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Veröffentlicht am 04.09.2021

Wendungsreicher Plot

Die verhängnisvolle Stille
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Als polizeilicher Ermittler kommst Du an den Tatort eines brutalen Mordes, eine schier unbeschreibliche Explosion von Gewalt. Während der Tatortbegehung tauchen Informationen hinsichtlich eines unmittelbar ...

Als polizeilicher Ermittler kommst Du an den Tatort eines brutalen Mordes, eine schier unbeschreibliche Explosion von Gewalt. Während der Tatortbegehung tauchen Informationen hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Bombenanschlages auf; die Ereignisse überschlagen sich…

Detective Mason Callahan und sein Team sind zunächst für diesen Fall zuständig. In den Unterlagen, die im Hause des Mordopfers gefunden werden, taucht der Name seiner Verlobten, Ava McLane, FBI-Agentin, auf. Der Tote war ihr Informant. Sowohl auf dem Revier als auch beim FBI wird in dieser Angelegenheit ermittelt. Im Zuge der weiteren Handlung erfolgen an unterschiedlichen Orten scheinbare Hinrichtungen; die Spuren nähern sich dem privaten Umfeld von Mason und Ava. Wer hat mit ihnen eine Rechnung offen, welche diesen Hass rechtfertigen könnte?!?

„Die verhängnisvolle Stille“ ist ein mitreißendes Buch. Die ausufernde Brutalität ist mit dem ersten Kapitel überstanden; sie scheint mir angemessen, um zu verdeutlichen, mit welcher Art Täter wir es zu tun haben.
Kendra Elliot hat hier den zweiten Teil eine Reihe um die Ermittler Callahan und McLane geschrieben. Der erste Teil ist mir nicht bekannt. Anfangs hatte ich etwas Probleme, die Verbindungen zwischen den Protagonisten zu erkennen, was sich jedoch schnell legt.

Die Autorin schlägt direkt ein hohes Tempo an, vermittelt eine Dramatik, die mich im Lesefluss voranstreben lässt. Im vorletzten Fünftel flacht diese Kurve etwas ab, werden die Weichen zum Finale gestellt, welches wiederum rasant, spannend und überraschend ausformuliert ist. Es gibt einige Nebenschauplätze, welche sich homogen in die gesamte Geschichte einfügen und mir die Protagonisten näherbringen.

Das Cover lässt mit seiner düsteren Strandstimmung und der knallroten Betitelung erahnen, dass der Plot viel Dunkelheit beinhaltet; einen direkten Zusammenhang zum Inhalt zwischen den Buchdeckeln vermag ich nicht herzustellen.


Kendra Elliot, Die verhängnisvolle Stille, Thriller, flexibler Einband, Edition M, Amazon Media, 9,99 €, 334 Seiten, Erscheinungstermin 31.08.2021

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Veröffentlicht am 29.08.2021

Irland, unberechenbar wie das Moor

Der Sucher
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Cal Hooper ist nach Irland ausgewandert. Im Westen hat er sich ein schönes Stück Land mit einem baufälligen Haus gekauft, welches er eigenhändig instand setzt. Seine Idylle wird gestört, als Trey Reddy ...



Cal Hooper ist nach Irland ausgewandert. Im Westen hat er sich ein schönes Stück Land mit einem baufälligen Haus gekauft, welches er eigenhändig instand setzt. Seine Idylle wird gestört, als Trey Reddy sich in sein Leben schleicht. Scheu wie ein wildes Tier, aber verlässlich erscheint Trey, um Zeit mit Cal zu verbringen. Schließlich bricht Trey das Schweigen; der ältere Bruder Brendan, verlässliche Bezugsperson und Lebensanker in schwierigen Familienverhältnissen, ist verschwunden. Irgendwie hat Trey herausgefunden, dass Cal Polizist war und fordert seine Hilfe.

Tana French hat mit „Der Sucher“ einen soliden Thriller verfasst, welcher mich von Anfang an interessiert und in seinen Bann zieht. Ich befinde mich in Irland, sitze auf der Stufe am Haus und blicke über Schafs- und Kuhweiden, höre das Keckern der Krähen und schmunzle über eigenwillige Freundschaftsangebote oder hartnäckige Verkupplungsversuche seitens der Einheimischen gegenüber Hooper. Die wellenförmige Spannungskurve lässt mich Angst im Nacken spüren, um mich dann wieder in seichtes Fahrwasser zurückzuführen.

Der Plot gefällt mir, ist gut verortet und interessant ausgearbeitet. Die Protagonisten sind „Typen“, aber letztlich doch nur „normale“ Menschen, die ich mag. Es gibt für mich völlig unerwartete Wendungen und Einblicke, wo unter der Oberfläche – wie im tückischen, irischen Moor – Gefahr lauern kann. Das Cover, wo über einer Wiese in sanftem Wind dunkle Wolken aufziehen, passt auch mit seinen roten Buchstaben warnend zum Inhalt.

„Der Sucher“ ist aus meiner Sicht eine unbedingte Lese-Empfehlung für Thriller-Fans!


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.


Tana French, Der Sucher, Roman, eBook, Fischer E-Books, 18,99 €, 496 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 29.09.2021

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Veröffentlicht am 19.08.2021

Mehr Krimi denn Thriller

Narbenherz
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Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist ...

Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist nicht auffindbar. Die Suche beginnt in der Nyholm-Schule, wo Lukas zuletzt gesehen wurde.

Neben den Einsatzkräften sind der Lehrerstab sowie besorgte Eltern mit ihren Kindern auf dem Schulhof, als der leitende Kommissar Erik Schäfer eintrifft. Dort trifft er auf seine gute Freundin, Heloise Kaldan, Journalistin, welche zufällig und privat vor Ort ist.

Nach einem irritierenden, beängstigenden Prolog entwickeln sich mehrere Handlungsstränge, welche sich nur gelegentlich überschneiden, so dass Heloise und Erik nicht gemeinsam ermitteln, was ich eigentlich angenommen hatte. Allerdings erhält Kaldan in der Redaktion aufgrund ihrer Verbundenheit zum Kommissar den Auftrag, ihre aktuelle Recherche ruhen zu lassen und im „Fall Lukas“ für Berichte und infolgedessen steigende Quoten zu sorgen.

„Narbenherz“ hat mich direkt an die Hand und mit nach Dänemark genommen. Der Autorin gelingt es, die ProtagonistInnen sowie die Handlungsstränge interessant auszugestalten, dass ich immer weiter voran strebe, um den Täter „zuerst zu finden“. Geschickt werden Spuren gelegt, Personen rücken in den Fokus oder auch in den Hintergrund und ich bekomme die Lösung nicht zu fassen. Hancock verschleiert die Lösung so gut, dass ich im Finale völlig überrascht bin, wie sich das Blatt wendet.

Dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten. Es ist jedoch für mich eher ein Kriminalroman denn ein Thriller, da es zwar solide Ermittlungsarbeit, sowohl auf Seiten der Polizei als auch der Presse gibt, aber so richtige Spannung für mich nicht aufkommt. Die Nebenschauplätze, auch im Privatleben der Hauptakteure, bereichern die Handlung und wirken schlüssig.

Dies ist der zweite Fall aus der Feder von Anne Mette Hancock, in dem Heloise und Erik aufeinandertreffen. Dass ich den ersten Band nicht gelesen habe, bereitete mir für das Verständnis evtl. Zusammenhänge keinerlei Schwierigkeiten.
Das Cover gefällt mir sehr gut; hat jedoch für mich keine direkte Verbindung zum Inhalt des Buches.

Lese-Empfehlung für Hobby-Ermittler*Innen in nordischen Gefilden!


Anne Mette Hancock, Narbenherz, Thriller, flexibler Einband, Fischer-Scherz Verlag, 15,0 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 28.07.2021

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Ich ging verloren

Die Verlorenen
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Dein bester Freund, mit dem Du Dich vor Jahren überworfen hast, ruft Dich an und bittet Dich um Hilfe. Heute, um Mitternacht, draußen vor der Stadt. Bevor Du nachfragen kannst, bricht die Verbindung ab. ...

Dein bester Freund, mit dem Du Dich vor Jahren überworfen hast, ruft Dich an und bittet Dich um Hilfe. Heute, um Mitternacht, draußen vor der Stadt. Bevor Du nachfragen kannst, bricht die Verbindung ab. Was tust Du?

Jonah Colley erhält genau diesen Anruf von Gavin McKinney. Er begibt sich zum Treffpunkt und was dort geschieht, zerstört im weiteren Verlauf der Ereignisse sein ganzes, mühsam erarbeitetes Lebensgerüst, droht ihn sogar final zu Boden zu schleudern und ihn zu vernichten. Dabei hat er erst vor 10 Jahren sein geliebtes Kind verloren und damit alles, was ihm damals lieb und teuer war, sogar seinen Freund Gavin.

Als Colley zweit Tage später schwer verwundet im Krankenhaus wieder zu sich kommt, hat er Lücken in der Ereigniskette. Zu allem Überfluss befindet er sich unmittelbar als Schuldiger im Fokus des Ermittlergespanns DI Fletcher und DS Bennet.

Im Grunde ist „Die Verlorenen“ ein gutes Buch. Allerdings für meinen Geschmack definitiv kein Thriller. Es gibt ein paar Spannungsszenen, die jedoch ob der fehlenden Glaubwürdigkeit verpuffen. Jonah wird mir als „Mitglied der bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei“ vorgestellt. Dies weckt bei mir gewisse Erwartungen hinsichtlich der persönlichen und beruflichen Qualifikation des Protagonisten, welche völlig fehlen.

Der Autorenname Simon Beckett hat in mir zudem gewisse Erwartungen bezüglich der Qualität und Spannung in einem Buch aus seiner Feder geweckt, die leider ebenso enttäuscht wurden. Der Plot bietet m. E. gute Grundlagen für einen rasanten, atemlosen Thriller, die hier leider nicht genutzt wurden.

„Die Verlorenen“ soll den Auftakt zu einer neuen Buchreihe des Autors bilden. Mein Interesse auf Teilnahme am weiteren „Leben“ des Protagonisten konnte nicht entflammt werden.


Simon Beckett, Die Verlorenen, Thriller, gebundene Ausgabe, Wunderlich Verlag, 24,00 €, 416 Seiten, Erscheinungstermin 08.07.2021

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Das Meer wahrt Geheimnisse

Die Leuchtturmwärter
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Am 26.12.1900 verschwanden die drei diensthabenden Leuchtturmwärter spurlos vom schottischen Leuchtturm Eilean Mór. Dieses, bis heute ungeklärte Geschehen, bildet die Basis für „Die Leuchtturmwärter“. ...

Am 26.12.1900 verschwanden die drei diensthabenden Leuchtturmwärter spurlos vom schottischen Leuchtturm Eilean Mór. Dieses, bis heute ungeklärte Geschehen, bildet die Basis für „Die Leuchtturmwärter“. Davon abgesehen ist die Handlung erdacht, die Ereignisse im Buch reine Fiktion.

In der Silversternacht 1975 verschwindet die Besatzung des Maiden Rock spurlos. Das Versorgungsschiff, welches zuerst dort eintrifft, findet einen sorgsam verschlossenen Leuchtturm vor, allerdings ohne ein Lebenszeichen der drei dort tätigen Männer. Die Ermittlungen stoßen auf diverse Ungereimtheiten auf Basis von Logbuch und örtlichen Gegebenheiten, sind jedoch nicht in der Lage, das Verschwinden der Besatzung aufzuklären.

Zwanzig Jahre später widmet sich ein bekannter Autor den Ereignissen jener Zeit und wendet sich an die hinterbliebenen Frauen, um in Interviews die Umstände des Arbeitens und Lebens auf einem Leuchtturm und in dessen Einzugsbereich zu ergründen. Evtl. bietet sich ihm zudem die Chance, dem Geheimnis des Maiden Rock auf die Spur zu kommen.

Emma Stonex entzaubert in ihrem Debüt jegliche Leuchtturmromantik von lauschiger Ruhe unter dem Sternenhimmel, während den vorbeiziehenden Schiffen der Weg gewiesen wird und das glitzernde Meer den Träumen Flügel verleiht.

Auf Grundlage umfangreicher Recherchen der Autorin erfahre ich, wie sich der Aufenthalt auf einem Leuchtturm - mitten im manchmal launischen Meer - vor der Automatisierung gestaltet. Erlebe die Enge, das Fehlen von Privatsphäre, die teilweise schwere Arbeit und auch die unterschwelligen Zwischentöne, die in jeder Gruppe nach einer Weile auftreten. Man kennt sich sehr gut und doch hat jeder seine Geheimnisse, Konfrontationen lassen sich nicht immer vermeiden. Letztlich, auch durch das Dreischichtsystem, bleibt man allein.
Derweil meistern die Frauen das Getrenntsein und die damit verbundene Verantwortung und Eigenständigkeit an Land im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Man kennt sich untereinander, ist aber nicht wirklich befreundet, bleibt doch auch allein im Warten auf die Rückkehr des Partners. Und schließlich auch in der Trauer und dem Weiterleben. Erst durch dieses Buchprojekt treffen die Frauen wieder aufeinander und können eine Art Frieden mit sich und der Maiden schließen.

„Die Leuchtturmwärter“ ist mein erstes Buch, dessen Schauplatz ein Leuchtturm ist. Die Handlung wechselt zwischen dem Leben auf dem Turm und dem Rückblick der Frauen hin und her. Der forschende Buchautor tritt kaum in Erscheinung, erzählen doch die Befragten von sich aus; evtl. Fragestellungen oder ein Dialog finden nicht statt.

Dieses Buch habe ich gerne gelesen, es hat mich gut unterhalten. Zum Ende hin kommt ein wenig Spannung auf. Und doch ist es ein wenig eigenwillig, etwas sperrig; kein Buch, welches sein Geheimnis leichtfertig offenbart. Ich werde belohnt, indem ich durch die Sprache und Ausdrucksfähigkeit der Autorin fast IM Leuchtturm bin, während das Meer tost oder friedlich die Hand reicht. Das Cover ist schlicht und stimmig zum Inhalt.


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.


Emma Stonex, Die Leuchtturmwärter, Roman, eBook, Fischer eBooks, 18,99 €, 432 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 25.08.2021

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