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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Ein tolles Buch

Versöhnungstheater
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Das Thema Erinnerungskultur ist eines bei dem sowohl Deutschland als auch Österreich wohl noch einiges aufzuholen haben. Immer wieder wird geleugnet, beschönigt oder aber auch ein "Versöhnungsteater" ...

Das Thema Erinnerungskultur ist eines bei dem sowohl Deutschland als auch Österreich wohl noch einiges aufzuholen haben. Immer wieder wird geleugnet, beschönigt oder aber auch ein "Versöhnungsteater" wie Max Czollek das so treffend bezeichnet aufgeführt. Von echter Verantwortung oder gar dem Lernen aus der Geschichte scheinen wir sehr weit entfernt zu sein. Immer wieder hört man Schlagworte wie "nie wieder ist jetzt" aber rechte Politiker gewinnen immer mehr Macht, autokratische Regierungen werden immer stärker und man hört das typische "früher war alles besser"... anstatt dem notwendigen wir müssen aus der Geschichte lernen, wir müssen lernen Muster zu erkennen bevor sie unaufhaltsam werden, wir müssen Toleranz und Demokratie stärken und uns immer wieder daran erinnern wozu Ideologien fähig sein können um zu verhindern das sich die Geschichte immer und immer wiederholt. An Beispielen der Glorifizierung von Anne Frank oder auch Stauffenberg enttarnt Czollek den Mythos des "feiernswürdigen Widerstandskämpfers", waren gerade die Personen die in der Geschichtsschreibung nach dem Krieg gefeiert wurden nicht unbedingt diejenigen die sich stark zur wehr setzten sondern diejenigen die gut ins framing passten. Das ist tatsächlich etwas was sehr stark auffällt. Selten hört man im Unterricht oder bei disussionen von Organisationen wir zum Beispiel der jüdischen Brigade, der Nakam oder auch bestimmten Nazijägern die es sich zur Aufgabe gemacht hatten die Täter zu bestrafen. (Was man von den Vorgehensweisen ebenjener Zusammenschlüsse halten mag sei jetzt mal dahingestellt.) Immer wieder wird opfergruppen ihre Trauer und Wut abgesprochen oder nur teilweise zugestanden. Das muss sich ganz eindeutig ändern.

Was mich an diesem Buch sehr fasziniert hat ist wie schonungslos der Autor hier blinde Flecken oder wohl eher bewusst verdrängte Mittäterschaft und Schuld aufdeckt. Immer wieder führt er dem Leser vor Augen wie und wieso in seinen Augen eine andere Erinnerungskultur entstehen muss. Absolut wichtig!

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Eine absolut beeindruckende Frau

Finding My Way. Ein Memoir
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Malala ist für mich schon sehr lange eine Frau die mich total fasziniert. Ihr Mut sich für die Rechte der Mädchen einzusetzen, der ihr tragischerweise eine Kugel in den Kopf bescherte, ist total beeindruckend. ...

Malala ist für mich schon sehr lange eine Frau die mich total fasziniert. Ihr Mut sich für die Rechte der Mädchen einzusetzen, der ihr tragischerweise eine Kugel in den Kopf bescherte, ist total beeindruckend.

In diesem Memoir erzählt sie aus ihrem Leben auf eine sehr authentische und ungeschönte Art und Weise. Immer wieder reflektiert sie über sich, ihr Leben und dem Zwiespalt zwischen ihren Wünschen und dem was die Tradition oder die Gesellschaft von ihr erwartet.

Man lernt eine junge Frau kennen die ihren Uniabschluss fast nicht schafft weil sie zu viele Fehlzeiten aufweist die sie angesammelt hat um auf Konferenzen über Mädchennildung zu sprechen, eine Mädchenschule in Afghanistan aufzubauen oder mit staatsoberhäuptern zu sprechen. Eine Frau die mit ihren Freundinnen feiern und tanzen geht und von ihren Eltern kritisiert wird weil man sie beim Rudern fotografiert und die immer wieder den Satz:"was sollen die Menschen zuhause von dir denken" zu hören bekommt. Immer wieder liest man von Malalas Zwiespalt, von ihren Schwierigkeiten über die sie oft spricht ohne zu beschönigen. Sie spricht über ihre traumatischen Erfahrungen und die Folgen ebendieser, erzählt von ihrer Therapieerfahrung ebenso wie von ihren politischen erfolgen für die Mädchenbildung.

All das hat in ihren Erzählungen gleich viel Platz was dieses Buch in meinen Augen sehr authentisch und leicht zu lesen macht. Manchmal fühlt man sich ihr so verbunden als würde sie neben einem sitzen.

Für mich war dieses Buch wirklich absolut großartig zu lesen und eine der interessantesten Memoiren die ich bisher gelesen habe. Ich finde Malala einfach großartig und habe dieses Buch mit Freuden gelesen, mit ihr mitgeliefert, mitgelitten und mitgehofft. Ein total tolles Buch einer total tollen Frau.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Ein berührendes Buch über Trauma und Heilung

Das schönste aller Leben
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In diesem Roman erzählt Betty Boras eine Geschichte über Verletzungen, Traumata und Heilung.

Vio, die als Kind mit ihren Eltern geflüchtet ist lernt früh das sie sich um jeden Preis anpassen muss auch ...

In diesem Roman erzählt Betty Boras eine Geschichte über Verletzungen, Traumata und Heilung.

Vio, die als Kind mit ihren Eltern geflüchtet ist lernt früh das sie sich um jeden Preis anpassen muss auch wenn das bedeutet die eigene Identität zu Opfern. Immer wieder hört sie das ihre Schönheit ihr Türen öffnen wird. Als Vio Mutter wird scheint auch die Schönheit ihres Kindes ein großes Thema zu werden. Nach einem tragischen Unfall trägt ihre Tochter Narben im Gesicht. Vio kann sich diesen Unfall nicht verzeihen. Was soll aus ihrem Kind werden wenn es nicht schön genug ist? Immer tiefer stürzt sie in Selbstvorwürfe und Mitleid. Wie soll sie es schaffen sich selbst für den Unfall zu vergeben?



Dieser Roman hat einiges bei mir ausgelöst. Die Emotionen gingen von Mitleid und Mitgefühl bis zu Wut und Unverständnis. Teilweise fand ich die Geschichte richtig heftig. Vor allem der Teil aus der Vergangenheit hat mich teilweise sehr mitgenommen. Wie heftig die Gesellschaft darauf reagiert hat das Theresia ein Verhältnis mit einem Geistlichen hatte bzw wie versucht wurde sie als verführerin und ihn als "Opfer seiner männlichen Triebe" darzustellen so als hätte er ja keine andere Wahl gehabt hat mich sehr wütend gemacht. Leider hat sich da gesellschaftlich viel zu wenig verändert. Auch die Geschichte von Vio und ihrer Tochter war nicht einfach. Einerseits die Schuldgefühle der Mutter, andererseits auch wie sie damit umgeht und wie gefangen sie darin ist war für mich oft zwar nachvollziehbar doch hatte ich Mitleid mit ihr und dem Kind das immer das Gefühl haben mußte nicht gut genug zu sein. Es war oftmals wirklich nicht leicht zu lesen wie die Frauen mit ihren Tramata versuchen zu leben.

Man hofft immer wieder das die Frauen es schaffen den Kreis aus der Abhängigkeit von fremdbewertung und fremdbestimmung zu durchbrechen, leidet mit ihnen und hofft für sie. Für mich ein sehr interessanter Roman der wirklich viel ausgelöst hat, wichtige Themen anspricht und Finger in nicht nur eine Wunde legt.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Ein sehr interessanter Roman

Das gute Benehmen
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Zwischen gesellschaftlichen Verpflichtungen, Erwartungen von Außen und rollenbildern die ihr auferlegt werden versucht Aroon im Irland der 1920er Jahre ihren eigenen Weg zu finden. Doch scheint das alles ...

Zwischen gesellschaftlichen Verpflichtungen, Erwartungen von Außen und rollenbildern die ihr auferlegt werden versucht Aroon im Irland der 1920er Jahre ihren eigenen Weg zu finden. Doch scheint das alles andere als einfach zu sein.

Die Autorin Molly Keane, die nach dem Tod ihres Mannes 20 Jahrte lang verstummte nachdem sie davor einige Romane unter einem Pseudonym veröffentlicht hatte feierte 1981 ihr Comeback mit diesem Roman. Ihr früherer Verleger weigerte sich den Roman herauszubringen da ihm die Protagonisten nicht freundlich genug waren.

Zum Glück wurde das Buch doch noch veröffentlicht und uns nun durch den @kjonaverlag und die Übersetzung von Bettina Abarbanell wieder zugänglich gemacht.

Ich muss gestehen das ich anfangs etwas gebraucht habe um in den Schreibstil hineinzufinden was glaube ich daran lag das ich bei einer Neuerscheinung nicht mit dieser Art von Sprache gerechnet hatte. Beim Lesen sollte man auf jeden Fall im Hinterkopf behalten wann dieses Werk verfasst wurde. Das macht es auf jeden Fall leichter bestimmte Rollenbilder und Denkweisen weniger irritierend zu finden auch wenn ich glaube das es schon absichtlich irritierend geschrieben wurde. Immer wieder scheint Aroon ausbruchsversuche zu starten die von ihrem Umfeld, abgesehen vielleicht von ihrem Vater bestenfalls mit iritation schlechtestenfals mit scharfer Kritik oder herabwürdigung quittiert werden. Man merkt beim Lesen immer wieder die Spannungen zwischen Aroons Versuch sich zu befreien und den versuchen ihrer Mutter und ihres Kindermädchens sie auf den ihrer Meinung nach richtigen Weg für eine Junge Frau zu führen. Diese Spannungen sind ziemlich deutlich spürbar und ich glaube das viele Menschen damals als auch heute diese Spannungen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Selbstausdruck sehr gut nachvollziehen können und Molly Keane uns hier eine Protagonisitn geschenkt hat die vielleicht nicht gerade nahbar oder gar einfach ist aber identidikationspotenrial für viele Menschen liefern kann die Versuchen ihren Weg zu finden.

Für mich war es gerade genau das richtige Buch

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein toller, kraftvoller Roman

Die Riesinnen
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Müsste ich die Grundstimmung in diesem Roman mit zwei Wörtern beschreiben würde ich wohl sagen es ist kämpferisch und zu gleich etwas melancholisch. Die Riesinnen erzählt die Geschichte einer ...

Müsste ich die Grundstimmung in diesem Roman mit zwei Wörtern beschreiben würde ich wohl sagen es ist kämpferisch und zu gleich etwas melancholisch. Die Riesinnen erzählt die Geschichte einer Familie in der die Frauen zusammenhalten auch wenn der Rest der Welt sich gegen sie stellt. Drei Generationen von Frauen die versuchen ihren eigenen Weg zu gehen auch wenn die Welt sie immer wieder versucht in ihre Schranken zu weisen. Egal wie hart sie dafür kämpfen müssen und gegen welche widrichkeiten auch immer. Hannah Häffner hat hier ein Buch geschrieben das einen fordert, eine Geschichte die von Wunden erzählt. Vom Leben als außenseiterinnen und der Suche nach sich selbst.
Dieses Buch hat mich berührt, mich gefordert und mich teilweise auch sehr wütend gemacht. Immer wieder prallen die verschiedenen Lebensentwürfe der Frauen aufeinander. Es ist mal harmonisch, mal reibt sich die eine an der anderen, dann kracht es wieder. So entsteht ein spannendes Panorama einer Familie mit sehr authentischen Charakteren die man genau so wohl in vielen Familien finden könnte. Für mich ein sehr interessantes Buch auf das man sich anfangs einlassen muss das einen aber für dieses sich einlassen auf jeden Fall mit einer spannenden Geschichte belohnt.

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