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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Katastrophen-Mord-Tourismus

Todesspiel. Die Nordseite des Herzens
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Die spanische Subinspectora Amaia Salazar befindet sich im Zuge einer Europool-Schulung an der FBI-Akademie in Quantico. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten und Eignung wird Amaia in den Stand eines ...

Die spanische Subinspectora Amaia Salazar befindet sich im Zuge einer Europool-Schulung an der FBI-Akademie in Quantico. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten und Eignung wird Amaia in den Stand eines Agents versetzt, als der Hurricane Katrina Kurs auf New Orleans nimmt. Sie begleitet das Team Dupree zum wahrscheinlich nächsten Tatort eines Serienmörders, der nach 18jähriger Pause Katastrophengebiete zu seiner Bühne macht.

“Todesspiel” ist ein solider, facettenreicher spannender Agentenroman mit solider Ermittlungsarbeit auf der Bühne einer realen Naturkatastrophe. Die Bedingungen nach einem Hurricane sind für mich gut recherchiert und nachvollziehbar in die Geschehnisse eingebunden. Die Protagonisten sind gut und schlüssig gezeichnet. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die parallel ausgeführt werden und sich Richtung Finale nach und nach vereinen.

Anfangs ist mir das Buch in seinen Schichten zu sperrig, weiß ich nicht, wohin die Handlung mich führen soll. Mit Herannahen Katrinas hebt sich für mich der Nebel und ich bin froh, dass ich das Lesen nicht abgebrochen habe. “Natürlich” sind die Morde brutal, insbesondere auch vor dem Hintergrund der vorausgegangenen Katastrophe, diese Gewalt erscheint mir im Rahmen und insofern angemessen, da sie nicht purer Effekthascherei dient. Die Handlung ist spannend auf unterschiedlichen Ebenen, einen Thriller sehe ich jedoch nicht.

Ich habe einige Probleme, die Dinge, welche sich eher im okkulten Bereich abspielen, nachzuvollziehen. Ich glaube, dass es auf Erden Dinge gibt, die sich mir nicht erschließen, die trotzdem “da” sind. Ich kann dies an dieser Stelle so stehen lassen, auch wenn für mich Fragen offenbleiben.


Dolores Redondo, Todesspiel, Die Nordseite des Herzens, Thriller, Taschenbuch, btb Verlag, 640 Seiten, Erscheinungsdatum 14.09.2022

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Magie der Worte

Der schönste Grund, Briefe zu schreiben
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Dem örtlichen Postamt in Porvenir droht die Schließung und somit Sara die Versetzung in die Hauptstadt Madrid. Ihre Nachbarin und Freundin Rosa ersinnt in schlafloser Nacht einen Plan, um dieses drohende ...

Dem örtlichen Postamt in Porvenir droht die Schließung und somit Sara die Versetzung in die Hauptstadt Madrid. Ihre Nachbarin und Freundin Rosa ersinnt in schlafloser Nacht einen Plan, um dieses drohende Ungemach für sich persönlich, Sara und Porvenir abzuwenden. Sie schreibt einen Brief.

Und so wird eine Kette in Gang gesetzt, bestehend aus geheimen Worten, verschlossenen Briefen, versandt von unbekannten Absendern. Nach und nach wird ein Band geknüpft zwischen Freunden und Fremden, Willigen und Unwilligen, Jungen und Alten, wie es nur die Magie der Worte vermag. Wird dieses Band tragen?!?

Die Autorin nimmt mich mit auf eine wunderschöne Reise, die das Herz berührt. Ich finde mich auf der liebevoll gestalteten Bühne dieses kleinen spanischen Dorfes wieder und freue mich, die Protagonisten kennenzulernen und zu begleiten, Teil ihres Seins und Sehnens zu sein.

Anfangs weiß ich nicht, wohin mich diese Geschichte führen soll. Nach und nach nimmt die Handlung Gestalt an und schlägt eine Richtung ein, die “natürlich” in gewissem Rahmen vorhersehbarer wird, je weiter ich voranschreite. Zufrieden schließe ich dieses Buch und denke darüber nach, vielleicht doch mal wieder einen “richtigen” Brief zu schreiben…

Ein Buch zum Träumen und eine Hommage an das Mit- und Füreinander.


Ángeles Doñate, Der schönste Grund, Briefe zu schreiben, Roman, gebundene Ausgabe, Thiele Verlag, 420 Seiten, Erscheinungsdatum 01.02.2016

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Ein un-fassbarer Täter?

Minnesota
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2016 hält ein Mann die Zeit für gekommen, den Tod seiner geliebten Familie zu rächen, indem er die Rolle des Richters und Henkers erwählt. Nach dem ersten Mordanschlag betritt Oz die Bühne. Bob, nach schwerem ...

2016 hält ein Mann die Zeit für gekommen, den Tod seiner geliebten Familie zu rächen, indem er die Rolle des Richters und Henkers erwählt. Nach dem ersten Mordanschlag betritt Oz die Bühne. Bob, nach schwerem Verlust ein desillusionierter, gebrochener Mann mit scheinbar fragwürdiger Moral und hohem Alkoholkonsum. Lediglich seine erfolgreiche Arbeit als unkonventioneller Ermittler kann ihn kurzfristig aus seinem Sumpf befreien. Aber dieser Täter scheint nicht nur ihm, sondern dem ganzen Team der Abteilung immer den entscheidenden Schritt voraus, spielt ein perfides Spiel mit seinen Häschern. Die unausweichliche Suspendierung von Bob kann den geborenen Ermittler nicht aufhalten, selbst wenn er sein eigenes Leben mit in die Waagschale legen muss.

Der Autor hat einen soliden, schlüssigen, interessanten, spannenden und im Finale zufriedenstellenden Kriminalroman verfasst. Der Plot ist hervorragend gewählt und die Bühne gut gestaltet. Die Protagonisten sind stimmig gezeichnet und es gibt viel Ermittlungsarbeit, was ich sehr mag. Das einfließende Fachwissen erscheint mir sehr gut recherchiert und ist aufschlussreich eingebunden. “Natürlich” erinnert mich Oz in gewisser Weise an seinen “Vorgänger” Hole, vielleicht mag ich Bob auch deswegen, schließe ihn schnell ins Herz, begleite ihn gern auf seinem Weg und freue mich über seine Entwicklung.

Die drei Handlungswege verwirren mich anfangs ein wenig, da ich sie für mich nicht in einen möglichen Einklang zu bringen vermag. Nachdem ich diese Frage im Hinterkopf ausblende, kann ich den Krimi vollends genießen. Die falschen Fährten, die vollkommen unerwarteten Richtungsänderungen, die geisterhafte Anmutung des Täters und dann das große “AHA!” im wendungsreichen Finale sind ein Garant für maximale Spannung. Und auch der Twist nachdem alles gesagt scheint, ist für mich absolut gelungen, Nesbø übertrifft sich selbst.

Absolute Lese-Empfehlung für Fans von Jo Nesbø und alle, die es werden möchten!


Jo Nesbø, Minnesota, Kriminalroman, eBook, Ullstein Ebooks , 446 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungsdatum 02.01.2026

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Veröffentlicht am 14.01.2026

Verschenkte Gelegenheit

Sophie L.
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“Sophie L” wird in drei verschiedenen Zeitachsen erzählt: Gegenwart, vor einem Jahr und 1945. Die Hauptdarstellerinnen sind Gran und Olivia, wobei letztlich die Ereignisse im Leben der Großmutter aus 1945 ...

“Sophie L” wird in drei verschiedenen Zeitachsen erzählt: Gegenwart, vor einem Jahr und 1945. Die Hauptdarstellerinnen sind Gran und Olivia, wobei letztlich die Ereignisse im Leben der Großmutter aus 1945 in die Gegenwart hineingreifen und auch heute - immerhin 80 Jahre danach - dazu geeignet erscheinen, einen Mord zu rechtfertigen.

Auf dem Einband wird dieser vermeintliche Thriller sehr hoch gelobt: "atemberaubender Thriller", “unvergesslich”, “Gedächtnisexpertin Olivia”..., was zwangsläufig Erwartungen auf mehreren Ebenen weckt. Für mich ist dieses Buch lediglich ein “Roman ohne klares Genre” mit vielen Längen, nervigen Wiederholungen, blassen, wirr & unnahbar gezeichneten Protagonisten; letztlich ein Buch, was mich leider nicht mitnehmen kann.

Positiv möchte ich erwähnen, dass die Ereignisse um Sophie / Josephine im Jahr 1945 interessant sind; dieser Teil hat mich für sich einnehmen können. Dieser Part hätte mit viel weniger Drumherum, mehr Tiefe und konsequenter Schlüssigkeit ein richtig gutes Buch werden können. Etwas ausgeschmückt: gelebte Geschichte zum Nachspüren..

Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Leserunde lesen. Somit habe ich es bis zum Ende durchgelesen, ab der Hälfte allerdings überwiegend nur noch quergelesen, die Anteile um 1945 bis zum Ende mit Interesse.

Im Finale gibt es noch eine kleine Überraschung, aber das kann meinen Gesamteindruck nicht mehr positiv beeinflussen. Die angedeuteten “großen Geheimnisse” waren für mich relativ früh gelüftet und wurden im Finale bestätigt.

Ein hübsches Buch von außen mit seinen Kontrastfarben und dem violetten Schnitt. Von innen größtenteils entbehrlich und schade um das schöne Papier.



Matthew Blake, Sophie L, Thriller, Taschenbuch, FISCHER Scherz Verlag, 384 Seiten, Erscheinungsdatum 30.12.2025

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Leichter Krimi mit angezogener Handbremse

Tannengrab - Karla Sommerfeld ermittelt
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Hauptkommissarin Karla Sommerfeld ist beim Geburtstag ihrer Mutter. Stolz präsentiert die kleine Mathilda ihren Fund aus dem Wald: einen Wildschweinknochen. Karla erkennt, dass es sich eher um einen menschlichen ...

Hauptkommissarin Karla Sommerfeld ist beim Geburtstag ihrer Mutter. Stolz präsentiert die kleine Mathilda ihren Fund aus dem Wald: einen Wildschweinknochen. Karla erkennt, dass es sich eher um einen menschlichen Knochen handelt. Und schon haben sie und ihr Kollege Henning Meyer ihren zweiten Fall.

Die Autorin hat einen netten, leichten, unaufgeregten Kriminalroman mit mäßiger Spannung verfasst. Die Handlung plätschert über viele Kapitel so dahin, es gibt viel Privates, einiges wird immer wieder wiederholt, viele Klischees werden bemüht, insgesamt wenig Neues. Den Waldkindergarten finde ich hingegen erfrischend anders.
Es gibt solide Ermittlungsarbeit vor Ort und in den Fachabteilungen, was mir gefällt. Auch das Team Sommerfeld / Meyer wächst zusammen.

Nach dem zweiten Leichenfund zieht die Handlung etwas an, aber die Spannung verpufft sehr schnell im überfüllten Finale. Dort scheint Frau Buck alles noch auf eine höhere Ebene heben zu wollen und überrascht mit einer Fülle von neuen Fällen. Dieses erscheint mir an dieser Stelle zu viel, zu bemüht und kann den Gesamteindruck des Buches nicht verbessern.

“Tannengrab” ist der zweite Teil einer Reihe. Dieses Buch kann meiner Ansicht nach für sich alleine stehen.


Ines Buck, Tannengrab, Kriminalroman, eBook, Saga Egmont Bücher, 320 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungsdatum 09.12.2025

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