47 Jahre nur Frauen wählen dürften. Wo muss ich für die Rebellion unterschreiben? Wie immer wurde das Ganze auf den Punkt genial gelesen vom Autor selbst, das Einzige, was nervte, waren die Lach- und Klatschkonserven. Wer Letzteres nicht ausstehen kann, warte bitte, bis es eine Nichtlive-Aufnahme gibt.

Veröffentlicht am 19.03.2026

September in Gold

Fräulein Renée und das kartografische Komplott
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1908. Der achtzehnjährige Caspar beantwortet eine ungewöhnliche Stellenanzeige und lernt die fast gleichaltrige reiche Erbin Renée kennen, die einen Sekretär und Chronisten sucht, der mit ihr Abenteuer ...

1908. Der achtzehnjährige Caspar beantwortet eine ungewöhnliche Stellenanzeige und lernt die fast gleichaltrige reiche Erbin Renée kennen, die einen Sekretär und Chronisten sucht, der mit ihr Abenteuer erlebt und darüber berichtet. Das Abenteuer lässt auch nicht lange auf sich warten, denn sie stolpern beinahe sofort in einem alten Forsthaus über die Leiche einer Frau. Da diese Leiche plötzlich verschwindet, ermittelt Renée mit der manchmal widerwilligen Hilfe von Caspar allein, ohne die Polizei hinzuzuziehen. Dabei geraten die beiden nicht nur in Lebensgefahr, sondern müssen einiges über Liebe und Vertrauen lernen.

Ich habe das Buch von Anfang an genießen können. Man taucht sofort in das damalige Leben ein und bekommt ganz nebenbei noch einiges an Wissen über diese Zeit, Stuttgart, geographische Komplotte und das Verhalten und Benehmen verschiedener Klassengesellschaften mit auf den Weg. Dabei ist wohl ein besonderer USP die Charakterisierung der Hauptpersonen. Renée ist zwar die Tochter eines Großkapitalisten, hat aber dank ihres Hintergrunds auch genug humanistisches Verständnis für andere und spricht sich gegen Kolonialisierung und Eroberungen aus. Sie ist eine moderne junge Frau, die allerdings auch noch einiges zu lernen hat. Caspar behält seine Karten eng am Körper, ist aber ein hochsympathischer junger Mann mit verdammt guten Ansichten. Dass er außerdem auch Synästhesie hat und mit Romantik höchstens auf dichterischer Ebene etwas anfangen kann, macht ihn nur noch spannender. Mit einem Teil des Endes war ich nicht ganz so glücklich, aber das Gesamtwerk hat mich schon sehr glücklich gemacht und ich hoffe, der Verlag bitte um Fortsetzungen. Ich würde gern sehen, wie sich Caspar und Renée entwickeln und welche weiteren Abenteuer sie erleben. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 17.03.2026

Kleine Diebin

Spiel des Lügners
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Vor fünf Jahren versuchten die Schattenbrüder Nic und Enzo, die Mondscherbe aus einem Tempel zu stehlen. Dabei kam es zu einer Katastrophe und die Brüder wurden verflucht. Vor vier Jahren rettete Enzo ...

Vor fünf Jahren versuchten die Schattenbrüder Nic und Enzo, die Mondscherbe aus einem Tempel zu stehlen. Dabei kam es zu einer Katastrophe und die Brüder wurden verflucht. Vor vier Jahren rettete Enzo Lola, eine fünfzehnjährige Gangsterbosstochter, täuschte ihren Tod vor und nahm sie unter seine Fittiche. Enzo bildete sie als Diebin aus und jetzt schickt er sie in Nics Kasino, um dort die Mondscherbe zu stehlen, seinen Fluch aufzuheben und damit auch Lola aus ihrer Verbindung zu befreien. Doch je länger Lola im Kasino ist, an einem rätselhaften Spiel teilnimmt und Nic kennenlernt, desto mehr hinterfragt sie alles, was sie zu wissen glaubte.

Ich gebe zu, das Buch hat mich enttäuscht. Ich war so gespannt auf die Spiele und das Kasino und die Tricks, die nötig sein würden, damit Lola heil durchkam und der Anfang ist auch sehr vielversprechend. Aber sobald Lola im Spiel ist, wird alles sehr schwammig erklärt. Die Magie inklusive der Würfel ist einerseits übermächtig: man braucht nur dauernd verschiedene Würfel zu werfen, um andere zu manipulieren. Dazu muss man nicht einmal sonderlich clever sein. Wie genau jedoch die Magie funktioniert, wie die leeren Würfel wieder zurückkommen, wie Lola tun kann, was sie tut .... nichts. Sie wird von einer anderen Teilnehmerin angegriffen - warum? Keine Erklärung. Lola hält es auch nicht für nötig, deshalb Maßnahmen zu unternehmen. Überhaupt Lola. Zuerst wird gesagt, sie hätte ein schielendes Auge und das ist natürlich sehr störend für alles, was Action beinhaltet. Mal davon abgesehen, dass es scheinbar null ihren Sexappeal beeinträchtigt (und sind wir mal ehrlich, Männer sind oberflächig und übersehen nicht einfach so einen doch auffälligen "Makel"), hindert es sie in keinster Weise, alles Mögliche zu tun, wofür man schon mit zwei gesunden Augen viel Glück bräuchte, um damit durchzukommen. Wenn alle Stricke reißen, klaut sie einfach Lebensenergie und Magie von anderen und mutiert damit zum special snowflake. Wer also hier einen hübschen Heist á la Oceans Eleven meets Magic erwartet, wird nicht auf seine Kosten kommen.

So faszinierend die Idee hinter der Geschichte ist, so mau ist das Worldbuilding und die Funktionsweise der hier verwendeten Magie. Dazu kommen einige Sachen, die keinen Sinn ergeben. Vieles wird durch den flüssigen Schreibstil wettgemacht, aber es wirkt doch recht oberflächig. Es gibt auch ein paar Schreibfehler im Buch. Für die Außengestaltung wurde sich viel Mühe gegeben. Das Cover ist nett gestaltet, es gibt einen aufwendigen Farbschnitt und ein Page Overlay, aber das eigentliche Schmuckstück ist die Gestaltung des Buches unter dem Schutzumschlag. Wer also mehr auf schönen Schein Wert legt anstatt auf eine stringente Geschichte, wird hier auf jeden Fall gut bedient werden.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mnemoskopie

Die Geister von La Spezia
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1822. Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, lebt im Exil in Italien. Ihr Mann Percy ist vor kurzem beim Segeln ertrunken und sie trauert, als plötzlich eine exzentrische Person bei ihr auftaucht: ...

1822. Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, lebt im Exil in Italien. Ihr Mann Percy ist vor kurzem beim Segeln ertrunken und sie trauert, als plötzlich eine exzentrische Person bei ihr auftaucht: Pat Colombari. Pat ist eine Spezialagentin und arbeitet tatsächlich an sehr speziellen Fällen und mit sehr speziellen Methoden. Dazu gehören Erinnerungsreisen, die Mnemoskopie, die sie mit wundersamen technischen Mitteln vollbringt. Dabei reist sie in und mit den Erinnerungen ihrer Klienten in die Zeit zurück, um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Dabei lernt Pat nicht nur Lord Byron und dessen Freunde kennen, sondern auch, welche unheimlichen Ereignisse stattgefunden haben.

Ich mochte wirklich sehr die Atmosphäre, die der Autor die meiste Zeit heraufbeschwören konnte. Wie er die wahrscheinlich tatsächlichen Ereignisse am Genfer See mit seinen fantastischen Ausführungen verbindet, gefällt mir gut. Auch Pat selbst mochte ich, obwohl sie mir ein bisschen zu modern vorkam, selbst wenn man bedenkt, dass sie sich durch Mary im Dunstkreis von Lord Byron bewegt hat mit ihren Erinnerungsreisen. Und so sehr ich auch oft eine Art Sog beim Lesen verspürt hatte, so zog sich doch manches, gerade im Mittelteil des Buches, arg dahin, sodass ich nicht immer den unbedingten Willen zum Weiterlesen hatte. Alles in allem ist das Ganze ein guter Abstecher in einen modernen Schauerroman, dem ein paar Kürzungen oder zumindest Straffung gutgetan hätte. 3.5/5 Punkten.