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Veröffentlicht am 03.06.2026

Lady Grace als Seefahrerin

Lady Grace Mysteries
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In ihrem zweiten Abenteuer muss Lady Grace, ihres Zeichens Hofdame und zugleich persönliche Ermittlerin der Königin Elizabeth I., die verschwundene Lady Sarah aufspüren. Ihre Nachforschungen führen sie ...

In ihrem zweiten Abenteuer muss Lady Grace, ihres Zeichens Hofdame und zugleich persönliche Ermittlerin der Königin Elizabeth I., die verschwundene Lady Sarah aufspüren. Ihre Nachforschungen führen sie an Bord eines Schiffes, wo sie sich als Junge verkleidet unter die Mannschaft mischt. Zwischen Seefahrern und geheimnisvollen Machenschaften versucht Grace, das Rätsel um das Verschwinden zu lösen und den Verantwortlichen zu entlarven.

Nachdem mir der erste Band der Reihe sehr gut gefallen hat, konnte die Fortsetzung leider nicht ganz an dessen Spannung heranreichen. Einer der Gründe dafür war, dass mir relativ früh klar war, wer hinter der Entführung steckt. Dadurch fehlte mir etwas von dem Überraschungsmoment, das den ersten Band für mich so besonders gemacht hat.

Trotzdem hat mir die Geschichte insgesamt gut gefallen. Besonders das Setting rund um Seefahrer, Schiffe und die Seefahrt fand ich grundsätzlich spannend und gut umgesetzt. Es war sehr unterhaltsam zu verfolgen, wie sich Lady Grace als Junge verkleidet an Bord eines Schiffes einschleicht und bei der Suche nach Lady Sarah mithilft. Grace bleibt auch in diesem Band eine gewitzte, sympathische Hauptfigur, die ich sehr gern begleite.

Wie schon im Auftaktband wird die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen erzählt. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Sprache orientiert sich weiterhin am historischen Setting der Zeit von Königin Elizabeth I., wird diesmal jedoch durch zahlreiche Fachbegriffe aus der Welt der Schifffahrt ergänzt. Genau das war für mich allerdings auch der größte Kritikpunkt. Da ich mich mit Schiffen und Seefahrt kaum auskenne, musste ich viele Begriffe nachschlagen. Zwar gibt es im Anhang eine Übersicht mit Erklärungen, dennoch konnte ich mir vieles an Bord nur schwer vorstellen. Die vielen Fachbegriffe haben meinen Lesefluss teilweise gestört und die Lektüre etwas sperrig gemacht.

Gleichzeitig muss ich anerkennen, dass dieser Aspekt pädagogisch sehr gelungen umgesetzt wurde. Die Informationen wirkten nie belehrend, sondern wurden organisch in die Handlung eingebunden. Gerade für die eigentliche Zielgruppe dürfte der Lerneffekt spannend sein und das Interesse an Geschichte und Seefahrt wecken. Besonders gefallen hat mir außerdem der Appendix am Ende des Buches, der die historischen Hintergründe erläutert und zeigt, wie die damalige Zeit tatsächlich aussah. Solche Zusatzinformationen finde ich bei Kinder- und Jugendbüchern äußerst wertvoll.

Auch die bekannten Figuren aus dem ersten Band wie Königin Elizabeth I. und der Akrobat Masou haben mich gefreut. Insgesamt trifft die Reihe ihre Zielgruppe sehr gut und bietet eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Humor und historischen Einblicken.

Auch wenn „Verrat“ für mich etwas schwächer war als der Auftaktband, hat mich die Geschichte dennoch gut unterhalten. Die Reihe gefällt mir insgesamt wirklich gut, obwohl sie sich an ein jüngeres Publikum richtet. Ich freue mich deshalb schon auf die nächsten Abenteuer von Lady Grace – egal, ob diese am Hof oder irgendwo draußen in der Welt spielen!

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Veröffentlicht am 31.05.2026

Wenn Lucifer den besten Freund besetzt

Lucifer Ascending – One Sinful Secret
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"Lucifer Ascending – One Sinful Secret" ist der erste Band der neuen Dark-Romantasy-Dilogie von Marie Niehoff und konnte mich insgesamt gut unterhalten.

Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden ...

"Lucifer Ascending – One Sinful Secret" ist der erste Band der neuen Dark-Romantasy-Dilogie von Marie Niehoff und konnte mich insgesamt gut unterhalten.

Erzählt wird die Geschichte aus den wechselnden Perspektiven der Halbdämonin Lilian, ihres besten Freundes Jupiter sowie Lucifer. Lilian und Jupiter arbeiten als Dämonenjäger, bis Lilian gleich zu Beginn des Buches bei einem Einsatz stirbt. Um sie wiederzubeleben und am Leben zu halten, lässt sich Jupiter teilweise von Lucifer aus der Unterwelt besetzen. Eine Ausgangssituation, die nicht nur spannend, sondern stellenweise auch überraschend humorvoll ist.

Vor allem der von Lucifer besessene Jupiter war für mich eine der interessantesten Figuren des Romans. Jupiter ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen, und seine Entwicklung im Laufe der Geschichte fand ich sehr gelungen. Auch Lucifer verändert sich zunehmend und gewinnt immer mehr Facetten. Mit Lilian hingegen wurde ich leider nicht ganz warm. Zudem fiel es mir schwer nachzuvollziehen, wie schnell sie, obwohl sie Jupiter bereits seit Ewigkeiten liebt, Interesse an Lucifer entwickelt.

Zu Beginn war mir der Romance-Anteil etwas zu dominant, doch das relativiert sich im weiteren Verlauf der Geschichte glücklicherweise. Stattdessen rücken die Fantasy-Elemente zunehmend in den Vordergrund und diese konnten mich wirklich begeistern. Das Worldbuilding ist angenehm ausgewogen, für meinen Geschmack weder zu überladen noch zu oberflächlich. Gemeinsam mit den Figuren entdeckt man nach und nach die in Edinburgh angesiedelte Welt und ihre Geheimnisse, wodurch stets neue spannende Aspekte aufgedeckt werden.

Ab etwa dem ersten Drittel hat mich die Geschichte dementsprechend richtig gepackt. Die düsteren Fantasy-Anteile, die vielen Geheimnisse und die stetig wachsenden Spannungen sorgten dafür, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Zwar haben mich die zahlreichen Lügen und Geheimnisse zwischen den Figuren manchmal etwas genervt, auch wenn ich nachvollziehen konnte, warum diese für die Handlung notwendig waren.

Die romantischen Verwicklungen zwischen Lilian, Jupiter und Lucifer waren für meinen Geschmack stellenweise etwas zu viel. Besonders die Dreiecksbeziehung auf romantischer Ebene konnte mich nicht vollständig überzeugen, auch wenn sie durchaus gut geschrieben ist. Generell enthält das Buch recht viel Spice, den ich persönlich nicht unbedingt gebraucht hätte. Vor allem die Beziehung zwischen Lilian und Jupiter wird zeitweise stark darüber definiert, sodass mir andere Formen der Interaktion zwischen den beiden etwas gefehlt haben. Aufgrund ihrer gemeinsamen Vorgeschichte kann ich jedoch nachvollziehen, warum die Autorin diesen Schwerpunkt gesetzt hat.

Positiv hervorheben möchte ich außerdem den angenehmen Schreibstil, dem sich leicht folgen lässt, sowie die wunderschönen Illustrationen zwischen den übergeordneten Kapiteln. Solche liebevollen Details in Büchern mag ich immer besonders gern.

Insgesamt ist "Lucifer Ascending – One Sinful Secret" für mich kein Highlight geworden, aber dennoch ein guter Auftakt mit spannenden Fantasy-Ideen, interessanten Figurenentwicklungen und einer düsteren Atmosphäre, die mich überzeugen konnte. Der Cliffhanger macht definitiv neugierig auf Band zwei, den ich auf jeden Fall lesen werde.

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Veröffentlicht am 31.05.2026

Fantasy-Bachelor trifft Bridgerton

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain
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Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Ivy am königlichen Hofe eingeführt wird, entschließt sich Thronfolger Bram, Sohn der Fae-Königin Moryen, die folgende Saison zu nutzen, um eine geeignete Braut zu finden. ...

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Ivy am königlichen Hofe eingeführt wird, entschließt sich Thronfolger Bram, Sohn der Fae-Königin Moryen, die folgende Saison zu nutzen, um eine geeignete Braut zu finden. Als Ivy es unter die Favoritinnen schafft, wird ihr schnell klar, dass nicht alles gold ist, was glänzt...

Mit „The Rose Bargain“ liefert Sasha Peyton Smith einen unterhaltsamen Fantasy-Auftakt, der mit düsteren Fae-Elementen, Intrigen und einem spannenden Cliffhanger punktet, mich aber nicht in allen Bereichen vollständig überzeugen konnte.

Besonders gefallen hat mir die Protagonistin Ivy. Sie ist schlagfertig, mutig und bringt die nötige Stärke mit, um sich in der gefährlichen Welt der Fae und des höfischen Wettbewerbs zu behaupten. Trotzdem fiel es mir durch den Schreibstil schwer, eine wirklich tiefe emotionale Verbindung zu ihr aufzubauen.

Auch die Liebesgeschichte konnte mich nicht vollständig abholen. Zwar mochte ich den Love Interest grundsätzlich, aber die Entwicklung der Gefühle ging mir etwas zu schnell. Vor allem war für mich recht früh erkennbar, wer letztendlich als eigentlicher Love Interest aufgebaut wird. Prinz Bram blieb dabei für meinen Geschmack etwas zu glatt und erhielt für meinen Geschmack zu wenig gemeinsame Szenen mit Ivy, um die Dynamik zwischen den beiden wirklich nachvollziehen zu können. Deutlich interessanter fand ich dagegen seinen Bruder Emmett, bei dem ich viel mehr mitgefiebert habe.

Generell hätte ich mir an einigen Stellen mehr Ausarbeitung gewünscht. Manche wichtige Ereignisse wirkten überraschend kurz abgehandelt. So hatte beispielsweise der Mord an einer Figur kaum die emotionale Wirkung, die ich erwartet hatte, und hinterließ bei mir fast einen unbeabsichtigt komischen Eindruck. Auch die Charaktere insgesamt hätten für meinen Geschmack etwas mehr Tiefe vertragen können.

Positiv hervorheben möchte ich allerdings die Darstellung der Fae-Königin. Ihre Grausamkeit verlieh der Geschichte eine angenehm düstere Note und sorgte dafür, dass die Handlung nicht in einer weichgespülten Romantasy versank. Obwohl einige Entwicklungen vorhersehbar waren, gab es dennoch mehrere Twists, die mich wirklich überrascht haben.

Wer aufgrund der Vergleiche mit Bridgerton einen starken Fokus auf die Heiratssaison und den Wettstreit um das Herz des Prinzen erwartet, sollte die Erwartungen etwas anpassen. Die Grundzüge sind zwar erkennbar (nicht zuletzt durch das Setting im London des Jahres 1848), für mich fühlte sich das Buch aber eher wie eine Mischung aus Fantasy, Fae-Intrigen und einer Bachelor-ähnlichen Wettbewerbssituation an. Gerade der Wettstreit selbst hätte für meinen Geschmack noch stärker im Mittelpunkt stehen dürfen.

Trotz einiger Schwächen hat mich besonders das letzte Drittel überzeugt. Die Geschichte nahm zum Ende hin eine deutlich düsterere und spannendere Wendung, die in einem fiesen Cliffhanger gipfelt und große Erwartungen an den zweiten Band weckt.

Fazit: „The Rose Bargain“ ist ein solider Auftakt mit einer starken Grundidee, interessanten Twists und einer herrlich grausamen Fae-Königin. Einige Figuren und Handlungsstränge bleiben jedoch etwas unausgereift, sodass das Buch sein volles Potenzial noch nicht ganz ausschöpft. Dennoch macht das Ende definitiv Lust auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 31.05.2026

12 Sommer voller Sehnsucht

Kein Sommer ohne August
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Lucy Astners "Kein Sommer ohne August" war für mich ein wirklich intensives Leseerlebnis. Selten hat mich die emotionale Atmosphäre zwischen zwei Figuren so sehr gepackt wie hier. Die Geschichte von Charlie ...

Lucy Astners "Kein Sommer ohne August" war für mich ein wirklich intensives Leseerlebnis. Selten hat mich die emotionale Atmosphäre zwischen zwei Figuren so sehr gepackt wie hier. Die Geschichte von Charlie und August hat mich von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen. Eine bittersüße Liebesgeschichte voller Sehnsucht, verpasster Chancen, tragischer Momente sowie kleiner und großer Gefühle.

Besonders gelungen fand ich die Erzählstruktur. Die Kapitel wechseln zwischen der Gegenwart und den vergangenen elf Sommern, in denen sich die beiden Hauptfiguren August und Charlie kennenlernen und Jahr für Jahr enger zusammenwachsen. August lebt in New York und verbringt die Sommer bei seiner Großmutter in Liberty Beach, wo diese eine Buchhandlung besitzt. Charlie lebt im Ort und kommt im Gegensatz zu August aus sozial schwächeren Verhältnissen mit einer alleinerziehenden Mutter, die selbst einige Schwierigkeiten hat, sich im Leben zurechtzufinden. Die erste Begegnung zwischen Charlie und August beginnt denkbar ungewöhnlich: Als Charlie versucht, ein Buch zu stehlen, bemerkt sie August, erschrickt, lässt das Buch fallen und flüchtet aus dem Laden dessen Großmutter. Im Nachgang entwickelt sich eine Freundschaft, bei der schnell deutlich wird, dass zwischen den beiden weit mehr als nur Freundschaft entsteht.

Doch zahlreiche Schicksalsschläge und die persönlichen Prägungen der Figuren sorgen immer wieder für Distanz. Vor allem Charlie steht sich oft selbst im Weg. Ihre Angst davor, verletzt zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verhindert lange Zeit, dass sie wirklich glücklich werden kann. Während des Lesens war ich häufig wütend auf ihre Entscheidungen und hätte sie am liebsten geschüttelt. Gleichzeitig konnte ich ihre Unsicherheiten und die Auswirkungen ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter nachvollziehen. Ebenso sehr habe ich mit August gelitten, dessen Geduld und Gefühle immer wieder auf die Probe gestellt werden. Manche Situationen der Vergangenheit haben mich von der Atmosphäre und Charlies Lebenssituation her entfernt an "Der Gesang der Flusskrebse" erinnert.

In der Gegenwart kehrt Charlie nach Jahren der Abwesenheit nach Liberty Beach zurück, nachdem sie erfährt, dass sie die Buchhandlung von Augusts Großmutter geerbt hat. Dieser Handlungsstrang war interessant, hätte für meinen Geschmack aber noch etwas mehr Tiefe vertragen können. Generell haben mir die Rückblicke besser gefallen, weil die Autorin die Vergangenheit nicht einfach abhandelt, sondern Stück für Stück neue Informationen offenbart und die Sehnsucht der Figuren nacheinander mich nur so durch die Zeilen zog.

Die authentische Wandlung der Charaktere hat mir ebenfalls sehr gefallen. Die Geschichte besitzt eine angenehme emotionale Tiefe und fühlte sich für mich erwachsener an als viele klassische Young- oder New-Adult-Romances. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise sogar noch etwas mehr Tiefgang gewünscht, insbesondere in den Kapiteln der Gegenwart.

Trotz vieler tragischer und teilweise schwer zu verdauender Momente konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe jede Emotion mitgefühlt, war traurig, frustriert, hoffnungsvoll und erleichtert. Auch wenn das Ende für mich letztlich vorhersehbar war, blieb der Weg dorthin spannend, weil Gefühle, Konflikte und Beziehungen lange Zeit undurchsichtig blieben.

Positiv hervorheben möchte ich außerdem die romantischen Szenen. Es gibt knisternde Momente zwischen Charlie und August, doch die Autorin verzichtet auf ausufernde Spice-Szenen. Das hat für mich sehr gut zur emotionalen Stimmung des Romans gepasst. Die Romantik wirkte auf mich gefühlvoll und stimmungsvoll, statt vulgär oÄ zu sein.

Kleine Abzüge gibt es für einige Wiederholungen im Schreibstil, denn irgendwann konnte ich das ständige „die Zähne auf die Unterlippe pressen“ kaum noch lesen, sowie für die etwas verschenkten Möglichkeiten in der Gegenwartshandlung.

Dennoch bleibt "Kein Sommer ohne August" für mich ein echtes Highlight. Die intensive Atmosphäre, die emotionale Wucht der Geschichte und die Sommerstimmung am Ende eines schwer-intensiven Sommertags haben dafür gesorgt, dass mich das Buch vollkommen mitgerissen hat. Wer bittersüße Liebesgeschichten mit glaubwürdigen Figuren, viel Gefühl und einer großen Portion Sehnsucht liebt, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Männliche Wechseljahre

Wir Freitagsmänner
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Mit "Wir Freitagsmänner" hat Hans-Gerd Raith einen Roman geschrieben, der unglaublich viel Wärme, Humor und Herz besitzt. Besonders als Hörbuch, gesprochen von Christoph Maria Herbst, war das für mich ...

Mit "Wir Freitagsmänner" hat Hans-Gerd Raith einen Roman geschrieben, der unglaublich viel Wärme, Humor und Herz besitzt. Besonders als Hörbuch, gesprochen von Christoph Maria Herbst, war das für mich ein echtes Highlight. Dieser liest die Geschichte einfühlsam, aber gleichzeitig mit einem leicht neckenden, sarkastischen Unterton, der perfekt zu Hauptfigur Henri und seinen manchmal herrlich schusseligen Aktionen passt.

Henri ist geschieden, lebt allein und kämpft sichtbar mit dem Älterwerden – spätestens als sein Hausarzt andeutet, dass seine Beschwerden praktisch männliche Wechseljahre seien. Henri fühlt sich vom Leben veräppelt, lässt aber keinen Versuch aus, sein Leben neu aufzustellen. Anfangs hatte ich Sorge, dass hier die Geschichte eines toxischen alten weißen Mannes erzählt wird. Doch Henri ist das komplette Gegenteil. Er ist ein liebenswerter, unsicherer Mann, der sich irgendwie durchs Leben laviert und eigentlich nur noch einmal die große Liebe finden möchte.

Besonders unterhaltsam wurde es als er ein Coaching bei seiner absoluten Traumfrau begann. Dass er in diesem Zusammenhang anfing zu lügen und sich ständig in absurde Situationen hineinzumanövrieren, sorgte für herrliche Situationskomik. Dabei schaffte das Buch es gleichzeitig tiefgründig zu sein, aber auch leichtfüßig-humorvoll zu erzählen.

Auch die Nebenfiguren haben mir unglaublich viel Spaß gemacht. Henris bester Freund sorgte immer wieder für humorvolle Momente, während Figuren wie seine Exfrau oder die ehemalige Affäre Reibung und emotionale Tiefe hineinbrachten. Dadurch wirkte die Geschichte nie oberflächlich, sondern angenehm menschlich.

Ich musste beim Hören oft schmunzeln, manchmal sogar laut lachen – und an anderen Stellen war ich wirklich ergriffen. Die Mischung aus Humor, Melancholie und Hoffnung hat das Buch für mich so besonders gemacht. Kurz gesagt: ein warmherziger, kurzweiliger und sehr kluger Roman über Neuanfänge, das Älterwerden und die manchmal herrlich komplizierte Suche nach Liebe.

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