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Veröffentlicht am 30.06.2020

Ein unerwartetes Abenteuer

Paradise Valley 1
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Schon bei Dornröschen spielt der 16te Geburtstag der Protagonistin eine entscheidende Rolle und so ist es auch hier. Denn zu Lenas Geburtstagsgeschenken gehört auch ein mysteriöses Amulett, den ihr ihre ...

Schon bei Dornröschen spielt der 16te Geburtstag der Protagonistin eine entscheidende Rolle und so ist es auch hier. Denn zu Lenas Geburtstagsgeschenken gehört auch ein mysteriöses Amulett, den ihr ihre Mutter hinterlassen hat - bevor sie 12 Jahre zuvor im Nichts verschwand. Ausgerechnet dieses Amulett scheint ihr einen Hinweis geben zu wollen, wo ihre Mutter zu finden ist - doch sie ist nicht die Einzige, die ein Interesse daran hat. Noch kann Lena nicht ahnen, dass es hier nicht nur um ein Geburtstagsgeschenk geht, aber schon bald fällt sie kopfüber ins Abenteuer und macht sich gemeinsam mit neuen und alten Freunden auf die Suche nach dem Geheimnis des Amuletts.

Carlo Meier, der Autor von "Paradise Valley", ist, zumindest in meinen Augen, ein Pionier der christlichen Abenteuerliteratur. Mit den "Kaminski-Kids" richtete er sich an ein jüngeres Publikum und wendet sich jetzt mit der "Paradise Valley" Trilogie auch älteren Lesern zu. Das wird nicht nur an den Charakteren deutlich, sondern auch an den behandelten Themen: Essensverschwendung, Kriminalität und die Herausforderungen des modernen Lebens.

Das Buch liest sich dabei sehr flott - vom Schreibstil im "stream of conscious" verfasst: Man liest, was die Charaktere denken und nimmt (fast) alles genauso wahr, wie sie es sehen. Die Sprache wurde dabei mit "netten Schimpfwörtern" u.ä. an die Zielgruppe angepasst. Zusätzlich sind die Kapitel kurz gehalten und ermutigen so vielleicht auch den einen oder anderen "Lesemuffel", zu diesem Buch zu greifen.

Inhaltlich hatte ich ein wenig mehr erwartet. Die Geschichte kommt irgendwie nicht wirklich voran, wirkt unnötig gestreckt, um mehr Inhalt für die folgenden Bücher übrigzulassen. So hat man das Gefühl, dass fast nichts passiert und auch die Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Buches kaum. Dazu kommen ein paar kulturelle Fettnäpfchen (die sich schwer umgehen lassen, wenn man von einem Ort am anderen Ende der Welt schreibt), ein interessanter Sprachmix und ein paar Hänger, an denen die erzählten Ereignisse nicht ganz zusammen passen. (Und das mal ganz abgesehen davon, dass die Beschreibung der Charaktere im Buch so gut wie überhaupt nicht zu den Abbildungen auf dem Cover passt.)

Insgesamt hat mich das Buch weder negativ noch positiv großartig überrascht. Es braucht einen Moment, bis man sich an den Schreibstil gewöhnt hat, aber dann fällt er kaum noch auf und man kann sich voll auf die Geschichte konzentrieren. Zum Schluss bleibt viel Neugier auf die nachfolgenden Bände und darauf, wie die Geschichte um das Amulett wohl weitergeht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2020

Das Abenteuer seines Lebens

Offene See
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Robert ist noch reichlich grün um den Schnabel, wenn er sich aufmacht, um seinen letzten freien Sommer zu genießen. Der enge der nordenglischen Bergarbeiterstadt entflieht er, um sie durch ihr genaues ...

Robert ist noch reichlich grün um den Schnabel, wenn er sich aufmacht, um seinen letzten freien Sommer zu genießen. Der enge der nordenglischen Bergarbeiterstadt entflieht er, um sie durch ihr genaues Gegenteil zu ersetzen: die Weite der Landschaft des Nordens und des Meeres. Seine Reise ist an sich schon abenteuerlich, aber sein größtes Abenteuer ist vermutlich das, welches am kleinsten erscheint: Der Moment, indem er sich entschließt, seine ständige Wanderschaft zu unterbrechen und - zumindest für einen Moment - sesshaft zu werden. Dabei ist es ausgerechnet die etwas verschrobene Dulcie, die ihn dazu bringt, zu bleiben - und es ist nicht nur Robert, der von ihrer Freundschaft profitiert.

Mit seinem Roman "Offene See" stellt sich Benjamin Myers in die Tradition großartiger Romane, die sich mit dem England der Nachkriegszeit und dem Leben der Jugendlichen dieser Zeit beschäftigen. Dabei sind Roberts Erlebnisse gleichzeitig zum Teil so zeitlos, dass man sie auch heute noch nachempfinden kann. Der Sommer, den Myers beschreibt, ist dicht und süß und das Lesen des Buches ermöglicht einem selbst eine kleine Reise an die nordenglische Küste.

Auch die Charakte des Buches wachsen einem sofort ans Herz. Es gibt keinen wirklichen Antagonisten, niemanden, der die Geschichte stört. Als "Coming-Of-Age" Roman liegt der Fokus vielmehr auf dem Sich-selbst-kennenlernen und dem Erkunden der Welt und der Menschen in ihr. Dadurch, dass der Autor die Geschichte durch Roberts Augen erzählt, erlebt der Leser dieses Erwachsenwerden sehr direkt mit und lernt auch erst mit ihm mehr und mehr seine Umgebung kennen. Dabei ist das Buch so liebevoll geschrieben, voller Details und Poesie, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

Wer sich zum Beispiel an Jane Gardams "Bell und Harry" erfreut hat, für den wird auch dieses Buch ein absoluter Schatz sein. Es entführt in ein Land vor unserer Zeit, das doch irgendwie noch immer unter uns schlummert und vielleicht auch nur darauf wartet, endlich (wieder-)gefunden zu werden. Besonders jungen, aber auch reiferen Lesern kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen und hoffen, dass es ihnen genauso viel Freude bereitet wie mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Ein wertvoller Begleiter, um Gott näher zu kommen

krea.tief beten
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Glaube ist eine Vertrauensfrage. Indem wir an Gott glauben, vertrauen wir darauf, dass es ihn gibt – und vertrauen ihm, dass er es gut mit uns meint. Vertrauen ist die Basis jeder guten Beziehung. Wie ...

Glaube ist eine Vertrauensfrage. Indem wir an Gott glauben, vertrauen wir darauf, dass es ihn gibt – und vertrauen ihm, dass er es gut mit uns meint. Vertrauen ist die Basis jeder guten Beziehung. Wie aber stärkt man das Vertrauen zu Gott? Man versucht, ihm näherzukommen – zum Beispiel durch Gebet. Doch wenn man im Glauben an Gott aufgewachsen ist oder schon länger Christ ist, vernachlässigen wir diesen Aspekt oft. Wir reden nicht mehr mit Gott und wundern uns, dass unsere Beziehung schwindet. Und mit dem Schwund dieser Beziehung hören wir auch auf, Gott zu vertrauen. Verzweiflung und Angst lassen uns keine Ruhe und irgendwann sind wir dann doch wieder an dem Punkt, an dem wir Gott suchen – doch wir haben verlernt, mit ihm zu sprechen.

In diese Situation hinein spricht das neue Buch von Nelli Bangert und Mira Weiss „krea.tief beten“. Der Untertitel verspricht „Inspirationen für Herzensbegegnungen mit Gott“ und dieses Versprechen wird auch gehalten: Auf rund 250 Seiten liefern die Autorinnen nicht nur Anregungen für den Gebetsalltag und „Gebetstützen“ sondern auch viele ansprechend gestaltete Seiten mit Raum für eigene Überlegungen und Ideen.

Dabei sind ihre Ansätze unglaublich vielfältig. Von biblischen Grundlagen über gängige (aber auch eher unbekannte) Gebetsmethoden bis hin zu ganz persönlichen Anregungen ist wirklich alles dabei. Die unterschiedlichen Überlegungen sind dabei mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die begleitenden "Journaling"-Seiten ermöglichen das Festhalten eigener Gedanken.

Es ist sicher kein Buch, das in einem Rutsch durchgelesen werden kann, aber das soll es ja auch gar nicht sein. Gleich zu Beginn laden die Autorinnen dazu ein, sich im Inhaltsverzeichnis zu markieren, welche Methoden funktionieren und was (aktuell) eher nicht passt. So kann man auch immer wieder zu Gedanken zurückkehren, die einen angesprochen habe. Gleichzeitig könnte ich mir vorstellen, dass auf langfristige Sicht in unterschiedlichen Lebensabschnitten unterschiedliche Methoden gut funktionieren, sodass Ansätze, die vielleicht aktuell nicht passen, später genau in den eigenen Lebensalltag hinein sprechen.

Ich persönlich habe das Buch als sehr wertig und wertvoll empfunden. Man nimmt es gern in die Hand, um Zeit damit zu verbringen und die zahlreichen Illustrationen und kreativen Elemente regen die eigene Kreativität an - sind aber gleichzeitig „zurückhaltend“ genug, um Raum für eigene Gedanken zu lassen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst auf neuen Wegen Gott zu begegnen und seine Nähe zu suchen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Eine kleine Begeisterung für Journaling/ kreativ sein dürfte dabei nicht schaden, ist aber kein Muss, da sich die Anregungen auch gut so lesen lassen. Generell gibt es keine Zielgruppe, der ich das Buch nicht empfehlen würde – besonders geeignet ist es aber z.B. für junge Mädchen und Frauen, die ihren Glauben gerade erst so richtig entdecken. Auch als Geschenk eignet sich „krea.tief beten“ hervorragend und stößt sicher fast überall auf Gegenliebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2020

Ein weiterer Fowl-Coup!

Die Fowl-Zwillinge und der geheimnisvolle Jäger
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Als Kind habe ich begeistert die Reihe um Artemis Fowl verschlungen und als ich entdeckt habe, dass Eoin Colfer ein neues Buch mit Protagonisten aus der selben sagenumwobenen Familie herausgebracht hat, ...

Als Kind habe ich begeistert die Reihe um Artemis Fowl verschlungen und als ich entdeckt habe, dass Eoin Colfer ein neues Buch mit Protagonisten aus der selben sagenumwobenen Familie herausgebracht hat, war ich sofort hin und weg.
Doch dann kamen die Zweifel: Es war schon eine Weile her, dass ich seine anderen Bücher gelesen hatte und zwar wusste ich noch grob, worum es ging, doch die meisten Details waren weg. Kann man dieses Buch da überhaupt lesen? Absolut! Tatsächlich würde ich sogar so weit gehen, zu behaupten, dass der neue Roman von Eoin Colfer kein Vorwissen voraussetzt und, wenn welches vorhanden ist, damit spielt.
In alt bewährter Manier folgt der Leser einem cleveren Jungen und seinem tapferen Begleiter (hier Myles und Beckett, dort Artemis und Butler) auf ihren Abenteuern, wobei die Zwillinge, im Gegensatz zu ihrem großen Bruder, die Herausforderung nicht unbedingt gesucht haben. Trotzdem wissen sie hervorragend mit jeder Situation umzugehen und es macht einfach Spaß, dabei sein zu dürfen.
Der Schreibstil von Colfer ist schnell, gewitzt und sowohl für jüngere als auch ältere Leser angenehm zu lesen. Dabei kommt er auf so ausgefallene Ideen und überraschende Wendungen, dass man manchmal selbst einen Moment braucht, um noch mitzukommen.
Trotz der Ähnlichkeiten der drei Brüder, vor allem zwischen Artemis und Myles, ist dieses Abenteuer doch ganz anders als die Artemis Fowl Reihe. Die Zwillinge sind in erster Linie Kinder und keine Supergenies, die nach der Weltherrschaft streben. (Wobei: Was nicht ist kann ja noch werden.) Infolge dessen ist auch das Buch von Stil und Handlung gefühlt an eine jüngere Altersgruppe gerichtet, als die vorherigen Bücher von Colfer.
Insgesamt macht dieses Buch jedoch einfach nur Spaß und wer auch immer überlegt, dieses Buch zu lesen oder zu kaufen, dem sei es wärmstens ans Herz gelegt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2019

Eine einmalige Chance

Die Wellenbrecher
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Wer Zeit in deutschen Universitäten verbracht hat, weiß, dass das vor allem eins bedeutet: Frontalvorlesungen, theorieorientierte Seminare und wenig Praxis. Die "schwimmende Uni" ist da anders. Mit ihrer ...

Wer Zeit in deutschen Universitäten verbracht hat, weiß, dass das vor allem eins bedeutet: Frontalvorlesungen, theorieorientierte Seminare und wenig Praxis. Die "schwimmende Uni" ist da anders. Mit ihrer studentischen Crew legt sie in Häfen rund um die Erde an und ermöglicht ihren Fahrgästen, ihre Studiengänge anders zu erleben, als an traditionellen Hochschulen und kulturelle Erfahrungen aus erster Hand zu gewinnen.

Mit an Bord dieses besonderen Ozeanriesen ist Mark Herfurt - und während das Schiff die ihm vertrauten Gewässer verlässt, beginnt auch eher, neue Meere zu erkunden. Freundschaften mit Studierenden aus aller Herren Länder, abenteuerliche Ausflüge auf unbekanntem Terrain und viele neue Erfahrungen machen nur einen Teil seines Austauschsemesters aus. Denn je weiter er sich von seiner Heimat fortbewegt, umso unsicherer wird er sich darüber, wer er eigentlich ist und was ihn ausmacht. Und so wird die Reise in ferne Häfen für ihn auch eine Reise zu sich selbst.

Christopher David weiß dabei, wovon er spricht. Nachdem er selbst ein Semester auf den Weltmeeren verbracht hat, fließen in seinen Roman immer wieder persönliche Erfahrungen ein, was zur Authentizität des Werks beiträgt. In kurzen Kapiteln erzählt er vom Leben und Lieben an Bord und in den unterschiedlichsten Nationen. Dabei wird auch immer wieder ein Blick in fremde Kulturen gewährt und man fühlt sich fast, als würde man mit Mark mitreisen. Der Hauptcharakter ist dabei, wie auch alle anderen Charaktere, sehr realitätsnah geschrieben. Seine Zweifel und Sorgen sind genau wie seine fröhlichen Momente auf ganzer Linie nachvollziehbar und so fühlt man sich in der Gegenwart der Figuren nie unwohl. (Wenn man auch über den oder die eine gern mehr gelesen hätte.)

Mit viel Liebe zum Detail entfaltet sich hier eine Geschichte, die alle, für die es noch nicht zu spät ist (und das ist ja eigentlich bei keinem so), dazu einlädt, selbst einmal eine solche Reise zu versuchen. Ob es nun tatsächlich mit einer schwimmenden Uni oder auf eigene Faust ist, sei dahingestellt.

Ein Stern fehlt, weil mir an manchen Stellen die Tiefe oder ein Handlungsstrang gefehlt hat, aber da das hier kein Abenteuerroman, sondern eher eine Coming-off-age Geschichte ist, kann man gut darüber hinwegblicken. Insgesamt kann ich das Buch deshalb nur weiterempfehlen.