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Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein schonungsloser Einblick in die Realität des Krieges

Ich bin das Mädchen aus Aleppo
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Ich bin das Mädchen aus Aleppo zeigt in sehr berührender und aufrüttelnder Weise, wie es Menschen im Krieg, in diesem Fall in Aleppo, geht. Dies geschieht vor allem aus der Sicht von dem kleinen Mädchen ...

Ich bin das Mädchen aus Aleppo zeigt in sehr berührender und aufrüttelnder Weise, wie es Menschen im Krieg, in diesem Fall in Aleppo, geht. Dies geschieht vor allem aus der Sicht von dem kleinen Mädchen Bana.

Achtung Spoiler!
Das Buch beginnt damit das Bana und ihre Mutter beschrieben, wie das Leben in Syrien vor dem Krieg ausgesehen hat. Dabei stellt sich auch heraus, das deren Leben zwar sehr viel von dem Islam beinhaltet aber nichts davon wirklich negativ ist. Banas Mutter und Vater haben eine arrangierte Ehe, die aber trotzdem wahnsinnig gut funktioniert. Banas Vater ist Anwalt, ihre Mutter studiert. Bana selbst ist sehr wissbegierig und intelligent und wird von ihren Eltern unterstützt wo es nur geht. Sie bekommt einen kleinen Bruder und liebt ihn innig. Ich fand die Familiendynamik wirklich sehr schön.

Dann geht der Krieg los und Bana weiß schnell die Namen der verschiedenen Bombenarten und wie man sie nur am Geräusch auseinanderhält. Niemand sollte gezwungen sein so etwas in Erfahrung bringen zu müssen.

Banas Mutter beschreibt sehr schön, warum die Familie nicht schon früh geflohen ist. Das war ja eine Frage, die ich mir schon oft stellte: Warum viele erst so spät flohen, dass es schwierig wurde. Jetzt weiß ich, dass das vor allem an der großer Heimatverbundenheit liegt und an der Hoffnung, dass doch noch alles gut wird. Da denkt man dann auch an die Flüchtlinge, die jetzt in Deutschland sind und so viel Hass abbekommen, während die meisten ihr Land wirklich nur verlassen haben, weil sie keine Hoffnung mehr haben. Ich finde das einfach nicht fair und unmenschlich.

Banas Mutter wird ungewollt schwanger, entscheidet sich jedoch das Baby zu behalten, weil sie nicht will, dass der Krieg ihr auch noch ein Kind wegnimmt. Kurz vor der Entbindung entschließt sie sich in die Türkei zu fliehen, damit sie und ihr Baby die Entbindung überleben. Der Vater kommt nicht mit, er hat keinen Pass und will auf das Haus aufpassen. An der Stelle habe ich mich etwas gewundert, dass sie doch schon so früh im Buch flüchteten. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass sie zurückkehren, als sich die Lage etwas entspannt und ich muss sagen, dass ich das bis heute nicht nachvollziehen kann. Ich finde es außerdem erschreckend, dass es in Syrien nicht mehr möglich war gefahrenlos ein Kind zu bekommen. Schon vor der Belagerung.

Schnell wird die Lage so schlimm wie nie, immer mehr Bomben fallen. Aleppo wird belagert, sie können also nicht mehr fliehen. Bana hilft häufig Verschüttete auszugraben. Während dieser Zeit fängt sie auch das twittern an und findet darin Trost.Dann stirbt ihre beste Freundin, was für mich die traurigste Stelle des ganzen Buches ist. Frisches Essen gibt es nicht mehr. Schließlich wird das Haus von Banas Familie zerstört und sie fliehen in ein kaltes leerstehendes Haus, in dem sie außerdem ziemlich hungern müssen. Als die Gegend auch nicht mehr sicher ist, fliehen sie in eine kleine Wohnung ganz am Rande Aleppos. Dort erreicht sie schließlich die Nachricht, dass sie die Möglichkeit haben mit Bussen in die Türkei zu fliehen und obwohl Menschen auf dem Weg zu diesen Bussen teilweise getötet werden machen sie sich auf den Weg und schaffen es in die Türkei. Ich musste während diesen ganzen Geschehnissen wirklich mitfiebern und habe so sehr gehofft, das alle es heil aus der Stadt schaffen. Außerdem wurde mir da erst wirklich bewusst, dass Leute, die im Krieg gefangen sind nicht nur vor Bomben Angst haben müssen.

Besonders schockierend finde ich auch, dass das kleinste Kind in Aleppo kein einziges Wort spricht und definitiv Entwicklungsstörungen durch den Krieg hat, das erste Wort kommt erst in der Türkei.

Am Schluss erfährt man noch, dass Banas Haus wegen ihrer Twitteraktivität gezielt bombardiert wurde. ich finde es abscheulich ein kleines Mädchen, das Frieden will anzugreifen.

Das einzige was mich an dem Buch etwas gestört hat, waren Banas Passagen. Sie klingt teilweise sehr kindlich, vor allem am Anfang und dann wieder klingt sie so erwachsen, dass man sich kaum vorstellen kann dass alles von ihr selbst kommt. Dafür gibt es zu viel hin und her beim Stil. Ich weiß dass sie Mutter großen Einfluss hatte und das hat Banas Passagen nicht gut getan. Die Passagen, die nur ihre Mutter geschrieben hat, waren aber wirklich sehr schön und ergreifend.

Anschließend gehe ich noch auf die Vorwürfe ein, dass Bana für Propaganda missbraucht wird und sowohl im Buch als auch auf Twitter kaum etwas von ihr stammt und sie nur benutzt wird um Aufmerksamkeit zu bringen. Ich weiß nicht, was da die Wahrheit ist (ich denke teilweise ist was dran),deshalb finde ich nicht dass ich berechtigt bin dies zu bewerten. Aber man sollte es sich bewusst machen und sich selbst eine Meinung dazu bilden, bevor man sich entscheidet das Buch zu lesen. Deshalb hier auch nur 3 Sterne für die Authentizität.