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Veröffentlicht am 23.02.2026

Ein Bilderbuch über Liebe, die bleibt

Das unsichtbare Band - über die unzertrennliche Verbindung zwischen geliebten Menschen
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Manche Bilderbücher erzählen Geschichten, die weit über das Vorlesen hinausreichen und Gespräche anstoßen, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen berühren. Diese besondere Wirkung entfaltet auch "Das ...

Manche Bilderbücher erzählen Geschichten, die weit über das Vorlesen hinausreichen und Gespräche anstoßen, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen berühren. Diese besondere Wirkung entfaltet auch "Das unsichtbare Band" – über die unzertrennliche Verbindung zwischen geliebten Menschen auf eindrucksvolle Weise. Das Buch greift ein Thema auf, das viele Familien beschäftigt: Nähe trotz Abstand, Verbundenheit trotz Trennung – und die Frage, wie Liebe spürbar bleibt, selbst wenn Menschen (gerade) nicht beieinander sind.

Die Autorin und die Illustratorin:

Patrice Karst ist Schriftstellerin und alleinerziehende Mutter. In den USA ist sie vor allem durch ihre Vorträge bekannt, die auf großes Interesse stoßen. Mit "The Invisible String" erreichte sie ein breites Publikum und war damit auch in zahlreichen Fernseh- und Radiosendungen zu Gast. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Sohn Elijah in Los Angeles, USA.

Joanne Lew-Vriethoff ist eine preisgekrönte Illustratorin die in Malaysia geboren wurde. Sie wuchs in Los Angeles und New York auf. Heute lebt und arbeitet sie zwischen Malaysia und Amsterdam. Sie studierte Illustration am Art Center College of Design in Pasadena und war zunächst in der Fernseh- und Werbebranche tätig, bevor sie sich ganz der Illustration von Kinderbüchern widmete. Sie gestaltet Bilderbücher, Kinder- und Jugendbücher sowie pädagogische Werke. Ihre Illustrationen verbinden Verspieltheit und Ausdrucksstärke mit Sensibilität und Wärme. Dabei widmet sie sich sowohl humorvollen als auch ernsten Themen und legt besonderen Wert darauf, schwierige Inhalte behutsam und kindgerecht umzusetzen. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt unter anderem die "Invisible String"-Reihe, die weltweit millionenfach verkauft und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.

Inhalt:

„Eine Mutter erzählt ihren Kindern, dass sie immer miteinander verbunden sind durch ein unsichtbares Band aus Liebe. Auch wenn du es nicht mit deinen Augen sehen kannst, kannst du es tief in deinem Herzen spüren und du weißt, dass du immer mit denen verbunden bist, die du liebst.

Hat jeder ein unsichtbares Band? Wie weit reicht es? Geht es jemals weg?

Dieses berührende Bilderbuch geht den Fragen nach den immateriellen, aber unauflöslichen Verbindungen zwischen uns nach und eröffnet tiefergehende Gespräche über die Liebe. Das Bilderbuch bietet auf fantasievolle Weise einen sehr einfachen Ansatz zur Überwindung von Einsamkeit, Trennung oder Verlust an. Imaginativ und kindgerecht vermittelt dieses Buch in diesen unsicheren Zeiten eine besonders überzeugende Botschaft, die Kinder leicht verstehen und annehmen können.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Bilderbuch:

Schon beim ersten Blick auf das Cover hatte ich das Gefühl, ein ganz besonderes Buch in den Händen zu halten. Es strahlt so viel Wärme und Zuwendung aus. Das goldene Band, das Mutter und Kinder umspielt, greift das zentrale Motiv der Geschichte sichtbar auf: Liebe als verbindende Kraft. Es vermittelt sofort Geborgenheit und lädt dazu ein, einen Moment innezuhalten.

Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Die große Schrift, die kurzen und klar verständlichen Sätze sowie die angenehm gestalteten, nicht überladenen Seiten machen das Vorlesen sehr entspannt. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass genug Raum bleibt – Raum zum Nachdenken, zum Innehalten und dafür, dass Gedanken und Eindrücke einfach ein wenig nachwirken dürfen.

Die Illustrationen sind liebevoll gestaltet und greifen die sensible Thematik sehr passend auf. Insgesamt wirken sie ruhig und harmonisch, doch immer wieder sorgen auch bunte, lebendige Farbakzente für kleine Lichtmomente. Diese Mischung gefällt mir besonders gut: Die Bilder geben der Geschichte einen sanften Rahmen, bringen aber zugleich Wärme und Lebendigkeit hinein. Für mich unterstreichen sie die Botschaft des Buches auf sehr stimmige Weise.

Inhaltlich zieht sich das Bild des unsichtbaren Bandes aus Liebe durch das gesamte Buch. Es steht für die Verbindung zwischen Menschen, die sich nahestehen – jederzeit und unabhängig von Entfernung. Die Mutter erklärt ihren Kindern behutsam, was dieses Band bedeutet und wie weit es reicht – sogar über den Tod hinaus. Ich finde, diese Bildsprache hilft dabei, mit Kindern über Nähe, Trennung oder auch Verlust zu sprechen – und gleichzeitig Sicherheit zu vermitteln.

Fazit:

"Das unsichtbare Band" ist ein warmherziges, einfühlsames Bilderbuch, das Kindern auf verständliche Weise ein Gefühl von Verbundenheit und Geborgenheit vermittelt. Die klare Sprache, die sanften Illustrationen und die starke symbolische Botschaft machen es zu einem wertvollen Begleiter – sowohl im (Familien)Alltag als auch in sensiblen Lebenssituationen. Gerade in Momenten von Trennung, Abschied oder Trauer kann es Trost spenden und Kindern die Sicherheit geben, dass Liebe bleibt – ob ein vertrauter Mensch nur für den Moment, eine kleine Weile nicht greifbar ist oder für immer fehlt.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Wenn Frauen die Geschichtsschreiberinnen wären…

Die Frau als Mensch
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Da Geschichte größtenteils von Männern geschrieben wurde, ist unser Blick auf die Vergangenheit stark männlich geprägt. Doch jüngste Forschungen zeigen, dass vieles, was lange als typisch männlich galt ...

Da Geschichte größtenteils von Männern geschrieben wurde, ist unser Blick auf die Vergangenheit stark männlich geprägt. Doch jüngste Forschungen zeigen, dass vieles, was lange als typisch männlich galt – etwa bestimmte Skelette und die daraus abgeleiteten Berufe früherer Menschen –, häufig weiblich war. Dadurch verändert sich unser Verständnis der Geschichte grundlegend. Es stellt sich die Frage: Wie groß war der Einfluss von Frauen seit Anbeginn der Menschheit auf Gesellschaft und Zusammenleben? Wann und wieso verschob sich dieses Gleichgewicht? Genau mit diesen Fragen setzt sich Ulli Lust in ihrem Sachcomic auseinander. Auf anschauliche Weise zeigt sie, was in der Vergangenheit häufig aus einer männlich geprägten Perspektive interpretiert – und mitunter fehlgedeutet – wurde.

Die Autorin und Illustratorin:

Ulli Lust (geboren 1967) ist eine österreichische Comiczeichnerin sowie Illustratorin. Ihr Comic Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“ (erschienen im avant-verlag) erhielt international viel Aufmerksamkeit und wurde mit dem Ignatz Award sowie dem Los Angeles Times Book Award ausgezeichnet. Sie illustrierte außerdem "Flughunde" (nach dem Roman von Marcel Beyer) und "Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein". 2025 erschien ihr Sachcomic "Die Frau als Mensch: Am Anfang der Geschichte". Als erster Comic überhaupt wurde er mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. 2026 erscheint der Folgeband "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen". Ulli Lust unterrichtet außerdem Zeichnung und Comic an der Hochschule Hannover.


Inhalt:

„Stolze Hüften aus Knochen, Stein, gebranntem Ton. Wir nennen sie Göttinnen, doch wer oder was waren sie wirklich?
In Büchern über die Steinzeit sehen wir vorrangig Männer beim Jagen, Feuerstein schlagen oder Höhlen bemalen. Die meisten Menschenbilder aber, die uns von Eiszeitmenschen selbst hinterlassen wurden, zeigen Frauen. Was waren das für Gesellschaften, die sie und ihr Geschlecht so zentral und ohne Scham darstellten?
Nach Jahren der Recherche kehrt Ulli Lust zurück mit ihrem groß angelegten Sachcomic über die Anfänge der Kunst und die Bedeutung der Empathie für das Überleben unserer Spezies: Rund um die archaisch-weiblichen Figurinen entfaltet sich eine vergessene Welt, in der die Heldenreise Gruppensache war, die nur gemeinsam bestanden werden konnte, von Frauen, Männern, Kindern oder auch nichtbinären Menschen in mitunter reich geschmückter Rolle.“
(Produktbeschreibung)

Gedanken zum Sachcomic:

Das Cover zeigt die abstrakte Darstellung einer Vulva und setzt setzt damit bereits visuell den Schwerpunkt auf die Weiblichkeit. Zusätzlich sind zwei Frauen aus der Eiszeit dargestellt, von denen eine ein Kind auf dem Rücken trägt. gemeinsam scheinen sie in die Tiefen einer Höhle zu steigen.

Das Sachcomic besticht durch seine zahlreichen detailreichen Zeichnungen und einer Mischung aus Bildern von archäologischen Artefakten, szenischen Darstellungen der behandelten Themen und eingestreuten Comicsequenzen, die das Leben der Frauen näher beleuchten.

Im Mittelteil hatte ich jedoch über längere Strecken den Eindruck, dass der Fokus auf die Frauen etwas verloren geht. Das mag allerdings auch daran liegen, dass aus diesen frühen Epochen nur begrenzt gesicherte Erkenntnisse vorliegen und vieles interpretiert oder rekonstruiert werden muss.

Das rund 250 Seiten starke Werk ist in zwölf Kapitel gegliedert: Die Scham, Sozialverhalten bei Menschenaffen, Töchter und Söhne der ersten Menschen, Heute ist alles anders, Eine Schlange im Paradies, Die Menschenfarbe, Kaltes Grasland, Die ersten Bildhauer:innen, Menschenknochen, Mammutmütter, Jägerinnen und Jäger, Gezeiten. Ein ausführlicher Anhang mit Anmerkungen ergänzt den Band.

Immer wieder schlägt die Autorin den Bogen in die Gegenwart und zieht Vergleiche zur heutigen Wahrnehmung von Scham, zum Umgang mit Menstruation oder zu Geschlechterrollen im Zusammenleben. So entsteht ein vielschichtiges Bild vergangener Kulturen. Der Band vereint Sachbuch (Biologie, Archäologie, Geschichtswissenschaft, Feminismus, Soziologie), Graphic Novel und Nachschlagewerk, wie man es in Museen erwerben kann. Die enge Verflechtung von Text und Bild macht die Lektüre anspruchsvoll, aber auch erkenntnisreich. Die Illustrationen laden dazu ein, genauer hinzusehen und eigene Hypothesen zu entwickeln.

Fazit:

"Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte" ist ein detailreiches und informatives Sachcomic, welches sich intensiv mit der Stellung und Rolle der Frau in Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzt. Die vielfältigen Illustrationen und der umfangreiche Text eröffnen den Leser:innen eine neue Perspektive auf Geschichte, die lange übersehen wurde, und beleuchten eindrucksvoll die Komplexität von Weiblichkeit und gesellschaftlicher Entwicklung. Demnächst erscheint der zweite Teil der Reihe. "Die Frau als Mensch – Schamaninnen" erforscht die Rolle der Frau in der menschlichen Kunst- und Kulturgeschichte.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Ein persönlicher Einblick, wie Rechtsextremismus Familien zerstört

Meine Familie, die AfD und ich
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Wieder möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, welches ich auf der Frankfurter Buchmesse entdeckt habe: "Meine Familie, die AfD und ich. Wie Rechtsextremismus uns entzweit – und wie wir dagegenhalten" ...

Wieder möchte ich euch ein Buch ans Herz legen, welches ich auf der Frankfurter Buchmesse entdeckt habe: "Meine Familie, die AfD und ich. Wie Rechtsextremismus uns entzweit – und wie wir dagegenhalten" von Leonie Plaar.
Es ist die berührende Erzählung einer Frau, die mit ihrer Familie brach, weil diese sich zunehmend dem Rechtsextremismus und der Alternative für Deutschland (AfD) zuwandte – und dabei sogar die Rechte und das Wohlbefinden des eigenen Kindes hintanstellte.
Als das Buch bei mir eintraf, wurde mir bewusst, dass ich der Autorin schon seit einiger Zeit auf Instagram folgte. Mit ihren aufklärenden, klugen und präzise formulierten Beiträgen hat sie sich dort eine große Reichweite aufgebaut. Trotz des schmerzhaften Bruchs mit ihrer Familie setzt sie sich weiterhin für ein positives, offenes und solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft ein.

Zitat: „Die AfD hat also gar kein Interesse daran, die Probleme der Menschen zu lösen, denn zufriedene Menschen wählen keine Nazis.“ (Leonie Plaar: Meine Familie, die AfD und ich. Seite 28)

Die Autorin:

Leonie Plaar (geboren 1992) studierte Englisch, Geschichte und American Studies, ergänzt durch ein Zertifikat in Geschlechterforschung. Unter dem Namen @frauloewenherz.de ist sie online präsent und widmet sich historischen Themen, Queerness und Feminismus. Darüber hinaus arbeitet sie als freie Journalistin und berät Redaktionen, Unternehmen sowie Museen.

Inhalt:

„Leonie ist queer, politische Aktivistin, Historikerin – und Tochter eines AfD-Mitglieds. Bis sie den Kontakt zu den meisten ihrer Verwandten abbrach, hatte sie einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDlerWählerinnen, die dachten, sie wären unter sich. In den Diskussionen rund um das Erstarken der Neuen Rechten vergessen wir manchmal, dass die politischen Gräben sich auch durch Familien ziehen. Am Küchentischen, beim Grillabend oder unterm Weihnachtsbaum finden die wirklich entscheidendenn Gespräche statt, denn hier werden werte, parolen und Verschwörungstheorien vor dem Hintergrund familiärer Beziehungen verhandelt. Leonie macht die Radikalisierung deb AfD und ihrer Mitglieder in den letzten Jahren entlang ihrer persönlichen Familiengeschichte nachvollziehbar. Eine kluge Gesellschaftsanalyse und gleichzeitig die berührende Erzählung eines familiären Bruchs.“ (Klappentext)

Gedanken zur Autobiografie:

Das Cover spiegelt die Dunkelheit wider, die Plaars Jugend prägte: Vor schwarzem Hintergrund ist ihr Porträt zu sehen, der Titel hebt sich in weißen Lettern deutlich ab. Rosa Akzente – etwa beim Namen der Autorin und der Einordnung als Historikerin und Aktivistin – setzen bewusste Kontraste. Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass es sich um ein ernstes, autobiografisches Werk handelt.

Das Buch umfasst 13 Kapitel sowie ein Vorwort, einen Prolog und Anmerkungen. Elf der dreizehn Kapitel tragen typische Phrasen von AfD-Wähler:innen als Überschrift. Plaar geht deren Ursprüngen auf den Grund, analysiert sie und versucht, sie argumentativ zu widerlegen – auch im persönlichen Ringen mit ihrer eigenen Familie. Es geht um finanzielle Interessen, Diskriminierung, Queerfeindlichkeit, den sogenannten „Schuldkult“, Rechtsextremismus und immer wieder um die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, den sie konsequent als ihren „Erzeuger“ bezeichnet.

Zitat: „Ich bin rückblickend immer noch verblüfft darüber, dass ich so lange um die Beziehung zu Menschen gekämpft habe, die vielleicht nur selten ein positives Wort über mich verloren, sobald ich den Raum verlassen hatte. […] Du kannst dich schwerer für andere einsetzen, wenn du selbst keine Luft bekommst.“ (Leonie Plaar: Meine Familie, die AfD und ich. Seite 56-57)

Bereits mit 15 Jahren outete sich Plaar. Ihre Familie betrachtete dies offenbar als Phase. Heute lebt sie offen queer – doch trotz der queerfeindlichen Politik der AfD wandte sich ihre Familie nicht von der Partei ab. Eigene (vermeintliche) Interessen wurden höher gewichtet als das Wohl des eigenen Kindes – obwohl diese Interessen von der Partei letztlich nicht einmal vertreten werden. Lediglich die Mutter distanzierte sich von der AfD, blieb jedoch im familiären Gefüge, sodass sie für Plaar keine verlässliche Vertrauensperson mehr sein konnte.

Besonders ergreifend ist die emotionale Last, die auf der Autorin ruhte. Gleichzeitig ist es erschreckend zu lesen, was manche Wähler:nnen bereit sind in Kauf zu nehmen, um sich vermeintlich sicher zu fühlen. Plaar beschreibt die Rhetorik von AfD-Sympathisant:innen und zeigt Wege auf, wie man Hass und Hetze argumentativ begegnen kann. Zugleich macht sie deutlich, dass nicht jeder Konflikt lösbar ist – und dass Selbstschutz manchmal bedeutet, Abstand zu nehmen. Mit ihrer Offenheit macht sie anderen Betroffenen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen.

Zitat: „Geduld ist ein Luxus derer, die vom Hass der Rechtsextremen nichts zu befürchten haben.“ (Leonie Plaar: Meine Familie, die AfD und ich. Seite 183)

Fazit:

"Meine Familie, die AfD und ich" ist der erschütternde Bericht einer Frau, die bereits im Kindesalter mit rechtsextremen Parolen konfrontiert wurde. Über Jahre hinweg versuchte sie, ihre Familie zur Vernunft zu bringen – bis sie erkennen musste, dass sie für ihr eigenes Wohl Abstand von ihrer biologischen Verwandtschaft nehmen musste. Diese schmerzhafte Erfahrung hat sie zu einer starken, reflektierten und durchsetzungsfähigen Persönlichkeit gemacht. Heute kämpft sie auf andere Weise gegen Rechtsextremismus – mit Aufklärung, Analyse und persönlicher Haltung.

Ein wichtiges, bewegendes und hochaktuelles Buch.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Die Schattenseiten von Ruhm und Glamour

Aber so bin ich
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Dass Luca Tortolini und Marco Somà ein super Team sind, haben sie bereits mit dem Buch "Wer weiß, was Glück ist?" gezeigt. Bereits zuvor haben sie ein Buch gemeinsam erschaffen, worauf ich erst vor kurzen ...

Dass Luca Tortolini und Marco Somà ein super Team sind, haben sie bereits mit dem Buch "Wer weiß, was Glück ist?" gezeigt. Bereits zuvor haben sie ein Buch gemeinsam erschaffen, worauf ich erst vor kurzen gestoßen bin. "Aber so bin ich" ist ein Bilderbuch über gesellschaftliche Erwartungen und den Ausbruch aus festgefahrenen Situationen. Nicht die Arbeit ist das, wofür man Leben sollte, sondern sein eigenes Glück und Wohlbefinden.

Der Autor und der Illustrator:

Luca Tortolini lebt in einer kleinen Gemeinde in Italien. Er ist Schriftsteller sowie Drehbuchautor. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit beschäftigt er sich mit Bildung und Leseförderung.

Marco Somà studierte Malerei und Illustration. Danach unterrichtete er Techniken der Malerei und Comiczeichnung an einer italienischen Kunsthochschule. Nun arbeitet er freiberuflich als Illustrator.

Inhalt:

„Der Affe lebt als Filmstar in einer großen Stadt. Geld, Ansehen und Bewunderer hat er reichlich. Aber was ihm fehlt, sind wahre Freunde, seine Familie und all die kleinen Dinge, die er in seiner Heimat unbedacht tun konnte, doch die nun in der städtischen Welt keinen Platz mehr haben. Und so macht er das einzig Richtige: Er lässt den ganzen Ruhm hinter sich und kehrt in seine Heimat zurück – dort kann er endlich wieder ganz er selbst sein. Die Geschichte erzählt davon, welch unschätzbaren Wert es hat, wenn man fernab von gesellschaftlichen Erwartungen seinen ganz eigenen Sinn im Leben gefunden hat.“ (Produktbescheibung)

Gedanken zum Bilderbuch:

Das Cover ist in gedeckten Brauntönen gehalten, mit einzelnen Akzenten in Blau und Rot.Es zeigt den Hauptprotagonisten des Buches – einen Affen, vollständig in Menschenkleidung gehüllt – der auf einem Sofa sitzt und Zeitung liest. Die Schlagzeile handelt von King Kong. Der Hintergrund wirkt ursprünglich, wild und dschungelähnlich. Bereits hier werden die zentralen Aspekte – der Verlust der Heimat und das Leben als Superstar – eindrucksvoll dargestellt.

Luca Tortolini beginnt damit, die Geschichte des Affen zu erzählen. Zunächst beschreibt er, wie es dem Affen im Rampenlicht ergeht: was er alles ertragen muss, dass er keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann und sein Management sein Leben bestimmt. Dann erinnert sich der Affe an seine Anfänge – an das Leben mit seiner Familie im Urwald, bevor er von dort weggelockt und in die vermeintlich glanzvolle Welt Hollywoods gebracht wird. Doch hier ist mehr Schein als Sein. Nichts ist, wie es nach außen dargestellt wird.

Begleitet wird die Geschichte von zauberhaften Illustrationen, die mit zahlreichen Details und fantasievollen Umsetzungen überzeugen. Auch die Farbgebung, die sich bereits auf dem Cover zeigt, ist stimmig und einzigartig. Der Weg des Affen – vom traurigen Hollywoodstar zum glücklichen Affen in seiner Heimat – spiegelt sich deutlich in den Bildern wider.

Schon die jüngsten Leserinnen und Leser werden hier behutsam darauf aufmerksam gemacht, dass vieles, was in den Medien erzählt wird, wenig mit dem wahren Leben zu tun hat. Dass berühmte Menschen nicht zwangsläufig ein erfüllteres Leben führen als „wir Normalos“ – wie man vielleicht vermuten könnte – und dass Erfolg und Reichtum auch große Schattenseiten mit sich bringen. Manchmal ist der einzig richtige Schritt der zurück zu den eigenen Wurzeln, um das Leben wieder genießen zu können.

Man kann sogar einen weiteren Interpretationsansatz erkennen und Parallelen zum Thema Ausbeutung ziehen. Der Affe wird entwurzelt, um für die Belange der Menschen zu leben, für sie zu arbeiten und das zu tun, was sie von ihm verlangen.

Fazit:

"Aber so bin ich" ist ein ganz besonderes Bilderbuch, das vom Verlag ab 3 Jahren empfohlen wird, jedoch definitiv auch für ältere Kinder und Erwachsene geeignet ist. Es behandelt auf tiefgründige Weise das Leben der Stars mit all seinen Höhen – und noch mehr Tiefen. Letztlich geht es darum, zu erkennen, was für einen selbst wirklich wichtig ist, was uns glücklich macht, und den Mut zu finden, den eigenen Weg zu gehen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Cool sein mit Herz

Die coole Bohne
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Manche Bilderbücher schaffen es, Kinder sofort zum Schmunzeln zu bringen – und Erwachsene gleichzeitig zum Nachdenken. "Die coole Bohne" von Jory John und Pete Oswald gehört genau in diese Kategorie. Wir ...

Manche Bilderbücher schaffen es, Kinder sofort zum Schmunzeln zu bringen – und Erwachsene gleichzeitig zum Nachdenken. "Die coole Bohne" von Jory John und Pete Oswald gehört genau in diese Kategorie. Wir kennen das Erfolgsduo bereits von anderen Titeln der Reihe, die wir auf unserem Blog schon vorgestellt haben – und bei uns zu Hause sind die Bücher längst echte Lieblingsbegleiter. Umso größer war die Freude, nun auch die Welt der coolen Bohne(n) zu entdecken und zu schauen, welche Botschaft dieses Geschichte bereithält.

Der Autor und der Illustrator:

Jory John ist ein New York Times Bestsellerautor für Kinder- und Jugendbücher. Er schreibt außerdem auch Bücher für Erwachsene und hat mit seinen Werken zahlreiche staatliche Buchpreise in den USA gewonnen. Er hat für diverse namhafte Zeitungen und Online-Portale geschrieben und war für sechs Jahre Programmleiter für 826 Valencia, ein Nonprofit Schreib- und Bildungscenter, das von Dave Eggers – einem bekannten, amerikanischen Schriftsteller – gegründet wurde.

Pete Oswald ist ein New York Times Bestellerillustrator und mit dem Annie Award nominierter Motion Designer. Neben seiner Arbeit als Illustrator für Kinder- und Jugendbücher, ist er außerdem auch für die Filmreihe Angry Birds bekannt, sowie den Oscar®-nominierten Film ParaNorman. Er ist ein leidenschaftlicher Maler und somit auch im Bereich der Bildenden Kunst aktiv. In der Pop-up-Galerieausstellung Pacific Abstract stellte er eine Sammlung von Gemälden aus, die von der kalifornischen Küste inspiriert sind.

Inhalt:

„Jeder kennt die coolen Bohnen. Sie sind sooooo cool. Und dann ist da die uncoole Bohne, die nicht dazu gehört… Immer an der Seitenlinie, versucht diese eine Bohne alles, um sich in die Gruppe einzufügen, doch ohne Erfolg – bis die coolen Bohnen ihr eines Tages zeigen, wie es gemacht wird.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zum Bilderbuch:

Auf dem Cover begrüßt uns eine Bohne, die gleichzeitig freundlich und richtig pfiffig aussieht – mit großen Augen und einem schelmischen Gesichtsausdruck. Im Hintergrund erkennt man einen Schulhof, was darauf hindeutet, dass es hier um typische Alltagssituationen geht, die viele Kinder kennen: dazugehören, bewundert werden und den eigenen Platz in einer Gruppe finden. Insgesamt wirkt das Cover verspielt und humorvoll, sodass man direkt Lust bekommt, aufzuschlagen und loszulesen.

In der Geschichte geht es um die „coolen Bohnen“ in der Schule – Bohnen, die jeder kennt und bewundert. Früher gehörte unsere kleine Bohne noch ganz selbstverständlich dazu, doch mit der Zeit verändert sich etwas: Die anderen wirken immer lässiger und souveräner, während sie sich selbst zunehmend unbeholfen und uncool fühlt. Die innere Kritik wird lauter und das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören, immer stärker. Also versucht sie alles, um endlich auch wieder cool zu sein – doch nichts klappt so richtig und das Selbstvertrauen sinkt immer weiter. Besonders schön finde ich dabei, wie die Geschichte die Perspektive kippt: Als die kleine Bohne einen richtig miesen Tag erwischt, sind es ausgerechnet die „Coolen“, die helfen – ganz selbstverständlich und in verschiedenen Alltagssituationen. Der Wendepunkt zeigt eindrucksvoll, dass Coolness nichts mit Überheblichkeit zu tun hat. Durch die Unterstützung gewinnt die kleine Bohne neuen Mut und fühlt sich wieder als Teil der Gruppe. Dadurch entsteht ein starker Aha-Moment: Vielleicht bedeutet cool sein gar nicht, perfekt auszusehen oder bewundert zu werden – vielleicht ist es viel cooler, freundlich zu sein, anderen beizustehen und niemanden stehen zu lassen.

Was ich an dem Schreibstil des Autors mag (auch schon bei seinen anderen Büchern): Jory John erzählt die Geschichte mit viel Tempo, Witz und einem feinen Gespür für kindliche Gedanken. Die Sätze sind kurz und pointiert und wirken beim Vorlesen richtig lebendig. Besonders angenehm finde ich, dass der Ton nie belehrend wirkt, sondern warmherzig und augenzwinkernd bleibt – so nimmt das Buch Kinder ernst und vermittelt seine Botschaft ganz nebenbei, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen.

Und dann sind da natürlich die Illustrationen von Pete Oswald: farbenfroh, voller Energie und mit diesen typisch witzigen Details, die man oft erst beim zweiten oder dritten Durchblättern vollständig wahrnimmt. Die ausdrucksstarke Mimik der Bohnen, die kleinen Gags am Rand und die vielen liebevollen Mini-Anspielungen machen das Bilderbuch zu einem echten Hingucker. Besonders schön ist, dass die Bilder nicht nur die Handlung begleiten, sondern die Geschichte mit viel Humor erweitern. (Und ja: Die „Ray-Bean“-Spielerei ist herrlich und sorgt garantiert auch bei Vorlesenden für ein Grinsen.)

Fazit:

"Die coole Bohne" ist ein warmherziges, sehr lustiges Bilderbuch ab 3 Jahren, das auf kindgerechte Weise zeigt, wie schnell man sich selbst kleinreden kann – und dass echte Coolness nichts mit Auftreten, sondern viel mit Herz zu tun hat. Für uns reiht sich der Band nahtlos in die großartige Reihe ein: stark erzählt, wunderbar illustriert und mit einer Botschaft, die im Kita- und Grundschulalltag absolut relevant ist. Ein echtes Wohlfühlbuch mit Mehrwert – und für uns gesellt sich damit ein weiterer starker Band/Buch zu unserer Lieblingsreihe.

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