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Veröffentlicht am 10.09.2019

Ein Buch, das einen in jeglicher Hinsicht in den Wahnsinn getrieben hat

Jesolo
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Inhalt:

Jedes Mädchen träumt eigentlich von dem perfekten vollkommenen Leben. Mann, Haus, Kind, um nur ein paar der großen Lebensstationen zu nennen, die im Prinzip jede Frau eines Tages besucht haben ...

Inhalt:

Jedes Mädchen träumt eigentlich von dem perfekten vollkommenen Leben. Mann, Haus, Kind, um nur ein paar der großen Lebensstationen zu nennen, die im Prinzip jede Frau eines Tages besucht haben möchte. Nicht doch Andrea. Denn sie hat sich all das nie gewünscht. Doch das Leben kommt anders und sie schafft es nicht, ihren eigenen Willen durzusetzten. Ihr Leben ist durchgängig "okay", doch die große Freude und Aufregung fehlt. Ihr Mann ist okay, ihr Leben ist okay. Eines Tages ist sie schwanger- obwohl sie eigentlich nicht schwanger sein wollte. Sie nimmt einen Kredit auf- obwohl sie nie einen Kredit aufnehmen wollte. Sie zieht bei ihrer Schwiegermutter ein- obwohl sie nicht bei ihrer Schwiegermutter einziehen wollte.



Meinung:

Dieses Buch hat mich wirklich auf allen Ebenen in den Wahnsinn getrieben- was ich in diesem Fall leider auch keineswegs positiv meine. Mehrfach war ich wirklich kurz davor, dass Buch an die Wand zu werfen. Ich war frustiert, genervt, entsetzt, schockiert. Genau damit hat Tanja Raich auch bewusst gespielt, doch mich hat es wirklich einfach nur verrückt gemacht.



Der Gedanke dieses Buches war es ja, dass die Protagonistin einfach zu allem "ja" sagt, was man sie fragt, was die Gesellschaft vorschreibt. Denn die moderne Gesellschaft bestimmt praktisch, was zu einem perfekten Leben gehört. Familie, Haus und Job sind so in etwa die Zutaten für ein glückliches Dasein. Doch Tanja Raich wollte bewusst damit provozieren, dass man trotz allem nicht immer die persönlichen Wünsche erfüllt hat, wenn man all diese Stationen auf seiner Liste abhaken kann, dass die Rolle der Frau aber so stark definiert ist, dass man praktisch in dem vorgeplanten Leben ersticken kann. Deswegen hat Andrea ihre eigenen Bedürfnisse hinten angestellt und nur die Erwartungen anderer erfüllt.



Doch ich wollte Andrea einfach immer nur schütteln. Ich habe sie stumm angeschrien, geradezu verzweifelt angefleht, dass sie doch bitte einmal "nein" sagt. Ein einziges Mal auf sich hört. Sachen nicht einfach über sich ergehen lässt, sondern offen sagt, dass sie nicht will, da sie nicht in der Stimmung ist, dass sie sich etwas anderes von ihrem Leben versprochen hat.

Gleichzeitig hat mich dieser Schreibstil komplett rappelig gemacht. Normalerweise empfinde ich eine innere Ruhe, wenn ich lese, doch bei "Jesolo" hätte ich Wände hochgehen können. Das ganze Buch war komplett parataktisch. Ein Hauptsatz ohne jegliche Ausschmückung folgte dem nächsten, und auf Dauer haben mir einfach die Adjektive gefehlt, die malerische Sprache. So wirkte die ganze Geschichte auf mich irgendwie eindimensional, die Charaktere farblos, die Geschichte nicht aussagekräftig genug. Vielleicht macht dieser Schreibstil genau das, was er soll: verrückt. Er passt zu dem schnöden Leben, dass Andrea führt, doch trotzdem sind auch die Gefühle nur eindimensional herübergekommen.

Mich hat das Buch irgendwie heruntergezogen. Ich konnte mit keinem Charakter wirklich sympathisieren, und das bei wörtlicher Rede die Satzzeichen fehlten, hat mich komplett verwirrt und jedes Mal musste ich nachrechnen, wer nun mit Sprechen dran ist. Ein weiterer Aspekt, der mich irre gemacht hat.

Das einzig positive für mich war, dass Tanja Raich wirklich in vielen Passagen den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Ich habe mich und die Ansprüche der Gesellschaft mehrfach wiedergefunden. Sehr eindrucksvoll fand ich das an einer Stelle, als Andrea alle Sprüche aufzählt, die sie als Schwangere gesagt bekommt. Es sind die allgemeinen Floskeln, die man immer wieder aufschnappt, wenn es um das Kinderkriegen und Schwangersein geht. Die unterschwellige Kritik an den Ansprüchen an das Individuum von der Gesellschaft waren keineswegs aus der Luft gegriffen, sonder hatten einen großen Wiedererkennungsfaktor. Trotz allem konnte mich das Buch nicht überzeugen.



Ich glaube, dass es fast das erste Mal in meiner Geschichte als Rezensentin ist, dass ich 1 Stern vergebe. Ich kann mir vorstellen, dass so mancher das Buch auf seine Art sicherlich mag, denn wie ich bereits erwähnt hatte, wollte Tanja Raich bewusst provozieren, einen verrückt machen damit, dass Andrea nie "Nein" sagt und die Ansprüche der Gesellschaft bargen ein Wiedererkennungspotential. Doch alleine der Schreibstil war einfach absolut nicht meins, die ganzen Hauptsätze haben meinen Lesefluss immer und immer wieder unterbrochen und ich konnte mich mit dem Buch leider gar nicht identifizieren.

Veröffentlicht am 19.08.2019

Dramatisch und interessant

Kampfsterne
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Inhaltlich geht es in "Kampfsterne" um das Leben mehrer Familien in einer Siedlung in Deutschland in den Achtzigerjahren. Und es geht vor allen Dingen um die Probleme, Zwänge, Ängste und Unfreiheiten all ...

Inhaltlich geht es in "Kampfsterne" um das Leben mehrer Familien in einer Siedlung in Deutschland in den Achtzigerjahren. Und es geht vor allen Dingen um die Probleme, Zwänge, Ängste und Unfreiheiten all dieser Personen zu dieser Zeit. Diverse Probleme werden aufgegriffen. Die einen erschütternd, traurig, teilweise noch immer zeitgemäß, die anderen objektiv betrachtet weniger schlimm, doch für die betreffende Person der Mittelpunkt ihres Bewusstseins und Denkens. Es ist nah am Zahn der damaligen Zeit geschrieben und lässt einen über die früheren Gesellschaftsstrukturen zweifeln, gleichzeitig aber auch dankbar über die sozialen Fortschritte unserer heutiger Generation im Vergleich dazu sein.



"Kampfsterne" war ein etwas anderes Buch. Sicher anders, als ich es normalerweise gewöhnt bin, da es in so vieler Hinsicht einzigartig und außergewöhnlich war. Denn eine große Besonderheit: Die Handlung wird von ca. 11 unterschiedlichen Leuten geschildert. So entwickelt sich der Verlauf der Geschichte nach und nach, indem man als Leser die Puzzleteile der Erzählungen zu einem ganzen zusammensetzt. Sie wird erzählt von Kindern, Erwachsenen, Protagonisten und Charakteren, die zunächst unscheinbar wirken. Doch diese Erzählweise macht dieses Buch zu etwas Unvergleichlichem.

Denn man kommt als Leser selbst ins Zweifeln, wie schnell man sich ein Bild über Menschen machen kann und wie schwierig es ist, dieses wieder auszubessern.

Das klingt jetzt verworren und kompliziert, doch eine der Erzählenden, Rita, war die erste, die in diesem Buch ihre Sicht schildern durfte. Ihre Sicht auf die Dinge und einzelnen Personen waren meistens sehr negativ, sie war sehr unzufrieden mit ihrem Leben und neidisch auf das anderer. Sie warf anderen gedanklich vor, unzufrieden mit ihrem 'perfekten Leben' zu sein. So habe ich anfangs Ritas Haltung übernommen. Wurden die Personen, über die sie vorher hergezogen hatte, erwähnt, so hatte ich direkt eine negative Haltung ihnen gegenüber.

Doch ich habe durch dieses Buch gemerkt, dass man niemals voreilige Schlüsse machen sollte. Manche ihrer Einschätzungen bewahrheiteten sich, doch andere nicht. Ganz im Gegenteil, manche dieser kritisierten Personen wurde wahre Lieblingscharaktere von mir. Doch eine gewisse Verbundenheit zu Rita blieb immer, obwohl ich sie irgendwann nicht mehr nachvollziehen konnte.







Das Buch hat mich insgesamt etwas verwirrt zurückgelassen, was ich grundsätzlich eher kritisieren würde. Denn das Buch war nach meinem Geschmack zu schnell zu Ende. Einige Handlungen wurden angerissen und meines Empfindens nach nicht weit genug ausgearbeitet. Sie wurden zwar immer wieder erwähnt, doch ich hätte mir noch mehr davon gewünscht. Das Buch hätte noch einige Seiten mehr haben können, denn ich hätte gerne noch mehr über die Bewohner der Siedlung erfahren, hätte noch gerne einige Zusammenhänge besser verstanden. Ich habe mich letztlich bei vielen Handlungen gefragt: wie wäre sie jetzt eigentlich weiter gegangen? Was wird daraus?

Es ist nicht wirklich ein offenes Ende, dennoch regt es einem zum Nachdenken an.



Zugegeben, manche Handlungen und Vorhaben habe ich nicht wirklich verstanden. Obwohl, das ist das falsche Wort- ich habe sie verstanden, konnte sie aber nicht nachvollziehen. Sie waren absurd, unangebracht, grauenvoll.



Doch genau das macht dieses Buch aus. Dass die Verzweiflung teilweise so groß ist, dass die Leute dort zu Übersprunghandlungen neigen.



Zuletzt möchte ich noch auf die Charaktere eingehen. Es ging primär um 3 Familien. Familie eins besteht aus Rita, Georg, Johannes und Klara. Über Rita hatte ich ja schon eben gesprochen. Georg ist mir, wie sein Sohn Johannes, in der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Beide haben ein großes Herz und eine verborgene Stärke. Sie mögen vielleicht in Ritas Augen "langweilig" sein, doch sie sind definitiv gute Menschen, und gerade Johannes hat oftmals gesagt, was ich gedacht habe und wurde so schnell mein Lieblingsmensch dort.

Familie 2, bestehend aus Ulla, Rainer, Constanze aka Cotsch und Lexchen war eine vielbeneidete Familie, doch es zeigte sich, dass man allen Menschen nur vor den Kopf schaut. Lexchen und Constanze sind mir aber auch sehr ans Herz gewachsen, denn während Cotsch stark und unabhängig ist, sieht Lexchen immer das Gute im Menschen, eine bewundernswerte Haltung in dieser Welt.

Und die Dritte Familie, Ella und Joschi, spielen am Rande mit, obwohl ich mir zu beiden nicht wirklich ein Bild gemacht habe.



Letztlich kann ich das Buch empfehlen, doch nicht uneingeschränkt an jeden. Denn das Buch ist nicht unbedingt eine leichte Lektüre für Zwischendurch. Sie regt zum Nachdenken und Zweifeln an, hat Themen, die letztlich alle sehr dramatisch sind, doch das Buch ist unfassbar gut geschrieben und sehr fesselnd. Alexa Hennig von Lange hat sich definitiv zu meinen bevorzugten Autoren hochgearbeitet und ich bin erstaunt über ihre Wandelbarkeit in Erzählweise und wie sie es geschafft hat, den Handlungsverlauf so genau aus so vielen Puzzleteilen zusammenzusetzen.

Veröffentlicht am 08.08.2019

Überraschend gut

Paper Party
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Gideon Royal ist der älteste der Royalbrüder und musste daher für seine Mutter und seine Brüder immer eine große Verantwortung übernehmen, als sein Vater damit beschäftigt war, die insolvente Firma zu ...

Gideon Royal ist der älteste der Royalbrüder und musste daher für seine Mutter und seine Brüder immer eine große Verantwortung übernehmen, als sein Vater damit beschäftigt war, die insolvente Firma zu retten. Doch auch Gideon hat ein großes, schmutziges Geheimnis, das nicht an die Öffentlichkeit geraten darf und unter dem auch seine Beziehung zu seiner wahren Liebe Savannah zerbrochen ist. Doch Gideon will diese Trennung nicht länger auf sich sitzen lassen, die Vergangenheit hinter sich lassen und Savannah zurückerobern. Doch wird ihm das gelingen? Oder sind die Laster der Vergangenheit zu groß und die Unterschiede zwischen den beiden mittlerweile unüberwindbar?

Meine Meinung:
Der Band war für mich persönlich eine große Überraschung. Gideon und Savannah waren mir in den ersten 3 Teilen gar nicht mal so sympatisch. Gideon war immer der Royal-Bruder, der mich letztlich am wenigsten interessiert hat. In meinen Augen wirkte er immer farblos und viel zu geheimnisvoll. Er wirkte immer so vernünftig und erwachsen, doch ich hatte erwartet, dass sich hinter seinem Saubermannverhalten ein Abgrund befindet. Und dieser wurde in "Paper Party" auch an die Oberfläche befördert und erläutert. Bereits in "Paper Palace" kam sein großes Geheimnis zur Sprache und ich gebe zu, dass ich ihn dafür ziemlich verurteilt habe und er nicht gerade Sympathiepunkte bei mir gesammelt hatte. Doch "Paper Party" hat in dieser Hinsicht die Wogen geglättet. Der Teil ist für mich wirklich nur ein Übergangsband. Durch die 155 Seiten ist er wirklich sehr dünn und in weniger als einem Tag verschlungen. Doch letztlich würde ich diesen Teil nicht missen wollen, da er mir viele Zusammenhänge aufgezeigt, Wissen vertieft und mir einiges klar gemacht hat. Denn nun verstehe ich Gideons Verhalten und seine Art besser. Und auch Savannah ist mir durch diesen Teil der Reihe nun sympathischer. Denn als Leser lernt man in diesem Teil viel über ihre Vergangenheit. Immer wieder switchen die Kapitel zwischen "heute" und "vor drei Jahren" und vergleicht dabei die Situation von Savannah, von Gideon und ihr gemeinsames Verhalten. Und dieses Wechselspiel der Zeiten hat mir sehr gut gefallen, da man so immer besser die Gegenwart verstand und merkte, welche Auswirkungen die Dinge der Vergangenheit auf das Heute hatte.
letztlich war mir der Teil eher zu dünn. Ich war traurig, als der Teil zu Ende war und habe mich auf Seite 145 gefragt: "Wie zur Hölle wollen sie diese Geschichte in 10 Seiten ordentlich zu Ende erzählen?". Doch überraschenderweise ging es. Man hätte es alles noch vertiefen und verlangsamen können, doch so wurde der Teil wenigstens nicht langweilig und lies einen eher traurig über das rasche Ende zurück.
Ich war auch froh, dass nun ein anderer Royal-Bruder in den Mittelpunkt des Buches gerückt ist und die Reihe so fortgeführt wurde.
Ich finde "Paper Party" definitiv empfehlenswert für alle, die eh schon ein Gideon-Fan sind und alle, die Gideon und Savannah besser verstehen wollen.
Auf alle Fälle werde ich auch die anderen Teile der Reihe lesen und bin schon sehr sehr gespannt, denn alle Teile der Paper-Reihe sind ausnahmslos Pageturner, die einen Suchtfaktor aufweisen.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Romantische, authentische und humorvolle Liebesgeschichte!

Love to share – Liebe ist die halbe Miete
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Inhalt:

Tiffy braucht dringend eine neue Wohnung. Nachdem sie sich von ihrem kontrollsüchtigen Freund Justin getrennt hat, muss sie sich irgendwo verstecken, um endgültig aus seinen Zwängen zu entkommen. ...

Inhalt:

Tiffy braucht dringend eine neue Wohnung. Nachdem sie sich von ihrem kontrollsüchtigen Freund Justin getrennt hat, muss sie sich irgendwo verstecken, um endgültig aus seinen Zwängen zu entkommen. Leon arbeitet als Palliativpfleger dann, wenn "normale Menschen" schlafen gehen. Er braucht dringend Geld und kommt deswegen auf die Idee, sein Bett an jemanden zu vermieten, der tagsüber arbeitet, genau dann, wenn er schläft. Tiffy mit ihrem "nine-to-five"- Job als Lektorin bei einem DIY-Verlag ist die perfekte Mieterin. Und laut der Regeln sollten sie sich nie persönlich begegnen. Doch ein Post-it-Zettel kann alles verändern...



Meinung:

Das Buch hat mein Herz einfach im Sturm erobert. Es ist durchaus eine Liebesgeschichte der anderen Art- ich persönlich habe soetwas noch nie gelesen. Doch genau deswegen liebe ich dieses Buch so sehr- es ist außergewöhnlich und absolut authentisch.

Angefangen bei der Erzählweise und der Kennenlerngeschichte. Die Post-It Nachricht werden komplett in die Geschichte eingebunden und stets eine wilkommene und amüsante Unterbrechung. Denn Post-it Nachricht sind aufgrund des Platzmangels auf das Wesentliche reduziert, doch gleichzeitg befindet sich in diesen kleinen Zeilen so viel Humor, dass ich echt häufig lächeln musste. Generell fand ich das Buch ziemlich lustig. Immer wieder musste ich schmunzeln oder auch herzhaft lachen- doch gleichzeitig war das Buch nicht albern, sondern auch romantisch und spannend.

Die Erzählweisen haben sich bei den beiden Protagonisten komplett unterschieden. Tiffy und Leon erzählen stets abwechselnd aus ihrer Sicht die Handlung, und es ist immer an der Erzählweise klar erkennbar, wessen Perspektive es gerade ist. Tiffy ist ein insgesamt sehr extrovertierter und impulsiver Mensch, der schnell und viel redet. Leon hingegen wählt seine Worte mit Bedacht, ist introvertierter und nachdenklicher. Und ganau das spiegel sich auch wider. Tiffys Kapitel sind sehr detailreich, sehr humorvoll und mit vielen Nebensätzen. Leons Kapitel hingegen sind sehr parataktisch (viele Hauptsätze) und auf das wesentliche reduziert. Zugegeben, am Anfang musste ich mich auch etwas an den sehr paraktaktischen Schreibstil von Leon gewöhnen, doch ich bin ziemlich schnell in die Art und Weise hereingekommen und mochte es letzlich sogar sehr gerne, weil es einfach mal etwas anderes war. Und es unterstrich seine Persönlichkeit einfach so gut!

Auch die Handlung konnte mich überzeugen. Anfangs dachte ich, dass das Buch doch relativ lang für die Begebenheit sei, doch mir wurde zu keiner Zeit des Buches langweilig und ich habe es auch in kürzester Zeit weggesuchtet. Es wurden einige Nebenstränge wunderbar miteinander verflochten, es ging neben der Liebe auch um Familiendramen, ungerechtfertigte Gefängnisstrafen, DIY Bücher, den Einfluss von Influencern, verrückte Exfreunde und um das Wiederfinden einer verschollenen Liebe, Tod und Heilung, Freundschaft und so viel mehr. Trotzdem habe ich das Buch nicht als überladen empfunden. Man hatte einige Charaktere, die alle miteinander verknüpft waren, manche Bindungen haben einen gefreut, andere schockiert.

Aber kommen wir nun auf den wirklich wichtigen Teil der Handlung zu sprechen: die Liebesgeschichte zwischen Tiffy und Leon. Und ich empfand sie wirklich als absolut authentisch. Leon und Tiffy könnten wirklich nicht unterschiedlicher sein, doch Gegensätze ziehen sich an. Die beiden ergänzen sich so wahnsinnig gut. Tiffy ist eine eher aufgedrehte und außergewöhnliche Frau. Sie liebt es, viel zu reden, zu backen und hat einen Hang zu verrückter Kleidung. Sie trägt alle möglichen Muster bunt gemischt und scheut vor keinem Print und keinem Material zurück. Leon hingegen ist ein sehr ruhiger und bedächtiger Mensch, der wenig und ausgewählt redet. Er kocht gerne und ist auch gerne für sich alleine beziehungsweise behält Dinge für sich, während Tiffy gefühlt alles mit ihren Freunden bequatscht und das alles auf eine sehr humorvolle Art und Weise. Die Post-it-Konversationen zwischen den beiden habe ich absolut gerne verfolgt und mich auch immer darauf gefreut, wenn man zusammen mit Leon nach Hause gekommen ist und an den verrücktesten Stellen einen beschrifteten Zettel von Tiffy gefunden hat.

Die Charaktere fand ich einfach insgesamt absolut toll. Ich empfand es mal als etwas ganz anderes, eine schräge Protagonistin, die total im Gegensatz zu dem ruhigen Leon stand. Auch die Nebencharaktere waren fein ausgearbeitet: die strenge aber stringente und kämpferische Gerti, der gutmütige Mo, der warmherzige Richie oder der verrückte und durchgeknallte Justin- es befinden sich die unterschiedlichsten Typen von Menschen in dieser Geschichte.

Und alle, die das Buch noch lesen möchten, freut euch auf folgende zwei Stellen besonders: Wenn die beiden sich das erste mal in echt treffen (zum Totlachen, wirklich, aber wirklich nur als Leser) und auf das Ende. Hach, ich hätte weinen können vor Romantik. Ich bin ein solches Ende nicht gewöhnt, doch dabei ist mir aufgefallen, dass ich mir öfters so einen Abschluss wünschen würde. Ununterbrochen musste vor Freude Lächeln, da ich so auf das Ende hingefiebert habe. Doch gleichzeitig war ich unheimlich traurig, als ich das Buch endgültig zugeklappt habe. Es war eine so verdammt schöne und romantische Liebesgeschichte, die so extrem humorvoll war, gleichzeitig aber auch so tiefsinnig, spannend und erschreckend. Denn gerade was sich Tiffy Exfreund Justin manchmal leistet, ist wirklich krass. Einfach eine absolut ausgewogene Mischung aus Humor, Romantik, Spannung und Tiefsinnigkeit.

Ich kann dieses wundervolle Buch wirklich nur weiterempfehlen und bin mir sicher, dass ich es bald nochmal rereaden werde, spätestens, wenn ich mal einen schlechten Tag hatte und mich nach guter Laune sehne!

Veröffentlicht am 05.06.2019

Außergewöhnlich, berührend und lesenswert!

Morgen wirst du bleiben
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Inhalt:

Jill hat nach einem sehr schweren Fahrradunfall nicht nur mit ihren innerlichen und äußerlichen Narben zu kämpfen, sondern findet sich auch in einem komplett neuem Umfeld wieder, denn ihre Familie ...

Inhalt:

Jill hat nach einem sehr schweren Fahrradunfall nicht nur mit ihren innerlichen und äußerlichen Narben zu kämpfen, sondern findet sich auch in einem komplett neuem Umfeld wieder, denn ihre Familie muss berufsbedingt nach Santa Barbara ziehen. Besonders, dass sie ihre beste Freundin Elli in San Francisco zurücklassen muss, macht ihr den Abschied schwer. Doch schon bald lernt sich in ihrer neuen Heimat Adam kennen. Er ist anders, als die Jungs, die sie sonst kannte. Er strahlt eine ungeahnte Coolness aus und sieht sehr gut aus, doch er scheint etwas zu verbergen und ist sehr viel tiefsinniger, als sie vielleicht geahnt hatte. Aber er ist sehr geheimnisvoll und stellt Jill vor große Rätsel. Zwischen ihm und den anderen scheint eine unsichtbare Mauer zu sein und er warnt sie davor, mit ihm Zeit zu verbringen, da sie sonst ebenfalls zum Außenseiter würde. Doch dahinter steckt so viel mehr, als Jill jemals hätte ahnen können....



Meinung:

Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich mich wahnsinnig auf die Geschichte gefreut. Rein vom Klappentext her hat es mich sehr an mein Lieblingsbuch erinnert und genau mit dieser Erwartunghaltung bin ich in die Geschichte gegangen. Ich habe einen typischen Verlauf erwartet, eine "normale" Liebesgeschichte. Doch dieses Buch ist so viel mehr.

Ich kann leider nicht so viel verraten, was ich meine, da ich sonst zu viel spoiler, doch es kommt wirklich ganz anders als man es kennt.



Aus diesem Grund hatte ich anfangs etwas Probleme, in die Geschichte hineinzukommen. Ich weiß nicht, woran es lag, doch ich war nicht direkt in dem Buch versunken, musste mich an diese Situation gewöhnen. Das Buch hat teilweise unfassbar viele Gedanken bei mir zurückgelassen. Ich war verwirrt, durcheinander, gleichzeitig aber auch so fasziniert und berührt von dieser Wendung und der Geschichte, von dem nicht vorstellbaren, unsichtbaren Band, was die beiden zusammenhält und verbindet.



Und da diese Idee so neu, so nie dagewesen ist, musste ich einfach immer unbedingt weiterlesen. Irgendwann hat mich diese Geschichte komplett gepackt. Ich war gefesselt, hing an Adams und Jills Lippen und wollte das Buch gar nicht mehr zur Seite legen. Ich habe gelitten, fast geweint, mich hoffnungslos in Adam verliebt und von den Weiten des Ozeans geträumt. Die Charaktere, das Setting, die Handlung- alles ist einer meiner Fantasie zum Leben erweckt.



Denn die Geschichte hat einen faszinierenden und tollen Schreibstil. So oft habe ich wunderschöne Zitate gefunden und sie mir notiert, da ich die zarten Worte von ihnen sofort in mein Herz geschlossen habe. Alles war detailreich, aber nicht überladend, geschildert und hat mich einfach vollkommen in den Bann gezogen, weil ich mir alles so lebhaft vorstellen konnte.



Auch die Charaktere, die die Autorin erschaffen hat, fand ich wahnsinnig toll. Adam konnte mich total überzeugen. Er wirkte so vernünftig, so besonnen und für sein Alter so weise. Er gab einem, und besonders Jill, das Gefühl von Geborgenheit und Liebe. Anfangs fand ich zwar etwas komisch, dass er so geheimnisvoll tat und relativ verschlossen wirkte, doch seine Gründe machen alles wett.

Auch Jill habe ich sehr in mein Herz geschlossen. Sie ist wahnsinnig tapfer nach allem, was sie hinter sich hat, schätzt das Leben, denn gerade Adam lehrt sie, dass man das Leben mit all seinen Farben niemals aus den Augen verlieren darf. Sie ist besonnen, direkt und hat ein gutes Herz. Auch Tony, der beste Freund von Adam, der immer wieder Flirtversuche bei Jill startet, mochte ich sehr gerne. Klar hatte ich meine Starschwierigkeiten mit ihm- doch auch er hat ein sehr gutes Herz, was er im Buch mehrfach beweist. Der typische Fall von "Harte Schale- weicherer Kern".



Über das Buch hinweg habe ich einfach alle Charaktere sehr ins Herz geschlossen und hatte stets das Gefühl, in eine Art Familie zurückzukehren. Absolut sympathisch fand ich auch Jills beste Freundin Elli, mit der sie zusammen den Blog "Jill&Ellis colorful world" betreibt. Elli hat einen tollen Humor und ich habe die Chatverläufe der beiden immer regelrecht inhaliert, und die Thematik mit dem Blog hat mich total angesprochen. Und Jordan... hach, den kleinen Bruder von Jill kann man einfach nur lieb haben. Seine Art ist zuckersüß und hat mich mehrfach fast zu Tränen gerührt, da seine Aussagen so liebevoll und süß waren.

Umso trauriger war ich, als das Ende nahte. Doch das Ende hat für mich persönlich das Buch einfach noch besser gemacht. Wie gesagt, ich hatte ja meine anfänglichen Schwierigkeiten, doch der Schluss hat es für mich wieder komplett herausgerissen. Vielleicht lag es daran, dass das Ende einfach wieder greifbarer für mich war. Aber besonders war ich wahnsinnig gespannt, wie sich alles wieder aufklärt. Ich habe so sehr mit Jill gelitten, in der Hoffnung, dass die beiden doch wieder zueinander finden, dass diese tiefe Verbindung zwischen den beiden stärker ist als alles andere.



Fazit:

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten eine wahnsinnig berührende und außergewöhnliche Liebesgeschichte. Man muss sich auf die Idee einlassen, doch wenn man einmal versunken ist in Santa Barbara, dann will man nie wieder zurück! Einfach ein Buch zum Träumen, zum Weinen, zum Lachen und zum Mitfiebern!