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Veröffentlicht am 27.02.2019

Elementar

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete
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Zwei Zeitebenen, zwei Detektivpaare, zwei Fälle.

Die Verbindung? Sherlock Holmes und dessen Schöpfer, Arthur Conan Doyle.

1900: Seitdem Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes getötet hat, gerät er immer ...

Zwei Zeitebenen, zwei Detektivpaare, zwei Fälle.

Die Verbindung? Sherlock Holmes und dessen Schöpfer, Arthur Conan Doyle.

1900: Seitdem Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes getötet hat, gerät er immer wieder mitten in London in kritische Situationen. Alte Damen würden ihn gern verprügeln, ältere Herren machen Vorschläge, wie er ihn wieder auferstehen lassen kann. Und dann wird auch noch ein Anschlag auf sein Arbeitszimmer unternommen. Scotland Yard erweist sich als genauso unfähig, wie er es in seinen Geschichten beschrieben hat, und was hat es mit den Morden an jungen Suffragetten zu tun? Conan Doyle beschließt, in die Fußstapfen seiner Schöpfung zu treten und als Watson begleitet ihn sein treuer Freund Bram Stoker.

2010: Der junge Harold White hat es geschafft: Endlich ist er in die Gemeinschaft der Sherlockianer aufgenommen worden, eine Vereinigung nahezu fanatischer Holmes-Fans. Einer von ihnen hat verkündet, das verschwundene Tagebuch Doyles gefunden zu haben und endlich, nach mehr als hundert Jahren, werden sie also erfahren, was in den drei Herbstmonaten des Jahres 1900 wirklich passiert ist. Doch Alex, der Finder, wird ermordet und plötzlich ist es an Harold, ganz im Stile von Holmes, den Fall zu klären.

Nun, um ehrlich zu sein, hatte ich ein wenig mehr erwartet. Oder wie es jemand in der Leserunde ausdrückte: Als historischer Roman hätte es gut funktioniert, als Krimi eher weniger. Eindeutig waren die Abschnitte, die um 1900 spielten auch atmosphärischer, dichter, spannender. Die Suche Harolds erwies sich trotz Verfolgungsjagden und Gangstern als nicht ganz so fesselnd. Vielleicht, weil allein das verschwundene Tagebuch als Bindeglied zwischen den beiden Fällen nicht wirklich passte? Alles in allem war das Buch gute Unterhaltung, hat auch Spaß gemacht zu lesen, aber es hat mich nicht so sehr umgehauen, wie ich es gehofft hatte. 3,5/5 Punkten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 26.02.2019

Graue Maus und Buchhalter

Die Spiegelreisende 1 - Die Verlobten des Winters
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Warum?
Warum?
Warum nur?

Warum muss man unverschämt dieses Buch mit Harry Potter vergleichen?
Um es zu putschen?
Um Leute gleich in eine Erwartungshaltung zu versetzen?

Gleich vorneweg: Bei mir hat es ...

Warum?
Warum?
Warum nur?

Warum muss man unverschämt dieses Buch mit Harry Potter vergleichen?
Um es zu putschen?
Um Leute gleich in eine Erwartungshaltung zu versetzen?

Gleich vorneweg: Bei mir hat es den gegenteiligen Effekt ausgelöst. Ich wollte das Buch mögen, wollte ich wirklich. Aber es hat so eine dermaßene Erwartung gegeben, dass ich enttäuscht werden musste. Vielen Dank auch.
Dabei ist das Buch beileibe nicht schlecht und hätten sie es für sich stehen lassen, bekäme es 3,5 oder 4 Punkte. Aber dieser Harry-Potter-Vergleich hat es kaputtgemacht.
Wo ist die Magie, die mich mitreißt?
Ja, es gibt Magie. Die gibt es aber in vielen Büchern. Der Zauber, mich einzuspinnen, war nicht vorhanden.

Ich werde meine Meinung anhand eines Harry-Potter-Vergleichs erklären, sind ja alle so heiß auf diesen Vergleich.

In diesem Buch heißt Harry nicht Harry, sondern Ophelia und ist eine junge Erwachsene. Sie hat gefühlt Millionen Verwandte auf ihrer Arche, die sich jedoch nichts dabei denken, sie an den nächsten Todesser zu verkaufen, der gerade anklopft. Sie muss ihn heiraten - Erklärung wird nicht gegeben und gefragt wird sie natürlich auch nicht. Dazu muss sie den Buchhaltertodesser auf seine Arche begleiten. Schon auf dem Weg dahin versichert er ihr, dass sie eh nicht überleben wird.
Alles, was man ihr und ihrer Anstandstante (wozu braucht's die überhaupt?) mitteilt ist, dass man ihr nichts zu sagen braucht. Höchstens dass sie die Klappe halten sollen und niemanden trauen und niemandem verraten, wer sie sind.
Also, Harry, du bist der Auserwählte, aber weißt was? Schnauze, hinsetzen, alles gefallen lassen. Freunde kriegst du auch nicht, sind eh alles Todesser hier.

Ophelia bekommt also nichts gesagt, dafür regelmäßig aufs Maul. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Todesser sind magisch genug, um sie zu schlagen und zu quälen, ohne sich überhaupt bewegen zu müssen. Hat ein bisschen was von Tennisspielen auf der Wii, sportliche Betätigung ohne Sport.
Ophelia-Harry lässt sich auch alles gefallen und hält meistens noch die andere Wange hin. Mehr nebenbei erfährt sie, dass der Voldemorttyp (der Archegeist) was von ihr will und deshalb muss sie den Todesser heiraten. Aber wirklich drum kümmern tut sich Ophelia um das Ganze nicht. Wäre Harry wie Ophelia gewesen, hätte er es nicht mal auf den Hogwartsexpress geschafft und statt sieben Büchern hätten wir drei Kapitel bekommen und tschüs.

Was mich an dieser Art von Büchern aufregt, ist nicht nur ein sinnloser Vergleich. Sondern die Art, künstlich Konflikte zu schaffen. Ganz sicher, wenn Thorn (der Todesser) von Anfang an mit Ophelia geredet hätte, wären eigentlich fast alle Konflikte vermeidbar gewesen. Und warum überhaupt muss die arme Frau ewig lange Zeit vor der Hochzeit nach Todesser-City? Damit man auch wirklich versuchen kann, sie umzubringen? Das ist so sinnlos, dass es wehtut.

Trotzdem, ihr merkt es schon. Ich würde einem total schlechten Buch keine 3 Punkte geben. Es war gut geschrieben und man konnte richtig schön durchlesen. Vielleicht entwickelt sich die Geschichte ja auch noch und diejenigen, die für die Werbung verantwortlich sind, stellen sich dieser Verantwortung und zerstören es nicht von vornherein durch unpassende Vergleiche. Man kann es der Autorin nur wünschen.

Veröffentlicht am 24.02.2019

Brainfuck? Brainhack!

Mein Kopf gehört mir
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Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationswissenschaften und als solche beschäftigt sie sich eben auch mit dem Gehirn und dem, was damit machbar ist.
In diesem Buch geht sie darauf ein, wie in gar ...

Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationswissenschaften und als solche beschäftigt sie sich eben auch mit dem Gehirn und dem, was damit machbar ist.
In diesem Buch geht sie darauf ein, wie in gar nicht allzu ferner Zukunft unser Gehirn manipuliert werden kann - und wenn etwas technisch möglich ist, wird es auch getan, also kann man sich auch gleich darauf einstellen, dass es passieren wird.
Schon jetzt arbeiten Wissenschaftler und Organisationen mit Hochdruck daran, das Gehirn auf die nächste Stufe zu stellen. Wir sollen geupdatet werden, effizienter werden, schneller denken können, mehr arbeiten, weniger schlafen.
Schon jetzt gibt es Firmen, die strombasierte Geräte anbieten, mit denen man sich selbst angeblich putschen kann.

Meckel berichtet von den technischen Möglichkeiten, die schon existieren, von dem, was rein theoretisch möglich ist und in wie fern man das Gehirn überhaupt schon entschlüsselt hat. (Noch nicht sehr weit, aber das ändert nichts daran, dass daran rumgespielt wird.)
Sie hat Selbstversuche in stockdunklen, reizlosen Räumen durchgeführt und sich auch an Strom anschließen lassen.
Ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen sind mehr als erschreckend - ich meine, wer möchte schon irgendwann statt Facebook Brainbook haben? Wer möchte, dass alle und jeder auf das eigene Gehirn zugreifen können?
Sollte man meinen: niemand. Aber da irrt man sich. Die Zukunft mit Brainhacking und Supercomputern steht uns bevor und es klingt eher nach Dystopie als Utopie.
Ein interessantes, nachdenklich machendes Buch, allerdings dermaßen trocken geschrieben, dass man beim Umblättern gelegentlich meinte, Staub aufwirbeln zu sehen.

Veröffentlicht am 23.02.2019

Unherz

Heartless, Band 1: Der Kuss der Diebin
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Vor drei Jahren sind Zeras Eltern von Banditen überfallen und getötet worden, sie selbst wurde zum Sterben zurückgelassen. Eine Hexe fand sie, nahm ihr das Herz und rettete sie damit. Seitdem dient sie ...

Vor drei Jahren sind Zeras Eltern von Banditen überfallen und getötet worden, sie selbst wurde zum Sterben zurückgelassen. Eine Hexe fand sie, nahm ihr das Herz und rettete sie damit. Seitdem dient sie der Hexe, aber es gibt eine Chance, sich von der Sklaverei zu befreien. Wenn sie die ihr auferlegte Mission erfolgreich erfüllt, als Frühlingsbraut dem Prinzen nahezukommen und ihm das Herz zu rauben. Wortwörtlich. Die Hexen versprechen sich von diesem Plan, den Krieg zu verhindern, den die Menschen gegen sie führen wollen, Zera hingegen die Freiheit. Der Plan scheint zu gelingen, der Prinz findet Gefallen an dem Mädchen, das so anders als die anderen Frühlingsbräute ist - doch Zera überfallen immer mehr Gewissensbisse. Ist sie wirklich bereit, ihre Freiheit gegen die des Prinzen einzutauschen?

Was mir von Anfang an positiv auffiel, war die schnoddrig-moderne Ausdrucksweise, die man so bei einem Mittelalterfantasybuch nicht erwartet. Die Charakterisierung der Protagonisten ist gelungen, wobei für mich die Nebencharaktere tatsächlich besser ausgearbeitet sind. Während der Prinz soooo edel ist, dass man ihm ab und zu eine Ohrfeige verpassen möchte, um zu sehen, ob er darauf reagiert, bringen die "Tante" von Zera, der Leibwächter des Prinzen, Fione und selbst ein Bediensteter der Tante Schwung in die Sache. Zera ist ... einfach Zera. Gut fand ich, dass sie bei all der Schwärmerei für den Prinzen nie völlig den Verstand verlor. Dafür nervten mich die ewig gleichen Wiederholungen. Ja, schon klar, die Glut verlangt nach Blut, aber auf Dauer wurde es anstrengend, immer dieselben gleichen Diskussionen im Kopf zu lesen. Trotzdem: ein schöner Auftakt, der Lust auf mehr macht. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.02.2019

Vampire in England

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 19
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Als während eines Sturms ein Schiff vor der Küste Englands kentert, werden in der kleinen Hafenstadt Whitby seltsame Käfige an Land gespült. Doch das ist nicht das Schlimmste, was passiert. Plötzlich stapeln ...

Als während eines Sturms ein Schiff vor der Küste Englands kentert, werden in der kleinen Hafenstadt Whitby seltsame Käfige an Land gespült. Doch das ist nicht das Schlimmste, was passiert. Plötzlich stapeln sich die Leichen in der Gegend, doch selbst das ist noch nicht das Erschreckendste: Sie scheinen alle blutleer zu sein, als hätte sie jemand völlig ausbluten lassen. Diese beunruhigenden Meldungen erreichen Mycroft Holmes in London und der schickt natürlich sein bestes Pferd im Stall los: Oscar Wilde. Begleitet von dem ehemaligen Großwildjäger Hawthorne macht er sich daran herauszufinden, wer dahinter steckt und ob es eine Bedrohung für das gesamte Empire gibt.

Bei den positiven Dingen hier sei zu vermerken, dass es endlich mal wieder eine Geschichte gibt, in der es nicht vor lauter Logiklöchern nur so wimmelt. Tatsächlich war sie sogar stringent erzählt und die Sprecher waren wie fast immer top ausgewählt. Ein bisschen Namedropping gab es auch, gleich zu Beginn wurde (so glaube ich jedenfalls) Phineas Fogg aus dem Jules-Verne-Universum erwähnt, und später kam noch Bram Stoker hinzu - der Fachmann für Vampire, der Wilde und Hawthorne auf die richtige Spur bringt. Negativ anzumerken ist, dass es hier mal wieder mit der Haupthandlung absolut keinen Fortschritt gibt, außer dass mal eben die Darwinsche Gesellschaft erwähnt wird und die Geschichte mit einem Cliffhanger endet. Schade. Wäre langsam echt schön, zum Ende zu kommen, denn einfach so mittendrin aufhören möchte ich jetzt auch nicht mehr.