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Veröffentlicht am 17.10.2021

Großes Erzähltalent und tiefsinnige Gedanken und Einblicke in Marokko

Auf Basidis Dach
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Habt ihr Lust, den Sommer ein bisschen zu verlängern? Dann empfehle ich euch Mona Amezianes Buch „Auf Basidis Dach“, das es spielend schafft, euch auf eine Reise nach Marokko mitzunehmen.

Ich war leider ...

Habt ihr Lust, den Sommer ein bisschen zu verlängern? Dann empfehle ich euch Mona Amezianes Buch „Auf Basidis Dach“, das es spielend schafft, euch auf eine Reise nach Marokko mitzunehmen.

Ich war leider noch nie in Marokko – nach diesem Buch habe ich aber das Gefühl, doch schon dort gewesen zu sein. Die Journalistin und Moderatorin Mona Ameziane wuchs mit einem marokkanischen Vater und einer deutschen Mutter im Ruhrgebiet auf. Als Erwachsene stellt sie sich Fragen nach Heimat, Herkunft und Identität und begibt sich mit ihrem Vater auf eine Suche nach ihren Wurzeln, auf der wir sie begleiten dürfen.

Amezianes Erzählkraft zieht einen ab der ersten Seite in den Bann und schafft es, lebensechte Bilder zu erzeugen. Ich konnte beim Lesen den marokkanischen Minztee förmlich auf der Zunge schmecken. Aber nicht nur ihre große Erzählkunst macht das Buch so außergewöhnlich, auch ihr scharfsinniger Blick, der das Buch zu keinem bloßen Reisebericht macht, sondern vielmehr zum Philosophieren über Identität und Heimat einlädt.

So schafft es die Autorin, ein differenziertes Bild Marokkos abzuliefern, viel tiefer als aus europäischer Sicht, aber nicht verklärt oder gar romantisiert. Was Heimat bedeutet, muss wohl jeder für sich selbst herausfinden. Mona Ameziane hat ihre Fragen nicht vollständig beantwortet und dennoch viel über sich gelernt. Und vielleicht ist es ja genau die Krux an der Sache, dass man ein Leben lang, zumindest ein Stück weit, auf Identitätssuche bleibt, egal woher man kommt.

Ihr habt es ja bereits gemerkt, ich bin wirklich begeistert! Auf Basidis Dach ist definitiv eines meiner Jahreshighlights, weswegen ich es euch sehr ans Herz legen möchte.

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Hatte mir mehr erwartet

Was bleibt, wenn wir sterben
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Was bleibt, wenn wir sterben? Dieser Frage widmet sich die Trauerrednerin Louise Brown in ihrem gleichnamigen Buch aus dem Diogenes-Verlag.

Nach dem Tod ihrer Eltern kurz hintereinander beschäftigt sich ...

Was bleibt, wenn wir sterben? Dieser Frage widmet sich die Trauerrednerin Louise Brown in ihrem gleichnamigen Buch aus dem Diogenes-Verlag.

Nach dem Tod ihrer Eltern kurz hintereinander beschäftigt sich die Journalistin Louise Brown mit dem Tod und der Trauer und findet ein neues Berufsfeld als Trauerrednerin für sich selbst. Über ihre Erfahrungen mit der eigenen Trauer und der Trauerarbeit mit anderen Hinterbliebenen schreibt sie in ihrem Buch, das in drei Teile gegliedert ist.

Zunächst widmet sie sich der Konfrontation mit dem Tod, dann dem Leben mit der Trauer und schließlich im dritten Teil dem Thema „Die Endlichkeit annehmen“. In ihren Text lässt sie auch immer wieder Teile ihrer Trauerreden und Zitate einfließen.

Der Schreibstil ist fließend, teilweise fast schon philosophisch und dem Thema angemessen ruhig. Die Überschriften gefallen mir dabei besonders gut (z. B. „Strampeln zwischen den Seerosen oder Selbstbestimmtes Sterben“). Inhaltlich konnte die Autorin mich allerdings nicht überzeugen. Mir gehen die Gedanken nicht tief genug. Interessante Aspekte werden oft nur wortreich und sphärisch umschrieben, um dann direkt zum nächsten Gedanken oder der nächsten Trauergeschichte zu springen. Außerdem kommt mir der tröstende Aspekt zu kurz.

Das Thema Trauer ist ein sehr sensibles und für jeden bedeutet es sicherlich etwas anderes. Dieses Buch begibt sich einfühlsam auf den Weg verschiedener Trauergeschichten. Die großen Erkenntnisse zu dem, was nach dem Tod bleibt, kann es aber nicht liefern.

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Interessante Familiengeschichte in Zeiten des Vietnamkriegs

Wo auch immer ihr seid
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Khuê Pham zählt bereits zu den wichtigsten Stimmen junger deutscher Autoren. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, mit „Wo auch immer ihr seid“ erscheint heute ihr Debütroman.

Die ...

Khuê Pham zählt bereits zu den wichtigsten Stimmen junger deutscher Autoren. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, mit „Wo auch immer ihr seid“ erscheint heute ihr Debütroman.

Die 30-jährige Kiều wächst als Kind vietnamesischer Einwanderer in Deutschland auf. Als ihre Großmutter stirbt, kommt die Familie in den USA nach über 15 Jahren wieder zusammen und Kiều beschäftigt sich erstmals mit der Geschichte ihrer Familie, deren letzte Geheimnisse noch gelüftet werden müssen.

Der Roman wird in verschiedenen Zeitsträngen und aus Sicht von verschiedenen Familienmitgliedern, allen voran Kiều, ihr Vater Minh und dessen Bruder Son, erzählt, sodass sich ein umfassendes und differenziertes Bild der Familiengeschichte ergibt. Die einzelnen Erzählstränge sind dabei geschickt miteinander verknüpft, sodass die Geschichte von drei Generationen Platz zwischen den Buchdeckeln findet.

Für mich war es ein sehr spannender und lehrreicher Einblick in die vietnamesische Mentalität und vor allem den Vietnamkrieg und dessen Folgen. Eindrucksvoll erzählen vor allem Minh und Son wie unterschiedlich die politischen Motive waren und nach wie vor sind, wie Anspruch und Realität auseinanderklaffen und wie anders der Eindruck im Westen war. Neben der großen politischen Geschichte, werden aber auch die persönlichen Geschichten um Auswanderung, Flucht und das schwierige Leben in Kriegsquerelen erzählt.

Sprachlich konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen. Der Sprachstil ist recht einfach und vor allem die Kapitel des gerade ausgewanderten Minh erinnern eher an den Aufsatz eines Grundschülers, was wohl daher rührt, dass seine Verlorenheit in einem völlig fremden Land verdeutlicht werden soll.

Dennoch ein interessantes und lesenswertes Buch über die Geschichte Vietnams und eine Familie, deren Schicksal eng damit verknüpft ist

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Veröffentlicht am 11.09.2021

Wichtig - nicht nur für Eltern

»Gib mir mal die Hautfarbe«
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Wissen eure Kinder, was Rassismus ist? Divers erziehen ist das eine – auf Missstände in der Gesellschaft, wie Rassismus und Diskriminierung, hinzuweisen und dem entgegenzutreten, ist das andere. Olaolu ...

Wissen eure Kinder, was Rassismus ist? Divers erziehen ist das eine – auf Missstände in der Gesellschaft, wie Rassismus und Diskriminierung, hinzuweisen und dem entgegenzutreten, ist das andere. Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar haben deswegen ihr Buch „Gib mir mal die Hautfarbe – Mit Kindern über Rassismus sprechen“ geschrieben.

Zunächst gehen die beiden Autorinnen auf Begrifflichkeiten und die Geschichte ein. Dabei erklären sie, wie es zu Rassismus kommt, besprechen das Thema Kolonialismus und erklären, welche Begriffe und wie diese zu verwenden sind und warum andere Bezeichnungen abgelehnt werden.

Um die eigene Situation zu reflektieren, gibt es weitere Informationen und vor allem Übungen und Fragebögen. Basierend darauf, findet man dann einen Leitfaden, wie man ein Gespräch über Rassismus mit seinen Kindern führen kann und wie man deren Lebensumfeld divers und positiv gestalten kann.

Das Buch richtet sich natürlich an weiße Menschen, wie mich, aber – und das ist eine der großen Stärken - auch an Schwarze Eltern und Kinder. Viele Übungen und Informationen sind dazu zweigeteilt. Aber es lohnt sich, auch über den Tellerrand zu schauen und die Fragen auf der „anderen Seite“ zu lesen und so ein Gefühl für deren (Rassismus-) Erfahrungen zu erhalten.

Dieses Buch sollten alle Eltern, Lehrer:innen und Erzieher:innen lesen, denn es enthält sehr viele Informationen, Tipps und Anregungen, wie man Kinder und sich selbst feinfühlig für das Aufspüren und Vermeiden von Rassismus macht, gerade auch den Alltagsrassismus, den wir weiße Menschen oft unbeabsichtigt und unbemerkt begehen.

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Veröffentlicht am 30.08.2021

Klimawandel verständlich erklärt

Ändert sich nichts, ändert sich alles
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Es ist bereits 5 nach 12 für unseren Planeten und scheinbar verschießt die Politik weiterhin die Augen davor. Die österreichische Fridays-for-Future-Organisatorin Katharina Rogenhofer hat zusammen mit ...

Es ist bereits 5 nach 12 für unseren Planeten und scheinbar verschießt die Politik weiterhin die Augen davor. Die österreichische Fridays-for-Future-Organisatorin Katharina Rogenhofer hat zusammen mit Florian Schlederer einen umfassenden Überblick über das Thema Klimawandel geschrieben: „Ändert sich nichts, ändert sich alles! Warum wir jetzt für unseren Planeten kämpfen müssen“.

Gleich zu Beginn wird unsere Situation mithilfe einer eindrucksvollen Metapher dargestellt: Ein Boot, das auf einen Wasserfall zufährt, Insassen, die das Boot zerstören, um schneller voranzukommen, während andere versuchen die Steuermänner auf den Wasserfall aufmerksam zu machen und wie wenig Zeit noch bleibt, um gegenzusteuern.

Es ist unglaublich, wie lange die Folgen des menschengemachten Klimawandels schon bekannt sind und wie lange wir nichts dagegen tun. Verständlich wie nie erklären die Autoren, was es mit Treibhausgasen auf sich hat, warum der Klimawandel menschengemacht ist und wie bedeutsam schon ein halbes Grad Temperaturunterschied ist. Und sie haben auch Lösungen. Ein prall gefülltes Kapitel bereitet diverse Lösungsmöglichkeiten auf, wie unser Planet vor dem Kollaps gerettet werden kann und wie dringend diese Maßnahmen umgesetzt werden müssen. Alle im Buch getroffenen Aussagen werden durch Quellenangaben glaubhaft belegt.

Was sich nach trockener Lektüre anhört, liest sich eher wie ein spannender Krimi. Neben den Fakten und vielen anschaulichen Beispielen und Metaphern, schreibt Katharina Rogenhofer auch über Persönliches, FFF und das Klimavolksbegehren in Österreich und entkräftet in einem Kapitel auch die typischen Gegenargumente zum Klimaschutz. Und auch wenn sich das Buch auf unser Nachbarland bezieht, stellt sich die Situation bei uns in Deutschland sehr ähnlich dar, sodass man es fast 1:1 übertragen kann.

Lest dieses Buch! Es ist das Beste, was ich bislang zum Klimawandel gelesen habe. Und werdet aktiv – zumindest durch euer Kreuz in gut einem Monat bei der Bundestagswahl. There is no planet B!

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