Ein tolles Buch
VersöhnungstheaterDas Thema Erinnerungskultur ist eines bei dem sowohl Deutschland als auch Österreich wohl noch einiges aufzuholen haben. Immer wieder wird geleugnet, beschönigt oder aber auch ein "Versöhnungsteater" ...
Das Thema Erinnerungskultur ist eines bei dem sowohl Deutschland als auch Österreich wohl noch einiges aufzuholen haben. Immer wieder wird geleugnet, beschönigt oder aber auch ein "Versöhnungsteater" wie Max Czollek das so treffend bezeichnet aufgeführt. Von echter Verantwortung oder gar dem Lernen aus der Geschichte scheinen wir sehr weit entfernt zu sein. Immer wieder hört man Schlagworte wie "nie wieder ist jetzt" aber rechte Politiker gewinnen immer mehr Macht, autokratische Regierungen werden immer stärker und man hört das typische "früher war alles besser"... anstatt dem notwendigen wir müssen aus der Geschichte lernen, wir müssen lernen Muster zu erkennen bevor sie unaufhaltsam werden, wir müssen Toleranz und Demokratie stärken und uns immer wieder daran erinnern wozu Ideologien fähig sein können um zu verhindern das sich die Geschichte immer und immer wiederholt. An Beispielen der Glorifizierung von Anne Frank oder auch Stauffenberg enttarnt Czollek den Mythos des "feiernswürdigen Widerstandskämpfers", waren gerade die Personen die in der Geschichtsschreibung nach dem Krieg gefeiert wurden nicht unbedingt diejenigen die sich stark zur wehr setzten sondern diejenigen die gut ins framing passten. Das ist tatsächlich etwas was sehr stark auffällt. Selten hört man im Unterricht oder bei disussionen von Organisationen wir zum Beispiel der jüdischen Brigade, der Nakam oder auch bestimmten Nazijägern die es sich zur Aufgabe gemacht hatten die Täter zu bestrafen. (Was man von den Vorgehensweisen ebenjener Zusammenschlüsse halten mag sei jetzt mal dahingestellt.) Immer wieder wird opfergruppen ihre Trauer und Wut abgesprochen oder nur teilweise zugestanden. Das muss sich ganz eindeutig ändern.
Was mich an diesem Buch sehr fasziniert hat ist wie schonungslos der Autor hier blinde Flecken oder wohl eher bewusst verdrängte Mittäterschaft und Schuld aufdeckt. Immer wieder führt er dem Leser vor Augen wie und wieso in seinen Augen eine andere Erinnerungskultur entstehen muss. Absolut wichtig!