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Veröffentlicht am 19.03.2026

Zwischen Misstrauen und Gefühlen

Liars all around me
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„Liars all around me“ von Clara Blais ist ein spannender Jugendthriller, der mich vor allem durch die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und die stetig wachsende Spannung überzeugen konnte.

Im Mittelpunkt ...

„Liars all around me“ von Clara Blais ist ein spannender Jugendthriller, der mich vor allem durch die Dynamik zwischen den Hauptfiguren und die stetig wachsende Spannung überzeugen konnte.

Im Mittelpunkt steht Avery, die perfekte Musterschülerin, die scheinbar alles unter Kontrolle hat – bis sie den vermeintlichen Bad Boy Ryle darum bittet, ihr eine Pistole zu besorgen. Als dieser ablehnt und kurz darauf ihre Mitschülerin Sheila erschossen aufgefunden wird, geraten die Ereignisse ins Rollen. Besonders interessant ist dabei, dass Avery und das Opfer keine Freundinnen waren, sondern Rivalinnen, die beide unbedingt die Beste sein wollten. Ryle verdächtigt Avery daher zunächst, doch anstatt zur Polizei zu gehen, lässt er sich von ihr überreden, gemeinsam nach dem wahren Täter zu suchen. Diese Entscheidung sorgte für eine spannende, oft von Misstrauen geprägte Dynamik zwischen den beiden.

Die wechselnden Perspektiven zwischen Avery und Ryle gaben der Geschichte zusätzliche Tiefe und ermöglichten es, beide Seiten besser zu verstehen. Die Figuren empfand ich insgesamt als angenehm ausgearbeitet, auch wenn ich mir stellenweise noch mehr Tiefe gewünscht hätte.

Ein kleiner Kritikpunkt war für mich die Ermittlungsarbeit: Diese wirkte teilweise etwas planlos und hätte konsequenter sowie strategischer sein können. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Handlung etwas vor sich hin dümpelte, anstatt gezielt voranzugehen.

Besonders positiv hervorheben möchte ich jedoch die Beziehung zwischen Avery und Ryle. Die Lovestory entwickelte sich langsam, wirkte authentisch auf mich und wurde wirklich schön umgesetzt. Gerade Ryle ist mir sehr ans Herz gewachsen. Hinter seiner Fassade steckt ein unglaublich loyaler und reflektierter Charakter, in meinen Augen eine absolute Green Flag!

Das Finale hat mich dann nochmal richtig überrascht, auch wenn einige Entwicklungen im Verlauf der Geschichte vorhersehbar waren. Trotz der spannenden Ansätze kam die Geschichte für mich jedoch nicht ganz an die Romane von Holly Jackson heran, vor allem was die Tiefe der Ermittlungen und die Komplexität der Handlung betrifft.

Fazit: Ein unterhaltsamer Jugendthriller mit authentischer Romance, spannender Grundidee und kleinen Schwächen in der Umsetzung der Ermittlungen – perfekt für alle, die Highschool-Drama mit einem Hauch von Spannung und Gefühlen mögen.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Hexe trifft Werwolf

Witch of the Wolves - Halbmond Erbe
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Nach dem Tod ihrer Mutter lebt die Hexe Cordelia bei ihrer Tante in London und hat sich bewusst entschieden, keinem Hexenzirkel anzugehören, um ihre Freiheit zu bewahren. Doch ihr Leben nimmt eine abrupte ...

Nach dem Tod ihrer Mutter lebt die Hexe Cordelia bei ihrer Tante in London und hat sich bewusst entschieden, keinem Hexenzirkel anzugehören, um ihre Freiheit zu bewahren. Doch ihr Leben nimmt eine abrupte Wendung, als Fremde in das Haus eindringen und sie von dem Werwolf Bishop gerettet und gleichzeitig im Auftrag ihres bislang unbekannten Vaters entführt wird. Kurz darauf erfährt Cordelia, dass sie nicht nur aus einer Hexenlinie stammt, sondern väterlicherseits auch mit einem mächtigen Werwolfrudel verbunden ist. Diese besondere Herkunft macht sie allerdings nicht nur außergewöhnlich, sondern auch zur Zielscheibe. Im Rudel ihres Vaters muss sie nun ihren Platz finden – und nicht jeder ist damit einverstanden, dass eine Frau Teil ihrer Reihen wird.

Der Roman ließ sich insgesamt sehr flüssig lesen. Der Schreibstil war angenehm und leicht zugänglich, sodass ich schnell durch die Geschichte kam. Inhaltlich lag der Fokus allerdings deutlich stärker auf der Beziehung zwischen Cordelia und Bishop als auf den Fantasy-Elementen. Die Romance ist zwar süß und unterhaltsam, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die magische Welt und die Konflikte rund um Hexen und Werwölfe stärker ausgearbeitet werden.

Gerade im Fantasy-Bereich blieben für mich einige Fragen offen und manche Entwicklungen wirkten nicht ganz logisch. Gleichzeitig gab es aber auch überraschende und spannende Momente, die mich positiv überrascht haben. Besonders gelungen fand ich, dass man sich nie ganz sicher sein konnte, welche Figuren wirklich vertrauenswürdig sind oder ob sie die Geschichte überhaupt überleben.

Die Charaktere bleiben leider insgesamt etwas oberflächlich und hätten mehr Tiefe vertragen können. Auch das spannende Grundkonzept – eine Protagonistin zwischen Hexen- und Werwolfwelt – hätte noch deutlich mehr Potential geboten.

Wegen dieser Kritikpunkte war ich letztlich ganz froh, dass es sich um einen Band handelt, der in sich abgeschlossen wirkt, und einen nicht zwingt, den nächsten Teil unbedingt lesen zu müssen. Insgesamt ist es eine unterhaltsame Urban-Fantasy-Romance mit interessanten Ideen, die leider nicht vollständig ausgeschöpft wurden.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Spannung unter der Oberfläche

Ultramarin
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"Ultramarin" von Ann-Christin Krumm ist ein intensives psychologisches Drama über Abhängigkeit, Manipulation und die zerstörerische Dynamik einer Beziehung.

Im Mittelpunkt steht Lou, der gemeinsam mit ...

"Ultramarin" von Ann-Christin Krumm ist ein intensives psychologisches Drama über Abhängigkeit, Manipulation und die zerstörerische Dynamik einer Beziehung.

Im Mittelpunkt steht Lou, der gemeinsam mit seinem charismatischen Freund Raf und spontan auch der gleichaltrigen Nora an die dänische Küste reist. Schon früh wird deutlich, dass zwischen den dreien keine Urlaubsstimmung, sondern eine zunehmend beunruhigende Dynamik herrscht.

Der Roman wird vollständig aus Lous Perspektive erzählt. Dadurch erhält man einen sehr direkten Einblick in seine Gedankenwelt, wodurch sich nach und nach die ganze emotionale Komplexität der Situation entfaltet.

Besonders gelungen empfand ich dabei die Struktur mit wechselnden Zeitebenen. Während die Gegenwart die Reise zur Küste begleitete, führten Rückblenden zurück in Lous Teenagerzeit, als er Raf kennenlernte. Diese Kapitel halfen mir sehr dabei, die Dynamik zwischen den beiden Figuren zu verstehen.

Die Atmosphäre des Romans empfand ich von Beginn an als angespannt, beklemmend und unterschwellig bedrohlich. Zwischen den Figuren lag ständig etwas Ungesagtes in der Luft, als könnte die Situation jederzeit kippen. Besonders eindringlich war für mich dabei das Gefühl, dass Lou sich immer tiefer in einen Strudel hineinziehen ließ, aus dem er kaum noch herausfand.

Der Schreibstil hat mich allerdings zwiegespalten zurückgelassen. Gerade zu Beginn empfand ich diesen als recht herausfordernd. Die teilweise abgehackten Sätze, die indirekte Rede und die ungewöhnliche Zeichensetzung – wie z.B. Punkte statt Fragezeichen bei Lous Gedankengängen – wirkten zunächst sperrig und verlangten von mir einiges an Konzentration. Mit der Zeit habe ich mich jedoch daran gewöhnt, und je stärker die Spannung anzog, desto mehr flog ich über die Seiten hinweg.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die psychologische Feinzeichnung. Die Geschichte zeigt sehr eindrücklich, wie Manipulation funktionieren kann und wie schwer es sein kann, sich aus solchen Dynamiken zu lösen. Die Figuren handelten oft widersprüchlich und manchmal auch verstörend, manchmal hätte ich sie gerne geschüttelt - emotional hat es mich voll gepackt! Die Spannung entstand dabei weniger durch klassische Action als durch das stetige Gefühl, dass sich etwas zusammenbraut. Fragen, Andeutungen und kleine Details bauten sich langsam auf und sorgen dafür, dass ich unbedingt wissen wollte, wie alles zusammenhängt.

Das Finale konnte mich letztlich überraschen und rundete die Geschichte auf intensive Weise ab. Trotzdem hätte ich mir an manchen Stellen eine noch etwas stärkere Ausarbeitung gewünscht, insbesondere bei einigen Nebenfiguren und Entwicklungen. Insgesamt blieb der Roman aber ein fesselnder und eindringlicher Blick auf toxische Beziehungen und emotionale Abhängigkeit.

Wer hier eine sommerlich-leichte Urlaubsgeschichte erwartet, wird allerdings schnell merken: Diese Atmosphäre gibt es in diesem Buch nicht. Stattdessen entsteht eine dichte, teilweise beklemmende Stimmung, die einen bis zum Ende begleitet.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Spione im Umbruch

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson bin ich zunächst richtig gut ins Buch gestartet. Der Prolog war extrem spannend und fühlte sich fast wie eine Szene aus einem Agententhriller ...

Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson bin ich zunächst richtig gut ins Buch gestartet. Der Prolog war extrem spannend und fühlte sich fast wie eine Szene aus einem Agententhriller an – mit Vergiftungserscheinungen bei der ambivalenten Hauptfigur Dieter Germeshausen und einer Atmosphäre, die fast schon an „James-Bond-Action“ erinnerte. Sofort stellte sich die Frage: Wie ist es zu dieser Situation gekommen – und wird Germeshausen überleben?

Nach diesem starken Einstieg sprang die Handlung einige Tage zurück und erzählte die Ereignisse abwechselnd aus den Perspektiven von Doppelagent Germeshausen und dem Dichter Jakob Dreiser. Dieser Perspektivwechsel funktionierte für mich sehr gut. Jakob wirkte auf mich zunächst etwas naiv und optimistisch – fast wie ein „Golden Retriever“, der mit ehrlicher Neugier auf die Welt blickt. Germeshausen dagegen war deutlich pessimistischer und vom Ende des Kalten Krieges eher verunsichert als erleichtert. Während Jakob an kulturelles Zusammenwachsen glaubte, sah Germeshausen vor allem die politischen und persönlichen Risiken. Diese unterschiedlichen Blickwinkel machten den Roman besonders interessant.

Auch das historische Setting hat mir gut gefallen. Die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist eine Phase voller Aufbruchsstimmung, aber auch Unsicherheit – und genau dieses Spannungsfeld fing der Autor sehr gelungen ein. Mit kleinen Details gelang es ihm, den Zeitgeist lebendig werden zu lassen. Gleichzeitig schwang immer wieder die Frage mit, ob der Frieden tatsächlich dauerhaft sein wird – eine Thematik, die heute wieder erschreckend aktuell wirkt.

Besonders stark empfand ich auch viele der Sprachbilder. Einige Formulierungen waren wirklich stimmig wie z.B. etwa die Stelle, in der jemand „nicht nur auf Russisch und Englisch, sondern auch auf Italienisch schwieg“. Oder "Wie konnte man besser markieren, dass man der Chef war, als dadurch, dass man den absurdesten Blödsinn behauptete und niemand widersprach?" Solche Momente zeigten Kristof Magnussons Talent für humorvolle, zugleich pointierte Beobachtungen.

Die Figuren empfand ich als größtenteils sehr greifbar und unterhaltsam. Neben Jakob und Germeshausen tauchten einige schillernde Persönlichkeiten auf wie etwa eine reiche Kommunistin oder eine ausgesprochen indiskrete Geliebte. Diese Mischung aus politischen Intrigen und skurrilen Charakteren sorgte immer wieder für amüsante Momente.

Allerdings beinhaltete der Roman für mich auch einige Schwächen. Nach dem starken Prolog ließ das Tempo etwas nach, und manche Passagen zogen sich durch sehr detaillierte Beschreibungen. Besonders Reise- oder Umgebungsschilderungen wirkten stellenweise zu ausufernd. Der Schreibstil war zwar direkt, aber teilweise auch verschachtelt und mit vielen historischen oder politischen Anspielungen gespickt. Das machte das schnelle Überfliegen der Seiten anspruchsvoller, als ich zunächst erwartet hatte.

Trotzdem blieb die Handlung insgesamt unterhaltsam und wartete mit einigen unerwarteten Wendungen auf. Gerade die Mischung aus Humor, Spionagegeschichte und nachdenklichen Momenten funktionierte insgesamt gut.

Am Ende hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Geschichte etwas an Fokus verlor. Einige Handlungsstränge wirkten weniger ausgearbeitet oder sogar unnütz, als ich es mir gewünscht hätte, und der starke Eindruck des Anfangs wurde nicht mehr erreicht.

Unterm Strich ist „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ein unterhaltsamer Roman mit spannenden Ideen, originellen Figuren und einer faszinierenden historischen Kulisse, auch wenn es zwischendurch ein paar Längen gab und der Stil nicht immer leicht zu lesen war. Ich vergebe 3,5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Große Themen, zu wenig Tiefe

Real Americans
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Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong hat mich zunächst sofort gepackt. In den ersten Kapiteln bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen und habe den Einstieg in einem Rutsch gelesen. Der ...

Der Roman "Real Americans" von Rachel Khong hat mich zunächst sofort gepackt. In den ersten Kapiteln bin ich sehr gut in die Geschichte hineingekommen und habe den Einstieg in einem Rutsch gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist atmosphärisch und sehr detailreich, was für lebendige Szenen sorgte, mir zum Ende hin aber doch zu detailreich-ausufernd wurde.

Im Mittelpunkt steht zunächst die Protagonistin Lily, die in ihren Zwanzigern in New York lebt und Kind chinesischer Einwanderer ist. Sie wirkte orientierungslos und ein wenig wie auf dem Abstellgleis ihres eigenen Lebens: beruflich wie privat isoliert, ohne klares Ziel vor Augen und mit einem geringen Selbstbewusstsein. Gerade diese Unsicherheit machte sie aber auch glaubwürdig. Sie hatte oft das Gefühl, nicht wirklich irgendwo dazuzugehören - weder gesellschaftlich noch kulturell.

Ein wichtiger Aspekt des Romans ist die Frage nach Identität. Der Titel deutet es bereits an: Wer ist eigentlich ein „echter Amerikaner“? Lily sieht sich selbst ganz selbstverständlich als Amerikanerin. Gleichzeitig wird sie im Alltag immer wieder mit Fragen und Erwartungen konfrontiert, die ihr signalisieren, dass andere sie wegen ihres asiatischen Aussehens nicht so wahrnehmen. Besonders interessant fand ich den Konflikt zwischen äußerer Wahrnehmung und eigener Identität – ein Thema, das leider bis heute viele Menschen betrifft. Umso enttäuschter war ich, dass dieses Thema nicht die Tiefe und Auseinandersetzung erhielt, die ich mir erhofft hatte. Eine Ursache hierfür war, dass Lily leider kein Selbstbewusstsein hat und in den entsprechenden Situationen schwieg statt Missstände anzusprechen und aufzudecken. Eine weitere, dass der Roman diverse Themenfelder öffnete und dieses Hauptthema dadurch oft aus dem Fokus geriet.

Als Lily den gleichaltrigen Matthew kennenlernt, der der Inbegriff des privilegierten weißen Amerikaners ist, spielt eben diese Frage nach Identität und Herkunft eine große Rolle. Trotzdem hatte ich lange den Eindruck, dass sie sich eigentlich gut tun könnten. Leider entstanden im Verlauf viele Konflikte bzw. verschärften sich durch beidseitiges Schweigen und mangelnde Kommunikation. Auch ihr gemeinsamer Sohn Nick, dessen Perspektive im 2. Abschnitt des Romans im Fokus steht, hat unter diesen Auswirkungen zu leiden.

Im weiteren Verlauf weitet sich die Geschichte zu einem generationenübergreifenden Familienroman, der insbesondere Lilys Mutter Mei in den Fokus nimmt, aus. Dabei werden Themen wie Herkunft, Migration, wissenschaftlicher Fortschritt und familiäre Erwartungen miteinander verknüpft. Besonders spannend fand ich die Fragen rund um Genetik und medizinische Möglichkeiten – hier wirft der Roman einige wichtige ethische Überlegungen auf.

Allerdings hatte ich auch einige Schwierigkeiten mit der Struktur des Buches. Die Handlung schreitet teilweise sehr schnell voran und wichtige Entwicklungen werden im Zeitraffer erzählt. Dadurch blieben manche emotionalen Momente doch sehr auf Distanz. Insgesamt wirkte der Roman auf mich stellenweise etwas chaotisch, da viele unterschiedliche Themen und Perspektiven gleichzeitig eröffnet wurden.

Gerade die großen Fragen, die das Buch aufwirft – etwa zu Identität, Herkunft, wissenschaftlichem Fortschritt oder familiären Prägungen – wurden für mein Empfinden zu oberflächlich behandelt. Ich hätte mir gewünscht, dass einige dieser Aspekte mehr Raum bekommen, statt nur angerissen zu werden.

Am stärksten fand ich jene Passagen, die sich intensiver mit der Familiengeschichte und den Erfahrungen der älteren Generation rund um Lilys Mutter Mei beschäftigten. Hier bekam der Roman endlich eine emotionale Tiefe und historische Dimension, die mich wirklich sehr berührt hat.

Insgesamt fühlte sich das Buch für mich stellenweise an wie drei unterschiedliche Romane in einem: eine Art Liebesgeschichte, eine Familienchronik über mehrere Generationen und ein gesellschaftlicher Roman über Wissenschaft, Identität und Privilegien. Viele dieser Aspekte waren interessant, aber sie griffen nicht so nahtlos ineinander, wie ich es mir gewünscht hätte und verloren sich leider im Potpourri der vielen Themen. Hinzu kam eine Art Fantasy-Element, dessen Bedeutung sich mir bis zuletzt leider nicht erschloss.

"Real Americans" wirkte daher auf mich wie ein Roman-Experiment mit spannenden Ideen und wichtigen Fragen über Zugehörigkeit, Herkunft und darüber, was Familien – genetisch wie emotional – miteinander verbindet, der es aber wegen seiner partiellen Oberflächlichkeit nur zum Teil schaffte, Emotionen bei mir hervorzurufen.

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