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Veröffentlicht am 01.02.2022

Fitness forever

Für Fitness ist es nie zu spät
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Erika Rischko schafft acht Minuten Unterarmstütz, stemmt 50 Kilo, macht Wandhocke mit 50 Kilo, acht Stunden Spinning, Hardcore Fitness vom Feinsten. Na und, sagt ihr vielleicht. Gibt ja genügend Leistungssportler, ...

Erika Rischko schafft acht Minuten Unterarmstütz, stemmt 50 Kilo, macht Wandhocke mit 50 Kilo, acht Stunden Spinning, Hardcore Fitness vom Feinsten. Na und, sagt ihr vielleicht. Gibt ja genügend Leistungssportler, die das machen.

Mag sein. Aber sind diese Leistungssportler auch 82 Jahre alt?

Erika ist eine kleine, zierliche Person und man mag gar nicht glauben, wozu sie fähig ist, doch sie beweist es auf ihren Social Media Kanälen allen Skeptikern. Dabei hat sie erst mit Mitte 50 überhaupt angefangen, sich für ihre Fitness zu interessieren.

Mit diesem Buch hat sie ein Motivationswerk geschaffen, das anspornt, Wissen kompakt zusammenfasst und über 70 Übungen vorstellt, mit denen man gezielt alle Muskelgruppen trainiert. Dabei gibt es auch Checklisten, um seinen eigenen Stand erst einmal feststellen zu können und Trainingsprogramme als Einstieg, bevor man sich daran wagt, vielleicht seine eigenen Gruppen zusammenzustellen.

Der Fitness-Doc Professor Froböse gibt dazu noch Tipps in Bezug auf Gesundheit und Ernährung. All die zusammengefassten Erkenntnisse sind eigentlich nicht neu, aber hier schön kompakt dargestellt, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen.

Die Erkenntnis: Jeden Tag ein bisschen Training tut überhaupt nicht weh und für Fitness ist es nie zu spät.

Veröffentlicht am 31.01.2022

Mors certa

Berliner Leichenschau
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Dieses Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die eine Besonderheit enthalten: Sie sind sowohl von einem Krimiautor (Horst Bosetzky/-ky) als auch einem Rechtsmediziner (Gunther Geserick) verfasst ...

Dieses Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die eine Besonderheit enthalten: Sie sind sowohl von einem Krimiautor (Horst Bosetzky/-ky) als auch einem Rechtsmediziner (Gunther Geserick) verfasst worden. Ich war anfangs etwas skeptisch, ob das funktionieren könnte, aber tatsächlich geht das erstaunlich gut.

Folgendermaßen läuft das ab:

Der Autor hat 10 Geschichten verfasst, in denen die gängigsten Todesarten eine Rolle spielen. Die Opfer werden anscheinend vom Blitz getroffen, ertrinken, erhängen sich, verbrennen, ersticken an Essen, stürzen aus große Höhen, sterben im Wald, auf dem Gleisbett, zu Hause. Das Ermittlerpaar fängt an, die Umstände zu untersuchen, das Opfer landet bei dem Rechtsmediziner auf dem Tisch.

Und dort passiert der wirklich spannende Teil des Buches. Ausführlich und in Einzelheiten wird beschrieben, was die Ärzte (denn im Gegensatz zu dem, was in Filmen gezeigt wird, sind es immer zwei oder gar drei mit einem Assistenten) tun. Dass so eine Untersuchung auch mal über Stunden gehen kann, weil das die Sorgfältigkeitspflicht gebietet. Später geht der Mediziner noch auf ähnliche Fälle ein, mit denen man das vergleichen könnte.

Ich fand die Kurzgeschichten manchmal ein bisschen zu einfach gelöst, was vielleicht in der Natur der Kürze liegt, aber die Verbindung der Geschichten mit realem Vorgehen des rechtsmedizinischen Teils trotzdem spannend.

Veröffentlicht am 30.01.2022

Zwei ungewöhnliche Freunde

Dachs und Rakete. Ab in die Stadt!
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Der Dachs und die Schnecke sind die besten Freunde. Sie leben zusammen, spielen zusammen, essen zusammen. Und dann: Ihr Haus wird zerstört. Der Maulwurf kommt mit dem Bagger vorbei und verkündet, dass ...

Der Dachs und die Schnecke sind die besten Freunde. Sie leben zusammen, spielen zusammen, essen zusammen. Und dann: Ihr Haus wird zerstört. Der Maulwurf kommt mit dem Bagger vorbei und verkündet, dass dort, wo ihre wunderschönen Beete, ihr wunderschönes Haus und ihr wunderschöner Wald standen jetzt ein Freizeitpark mit Naturerlebnisqualität errichtet wird. Was sollen sie tun? Irgendwo müssen sie ja wohnen! So machen sich die beiden Freunde auf den langen Weg in die Stadt. Dort angekommen, werden sie mit völlig fremden Lebensgewohnheiten konfrontiert und sie müssen lernen, was Fortschritt bedeutet, wie man mit Geld umgeht, treffen aber auch andere, mit denen man auskommen kann.

Auf kindgerechte Weise wird hier vermittelt, wie man mit Veränderungen zurechtkommen kann. Am besten natürlich mit guten Freunden, aber auch einer Portion Mut und dem Willen, damit zurechtzukommen. Die Ironie des Zerstörens der Natur, um einen "Naturpark" zu errichten, wird Kindern wahrscheinlich entgehen, aber es ist ein hübsch ironischer Ausblick auf das, was im Leben oft genug passiert. Nicht so richtig gefallen hat mir die Episode im Einkaufszentrum, da wurde mir nicht klar, was damit bezweckt wurde: Man kann sich auch manchmal im Leben durchschnorren? Trotzdem, schöne Illustrationen und die Geschichte zweier Freunde, die sich positiv durchs Leben schlagen, hat mir gut gefallen.

Veröffentlicht am 29.01.2022

Demi-Boy

Felix Ever After
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Felix ist siebzehn, trans, schwarz und queer. Er ist ein talentierter Künstler, der sich auf ein Stipendium für eines der besten Kunst-Colleges bewerben möchte, weil er sich sonst eine Uni nicht leisten ...

Felix ist siebzehn, trans, schwarz und queer. Er ist ein talentierter Künstler, der sich auf ein Stipendium für eines der besten Kunst-Colleges bewerben möchte, weil er sich sonst eine Uni nicht leisten kann. Seine Mutter hat ihn und seinen Vater vor Jahren verlassen und die beiden müssen zusehen, wie sie über die Runden kommen. Felix hat über 400 Emails an seine Mutter in seinem Postfach, die er nie abgeschickt hat. Er hat einen besten Freund - Ezra - und er agiert in einer meist offenen pro-LGBT-Community. Doch dann kommt er eines Tages zur Schule und jemand hat Fotos von ihm aufgehängt und seinen Deadname veröffentlicht. Es trifft ihn wie ein Schlag und er vermutet gleich einen aus seiner Stufe, mit dem er immer Beef hatte. Felix beschließt, sich zu rächen und schreibt anonym den vermutlichen Täter an - nur um feststellen zu müssen, dass er wahrscheinlich genauso viele Vorurteile mit sich herumschleppt wie andere.

Es ist ein komplexes Thema, das in diesem Buch aufgenommen wurde, und ich habe auch einiges lernen und mitnehmen können. Die Verwirrung des/der Jugendlichen, ihr Streben darum, sich selbst zu verstehen und sich und andere zu akzeptieren, wird richtig gut rübergebracht, und es gibt so einige emotionale Situationen, die ich gut nachvollziehen konnte, ohne trans zu sein, weil es einfach menschlich ist. Dann wiederum frage ich mich, wie es sein kann, dass in einer Schule fast durchweg LGBT-Personen herumlaufen: Nicht als Vorwurf, aber die Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass es schon wieder einen Hauch ins Lächerliche bekam. Manche Sachen wurden recht holzhammerartig auf den Leser losgelassen und ich frage mich, ob das vielleicht in der heutigen Zeit einfach nur die richtige Art ist, jemandem etwas zu vermitteln? Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich kann man nur durch Übertreibung und Wiederholung die Leute dazu bringen, etwas als normal zu akzeptieren, das völlig normal ist.

Was mich tatsächlich immer wieder gestört hat, waren das permanente Saufen, Kiffen, Abhängen der Jugendlichen. Vielleicht habe ich mit 17 was verpasst, dass ich das nicht gemacht habe, aber es hat mich abgeschreckt. Und abgesehen von den Antagonisten des Buches waren alle immer furchtbar vernünftig, einsichtig, reflektiv - in einem Alter, in dem die meisten echt Probleme haben, auch nur bis drei zu zählen.

Trotzdem ist das wirklich eine Lektüre, über die ich noch so einige Zeit nachdenken werde. Nicht, weil mich die Charaktere so ernsthaft beeindruckt haben, sondern weil ich in eine Welt und Probleme eintauchen durfte, etwas darüber lernen durfte, das mir bisher nicht wirklich bewusst war.

Veröffentlicht am 26.01.2022

Durch die Jahrhunderte

Zum Paradies
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1893: Es ist anders, dieses Amerika, als jenes, welches wir kennen. In den Free States ist die gleichgeschlechtliche Liebe erlaubt, und sind nicht alle Menschen gleich und frei? Ein junger Mann, der sich ...

1893: Es ist anders, dieses Amerika, als jenes, welches wir kennen. In den Free States ist die gleichgeschlechtliche Liebe erlaubt, und sind nicht alle Menschen gleich und frei? Ein junger Mann, der sich nicht an den standesgemäßen Verehrer halten will, sondern einen jungen Lover wählt, erfährt es anders.

1993: Ein bisschen vergangene Gegenwart, ein junger Mann und ein alter Mann, und eine Kommunikation, die diesen Namen nicht verdient.

2093: Eine dystopische Zukunft, die ich jedoch noch am besten als "realistisch" erkennen konnte. Pandemien überziehen regelmäßig die Welt, Überwachungsstaat, Big Brother, Depressionen, 1984 all over again.

Um ehrlich zu sein fällt es mir schwer, hier eine Rezension zu schreiben. Ich weiß nicht, was die Autorin damit bezweckte: Diversität, das große Wort "Freiheit", Warnung vor der Zukunft? Wir bekommen hier drei Geschichten aus verschiedenen Jahrhunderten, ohne Anfang, ohne Ende, einfach mal so vorgeworfen wie ein zähes Stück Fleisch, da, nimm hin.

Es ist dasselbe Fleisch wie gestern, es wird auch morgen wieder dasselbe geben, kau darauf herum, bis deine Zähne abgescheuert sind.

Wir haben dieselben Orte, dieselben Namen, selbst die Geschichten sind dieselben, wenn man nur lange genug hinsieht, und dafür wurden 900 Seiten verbraucht? Die "bildgewaltige" Sprache wird gefeiert, die Innovation, die Originalität, aber wenn man mich fragt, ist ein Baum manchmal einfach nur ein Baum und ein Haus auch einfach nur ein Haus und des Kaisers neue Kleider sind immer noch nicht vorhanden, egal wie viele Leute seine Nacktheit als großartige Errungenschaft preisen.