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Veröffentlicht am 17.07.2026

Wenn der Alltag zu schwer wird und Mitbewohner einfach davonschweben

Drifting
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Mit ihrem Comic entführt uns Madita Schwenke in eine Wohngemeinschaft, in der die Flucht vor alltäglichen Auseinandersetzungen eine ganz neue, fast magische Bedeutung bekommt. Die Geschichte rund um die ...

Mit ihrem Comic entführt uns Madita Schwenke in eine Wohngemeinschaft, in der die Flucht vor alltäglichen Auseinandersetzungen eine ganz neue, fast magische Bedeutung bekommt. Die Geschichte rund um die liebenswerte Annie und ihren schwebenden Mitbewohner zieht einen sofort durch ihre ganz besondere, melancholische Ästhetik in den Bann. Schon das stimmungsvolle Cover deutet an, dass uns hier eine feinsinnige Erzählung über die großen und kleinen Fluchtversuche des Lebens erwartet.

Die Autorin und Illustratorin:

Madita Schwenke (1996 geboren) studierte Kommunikationsdesign in Potsdam und Illustration in Hamburg. In ihrer Wahlheimat Hamburg arbeitet sie heute als Gestalterin und Comiczeichnerin. Mit ihrem lockeren Strich schafft sie es, die Lebenswelt ihrer Protagonist:innen glaubhaft zu erzählen. Ihre Geschichten besitzen dabei eine Magie, die das Publikum fast an fliegende Menschen glauben lässt.

Inhalt:

Nach ihrem Einzug in eine neue WG stellt Annie fest, dass einer ihrer Mitbewohner eine höchst bizarre Angewohnheit besitzt. Anstatt aus der Tür zu gehen, steigt er kurzerhand aus dem Fenster und schwebt einfach in den Himmel davon. Als sich die Situation im WG-Alltag zuspitzt, beschließt Annie, dem rätselhaften Phänomen auf den Grund zu gehen und stellt schnell fest, dass sie ihrem Mitbewohner ähnlicher ist, als es den Anschein erweckte.

Gedanken zum Comic:

Das Cover fängt die magisch-realistische Stimmung des Comics perfekt ein. Am oberen Rand baumeln Füße im Leeren – ein wunderbar zweideutiges Bild, bei dem man sich unwillkürlich fragt, ob sie von einem Baum herabhängen oder direkt aus den Wolken ragen. Darunter läuft Annie, deren Blick nach oben gerichtet ist; in ihrem Gesicht mischt sich ungläubiges Staunen mit einer besorgten, fast schon detektivischen Neugier. Das gesamte Design ist in atmosphärischen, melancholischen Blautönen gehalten, während der Titel selbst wie aus flüchtigem Dampf oder einer Wolkenansammlung geformt wirkt.

Beim Aufschlagen setzt sich das blau-weiße Farbschema mit den schwarzen Konturen vom Cover fort, auch wenn die Zeichnungen im Innenteil ein Stück weit rudimentärer und dunkler wirken. Man fliegt förmlich durch die Seiten, weil die Bilder auch ohne viele Worte eine enorme Dynamik entwickeln und die Geschichte fast von alleine tragen. Besonders stark fand ich dabei die Mimik der Protagonist:innen, denn die Emotionen sind so deutlich in die Gesichter gezeichnet, dass man sofort mitfühlt.

Gleichzeitig ertappt man sich beim Lesen immer wieder bei der Frage, was genau eigentlich der Knackpunkt der Geschichte sein soll. Im Grunde geht es um die alltägliche Kunst des Ausweichens – um diesen tiefen Wunsch, Konfrontationen und Verantwortung einfach mal gepflegt aus dem Weg zu gehen. Das ist ein unglaublich starkes Motiv, allerdings muss man sich als Leser:in doch recht vieles selbst erschließen. Hin und wieder waren für mich auch die erzählerischen Sprünge schwer einzuordnen. Es gibt Rückblicke in Annies eigene Vergangenheit, die zeigen, dass sie scheinbar mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen hatte wie ihr schwebender Mitbewohner, hier hätte ich mir einfach eine klarere Kennzeichnung gewünscht.

Generell hätte die Geschichte für meinen Geschmack viel umfangreicher sein dürfen. Als ich das Buch beendet hatte, fühlte ich mich fast ein bisschen betrogen, weil ich einfach noch viel tiefer in diese Welt hätte eintauchen wollen und das Gefühl hatte, dass da noch so viel mehr drinsteckt. Alles in allem greift der Comic aber ein wichtiges Thema auf, dem viel mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Schließlich ist dieses Ausweichen und Verdrücken das reale Verhalten von sehr vielen Menschen, die im Alltag oft einfach keine Kraft mehr für die nächste harte Auseinandersetzung haben, weil das Leben an sich schon anstrengend genug ist.

Fazit:

Am Ende bleibt ein Comic, der trotz seiner Kürze und mancher erzählerischer Stolpersteine noch lange im Kopf nachhallt. Madita Schwenke schafft es mit ihren dynamischen, blau-weißen Bildern, ein zutiefst menschliches Gefühl spürbar zu machen, das viele von uns nur zu gut kennen. Auch wenn man sich manchmal etwas mehr Tiefe und Raum für die Geschichte gewünscht hätte, ist dieses Werk ein wunderschöner und empathischer Blick auf die Erschöpfung unserer Zeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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Veröffentlicht am 15.07.2026

Hexenkrams, Familienchaos und eine Heldin mit eigenem Kopf

Hexenkram: Grüna
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Manchmal erwarten Eltern etwas von ihren Kindern, das gar nicht zu ihnen passt. Genau damit muss sich Grüna auseinandersetzen. Sie stammt aus einer Hexenfamilie, hat aber ganz eigene Vorstellungen davon, ...

Manchmal erwarten Eltern etwas von ihren Kindern, das gar nicht zu ihnen passt. Genau damit muss sich Grüna auseinandersetzen. Sie stammt aus einer Hexenfamilie, hat aber ganz eigene Vorstellungen davon, wer sie sein möchte. Der Comic verbindet magische Elemente mit alltäglichen Familienthemen und erzählt dabei von Erwartungen, Eigenwillen und dem Wunsch, den eigenen Weg zu finden.

Die Autorin und die Illustratorin:

Marie Desplechin wurde 1959 in Frankreich geboren und studierte Literatur sowie Journalismus. Sie hat zahlreiche Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Ihr mehrfach ausgezeichneter Jugendroman Verte erschien erstmals 1996 und diente als Vorlage für die Comic-Adaption Grüna. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist Marie Desplechin auch journalistisch tätig und schreibt Drehbücher.

Magali Le Huche wurde 1979 in Paris geboren. Nach ihrem Studium an der Kunsthochschule in Straßburg illustrierte sie direkt ihre ersten beiden Bilderbücher. Seitdem sind viele weitere Werke entstanden. Heute arbeitet sie für verschiedene Kinderbuchverlage sowie Zeitschriften und lebt in Paris.

Inhalt:

Mit elf Jahren müsste Grüna eigentlich längst erste Hexenfähigkeiten zeigen. Doch davon ist bei ihr kaum etwas zu merken. Im Gegenteil: Grüna möchte lieber ein ganz normales Mädchen sein und interessiert sich viel mehr für die Jungen aus ihrer Klasse als für Kräuter, Zauberei und Hexenwissen. Selbst den Zaubertrank, den ihre Mutter zu Hause anrührt, um den Hund der Nachbarn zu vergiften, bezeichnet Grüna nur als „Suppe“. Für ihre Mutter ist das ein echter Schock, denn sie findet es wichtig, dass eine Hexe ihr Wissen an ihre Tochter weitergibt. Weil sie nicht mehr weiterweiß, schickt sie Grüna einmal in der Woche zu ihrer Großmutter. Diese soll ihr die Grundlagen der Hexerei beibringen. Schon nach der ersten Unterrichtsstunde zeigen sich erstaunliche Ergebnisse, die Grünas Mutter sogar übertreffen — vielleicht sogar mehr, als ihr lieb ist.

Gedanken zum Kindercomic:

Schon das Titelbild macht neugierig auf den Comic. Es wirkt verspielt, verwunschen und mit viel Liebe zum Detail gestaltet – genau wie die Illustrationen im Inneren des Buches. Zwischen den vielen Pflanzen, kleinen Hexendetails und ungewöhnlichen Figuren gibt es einiges zu entdecken. Grüna steht neben Soufi selbstbewusst im Mittelpunkt, während ihre Mutter und Großmutter schon auf dem Cover sehr unterschiedlich wirken. Dadurch bekommt man direkt einen ersten Eindruck davon, dass es hier nicht nur um Hexerei geht, sondern auch um Familie, eigene Wünsche und darum, seinen Platz zu finden.

Die Geschichte hat mir gut gefallen, weil sie nicht einfach nur ein magisches Abenteuer erzählt. Hinter dem ganzen Hexenkrams steckt ein sehr alltägliches Thema: Grüna möchte selbst entscheiden, wer sie sein will. Ihre Mutter versucht dagegen, sie in eine Rolle zu drängen, die Grüna gar nicht ausfüllen möchte. Das sorgt für viele Konflikte, aber auch für Momente, die einen zum Schmunzeln bringen, weil manche Situationen ziemlich überspitzt wirken.

Grüna ist eine starke Hauptfigur. Sie weiß genau, was sie möchte und was nicht. Besonders schön finde ich, dass sie nicht einfach angepasst erscheint, sondern ihren eigenen Weg sucht. Ihre Mutter wirkt dagegen oft streng, abweisend und wenig verständnisvoll. Gerade weil sie eigentlich eine Vorbildrolle haben sollte, ist ihr Verhalten manchmal schwierig. Umso wohltuender ist die Großmutter, die viel liebevoller, gelassener und offener mit Grüna umgeht. Sie bringt frischen Wind in die Geschichte und nimmt Grüna so an, wie sie ist.

Die Sprache passt gut zu einem Comic für Kinder. Durch die Sprechblasen und die eher kurzen Texte lässt sich die Geschichte leicht lesen. Der Schreibstil ist direkt, lebendig und humorvoll. An manchen Stellen ist die Sprache etwas derber, vor allem bei Grünas Mutter. Das passt zwar zu ihrer aufbrausenden Art, macht aber auch deutlich, dass sie ihrer Tochter gegenüber nicht immer besonders feinfühlig ist. Insgesamt liest sich der Comic schnell und unterhaltsam, ohne oberflächlich zu wirken.

Auch die Illustrationen von Magali Le Huche tragen viel zur Wirkung bei. Sie sind verspielt, ausdrucksstark und voller interessanter Details. Die Figuren haben sehr markante Gesichtsausdrücke, sodass man ihre Gefühle sofort erkennt. Besonders schön ist die Mischung aus Alltag und Magie: Mal wirkt alles ganz normal, dann tauchen wieder kleine verwunschene Einzelheiten auf. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre, die gut zur Geschichte passt.

Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse ein wenig, was dem Comic noch einmal viel Tempo gibt. Trotzdem bleibt der Kern der Geschichte klar: Es geht um Familie, Erwartungen, Geheimnisse und darum, sich selbst treu zu bleiben. Schön ist, dass Grüna und ihre Mutter am Ende doch noch einen Weg zueinander finden. Das wirkt nicht kitschig, sondern eher so, wie das Leben manchmal spielt: chaotisch, anstrengend, aber mit der Möglichkeit, einander besser zu verstehen.

Fazit:

"Hexenkram – Grüna" ist ein eigenwilliger und liebevoll gezeichneter Kindercomic über ein Mädchen, das seinen eigenen Weg gehen möchte. Die Geschichte verbindet Hexerei mit ganz normalen Familienthemen und zeigt, dass man nicht in eine Rolle passen muss, nur weil andere es erwarten. Besonders gefallen haben mir die starke Hauptfigur, die verständnisvolle Großmutter und die vielen verspielten Details in den Bildern. Ein unterhaltsamer Comic für Kinder, die magische Geschichten mögen, aber auch Figuren mit Ecken und Kanten schätzen.

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Veröffentlicht am 08.07.2026

Schwarmzauber im Riesenformat ist ein Sachbuch-Schatz, der die Natur lebendig macht

Schwarmzauber: Magische Choreografien der Natur
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Manchmal läuft man über die Leipziger Buchmesse, schlendert an den unzähligen Ständen vorbei und bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. Genau so ging es mir bei "Schwarmzauber – Magische Choreografien ...

Manchmal läuft man über die Leipziger Buchmesse, schlendert an den unzähligen Ständen vorbei und bleibt plötzlich wie angewurzelt stehen. Genau so ging es mir bei "Schwarmzauber – Magische Choreografien der Natur", dessen außergewöhnliches Format mich sofort neugierig gemacht hat – es stach aus der Masse einfach komplett heraus. Ich habe ja ohnehin eine riesige Schwäche für Kindersachbücher – besonders für die, die es schaffen, komplexe wissenschaftliche Inhalte in einer wunderbar einfachen und bildhaften Sprache zu vermitteln. Es stand also schnell fest, dass ich mir dieses Buch unbedingt näher anschauen musste.

Die Autorin und Illustratorin:

Núria Solsona arbeitet als Illustratorin für verschiedene Verlage und Grafikstudios. Ihre Arbeiten wurde international ausgestellt sowie mehrfach prämiert. Sie lebt und arbeitet in Barcelona.

Inhalt:

Wenn Stare den Himmel verdunkeln, Sardinen im Meer Formationen bilden und Bienen komplexe Botschaften tanzen, sehen wir Schwarmintelligenz pur. Das faszinierende Phänomen dahinter? Tausende Tiere bewegen sich absolut synchron und präzise – meist ohne Hierarchien. Ein instinktives Miteinander, das wie eine geheime, perfekt einstudierte Choreografie wirkt.

Gedanken zum Bildersachbuch:

Das Cover zieht einen mit seinem tiefblauen Himmel über einer weiten Wiese mitten hinein in die Natur. Ein riesiger Vogelschwarm formt sich dort zu einem eleganten „S“, das perfekt auf den Titel Schwarmzauber einstimmt, dessen gelbe Lettern von einem kleinen, auf dem „M“ rastenden Vogel belebt werden. Das absolute Highlight ist das Format mit einer Höhe von ca. 40cm. Im Innern des Buches verbirgt sich die aufwendige Gestaltung, denn das Buch lässt sich auf allen sechs Seiten jeweils zu einem großen Panorama zur beschriebenen Tierart ausklappen. Mit einer beeindruckenden Größe von 60 x 40 cm entfaltet sich so die ganze, faszinierende Weite des Himmels, der Erde und des Meeres direkt vor den Augen des Betrachters.

Jedes dieser Kapitel rund um die verschiedenen Verhaltensweisen startet zunächst ganz entspannt auf einer bunten Doppenseite mit einer kurzen Einleitung, die einen in das jeweilige Thema einführt. Sobald man die Seiten dann aber zu den riesigen Panoramen aufklappt, gibt es unheimlich viel zu entdecken. In den Bildern verteilt findet man jeweils 7 bis 11 kleine Textpassagen, die einem die verblüffenden Besonderheiten der Tiere lebendig erklären.

Man erfährt zum Beispiel, wie Gänse in ihrer V-Formation clever Energie sparen, bestaunt die synchrone Luftakrobatik der Stare und lernt, was hinter dem faszinierenden Tanz der Bienen steckt. Auch unter Wasser und am Boden geht die Entdeckungsreise weiter. Das Synchronschwimmen der Sardinen im schimmernden Strudel wird genauso erklärt wie die hocheffiziente Vernetzung der Ameisen oder das Verhalten der Pinguine, die in Reih und Glied im ewigen Eis stehen und gehen.

Fazit:

"Schwarmzauber" ist ein absolut herausragendes Bilderbuch, das Kunst und Wissenschaft auf spektakuläre Weise miteinander verbindet. Das riesige Format der Ausklappseiten gibt den beeindruckenden Verhaltensmustern den Raum, den sie verdienen. Ein visuelles Sachbuch, das Kinder ab dem Grundschulalter ins Staunen versetzt und auch erwachsene Naturliebhaber begeistert. Ein echtes Schmuckstück für jedes Bücherregal! Für mich ist dieses Buch ein echter Glücksgriff, weil es die Wunder der Natur nicht nur beschreibt, sondern sie durch die Ausklappbilder regelrecht erlebbar macht.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Jede sechste Frau: Eine Kampfansage an Krebs und Schönheitsideale

Punk mit Brust
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Brustkrebs ist kein Nischenthema, kein fernes Schicksal – es ist eine Realität, die statistisch jede sechste Frau im Laufe ihres Lebens trifft. "Punk mit Brust" ist eine radikal offene Aufklärung, die ...

Brustkrebs ist kein Nischenthema, kein fernes Schicksal – es ist eine Realität, die statistisch jede sechste Frau im Laufe ihres Lebens trifft. "Punk mit Brust" ist eine radikal offene Aufklärung, die dort hinsieht, wo es wehtut: Sie bricht das Tabu des vermeintlich perfekten, makellosen Frauenkörpers und prangert ein gesellschaftliches Schönheitsideal an, das Frauen selbst in der schwersten existentiellen Krise mit ihrem Körper hadern lässt. Doch dieses Buch ist eine Liebeserklärung an das nackte, unperfekte Leben.

Die Illustratorin und Autorin:

Magali Le Huche (geboren 1979) studierte an der Kunsthochschule in Straßburg. Nach ihrem Abschluss begann sie sofort ihre ersten zwei Bilderbücher zu illustrieren. Seitdem sind viele weitere gefolgt. Inzwischen arbeitet sie für verschiedene Kinderbuchverlage sowie Zeitschriften und lebt in Paris.

Inhalt:

Kurz vor ihrem vierzigsten Geburtstag wird bei Magali Brustkrebs diagnostiziert. Auf der Suche nach Halt abseits klassischer Krankheitsberichte entdeckt sie die wütende, humorvolle Energie der Punkband The Clash und ihres Sängers Joe Strummer für sich. Dessen rebellische Dringlichkeit wird zu ihrem mentalen Wegbegleiter und sie nutzt die ungezähmte Kraft des Punk, um der Krankheit entschlossen entgegenzutreten.

Gedanken zur Graphic Novel:

Das Cover fängt die Dualität des Buches perfekt ein: Der dunkle Hintergrund symbolisiert die Angst und das bedrohliche Schattenwesen, das stets im Hintergrund lauert. Doch mitten aus dieser Finsternis bricht die Autorin und Protagonistin im pinken Scheinwerferlicht hervor – im dynamischen Sprung, mit freiem Oberkörper nach der Brustamputation und einem roten Stern im Hintergrund. Die Typografie unterstreicht diesen rebellischen Akt: Am linken Rand zieht sich das Wort „Punk“ in knalligem Pink von oben nach unten, während am unteren Rand von links nach rechts „mit Brust“ in kontrastierendem Grün steht. Ein kraftvolles, unübersehbares Statement für das Leben und gegen das Verstecken.

In ihrer Graphic Novel Punk mit Brust verarbeitet Magali die wohl schwerste Krise ihres Lebens mit einer entwaffnenden Mischung aus Rebellion und schonungsloser Ehrlichkeit. Der Einstieg in die Geschichte wirft die Leser:innen mitten in den medizinischen Apparat: Ein zermürbender Ärztemarathon beginnt. Magali fängt die Absurdität und das Gefühl der Ohnmacht perfekt ein – die vielen entwürdigenden Untersuchungen, bei denen man das Gefühl hat, den eigenen Körper an fremde Menschen auszuliefern. Zwischen existentiellen Ängsten und tiefen Selbstzweifeln steuert alles auf die unvermeidliche Operation zu.

Besonders berührend und intim ist die Phase um die Mastektomie: Die quälende Frage, was eigentlich mit ihrer abgenommenen Brust passiert, verdeutlicht den schmerzhaften Verlust der eigenen Weiblichkeit. Visuell meisterhaft umgesetzt wird Magalis psychischer Ausnahmezustand durch einen inneren Dämon in Gestalt eines schwarzen Schattenwesens, das sie auf Schritt und Tritt verfolgt und ihre tiefsten Ängste füttert. Auch die Dynamik zu ihrem Umfeld verändert sich radikal. Nach der OP schleichen sich bittere Gefühle ein: Ein leiser, aber quälender Neid auf die unversehrten Freundinnen, deren Leben einfach normal weitergeht, während das eigene in Trümmern liegt.

Doch inmitten dieser emotionalen Trümmerlandschaft blitzt das Thema des Buches auf. Auf Seite 131 prangt der alles verändernde Satz, der wie ein Befreiungsschlag wirkt:

„Vergiss nicht, dass du am Leben bist.“

Dieser Satz ist kein plumper Kalenderspruch, sondern ein radikaler Weckruf. Er markiert den Wendepunkt, an dem die Energie von The Clash und Joe Strummer eine große Stütze sind. Magali weigert sich, nur Opfer zu sein.

"Punk mit Brust" ist weit mehr als eine individuelle Lebensgeschichte. Das Buch öffnet sich für die Erzählungen anderer betroffener Frauen. Diese verschiedenen Schicksale weben ein kraftvolles Netz aus Solidarität. Es sind Geschichten über den unbedingten Willen zu leben, über die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden, und die Suche nach der eigenen Kämpferin in sich.

Am Ende steht kein perfektes Hollywood-Happy-End, sondern die echte, harte Realität: Der Weg zurück ins Leben und die Akzeptanz des eigenen Körpers. Magali zeigt diesen Weg mit allen Höhen und Tiefen – inklusive der Brustrekonstruktion und den bleibenden, sichtbaren Makeln.

Fazit:

"Punk mit Brust" ist ein Meisterwerk, das Mut macht. Es zeigt, dass Akzeptanz nicht bedeutet, sich zu ergeben, sondern Frieden mit den eigenen Narben zu schließen. Eine absolute Leseempfehlung für Betroffene, Angehörige und alle, die eine Graphic Novel suchen, die gleichzeitig das Herz bricht und den Kampfgeist weckt. Laut, wild und lebensbejahend!

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ein funkelndes Winterabenteuer voller Gefühl

Hilda und Hörnchen 2
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Erst kürzlich habe ich den ersten Teil dieser Reihe entdeckt und ich konnte es danach kaum erwarten, auch direkt die Fortsetzung zu erkunden. Im Mittelpunkt steht wieder das zauberhafte Mädchen Hilda, ...

Erst kürzlich habe ich den ersten Teil dieser Reihe entdeckt und ich konnte es danach kaum erwarten, auch direkt die Fortsetzung zu erkunden. Im Mittelpunkt steht wieder das zauberhafte Mädchen Hilda, die uns mitnimmt in eine magische Welt voller unendlicher Möglichkeiten. Begleitet mich also ein weiteres Mal in ein Abenteuer, das nicht nur optisch funkelt, sondern auch mitten ins Herz trifft.

Der Autor und Illustrator:

Luke Pearson ist ein britischer Illustrator und Comiczeichner, dessen kreative Arbeiten bereits von einer Vielzahl renommierter Medien geschätzt wurden. So arbeitete er in der Vergangenheit unter anderem für namhafte Verlage wie Random House, Penguin Books und First Second Books, zeichnete für The New York Times sowie The Guardian und gestaltete Projekte für die Band Weezer. Auch in der Animationswelt hinterließ er seine Handschrift durch Kooperationen mit Disney Television Animation und dem Cartoon Network. Sein Kinderbuch Hilda und der Mitternachtsriese wurde bei den British Comic Awards 2012 als bester Kindercomic ausgezeichnet.

Inhalt:

Hilda wünscht sich vor dem Abschied ihrer wegziehenden Freundin Burku sehnlichst Schnee, um ein letztes Mal gemeinsam spielen zu können. Ihr Haustier Hörnchen nimmt dies wörtlich und weckt den Eismann, den Herrn über Schnee und Eis, allerdings unglücklicherweise viel zu früh. Als der frostige Geselle daraufhin im Sturm auf Hildas Haus zusteuert, ist Hörnchens Schnelligkeit gefragt.

Gedanken zum Kindercomic:

Schon beim ersten Blick auf das Buch fällt die wunderschöne Gestaltung ins Auge. Das Cover ist wieder mit kräftigen Farben versehen und hat dennoch viele helle Töne, die das Winterwetter perfekt unterstreichen. Ein besonderes Highlight sind die schimmernden Elemente: Hildas Haare, ihre Mütze und der Schnee wurden mit feinen Effekten veredelt. Sobald man das Buch bewegt, beginnt das Cover zu schillern und erweckt die Szene regelrecht zum Leben! Auf dem Cover sehen wir auch bereits Hilda und Burku – die beiden Hauptprotagonistinnen – gemeinsam mit Hildas treuem Wegbegleiter Hörnchen.

Die Geschichte berührt ein Thema, das wohl jedes Kind kennt und vor dem sich viele fürchten: das Abschiednehmen. Burku ist nämlich nur noch für ein paar Tage da und es bleibt den beiden Freundinnen nicht mehr viel Zeit zum gemeinsamen Spielen, da sie bald abreisen muss. Deshalb wünscht sich Hilda unbedingt Schnee, um diesen letzten gemeinsamen Tag gebührend zu feiern. Das clevere Hörnchen macht dieses Winterwunder zwar möglich, doch die Dinge laufen nicht ganz wie geplant. Burkus liebevolle Ideen zerstören nämlich Hildas genaue Vorstellung von ihrem letzten gemeinsamen Tag und machen sie traurig. Darüber geraten Burku und Hilda in einen Konflikt, den es nun zu lösen gilt. Als der Tag komplett zu scheitern droht, läuft die Geschichte zur Höchstform auf. Wieder einmal ist Hörnchen der Retter in der Not – und das ausgerechnet, als der Eismann für ordentlich Chaos sorgt!

Die Illustrationen sind auch in diesem Band wieder meisterhaft. Die Bilder sind dynamisch und turbulent gezeichnet und die Emotionen der Charaktere sind in ihren Gesichtern überaus deutlich zu sehen. Dem Illustrator und Autor gelingt es hier auf eine sehr einfühlsame Weise, die schwierige Problematik von Abschieden einzufangen. Gleichzeitig verliert das Buch nie seine Leichtigkeit und bringt ein packendes, neues Abenteuer mit Hörnchen ins Rollen.

Fazit:

"Hilda und Hörnchen – Der Eismann erwacht" ist eine absolut gelungene Fortsetzung, die sowohl das Herz berührt, als auch für reichlich Spannung sorgt. Ich bin begeistert von diesem farbenfrohen, emotionalen Kinderbuch und freue mich schon jetzt auf Band 3, der im Oktober 2026 erscheinen wird!

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