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Veröffentlicht am 25.11.2022

Foto-Ausstellung der besonderen Art

Fühlst du, wie sie leiden?
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Kriminalkommissar Marc Wittmann erhält via Hauspost eine Postkarte mit einer seltsamen Einladung zu einer Foto-Ausstellung. Die Journalistin Meike Mausner bekommt zeitgleich ein Foto einer verstört dreinblickenden ...

Kriminalkommissar Marc Wittmann erhält via Hauspost eine Postkarte mit einer seltsamen Einladung zu einer Foto-Ausstellung. Die Journalistin Meike Mausner bekommt zeitgleich ein Foto einer verstört dreinblickenden Frau zugespielt, auf dessen Rückseite eine Art Grafik gezeichnet wurde. Während Wittmann der Karte keinerlei Bedeutung beimisst, wendet sich die Journalistin an Dr. Frieda Rubens, Psychologin, um deren Einschätzung zum Bild und insbesondere der Grafik zu erfragen.

Am darauffolgenden Tag wird eine weibliche Leiche gefunden; es handelt sich bei dem Opfer um die Frau auf der Fotografie. Nachdem Meike den Kommissar mit dem Foto konfrontiert hat, widmet dieser sich genauer der rätselhaften Postkarte. Während das Ermittlerteam seiner Arbeit nachgeht, taucht ein weiteres Foto von einer anderen Frau auf. Kann das Team um Marc diese Frau schnell genug identifizieren und so ihr Leben retten? Kann Frieda die Polizei erneut hilfreich unterstützen?

Gunnar Schwarz hat hier erneut einen soliden Thriller verfasst mit ausgefallenem Plot, welcher sich positiv von „gängigen“ Thrillern abgrenzt. Das Tempo des Buches beginnt gemäßigt, zieht zügig immer weiter an, genau wie die Spannung. Es gibt Nebenschauplätze, welche mir die Protagonisten näherbringen, die sich homogen in den Hauptstrang einbinden. Motivation und Modus Operandi sind m. E. „besonders“, hier liegt sicherlich eine ausführliche Recherche zugrunde. Und obwohl ich mir so sicher war, den Täter „längst“ identifiziert zu haben, fliegt mir meine Fehleinschätzung im Herzschlagfinale um die Ohren.

Kürzlich durfte ich „Schmerzmädchen“ von Herrn Schwarz lesen. Dies erschwert die Bewertung von „Fühlst du, wie sie leiden?“. So gibt es hier 4,5 Sterne.

Absolute Lese-Empfehlung für Fans raffinierter Thriller!


Gunnar Schwarz, Fühlst du, wie sie leiden? Thriller, eBook, FeuerWerke Verlag, 13,90 € als Paperback, 274 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 24.11.2022

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Wem kannst Du trauen?

Das letzte Grab
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Als Carla Winter, Rechtsanwältin, aus ihrer Kanzlei heimkehrt, wo sie die Nachricht vom Ableben ihres Ex-Ehemannes erhalten hat, findet sie ihr Haus völlig verwüstet vor. Und als wenn das nicht genügte, ...

Als Carla Winter, Rechtsanwältin, aus ihrer Kanzlei heimkehrt, wo sie die Nachricht vom Ableben ihres Ex-Ehemannes erhalten hat, findet sie ihr Haus völlig verwüstet vor. Und als wenn das nicht genügte, sitzt im Kleiderschrank ihr vom Einbrecher ermordeter One-Night-Stand.
Im Grunde ist Frau Winter eine gestandene Frau, die vor Gericht für ihre Mandanten einsteht und sich auch nicht schnell „die Butter vom Brot nehmen lässt“. Aber die Ereignisschleife, die sich nach diesem unschön ereignisreichen Tag entwindet, verwandelt die Anwältin in eine verängstigte Person, die jedoch bereit ist, das Recht zu beugen, sofern es ihrem Anliegen, Licht in die dunklen Machenschaften, in welche sie dem Vernehmen nach verwickelt sein soll, zu bringen. Dabei begibt sie sich immer wieder in größte Gefahr.

„Das letzte Grab“ ist ein angenehmes Buch, welches mit allerlei Wendungen sowie Überraschungen für mich als Leser daherkommt. Die Informationen zu den örtlichen Gegebenheiten der diversen Reiseziele von Carla sowie die Erkenntnisse zu Kunstraub und den damit einhergehenden Aktivitäten im Kunsthandel und auf Auktionen scheinen mir gut recherchiert und sind informativ.

Das Buch ist stellenweise etwas spannend, allerdings nur für vereinzelte Szenen, so dass ich es eher nicht als Thriller betiteln wollen würde. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und war gerne an Carla Winters Seite. Das Finale fand ich sehr plötzlich und konstruiert, da hätte ich ein „richtiges“ Ende bevorzugt.

Wenn ich es recht verstehe, ist „das letzte Grab“ der Einstieg zu einer Reihe über die Anwältin Winter. Dieses Buch scheint mir weitgehend abgeschlossen, einen echten Cliffhanger konnte ich nicht finden.


Lukas Erler, Das letzte Grab, Thriller, Hörbuch, Tropen Verlag, 17,00 € als Paperback, 288 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 20.08.2022

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Kein wärmender Funke, der überspringt

Kalt und still
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Hanna steht vor den Trümmern ihres Lebens. Vom Partner verlassen, der Arbeitgeber wäre sie lieber heute statt morgen los. Zum Glück gibt es ihre Schwester Lydia, welche sie kurzerhand auf ihre Kosten in ...

Hanna steht vor den Trümmern ihres Lebens. Vom Partner verlassen, der Arbeitgeber wäre sie lieber heute statt morgen los. Zum Glück gibt es ihre Schwester Lydia, welche sie kurzerhand auf ihre Kosten in ihr Ferienhaus in den Bergen verfrachtet, damit sie wieder zu sich finden kann.

Kaum angekommen, ist nach dem Lucia-Fest-Abend Amanda verschwunden. Das ganze Dorf hilft mit, um in der Eiseskälte Amanda rechtzeitig finden zu können. Hanna schließt sich den Suchtrupps an und spürt ihre Instinkte als Polizistin erwachen. Problem: sie ist hier nur Gast und keine Polizistin mit Befugnissen.

„Kalt und still“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Serie aus der Feder der bekannten Autorin. Dazu gehört „natürlich“, dass die Protagonisten, insbesondere die Hauptdarstellerin, ausführlich vorgestellt werden, um im Idealfall auch eine Bindung zum Leser herzustellen. So ergeht sich Frau Sten in langen und detailreichen Ausführungen zur Person Hanna und es wird zu mehreren Themen gebetsmühlenartig darauf herumgeritten, z. B. wie minderwertig Hanna sich fühlt und nach Anerkennung von Mitmenschen lechzt, um nur eines zu nennen. Bei dem zuständigen Kommissar Daniel wiederholt sich das Muster.

Mir kommt die polizeiliche Ermittlungsarbeit, welche ich mir in einem Kriminalroman erhoffe, viel zu kurz. Es gibt für mich keine Spannung, ich gehe verloren, will nur noch der Ordnung halber wissen, wer den Tod verschuldet hat. Die Lösung an sich ist schlüssig, kommt mir aber zu konstruiert und Mainstream daher. Das Cover finde ich großartig.

Ein seichter Krimi, welcher zu Beginn scheinbar eher eine Herz-Schmerz-Geschichte sein möchte, die Kurve zum Kriminalroman dann nicht bekommt. Im Grunde ein guter Plot, allerdings durch andere Bücher schon ausgeleiert und sein Potential verschenkt.


Viveca Sten, Kalt und still, Krimi, Taschenbuch, dtv Verlagsgesellschaft, 16,95 €, 512 Seiten, Erscheinungstermin 19.10.2022

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Veröffentlicht am 27.10.2022

Lüge oder Wahrheit

Ich soll nicht lügen
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Abe liegt im Koma. Seine Verlobte Jody gibt bei der Polizei zu Protokoll, dass es ein Selbstmordversuch war. Seine Schwester Mags glaubt dies hingegen nicht.

Die Anwältin Mags hat seit vielen Jahren ...

Abe liegt im Koma. Seine Verlobte Jody gibt bei der Polizei zu Protokoll, dass es ein Selbstmordversuch war. Seine Schwester Mags glaubt dies hingegen nicht.

Die Anwältin Mags hat seit vielen Jahren keinen Kontakt zu ihrem Bruder Abe. Doch nun ist sie als von Abe bevollmächtigte Angehörige nach London zurückgekehrt, um seine Angelegenheiten zu regeln. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ihr Bruder depressiv und selbstmordgefährdet gewesen sein soll. Nur sicher wissen kann sie es aufgrund der Entfremdung nicht. Somit begibt sie sich selbst auf Spurensuche, zumal sie Jody nicht glauben will.

Die Autorin hat einen soliden Psychothriller verfasst, welcher die Gegenwart sowie die Vergangenheit der Protagonisten beleuchtet. Ungereimtheiten treten zu Tage, aber auch Geheimnisse bis hin zu handfesten Lügen. Aber Mags lässt nicht locker, um sowohl für Abe, als auch für Jody die Gerechtigkeit obsiegen zu lassen und begibt sich dabei selbst in größte Gefahr.

„Ich soll nicht lügen“ hat eine angenehme Spannungskurve, scheut auch vor deutlicher Sprache sowie gewisser Brutalität nicht zurück. Allerdings scheint mir diese im Kontext angemessen und dient nicht einer Effekthascherei.

Ein gutes Buch für Thrillerfans.


Sarah J. Naughton, Ich soll nicht lügen, Psychothriller, Paperback, Ullstein Verlag, 12,99 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 08.09.2017

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Veröffentlicht am 27.10.2022

Die Würze des Lebens

Bergsalz
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Das Buch beginnt mit einer Ungehörigkeit. Diese bleibt nicht allein, Sie potenziert sich. Darf das? Ist es schlimm? Oder sollte es letztlich doch überhaupt „nur“ gut sein?!?

Es fängt bei Franzi an. Mit ...

Das Buch beginnt mit einer Ungehörigkeit. Diese bleibt nicht allein, Sie potenziert sich. Darf das? Ist es schlimm? Oder sollte es letztlich doch überhaupt „nur“ gut sein?!?

Es fängt bei Franzi an. Mit Johanna. Zur Mittagszeit. Da steht sie doch, nachdem man fünfundvierzig Jahre schon in derselben Straße wohnt, vor der Türe und bittet um Mehl. Mehl! Jeder im Dorf hat Mehl daheim. Das weiß auch jeder. Aber was tun? Franzi bittet Johanna herein. Und ehe man sich versieht, entsteht eine Dynamik, ja fast ein Sog, welcher letztlich das gesamte Dorf mit einschließt, es mit neuem Leben füllt.

Parallel wird die Geschichte des Dorfes im Jahre 1550 erzählt. Eine Zeit zu der die Höfe den Dorfkern verlassen und in der Einöde draußen wieder aufgebaut werden, nachdem die Besitztümer/-verhältnisse der Bauern von den Herren neu festgelegt wurden.

Karin Kaliska hat mit „Bergsalz“ ein wunderbares Buch verfasst, welches mich von der ersten Seite an die Hand nimmt und mich die Ereignisse miterleben, mitfühlen lässt. Ich darf eine Entwicklung erleben, welche vielen Dörfern gut zu Gesicht stünde, im Grunde vielleicht sogar uns allen. Es geht kurz gefasst um Mitmenschlichkeit.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und mich wohl gefühlt. Letztlich bleibt es wohl ein Märchen, eine Geschichte, die jedoch jeden anregen kann, auf seinen Nächsten zuzugehen. Und im Finale finden beide Handlungsstränge zueinander.

Eine Kritik, wenn man so will, habe ich bezüglich des Ausgangs der Geschichte von Franzi. Die gewählte Form erscheint mir völlig abstrus, einverstanden bin ich auch nicht.

Ein schönes Buch für Jedermann, vielleicht jedoch eher „nur“ für Jederfrau.


Karin Kalisa, Bergsalz, Gebundene Ausgabe, Droemer Verlag, 20,00 €, 208 Seiten, Erscheinungstermin 02.11.2020

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