unterhaltsame Ermittlungen mit „very british“-Flair und einer exzentrischen Detektivin
Agatha Raisin und die tote Therapeutin„Agatha Raisin und die tote Therapeutin“ ist bereits der 26. Band der Autorin M. C. Beaton rund um die exzentrische wie liebenswerte Detektivin Agatha Raisin, die in den Cotswolds lebt, arbeitet und ermittelt.
Die ...
„Agatha Raisin und die tote Therapeutin“ ist bereits der 26. Band der Autorin M. C. Beaton rund um die exzentrische wie liebenswerte Detektivin Agatha Raisin, die in den Cotswolds lebt, arbeitet und ermittelt.
Die neue wie neugierige Therapeutin im Dorf, Jill Davent, bandelt nicht nur mit Agathas Ex-Mann James an, sie schnüffelt darüber hinaus in ihrer Vergangenheit. Dies widerstrebt Agatha über alle Maßen, was sie Jill Davent sehr deutlich sagt. Nur leider wird die Therapeutin kurz darauf umgebracht und Agatha wird des Mordes an ihr verdächtigt. Um die Detectives von diesem Verdacht abzubringen, ermittelt Agatha zusammen mit ihren Freunden und Angestellten auf eigene Faust. Dabei stellt sich heraus, dass sehr viele Menschen ein Motiv gehabt hätten Jill loszuwerden. Je weiter Agatha gräbt, desto mehr Leichen tauchen auf. Und das nicht nur im übertragenen Sinne.
Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet und farblich harmonisch. Es nimmt die wichtigsten Informationen aus dem Klappentext gekonnt auf und macht neugierig auf den Inhalt des Buches. Insgesamt wirkt es idyllisch und heimelig, wobei durch den am Boden liegenden Schal schnell deutlich wird, dass der Schein trügt.
Bisher kannte ich Agatha Raisin noch nicht. Doch es war interessant, sie kennen zu lernen. Auch ohne Vorkenntnisse bin ich gut ins Buch gekommen und hatte keine Probleme mit den Figuren. Sie wurden alle kurz vorgestellt und ich finde, die Autorin hat eine gute Balance gefunden, um Kenner der Serie nicht zu langweilen, aber gleichzeitig Neulesern einen problemlosen Einstieg zu ermöglichen.
Der Schreibstil an sich war „gewöhnungsbedürftig“. Das klingt vermutlich auf den ersten Blick negativer als es gemeint ist. M.C. Beaton hat einfach eine ganz eigene Art zu schreiben. Ich würde sie fast als „typisch britisch“ bezeichnen. Für mich ist es eine Art Berichterstattung, eher kurz und abgehackt, nüchtern, wenige Gefühlsbeschreibungen.
Dass sich Agatha im Verlauf der Ermittlungen ständig in jemanden anders verliebt ist irgendwie charmant, wirkt aber gleichzeitig auch etwas hilflos. Als würde sie etwas nachjagen, das sie bisher noch nicht gefunden hat.
Als Ermittlerin gefällt sie mir auf jeden Fall gut. Sie hat am Ende den richtigen Riecher, ein Auge für Details. Sicher ist, dass sie ihren ganz eigenen Charme hat und mit ihren Eigenarten nicht in eine Schablone passt. Eine eher untypische und exzentrische Detektivin, die einen jedoch immer wieder zum Schmunzeln bringt und auf eine ihr eigene Art liebenswert ist.
Richtig nahe bin ich Agatha als Figur allerdings nicht gekommen. Dies liegt meiner Meinung nach jedoch nur zum Teil daran, dass ich die Vorgängerbände nicht kenne.
Was ich etwas schwierig fand, ist die häufige Erwähnung einer Person aus einem vorhergehenden Fall. Agatha scheint sehr auf sie fixiert zu sein. Da wäre es gut gewesen, den entsprechenden Band der Reihe zu kennen. Denn so kommt es einem vor, als hätte sich eine ungesunde Obsession bei Agatha entwickelt.
Darüber hinaus passt die große Anzahl an Opfern für mich nicht ganz zu einem Cosy Crime.
Wen ich sehr gerne mochte ist Mrs. Bloxby. Eine starke Frau, die fest im Leben steht und weiß was sie will. Gleichzeitig scheint sie für alle da zu sein und jeden – auf eine positive Art – im Blick zu haben.
Die Auflösung des Falles ist originell sowie unterhaltsam und zu Beginn nicht abzusehen. Allerdings wirkte die Geschichte in sich nicht ganz rund. Viele Morde, viele Mordmethoden und leider auch ein paar logische Ungereimtheiten, die mich zu dem Schluss bringen: weniger ist manchmal mehr.
Zusammenfassend kann ich sagen: Da war ganz schön was los! Für Neulinge im Agatha-Raisin-Kosmos ein ungeeigneter Band zum Reiheneinstieg.