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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2025

Haus voller Schatten

In ihrem Haus
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Yael van der Wouden gelingt es mit „In ihrem Haus“ eine Geschichte zu erzählen, die sich leise in die Gedankenwelt der Lesenden einbrennt. Schon der Klappentext und die begeisterten Stimmen auf dem Buchumschlag ...

Yael van der Wouden gelingt es mit „In ihrem Haus“ eine Geschichte zu erzählen, die sich leise in die Gedankenwelt der Lesenden einbrennt. Schon der Klappentext und die begeisterten Stimmen auf dem Buchumschlag wecken hohe Erwartungen und das zurecht.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die uns Schritt für Schritt näher an die Protagonistin Isabel heranführen. Isabel wirkt von Beginn an ungewöhnlich, spröde, jemand, der die Welt auf eine andere Weise wahrnimmt. Ob dies aus einer Eigenart, einer Veranlagung oder schlicht aus ihrer belastenden Vergangenheit herrührt, bleibt quasi offen. Das hat die Autorin sehr gut gezeichnet. Genau hieraus entsteht die subtile Spannung, die sich durch das gesamte Buch zieht.
Diese Spannung intensiviert sich, als Eva in Isabels Haus einzieht. Eva, die Freundin von Isabels Bruder, wirkt für Isabel von Anfang an wie eine Bedrohung. Misstrauen und Unbehagen prägen ihr Verhältnis. Besonders die verschwundenen Gegenstände im Haus, über die Isabel akribisch Buch führt, verstärken das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Als Lesende schwankt man zwischen Sympathie und Misstrauen. Teilweise hatte ich auch den Eindruck, einer unzuverlässigen Erzählerin zu folgen.
Der Roman lebt von dieser unterschwelligen Beklemmung.
Ständig scheint ein dramatischer Ausbruch in greifbarer Nähe und doch bleibt er aus. Stattdessen entfaltet sich eine bedrückende Wahrheit, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit hat. Hier geht es um den Zweiten Weltkrieg, der Umgang mit jüdischen Mitmenschen und die Traumata jener Zeit. Diese Enthüllung trifft unerwartet, erschüttert und macht das Buch tiefgründig.
Auch wenn ich mir einen noch größeren Plot-Twist oder ein dramatischeres Finale gewünscht hätte, überzeugt „In ihrem Haus“ durch die Figuren und die tolle Sprache. Die leisen Töne sind es, die hier den Nachhall erzeugen und die die Autorin als starke Erzählerin ausweisen. Auch die kleinen „Nebenhandlungen“ sind toll zu lesen und die Entwicklung der beiden Figuren mitzuerleben.

Ein intensiver, spannungsvoll erzählter Roman über Misstrauen, die Schatten der Vergangenheit und Freundinnenschaft, das mich neugierig auf kommende Werke von Yael van der Wouden macht.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Seiten voller Möglichkeiten

Die Mitternachtsbibliothek
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Es gibt Bücher, die liegen eine ganze Weile unbeachtet im Regal, bis sie genau im richtigen Moment ihren Weg in die Hände finden. So ging es mir mit "Die Mitternachtsbibliothek". Obwohl ich lange nicht ...


Es gibt Bücher, die liegen eine ganze Weile unbeachtet im Regal, bis sie genau im richtigen Moment ihren Weg in die Hände finden. So ging es mir mit "Die Mitternachtsbibliothek". Obwohl ich lange nicht dachte, dass jetzt die passende Zeit dafür sei, hat sich genau dieser Zeitpunkt als goldrichtig herausgestellt.
Die Grundidee des Buches hat mich sofort fasziniert - eine Bibliothek voller Bücher, in die man hineinschlüpfen kann, um alternative Leben auszuprobieren. Dieser Gedanke ist sowohl philosophisch als auch berührend. Dennoch empfand ich die Geschichte zu Beginn etwas zäh. Nora springt von einem Leben ins nächste, oft ohne zu wissen, wo sie sich gerade befindet und vor allem, welche Geschichte hinter ihrem neuen selbst steckt. Die macht es m.E. schwer, in dieser neuen Welten anzukommen und sie zu bewerten. Doch je mehr ich las, desto klarer wurde mir der Sinn dahinter. Besonders mochte ich die Figur von Mrs. Elm, der Bibliothekarin, die Nora mit einer ruhigen, weisen Art begleitet. Sie unterstützt Nora auch dabei, diese verschiedenen Alternativen-Leben zu hinterfragen. Ihre Worte sind dabei voller Trost und Lebensweisheiten, Sätze, die man beim Lesen festhalten möchte.
Ein zentrales Motiv des Buches ist das „Buch des Bereuens“. Dieser Gedanke hat mich tief bewegt, denn wer trägt nicht eine Sammlung an verpassten Chancen in sich? Matt Haig zeigt jedoch eindrücklich, dass dieses Buch nicht das letzte Wort haben darf, denn diese Momente des Bereuens sind oftmals durch die Erwartungen anderer an uns entstanden. Stattdessen geht es darum, das eigene Leben zu leben – aus Liebe zu anderen und vor allem aus Selbstliebe.
Im letzten Drittel hat mich die Geschichte vollends gepackt. Hier war ich emotional so berührt, dass ich beim Lesen Tränen in den Augen hatte. Noras Weg, ihre Reflektion über ihr Leben und die Erkenntnis, dass Fehler, Versöhnung und Neuanfänge zum Menschsein dazugehören, haben mich zutiefst getroffen. Diese Botschaft ist für mich auch persönlich wertvoll.
Matt Haigs Schreibstil ist klar, berührend und voller Lebensbejahung. Er schafft es, große philosophische Fragen in eine zugängliche, warmherzige Geschichte zu stecken. Die Mitternachtsbibliothek ist für mich ein Buch, welches mir im Kopf, im Herzen und vielleicht auch in meinem eigenen unsichtbaren Regal bleibt.
Ein großes Dankeschön an Matt Haig für diese Geschichte. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzensbuch.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

London Calling fürs Herz

Am Himmel funkelt ein neuer Tag
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Zu Romanen von Meike Werkmeister greife ich immer wieder gerne, denn sie schaffen es zuverlässig, mich zu unterhalten und manchmal sogar, mich aus einer Leseflaute herauszuholen. Auch "Am Himmel funkelt ...

Zu Romanen von Meike Werkmeister greife ich immer wieder gerne, denn sie schaffen es zuverlässig, mich zu unterhalten und manchmal sogar, mich aus einer Leseflaute herauszuholen. Auch "Am Himmel funkelt ein neuer Tag" habe ich in kürzester Zeit gelesen. Da lag unter Anderem daran, dass die Autorin diesen unvergleichlich leichten, flüssigen Schreibstil hat, der die Seiten nur so dahinziehen lässt. Gerade für die wärmere Jahreszeit ist das Buch ein perfekter Begleiter.
Besonders war für mich, dass dieser Roman nicht wie die bisherigen Werke innerhalb Deutschlands spielt, sondern in London. Da ich selbst schon dort war, konnte ich die Atmosphäre wunderbar nachempfinden und habe die Schauplätze mit großem Vergnügen vor Augen gehabt. Meike Werkmeister gelingt es, das Flair der Stadt sehr lebendig einzufangen und eine vertraute, wohltuende Stimmung zu herzustellen.
Die Figuren sind wie gewohnt authentisch, warm und herzlich. Neben der Protagonistin Zoé, die mit den Geistern ihrer Vergangenheit ringt und sich nach einem Besuch bei einer Wahrsagerin neu mit ihrem Leben auseinandersetzt, sind es vor allem die Nebencharaktere, die mich begeistert haben. Ravi ist mir sofort ans Herz gewachsen, ebenso Dawn und ihre Familie. Auch Bina und Neil habe ich sehr gemocht. Mit Yon hingegen konnte ich weniger anfangen und selbst bei Zoé fiel es mir teilweise schwer. Sie macht sich ihr Leben stellenweise unnötig kompliziert, auch wenn man beim Lesen immer besser versteht, welche Themen sie aus ihrer Vergangenheit mit sich trägt. Schön fand ich wiederum ihre Liebe zu Pflanzen und die Art, wie sie sich in London ein neues Leben aufbaut und Kontakte herstellt.
Natürlich spielt auch die Liebe eine zentrale Rolle. Lange Zeit war ich mir unsicher, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde, was ich sehr angenehm fand. Dadurch unterscheidet sich der Roman auch von vielen anderen romantischen Büchern, in denen der Ausgang meist früh absehbar ist. Das Ende hat mich positiv überrascht und gut gefallen.

Alles in allem ist "Am Himmel funkelt ein neuer Tag" ein kurzweiliger, herzerwärmender Roman. Er lädt zum Träumen ein, vermittelt positive Gefühle und eignet sich perfekt für alle, die zwischendurch eine leichte, inspirierende Lektüre suchen. Auch wenn die Geschichte sicher nicht dauerhaft nachhallt, hat sie mir eine sehr schöne Lesezeit beschert. Auch künftig werde ich gerne wieder zu Büchern von Meike Werkmeister greifen.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Kinderlos. Und?

Nie, nie, nie
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Schon lange beschäftigt mich das Thema Kinder auf gesellschaftlicher, politischer oder persönlicher Ebene. Umso gespannter war ich auf Linn Strømsborgs „Nie, Nie, Nie“. Nun habe ich das Buch endlich gelesen ...

Schon lange beschäftigt mich das Thema Kinder auf gesellschaftlicher, politischer oder persönlicher Ebene. Umso gespannter war ich auf Linn Strømsborgs „Nie, Nie, Nie“. Nun habe ich das Buch endlich gelesen und kann sagen, dass es für mich persönlich ein absolutes Highlight ist.
Die Handlung lässt sich leicht lesen und ist thematisch dennoch intensiv. Linn Strømsborg gelingt eine hervorragende Mischung aus Erzählung und Reflexion. Es wirkt wie ein Roman, enthält aber auch sachbuchartige Passagen, gesellschaftliche Denkanstöße und sehr kluge, wahre Gedanken.
Die namenlose Protagonistin schildert, warum sie keinen Kinderwunsch hat oder versucht es zumindest. Doch das Buch wirkt keineswegs wie ein Plädoyer gegen Kinder. Im Gegenteil, auch schöne Momente mit Kindern werden geschildert, ebenso wie die Reaktionen des Umfelds auf ihre Entscheidung. Man erlebt mit, wie Freundinnen Kinder bekommen, wie Elternschaft für Männer und Frauen unterschiedlich gewertet wird und welche Erwartungen die Gesellschaft und auch die Politik an Frauen richtet.
Besonders hervorzuheben sind die vielfältigen Perspektiven - männlich und weiblich, vergangene Generationen, Großeltern und Freunde. Dadurch öffnet das Buch Räume für unterschiedliche Erfahrungen und zeigt, wie tief das Thema in persönliche wie gesellschaftliche Strukturen eingebettet ist. Auch das Spannungsfeld zwischen Partnerschaft und unterschiedlichen Wünschen wird sensibel dargestellt und die Autorin geht der Frage nach ‚Was passiert, wenn eine Seite ein Kind will und die andere nicht?‘. Gleichzeitig wird auch das Single-Leben beleuchtet und das als erfüllte, selbstbestimmte Lebensform wie ich es noch nie gelesen habe! Top!

Mich persönlich hat Strømsborg mit diesem Buch sehr berührt. Viele Gedanken sprachen mir direkt aus dem Herzen. Ich habe mich als Frau, die sich noch nicht entschieden hat, unheimlich gut gesehen gefühlt.

„Nie, Nie, Nie“ ist ein starkes, reflektiertes, gesellschaftlich relevantes und zugleich sehr persönliches Buch. Es regt zum Nachdenken an, ohne zu verurteilen und zeigt die Komplexität von Lebensentscheidungen rund um das Thema Kinder. Ein Buch, das alle Frauen lesen sollten – und das auch Männern wichtige Impulse gibt.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Ein Herz für Haymitch

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an
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Die ursprüngliche page-trilogie ist etwas mehr als zehn Jahre her. Umso spannender war es für mich, erneut in die Welt von Panem zurückzukehren. Schon lange habe ich auf Social Media gesehen, wie begeistert ...

Die ursprüngliche page-trilogie ist etwas mehr als zehn Jahre her. Umso spannender war es für mich, erneut in die Welt von Panem zurückzukehren. Schon lange habe ich auf Social Media gesehen, wie begeistert Leser:innen von diesem neuen Band sind und ich kann mich dem nur anschließen. Für mich war "L – Der Tag bricht an" ein rundum gelungener Abschluss.
Eigentlich bin ich kein Fan von Spin-Offs oder nachträglich hinzugefügten Bänden, die Geschichten einzelner Charaktere ausschmücken. Umso mehr hat mich überrascht, wie sehr mich „L" gefesselt hat. Hier steht Haymitch im Mittelpunkt und seine Geschichte ist von Anfang bis Ende berührend, schockierend und tief bewegend. Besonders stark fand ich, wie Suzanne Collins zeigt, warum Haymitch in der Originalreihe distanziert ist, oft auch zynisch gegenüber anderen Menschen insbesondere Katniss und Peeta, sein Alkoholproblem, sein gebrochener Charakter – all das erhält eine bedrückende Erklärung. Man versteht ihn dadurch nicht nur besser, sondern schließt ihn sogar noch mehr ins Herz. Gerade die letzten Kapitel haben mir sehr wehgetan und mich traurig gestimmt.
Das Buch macht außerdem deutlich, wie brutal, willkürlich und manipulativ das Kapitol ist. Die Spiele sind nicht nur ein Überlebenskampf in der Arena, sondern vor allem ein Schauplatz politischer Intrigen, in dem Macht über Wahrheit gestellt wird. Die Willkür, mit der Menschen dargestellt oder bestraft werden, ist erschreckend.
Der Autorin gelingt es, diese düstre und teils traurige Thematik packend und geheimnisvoll zu erzählen. Sie reißt manches nur an, streut kleine Easter Eggs ein und bringt so immer wieder Momente des Wiedererkennens und Staunens. Und obwohl man als Leser:in der Trilogie bereits weiß, wie die Geschichte enden wird, kommt Spannung auf. Gleichzeitig begegnen wir bekannten Figuren aus der Trilogie und erstellen bereits kleine Familienstammbäume, was total schön und interessant ist.
Besonders gelungen finde ich, dass man das Buch auch gut unabhängig vom Snow-Prequel lesen kann. Wer dieses kennt, entdeckt sicherlich zusätzliche Anspielungen, aber zwingend notwendig ist es nicht. Für mich war gerade „L" das Buch, das mich wieder so richtig in Panem eintauchen ließ.

Insgesamt lässt sich sagen, dass "L – Der Tag bricht an“, ein intensives, traurig-schönes und absolut lesenswertes Werk ist. Wer die ursprüngliche Trilogie mochte, sollte Haymitchs Geschichte auf keinen Fall verpassen. Für mich war es ein emotionales Wiedersehen mit einer Welt, die mich schon vor einigen Jahren bewegt und diesmal vielleicht sogar noch tiefer berührt hat.

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