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Veröffentlicht am 16.05.2022

Der linkshändige Buchhändler

Die magischen Buchhändler von London
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Susan ist 18, lebt in einer alternativen Art von 1983 in England und hat schon immer seltsame Träume gehabt. Ihre Mutter ist ein bisschen seltsam, immer abgelenkt und verwirrt, aber sehr liebenswürdig. ...

Susan ist 18, lebt in einer alternativen Art von 1983 in England und hat schon immer seltsame Träume gehabt. Ihre Mutter ist ein bisschen seltsam, immer abgelenkt und verwirrt, aber sehr liebenswürdig. Bevor Susan in London ihr Studium beginnt, will sie nach ihrem Vater suchen, von dem ihre Mutter nicht viel weiß. Doch der Mann, bei dem sie ihre Suche beginnt, ist nicht nur ihr Vater, er ist auch ein magisches Wesen, das von einem seltsam gekleideten Paradiesvogel namens Merlin getötet wird. Merlin ist ein linkshändiger Buchhändler aus einer großen Familie, in der die Buchhändler dafür sorgen, dass die alten und magischen Wesen in der heutigen Welt keinen Unsinn anstellen. Doch Susan, so stellt sich heraus, hat selbst Verbindungen in die Welt der Alten und Magischen und plötzlich findet sie sich in einem rasanten, gefährlichen und lebensbedrohlichen Abenteuer wieder.

Zugegeben, ich hatte anfangs ein paar Einstiegsprobleme mit dem Buch. Manche Handlungen mancher Personen sind manchmal ein wenig seltsam. Dennoch entwickelt das Buch schnell einen Sog, denn der Autor lässt nur wenig Zeit zum Atemholen und verstrickt die LeserInnen lieber in ein schnelles Abenteuer, in dem manche Erklärungen zu kurz kommen, als sie zu langweilen. Das ist sowohl gut als auch teilweise zu viel des Guten, zumal er eine zwar dezente, aber auch völlig unnötige Romanze einbaut, die es einfach so überhaupt nicht gebraucht hätte. Die Charaktere waren zwar nicht extrem tiefgehend, hätten aber trotzdem auch so für sich einstehen können. Zusammengefasst: interessante Lektüre, die durchaus noch Raum für einen Nachfolger lässt, in die man sich aber auch fallen lassen können muss.

Veröffentlicht am 29.04.2022

Trash

Crush
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Achtung, mögliche Spoiler, falls ihr Teil 1 nicht gelesen habt. (Nicht dass das rein logisch notwendig wäre, aber falls ihr darauf steht, Reihen in der richtigen Reihenfolge zu lesen.)

Grace, die Bella ...

Achtung, mögliche Spoiler, falls ihr Teil 1 nicht gelesen habt. (Nicht dass das rein logisch notwendig wäre, aber falls ihr darauf steht, Reihen in der richtigen Reihenfolge zu lesen.)

Grace, die Bella Swan aus Alaska, ist wieder da. Sie verschwand in CRAVE und stand als Steinfigur herum, doch plötzlich ist sie wieder da und kann sich nicht erinnern, was die letzten drei Monate passiert ist. Dafür hat sie eine Stimme im Kopf, die von Hudson. Hudson ist übrigens eine Art junger, noch besser aussehender Voldemort, und niemand möchte über ihn sprechen, weil er einfach böse ist. Sagt jedenfalls Jaxon, der reiche, vampirische Boyfriend von Grace, und was der sagt, könnte eigentlich auch in der Bibel stehen, denn es ist in Stein gemeißelt. Apropos Stein ... Ach, das lest ihr besser selbst. Falls ihr euch das antun wollt.

In Trash - oder wie dieses Buch auch immer heißt - wird Logik einfach mal über Bord geworfen und irre grinsend zugesehen, wie es in den tiefsten Tiefen aller tiefsten Meere versinkt. Da rennt der Alaskaverschnitt von Edward mit Grace auf dem Buckel ein bisschen über 300 Meilen die Stunde und erschafft damit schwarze Löcher ist nur eines der Beispiele intelligenter Fantasy. (Nicht.) Der Schreibstil - ich würde gern behaupten, dass es der wenigstens rausreißt. Aber wozu? Lasst uns in Wiederholungen schwelgen, ja? Irgendwie müssen die sinnlosen Geschehnisse auf 800 Seiten ausgewalzt werden. Selbst da wiederholt sich alles. Jaxon besucht seine blutrünstige Oma beim Weihnachtsmann, einmal mit, einmal ohne seine Bella Swan. Das brutale Quidditch für Alaskaakademiker wird auch gleich zweimal gespielt.

Apropos Akademiker. So richtig hell scheint der Held Jaxon nicht zu sein. Ist er doch über 100 Jahre alt und geht immer noch auf diese Schule und ist gerade mal im Abschlussjahrgang. Jetzt könnte man argumentieren, dass halt die Ausbildung für Vampire und so länger dauert, aber dem widerspricht, dass auch Grace schon ihren Abschluss macht. Und diese Frau ist nun alles, nur keine Marie Curie. Nachfragen sind ihr zuwider, Recherche ist für sie eine Topfpflanze, die verkümmert einen traurigen Wüstentod stirbt. Sie stolpert ohne Planung und Verstand von einer Situation in die nächste und wundert sich hinterher, dass irgendwas passieren konnte. Stichwort: Unbezwingbare Bestie. Hätte ja vielleicht einen Hinweis darauf geben können, dass man da nicht kurz vor dem Frühstück mal vorbeischaut und eine Art goldenes Haar des Teufels klaut. Aber ich erwähnte ja schon, dass Logik eher eine untergeordnete Rolle spielt.

In diesem Buch wird mal eben so alles zusammengeklaut, was im Jugendfantasybereich der letzten Jahre erfolgreich war und dann fröhlich zu einem krassen, cringy Hack verarbeitet, das absolut keinen Raum für Überraschungen lässt. Das Ende war daher vorhersehbar für jeden, der schon mal Sarah J. Maas gelesen hat und vermutlich wird es in Teil 3 genauso weitergehen, wie es sich hier so übel angekündigt hat.

Veröffentlicht am 28.04.2022

Klufti, Udo und das Neuland

Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12)
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Es ist heiß auf der Ausgrabungsstätte der Paläontologen, die erst vor kurzem einen Sensationsfund gemacht haben: Udo, der erste aufrecht gehende Menschenaffe. Großes Bamborium hat sich angekündigt, selbst ...

Es ist heiß auf der Ausgrabungsstätte der Paläontologen, die erst vor kurzem einen Sensationsfund gemacht haben: Udo, der erste aufrecht gehende Menschenaffe. Großes Bamborium hat sich angekündigt, selbst der Ministerpräsident will vorbeischauen und intelligent in die Kameras schauen. Eine Leiche als Fotobomb macht sich da natürlich nicht gut, genauso die wenig elegante Figur, die der "Präsident" Kluftinger abgibt. Die Leiche entpuppt sich als viel frischer als Udo, handelt es sich doch um den Entdecker des Menschenaffen, Doktor Brunner, der im Gegensatz zu Udo keineswegs mehr aufrecht steht. Kluftinger hat eigentlich keine Zeit für diverse Fälle, hat er doch endlich das Neuland des Internets betreten und die Social Media für sich entdeckt ...

Wenn man Kluftinger kennt, mag man gar nicht glauben, dass ein intelligentes Wesen wie Udo tatsächlich ebenfalls aus dem Allgäu stammt. Was in den ersten paar Büchern der Reihe noch für Schmunzeln und amüsiertes Kopfschütteln sorgte, also die ganzen Marotten und die völlige Unfähigkeit des Kommissars, nicht nur aufrecht zu gehen, sondern dabei auch noch vernunftbegabte Schlüsse zu ziehen, hat sich mittlerweile ganz schön ausgeleiert. Den Fall fand ich zwar wieder interessanter als die beiden Vorgänger, aber jetzt wäre es doch langsam mal ein echter Plottwist, wenn sich Kluftinger nicht als extremer Allgäudepp darstellte, sondern auch ab und zu intelligente Entscheidungen oder Überlegungen hegt, sodass er nicht immer nur über die Aufklärung seiner Fälle stolpert.

Veröffentlicht am 28.04.2022

Mumm(i)enschanz in Wien

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Ein Mordopfer im Tiergarten, ermordete junge Stricher und ein toter Ägyptologe - da kommt viel Arbeit auf Leo von Herzfeldt, seine Kollegen und natürlich den kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer zu. ...

Ein Mordopfer im Tiergarten, ermordete junge Stricher und ein toter Ägyptologe - da kommt viel Arbeit auf Leo von Herzfeldt, seine Kollegen und natürlich den kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer zu. Außerdem fühlt sich Julia, die Freundin von Herzfeldt, nicht wirklich ernstgenommen und entschließt sich zu einer Auszeit. Dennoch überschneiden sich die Wege der beiden, denn Julia glaubt nicht, dass der Häuptling einer Völkerschau der Mörder im Tiergarten ist. Und was ist mit dem Ägyptologen? Herzfeldt stellt fest, dass auch dessen Kollegen unnatürliche Tode gestorben sind: Ist es tatsächlich der Fluch der Mumie, die sie ausgegraben haben, die dafür verantwortlich ist? Bald wird er lernen, dass die wahren Antagonisten nicht im Dreck oder der Unterwelt existieren ..

Ich mag, wie Pötzsch in das Wien am Ende des 19. Jahrhunderts eintaucht. Er hat einfach ein Händchen dafür, die Atmosphäre vergangener Zeiten einzufangen und den Leser mitzunehmen. Was ich nicht so mag, ist sein Protagonist Leo von Herzfeldt. Mit dem hatte ich schon in Teil 1 der Totengräberreihe meine Probleme, und die sind eher noch schlimmer geworden. Der Kerl ist mir einfach zu unsympathisch. Mit welcher Arroganz er den Leuten gegenübertritt, außerdem bleibt er mir noch immer den Beweis für seine ach so untrügliche kriminologische Intelligenz schuldig. Dafür mag ich das restliche Personal und die Mumienjagd in Wien, sowie die Verbindungen zwischen all den Fällen. Alles in allem wieder eine spannende Sache.

Veröffentlicht am 22.04.2022

Avatar der Stadt

Die Wächterinnen von New York
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Städte sind lebende, atmende Wesen. Irgendwann erreichen sie einen Punkt, an dem sie sozusagen reif sind, als echte Stadt zu gelten. Zugleich ist das auch der Zeitpunkt, auf den irgendeine nicht wirklich ...

Städte sind lebende, atmende Wesen. Irgendwann erreichen sie einen Punkt, an dem sie sozusagen reif sind, als echte Stadt zu gelten. Zugleich ist das auch der Zeitpunkt, auf den irgendeine nicht wirklich erklärte Wesenheit darauf wartet, sie den schmackhaften Stadtleckerbissen einzuverleiben und Städte damit entweder ganz zu töten oder als leere Hülle zu hinterlassen. Um das zu verhindern wählt New York einen Avatar aus, der sie vertritt. Doch dieser Avatar wird bei dem ersten Kampf schwer verletzt und braucht daher Mitstreiter - die WächterInnen von New York.

Puh. Ehrlich. Ich weiß überhaupt nicht, was ich von diesem Buch denken soll. Ist es absolut genial, weil es eine völlig neue Idee ist? Oder lacht sich die Autorin über uns tot, weil wir das nur glauben sollen? Ganz egal, welche der Alternativen zutreffend ist, ich fand absolut keinen Zugang zu dem Buch. Mir war schon - obwohl interessant - die Prämisse zu suspekt, vor allem nicht so erklärt, dass ich mir darunter was vorstellen kann. Meistens hatte ich das Gefühl, das Buch entstand unter Einfluss von Drogen oder Halluzinationen oder es wäre hilfreich, selbst welche zu nehmen, um sich auf das Ganze einlassen zu können. Da mir völlig unklar ist, was dieses Buch ausdrücken wollte, ich aber im Zweifelsfalle dem Gedanken, dass es zu genial für mich war, es zu verstehen, Raum geben möchte, entscheide ich mich für eine mittlere Bewertung.