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Veröffentlicht am 10.08.2025

Zwischen Reis und Erinnerungen

Onigiri
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Seit ein paar Jahren habe ich für mich die japanische Literatur entdeckt. Mich fasziniert ihre ruhige Erzählweise und diese besondere Art, Alltägliches so zu schildern, dass es fast poetisch ...

Seit ein paar Jahren habe ich für mich die japanische Literatur entdeckt. Mich fasziniert ihre ruhige Erzählweise und diese besondere Art, Alltägliches so zu schildern, dass es fast poetisch wirkt. Genau das hat mich auch zu diesem Buch geführt. Das Cover strahlt Stille und ein kleines Geheimnis aus, erst später habe ich erkannt, dass es Onigiri zeigt, die im Roman wie ein Symbol für Trost und Verbundenheit zwischen den Generationen wirken. Die Geschichte begleitet Aki, die mit ihrer dementen Mutter nach Japan reist. In fließenden Wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit entfaltet sich das Bild einer Familie zwischen zwei Kulturen, geprägt von Liebe, Missverständnissen und unausgesprochenen Gefühlen. Manche Beschreibungen von Orten und Essen sind sehr detailliert, fast meditativ, andere Sätze treffen mich unvermittelt mitten ins Herz. Besonders nah gingen mir die leisen Momente, in denen Aki ihre Mutter so annimmt, wie sie in diesem Augenblick ist. Am Ende hatte ich das Gefühl, eine Reise gemacht zu haben, die sanft und traurig zugleich war und mich noch eine Weile begleitet.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Eine Reise in die Wälder Lapplands

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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„Wo die Moltebeeren leuchten“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte erst, es wäre einfach ein schöner Schwedenroman, aber die Geschichte hat viel mehr Tiefe. Man begleitet Siv, die in den 30ern ...

„Wo die Moltebeeren leuchten“ hat mich richtig überrascht. Ich dachte erst, es wäre einfach ein schöner Schwedenroman, aber die Geschichte hat viel mehr Tiefe. Man begleitet Siv, die in den 30ern mit gerade mal 17 Jahren allein in ein Waldlager geschickt wird, um für zehn Holzfäller zu kochen. Anfangs völlig überfordert, findet sie dort nicht nur ihre eigene Stärke, sondern erlebt auch eine Liebe, die sie für immer prägen wird. Jahrzehnte später reist ihre Enkelin Eva zurück in diese Wälder allerdings mit einem Auftrag, der nicht gerade beliebt macht: Sie soll helfen, eine umstrittene Abholzung durchzusetzen. Doch die Begegnung mit Umweltaktivisten, alten Bekannten und einem Familiengeheimnis bringt sie zum Nachdenken. Was mich besonders gefesselt hat, war die Naturbeschreibung die stillen Seen, die unendlichen Wälder, die harten Winter. Weil ich selbst letztes Jahr in Lappland war, habe ich viele Szenen direkt vor Augen gehabt und konnte förmlich den Duft von Moos und Kiefern riechen. Das Buch ist für mich kein klassisches Familiendrama, sondern eine bewegende Reise in die Vergangenheit, bei der auch Fragen nach Heimat, Gerechtigkeit und Verbundenheit mit der Natur mitschwingen.

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Veröffentlicht am 19.07.2025

Zwischen Erbe und Erkenntnis

Botanik des Wahnsinns
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In "Botanik des Wahnsinns" erzählt Leon Engler eindrucksvoll vom Aufwachsen in einer Familie, in der psychische Erkrankungen zur unausweichlichen Realität gehören. Als Psychologe blickt er nicht ...

In "Botanik des Wahnsinns" erzählt Leon Engler eindrucksvoll vom Aufwachsen in einer Familie, in der psychische Erkrankungen zur unausweichlichen Realität gehören. Als Psychologe blickt er nicht nur analytisch, sondern auch persönlich auf die eigene Geschichte mit nüchternem Blick, schwarzem Humor und einer Prise Selbstzweifel. Besonders berührt hat mich, wie feinfühlig er den Alltag in der Psychiatrie beschreibt: zwischen Mitgefühl und Abgrenzung, zwischen Hoffnung und bitterer Rückfalllogik. Der Roman spart weder gesellschaftliche Tabus noch historische Grausamkeiten aus, bleibt aber stets klar, reflektiert und literarisch anspruchsvoll. Der Sprachstil ist manchmal sperrig, oft sarkastisch, aber belohnt mit Tiefe und Ehrlichkeit und kurzweiligkeit. Für mich kein leichtes, aber ein notwendiges Buch. Wer sich mit psychischer Gesundheit auseinandersetzen will, findet hier keine Antworten, aber viele richtige Fragen.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Mitreißende Fortsetzung mit starker Hauptfigur

Yrsa. Die Liebe der Wikingerin
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Aus Interesse hab ich zuerst den ersten Band gelesen und war direkt so drin, dass ich gleich mit diesem hier weitermachen konnte. Zum Glück! Die Fortsetzung hat mich noch mehr gepackt. Man könnte den zweiten ...

Aus Interesse hab ich zuerst den ersten Band gelesen und war direkt so drin, dass ich gleich mit diesem hier weitermachen konnte. Zum Glück! Die Fortsetzung hat mich noch mehr gepackt. Man könnte den zweiten Band zwar auch allein lesen, aber es lohnt sich, beide zu kennen. Nach einem kurzen Einstieg ging’s für mich richtig los: Spannung, Emotionen, Verrat, Mut, Liebe...alles drin, ohne kitschig zu werden. Yrsa ist eine starke, glaubwürdige Figur, die sich super entwickelt. Besonders gefallen hat mir der moderne, aber nicht unpassende Schreibstil und wie authentisch das Wikinger-Setting rüberkommt. Was mich mittlerweile nervt: Warum braucht heute fast jedes Buch spicy Szenen? Klar, bei dem Titel hätte ich es mir denken können, zum Glück war’s nicht zu viel und hat die Handlung nicht dominiert. Insgesamt: ein spannendes, mitreißendes Buch mit Tiefgang und einer Heldin, die einem echt im Kopf bleibt. Ich kann’s absolut empfehlen!

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Zwischen Schlaflosigkeit und Selbstfindung – starkes Thema, schwache Entwicklung

Der Schlaf der Anderen
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Ein modernes, atmosphärisches Cover und eine originelle Idee haben mich sofort angesprochen: Zwei Frauen, scheinbar grundverschieden, treffen in einem Schlaflabor aufeinander, beide vom Schlaf ...

Ein modernes, atmosphärisches Cover und eine originelle Idee haben mich sofort angesprochen: Zwei Frauen, scheinbar grundverschieden, treffen in einem Schlaflabor aufeinander, beide vom Schlaf beraubt, beide auf der Suche nach Orientierung. Anfangs hat mich die ruhige Sprache getragen, die kurzen Kapitel zogen mich schnell in den Bann. Die Begegnung zwischen Sina und Janis entwickelt sich feinfühlig und wirft spannende Fragen auf: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr funktioniere? Was verbindet uns wirklich? Doch je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr verlor sie für mich an Klarheit. Die Balance zwischen leiser Reflexion und überladenen Episoden geriet ins Wanken. Statt Tiefe und Dynamik driftete der Plot mitunter ins Skurrile ab. Die emotionale Nähe der Figuren blieb spürbar, aber die Handlung wirkte stellenweise zäh. Schade, denn das Potenzial war da. Am Ende blieb für mich ein ambivalenter Eindruck: atmosphärisch stark, aber nicht ganz stimmig.

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