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Veröffentlicht am 24.02.2022

Bilderbuch-Bauernhof

Meine ersten Wörter - Bauernhof
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Mit diesem kleinen, quadratischen Büchlein mit recht stabilen Pappseiten legt Ravensburger etwas für die Allerkleinsten vor: Ein Buch zum Anschauen, Staunen, Lernen - und das quietschbunt mit Illustrationen, ...

Mit diesem kleinen, quadratischen Büchlein mit recht stabilen Pappseiten legt Ravensburger etwas für die Allerkleinsten vor: Ein Buch zum Anschauen, Staunen, Lernen - und das quietschbunt mit Illustrationen, die zum Verweilen einladen.

Die ersten Wörter vom Bauernhof beginnen da schon auf dem Cover: mit der Kuh, dem Huhn, der Gans und dem Pferd. Und dann kann man ja mit einem Schieber auch noch etwas bewegen: Sieht man die Bäuerin erst (natürlich Heile-Heidi-und Almöhi-Welt-mäßig) die Kuh melken, so kann sie, wenn man den Schieber bewegt, die Milch in die Milchkanne gießen (und ich weiß nicht mal, ob es die Dinger überhaupt noch gibt).

Es geht weiter mit Fahrzeugen, die man bei der Feldarbeit braucht, wie zum Beispiel den Traktor samt Anhänger, dem Pflug, der Ballenpresse (wobei ich da echt bezweifle, dass Klein(st)kinder damit was anfangen können).

Danach werden die typischsten Tiere auf dem Bauernhof vorgestellt: Kühe samt Kälbern, Pferde mit Fohlen, Hühner und ihre Küken und tatsächlich habe ich gelernt, dass die Kinder von Gänsen Gössel heißen (bei mir waren das bisher immer Gänseküken, aber was weiß ich schon, ich lebe ja nur auf dem Land).

Alles in allem ist es für Kinder sicherlich ein spannendes Buch zum Entdecken und Staunen, quietschbunt und vor allem robust. Und dass die Welt nicht ganz so heil ist, wie sie dargestellt wird, kann man den Kids ja erklären, wenn sie ein bisschen älter sind.

Veröffentlicht am 24.02.2022

Wein und Krieg

Kaiserstuhl
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1962: Henny Köpfer führt eine gut gehende Weinhandlung, die sie von ihrem Vater übernommen hat. Es sind die Wirtschaftswunderjahre, Deutschland unter dem greisen Adenauer geht es gut. Während Adenauer ...

1962: Henny Köpfer führt eine gut gehende Weinhandlung, die sie von ihrem Vater übernommen hat. Es sind die Wirtschaftswunderjahre, Deutschland unter dem greisen Adenauer geht es gut. Während Adenauer und de Gaulle demnächst einen Vertrag zur Deutsch-Französischen Freundschaft unterzeichnen wollen, holt Henny Köpfer ihre Vergangenheit ein. Im 2. Weltkrieg war sie unbeabsichtigt dafür verantwortlich, dass eine Gruppe der Resistance von der Gestapo aufgespürt wurde, dabei spielte eine Flasche Champagner von 1937 eine große Rolle. Auch jetzt sind jede Menge Leute wieder hinter genau dieser Flasche her, unter anderem ein paar Altnazis und Paul, der elsässische Soldat, Weinkenner und Kinofan, in den sie sich kurz nach dem Krieg verliebt hat.

Normalerweise ist das überhaupt nicht mein Genre, aber bei der Autorin greife ich quasi blind zu. Sie hat das große Talent, Geschichte greifbar zu machen, sie anhand von Personen und Ereignissen so bildlich zu gestalten, dass man quasi mittendrin statt nur dabei ist. Man lernt während des Lesens noch einiges über die Vergangenheit der eigenen Nation/des eigenen Staates, und das geradezu mühelos und fesselnd, interessant und mit großer Sachkenntnis. Warum ich hier trotzdem nicht die volle Punktzahl gebe? Weil Glaser mit ihren anderen Romanen einfach die Latte zu hoch angelegt hat. Mir war es hier - gerade zu Beginn - ein bisschen zu hektisch und mir gefiel auch das Ende nicht wirklich, das mir zu viel offen ließ. Ansonsten ist das ein Buch, das ich jedem, der auch nur einen Hauch von Geschichtsinteresse hat, ans Herz legen kann.

Veröffentlicht am 20.02.2022

WhisperWhisper

#London Whisper – Als Zofe ist man selten online
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Zoe ist eine 15jährige Deutsche, die für ein Austauschjahr in England lernen darf. Sie hat auch schnell Anschluss gefunden und fühlt sich wohl. Bei einer Party passiert eines Nachts etwas Seltsames: Sie ...

Zoe ist eine 15jährige Deutsche, die für ein Austauschjahr in England lernen darf. Sie hat auch schnell Anschluss gefunden und fühlt sich wohl. Bei einer Party passiert eines Nachts etwas Seltsames: Sie wird irgendwie über 200 Jahre in die Vergangenheit geschleudert, in die Regency-Zeit. Plötzlich findet sich Zoe als Zofe wieder und muss sich in diesem seltsamen Leben zurechtfinden. Sie kommt zu der schüchternen Miss Lucy, die ihre erste Ballsaison hat und die dank Zoes Forschheit profitiert. Doch dann erfährt Zoe, dass sie nicht die einzige Zeitreisende ist und vor allem, dass der Aufenthalt in der Vergangenheit begrenzt ist: Findet sie keinen Weg zurück, wird es ihr auf Dauer schlecht ergehen.

Anfangs war ich noch gar nicht so überzeugt. Gerade auf der ersten Seite war das Ganze noch ziemlich holprig und in der heutigen Zeit war mir Zoe auch nicht so sympathisch, sie war das typische Partygirl. Meine Meinung änderte sich, sobald sie in der Vergangenheit angekommen war. Klar könnte man ihr vorwerfen, sie hätte alles viel zu schnell hingenommen, aber mal ehrlich. Was sollte sie machen, schreien und heulen? Was hätte ihr das gebracht? Dieses den Stier bei den Hörnern packen gefiel mir sehr gut. Und wie sie mit ihrer modernen Art einfach mal die Damenwelt aufmischte, fand ich wirklich erfrischend. Nicht mal die Liebesbeziehung war sonderlich nervig, vorrangig deshalb, weil es nicht wirklich eine gab. Wenn ich überhaupt etwas zu kritisieren habe, dann, dass Zoe erst 15 war, das kam mir für ihre Coolness und Art dann doch ein bisschen arg zu jung vor; wenn man das ausblendet und sich einfach drauf einlässt, ist die ganze Geschichte einfach nur ein großer Spaß.

Veröffentlicht am 16.02.2022

Das Flüstern der Toten

Violet und Bones Band 1 - Der lebende Tote von Seven Gates
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Violet Veil ist in einer Leichenhalle geboren und wächst auf einem Friedhof auf. Ihr Vater ist der Totengräber vom Seven Gates Cemetery und von daher ist sie den Umgang mit Toten gewöhnt. Nicht gewöhnt ...

Violet Veil ist in einer Leichenhalle geboren und wächst auf einem Friedhof auf. Ihr Vater ist der Totengräber vom Seven Gates Cemetery und von daher ist sie den Umgang mit Toten gewöhnt. Nicht gewöhnt ist sie, dass besagte Tote plötzlich aufstehen und über den Friedhof taumeln, doch genau das passiert mit einem Jungen, der am nächsten Tag beerdigt werden sollte. Oliver - an seinen Namen erinnert er sich - hat keine Ahnung,, was ihm passiert und wie er hier gelandet ist, doch Violet erkennt sofort, dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen ihm und den Männern, die in letzter Zeit mit derselben Wunde geliefert wurden wie er. Jemand hat versucht, ihn zu ermorden! Zusammen mit Bones, dem Hund, machen sie sich auf, den Fall zu lösen und Violets Vater vor der Schlinge zu retten.

Hier liegt ein wirklich gut geschriebenes Jugendbuch vor, das uns ins Ende des 19. Jahrhunderts entführt, wo Mädchen nicht frei wählen durften, was sie werden wollten, immer gehorsam und still zu sein hatten. Violet ist ein Freigeist, der sich diesen Regeln nicht beugen möchte und vor allem alles dafür tut, um ihrem neuen Freund zu helfen und ihren Vater zu befreien. Es hätte gern noch ein paar andere Verdächtige geben dürfen als die Person, die es schlussendlich war, und der Hund war eindeutig zu clever, aber die Geschichte selbst hat sich schön lesen lassen und Spaß gemacht. Weitere Fälle von Violet, Bones und Oliver dürfen folgen!

Veröffentlicht am 14.02.2022

Ossis und Wessis

Im Schatten der Wende
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Tobias Falck ist 1988 ein junger Polizist, überzeugt von der DDR und dem Sozialismus. Es erschüttert ihn daher, als ein ABV unter dubiosen Umständen stirbt und alle es als Unfall darstellen. Ein knappes ...

Tobias Falck ist 1988 ein junger Polizist, überzeugt von der DDR und dem Sozialismus. Es erschüttert ihn daher, als ein ABV unter dubiosen Umständen stirbt und alle es als Unfall darstellen. Ein knappes Jahr später, als die Demonstrationen stattfinden gegen die Parteiführung, steht er in der ersten Reihe der Gesetzeshüter, die diese Demonstranten aufhalten sollen. Und dann ist sie plötzlich da, die Wende, im November, und keiner weiß, was jetzt passiert. Nur dass jetzt viel mehr Kriminalität existiert, und auf einmal eine Frankfurter Kommissarin um Amtshilfe wegen eines Serienkillers ersucht.

Das hätte schon ein gutes Buch werden können, wenn sich der Autor hätte entscheiden können, ob er einen Krimi oder eine Art Tatsachenbericht über die letzten Monate der DDR/die Zeit nach der Wende hätte schreiben wollen. So kam nichts Halbes und nichts Ganzes raus, im Gegenteil. Die Ermittlungen waren ein Witz und ich weiß aus ziemlich sicherer Quelle, dass die Kriminalisten im Osten sehr gut geschult und engagiert waren. Auch das ewige DDR-Bashing (Dresden auch 45 Jahre nach Kriegsende immer noch ein reines Kriegsgebiet und Polizisten ständig dabei, junge Leute zu schikanieren und Wohnungen waren grundsätzlich abbruchreif) war nicht nur maßlos übertrieben, sondern schlichtweg einfach nur das: gehässiges DDR-Bashing. Die Lösung des "Falls" dann auch nur eine Frechheit - ach, ich hatte das mal so im Gefühl, ich gebe jetzt mal einen Todesschuss ab; wir DDR-Bullen machen das halt so. No, Herr Goldammer. Das war mal nichts.