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Birgit51

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Veröffentlicht am 15.12.2020

Erschütternde Schicksale zweier Halbschwestern

Manche Engel sterben früh
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Ruth wächst in den 50er Jahren bei ihrer gefühlskalten Mutter und ihrem Stiefvater auf. Der Stiefvater versucht ihr LIebe und Geborgenheit zu geben. Als dann ihre Halbschwester Christin geboren wird, ist ...

Ruth wächst in den 50er Jahren bei ihrer gefühlskalten Mutter und ihrem Stiefvater auf. Der Stiefvater versucht ihr LIebe und Geborgenheit zu geben. Als dann ihre Halbschwester Christin geboren wird, ist dies für die Mutter das "Engelchen" und Ruth wird für sie gänzlich unwichtig. Ihr Stiefvater ist ab dem Zeitpunkt nicht mehr so präsent, da er für die größer gewordene Familie, Geld verdienen muss und kann sich auch nicht gegen seine Frau durchsetzen. Verzweiflung greift um sich. Die Mutter ist lieblos und scheint überfordert und egoistisch. Ruth scheint ihr jetzt völlig egal zu sein. Ihre Einschulung wird komplett übergangen. Da muss man als liebende Mutter von zwei Kindern schon sehr schlucken, wenn man dies liest. Das ist keine leichte Kost. Ruth erleidet durch ihre Mutter körperliche Schäden und muss so einige Ungerechtigkeiten erleiden. Das lässt ihre Seele nicht umberührt, die sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt. Sie fängt an sich zu ritzen. Dann fasst Ruth einen Entschluss, spart und flieht als 16jährige zu ihrer Tante nach Berlin, die sie eingeladen hat, zu ihr zu kommen. Dort kommt sie zur Ruhe, findet Arbeit und fasst dort Fuß und kommt auch seelisch wieder etwas auf die Beine. Bis dann die 14jährige, nunmehr drogenabhängige Halbschwester Christin,, die Ruth seit ihrer Geburt gehasst hat, vor ihrer Tür steht.

Über das Schicksal von Christin erfährt man durch Tagebucheinträge in der zweiten Hälfte des Buches, das insgesamt 260 Seiten fasst.

Dieser Roman ist in kurze Kapital unterteilt und lässt sich daher gut lesen. Er handelt von verzweifelter Sehnsucht nach Liebe, Ungerechtigkeit, Hass, Rache, Gefühlskälte und Liebesentzug und ist nichts für Zartbesaitete. Ich musste beim Lesen oft schlucken und mit den Tränen kämpfen. Vor allem beim Gedanken daran, dass es solche Schicksale im realen Leben mit Sicherheit gibt. Die Handlung spielt von den 50igern bis Mitte der 60er Jahre und über den Alltag dieser Zeit erfährt man auch etwas. Die Erziehung der Mutter wird auch ein Grund für ihre eigene Unfähigkeit ihre Töchter zu lieben, beigetragen haben, dazu war sie ja ein Kriegskind und hatte es wohl selbst im Leben auch nicht leicht. Deshalb ist dieser ganze schreckliche Teufelskreis in diesem Buch, der so viele seelische Schäden nach sich zieht, so grausam und schwer zu verkraften.

Ein lesenwertes Buch, welches bei mir noch lange nachwirken wird.

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Veröffentlicht am 14.12.2020

Sensibles Thema in einem spannenden Krimi verarbeitet

Sterbewohl
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Kann es soweit kommen? In Deutschland? Er herrscht nur noch scheinbar eine Demokratie und der Staat ist pleite. Er fordert die Rentner ab 65 Jahre auf, eine Sterbepille zu schlucken, damit sie der Allgemeinheit ...

Kann es soweit kommen? In Deutschland? Er herrscht nur noch scheinbar eine Demokratie und der Staat ist pleite. Er fordert die Rentner ab 65 Jahre auf, eine Sterbepille zu schlucken, damit sie der Allgemeinheit nicht mehr zur Last fallen. Was würdest Du selbst tun, fragt die Autorin Olivia Monti und legt einen Krimi vor, der mich sehr zum Nachdenken brachte über das System. Sagst du Nein und erträgst die Repressalien? Fliehst du ins Ausland? Versuchst du die Schweinerei öffentlich anzuprangern? Oder schluckst du das Gift?

In diesem Roman werden vom Staat für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels angeboten. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um die Rentenkassen wieder zu füllen. Die Protagonisten dieses Buches, Nadja, Anna, Max und Fred sind sehr gut beschrieben und ich habe mit ihnen mitgefühlt. Sie sind allesamt über 65 und in hellem Aufruhr. Sie haben alle vier vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Das Einnehmen dieses Medikaments soll angeblich freiwillig sein, aber keiner der Senioren kehrt jemals aus den Hotels zurück. Da der Roman aus der Sicht von Nadja erzählt wird, wusste ich, dass diese wohl entkommen sein musste und überlebt hat, aber dies tat der Spannung dieses Krimis keinen Abbruch. Die Spannung steigerte sich und blieb konstant, so dass ich wissen wollte, wie das 220 Seiten starke Buch ausgehen würde. Es lässt sich durch den Schreibstil, der mir gut gefiel, schnell lesen.

Fazit: Sehr gute Krimiunterhaltung, die einen nachdenken lässt, aber auch Hoffnung lässt für Liebe und Freundschaft! Sehr lesenwert!

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Veröffentlicht am 13.12.2020

märchenhafte Mordermittlung a la Agatha Christie

Erkül Bwaroo fischt im Trüben
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Ganz hinten unten auf der Rückseite des Covers steht: "Agatha Christie im Märchenland, mit viel Humor und Verstand". Ganz genau so war es auch, einfach eine tolle Idee Erkül Bwaroo (Hercule Poirot) als ...

Ganz hinten unten auf der Rückseite des Covers steht: "Agatha Christie im Märchenland, mit viel Humor und Verstand". Ganz genau so war es auch, einfach eine tolle Idee Erkül Bwaroo (Hercule Poirot) als Detektiv in märchenhaften und trotzdem klug und temporeich erzählten Kriminalgeschichten wieder auferstehen zu lassen. Chapeau! Und französisch kann man auch wieder lernen, denn Erkül steht seinem großen Vorbild in nichts nach - was seine kleinen (eigentlich ja großen bzw. großartigen) grauen Zellen angeht und auch seine Sprache. Ihm werden einige französische Wörte und Sätze in den Mund gelegt und auch übersetzt, so dass man alles gut verstehen kann. Und der typische britische Humor kommt nicht zu kurz. Ich musste beim Lesen dieses Krimis viel schmunzeln, da die typischen Marotten sehr gut rüberkommen.

Diesmal wollte der Elfendetektiv mit seinem Diener Orges eigentlich in Urlaub fahren, unterwegs haben die beiden jedoch eine Autopanne und ein sympathischer, aber trauriger Fischer, namens Sebastian Timpetee hilft ihnen. So wird Erkül natürlich schnell neugierig, warum dieser so traurig ist und vergisst den geplanten Urlaub und lässt sich mit gewohnt charmanter Rafinesse lieber auf das Schloss von Sebastians Ehefrau Ilsebill einladen, um dort als Gast an einem zunächst erdachten Mörderspiel teilzunehmen. Wie zu erwarten war, wird aus dem Spiel bitterer Ernst und so lässt dann der erste Mord nicht lange auf sich warten. Waren es die Sekretärin von Ilsebill oder der angebliche Graf Horst von und zu Eulenstein, die ein Komplott schmieden? Da sich auf dem Schloss so einige illustre wie zwilichtige Gäste tummlen, könnte es (fast) jeder gewesen sein. Und auch das Personal des Schlosses ist nicht ohne... und weiss ob mehr, als es zugibt. Das Rätsellösen ist ganz nach Bwaroos Geschmack und wirklich sehr witzig erzählt. Sogar Inspektor Jupp taucht auf, um Erkül ein wenig zu "assistieren." Dreimal dürft Ihr raten, wer mal wieder richtig lag.

Ein rundrum gelungener Kriminalroman aus der Elfendetektiv-Reihe, der bislang mein erster aber ganz bestimmt nicht mein letzter war.

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Veröffentlicht am 11.12.2020

Hat das Opfer den Tod verdient?

Opfer ohne Gewissen
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Dieser exzellente Schweden-Krimi, der mit viel Fussballwissen aufwartet, wurde von einem Journalisten geschrieben, der Politik und Geschichte studiert hat und nunmehr als Redakteur bei der Süddeutschen ...

Dieser exzellente Schweden-Krimi, der mit viel Fussballwissen aufwartet, wurde von einem Journalisten geschrieben, der Politik und Geschichte studiert hat und nunmehr als Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung arbeitetet. Der Schreibstil ist sehr angenehm und gut zu lesen. Die Kriminalgeschichte konnte mich überzeugen und fesseln.

Es geht um eine schwedische Torwartlegende, Rune Klatt, der erschossen in seiner eigenen Hütte in der Nähe von Grisslehamn aufgefunden wurde. Die tödliche Kugel wurde farblich gekennzeichnet oder bemalt. Was wollte der Mörder damit mitteilen? Kauptkommissar Casper Munk merkt bei seinen Ermittlungen recht bald, dass der beliebte Torwart nicht der Mann war, für den er ihn gehalten hat. Er war, wie viele Schweden auch ein Fan des Fussballstars und muss nun feststellen, dass dieser seine Mitmenschen gedemütigt und gequält hat. Da der Fall irgendwann ins Stocken gerät und die Ermittlungen im Sande verlaufen, greift Munk nach einer ungewöhnlichen Methode...

Der Ermittler Casper Munk und sein Ermittlerteam gefallen mir sehr gut. Dies ist der 2. Fall, den man unabhängig vom 1. lesen kann. Alle Polizisten des Teams haben ihre speziellen Eigenheiten und auch das Privatleben von Casper kommt in diesem Roman nicht zu kurz, so dass man ihn gut kennenlernen konnte, was mir sehr gefiel. Ungewöhnlich aber sehr kurzweilig ist außerdem, dass dieses Buch in zwei Zeiten spielt. In der Jetztzeit der Ermittlungen nach dem Mord und im Jahre 1973, als ein Junge und ein Mädchen sich gegenseitig Rätselaufgaben stellen. Hier erfährt man noch einiges über Astrid LIndgren und ihre Filme und Figuren. Und der Humor kommt auch nicht zu kurz.

Absolut lesenswert! Ein Muss für Schweden- und Krimifans!

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Veröffentlicht am 11.12.2020

Woher rührt der Hass?

Yehuda, der Fremde
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In diesem toll ge- und beschriebenen Roman geht es um den Israeli Yehuda Rosenberg, der mit Olga (die sich später in Shira) umbenennt verheiratet ist. Das Paar hat zwei kleine Kinder, 1 und 3 Jahre alt, ...

In diesem toll ge- und beschriebenen Roman geht es um den Israeli Yehuda Rosenberg, der mit Olga (die sich später in Shira) umbenennt verheiratet ist. Das Paar hat zwei kleine Kinder, 1 und 3 Jahre alt, namens Ari und Yair. Durch eine gelungene Investiotion gelangt Yehuda zu einem ziemlich großen Vermögen und ruft so Neider auf den Plan. Vor allem Morten, ein Konkurrent, initiirt eine antisemitische Kampagne gegen ihn, die sich schnell verselbständigt. Von vielen Seiten gerät Yehuda unter Druck. Das Leben mit seiner Frau Shira ist leider kompliziert, da es keine Liebesheirat war. So leben sie eigentlich nur nebeneinander her - zwei getrennte Leben und keiner der beiden Eheleute ist groß am Alltag des anderen interessiert. Sie arbeitet als Zahnärztin, er in der Pharmaindustrie. Yehuda ist mit seiner Ehe unzufrieden, doch Fremdgehen oder gar eine Scheidung kommt für ihn nicht infrage.

Auch liebt Yehuda mehr die Rolle des Investors und der berufliche Alltag ist nicht so recht sein Ding. Da er allgemein unzufrieden ist, beschließt er, sich für ein Jahr von Shira zu trennen, um während eines Sabbaticals seine Angelegenheiten zu ordnen und zu sich zu finden. Sein Konkurrent, Morten macht Yehuda derweil sein Leben immer schwerer und bringt auch sein Unternehmen in Gefahr. Morten steigert sich so in eine Feindschaft zu Yehuda hinein, dass er letztlich einen düsteren Plan schmiedet und die Lage eskaliert.

All dies ist sehr spannend und einfühlsam geschrieben. Ich wurde von der Geschichte sehr gefesselt und konnte kaum aufhören zu lesen. Auch der Schreibstil gefiel mir.

Zudem beschreibt dieses Buch auch bestimmte Aspekte der Entwicklung Israels und des Nahostkonfliktes und ist hervorragend recherchiert. uND Und als Leser/in bekommt man, neben dem persönlichen Schicksal des Protagonisten, Yehuda Rosenberg so nebenbei einen umfassenden Einblick in die Welt der Pharmaindustrie.

Ein wunderbares, unterhaltsames und sehr lesenswertes Buch!

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