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Veröffentlicht am 14.02.2019

Die berührende Geschichte eines Taxifahrers und einer todkranken, jungen Frau

Die Antwort auf Vielleicht
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Die Lektüre dieses Buches war keine leichte, da sie ein schweres Thema behandelt und auf einer wahren Begebenheit beruht. Der junger Taxifahrer Adam, der vornehmlich krebskranke Patienten zu ihren Behandlungen ...

Die Lektüre dieses Buches war keine leichte, da sie ein schweres Thema behandelt und auf einer wahren Begebenheit beruht. Der junger Taxifahrer Adam, der vornehmlich krebskranke Patienten zu ihren Behandlungen fährt, lernt die unheilbar kranke Jessi kennen. Die beiden fühlen sich sofort verbunden und so kreuzen sich auch privat ihre Wege. Während Adam Jessie auf ihren letztenWegen begleitet, denkt er selbst über seine Zukunft nach und stellt fest, dass er sein Leben endlich aktiv leben muss, anstatt immer alles auf später zu verschieben.

Der Autor:

Hendrik Winter (geboren 1968) war Soldat, Sportlehrer, Redakteur und Taxifahrer. Inzwischen arbeitet er als Autor und veröffentlichte unter seinem richtigen Namen (Hendrik Winter ist ein Pseudonym), Andreas Winkelmann, bereits zahlreiche Thriller im Rowohlt Verlag.

Inhalt:

Adam hat nicht damit gerechnet, sich in eine der Patientinnen zu verlieben, die er täglich zur Chemotherapie und zurück fährt. Doch dann steigt eines Tages Jessi in sein Taxi – jung, schön und todkrank. Ehe er sichs versieht, ist es um ihn geschehen. Als er erfährt, dass Jessi vielleicht nur noch wenige Wochen zu leben hat, setzt er alles daran, ihr diese Zeit so schön wie möglich zu machen. Und er hat ein Ziel: Jessis größten Wunsch zu erfüllen. Währenddessen erkennt er, dass auch er seine Träume vielleicht nicht bis „irgendwann einmal“ aufschieben sollte … (Seite des Verlags)

Kritik und Fazit:

Hendrik Winter gelingt es, überaus einfühlsam und authentisch die Geschichte von Adam und Jessi zu erzählen. Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend.
Natürlich handelt es sich um ein ernstes Thema und ich musste öfters ordentlich schlucken und die Tränen liefen dennoch. Aber die Kombination aus Dramatik und Humor macht es dem Leser leichter, mit allem klarzukommen.
Als ich mit dem Lesen begann, wusste ich noch nicht, dass der Autor aus seinem eigenen Erfahrungsschatz heraus, diese Geschichte geschrieben hat. Nachdem ich erfahren habe, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht, fiel es mir zunächst erst einmal enorm schwer, weiter zu lesen, da ich nicht sofort die nötige Distanz gefunden habe, denn bei jedem Satz dachte ich mir: „Das ist vermutlich wirklich so geschehen und Jessie hat es wohl nicht überlebt“. Dafür braucht man wirklich starke Nerven.
Am Schluss bleibt offen, welches Detail der Autor wirklich so erlebt hat und welches seiner dichterischen Feder entsprungen ist. Aber das ist am Ende auch gar nicht wichtig.

Das Cover ist schlicht gehalten, damit aber doch so aussagekräftig. Ein Auto (die Krebskarosse) vor einer Skyline, die Regentropfen (oder Tränen) über das gesamte Cover verteilt, die Farben in Blau- und Pinktönen gehalten. Dies alles symbolisiert eine Schwere aber auch gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit. Mit der Darstellung der Bremer Stadtmusikanten wird vielleicht auf die humorvolle Seite der Geschichte verwiesen.

Die Charaktere dieser Geschichte sind allesamt auf ihre Weise liebenswert. Adam steckt in seinem Leben fest, er hat einen großen Traum, den er wegen des Geldes aber immer wieder auf später verschiebt.
Sein bester Freund, der den gleichen Traum hat, ist ihm diesbezüglich keine Hilfe, sondern mit seinem Job zeitlich absolut ausgelastet. Dennoch ist er für Adam da und hilft ihm, wenn es darauf ankommt.
Adams Oma ist schon sehr alt, dafür aber noch agil, nur das Gedächtnis lässt sie langsam im Stich. Aber auch sie ist Adam mit ihrem Erfahrungsschatz und ihrer Weisheit eine große Hilfe.
Jessie ist eine starke Frau, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden hat und mit dem nötigen Humor, um daran nicht zu zerbrechen, weiter durchs Leben geht. Und das muss sie auch, hat sie doch eine kleine Tochter, die auf sie zählt, solange es noch geht.
Ihr zur Seite steht ihre beste Freundin, eine selbstbewusste Frau mit Berliner Schnauze, die sich ganz solidarisch auch eine Glatze scheren lässt.
Ganz besonders ist mir die Nebenfigur Frau Grabenhort ans Herz gewachsen. Auch sie ist schwer erkrankt und sie verliert nach und nach ihre Beine. Doch sie macht das Beste aus ihrer Situation. Ich bewundere ihren Lebensmut und wie sie mit ihrer Erkrankung umgeht. Hut ab!

Die vielen amüsanten Passagen mit ihren humorvollen Protagonisten machen es dem Leser leichter, sich auf diese sehr emotionale Geschichte einzulassen. "Die Antwort auch Vielleicht" ist ein schönes Buch, welches ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann, wenn man auch starke Nerven haben muss, um mit dieser tragischen Geschichte klar zu kommen. Ich habe mitgelitten und war sehr ergriffen. Der Roman ließ mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge tief berührt zurück.

Veröffentlicht am 27.10.2017

Ein vielversprechendes Buch mit tollem Schreibstil, aber leider eine Erwartung schürend, die nicht bis zum Schluss eingehalten werden konnte.

All for You – Sehnsucht
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Die Autorin hat mich mit ihrer Geschichte sofort abgeholt, ich wollte wissen, was der Hauptprotagonistin in ihrer Jugend widerfahren ist, dass sie so eine weitreichende Entscheidung treffen musste, die ...

Die Autorin hat mich mit ihrer Geschichte sofort abgeholt, ich wollte wissen, was der Hauptprotagonistin in ihrer Jugend widerfahren ist, dass sie so eine weitreichende Entscheidung treffen musste, die dazu führte, dass sie ihre große Liebe verlor.

Einigen wird die Autorin Meredith Wild durch ihre HARD-Reihe bereits bekannt sein. Ich selbst habe die Bücher nicht gelesen und die Stimmen dazu schwanken. Nichts desto trotz handelt es sich bei den Büchern um New-York-Times- und USA-Today-Bestseller. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in New Hampshire und bezeichnet sich selbst als Techniknarr, Whiskey-Kennerin und Romantikerin.
All For You – Sehnsucht ist der erste Teil eine Reihe, deren weitere Teile im Januar und April kommenden Jahres erscheinen werden.
Im Prolog werden Maya und Cameron, die beiden Hauptprotagonisten vorgestellt. Sie sind noch jung als Cameron Maya einen Heiratsantrag macht, den diese aber nicht annimmt. Der Leser bekommt zu verstehen, dass Maya von ihrer Vergangenheit verfolgt wird und deshalb nicht bereit ist, zu heiraten. Cameron ist daraufhin so verletzt, dass er Maya verlässt. Fünf Jahre später treffen sich die beiden nicht ganz zufällig wieder, ihre Liebe ist ungebrochen, doch beide sind sehr verletzt. Cameron kämpft für eine Beziehung.

Der Einstieg in das Buch fällt leicht und die Autorin hat einen angenehmen und sehr flüssigen Erzählstil. Die Erzählperspektive wechselt zwischen Maya und Cameron ab, sodass der Leser beide Sichtweisen kennenlernt. Die Spannung und Anziehung zwischen Maya und Cameron sind geradezu greifbar. Die ersten Annäherungen sowie die schlagfertigen Gespräche zwischen den beiden Protagonisten sind schön geschrieben. Auch die Nebencharaktere Eli und Darren haben mir gut gefallen. Und immer wieder stellte sich mir die Frage, was Maya mit ihrer Familie erlebt haben muss, denn sie ist ein tragischer Charakter, der sich selbst verloren zu haben scheint. Ihre Tristesse und wie sie mit ihrem unglücklichem Leben abgeschlossen hat, haben mich berührt. Dabei fragte ich mir, ob Cameron nun seine alte Maya wieder haben will, oder ob ihm auch etwas an der neuen, veränderten Maya liegt. Diese muss er aber erst einmal kennenlernen. Am Ende des zweiten Drittels kommt es zu einem wirklich einschneidenden Ereignis und ich habe die Seiten bis dahin wie im Flug gelesen. Das letzte Drittel des Buches enttäuschte mich dann leider zunehmend. Die Beziehung der beiden scheint auf der Stelle zu treten, es gibt keinen Fortschritt und sowohl Cameron als auch Maya entwickeln sich überhaupt nicht weiter. Das ach so schlimme Geheimnis aus Mayas Vergangenheit ist für meinen Geschmack nicht ausreichend, um ihre Handlungen zu erklären.

Das Buch ließ mich etwas enttäuscht zurück, da ich mir wirklich sehr viel von diesem Geheimnis erhofft habe. Die Spannung, die zu Beginn aufgebaut wird und einen immer weiter mitfiebern lässt, hielt nicht bis zu Ende an bzw. die Ursache für Mayas Verhalten war einfach nicht dramatisch genug, um ihre Handlungen zu rechtfertigen.
Nachdem ich das Buch zur Seite gelegt habe, dachte ich mir, dass ich die weiteren Teile wohl nicht mehr lesen werde. Durch meine Recherche habe ich aber jetzt herausgefunden, dass sich Teil 2 und Teil 3 nicht mehr um Maya und Cameron drehen, sondern um Nebenprotagonisten (Darren und Olivia) des ersten Teils. Das wiederum macht mich neugierig, und ich werde der Autorin wohl doch noch eine zweite Chance geben, in der Hoffnung, dass Meredith Wild mit den beiden anderen Romanen das Potential der Story ausschöpft und sie nicht wieder „nichts lieber wollte, als das es endlich vorbei war“ (S. 268 aus der Danksagung der Autorin).

Ein vielversprechendes Buch mit tollem Schreibstil, aber leider eine Erwartung schürend, die nicht bis zum Schluss eingehalten werden konnte.

Veröffentlicht am 13.05.2017

Historische Fakten verpackt in guter Unterhaltungsliteratur

Die fremde Königin
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Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin ...

Wie habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass ich zu den glücklichen Gewinnern der Leserunde bei Lesejury gehörte. Ich durfte Rebecca Gablés neuen Roman "Die fremde Königin" bereits vor dem Erscheinungstermin lesen und erhielt dafür das unveröffentlichte Manuskript. Am 27.04.2017 ist "Die fremde Königin" nun erschienen und endlich darf ich euch davon erzählen. In dem Buch gehen wir zurück zu Otto dem Großen, über den die Autorin bereits in "Das Haupt der Welt" geschrieben hat.

Rebecca Gablé (geboren 1964) studierte Anglistik und Germanistik mit dem Schwerpunkt mittelalterlicher Literatur. Nachdem sie ihr Studium absolviert hatte, arbeitete sie ein Jahr lang als Dozentin für altenglische Literatur an der Universität in Düsseldorf. Inzwischen ist sie freie Autorin. 1996 erschien ihr Debütroman "Jagdfieber", welcher für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert wurde. Ein Jahr später erschien ihr erster historischen Roman "Das Lächeln der Fortuna" und wurde ein Bestseller. Seither sind acht weitere historische Romane erschienen. 2006 erhielt Rebecca Gablé für ihren Roman "Die Hüter der Rose" (ihrem zweiten Waringham Roman) den Sir-Walter-Scott-Preis.

Zum zweiten Mal führt uns Rebecca Gablé in das historische Deutschland zu Zeiten Ottos dem Großen. Gaidemar, ein Panzerreiter und ein Bastard mit königlichem Blut, wird nach Garda geschickt, um die italienische Königin Adelheid aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Es kommt wie es kommen muss und der Panzerreiter verliebt sich Hals über Kopf in die Königin. Doch diese heiratet König Otto und ist somit unerreichbar, vor allem für einen Bastard ohne Land und ohne Namen. Gaidemar wird zur Leibwache der Königin, Freund der Prinzen Liudolf und Wilhelm und gewinnt zunehmend an Ansehen. Aber er hat auch gefährliche Feinde, die ihm nach dem Leben trachten.

Rebecca Gablé ist wieder einmal ein gut recherchierter historischer Roman gelungen, wenngleich ich sagen muss, dass er an ihre bisherigen Werke nicht heran reicht. Zwar stürzt die Autorin den Leser wie gewohnt direkt hinein in die Handlung, allerdings gibt es so viele historische Fakten zu klären, dass die Geschichte zu Beginn noch etwas blass und trocken daher kommt. Wieder tauchen unheimlich viele Charaktere im Buch auf, sodass man manchmal Schwierigkeiten hat, alle im Blick zu behalten. Wer ist mit wem verwandt, wer wem treu ergeben, wer plant einen Verrat? Die Autorin musste sehr viele Fakten auf kleinem Raum zusammen bringen, sodass es manchmal zu einer knappen Aneinanderreihung der vielen Ereignisse kommt, welche etwas ermüdend auf mich wirkten. Aber was soll man sagen, auch so hat das Buch schon einen Umfang von über 750 Seiten. Da ist es bei den vielen Ereignissen zu jener Zeit nicht verwunderlich, dass die Unterhaltung etwas auf der Strecke bleibt.
Die Charaktere haben mir gut gefallen. Da die Geschichte aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven berichtet wird (Gaidemar, Adelheid, Liudolf…) blieb es leider aber auch nicht aus, dass die Protagonisten nicht wie von der Autorin sonst gewohnt tiefgängig sind. Sie bleiben teilweise blass, stehen am Rande als Beobachter der Geschehnisse. Ich hätte mir hier noch ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Ich konnte mich dennoch sehr gut in die verschiedenen Protagonisten hinein versetzen und fieberte dem einem mit, während ich dem anderen den Tod wünschte. Das muss man als Autor erst einmal schaffen! Besonders hat mir der Panzerreiter Gaidemar gefallen, der es nicht leicht in seinem Leben hat. Er kam auch nicht immer als Retter der Lage daher, sondern durfte auch seine dunkle Seite zeigen, welche für den Leser zum Teil schockierend ist, zur damaligen Zeit aber nicht ungewöhnlich. Somit haben wir hier zwar wieder einen typischen Gablé-Protagonisten, der treu, selbstlos, tapfer und ergeben ist. Gleichzeitig hebt er sich durch seine teilweise kaltblütige Art und Weise aber zu den früheren Protagonisten der Autorin ab.

Rebecca Gablés Schreibtstil ist wie gewohnt sehr verständlich, ohne dabei einfach zu wirken. Im Gegenteil, die Autorin bedient sich einer gehobenen Sprache, die für uns vielleicht manchmal etwas gestelzt wirkt, aber damit zur damaligen Zeit äußerst passend ist. Und das ist bei historischen Romanen sehr wichtig, um die Authentizität zu gewährleisten. Die Figuren müssen nicht nur wie zu jener Zeit handeln, sondern sollten sich auch in Wort und Geste danach gebaren. Das ist Frau Gablé wieder einmal gelungen.

Ein lesenswertes Buch, welches aber nicht ganz an ihrer vorherigen Bücher heran kommt. Wie dem auch sei, ich habe wieder einiges aus der deutschen Geschichte lernen können, ohne dabei langweilige Sekundärliteratur wälzen zu müssen. Das hat die Autorin übernommen und wieder einmal ein gut recherchiertes historisches Werk vorgelegt. Sie ist nicht umsonst eine meiner liebsten Autoren historischer Unterhaltungsliteratur.

Veröffentlicht am 25.03.2019

Die originelle Darstellung eines Menschenlebens

Hundert
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Der Weihnachtsmann hat mir bei seinem letzten Besuch ein einfallsreiches Buch mitgebracht. "Hundert – Was du im Leben lernen wirst" enthält viele Zeichnungen, versehen mit kurzen Texten über die Erkenntnisse ...

Der Weihnachtsmann hat mir bei seinem letzten Besuch ein einfallsreiches Buch mitgebracht. "Hundert – Was du im Leben lernen wirst" enthält viele Zeichnungen, versehen mit kurzen Texten über die Erkenntnisse die ein Mensch im Laufe seines Lebens (hier in Hundert Jahren) gewinnt. Ein Buch zum Durchblättern, zum Schmunzeln, zum Lachen. Welches dazu einlädt, über die Erkenntnisse des Lebens nachzudenken oder mit anderen generationsübergreifend darüber zu reden.

Die Autorin & der Illustrator:
Heike Faller ist Redakteurin beim "Zeit Magazin". Die Idee zu dem vorliegenden Buch kam ihr durch ihre beiden Nichten Paul und Lotta, als diese noch Babys waren. Später haben die beiden ihr sogar bei der Umsetzung dieses Buches geholfen. Für dieses Projekt hat sie mit jungen und alten Menschen gesprochen und die Erkenntnisse und Erfahrungen jener in kurze Texte gefasst.
Valerio Vidali ist ein italienischer Illustrator und lebt inzwischen in Berlin. Sein Werk ist vielfach preisgekrönt.

Inhalt:
In diesem Buch finden sich auf 208 Seiten die Verschiedensten Lebensphasen eines Menschen von der Geburt bis zum Tod durch Bilder und Texte dargestellt. Es geht um wichtige Themen, wie Freundschaft, Liebe, Hoffnungen und Träume, aber auch Ängste und den Tod.

Kritik und Fazit:
Die Zeichnungen sind eher minimalistisch gehalten. Hier finden sich kaum Details, aber das macht diese Bilder auch so vielseitig. Jeder wird sich hier selbst wiederfinden oder auch andere Menschen aus seinem Bekanntenkreis. Die Gesichter der Menschen sind nur angedeutet, haben weder Augen, noch Nase oder Mund. So werden sie nicht zu einem Individuum, sondern bleiben ein Kollektiv. Sie stellen eine Gruppe dar, zu welcher jeder Leser einen Zugang hat.

"Hundert – Was du im Leben lernen wirst" ist wohl eher ein Bilderbuch für Erwachsene mit einem Fable für Kinderbücher. Dennoch finden auch Kinder ihren Spaß daran. Am Besten entdeckt man dieses Buch gemeinsam mit seinen Kindern, seinen Freunden oder seinen Eltern. Es lädt dazu ein, sich selbst mit seine Erfahrungen auseinanderzusetzen oder mit anderen darüber zu reden. Jeder hat wohl etwas zu den verschiedenen Phasen zu erzählen, kann sie weiter ausführen oder reflektiert die eigenen Erlebnisse. Dieses Buch funktioniert generationsübergreifend und macht deutlich, was einem in den verschiedenen Phasen seines Lebens wirklich wichtig ist.

Veröffentlicht am 07.03.2019

Die aufwühlenden und emotionale Geschichte einer Schülerin

Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
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Dieses Buch handelt von einer Abiturientin, die ganz plötzlich in eine Spirale aus Angst und Depressionen stürzt. Ava Reed beschreibt in "Alles. Nichts. Und ganz viel Dazwischen" was es bedeutet an Depressionen ...

Dieses Buch handelt von einer Abiturientin, die ganz plötzlich in eine Spirale aus Angst und Depressionen stürzt. Ava Reed beschreibt in "Alles. Nichts. Und ganz viel Dazwischen" was es bedeutet an Depressionen und Panikattacken zu leiden und wie die Umwelt dies wahrnimmt. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit der Erkrankung zeichnet sie ein umfassendes Bild. So emotional dieses Thema ist, so sehr werden auch die Nerven des Leser strapaziert. Am Ende ist es aber ein wichtiges Thema, dessen sich viel zu selten auf diese Art und Weise angenommen wird.

Die Autorin:
Ava Reed ist eine wahre Buchliebhaberin. Ohne eine gute Lektüre verlässt sie nicht das Haus. Mit der Zeit entdeckte sie das Schreiben für sich und teilt ihre Gedanken auf ihrem Blog www.avareed.de. Beruflich ist sie in einem Verlag tätig. Weitere Jugendbücher von ihr: "Die Stille meiner Worte" und "Wie fliegen, wenn wir fallen".

Inhalt:
Leni ist ein ganz normales Mädchen, sie geht in die Schule, hat ihr letztes Jahr vor dem Abitur vor sich und schwärmt für einen Jungen. Doch von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Leni leidet an Panikattacken und es fällt ihr immer schwerer Freude an ihrem Leben zu finden. Sie zieht sich zurück und merkt, dass etwas nicht mit ihr stimmt. Sie bittet ihre Eltern um Hilfe und gemeinsam suchen sie einen Arzt, der ihr helfen kann. Leni fühlt sich leer, traurig und verängstigt. Sie versteht nicht, was mit ihr vor sich geht und weiß auch nicht, wie sie das Gefühl in ihr drin erklären soll.

Kritik und Fazit:
Schon das Cover ist unglaublich faszinierend. Es wirkt verzaubert, geheimnisvoll und durch die Düsternis auch etwas melancholisch. Was es mit den Lichtern auf sich hat, erfährt man im Buch.
Ich finde es toll, dass hier mal wieder ein Cover entstanden ist, welches voll und ganz auf die Geschichte abzielt und ein winziges und dennoch großes Detail darin verarbeitet.
Der Schutzumschlag ist hauptsächlich in Grüntönen gehalten, welche von düster bis hell variieren und hier auch die Hoffnung (grün ist ja bekanntlich die Farbe des Hoffnung) aber auch den Kampf um das Licht wunderbar widerspiegeln.
Der Einband ist in einem freundlichen Mintgrün gehalten und ein Lesebändchen ist zusätzlich integriert.

"Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen" ist ein tolles Buch, welches mich wahnsinnig berührt hat. Danach brauchte ich allerdings erst mal etwas leichtere Kost, denn die ganze Geschichte zerrte doch enorm an meinen Nerven. Ich war absolut ergriffen von der Beschreibung um Lenis seelischen Zustand.
Vor allen, weil die Krankheit völlig aus dem nichts heraus kam, dachte ich immer wieder an meine eigene Tochter, die so etwas ebenfalls erleiden könnte. Der Druck von außen auf unsere Kinder ist ziemlich stark umso wichtiger ist es, unsere Kinder für das Leben zu wappnen. Hier hätte ich mir vielleicht im Anhang einen kurzen Text darüber gewünscht, wie das gelingt, oder worauf man als Außenstehender achten sollte.

Zwischendurch finden sich immer wieder Tagebucheintragungen Lenis, die von der Autorin selbst gezeichnet und geschrieben wurden. Diese sind originell und lockern den Text ein wenig auf. Man kann hin und wieder etwas durchatmen und dennoch sind sie sehr emotional und intensivieren die Geschichte.
Leni trifft auf ihrem Weg Matti. Einen Jungen, der ganz andere Probleme mit sich herumschleppt und dennoch können die beiden sich gegenseitig helfen. Besonders hat mir der Umgang zwischen Matti und Leni gefallen und ich finde Matti einen ganz tollen Charakter und so wichtig für Leni. Ich hätte gerne noch mehr von den beiden gelesen.
Die Geschichte war für mich an einigen Stellen unvorhersehbar und somit wurde ich von Anfang bis Ende mitgerissen und konnte das Buch nur zur Seite legen, um eine Verschnaufpause zu haben.

Danke an die Autorin für diese einfühlsame Beschreibung einer schweren Krankheit mit all ihren Auswirkungen, aber auch mit den Lichtblicken gen Ende der Erzählung. Ich werde sicherlich noch weitere Bücher von Ava Reed lesen, "Die Stille meiner Worte" stand schon zuvor auf meiner Liste.