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Veröffentlicht am 11.08.2019

Gruselige Geschichte - Zwischen Einbildung und Wirklichkeit

Kalte Wasser
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„Kalte Wasser“ von Melanie Golding beginnt mit der Geburt von Zwillingen. Für die Mutter Lauren ist dies kein leichtes Unterfangen, welches nach stundenlangen Wehen in einer Zangengeburt endet. Diese wird ...

„Kalte Wasser“ von Melanie Golding beginnt mit der Geburt von Zwillingen. Für die Mutter Lauren ist dies kein leichtes Unterfangen, welches nach stundenlangen Wehen in einer Zangengeburt endet. Diese wird ebenso wie die nachfolgenden Komplikationen so anschaulich und blutig beschrieben, dass einem schon die ersten Seiten wie ein Horrorfilm erscheinen.
Allgemein vermittelt die komplette Handlung des Buches eine extrem düstere und unheimliche Atmosphäre.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus einem Märchen oder einer Sage zum Thema Wechselbälger. Diese Geschichten sind so schonungslos brutal, dass ich mich frage, wer seinem Kind diese Art von Märchen vorliest.
Für „Kalte Wasser“ sind sie der perfekte Übergang zur Handlung, denn nur wenige Stunden nach der Geburt bekommt Lauren Besuch von einer Landstreicherin, die ihre Babys mit ihren tauschen möchte. Allerdings hat niemand außer Lauren die Frau gesehen und die Sicherheitsvorkehrungen auf der Wöchnerinnenstation sind so hoch, dass ein Eindringen nahezu unmöglich ist. Niemand glaubt ihr und die Ärzte begründen das Erlebnis mit den Nachwirkungen von Medikamenten. Einzig die Polizistin Jo Harper hat Zweifel, ob hinter diese Geschichte nicht doch mehr stecken könnte.
Aus dem Krankenhaus entlassen wird Lauren von Wochenbettdepressionen und Angststörungen geplagt, so dass sie sich nicht mehr traut, das Haus zu verlassen, sondern sich nur noch in ihrem dreifach verriegelten Schlafzimmer verkriecht. Die Ehe zu ihrem eher lieblosen Mann Patrick leidet zunehmend unter dieser Situation.
Als Lauren sich endlich überwindet, einen Spaziergang zu unternehmen, wird ihre größte Angst Realität – die Zwillinge werden entführt.
Die Handlung von „Kalte Wasser“ ist im Grunde genau das, was eigentlich bereits im Klappentext steht. Die Geschichte lebt nicht von Komplexität sonder von Düsterheit und der ständigen Frage, womit wir es hier zu tun haben. Sind all diese Vorgänge nur die Ausgeburt einer psychisch labilen Frau oder ist hier tatsächlich eine übersinnliche Macht am Werk?
Melanie Golding füttert beide Theorien gleichmäßig und überlässt es dem Leser, was er glauben möchte.
Ich mochte das Konzept dieses Thrillers sehr gerne, da es mal etwas Anderes war. Ich bin nicht der größte Fan von Mystery Krimis aber hier hat mir gut gefallen, dass es genauso viele Gründe gibt, die für eine logische Erklärung sprechen als dagegen.
Für mich war „Kalte Wasser“ durchweg sehr spannend und fesselnd zu lesen und die detaillierte Beschreibung der Umgebung, sei es die psychiatrische Einrichtung, in die Lauren eingeliefert wird oder der einsame Wald und das geflutete Dorf, verstärkten den Grusel, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Ein sehr gelungenes Debüt!

Veröffentlicht am 21.07.2019

Bizarr

Harz
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„Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat“. Schon der erste Satz von Ane Riels Thriller „Harz“ ließ mich erschrocken blinzeln. Ebenso verstörend geht die Geschichte ...

„Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat“. Schon der erste Satz von Ane Riels Thriller „Harz“ ließ mich erschrocken blinzeln. Ebenso verstörend geht die Geschichte weiter. Die 6-jährige Liv lebt mit ihren Eltern abseits vom Dorf in einem Haus mitten im Wald. Damit sie nicht in die Schule muss, wurde sie von ihren Eltern tot gemeldet.
Für Liv scheint dies nicht weiter sonderbar zu sein. Sie erzählt mit einer Selbstverständlichkeit von nächtlichen Raubzügen mit ihren Vater und ihrer Wohnsituation, dass man Gänsehaut davon bekommt.

In Rückblicken wechselt die Erzählperspektive zu Livs Vater Jens. Dieser Teil las sich nicht ganz so spannend und hatte einige Längen. Trotzdem ist es für die Handlung wichtig zu sehen, dass auch Jens einst eine ganz normale Kindheit und Jugend hatte, bis alles aus dem Ruder lief.

Die Leserstimme auf dem Einband beschreibt es eigentlich ganz gut. Man sympathisiert mit jedem Charakter. Niemand in diesem Buch agiert aus Bösartigkeit. „Harz“ ist vor allem eine Charakterstudie. Was passiert mit Menschen, die in völliger Isolation leben? Abgeschnitten von jeglichen Informationsquellen, Freunden, Input von anderen Personen...
Im Falle der Familie Harder führt diese selbstgewählte Lebenssituation zu einem immer größeren Realitätsverlust und einer zunehmenden Ausprägung von Ängsten und irrationalem Verhalten.
Ane Riel gelingt es, das Leben der Familie sehr real zu beschreiben, so dass einem bei der Vorstellung von all dem Gerümpel, Dreck und Gestank das Grausen kommt.

Der Dreh- und Angelpunkt dieses Buches sind die Kapitel aus Livs Sicht. Sie ist größtenteils ahnungslos, wie bizarr ihre Lebenssituation ist, da es für sie Normalität geworden ist. Für ihr Alter ist sie überraschend erwachsen und pragmatisch. In gewisser Weise sogar mehr als ihre Eltern.

Etwas befremdlich fand ich die Darstellung der Dorfbewohner, da die Kapitel aus Sicht des Gastwirts kindlicher geschrieben waren als die aus Livs Perspektive.

Analog zum ersten Satz des Buches gelang es Ane Riel auch den letzten Satz als absoluten Schocker zu formulieren, der mich direkt einen Moment lang sprachlos zurück ließ.

„Harz“ war für nicht wirklich ein Thriller, da sich die Spannung in Grenzen hielt, aber ich empfand eine bizarre Faszination, mehr über diese Familie herauszufinden.
Die Geschichte war anders als ich es erwartet hatte, jedoch in jedem Fall originell und hebt sich somit von den Büchern ab, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Veröffentlicht am 20.07.2019

Schöne Geschichte vor toller Kulisse

Show me the Stars
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„Show me the stars“ von Kira Mohn überzeugt zunächst einmal durch atmosphärische Dichte. Obwohl ich mindestens die Hälfte des Buches im Liegestuhl in der Sonne gelesen habe, machte mir der Roman große ...

„Show me the stars“ von Kira Mohn überzeugt zunächst einmal durch atmosphärische Dichte. Obwohl ich mindestens die Hälfte des Buches im Liegestuhl in der Sonne gelesen habe, machte mir der Roman große Lust auf Wanderungen in Regen und Sturm.

Protagonistin Liv zieht für ein paar Monate auf eine kleine Insel in Irland um in einem Leuchtturm zu leben. Dies wäre etwas, was mir selber Spass bereiten würde und so konnte ich mich in dieser Hinsicht gut mit Liv identifizieren.
Obwohl Liv so weit von zu Hause entfernt ist, bleibt sie nicht lange alleine, sonder hat schon bald mehr Freunde als in ihrer Heimatstadt Hamburg. Ihre Tage sind ausgefüllt mit Spaziergängen und der Recherche für neue Artikel, um ihre Karriere als Journalistin in Schwung zu bringen.
All das ist sehr kurzweilig geschrieben.

Liv verliebt sich in den Einzelgänger Kjer und ich fand es sehr positiv, dass der Roman dadurch nicht übertrieben kitschig wurde. Die Romanze mit Kjer ist ein Teilbereich des Buchs, aber nicht das zentrale Thema, denn Liv verliert ihre eigenen Ziele (Bewältigung ihrer Angst im Dunkeln und ihre Karriere ) nicht aus den Augen.

An manchen Stellen erschien mir Liv allerdings fast schon lächerlich naiv. Es dauert bis zum Ende des Buches, bis sie endlich dahinter kommt, warum sie ihren Job verloren hat, auch wenn es quasi ab Seite 1 klar war. Sie möchte keine Lebensmittel verschwenden, aber lässt die einfachsten Dinge anbrennen. An diesen Stellen musste ich mir ins Gedächtnis rufen, dass sie erst 20 Jahre alt ist, denn in anderen Aspekten, vorallem was den Umzug anbelangt, kommt sie wiederum sehr erwachsen rüber.
Negativ aufgestoßen ist mir auch die zweifelhafte Einstellung der Autorin zum Thema Vegetarismus. Kjer lässt den Satz fallen: „Ich wußte nicht, dass es leckeres vegetarisches Essen gibt“ und Sachen wie Kokosmilch werden als exotische Punkte auf der Einkaufsliste betrachtet.
Diese Buch ist doch über junge Leute und ich würde schon annehmen, dass gerade für diese Generation bewusst Essen ein Thema bzw. Normalität ist.
Soll es wirklich Leute Anfang 20 geben, die nicht wissen, dass es außer Fleisch auch andere Lebensmittel gibt, die schmecken?

Kjer wird zunächst einmal ein wenig als Bad boy eingeführt. Schnell kristallisiert sich heraus, dass er in Wahrheit ein sehr sensibler junger Mann ist, für den ich mir gewünscht hätte, dass er ein wenig mehr Mitgefühl von seinen Mitmenschen bekommt.
Auch Liv hat lange gebraucht, bis sie wirklich hinter die Fassade geschaut hat, und dass, obwohl sie von der ersten Sekunde an verliebt in ihn war.

Die Liebesgeschichte konnte mich deswegen auch nicht wirklich berühren. Viel fesselnder fand ich Livs Alltag auf der einsamen Insel, ihre Fototouren sowie der Blog, den sie ins Leben gerufen hat.
Müsste ich „Show me the stars“ in nur einem Wort beschreiben, so würde ich „schön“ wählen. Es ist ein Buch, welches man gerne liest. Man kommt leicht hinein und kann sich gut für eine längere Zeit darin vertiefen.
Der Leuchtturm und die einsame Insel geben der Geschichte etwas originelles und die Landschaft tut ihr übriges.
„Show me the stars“ weckt auf jeden Fall die Vorfreude auf neue Geschichten aus Castledunns und im September geht es bereits mit Seanna aus dem Pub weiter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Serie weiterlesen werde.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Schockierender Zukunftskrimi

Mind Games
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Digitalisierung bekommt einen immer höheren Stellenwert und so scheint Teri Terrys Idee für „Mindgames“ gar nicht so abwegig.
Das Leben in dieser Zukunftsvision spielt sich überwiegend online ab. Die ...

Digitalisierung bekommt einen immer höheren Stellenwert und so scheint Teri Terrys Idee für „Mindgames“ gar nicht so abwegig.
Das Leben in dieser Zukunftsvision spielt sich überwiegend online ab. Die Menschen gehen nicht mehr in Restaurants oder fahren in den Urlaub. Über einen Chip im Gehirn loggen sie sich einfach in die virtuelle Welt ein, während ihr Körper zu Hause an ein Gerät angeschlossen ist.
Während die überwiegende Mehrheit diese Entwicklung toll findet, steht Luna all dem kritisch gegenüber. Da ihre Mutter bei einem Computerspiel ums Leben kam, weiß sie von den Gefahren der Onlinewelt.
Sie weigert sich standhaft, sich einen Chip einsetzen zu lassen. Als ihr dennoch ein vermeintlicher Traumjob auf einer abgelegenen Insel angeboten wird, ist sie skeptisch. Schon bald stellt sich heraus, dass ihre Bedenken berechtigt waren.

Ich interessiere mich nicht für Computerspiele aber dies ist auch gar nicht notwendig, um „Mindgames“ fesselnd zu finden. Es geht im Grunde gar nicht so sehr um die Spiele selbst, sondern um die Gefahren, die damit verbunden sind.
Ein Chip im Kopf ist natürlich Quatsch, dennoch sind auch wir tagtäglichen Manipulationen durch das Internet ausgesetzt und nicht alles, was die Onlinewelt vorgaukelt ist so toll, wie es scheint.

Luna ist eine der wenigen Personen, die hinter die Fassade blickt und hebt sich somit von ihren Freunden ab.
Die Charaktere in diesem Buch lassen sich in drei Kategorien einteilen: Mitarbeiter eines manipulativen Konzerns, die durch finanzielle Unterstützungen sogar die Zustimmung der Regierung bekommen, unbedarfte Mitläufer, die die Entwicklung in ihrem Land nicht in Frage stellen so wie ein paar wenige Widerstandskämpfer, die ihr eigenes Leben für eine bessere Zukunft riskieren. Auch hier sind wieder Parallelen zu unserer Zeit erkennbar.

Es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich mit „Mind games“ warm geworden bin, aber dann konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Mit jeder Seite bringt Luna mehr schreckliche Details ans Licht. Der finale Plottwist ist unerwartet grausam, aber gerade dadurch klingt das Buch auch nach dem Lesen noch eine Weile nach.

Diesen Roman kann ich jedem empfehlen, der gerne Spannungsliteratur liest. „Mind games“ ist für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet.

Veröffentlicht am 22.06.2019

Wunderbarer Schmöker

Das Leuchten jenes Sommers
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Nikola Scotts Roman „Das Leuchten jenes Sommers“ ist für mich der Beweis, dass auch eine Geschichte ohne viel Action von der ersten bis zur letzten Seite spannend sein kann.
Im Grunde werden hier zwei ...

Nikola Scotts Roman „Das Leuchten jenes Sommers“ ist für mich der Beweis, dass auch eine Geschichte ohne viel Action von der ersten bis zur letzten Seite spannend sein kann.
Im Grunde werden hier zwei von einander unabhängige Handlungen erzählt.
Kurz vor dem zweiten Weltkrieg wartet Maddy sehnsüchtig auf ihre ältere Schwester. Diese kommt jedoch nicht alleine, sondern bringt einige Freunde mit, die sie auf ihrer Europareise kennengelernt hat. Das Leben auf dem englischen Landsitz steht Kopf und die jungen Leute feiern eine Party nach der anderen – bis die Ausgelassenheit ein dramatisches Ende nimmt.
Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit der Fotografin Chloe, die einer gewalttätigen Ehe feststeckt. Ich dachte zunächst, wir befinden uns in den 50er Jahren, tatsächlich spielt dieser Teil der Geschichte 2016, nur Chloes Mann ist mit seinen Anforderungen an eine Ehefrau in einer längst vergangenen Zeit hängen geblieben.
Chloe bekommt den Auftrag, ein Foto von Maddy für ihr neues Buch aufzunehmen – und so kreuzen sich die Wege der beiden Frauen.

Von Anfang an hat mich Nikola Scotts Schreibstil begeistert. Es gelingt ihr sehr gut, die Atmosphäre des Buches zu transportieren. Der Charme des englischen Landhauses ist definitiv bei mir angekommen. Auch wenn die beiden Handlungsstränge grundsätzlich von einander unabhängig sind, so haben sie dennoch die zentralen Themen gemeinsam. Maddy und auch Chloe kennen sowohl die besitzergreifende, zerstörerische Liebe eines Mannes, als auch die bedingungslose Liebe zwischen Geschwistern.
Am Ende des Romans überschlagen sich die Ereignisse auf beiden Erzählebenen und es wird spannend wie ein Krimi.
Dies steht im harten Gegensatz zur restlichen Geschichte. Insbesondere der Rückblick in Maddys Vergangenheit ist eine verhältnismäßig ruhige Angelegenheit. Die Handlung umfasst nur wenige Tage und geht sehr ins Detail bei der Beschreibung von Leuten und Umgebungen.
Dennoch ist für mich zu keiner Zeit Langeweile aufgekommen. Im Gegenteil, ich war völlig in diesen englischen Sommer vertieft.
Ich denke, dies spricht für den Erzählstil der Autorin. „Das Leuchten jenes Sommers“ hat auf jeden Fall 5 Sterne verdient und ihr Debütroman ist nun auch auf meine Wunschliste gewandert.