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Veröffentlicht am 27.05.2021

Oh, du lieber Augustin

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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Leopold von Herzfeldt ist ganz neu in Wien. Der ehemalige Untersuchungsrichter aus Graz macht sich gleich mal recht unbeliebt, als er an einem Tatort auftaucht und dort nach neuesten Erkenntnissen Untersuchungen ...

Leopold von Herzfeldt ist ganz neu in Wien. Der ehemalige Untersuchungsrichter aus Graz macht sich gleich mal recht unbeliebt, als er an einem Tatort auftaucht und dort nach neuesten Erkenntnissen Untersuchungen durchführt. Im Jahr 1893 und dazu noch als Jude ist das ein unerhörter Akt von Unhöflichkeit. So verwundert es auch nicht, als er erstmal aufs Abstellgleis geschoben wird. Statt einer grausig-faszinierenden Mordserie soll er den Selbstmord eines Halbbruders des berühmten Walzerkönigs Johann Strauß untersuchen. Dabei trifft er auf den kauzigen Totengräber Augustin Rothmayer vom Zentralfriedhof. Auf getrennten Wegen kommen beide einer ungeheuren Sache auf die Spur ...

Wie üblich hat sich Pötzsch einer spannenden Zeit gewidmet. Dieses Mal geht er nicht seiner Familiengeschichte mit den Henkern nach, sondern interessiert sich für einen Totengräber des 19. Jahrhunderts. Mit Rothmayer schafft er einen durchaus komplexen Charakter, dem gegenüber Herzfeldt nicht so richtig mithalten kann, wie ich finde. Herzfeldt ist nur eines - ziemlich unsympathisch. Dafür, dass er selbst nicht Anfeindungen und Herablassung gegenüberstehen möchte, macht er es selbst auch nicht viel besser, im Gegenteil. Die Fälle selbst waren spannend, wobei ich den Hauptfall quasi schon zu Beginn gelöst hatte, mir fehlte lediglich das Motiv. Trotzdem ist das eine Reihe, die ich gern weiterverfolgen werde, auch wenn sie noch nicht mit der Henkersfamilie Kuisl mithalten kann.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Das Schweigen der Männer

Kretisches Schweigen
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Michaelis Charisteas ist Ermittler der Mordkommission von Chania auf Kreta. Jetzt im Mai schieben er und sein Partner Pavlos Koronaios eine ruhige Kugel - zumindest solange, bis im Süden der Insel zwei ...

Michaelis Charisteas ist Ermittler der Mordkommission von Chania auf Kreta. Jetzt im Mai schieben er und sein Partner Pavlos Koronaios eine ruhige Kugel - zumindest solange, bis im Süden der Insel zwei Skelette gefunden werden. Frangokastello ist dafür bekannt, dass es dort angeblich Geistererscheinungen gibt, Seelen von Freiheitskämpfern, die vor 200 Jahren dort starben. Doch die Skelette sind keine zehn Jahre alt und mit Sicherheit keine Freiheitskämpfer. Dennoch machen die Einwohner dicht, niemand spricht mit der Polizei, denn sie haben hier schon immer alles selbst geregelt. Doch Michalis wird nicht aufgeben, bis er den oder die Mörder gefasst hat.

Wir haben es hier mit einem eher ruhigen, soliden Krimi zu tun. Er zeichnet sich dadurch aus, dass man das Gefühl hat, der Autor weiß, worüber er schreibt. Er erzählt über Land und Leute, als hätte er das kretische Gefühl mit der Muttermilch eingesogen. Action erhält man erst zum Schluss ein wenig, aber darum geht es hier auch nicht. Man erhält Einblicke in die Struktur des Zusammenlebens und nicht immer hat mir gefallen, was ich erfuhr, ganz besonders was gewisse Machtverhältnisse angeht. Eine interessante Sommerlektüre, allerdings eine, die ich mit einer Warnung versehe: Wer sowieso schon immer Probleme hat, sich Namen von Charakteren zu merken, wird hier wohl nicht glücklich werden, und ich rate diesen Leuten eher davon ab, nach dem Buch zu greifen. Den restlichen Krimilesern hingegen kann ich es durchaus empfehlen.

Veröffentlicht am 19.05.2021

Gesund essen

Heilsam kochen mit Ayurveda
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Ich mag Kochbücher, ich mag Essen und ich mag es, diese beiden Leidenschaften zu verbinden und dabei möglicherweise noch etwas Neues zu lernen. Deshalb war ich an dem Buch von Dr. Grönemeyer (das ist der ...

Ich mag Kochbücher, ich mag Essen und ich mag es, diese beiden Leidenschaften zu verbinden und dabei möglicherweise noch etwas Neues zu lernen. Deshalb war ich an dem Buch von Dr. Grönemeyer (das ist der mit der Medizin, nicht der mit der Musik) sehr interessiert.

Zu Beginn gibt es eine Einführung in Ayurveda. Das ist - genau wie vegane Lebensweise - kein Trend, sondern eine Einstellung. Nicht für die Hipsters der Welt, sondern für diejenigen, die auf sich achten wollen, die schon gut und gern essen, dabei aber auch sowohl auf ihre Gesundheit als auch die Natur Wert legen. Das fand ich schon mal gut.

Weniger gefallen hat mir dann auf Dauer, dass Ayurveda irgendwann schon beinahe esoterisch wurde. Wer sich auf Ayurveda einlässt, so kam es beinahe rüber, könne Krankheiten bekämpfen oder vorbeugen, Selbstheilungskräfte aktivieren, ja sogar da Erfolg haben, wo es mit herkömmlicher Medizin nicht mehr weitergeht. Und genau das sind Aussagen, die ich immer relativ grenzwertig finde, besonders wenn dann auch noch von Schwingungen die Rede ist.

Das Essen bzw. diejenigen Rezepte, die ich ausprobiert habe, entpuppte sich als durchweg lecker und manchmal überraschend. Mein Lieblingsessen war dabei ein ganz einfaches (die sind übrigens alle gut und leicht herzustellen), nämlich kross gebratener Blumenkohl. Von daher bekommt der Rezeptteil meine vollste Empfehlung, die Einführung ist mir persönlich zu ausführlich und ein bisschen zu esoterisch - wen das nicht stört, der hat ein rundum gelungenes Buch in der Hand.

Veröffentlicht am 17.05.2021

Als Cornwall-Führer geeignet

Post für den Mörder
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Daphne Penrose wohnt mit ihrem Mann Francis in einem kleinen Ort in Cornwall, in Fowey. Manchmal radelt sie mit dem Postrad durch die Gegend und stellt Briefe zu. Alles ist beschaulich, bis zu dem Tag, ...

Daphne Penrose wohnt mit ihrem Mann Francis in einem kleinen Ort in Cornwall, in Fowey. Manchmal radelt sie mit dem Postrad durch die Gegend und stellt Briefe zu. Alles ist beschaulich, bis zu dem Tag, als Francis, der als Flussmeister arbeitet, eine Leiche findet. Edward Hammett war nicht nur ein ortsansässiger Reeder, sondern auch ein Bekannter von Francis. Kurze Zeit später stolpert Daphne über zwei weitere Leichen. Als sich daraufhin der Chief Inspector der nächstgelegenen Stadt als ein alter Bekannter entpuppt, von dem Daphne nicht viel hält, ist ihr klar: Hier muss sie selbst ihre Nase in Dinge stecken, die sie nichts angehen ... wait, wollte schreiben: ... und selbst ermitteln.

Vorneweg: Ich habe das als Hörbuch gehört und kam daher dieser neugierigen alten Schachtel nicht aus. Denn genau das ist Daphne, diese nervige, ältere Person, die sich für ach-so-schlau hält, aber ständig dumme Entscheidungen trifft. Angeblich arbeitet sie bei - Achtung, das muss wichtig betont werden - Royal Mail. Scheint aber ein Beruf zu sein, den man nach Lust und Laune verrichten kann, denn oft ist sie bei ihrem Job nicht anzutreffen. Leider scheint der Autor weder zu wissen, wie die Arbeit einer Postlerin noch die der Polizei in England funktioniert und dem Lektor war wohl auch egal, dass normale Chief Inspectoren und/oder Sergeants keine Pistolen tragen. Aber wen stört's bei all den Beweisen, die Daphne sowieso ständig vernichtet. Sie hält wichtige Informationen zurück und als sie den Chief und den Sergeant nicht erreichen kann, kommt sie auch nicht auf die Idee, in einer lebensgefährlichen Situation für ihren Mann einfach den stinknormalen Notruf zu wählen, sondern hält es für eine intelligente Idee, hinter mutmaßlichen Mördern durch Gebüsche (wohlgemerkt auf einem Golfplatz, auf dem es vor Gebüschen scheinbar nur so wimmelte) hinterherzukriechen.

Die Attitüde der auftretenden Personen mäanderte zwischen rassistischen (oh, wir dürfen unsere Ex-Kolonie Hongkong nicht mehr unterdrücken, Frechheit, dass es jetzt die Chinesen machen!) und herablassenden (oh, meine Tochter ist mit einem Mann zusammen, der nicht viel redet, oh, zum Glück hat sie sich jetzt von dem getrennt) Gehabe hin und her. Warum Daphne - die arroganteste Person des ganzen Buches - ständig der Meinung war, der Chief Inspector, der sich eher distanziert verhielt, sei arrogant, wird wohl für immer ein Geheimnis des Autors bleiben.

Zum Schluss möchte ich nur noch bemerken, dass ich zwar wirklich anfing, Cornwall zu mögen und auch Lust auf einen Besuch hätte, aber in dem Fall nur dafür beten würde, dort auf keinen Fall dort der "Heldin" dieses Buches zu begegnen.

Veröffentlicht am 13.05.2021

Immer im Kreis

Dark Blue Rising (Bd. 1)
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Tabby und ihre Mutter Cate hält es nie lange an einem Ort. Immer ziehen sie weiter, immer darauf bedacht, niemals mit jemandem näheren Kontakt zu halten. Cate hat Tabby erklärt warum: Sie werden gejagt, ...

Tabby und ihre Mutter Cate hält es nie lange an einem Ort. Immer ziehen sie weiter, immer darauf bedacht, niemals mit jemandem näheren Kontakt zu halten. Cate hat Tabby erklärt warum: Sie werden gejagt, und wenn man sie findet, sperrt man sie ein. Doch dann wird Cate gefasst und Tabby erfährt, dass sie gar nicht ihre richtige Mutter ist, sondern ihren Eltern weggenommen hat. Plötzlich muss sie sich mit fremden Leuten auseinander setzen, ihren Eltern, in einem großen Haus wohnen, und sich monatlich in einer großen Klinik untersuchen lassen. Als eine Schwimmtrainerin entdeckt, wie gut Tabby sich im Wasser bewegt, lädt sie sie zu einem Trainingscamp ein. Dort passieren nach und nach immer seltsamere Sachen - und was hat diese Klinik mit dem Camp zu tun? Tabby gerät - wie es Cate immer gesagt hat - in große Gefahr ... in Lebensgefahr.

Ich mag Terrys Bücher - eigentlich. Sie hat einen mega Schreibstil, den sie auch hier wieder beweist. Doch mir fiel auf, dass sowohl die Person Tabbys als auch gewisse Szenen stark denen aus Infiziert ähneln. Dazu kommt, dass hier viel zu viel wiederholt wird. Hüte dich vor dem Kreis hat zwar Cate als Letztes Tabby gewarnt, aber sie hätte vielleicht auch Teri Terry davor warnen sollen, sich ständig im Kreis zu drehen, dann wäre die Geschichte wahrscheinlich 100 Seiten kürzer, aber dafür bedeutend knackiger gewesen. So haben wir hier zwar noch immer ein gutes Buch, aber um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob ich unbedingt die Fortsetzungen brauche und außerdem kann es die Autorin auch besser.