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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2021

Wichtiges Zeitzeugnis

Mein Name ist Selma
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Im btb-Verlag ist Anfang März ein sehr wichtiges Buch zum Holocaust erschienen: „Mein Name ist Selma – Erinnerungen einer Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebenden“ von Selma van de Perre.

Die jüdische ...

Im btb-Verlag ist Anfang März ein sehr wichtiges Buch zum Holocaust erschienen: „Mein Name ist Selma – Erinnerungen einer Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebenden“ von Selma van de Perre.

Die jüdische Niederländerin schreibt in ihrem autobiografischen Roman über ihre Erlebnisse vor Kriegsbeginn bis in die Nachkriegszeit. Da die Niederländer die Gefahr lange unterschätzen, kommt die Besetzung ihres Landes durch die Nazis für viele überraschend. Aufgrund der Repressalien und Trennung von ihrer Familie schließt sich Selma im Alter von 20 Jahren unter einem Decknamen der Widerstandsbewegung an. 1944 wird sie schließlich verhaftet und zunächst in das Durchgangslager Vught und schließlich in das KZ Ravensbrück deportiert. Mit viel Glück überlebt sie und lebt später in England.

Auch wenn man bereits vieles über diese Zeit und all die Schreckenstaten der Nazis gelesen hat, so ist es dennoch immer wieder unglaublich, wie grausam Menschen sein können und was damals wirklich passiert ist. Umso erstaunlicher ist es auch, wie mutig Menschen wie Selma waren und Widerstand geleistet haben.

Mein einziger Kritikpunkt ist der Sprachstil, der recht einfach, zuweilen etwas umständlich formuliert daherkommt. Das kann aber auch von den diversen Übersetzungen vom Englischen ins Niederländische und dann ins Deutsche herrühren.

Das Buch ist ein Zeitzeugnis, das erschüttert - aber auch Mut macht. Absolute Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2021

Leider enttäuschend

Krötensex
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Das Cover und der freche Titel „Krötensex“ haben mich sofort angesprochen. Zudem steht Franka Freis erstes Buch „Periode ist politisch“ aufgrund einiger Empfehlungen schon lange auf meinem Wunschzettel.

In ...

Das Cover und der freche Titel „Krötensex“ haben mich sofort angesprochen. Zudem steht Franka Freis erstes Buch „Periode ist politisch“ aufgrund einiger Empfehlungen schon lange auf meinem Wunschzettel.

In ihrem ersten Roman schreibt Franka Frei über das Leben der 20-jährigen Frieda, die ein Semester im Rahmen ihres privaten Studiums in Amerika verbringt. Amerika – ein Kaff in Sachsen, nicht zu verwechseln mit dem land of the free.

Der erste Teil des Buchs dreht sich um dieses Semester im Osten der Republik, wo Frieda nicht nur auf Nazis, sondern auch linke Aktivisten und nerdige „Ossis“ trifft. Zurück in Berlin entwickelt sich das Buch in Richtung Selbstfindungstrip infolge dessen Frieda bis an den Rand ihrer Grenzen geht.

Die Story an sich lässt einen an manchen Stellen schmunzeln, hat aber viele Längen und auch eher unglaubwürdige Parts. Die Protagonistin ist recht gut ausgearbeitet, die Nebenfiguren sind mir aber alle zu überzeichnet und oft zu stereotyp.

Gerade im ersten Teil ist mir auch die Sprache, vor allem von Kommilitone Miro, zu flapsig, zu gewollt jung und hip. Reden junge Leute heute wirklich so? Bin ich mit Mitte 30 tatsächlich schon so alt?

Letztlich bin ich froh, dass ich dieses Alter schon hinter mir habe und im Leben an einem anderen Punkt stehe. Ich hätte mir gewünscht, das Buch 15 Jahre früher gelesen zu haben, um zu sehen, dass auch andere mit Selbstzweifeln und dem „Dazugehörenzuwollen“ kämpfen. Die feministischen Positionen in Ehren, konnte mich das Buch leider nicht wirklich überzeugen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2021

Leider enttäuschend

Aus der Mitte des Sees
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Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger ist ein Roman über den Mönch Lukas, der mit Ende 30 Entscheidungen fürs Leben treffen muss und mit seinen Gedanken hadert.

Ich selbst wurde sehr katholisch erzogen, ...

Aus der Mitte des Sees von Moritz Heger ist ein Roman über den Mönch Lukas, der mit Ende 30 Entscheidungen fürs Leben treffen muss und mit seinen Gedanken hadert.

Ich selbst wurde sehr katholisch erzogen, sehe mich aber mittlerweile als Atheist. Dennoch fand ich den Klappentext spannend. Ich hatte mir erhofft, Einblick in die Gedankenwelt eines Mönchs zu erhalten und was ihn dazu antreibt, in der heutigen Zeit in ein Kloster einzutreten und den Weg des Glaubens zu gehen.

Leider habe ich nach der Lektüre immer noch keine Antwort darauf. Ich bin über das gesamte Buch nicht mit dem Protagonisten warm geworden. Ich fand viele Gedankengänge einfach nur selbstherrlich, herabschauend, selbstmitleidig. Über die Beziehung zu Gott erfährt man fast nichts. Die Handlung ist eher nebensächlich, vielmehr spielt sich das meiste in Lukas‘ Gedanken ab. Gerade das Ende wirkt dann an einigen Stellen unschlüssig.

Was das Ganze zudem zäh wie altes Kaugummi macht, ist der Sprachstil. Vor allem am Anfang des Buchs kommt er mir zu bemüht, zu hochtrabend vor. Ich lese gerne anspruchsvolle Bücher, hier hatte ich jedoch den Eindruck, dass zu viel gewollt war und damit der Lesefluss und vor allem das Lesevergnügen gestört wurde.

Ich konnte dem Buch leider überhaupt nichts abgewinnen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2021

Toller Roadtrip

Reise mit zwei Unbekannten
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Ich hatte mich bei Zoe Brisbys „Reise mit zwei Unbekannten“ auf eine leichte, heitere Lektüre eingestellt - nichts weiter. Und doch ist dieser Roman so viel mehr als das.

Eigentlich bin ich keine Fan ...

Ich hatte mich bei Zoe Brisbys „Reise mit zwei Unbekannten“ auf eine leichte, heitere Lektüre eingestellt - nichts weiter. Und doch ist dieser Roman so viel mehr als das.

Eigentlich bin ich keine Fan von humorvollen Büchern, aber dieses hier hat meinen Geschmack genau getroffen. Die Geschichte handelt vom 25-jährigen Alex, der in einer tiefen Depression steckt und der fast hundertjährigen Maxine, die aus einem Altenheim getürmt ist. Beide bilden eine Fahrgemeinschaft in Richtung Brüssel. Die beiden Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten, begeben sich auf ein gemeinsames Abenteuer, das natürlich anders verläuft, als geplant.

Die beiden Protagonisten sind dermaßen sympathisch und authentisch gezeichnet, beide mit ihren Eigenheiten, die sie so liebenswert machen und dennoch nicht übertrieben dargestellt. Interessant ist auch die Erzählweise des Buchs. Die Innensichten wechseln ständig, von einem Satz auf den nächsten, zwischen Alex und Maxine, sodass der Leser Einblick in beider Gefühlswelt bekommt und sich ständig im Wechsel der unterschiedlichen Gedankengänge befindet.

Hinter der heiteren Geschichte steckt allerdings viel mehr. Die beiden Protagonisten haben mit ihren Problemen zu kämpfen, die auch auf der Reise immer wieder zu tieferen Gedankengängen führen und so versucht einer dem anderen zu helfen. Natürlich werden auch Stereotype bedient und an manschen Stellen ist die Geschichte etwas unglaubwürdig, was ihrem Charme aber keinen Abbruch tut.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung. Die meist heitere Geschichte hat dennoch Tiefgang, ist sprachlich toll umgesetzt und lässt einen mit einem Glücksgefühl zurück.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2021

Historisch interessant

Als wir uns die Welt versprachen
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In „Als wir uns die Welt versprachen“ schreibt Romina Casagrande über sogenannte Schwabenkinder – eine historische Tatsache, von der ich bislang noch nie gehört hatte.

Edna und Jacob sind solche Schwabenkinder ...

In „Als wir uns die Welt versprachen“ schreibt Romina Casagrande über sogenannte Schwabenkinder – eine historische Tatsache, von der ich bislang noch nie gehört hatte.

Edna und Jacob sind solche Schwabenkinder – Kinder aus armen Familien, die zum Arbeiten an reiche Höfe verkauft wurden. Unter extrem schwierigen Bedingungen freunden sich beide an und trotzen den unmenschlichen Bedingungen des Hoflebens. Im hohen Alter entdeckt Edna ihren Jacob in einer Zeitschrift wieder und macht sich mitsamt Papagei Emil auf den Weg über die Berge zurück zu ihm.

Die Schilderungen der Reise werden immer wieder durch Rückblenden auf das Hofleben unterbrochen, sodass in beiden Handlungssträngen eine gewisse Spannung aufkommt, wenn auch mit einigen Längen. Sprachlich bewegt sich der Roman auf mittlerem Niveau.

Was mir ein bisschen schwer im Magen liegt, ist die Grundstimmung des Romans. An vielen Stellen ist es ein ernstes Buch, das ein ernstes Thema behandelt. An einigen Stellen verfällt die Geschichte um die Reise der alten Damen allerdings fast ins Klamaukige. Was vielleicht als bewusster Kontrast gewählt wurde, lässt mich an manchen Stellen eher mit dem Kopf schütteln. So real und beschwerlich die Flucht der jungen Edna scheint, so unwahrscheinlich, kurios und unrealistisch ist die Reise der betagten Edna zurück.

Insgesamt ein lesenswertes Buch mit ernstem historischem Hintergrund und nicht ganz so ernster Aufarbeitung in Romanform.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere