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Veröffentlicht am 18.09.2021

Erinnerungen, die unter die Haut gehen

Ein Garten im Winter
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In der Familie Whitson lebt im Grunde jeder sein eigens Leben. Der Vater scheint das einzige Bindeglied zu sein, der alle zusammen hält. Als er plötzlich stirbt, sind sowohl die Mutter als auch die Schwestern ...

In der Familie Whitson lebt im Grunde jeder sein eigens Leben. Der Vater scheint das einzige Bindeglied zu sein, der alle zusammen hält. Als er plötzlich stirbt, sind sowohl die Mutter als auch die Schwestern Meredith und Nina mit der Situation überfordert. Insbesondere Nina hegt den Wunsch, endlich ein besseres Verhältnis zu ihrer Mutter aufzubauen.
Die Charaktere von „Ein Garten im Winter“ sind teilweise eine echte Herausforderung. Ich hatte schnell die Vermutung, dass Mutter Anja in ihrer Jugend traumatisiert wurde. Trotzdem fand ich ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern extrem. Ihren Ehemann konnte sie abgöttisch lieben doch ihre Töchter ignoriert sie von Anfang an und tritt deren Gefühle mit Füßen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum diese Frau überhaupt Mutter geworden ist. Es ist nur verständlich, dass sich Kinder bei so einer emotionalen Vernachlässigung nicht richtig entwickeln können und auch als Erwachsene Probleme haben zu lieben.
Trotzdem hätte ich Meredith manchmal am liebsten geohrfeigt. Sie hat so einen liebevollen Ehemann aber behandelt ihn wie einen Fußabtreter. Es tat beim Lesen teilweise direkt weh, zu beobachten, wie sie mit ihm umspringt.
Eher nachvollziehen konnte ich den Hass auf ihre Mutter, auch wenn es mich genervt hat, dass sie lange nicht verstanden hat, dass die Märchen, die Anja erzählt, eine Parabel für deren Leben sind. Als Leser war mir das quasi von Anfang an klar und auch bei Nina ist der Groschen schneller gefallen. Nina mochte ich übrigens im Großen und Ganzen gerne. Sie hat ebenfalls Bindungsängste aber auf eine sympathischere Art.
Das Highlight des Romans ist das Märchen, das Anja mit Pausen erzählt. Wunderbar atmospährisch spinnt sie eine Geschichte vom verschneiten Russland und den Schrecken während des Krieges, die so furchtbar sind, dass es mich zutiefst erschütterte.
Dieser Teil von „Ein Garten im Winter“ hat mich so gefesselt, dass ich hierfür 5 Sterne geben möchte. Insgesamt bewerte ich das Buch allerdings „nur“ mit vier Sternen, weil ich die Charaktere in der Gegenwart einfach schwierig finde. Letztendlich gibt es zwar für alles eine verständliche Erklärung aber obwohl mich der Schluss sehr berührt hat, war es insgesamt doch ein wenig zu viel Friede-Freude-Eierkuchen und die Protagonisten ändern ihr Verhalten so plötzlich, dass es unrealistisch ist.
Trotz kleiner Schwächen habe ich auch diesen Roman von Kristin Hannah wieder sehr gerne gelesen. Ein Lob auch an die Covergestaltung, die sehr gut zur Handlung passt.

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Veröffentlicht am 17.09.2021

Kristin Hannahs bestes Buch

Die vier Winde
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Mittlerweile habe ich einige Bücher von Kristin Hannah gelesen. Sie sind für mich ein Garant, dass ich eine 4 bis 5 Sterne Bewertung abgeben werde. „Die vier Winde“ übertrifft alle Romane, die ich bisher ...

Mittlerweile habe ich einige Bücher von Kristin Hannah gelesen. Sie sind für mich ein Garant, dass ich eine 4 bis 5 Sterne Bewertung abgeben werde. „Die vier Winde“ übertrifft alle Romane, die ich bisher von ihr kenne. Diese Geschichte fand ich sensationell gut! Ich habe wirklich schon viel über die 20er und 30er Jahre gelesen, aber „Die vier Winde“ war thematisches Neuland für mich, was einer der Gründe ist, warum ich so gefesselt war.
Elsa ist weit über 20, doch ihre Eltern behandeln sie noch immer wie ein Kind und sperren sie quasi in ihrem Zimmer ein. Sie gilt als herzkrank und ist weniger hübsch als ihre Schwestern, weswegen ihr ihre Eltern tagtäglich einreden, sie würde niemals einen Ehemann finden. Eines Abends beschließt sie zu rebellieren. Sie macht sich schick, geht aus und lernt den Italiener Raffaello Martinelli kennen. Es kommt, wie es kommen muss – Elsa wird schwanger. Ihre Eltern verstoßen sie, doch sie kann mit Raf und seiner Familie ein neues Leben beginnen. Raf fühlt sich in seiner Ehe und auf der elterlichen Farm gefangen, so dass er sich die meiste Zeit lieblos und abweisend verhält. Elsa dagegen geht in der harten Farmarbeit auf und bekommt von ihren Schwiegereltern die Zuneigung, nach der sie sich so lange gesehnt hat.

Bildgewaltig beschreibt Kristin Hannah das harte Leben in Texas und die schreckliche Naturkatastrophe, die sich in den 30er Jahren dort abspielte. Die Böden sind von monatelanger Dürre ausgetrocknet, Stürme treiben Sand und Staub durch die Orte, in jede Ritze, in Häuser und Ställe. Menschen und Tiere erkranken an Staublungen. Hinzu kommt der Mangel an Nahrung und Geld. Es sind schreckliche Szenen, die die Autorin auferstehen lässt. So lebendig beschrieben, dass man es sich genau vorstellen kann, obwohl man glücklicherweise nichts vergleichbares erlebt hat.

Elsa ist eine tolle Protagonistin. Durch die jahrelange Unterdrückung ihrer Eltern hat sie kein Selbstbewusstsein und merkt nicht, wie mutig sie in Wirklichkeit ist. Als die Lebensbedingungen in Texas immer schlechter werden, macht sie sich mit ihren beiden Kindern auf den Weg nach Kalifornien. Doch das gelobte Land existiert nicht. Hier gibt es zwar keine Staubstürme aber auch kaum Arbeit. Die beschriebenen Szenen erinnern an aktuelle Problematiken. Die Flüchtlinge werden auf engstem Raum in Camps zusammengepfercht, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen leben müssen. Niemand wollte sie in die Gemeinschaft integrieren oder ihnen Arbeit geben, höchstens für einen Hungerlohn.
Elsa und ihre Kinder kommen vom Regen in die Traufe. Obwohl Elsa weiterhin eine schlechte Meinung von sich hat, wächst sie Tag für Tag über sich hinaus. Man kann nicht anders, als sie zu bewundern.
Wenn ich etwas in diesem Buch ändern würde, dann es wäre es die Tochter Loreda. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sie ihrer Mutter oft so herablassend begegnet, aber vermutlich ist es für einen Teenager nicht ungewöhnlich, seine Mutter zu hassen.

Zum Finale überschlagen sich die Ereignisse und Emotionen, es wirkt schon fast zu viel von allem aber irgendwie auch passend zu dieser Geschichte voller Tragödien.
Die 500 Seiten sind wie im Fluge vergangen und ich kann dieses Buch jedem nahe legen, der in eine völlig andere Zeit eintauchen möchte.
Auch die Covergestaltung hat mich absolut begeistert. Der Einband fühlt sich sehr hochwertig an und die weißen Staubkörner und Kornähren bilden einen tollen Kontrast zu dem ansonsten schwarzen Untergrund.

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Veröffentlicht am 11.09.2021

Der perfekte Liebesroman

Someone like you
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„Someone like you“ war für mich der perfekte Liebesroman. Ich würde sogar 10 Sterne vergeben, wenn es möglich wäre.
Jenny Holiday liefert alles, was mir gefällt: sympathische Charaktere, eine starke weibliche ...

„Someone like you“ war für mich der perfekte Liebesroman. Ich würde sogar 10 Sterne vergeben, wenn es möglich wäre.
Jenny Holiday liefert alles, was mir gefällt: sympathische Charaktere, eine starke weibliche Protagonistin, eine hübsche Kleinstadt, wenig Streit und einen männlichen love interest, in den ich mich selbst verlieben könnte.
Nora Walsh ist eigentlich eine Großstadtpflanze. Der einzige Grund, warum sie nach Moonflower Bay zieht ist, dass ihr ihre Studiengebühren erlassen werden, wenn sie zwei Jahre als Ärztin in einer Kleinstadt praktiziert. Sie beginnt ihr neues Leben mit einigen Vorurteilen, wirkt dabei allerdings zu keiner Zeit unsympathisch, sondern eher überrascht über die Hilfsbereitschaft ihrer neuen Nachbarn und die unerwartete Vielfältigkeit ihres Alltags. Gleich am ersten Tag trifft sie auf den Eigenbrötler Jake. Die Autorin beschriebt ihn als Doppelgänger von Jason Momoa, wodurch sie dem Leser ein klares Bild von diesem Protagonisten einpflanzt.
Jake ist gleichermaßen zurückhaltend als auch tiefgründig. Er hat in der Vergangenheit viel durchgemacht, doch zu Nora fasst er schnell Vertrauen.
Mir hat die Dynamik zwischen Nora und Jake sehr gefallen. Obwohl ab der ersten Begegnung ein Knistern zwischen den beiden zu spüren ist, fühlte sich die die Romanze nicht überstürzt an. Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten und die Beziehung entwickelt sich in einem realistischen Tempo. Aufgrund ihrer Vergangenheit haben sowohl Nora als auch Jake zunächst Schwierigkeiten, sich auf eine Beziehung einzulassen. Ihr Verhalten wirkt dabei niemals übertrieben oder an den Haaren herbeigezogen sondern immer so, dass man es es als Leser verstehen kann.
Im hinteren Drittel kommt es dann zu einigen detaillierten Liebesszenen, die ebenfalls sehr schön und geschmackvoll geschrieben sind.
„Someone like you“ bringt viele schmerzhafte Themen auf den Tisch, trotzdem war es für mich ein Wohlfühlroman. Die komplette Atmosphäre, inklusive dem kleinen Ort am See, hat mir wahnsinnig gut gefallen. Von mir bekommt das Buch eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Sehr spannendes Debüt

Nur ein Schritt
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Wow! Was für ein Debüt. „Nur ein Schritt“ ist ein Buch, welches die Beschreibung Thriller wirklich verdient hat. Samatha M. Bailey wirft den Leser mitten ins Geschehen und hält die Spannung von der ersten ...

Wow! Was für ein Debüt. „Nur ein Schritt“ ist ein Buch, welches die Beschreibung Thriller wirklich verdient hat. Samatha M. Bailey wirft den Leser mitten ins Geschehen und hält die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite aufrecht.
Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Nicole und von Morgan. Nicole ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die ein traumatisches Ereignis aus ihrer Jugend nie verwunden hat. Als sie Mutter wird, kommen alte Erinnerungen in ihr hoch. Außerdem scheint ihr jemand böse Streiche zu spielen – oder verliert sie etwa den Verstand?
Morgans Ehemann hat unschuldige Anleger um ihr Geld betrogen. Nach seinem Selbstmord möchte sie nun ihr Leben neu ordnen, fern von Presse und Polizei. Doch als ihr die völlig fremde Nicole ihr Baby in den Arm drückt und sich ebenfalls das Leben nimmt, ist Morgan ein weiteres Mal im Fokus von polizeilichen Ermittlungen.
Wie auch schon Nicole fühlt sich Morgan plötzlich verfolgt. Seltsame Dinge geschehen in ihrem Leben.
Samantha M. Bailey konnte mich komplett abholen. Die Kapitel sind kurz und enden meistens mit einem Cliffhanger. Oft hatte ich das Gefühl, der Lösung ganz nah zu sein und nur noch ein entscheidendes Puzzlestück zu vermissen. Jeder Charakter erschien mir verdächtig und wie Morgan konnte ich mir nicht vorstellen, was sie mit Nicole zu tun hat.
Die Autorin lädt den Leser dazu ein, mitzurätseln und mir sind die wildesten Theorien in den Sinn gekommen. „Nur ein Schritt“ bleibt bis zum Schluss undurchsichtig. Tatsächlich löst sich alles erst auf den letzten 20 Seiten auf und ich hatte das Ende so nicht kommen sehen. Lange Zeit war ich mir sicher, dass ich dieses Buch mit 5 Sternen bewerten werde. Nach all der rasanten Spannung empfand ich den Schluss als unerwartet lahm und unspektakulär. Ich hätte mit etwas mehr Schockierendem gerechnet.
Während die Geschichte recht realistisch begann, wird sie im letzten Drittel zunehmend abstrus und auch die Dialoge kamen mir teilweise etwas seltsam vor. Völlig unrealistisch ist auch, das Verhalten der Ermittlerin Martinez. Die Polizei spielt allerdings keine übergeordnete Rolle in diesem Thriller. Der Fokus liegt komplett auf Morgan und ihren Nachforschungen.
Trotz leichter Mängel hat mir „Nur ein Schritt“ wirklich gut gefallen, insbesondere, da es sich um ein Debüt handelt. Ich bin auf jeden Fall auf weitere Bücher von Samantha M. Bailey gespannt.

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Optisches Upgrade

Pretty
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„Pretty“ von Georgia Clark passt eigentlich nicht in mein Beuteschema, welches ich in den letzten Monaten bei der Auswahl meiner Romane entwickelt habe. Doch der Klappentext hatte etwas an sich, was mich ...

„Pretty“ von Georgia Clark passt eigentlich nicht in mein Beuteschema, welches ich in den letzten Monaten bei der Auswahl meiner Romane entwickelt habe. Doch der Klappentext hatte etwas an sich, was mich angesprochen hat, so dass ich die Gelegenheit nutzte, mal wieder ein anderes Genre zu lesen.
Evi, Willow und Krista sind gute Freundinnen. Alle drei empfinden ihr Aussehen als durchschnittlich und vermuten hier den Grund, warum es beruflich nicht so richtig klappen will. Durch Zufall erhalten sie eine Flasche des Schönheitselixirs „Pretty“. Nur ein Tropfen soll eine Woche Schönheit garantieren. Die Freundinnen probieren es aus und wie auf Knopfdruck liegen ihnen Jobs und Männer zu Füßen.
Der Einstieg in den Roman ist mir sehr leicht gefallen. Die drei Mädels haben künstlerische Berufe bzw. arbeiten im Medienbusiness und die Atmosphäre erinnert an die TV-Serie „The bold type“.
Mit dem Auftauchen der Pretty Tropfen wurde die Handlung etwas anstrengend. Ich hätte es besser gefunden, wenn man durch den Zaubertrank einfach eine attraktivere Version seiner selbst geworden wäre. Doch man wird zu einem komplett neuen Mensch! Andere Körpergröße, Proportionen, Hautfarbe... man ist für andere nicht mehr erkennbar. Dies fand ich zu abgedreht.
Die drei genießen ihr optische Upgrade, charakterlich bleiben sie natürlich gleich. Krista ist eine unzuverlässige, häufig vulgäre Person, die ich von den Freundinnen am wenigsten mochte. Evie ist überzeugte Feministin, die die Welt verbessern möchte und Willow träumt von ihrem Durchbruch als Künstlerin, hierzu sind ihr alle Methoden recht. Ich konnte ihren Katzenjammer und ihre hausgemachten Beziehungsprobleme nur schwer nachvollziehen. Eigentlich ist Evie die einzige der Frauen, die mir sympathisch war.
Georgia Clark hatte eine interessante Idee, die grundsätzlich einiges an Potenzial birgt. Ich hätte mir mehr Fokus darauf gewünscht, dass Aussehen eben nicht alles ist und dass ein hübsches Gesicht noch lange keinen schönen Charakter bedeutet.
Die eventuelle Message des Buches geht in zu vielen Nebensächlichkeiten unter. „Pretty“ umfasst 533 Seiten. Hundert Seiten weniger hätten der Geschichte gut getan, bei manchen, nicht enden wollenden Gesprächen, kam etwas Langeweile bei mir auf.
Auch das Ende war mir leider zu wenig durchdacht und ohne erkennbare Moral. Es ist, als hätte Georgia Clark einfach beschlossen, dass es nun genug ist und den Roman kurzerhand beendet.
Weder der Leser noch die Protagonistinnen erfahren, was Pretty eigentlich genau ist, wie es wirkt oder wie es sein kann, dass kaum jemand davon weiß. Ich hätte mir einen größeren Fokus auf diesem Zauberelixir gewünscht. Erwartet hatte ich einen Art Science Fiction Geschichte aber außer, dass sich die drei Frauen verwandeln, passiert hier eigentlich nichts ungewöhnliches. Für alle anderen Menschen geht die Welt ganz normal weiter.
Georgia Clarks Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen aber aufgrund der genannten Punkte kann ich diesem Buch insgesamt leider nur drei Sterne geben.

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