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Veröffentlicht am 26.02.2021

Historischer Unterhaltungsroman

Im Lautlosen
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„Im Lautlosen“ von Melanie Metzenthin stand schon lange auf meiner Wunschliste. Gleich vorneweg kann ich sagen, dass mich dieses Buch genauso begeistert hat, wie schon viele Leser vor mir.
Wir begleiten ...

„Im Lautlosen“ von Melanie Metzenthin stand schon lange auf meiner Wunschliste. Gleich vorneweg kann ich sagen, dass mich dieses Buch genauso begeistert hat, wie schon viele Leser vor mir.
Wir begleiten die Charaktere von Mitte der 20er Jahre bis 1945. Im Mittelpunkt stehen Paula und Richard, die sich während des Medizinstudiums kennen und lieben lernen. Auch Richards bester Freund Fritz spielt eine größere Rolle. Die Hauptfiguren sind wahnsinnig sympathisch und der Umgangston ist trotz der düsteren Zeiten stellenweise sehr humorvoll, was den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre macht.
Richard und auch Fritz sind ihrer Zeit weit voraus und unterstützen ihre Frauen bei ihren jeweiligen Berufswünschen. Melanie Metzenthin erzählt anschaulich von Hitlers Anfängen, seiner Machtübernahme, den Schrecken des Krieges und gibt einige Einblicke in die Anfänge der Euthanasie.
Trotz der vielen ernsten Themen bleibt der allgemeine Erzählton überwiegend leicht. Wenn ich „Im Lautlosen“ klassifizieren müsste, würde ich es der Trivialliteratur zuordnen. Dies meine ich nicht negativ. Mir hat der Roman sehr gefallen. Er hat nur weniger Tiefgang, als ich der Klappentext vermuten lässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2021

Geht unter die Haut

Lebenssekunden
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Durch „Lebenssekunden“ habe ich eine für mich neue Autorin kennengelernt, von der ich auf jeden Fall noch weitere Bücher lesen werde. Katharina Fuchs hat einen tollen, bildhaften Schreibstil, der mich ...

Durch „Lebenssekunden“ habe ich eine für mich neue Autorin kennengelernt, von der ich auf jeden Fall noch weitere Bücher lesen werde. Katharina Fuchs hat einen tollen, bildhaften Schreibstil, der mich 400 Seiten lang gefesselt hat.
Die beiden Protagonistinnen sind zu Beginn des Romans gerade einmal 15 Jahre alt, also noch halbe Kinder. Trotzdem ist die Handlung sehr erwachsen und dramatisch. Insbesondere Christines Perspektive habe ich mit völliger Faszination und oft auch mit Entsetzen verfolgt. Anfang der 50er Jahre wird das junge Mädchen in der DDR zur Profiturnerin gedrillt. Ich war schockiert, als ich gelesen habe, wie der Coach dafür sorgte, dass Christine die gewünschten Säbelbeine bekommt. Die Trainingsalltag ist allgemein extrem hart und das Leben der Sportler hat mit Jugend wenig zu tun.
Die DDR war zu dieser Zeit gerade im Aufbau und der Fanatismus der Funktionäre und linientreuen Bürger ist harter Tobak.
Zur selben Zeit versucht die ebenfalls 15-jährige Angelika in Kassel ihren Weg zu finden. Eine klare Rollenteilung zwischen Mann und Frau war damals noch an der Tagesordnung. Naturwissenschaftliche Fächer galten als zu anspruchsvoll für Mädchen und bei der Berufswahl war genau definiert, welche Stellen für Frauen angemessen sind. Angelika träumt von einer Ausbildung zur Fotografin, blitzt bei ihrer ersten Bewerbung allerdings ab, da sie ein Mädchen ist. An diesem Beispiel erkennt man sehr stark, wie sich die Zeiten gewandelt haben, denn diese Entscheidung wäre heute unvorstellbar.
Natürlich kommt auch die erste Liebe in „Lebenssekunden“ vor, spielt hier allerdings keine übergeordnete Rolle. Katharina Fuchs legt den Fokus auf die politischen Entwicklungen, die ein wichtiges Stück deutsche Zeitgeschichte darstellen und schafft somit einen tiefgründigen Roman, der gleichzeitig zu jeder Zeit unterhaltsam ist.
Wir begleiten die Anfänge der DDR, die spezielle Situation im zwischen den Besatzungsmächten aufgeteilten Berlin bis zu den dramatischen Stunden im Jahr 1961 als die Grenze auch in Berlin in einer Nacht und Nebelaktion geschlossen wird.
Dieser Roman ging an vielen Stellen unter die Haut und wenn am Ende Willy Brandt zitiert wird, wie er sich in einer eindringlichen Rede an die Bürger Ostberlins wendet und erinnert: „Noch niemals konnten die Menschen auf die Dauer in Sklaverei gehalten werden“ stellt sich Gänsehaut ein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2021

Ninas Weg zurück ins Leben

Liebe wird aus Mut gemacht
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Gerade war für die 20-jährige Nina noch alles in bester Ordnung und plötzlich liegt sie mit akuter Leukämie im Krankenhaus und muss ein Jahr um ihr Leben kämpfen.
Die Kapitel in Catharina Junks Roman ...

Gerade war für die 20-jährige Nina noch alles in bester Ordnung und plötzlich liegt sie mit akuter Leukämie im Krankenhaus und muss ein Jahr um ihr Leben kämpfen.
Die Kapitel in Catharina Junks Roman „Liebe wird aus Mut gemacht“ erzählen abwechselnd von der Zeit in der Klinik und ein Jahr später, als Nina gesund entlassen wird.
Ich mochte dieses Konzept, da es ein wenig den Schrecken aus der Geschichte nimmt. Man weiß, dass Nina es schaffen wird und so sind die schonungslos beschriebenen Szenen leichter zu ertragen.
Ihr Neustart in der Welt gestaltet sich sich schwierig. Es fällt ihr schwer, neuen Mut zu fassen und mit ihren Mitmenschen zu interagieren. Über allem schwebt die Angst, erneut an Leukämie zu erkranken. Ninas Sorgen und Nöte wurden für mich sehr realistisch dargestellt. Ich konnte gut nachvollziehen, warum sie sich häufig selbst im Weg steht.
Trotz dem sehr ernsten Grundthema, lässt sich der Roman sehr leicht und angenehm lesen, denn Nina hat einen sehr trockenen / bissigen Humor, den sie zu keiner Zeit verliert. Sie manövriert sich immer wieder in kuriose Situationen über die ich lachen musste.
Am Ende bleibt nur eine Frage offen – warum gibt es so wenig Bücher von Catharina Junk?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2021

Großartig

Bucket List – Nur wer fällt, kann fliegen lernen
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Fast hätte ich „Bucket list“ von Georgia Clark von meinem Radar gestrichen, da ich nach dem Lesen des Klappentextes dachte: „Oh je, eins von diesen Krebsbüchern“. Dann bin ich zufällig auf Instagram über ...

Fast hätte ich „Bucket list“ von Georgia Clark von meinem Radar gestrichen, da ich nach dem Lesen des Klappentextes dachte: „Oh je, eins von diesen Krebsbüchern“. Dann bin ich zufällig auf Instagram über eine sehr positive Rezension zur Originalausgabe gestolpert und wurde neugierig. Ich bin so froh, meine Meinung geändert zu haben denn dieser Roman ist einfach großartig!
Auf eine sehr realistische, ehrliche und gleichermaßen humorvolle Art erzählt Georgia Clark die Geschichte der 25-jährigen Lacey, die eigentlich vom Land kommt und nun versucht, in New York Karriere zu machen. Sie ist Teilhaberin eines wenig erfolgreichen Start-Ups und auch ihr Hauptjob ist nur eine Einstiegslösung. Sie hofft auf einen Aufstieg zur Moderedakteurin. Als bei Lacey eine BRCA1-Mutation diagnostiziert wird, wodurch bei ihr ein hohes Risiko besteht, an Brustkrebs zu erkranken, wird sie völlig aus der Bahn geworfen.
Ich fand die Darstellung von Laceys Sorgen und Nöten sehr realistisch. Entscheiden zu müssen, ob man sich vorsorglich die Brüste amputieren lässt oder nicht ist eine furchtbare Situation.
Lacey weiß, dass sie sich mit diesem Thema auseinander setzen muss aber vorher möchte sie sich eine Gnadenfrist setzen, in der sie sich ausprobiert.
Es mag auf den ersten Blick eine seltsame Kombination sein. Die Thematik des Romans ist auf der einen Seite tot ernst (im wahrsten Sinne des Wortes) und auf der anderen eher seicht. Für mich war diese Mischung genial, denn denn dadurch zieht einen das Buch nicht permanent nach unten. Im Gegenteil, es versprüht sehr viel Positivität.
Lacey hat gute Freundinnen und eine Schwester, der sie nahe steht aber auch für ihr Umfeld ist es schwer, mit der Diagnose umzugehen. Es kommt zu Spannungen. Ich mochte, dass hier nicht die perfekten best Friends gezeigt werden sondern eine glaubhafte Charakterisierung, wie es in so einer Situation, in der alle überfordert sind, ablaufen könnte. Gleichzeitig macht die Autorin Mut, dass egal, an welchem Punkt man sich befindet, es irgendwo Menschen bzw. eine Selbsthilfegruppe gibt, mit Leuten, die etwas ähnliches durchmachen und die eine Unterstützung sein können.
Trotz diesem schweren Schicksalsschlag ist Lacey noch immer eine junge Frau, die sich nach Liebe sehnt, aber die Suche nach einem geeigneten Partner ist schwierig. Anziehung bedeutet nicht automatisch, dass es auch mit einer Beziehung klappt. Laceys Eskapaden sind sehr spritzig und humorvoll beschrieben. Ich meine hier nicht die Art von witzig, bei der man innerlich kurz „hihi“ denkt. Ich musste an manchen Stellen wirklich laut auflachen.
„Bucket list“ wäre für mich der perfekte Stoff um zu einer Netflix Serie zu werden. Die Leute würden es lieben. Dieser Roman ist ein absoluter Tipp von mir, weil er so viele verschiedene Emotionen vereint. Er ist nachdenklich, vielleicht sogar ermutigend für Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, aber auch sehr erfrischend und lustig. Lacey ist ein Charakter, in dem sich jeder ein Stück weit finden kann.
Liebe Georgia Clark – bitte beschenke uns noch mit vielen weiteren Büchern!

  • Cover
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Veröffentlicht am 12.02.2021

Große Tragödie

Grenzgänger
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„Grenzgänger“ von Mechthild Borrmann umfasst nur knapp 300 Seiten doch jede davon ist vollgepackt mit Informationen. So gelingt es der Autorin auf wenig Raum eine detaillierte Geschichte zu erschaffen, ...

„Grenzgänger“ von Mechthild Borrmann umfasst nur knapp 300 Seiten doch jede davon ist vollgepackt mit Informationen. So gelingt es der Autorin auf wenig Raum eine detaillierte Geschichte zu erschaffen, die den Leser immer wieder aufs Neue schockiert und sprachlos macht. Das Buch erzählt vom Scheitern der Familie Schöning. Einst bestand sie aus glücklichen Eheleuten mit vier Kindern. Doch als der Vater schwer traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrt und die Mutter überraschend stirbt, sind die Kinder mehr oder weniger auf sich gestellt. Die älteste Tochter Henni wird zur Haupternährerin in dem sie Kaffee, Butter und sonstige Mangelware über die Grenze schmuggelt, bis es zu einem folgenschweren Zwischenfall kommt. Henni muss in eine Besserungsanstalt und ihre jüngeren Geschwister kommen ins Kinderheim.
In den 50er Jahren herrschte zum Thema Kindererziehung eine komplett andere Einstellung als heute. Gehorsam war das A und O. Die Meinung eines Kindes zählte wenig und unliebsame Wahrheiten wurden gerne als Lüge abgestempelt.
Die beschriebenen Zustände im christlichen Kinderheim sind schockierend und bei den dort praktizierten Erziehungsmethoden handelt es sich um Kindesmisshandlungen der schlimmsten Sorte.
Auch in der Besserungsanstalt (was für ein Wort...) sieht es nicht viel humaner aus.
Mir haben diese Kinder unglaublich leid getan, da sie im Grunde überhaupt nichts falsch gemacht haben, aber auf eine Art bestraft wurden, die man heutzutage noch nicht einmal Verbrechern zukommen lässt. Am traurigsten gestimmt hat mich, dass die Ursache für all das die posttraumatische Belastungsstörung des Vaters war und dass diese Dinge früher einfach nicht behandelt wurden.
„Grenzgänger“ ist schwer verdauliche Kost, die einen interessanten Einblick in die Vergangenheit liefert.

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  • Handlung
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