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Veröffentlicht am 22.02.2020

Überraschungshit

Echo des Schweigens
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Durch den Klappentext hatte ich mich auf ein Buch eingestellt, welches sich hauptsächlich um einen Gerichtsprozess dreht. Tatsächlich ist der Fall Okeke nur ein kleiner Teil des Romans, denn hier wird ...

Durch den Klappentext hatte ich mich auf ein Buch eingestellt, welches sich hauptsächlich um einen Gerichtsprozess dreht. Tatsächlich ist der Fall Okeke nur ein kleiner Teil des Romans, denn hier wird noch viel mehr erzählt. Es geht um die Pathologin Sophie, die sich auf die Suche nach ihrem Vater macht und verzweifelt versucht zu verstehen, warum dieser sympathische Mann sie und ihre Mutter im Stich gelassen hat. Parallel dazu lernt Sophie den Anwalt Hannes kennen, doch die junge Liebesbeziehung gerät ins Wanken, als sich die beiden im Gerichtssaal begegnen. In Rückblicken wird zudem noch die Geschichte der Jüdin Lea erzählt, die 1941 versucht, Deutschland zu verlassen.

„Echo des Schweigens“ ist vollgepackt mit verschiedenen Handlungssträngen, die sich allesamt sehr fesselnd lesen. Es ist kein Buch, dass man mal eben nebenbei liest. Der Autor fordert seine Leser durchaus und man sollte sich in jedem Fall die Zeit und die Ruhe nehmen, den Roman konzentriert zu lesen. Zum einen um nichts zu verpassen und zum anderen, weil das Buch einfach die volle Aufmerksamkeit verdient. Ich hatte davor einen sehr seichten Roman gelesen und so war der Schreibstil von Markus Thiele sprachlich ein absoluter Genuss.

Auch die optische Gestaltung finde ich großartig. Entfernt man den Schutzumschlag, so findet man darunter ein identisches Motiv mit umgekehrten Farben. Diese Spielerei passt perfekt zur Handlung. Es ist nicht alles schwarz oder weiß. Schwarz kann genauso weiß sein, es kommt auf die Sichtweise des Betrachters an.

Der auf dem Klappentext beschriebene Prozess ist zwar im Grunde nur ein Randthema, aber das Buch beginnt und endet mit diesem Fall der verdeutlicht, dass in einem Rechtsstaat Gerechtigkeit nicht unbedingt bedeutet, dass alles gerecht endet, sondern dass bestimmte Regeln eingehalten werden. Es ist erschütternd und interessant gleichermaßen, dass man von jeder Schuld freigesprochen werden kann, wenn man nur den richtigen Rechtsanwalt hat.

Lange Zeit war mir nicht ganz klar, wie die einzelnen Handlungsstränge nun zusammenhängen. Am Ende wird alles miteinander verwoben, auf eine Art, die etwas zu unwahrscheinlich erscheint, was aber an meiner Gesamtbewertung nichts ändert.
„Echo des Schweigens“ war für mich ein Überraschungshit. Weder vom Autor noch vom Verlag hatte ich zuvor gehört. Das Buch übertraf meine Erwartungen bei weitem und ich vergebe sehr gerne 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2020

Charaktere mit niedrigem IQ

Wintervanille
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Auf Manuela Inusas Roman „Wintervanille“ hatte ich mich sehr gefreut. Das Cover sieht ansprechend aus und der Klappentext verspricht eine romantische Geschichte im Schnee. Leider zeichnete sich schon nach ...

Auf Manuela Inusas Roman „Wintervanille“ hatte ich mich sehr gefreut. Das Cover sieht ansprechend aus und der Klappentext verspricht eine romantische Geschichte im Schnee. Leider zeichnete sich schon nach wenigen Seiten ab, dass dieses Buch und ich vermutlich keine Freunde werden. Der Schreibstil ist sehr simpel. Der Wortschatz, der hier verwendet wurde, ist nicht sonderlich groß und der Satzbau ist immer gleich. Gerne wird das Wörtchen „nämlich“ verwendet, was dem Ganzen etwas neunmalkluges verleiht. Zudem verliert sich die Autorin immer in Aufzählungen von Nichtigkeiten. Der Schreibstil ist am ehesten mit einem Kinderschulaufsatz zu vergleichen.
Auch die Charaktere sind einfach gestrickte Menschen. Die Kapitel über Julia empfand ich noch ganz in Ordnung. Die Geschichte über ihre schwierige Kindheit und wie sie sich weiterentwickelt hat, war recht interessant. Dieser Teil war auch normal geschrieben, deswegen habe ich ehrlich überhaupt keine Ahnung, was mit dem Rest des Buches passiert ist. CeCe konnte ich überhaupt nicht für voll nehmen. Sie soll eine erfolgreiche Vanillefarmerin sein, die ihre Produkte im halben Land verkauft, wirkt allerdings, als wenn es mit ihrem IQ nicht besonders weit her wäre. Ein Beispiel: „Ich habe mal eine Folge von 'Unsere kleine Farm' gesehen, weil darin eine Farm vorkommt“. Ein anderes Mal lässt sie sich von Julia Frischkäse-Gurken-Sandwiches machen, um sich wie ein Star zu fühlen. Was isst sie denn normalerweise, wenn so etwas alltägliches und preiswertes Haute Cuisine für sie ist? Zuerst habe ich ihre Naivität nur belächelt. Komplett untendurch war sie bei mir, als sie sich über Benedicts neue Freundin Candy lustig gemacht hat, weil diese nicht gerade die hellste Kerze am Baum ist. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen...
Als ich in der Mitte des Buches war, begann ich mich langsam zu wundern, wann denn nun endlich die auf dem Klappentext angesprochene Liebesgeschichte beginnt. Tatsächlich dauert es ungefähr bis zur Seite 300, bis Richard und CeCe sich das erste Mal treffen. Diese Romanze ist auch etwas merkwürdig. Richard saß vor dem Fernseher und dachte sich: „Ach, wenn ich doch endlich eine Frau hätte, dann müsste ich weniger arbeiten. Oh, da ist ja ein hübsches Exemplar im Fernsehen, dann nehme ich einfach die“. Das hat etwas von Frau im Katalog bestellt. Eine Gemeinsamkeit haben die beiden allerdings auf jeden Fall, denn auch Richard ist keine Intelligenzbestie. Das Wort Einkäufer kennt der Hotelier zum Beispiel nicht. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben Richard und CeCe ihr Strohkopfleben noch heute.

Dieser Roman war für mich leider ein Flop. Ich dachte, ich könnte zumindest die Vanilleplätzchen nach backen aber wer hochwertige Vanilleschoten mit Vanillinzucker kombiniert, der kann nur ein Geschmacksbanause sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Vanillefarmer seine hochwertige Ware mit künstlichem Aroma mischen würde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.02.2020

Märchenhaft

Cinder & Ella
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Gleich auf den ersten vier Seiten passiert so viel, wie in manchen anderen Romanen im ganzen Buch. In einem Moment ist Ella noch glücklich, im nächsten Augenblick kommt es zu einem Autounfall. Ihre Mutter ...

Gleich auf den ersten vier Seiten passiert so viel, wie in manchen anderen Romanen im ganzen Buch. In einem Moment ist Ella noch glücklich, im nächsten Augenblick kommt es zu einem Autounfall. Ihre Mutter stirbt, Ella überlebt mit schwersten Verbrennungen und liegt sogar eine Zeitlang im Koma.
Nach zahllosen Hauttransplantationen muss sie zu ihrem Vater ziehen, den sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat.
„Cinder & Ella“ von Kelly Oram lässt sich angenehm leicht lesen und ist ein gutes Buch für zwischendurch. Es gibt ein paar Parallelen zu dem bekannten Märchen, was ich eine süße Idee fand. Die Charaktere sind teilweise sehr extrem gezeichnet. Ellas neue Familie hat so wenig Verständnis, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich das unrealistisch finde oder ob ich diese Leute einfach nur hasse. Insbesondere die Stiefschwester Ana ist eine richtige Rotzgöre. Die Stiefmutter legt viel Wert auf Äußerlichkeiten, dafür fehlt es ihr an Empathie. Gegen Ende des Buches erklärt Ellas Vater zwar halbherzig, warum er seine Tochter vor so vielen Jahren verlassen hat, zu einem besseren Menschen wird er dadurch allerdings auch nicht.
Ich habe mich sehr für Ella gefreut, als sie endlich ein paar Freunde gefunden hat. Und dann ist da auch noch ihr langjähriger Internetfreund Cinder, hinter dessen Pseudonym sich ein bekannter Jungschauspieler verbirgt. Diese Beziehung macht den Reiz des Buches aus, die Schlagabtausche bringen Leichtigkeit in die sonst sehr tragische Geschichte über Verlust und Mobbing.
„Cinder & Ella“ ist kurzweilig geschrieben. Ständig passiert etwas und man kaum erwarten, bis sich die beiden endlich persönlich treffen. Ich weiß, dass es noch einen zweiten Band gibt, aber ich fand das Ende des ersten Teils so schön rund und vor allem märchenhaft, dass das Buch genauso gut für sich alleine stehen kann.
Eine Verfilmung könnte ich mir hierzu übrigens sehr gut vorstellen (Hallo Netflix!).

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2020

Sympathische Charaktere und langweiliger Mordfall

Doggerland. Tiefer Fall
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„Doggerland – Tiefer Fall“ ist der zweite Band einer Krimiserie von Maria Adolfsson. Den ersten Teil kenne ich nicht, aber wie so häufig bei Krimis kann man die einzelnen Bücher gut unabhängig von einander ...

„Doggerland – Tiefer Fall“ ist der zweite Band einer Krimiserie von Maria Adolfsson. Den ersten Teil kenne ich nicht, aber wie so häufig bei Krimis kann man die einzelnen Bücher gut unabhängig von einander lesen.
Nachdem Kripobeamtin Karen Eiken Hornby im Einsatz verletzt wurde, ist sie schon längere Zeit krankgeschrieben, als ihr Chef, zu dem sie seit einem One night stand ein angespanntes Verhältnis hat, sie frühzeitig in den Dienst zurückruft. In Karens alter Heimat Noorö ist ein Mord passiert.

Karen war mir sofort sympathisch. Sie ist einerseits froh, nicht mehr tatenlos zu Hause sitzen zu müssen, gleichzeitig ist sie oft genervt von den Eigenarten ihrer Kollegen und Mitmenschen und hat am liebsten ihre Ruhe. Eine Einstellung, die vermutlich die meisten von uns nachvollziehen können. Hinzu kommt ihre sarkastische Art, wodurch sich viele Dialoge, in die Karen verwickelt ist, amüsant lesen.
Schauplatz ist eine fiktive Inselgruppe namens Doggerland. Das Klima ist rau, gerade um die Jahreswende und die Orte sind abgeschieden. Die Beschreibungen der Umgebung ließen mich bedauern, dass es Doggerland nicht wirklich gibt. Was die Charaktere und die Landschaft angeht, war dieses Buch ein voller Erfolg für mich. Leider konnte mich der Kriminalfall selbst nicht sonderlich überzeugen. Ein 72 Jahre alter Lehrer wird tot auf einem Felsvorsprung gefunden. Es dauert ewig, bis der Fall in die Gänge kommt. Seitenlang werden nur Gespräche geführt. Mit dem Pfarrer, mit den Angehörigen und mit Karens Verwandtschaft. In diesen Gesprächen geht es viel um die familiären Verstrickungen auf der Insel, wer mit wem verbandelt ist, welchen Beruf er hat usw. Es sind extrem viele Informationen, die auf den Leser einprasseln und viele sind noch nicht mal sonderlich relevant. Ich war froh, als Karen über Silvester nach Hause fährt um mit ihren Freunden zu feiern, denn es war eine willkommene Abwechslung zum trägen Tempo. Auch die Geschichte um Karens Freundin Aylin konnte mich fesseln. Die Autorin kann also durchaus interessant schreiben. Deswegen verstehe ich es absolut nicht, warum sie sich so eine Schlaftablette von Mordfall ausgedacht hat. Bis zur Seite 350 wusste ich über das Verbrechen im Grunde so wenig wie auf Seite 1 und die Frage nach dem warum war mir mittlerweile komplett egal.
Auf den letzten 50 Seiten wird es dann doch nochmal spannend, nicht wegen dem Mord, sondern wegen dem, was mit Karen passiert.
Obwohl ich diesem Buch nur 3 Sterne geben kann, möchte ich trotzdem noch mindestens einen weiteren Teil der Serie lesen. Schon um zu wissen, wie es mit Karen, Leo, Sigrid, Aylin und allen anderen weitergeht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2020

Sprachlich sehr gelungen

Die Frauen von Richmond Castle
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Eins meiner Jahreshighlights 2018 war „Die Sonnenschwestern“ von Tracy Rees. Mit hohen Erwartungen habe ich deswegen ihre anderen beiden Romane „Amy Snow“ und „Florence Grace“ gelesen und fand sie bestenfalls ...

Eins meiner Jahreshighlights 2018 war „Die Sonnenschwestern“ von Tracy Rees. Mit hohen Erwartungen habe ich deswegen ihre anderen beiden Romane „Amy Snow“ und „Florence Grace“ gelesen und fand sie bestenfalls mittelmäßig. Der Klappentext von „Die Frauen von Richmond Castle“ klang so vielversprechend, dass ich beschloss, der Autorin noch eine Chance zu geben. Eine gute Entscheidung, wie ich schon nach wenigen Seiten feststellte. Die Geschichte beginnt am 21. Geburtstag der Hauptfigur. Ich habe es sehr begrüßt, dass die Protagonisten allesamt erwachsen sind, war es doch gerade die kindliche Ausdrucksweise, die mir in „Amy Snow“ und „Florence Grace“ weniger zugesagt hat.
Der Dreh- und Angelpunkt dieses neuen Romans ist die wohlhabende Familie Camberwell. Sie sind allesamt Sympathieträger und haben das Herz auf dem rechten Fleck. Ihre individuellen Eigenarten machen sie noch authentischer und liebenswerter.
Hauptsächlich wird die Geschichte aus Sicht der jüngsten Camberwell Tochter Ishbel, genannt Blue, erzählt. Mit der Erwartungshaltung der damaligen Gesellschaft, sich baldmöglichst einen Ehemann zu suchen, kann sie nicht viel anfangen. Sie ist eine moderne junge Frau, die sich zuerst selbst verwirklichen möchte. Sie träumt von einer Karriere als Schriftstellerin und ist überglücklich, als sie für ein halbes Jahr einen Job bei einer Zeitung bekommt. Die selbe Zeitung, in deren Klatschspalte sie regelmäßig der Star ist, insbesondere seit ihr Vater öffentlich alle heiratswilligen Männer aufgerufen hat, das Herz seiner Tochter per Brief zu erobern. Eine Sache, die Blue zunächst zuwider war, aber als die ersten Briefe eintrudeln, kann sie sich deren Faszination doch nicht entziehen.
„Die Frauen von Richmond Castle“ beginnt 1925 und Tracy Rees bedient sich einer Sprache, die die damalige Zeit wiederaufleben lässt. Sie entscheidet sich bewusst für teilweise antiquierte Ausdrücke, was mir sehr gut gefallen hat. Manche längst vergessene Wörter habe ich mir gleich mehrmals durchgelesen um sie mir einzuprägen, da ich ein absolutes Faible für aus der Mode gekommene Ausdrücke habe.
Ich denke, wer gerne Jane Austen liest, wird mit „Die Frauen von Richmond Castle“ glücklich werden.
Auch der Schauplatz, das Örtchen Richmond, ist absolut bezaubernd und die Beschreibungen der Landschaft zeichnen so ein idyllisches Bild, dass man selbst gerne in diese Gegend reisen möchte.
Der Hauptfokus liegt zwar auf Blue, aber wie der Titel schon verrät, geht es hier um mehr als eine Frau. Bei den anderen beiden handelt es sich zum einen um Delphine, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht und schon bald eine enge Freundin der Camberwells wird sowie um Midge – Kenneth Camberwells zweite Frau, die das Gefühl hat, im Schatten ihrer verstorbenen Vorgängerin zu stehen.
Alle drei sind grundverschiedene Persönlichkeiten. Insbesondere Blue und Delphine mochte ich sehr und habe Ihre Entwicklung mit Interesse verfolgt.
So bildgewaltig, wie der Roman geschrieben ist, hat er gleichzeitig ein paar Längen, die zwar nicht langweilig sind, aber das Buch zu einer ruhigen Lektüre machen. Es gibt keine großen Überraschungen auch das Familiengeheimnis konnte ich schon früh erahnen. Der Klappentext ist hier übrigens etwas irreführend – die Freundschaft von Blue und Delphine ist nie in Gefahr und es gibt keine Probleme zwischen den beiden.
Das Ende ist rund und stimmig mit einer positiven Tendenz für die Zukunft. „Die Frauen von Richmond Castle“ ist nicht so gut wie „Die Sonnenschwestern“ aber für mich das zweitbeste Buch der Autorin und ein Schmöker, den ich gerne gelesen habe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere