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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2025

Stark, ehrlich und wichtig

Hazel sagt Nein
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Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz ...

Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz normalen Neustart bis der erste Schultag seiner dramatischsten Wendung begegnet. Der Schulleiter macht Hazel ein unangemessenes Angebot und legt dabei seine Machtposition über sie. Instinktiv und mit tiefem Mut sagt sie „Nein“ und damit beginnt ein Jahr, das ihr Leben, ihre Familie und das Gefüge der ganzen Gemeinschaft gründlich verändert.
Jessica Berger Gross gelingt dabei etwas Seltenes. Sie nähert sich einem schwierigen, sensiblen Thema mit Empathie, Respekt und Klarheit. Hazel wird nicht als verletztes Opfer porträtiert, sondern als junge Frau mit eigenen Zielen, Träumen und Widersprüchen, deren Reflexionen und Entscheidungen unmittelbar greifen. Durch die Perspektiven verschiedener Familienmitglieder wird nicht nur Hazels innere Welt greifbar, sondern auch, wie unterschiedlich Menschen mit Schock, Loyalität und Moral umgehen.

Der Roman ist kein reiner Thriller, sondern ein sozialer, emotionaler Coming‑of‑Age‑Roman, der Themen wie Machtmissbrauch, Gemeinschaftsdruck, familiäre Beziehungen und Selbstbehauptung aufgreift. Die Handlung bleibt trotz der Schwere des Themas nie kalt – sie berührt, regt zum Nachdenken an und zeigt, welche Wellen eine einzelne Entscheidung schlagen kann.

Einige Nebenstränge wirken etwas überfrachtet, und nicht alle Figuren werden gleich stark ausgearbeitet, doch gerade Hazel und ihr innerer Dialog bleiben glaubhaft, stark und berührend. Insgesamt bleibt Hazel sagt Nein ein Buch, das nachhallt und Gespräche provoziert, genau wie es Literatur schaffen sollte.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Zulassen von Emotionen

Wie fühlst du dich?
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Ich habe dieses Buch in einer Phase gelesen, in der sich alles irgendwie zu viel angefühlt hat – Gedanken, Erwartungen, Unsicherheiten. Und genau da hat Axel Hacke mich abgeholt. „Wie fühlst du dich?“ ...


Ich habe dieses Buch in einer Phase gelesen, in der sich alles irgendwie zu viel angefühlt hat – Gedanken, Erwartungen, Unsicherheiten. Und genau da hat Axel Hacke mich abgeholt. „Wie fühlst du dich?“ klingt wie eine einfache Frage, aber das Buch zeigt, wie schwer sie wirklich zu beantworten ist – und wie wichtig es ist, sich ihr trotzdem zu stellen.

Hacke schreibt nicht als Experte, sondern als jemand, der selbst beobachtet, hinterfragt, sich wundert. Seine Gedanken sind oft klug, manchmal witzig, und immer menschlich. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass jemand laut ausspricht, was ich oft still mit mir herumtrage: die Überforderung in einer Welt, die ständig etwas von einem will, die Angst, nicht zu genügen, das Bedürfnis, einfach mal durchzuatmen.

Besonders schön finde ich, dass das Buch keine Patentlösungen bietet. Es will nicht therapieren oder analysieren, sondern eher Raum schaffen – für Nachdenken, für das Zulassen von Emotionen, auch für Widersprüche. Die Texte sind wie kleine Gespräche mit einem älteren Freund, der nicht urteilt, sondern einfach zuhört und Impulse gibt.
Was mir besonders naheging, war Hackes Blick auf die Gesellschaft: Wie wir funktionieren sollen, funktionieren wollen – und dabei oft unsere echten Gefühle übergehen. Er erinnert daran, dass Emotionen nichts Schwaches oder Peinliches sind, sondern zutiefst menschlich.

Ein leises, kluges Buch, das nicht laut auf sich aufmerksam macht – aber genau deshalb lange nachhallt. Es hat mir geholfen, meine Gefühle ernster zu nehmen, sie nicht wegzuschieben. „Wie fühlst du dich?“ ist kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein kleiner Kompass für den inneren Raum. Und vielleicht genau das, was wir gerade brauchen.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Magisch, düster, eindringlich

The Ordeals
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Als Leserin habe ich mich sofort in die Welt von The Ordeals gezogen gefühlt. Die Hauptfigur – mutig, nachdenklich, innerlich zerrissen – steht im Zentrum einer brutalen, magischen Prüfung, die nicht nur ...

Als Leserin habe ich mich sofort in die Welt von The Ordeals gezogen gefühlt. Die Hauptfigur – mutig, nachdenklich, innerlich zerrissen – steht im Zentrum einer brutalen, magischen Prüfung, die nicht nur ihre Stärke, sondern auch ihre Identität infrage stellt. Rachel Greenlaw schreibt mit einer eindringlichen Sprache, die Emotionen greifbar macht. Die düstere Stimmung, gepaart mit starken Bildern und einem klaren inneren Monolog, lässt tief in die Gedankenwelt der Protagonistin blicken.

Besonders berührt hat mich der innere Konflikt zwischen dem, was von ihr erwartet wird, und dem, wofür sie selbst stehen möchte. Die Prüfungen stehen dabei symbolisch für Themen wie Selbstbestimmung, Angst und das Erwachsenwerden – Themen, mit denen ich mich sehr identifizieren konnte.
Einige Stellen hätte ich mir etwas rasanter gewünscht, aber das wird durch die starke Charakterentwicklung und den poetischen Ton gut ausgeglichen. Für alle, die düstere Fantasy mit Tiefgang mögen – besonders aus weiblicher Perspektive – ist dieses Buch ein echtes Highlight.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Vertrauen ist gut – Zweifel sind tödlich

Wem du traust
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In „Wem du traust“ spielt Petra Johann gekonnt mit der Unsicherheit ihrer Figuren und Leser*innen. Die Geschichte entfaltet sich langsam, aber mit wachsender Spannung. Nichts ist, wie es scheint, und jede ...

In „Wem du traust“ spielt Petra Johann gekonnt mit der Unsicherheit ihrer Figuren und Leser*innen. Die Geschichte entfaltet sich langsam, aber mit wachsender Spannung. Nichts ist, wie es scheint, und jede Figur trägt eine Schattenseite in sich. Besonders gelungen ist die dichte, psychologisch feinfühlige Atmosphäre, die das Misstrauen und die innere Zerrissenheit der Figuren greifbar macht. Wer sich auf die ruhige, aber stetig beklemmender werdende Erzählweise einlässt, wird mit einem überraschenden Finale belohnt. Kleine Längen in der Mitte trüben den Gesamteindruck nur geringfügig.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Zwischen Sternenrätseln und Menschlichkeit

Das Ganymed-Fragment
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„Das Ganymed-Fragment“ von David Reimer entführt die Leser*innen in eine Zukunft voller politischer Spannungen, wissenschaftlicher Rätsel und menschlicher Konflikte. Im Mittelpunkt steht das titelgebende ...

„Das Ganymed-Fragment“ von David Reimer entführt die Leser*innen in eine Zukunft voller politischer Spannungen, wissenschaftlicher Rätsel und menschlicher Konflikte. Im Mittelpunkt steht das titelgebende Fragment, dessen Herkunft und Bedeutung nicht nur die Forschung, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen und moralische Fragen herausfordert. Reimers Schreibstil ist durchdacht und detailreich, was besonders Sci-Fi-Fans mit Vorliebe für realistische Zukunftsvisionen begeistern dürfte. Manche Passagen verlangen Konzentration, doch wer dranbleibt, wird mit einer vielschichtigen, intelligenten Geschichte belohnt.

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