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Veröffentlicht am 26.02.2023

Glasgow der 90er Jahre

Young Mungo
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Das Glasgow der 90er Jahre ist geprägt von Gewalt, Alkohol und Exzessen. Mungo passt nicht in diese Welt. Er ist zu hübsch und zu sanft. Im Gegenteil zu seinem Bruder Hamish, ein gefürchteter Bandenanführer. ...

Das Glasgow der 90er Jahre ist geprägt von Gewalt, Alkohol und Exzessen. Mungo passt nicht in diese Welt. Er ist zu hübsch und zu sanft. Im Gegenteil zu seinem Bruder Hamish, ein gefürchteter Bandenanführer. Hamish will aus seinem Bruder einen ‚richtigen‘ Mann machen. In den Kämpfen zwischen Protestanten und Katholiken trifft Mungo dabei auf James und lernt sich seinen Gefühlen zu stellen – und sich nicht für diese zu schämen. Doch die Liebe zwischen den beiden jungen Männern ist lebensgefährlich in einer von Gewalt geprägten homophoben Welt. Mungo kann niemanden trauen, nicht einmal seiner Schwester Jodie, der er sonst alles erzählen kann.

„Young Mungo“ ist das neuste Werk von Douglas Stuart, der mit seinem ersten Roman „Shuggie Bain“ weltweit Aufmerksamkeit erregt hat. Ich war sehr gespannt auf sein neues Buch und wurde nicht enttäuscht. „Young Mungo“ ist eine tiefgehende, eindringliche und bildgewaltige Geschichte, die auch nach der letzten Seite den Leser nicht verlässt. Die Handlung ist gewalttätig, brutal und eindringlich und dabei sicherlich nichts für schwache Nerven. Es ist kein Buch, das man mal eben so lesen kann, sondern eine Geschichte, die in Erinnerung bleibt und darauf angelegt ist den Leser zum nachdenken anzuregen.

Der Autor porträtiert das Glasgow der 90er Jahre sehr gelungen und schafft es die Kultur und die Eigenarten der Schotten ins eine Geschichte einzubauen. Das Setting bietet eine ganz eigene Atmosphäre, die wirklich gekonnt beschrieben wird. Der Schreibstil ist bildgewaltig und eindringlich und es gelingt Douglas Stuart eine authentische Geschichte zu erschaffen. Die Charaktere und ihre Probleme werden realistisch dargestellt und besonders Mungo ist beeindruckend, wie er in einer homophoben Welt zu sich selbst findet. Der Autor setzt sich mit den Themen Homophobie und Männlichkeit auseinander und behandelt diese meiner Meinung nach sehr gekonnt.

„Young Mungo“ ist genau das richtige Buch für jeden Leser, der nicht vor schwierigen Themen zurückschreckt. Es ist kein leichtes Buch, aber absolut empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Coming-of-Age in München

Roxy
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Das Debüt von Johann von Bülow erzählt von Marc und Roy. Die zwei Freunde wachsen in München der Achtzigerjahre auf und könnten kaum unterschiedlicher sein. Marc wächst in einer Doppelhaussiedlung auf ...

Das Debüt von Johann von Bülow erzählt von Marc und Roy. Die zwei Freunde wachsen in München der Achtzigerjahre auf und könnten kaum unterschiedlicher sein. Marc wächst in einer Doppelhaussiedlung auf und will ausbrechen und die Welt erobern. dem Industriellensohn Roy – eigentlich Robert – liegt die Welt hingegen schon zu Füßen. Als die bildschöne Carolin in ihr Leben tritt, verändert sich jedoch alles. Viele Jahre später haben sich die beiden Freunde auseinander gelebt. Wie es so oft passiert wenn Jugendfreunde erwachsen werden und ihr eigenes Leben leben. Als sich Marc zurück nach München auf macht, zur Beerdigung von Roy, erinnert er sich an die alten Zeiten und die Momente im „Roxy“.

Das Buch gliedert sich in 5 Teile und begleitet Marc und Roy durch die 80er Jahre in München. Der Autor hat ein klassisches Coming-of-Age Buch geschrieben mit allen wichtigen Themen die dazu gehören. Ein besonders wichtiges Thema ist dabei die Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern. Und damit verbunden auch die Unterschiede zwischen Marc und Roy, die in ganz anderen Umständen aufgewachsen sind. Die Handlung beginnt von der Kindheit und zieht sich durch die Jugend der Protagonisten und eine besonders wichtige Rolle nimmt dabei Carolin ein, die die Dynamik der Freunde verändert. Marc sieht erstmals Wesenszüge von Roy, die er vorher nicht gesehen hat – oder nicht sehen wollte. Der Autor beschreibt die Charaktere dabei sehr gefühlvoll und erschafft eine authentische Geschichte. Carolin bleibt allerdings im Vergleich zu Marc und Roy eher außen vor und es fällt schwer sie wirklich zu verstehen. Ihre Darstellung bleibt oberflächlich und ich hätte es interessant gefunden mehr über sie zu erfahren. Vielleicht wäre es sogar eine gute Idee gewesen Carolin und Roy zur Sprache kommen zu lassen, um die Handlung noch besser verstehen zu können.

Der Schreibstil ist für ein Debüt Roman bereits sehr gut gelungen und es fällt leicht in die Geschichte abzutauchen. Müsste ich etwas kritisieren wäre es wohl, dass mir das gewisse Etwas fehlt was ein Buch zu etwas Besonderem macht.

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Veröffentlicht am 04.12.2022

Das Zuhause aus philosophischer Sicht

Das Zuhause
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Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte in Paris und promovierte in Florenz. Der Italiener zog selber mehr als 30 Mal um und beleuchtet in „Das Zuhause“ die Philosophie des Wohnes. Dabei ...

Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte in Paris und promovierte in Florenz. Der Italiener zog selber mehr als 30 Mal um und beleuchtet in „Das Zuhause“ die Philosophie des Wohnes. Dabei beschäftigt er sich mit der Frage was ein Zuhause ist und geht dabei sehr genau auf die Aufteilung einzelner Räume ein und wie sehr diese die Psyche prägen können. Im Mittelpunkt steht dabei der Gedanke wie der Mensch die Welt zu seinem Zuhause macht und welche Rolle das Zuhause im Leben eines Menschen spielt.

Mit 160 Seiten ist „Das Zuhause“ nicht sehr dick, aber der Inhalt ist keine leichte Kost und man sollte ein Interesse für Philosophie mitbringen, andernfalls werden sich die Seiten ganz schön in die Länge ziehen. Und so fiel mir der Anfang nicht ganz leicht und ich hatte Probleme in die Gedankenwelt des Philosophen einzutauchen. Besonders der Schreibstil und der Aufbau des Buchs haben mir das lesen erschwert. Ich lese nur selten Sachbücher und wollte unbedingt neues ausprobieren und aus meiner comfort zone ausbrechen, aber „Das Zuhause“ hat es mir dabei nicht ganz leicht gemacht. Wer ein grundlegendes Interesse an Philosophie mitbringt wird dies aber vielleicht anders sehen.

Emanuele Coccia betrachtet nicht nur das Zuhause der Gegenwart sondern unternimmt auch eine Reise in die Vergangenheit und es ist interessant zu sehen wie sich unser Verständnis verändert. Dabei bringt er stets seine eigenen Erfahrungen mit ein, was es leichter macht seinen Gedanken zu folgen. Alles in einem ist das Buch definitiv keine leichte Unterhaltung und es regt den Leser bewusst zum denken an und lädt einen ein selber darüber nachzudenken was einem das Zuhause bedeutet. Für mich war „Das Zuhause“ ein auf und ab der Gefühle und immer wenn mein Interesse geweckt wurde, war es auch schon wieder verloren weil der Autor es nicht schafft konstant den Leser zu unterhalten. Ich würde das Buch empfehlen wenn man ein Interesse für das Thema und ein Interesse für Philosophie mit sich bringt. Die Gruppe die mit dem Buch angesprochen wird ist definitiv eher klein und ich werde das Buch nicht nochmal lesen und hätte grundsätzlich auch eher darauf verzichten können. Aber es war interessant mal einen Ausflug in die Philosophie zu unternehmen.

Ein Pluspunkt bekommt das Buch zweifelsohne für sein Cover, welches nicht nur perfekt zum Inhalt passt, sondern auch ein echter Hingucker ist. Gerade bei Sachbüchern finde ich Cover oftmals schlecht gewählt, aber hier hat der Verlag großartige Arbeit geleistet.

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Veröffentlicht am 18.09.2022

Polarisierendes Thema

Sanfte Einführung ins Chaos
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„Sanfte Einführung ins Chaos“ folgt Marta und Daniel, die sich mit der Frage auseinandersetzen müssen wie sie mit einer ungewollten Schwangerschaft umgehen wollen. Während Daniel das Kind bekommen möchte, ...

„Sanfte Einführung ins Chaos“ folgt Marta und Daniel, die sich mit der Frage auseinandersetzen müssen wie sie mit einer ungewollten Schwangerschaft umgehen wollen. Während Daniel das Kind bekommen möchte, ist Marta fest entschlossen in sechs Tagen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Der Leser begleitet das junge Paar über diese sechs Tage und lernt dabei auch einiges über sich selbst. Denn letztendlich polarisiert das Buch natürlich auch und fordert den Leser aktiv dazu auf sich selber mit dem Thema Abtreibung zu beschäftigen. Ein Thema das aktuell besonders durch die schockierenden Ereignisse in den USA aktueller den je ist. Abtreibungen sind noch immer ein Tabu Thema und ich finde es großartig, dass sich Marta Orriols dafür einsetzt dies zu ändern.

Die Handlung konzentriert sich auf Marta und Dani und beleuchtet deren Leben und auch deren Wünsche und Ziele im Leben. Marta ist Fotografin und möchte unbedingt nach Berlin. Dani ist Drehbuchautor und glücklich mit seinem Leben und mit Marta. Doch schnell wird deutlich wie unterschiedlich die beiden ihre Beziehung betrachten, denn Marta ist sich gar nicht so sicher, ob sie wirklich für immer mit Dani zusammen sein möchte. Die Interaktionen zwischen den beiden sind spannend geschildert und Orriols widmet sich dem Thema sehr gefühlvoll. Es geht nicht nur um die Problematik der ungewollten Schwangerschaft, sondern vielmehr um eine Frage die wohl alle Leser kennen: Was möchte ich mit meinem Leben anfangen? Wo sehe ich mich in der Zukunft?

Die Autorin hat einen nüchternen und ausdrucksvollen Schreibstil, der es dem Leser ermöglicht vollkommen in der Geschichte abzutauchen. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen und bekommt einen Eindruck von deren Gefühlen und Gedanken, wodurch sich die Handlung sehr gut lesen lässt und es nicht langweilig wird. Auch das Cover passt hervorragend zu der Handlung und ist ansprechend gestaltet. Der Titel ist ebenfalls voller Bedacht gewählt.

Von mir bekommt „Sanfte Einführung ins Chaos“ eine volle Leseempfehlung, denn das Buch behandelt eine unglaublich wichtige Thematik mit der sich jeder auseinander setzen sollte.

Veröffentlicht am 18.07.2022

Anspruchsvoller Mafia Thriller

City on Fire
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„City on Fire“ ist der neue grandiose Thriller von Don Winslow. Der Auftakt der Trilogie entführt den Leser nach Rhode Island im Jahre 1986. Das Buch wird damit beworben, dass es um Ehre, Betrug, Korruption ...

„City on Fire“ ist der neue grandiose Thriller von Don Winslow. Der Auftakt der Trilogie entführt den Leser nach Rhode Island im Jahre 1986. Das Buch wird damit beworben, dass es um Ehre, Betrug, Korruption und Loyalität geht und das hätte man kaum besser zusammenfassen können. Danny, sein bester Freund Pat und ihre irische Gang leben in friedlicher Koexistenz mit der italienischen Mafia, der Moretti Familie. Doch eine junge, wunderschöne Frau droht diesen Frieden zu zerstören. Obwohl es sich in „City on Fire“ um organisierte Kriminalität handelt, ist die Geschichte deutlich von der Iliad inspiriert und Pam tritt als Helen of Troy auf, die den Frieden in Rhode Island zum Einsturz bringt. Ich fand es spannend zu sehen wie Don Winslow die griechische Geschichte rund um den Trojanischen Krieg mit der Mafia der Neuzeit in Amerika verbinden.

Don Winslow hat einen unglaublich mitreißenden Schreibstil, der einen tief in die Geschichte eintauchen und alles um einen herum vergessen lässt. Die Handlung ist komplex und erfordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Es gibt eine Vielzahl an Charakteren und man muss aufpassen, dass man nicht den Überblick erliert. „City on Fire“ ist eine anspruchsvolle Geschichte und daher nicht für jeden Leser geeignet. Es ist nicht der typische Thriller, sondern behandelt viele tiefgründige Themen. Der Leser erlebt hautnah das Leben der Mafia mit und die damit verbundenen Tode, die Trauer, die Korruption und die Emotionen, die mit so einem Leben verbunden sind.

Ich denke es wird nicht lange dauern bis Hollywood einen Blockbuster aus diesem Buch macht. Beim lesen hat man das Gefühl bereits im Kino zu sitzen und Don Winslow ist ein großartiger Geschichtenerzähler, dem es perefkt gelingt im Hintergrund alle Stricke zu ziehen und interessante Charaktere zu erschaffen. Wer nach einem anspruchsvollen Thriller sucht ist hiermit genau richtig bedient. Absolute Herzensempfehlung!

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