Ein überzeugender zweiter Fall
Der tiefe GrundLea Nielsen und ihr Kollege Lennart Rolfs werden zu einem scheinbaren Unfall mit Fahrerflucht gerufen. Das Opfer Lisa Uhlen muss ins künstliche Koma versetzt werden. Kurz danach verstirbt sie. Doch mit ...
Lea Nielsen und ihr Kollege Lennart Rolfs werden zu einem scheinbaren Unfall mit Fahrerflucht gerufen. Das Opfer Lisa Uhlen muss ins künstliche Koma versetzt werden. Kurz danach verstirbt sie. Doch mit jedem Tag ohne Hinweise wird der Fall immer komplizierter und die Staatsanwaltschaft sitzt dem Team im Nacken.
Nach dem Reihenauftakt "Das erkaufte Glück" ist dies der zweite Fall für Lea Nielsen und ihr Team.
Mit "Der tiefe Grund" legt Anna Johannsen einen starken zweiten Fall rund um die Ermittlerin Lea Nielsen vor, der mich insgesamt mehr überzeugen konnte als der Auftakt der Reihe. Lea macht in diesem Band eine spürbare Entwicklung durch. Jemand aus ihrer Vergangenheit taucht auf und zwingt sie dazu, sich endlich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, was sie wirklich will und wo sie hingehört. Sie hinterfragt nicht mehr ständig alles und jeden, sondern beginnt, klarer zu handeln, auch wenn sie nach wie vor ein schwieriger, sehr eigenwilliger Mensch bleibt. Gerade diese Ecken und Kanten machen sie für mich glaubwürdig. Weniger positiv fallen erneut Lars und Hussmann auf. Ihr Verhalten wirkt oft unreif, fast wie bockige Schuljungen, denen man das Spielzeug weggenommen hat.
Sehr berührt hat mich dagegen erneut die Geschichte rund um Leas Vater Karl. Trotz ihrer belasteten Vorgeschichte rechne ich es Lea hoch an, dass sie sich um Karl kümmert und sich schließlich auch Hilfe holt. Ein Schritt, der ihr sichtlich nicht leichtfällt und ihre menschliche Seite stark hervorhebt. Lennart hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist ein kluger, fleißiger junger Mann mit großem Potenzial und einer vielversprechenden Zukunft. Jan hingegen liebt Lea aufrichtig, was ihn manchmal fast bemitleidenswert macht, da sie sich ihm gegenüber nur schwer öffnen kann. Julia entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer echten Freundin für Lea. Die beiden Frauen lassen sich nichts gefallen, schon gar nicht von ihren männlichen Kollegen, und ihre Dynamik wirkt authentisch und erfrischend.
Der Kriminalfall selbst ist düster und spannend. Das Opfer stirbt einen brutalen Tod, und zunächst deutet alles auf einen Unfall mit Fahrerflucht hin. Doch Lea folgt ihrem Instinkt und vermutet früh einen vorsätzlichen Mord. Diese Einschätzung erweist sich letztlich als richtig. Diese Hartnäckigkeit passt perfekt zu ihrem Charakter.
Der Schreibstil von Anna Johannsen ist einfach und flüssig, das Erzähltempo hoch, sodass man schnell durch die Seiten fliegt. Insgesamt wirkt die Geschichte rund und gut aufgebaut.
Fazit: Für mich ist "Der tiefe Grund" ein gelungener zweiter Fall, der Lust auf mehr macht. Bleibt nur die Frage, ob dies bereits ein Abschluss war oder ob die Reihe weitergeführt wird. Ich würde definitiv weiterlesen.