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Veröffentlicht am 02.03.2021

Ein wundervolles Kinderbuch! Zum Träumen schön und perfekt für den Sommer!

Solupp 1: Sommer auf Solupp
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Sieht das Cover nicht wunderhübsch aus? Also um mich war es sofort geschehen, als ich es das erste Mal sah. Ich liebe diese sommerliche Stimmung, die es verströmt! Und irgendwie hat es mich sofort an die ...

Sieht das Cover nicht wunderhübsch aus? Also um mich war es sofort geschehen, als ich es das erste Mal sah. Ich liebe diese sommerliche Stimmung, die es verströmt! Und irgendwie hat es mich sofort an die Werke Astrid Lindgrens denken lassen. Findet ihr nicht auch, dass die Gestaltung ein tolles Schweden-Feeling ausstrahlt? Da ich ein riesengroßer Astrid Lindgren-Fan bin und ich „Sommer auf Solupp“ förmlich „Lies mich!“ nach mir rufen hörte, zögerte ich keine Sekunde lang und ließ das Buch nur zu gerne bei mir einziehen.

Eigentlich wollte die 12-jährige Mari in den Sommerferien ins Fußballcamp, ihr kleiner Bruder Bela in den Ferienpark und ihr großer Teenagerbruder Kurt wollte einfach nur seine Ruhe haben und sich in seinem Zimmer verkriechen. Es soll dann aber ganz anders kommen. Die Familie Fröhlich wird Urlaub auf der kleinen Insel Solupp machen, wo es keine Autos gibt, kein Handyempfang, wo es friedlich und idyllisch ist und wilde Ponys und kauzige Inselbewohner ihr Unwesen treiben. Maris Begeisterung, sechs lange Wochen Zeit auf dieser abgelegen Insel verbringen zu müssen, hat sich zunächst sehr in Grenzen gehalten. Dies wird sich jedoch sehr schnell ändern. Ihr Aufenthalt auf Solupp wird Mari und ihrer Familie eine unvergessliche und wunderschöne Zeit bescheren. Eine Zeit voller Abenteuer, Geheimnisse, Veränderungen und neuer Freundschaften.

Hach, war das schön. Gerade eben habe ich das neue Kinderbuch von der Annika Scheffel beendet und gedanklich befinde ich immer noch auf dieser himmlichen Sehnsuchtsinsel, die sich Solupp nennt. Ich glaube, ich werde mich vor allem in den nächsten Tagen noch öfters zurück an dieses idyllische Fleckchen Erde träumen, wo alles so schön ruhig und friedlich ist, man immerzu dem Rauschen der Wellen und Kreischen der Möwen lauschen kann und man neben der salzigen Meeresluft auch öfters den Geruch von frischgebackenen, leckeren Zimtbrötchen in der Nase hat.
In meinen Augen ist Annika Scheffel mit „Sommer auf Solupp“ ein wundervoller Kinderroman geglückt, mit welchem sie mich von Anfang bis Ende vollkommen verzaubern konnte. Mir hat das Buch genau das beschert, was ich mir erhofft habe: Eine spannende und sehr warmherzige Ferien-Familiengeschichte voller Sommerglück, Abenteuer, Rätsel und Wunder.

Ich wusste schon nach wenigen Seiten, dass ich „Sommer auf Solupp“ lieben werde. Von der feinfühligen Erzählweise war ich sofort ganz angetan und die 12-jährige Mari, aus deren Sicht wir alles in der dritten Person erfahren, war mir auf Anhieb sympathisch. Mit ihr hat die Autorin eine großartige Hauptprotagonistin ausgearbeitet. Mari ist liebenswert, mutig und aufgeweckt und wirkt stets absolut authentisch.

Auch ihre Familie, bestehend aus Mama Paula, Papa Tom und ihren beiden Brüdern Kurt und Bela, mochte ich vom ersten Moment an unglaublich gerne. Mit den Fröhlichs hat sich die Annika Scheffel eine bezaubernde Familie ausgedacht, die man als Leserinnen einfach sofort lieben muss.
Mein heimlicher Star der Familie Fröhlich ist Kurt, der älteste Sprössling. Kurt wird im Verlauf der Geschichte eine bewundernswerte Entwicklung durchmachen, die mir richtig das Herz erwärmt hat.
Bela, das Nesthäkchen, hat mir aber auch ständig ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Der Kleine ist einfach nur zuckersüß und versteht mit seinen jungen sechs Jahren viel mehr als man denken mag.

Mit den Bewohnern der Insel Solupp hat Annika Scheffel ebenfalls sehr lebensnahe und teils herrlich verschrobene Figuren erschaffen, die man augenblicklich ins Herz schließen muss. Sie besitzen einfach allesamt so hinreißende Eigenarten und strömen so etwas Fröhliches und Herzliches aus. Der liebenswürdige Joon, die einmalige Jolka (die so umwerfend gut backen kann, schmatz), die pfiffige Ema...Es ist einfach nur die reinste Freude, Zeit mit ihnen allen zu verbringen.

Genauso schaut es mit dem Setting aus. Mit der winzigen Insel Solupp schenkt uns die Autorin einen Ort, von dem man am liebsten gar nicht mehr weg möchte, auch wir als Leser
innen nicht. Die Landschaft, die Natur, der Leuchtturm, das außergewöhnliche Heckenrosenhaus...Dank der bildhaften und stimmungsvollen Beschreibungen ihrer Traumkulisse lässt Annika Scheffel ein wahres Kopfkino in uns Leser*innen entstehen und schafft zudem eine wunderbare, sommerliche Wohlfühlatmosphäre. Man meint das Branden der Wellen beim Lesen geradezu hören, das sonnenwarme Gras buchstäblich unter den Füßen spüren und das Salz der Seeluft regelrecht auf den Lippen schmecken zu können.

Was uns Solupp auch noch beschert: Abenteuer-Feeling pur! Man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, da man so gebannt und gefesselt von den spannenden Ereignissen ist, die Mari und Co. auf Solupp erleben werden. Ich muss sagen, dass mich die Geschichte stellenweise sogar ein kleines bisschen an die Fünf Fünf-Serie von Enid Blyton erinnert hat: Eine Truppe an abenteuerlustigen Kindern, die auf lauter rätselhafte Dinge stoßen und sich schließlich sogar noch auf eine aufregende Schatzsuche begeben – also, so wirklich mit den Fünf Freunden kann man „Sommer auf Solupp“ natürlich nicht vergleichen, da die Handlungen schon sehr verschieden sind. Aber irgendwie haben die Erlebnisse von Mari und Co. mein fünffreundeverzücktes Herz dennoch ab und an ein wenig höher schlagen lassen.

„Sommer auf Solupp“ ist allerdings nicht nur ein Sommerferienschmöker voller Spaß und Spannung – das Buch enthält auch eine tiefsinnige und sehr einfühlsam erzählte Familiengeschichte. Durch die schwere Erkrankung des Vaters haben die Fröhlichs viel durchmachen müssen und obwohl es Papa Tom inzwischen wieder deutlich besser geht, läuft in der Familie nach wie vor nicht alles rund. Die Mutter arbeitet zu viel, Kurt hat sich von allen zurückgezogen und lebt in seiner eigenen Welt und Mari kommt nur schwer damit klar, dass sich ihr großer Bruder so sehr verändert hat. All das beschreibt die Autorin mit ganz viel Feingefühl und Leichtigkeit, sodass die Handlung niemals zu schwer wird und jederzeit altersgerecht bleibt. Also ich finde, dass Annika Scheffel diese Balance aus unbeschwerten, heiteren Wohlfühlmomenten und berührenden und zum Nachdenken anregenden Themen hervorragend gelungen ist.

Vom Verlag wird das Buch ab 10 Jahren empfohlen und dem schließe ich mich an. Dank des flüssigen Schreibstils, den kurzen Kapitel und der angenehm großen Schrift sollten 10-jährige Kinder keine Probleme mit dem Selberlesen haben. Zum Vorlesen ist „Sommer auf Solupp“ meiner Ansicht nach sogar schon für etwas jüngere Kids geeignet. Mädchen und Jungen ab etwa 8 Jahren sollten der Handlung sehr gut folgen können.

Ich hoffe nun sehr, dass es noch ein Wiedersehen mit den Fröhlichs und den Bewohnern von Solupp geben wird. Die Geschichte endet zwar sehr abgeschlossen, Potenzial für einen Folgeband ist aber zweifellos vorhanden. Herbst oder Weihnachten auf Solupp – darüber würde ich mich riesig freuen! Vor allem Solupp im Winter stelle ich mir traumhaft vor. Na, lassen wir uns überraschen, ob uns die Annika Scheffel noch ein weiteres Mal auf diese besondere kleine Insel mitnehmen wird.

Fazit: Ein wunderschönes Wohlfühlbuch, das einfach nur glücklich macht.
Annika Scheffel hat mit „Sommer auf Solupp“ einen zauberhaften Kinderroman ab 10 Jahren geschrieben, welchen ich jedem, egal ob Jung oder Alt, nur ans Herz legen kann! Die Geschichte enthält eine rundum gelungene Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang und ist die perfekte Lektüre für den Sommer. Sie lädt durchweg zum Träumen und Mitfiebern ein und steckt voller Abenteuer, Geheimnisse, Überraschungen und guter Ferienlaune. Ich habe mich sofort pudelwohl zwischen den Buchdeckeln gefühlt und eine unvergessliche Zeit auf Solupp verbracht. Über eine Rückkehr auf diese einzigartige Insel würde ich mich unheimlich freuen!
Von mir gibt es sehr gerne 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 01.03.2021

Ein ungewöhnliches und sehr fantasievolles Buch

Amanda und das Herz aus Schrott
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Als ich das erste Mal von „Amanda und das Herz aus Schrott“ hörte, konnten der originelle Titel und das hübsche Cover (illustriert von der wunderbaren Mila Marquis) meine Neugierde sofort wecken. Da mich ...

Als ich das erste Mal von „Amanda und das Herz aus Schrott“ hörte, konnten der originelle Titel und das hübsche Cover (illustriert von der wunderbaren Mila Marquis) meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch der Klappentext direkt ansprach und ich zudem von einem anderen Buch von Ruth Rahlff ausgesprochen begeistert war, stand für mich sehr schnell fest, dass ich ihren neuen Titel aus dem Magellan Verlag unbedingt lesen möchte.

Amanda lebt auf einem Recyclinghof, den ihre Eltern seit vielen Jahren betreiben. Auch ein alter Schrottplatz gehört zum Betriebsgelände. Amanda mag ihr Zuhause richtig gerne und liebt es, mit Altwaren und alten Gegenständen herumzubasteln und Figuren daraus zu erschaffen. Als sie eines Tages von zwei Jungs aus ihrer Klasse verfolgt wird, flüchtet sie in einen verbotenen Teil des Schrottplatzes und landet dort aus Versehen in einem Bottich mit einer ziemlich ekligen gelben Flüssigkeit. Von da an wird alles anders. Ihre selbstgebauten Figuren aus Schrott erwachen plötzlich zum Leben und können sprechen! Dies ist jedoch nicht die einzige Merkwürdigkeit. Auf dem Schrottplatz geht es eindeutig nicht mit rechten Dingen zu. Ständig hört Amanda komische Geräusche und sieht unheimliche Schatten umherhuschen. Und dann wäre da noch der ganze Müll, der plötzlich überall auftaucht. Hier stimmt etwas ganz und gar nicht! Irgendetwas Gefährliches bedroht Amandas Zuhause. Ob es ihr und ihren neuen „schrottigen“ Freunden wohl gelingen wird, ihren bösen Gegner zu besiegen?

Da der Titel schon so ausgefallen klingt und auch der Klappentext eine äußerst schräge Story verspricht, habe ich mir vor dem Lesen schon gedacht, dass in „Amanda und das Herz aus Schrott“ eine sehr fantasievolle Geschichte schlummert. Diesbezüglich sollte ich auch nicht enttäuscht werden – den neuen Roman von der Ruth Rahlff kann man wahrlich nur als außergewöhnlich und skurril bezeichnen. Ist ja normalerweise voll mein Ding. Ich muss nur leider sagen, dass mir das Buch nicht so gut gefallen hat wie von mir erhofft. Irgendwie bin ich mit der Geschichte nicht so richtig warm geworden und habe mich stellenweise dabei ertappt, dass ich den Text nur noch flüchtig gelesen habe, was bei mir immer ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass mich ein Buch nicht so wirklich packen und begeistern kann. Abgebrochen habe ich „Amanda und das Herz aus Schrott“ allerdings nicht. Zum einen, weil ich mich immer ziemlich schwer damit tue, angefangene Bücher nicht zu beenden und zum anderen, weil ich dann doch sehr neugierig war, wohin die Geschichte wohl führen wird. Zum Glück konnte mich die Handlung zum Ende hin dann doch noch etwas mehr mitreißen und da sich der Schreibstil ganz hervorragend für mich hat lesen lassen und die Kapitel angenehm kurz sind, habe ich das Buch recht flott durchgelesen. Mit einem rundum zufriedenen Gefühl konnte ich es nur leider nicht wieder zuklappen.

Es ist ja immer Geschmackssache, ich spreche hier nun natürlich für mich; mir jedenfalls war die Story zu merkwürdig und absonderlich und spannender hätte sie für mich auch gerne sein dürfen. Auch von den Charakteren bin ich nicht vollends überzeugt. Ich fand sie größtenteils irgendwie...komisch. Und nicht so wirklich greifbar. Vor allem die Nebenfiguren waren mir persönlich zu blass – unsere Hauptprotagonistin Amanda dagegen hat mir insgesamt noch recht gut gefallen.

Die Handlung wird größtenteils aus der Sicht von Amanda in der Ich-Perspektive erzählt und mir war sie auf Anhieb sympathisch. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und habe öfters richtig mit ihr mitgelitten. Ein paar doofe Jungs aus ihrer Schule haben es seit kurzem auf sie abgesehen und schikanieren sie ziemlich, bezüglich ihrer besten Freundinnen lief es schon mal besser und auch zu Hause muss Amanda ständig zurückstecken.

Mobbing, Familienprobleme, Vernachlässigung – all das ist unter anderem Teil der Handlung, die uns in „Amanda und das Herz aus Schrott“ erwartet, was mir echt gut gefallen hat. Generell muss ich sagen, dass ich von den vielen wichtigen Themen, die Ruth Rahlff in ihrem neuen Buch behandelt, sehr angetan bin. Umweltschutz, Umweltverschmutzung, Upcycling – auch diese Dinge, oder besser gesagt, vor allem diese Dinge, spielen eine große Rolle in der Geschichte. Das Buch regt zweifellos sehr zum Nachdenken an und vermittelt tolle Messages. Mir hat nur leider die Art und Weise, wie diese ganzen Themen verpackt wurden, nicht so zugesagt.

Was mir aber noch sehr gut gefallen hat, sind die gelegentlichen mysteriösen kurzen Einschübe, die in kursiver Schrift geschrieben sind und aus der Sicht eine geheimnisvollen Person erzählt werden. Als Leser*innen tappt man eine lange Zeit im Dunkeln, wer dieser unheimliche Fremde ist, bzw. was er oder sie eigentlich ist. Dies sorgt für eine gewisse Spannung und auch die vielen rätselhaften und unerklärlichen Vorkommnisse, die sich im Verlauf der Handlung ereignen, treiben die Handlung voran. Nur wie oben bereits erwähnt: Ich hätte mir insgesamt einen höheren Spannungsbogen gewünscht.

Womit das Buch aber auch noch bei mir punkten konnte, ist das Setting. Mit dem Schrottplatz hat die Ruth Rahlff fraglos eine einzigartige und sehr mystisch anmutende Kulisse erschaffen. Da sowohl der Schrottplatz als auch alle anderen Schauplätze sehr bildhaft und stimmungsvoll beschrieben werden, kann man sich alle Orte ganz genau vorstellen und kommt in den Genuss einer ganz besonderen, magischen Atmosphäre. Eine große Hilfe zur Orientierung ist dann auch noch die geniale Karte vorne und hinten im Buch. Über die detailreiche Karte, die Amandas Zuhause zeigt, habe ich mich riesig gefreut. Ich liebe Karten in Büchern und die in „Amanda und das Herz aus Schrott“ schaut wirklich klasse aus.

Fazit: Ruth Rahlff hat mit „Amanda und das Herz aus Schrott“ einen ungewöhnlichen Kinderroman ab 11 Jahren aufs Papier gebracht, in welchem sie, verpackt in einer sehr fantasievollen Abenteuergeschichte, viele wichtige Themen anspricht wie Umweltschutz, Wiederwertung und Mobbing. Obwohl es so einige Dinge gab, die mir sehr gut gefallen haben, hat mich das Buch dennoch enttäuscht zurückgelassen. Irgendwie bin ich einfach nicht so richtig in die Story reingekommen. Mir war sie insgesamt etwas zu eigentümlich und sonderbar. Vielleicht kann ich euch das Buch ja aber mehr begeistern als mich; die Geschmäcker sind schließlich bekanntermaßen sehr verschieden. Von mir erhält „Amanda und das Herz aus Schrott“ knappe 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.03.2021

Ein herrlich zeitloses Lesevergnügen voller Witz, Abenteuer und Fantasie!

Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack
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Bei einem Blick ins neue Programm des Atrium Verlags ist mir „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ sofort ins Auge gesprungen. Das Cover gefiel mir auf Anhieb richtig gut und da mich auch der Klappentext ...

Bei einem Blick ins neue Programm des Atrium Verlags ist mir „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ sofort ins Auge gesprungen. Das Cover gefiel mir auf Anhieb richtig gut und da mich auch der Klappentext umgehend überzeugen konnte, stand für mich sehr schnell fest: Milo möchte unbedingt auf seiner unvorstellbaren Reise begleiten!

Milo langweilt sich immer furchtbar und weiß nie etwas mit sich anzufangen. Bis zu dem Tag, an dem er ein seltsames Paket in seinem Zimmer entdeckt, in welchem sich ein Mauthäuschen mit Schranke und eine Landkarte befinden. Merkwürdig, woher kommt dieses Paket nur? Da Milo eh gerade nichts Besseres zu tun hat, schnappt er sich kurzerhand sein Elektroauto und landet, ehe er sich versieht, in einer fremden Welt - einer sehr, sehr sonderbaren Welt, in der nichts so ist, wie Milo es kennt. Er begibt sich auf eine aufregende Reise, bei der er auf viele kuriose Gestalten treffen wird wie die den AufWachhund Tack und ein eitles Insekt namens Kackerlack. Zusammen sollen sie zwei verfeindete Königreiche wieder vereinen: Der König von Wortopolis, für den Worte das Wichtigste Leben sind und der Kaiser von Digitalien, für den nur Ziffern und Zahlen zählen, sind nun schon seit vielen Jahren verfeindet. Ob es Milo und seinen Reisegefährten wohl gelingen wird, wieder für Frieden zu sorgen? Ein unvergessliches Abenteuer beginnt...

Ich muss ja gestehen, dass mir der Autor Norton Juster bisher vollkommen unbekannt war. Als ich das erste Mal auf „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ gestoßen bin, war mir daher gar nicht bewusst gewesen, dass es sich bei dem Buch um einen sehr bekannten Kinderbuchklassiker aus den USA handelt. Erst vor kurzem habe ich festgestellt, dass die Geschichte erstmals 1961 veröffentlicht wurde, in den Vereinigten Staaten sehr beliebt ist und es sogar eine Zeichentrickverfilmung über Milos Abenteuer gibt.
Da ich wahnsinnig gerne Kinderbuchklassiker lese, ist meine Vorfreude und Neugierde auf das Buch nur noch größer geworden. Ob meine Erwartungen erfüllt wurden, verrate ich euch jetzt!

Norton Juster ist mit „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ ein ganz besonderer Kinderroman gelungen, der zweifellos zurecht zum Klassiker wurde. Die Geschichte ist so schön zeitlos und spannend und lehrreich zugleich. Sie sprüht nur so vor Witz, Charme und Fantasie und steckt voller kreativer Wortspielereien und Neologismen. Sie vermittelt viel Wissenswertes über Sprache und Zahlen und beschert uns gleichzeitig ein abenteuerliche Reise durch eine ziemlich verrückte Welt. Mich persönlich hat die Story sehr an „Alice im Wunderland „erinnert. „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ ist ähnlich skurril und intelligent geschrieben wie Lewis Carrolls berühmter Kinderbuchklassiker, was mir, als großer Alice-Fan, total gut gefallen hat.
Ich bin mir sehr sicher: Wer „Alice im Wunderland“ mag, der wird auch Milos Abenteuer mögen. Ich jedenfalls tue es. Mir hat das Buch ein zauberhaftes Leseerlebnis beschert.

Zu Beginn der Geschichte befinden wir uns noch unserer Welt. Wir lernen unseren Hauptprotagonisten Milo kennen, der die Schule und gefühlt eigentlich alles in seinem Leben extrem öde und langweilig findet. Mit der Langeweile soll es schlagartig vorbei sein, als ihn eines Tages ein mysteriöses Päckchen zu Hause erwartet. Dessen Inhalt wird dazu führen, dass Milo in eine höchst absonderliche Welt gelangt, in welcher es vor kuriosen Dingen und eigentümlichen Figuren nur so wimmelt.

Als Leserinnen begleiten wir Milo durch diese verdrehte Welt und erleben dabei ein aufregendes und unterhaltsames Ereignis nach dem nächsten. Wir lernen verschiedenen Länder kennen, die erfinderische Namen tragen wie Wortopolis, Paralysien und Digitalien, und wir dürfen die Bekanntschaft von lauter wunderlichen und ulkigen Gestalten machen.

Ich war beim Lesen richtig am Staunen, was für eine phantasiereiche und schräge Welt der Autor da erschaffen hat und wie gekonnt er mit der Sprache spielt. Hier auch mal ein ganz großes Lob an den Übersetzer Ebi Naumann, der den Text so vortrefflich ins Deutsche übertragen hat. Ich stelle es mir überhaupt nicht leicht vor, eine Geschichte, die so viele Sprachspielereien enthält, zu übersetzen.
Norton Juster kann man nur als einen wahren Wortakrobaten bezeichnen. Seine ausgefallenen Wortneuschöpfungen, seine zum Schmunzeln schönen Wortwitze – wirklich klasse und genial. Und wie gesagt, ganz hervorragend ins Deutsche übertragen. Das Buch liest sich einfach nur bezaubernd und ausgesprochen heiter und vergnüglich.

Womit das Buch ebenfalls bei mir punkten konnte, sind die Charaktere. Da hätten wir zum Beispiel einen AufWachhund, der Tack heißt, obwohl er tickt; ein eitler Kackerlack (verwendet in seiner Gegenwart besser nicht das Wort Küchenschabe!); die Lethargianer, eine Truppe an Kerlen, die einander wie ein Ei dem anderen gleichen; ein Mann mit riesengroßen Ohren, der auf den Namen KAKOFONIUS G.TÖSE HÖRT UND DOKTOR DER SCHRÄGEN TÖNE ist und noch viele, viele mehr. Dem Einfallsreichtum von Norton Juster sind wirklich keine Grenzen gesetzt.

Besonders gut gefallen hat mir, dass in diesem ganzen liebenswerten Irrsinn, den uns unsere Reise beschert, auch jede Menge wundervolle Weisheiten und Botschaften stecken und einem Redewendungen, Zahlen und die Bedeutung von Zeit näher gebracht werden.

Mir hat es richtig viel Spaß gemacht in dieses Buch einzutauchen, allerdings hat es mir für 5 Sterne am Ende dann irgendwie doch nicht gereicht. Ich kann leider gar nicht genau sagen, was mir nun gefehlt hat. Bei mir wollte wohl einfach – trotz meiner Begeisterung und Faszination für die Geschichte – dieser allerletzte Funke nicht komplett überspringen. Wärmstens empfehlen kann ich „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ aber selbstverständlich dennoch! Hier in Deutschland scheint das Buch leider noch sehr unbekannt zu sein. Ist zumindest mein Eindruck. Ich hoffe daher nun sehr, dass diese gelungene Neuübersetzung aus dem Atrium Verlag dafür sorgen wird, dass viele Leser
innen hier Deutschland die unglaublichen Erlebnisse von Milo und seinen Reisegefährten kennenlernen werden.

Die Altersempfehlung vonseiten des Verlags liegt bei ab 8 Jahren, welcher ich mich allerdings nicht gänzlich anschließen kann. Für achtjährige Kinder halte ich persönlich die Handlung und den Schreibstil für etwas zu anspruchsvoll. Ich würde das Buch eher ab 10 Jahren empfehlen.

Zu guter Letzt, ehe ich zu meinem Fazit komme, muss ich euch unbedingt noch von der Gestaltung des Buches berichten. Das Cover mag ich, wie oben bereits erwähnt, sehr gerne – die zahlreichen schwarz-weiß Innenillustrationen, die ebenfalls von Jules Feiffer stammen, konnten meinen Geschmack dagegen nicht vollends treffen. Mir waren sie etwas zu skizzenhaft. Die Bilder haben aber fraglos ihren ganz eigenen Charme und passen ideal zur Geschichte.
Wovon ich aber hellauf begeistert bin, ist die detailreiche Landkarte vorne und hinten im Buch. Die Karte schaut wirklich umwerfend aus!

Fazit: Ein tolles Lesevergnügen voller herrlicher Verrücktheiten, Wortwitze und Fantasie!
Norton Juster hat mit „Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack“ ein außergewöhnliches Kinderbuch geschrieben, welches ich jedem, egal ob Jung und Alt, nur ans Herz legen kann. Die Geschichte ist wunderbar zeitlos, klug und amüsant. Sie steckt voller geistreicher und origineller Wortspiele und nimmt uns Leser*innen mit eine Welt, die ähnlich skurril und fantasievoll ist wie Lewis Carrolls einzigartiges Wunderland. Mir hat es unheimlich viel Vergnügen bereitet diesen großen Kinderbuchklassiker aus den USA zu lesen und ich vergebe 4,5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 26.02.2021

Ein wunderbares Wohlfühlbuch voller Witz, Romantik, Spannung und Magie!

Booklove
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Als ich das erste Mal von „Booklove – Aus Versehen buchverliebt“ hörte, war ich augenblicklich Feuer und Flamme. Ich liebe die Thematik Buchspringen und auch humorvoll-romantische Jugendbücher fallen ...

Als ich das erste Mal von „Booklove – Aus Versehen buchverliebt“ hörte, war ich augenblicklich Feuer und Flamme. Ich liebe die Thematik Buchspringen und auch humorvoll-romantische Jugendbücher fallen absolut in mein Beuteschema. Eine Mischung aus beiden? Die perfekte Lektüre für mich, würde ich sagen. Was tat ich also? Jep, genau: Ich ließ den Debütroman von Daphne Mahr nur zu gerne bei mir einziehen.

Die 14-jährige Emma hält überhaupt nichts von schmalzig-kitschigen Liebes- und Fanasyschmökern und kann über die gehypte Buchreihe „Zwanzig Minuten vor Mitternacht“ daher nur mit den Augen rollen. Anders als ihre beste Freundin Leona, die diese Trilogie abgöttisch liebt und dem Erscheinen des finalen Bandes ganz ungeduldig entgegen fiebert. Sie freut sich daher riesig auf die Lesung, die die Autorin von „Zwanzig Minuten vor Mitternacht“ in der Buchhandlung von Emmas Vater geben und bei der sie aus dem heiß ersehnten Abschlussteil vorlesen wird. Emma dagegen graut richtig vor dieser Veranstaltung.
Emmas Einstellung bezüglich dieses Fantasykitschgedöns wird sich allerdings noch ändern. Der Grund für diese Wandlung nennt sich Lord Vinzenz Richard Oswine George Brandfir, kurz Vinzenz. Oder auch einfach nur Vinz. Er ist der charmante Bösewicht aus „Zwanzig Minuten vor Mitternacht“ und stolpert auf einmal in Emmas Leben. Wie aber kann das sein? Romanfiguren springen doch eigentlich nicht aus ihren Büchern...Emma ist vollkommen verwirrt und hat zunächst nur eines im Sinn: Vinzenz schnellstmöglich wieder loswerden! Aus dem Schnell wird nur irgendwie nichts und je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto mehr widerstrebt es ihr, sich von Vinzenz wieder zu verabschieden...

Ich habe nun schon so einige Bücher gelesen, die vom Buchspringen handeln und bin von diesem Thema jedes Mal aufs Neue begeistert. Ich meine: In Bücher reisen oder Buchfiguren aus ihren Geschichten herauslesen – wie cool ist das bitte? Welcher buchverrückte Mensch träumt nicht davon? Also ich würde beides liebend gerne mal ausprobieren, sowohl das Hineinschlüpfen in buchige Welten als auch ein persönliches Kennenlernen mit Buchcharakteren im Real-Life.

Die Idee von Daphne Mahrs erstem Buch konnte mich also schon mal in helle Verzückung versetzen. Wie aber schaut es mit deren Umsetzung aus?
Um es kurz zu machen: Mir hat Daphne Mahr mit ihrem Erstlingswerk wunderschöne Lesestunden bereitet. In meinen Augen ist der deutschen Autorin mit „Booklove – Aus Versehen buchverliebt“ ein rundum gelungener Debütroman geglückt, der voller Überraschungen und Situationskomik steckt, mit jeder Menge äußerst unterhaltsamer Dialoge sowie schräger Ereignisse aufwarten kann und uns eine Palette an liebevoll ausgearbeiteten Charakteren beschert.

Erfahren tun wir alles aus der Sicht der 14-jährigen Emma in der Ich-Perspektive. Emma habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Ich mochte ihre liebenswerte und witzig-chaotische Art auf Anhieb und über ihr typisches, authentisches Teenagerverhalten musste ich des öfteren sehr schmunzeln. Mit ihr hat Daphne Mahr eine wundervolle Protagonistin erschaffen, in die man sich dank der lebensnahen und anschaulichen Darstellungsweise ihrer Gefühls- und Gedankenwelt mühelos hineinversetzen kann. Mir jedenfalls, als Erwachsene, ist dies hervorragend geglückt und ich gehe fest davon aus, dass sich vor allem die Hauptzielgruppe, sprich Mädels ab 12 Jahren, prima mit Emma identifizieren wird.

Auch Vinzenz hat mir total gut gefallen. Er ist so eine Figur, über die man sich einerseits stellenweise so richtig schön aufregen kann, die aber zugleich auch zum Dahinschmelzen ist. Also ich bin seinem Charme im Nu hoffnungslos verfallen. Vinz‘ ulkige, altmodische Sprechweise, seine unnachahmliche Art, seine ausgesprochen selbstbewusste Ausstrahlung, das Zusammenspiel zwischen ihm und Emma – ich fand einfach alles ganz zauberhaft.

Von den Nebencharakteren bin ich ebenfalls richtig begeistert. Emmas Vater, ihre beste Freundin Leona, die Autorin Hannah Ruderer – all diese und die weiteren Personen wurden mit sehr viel Liebe ausgearbeitet und egal ob sympathisch oder unangenehm: Alle tragen sie dazu bei, dass man eine fabelhafte und ausgesprochen heitere Zeit mit dem Buch verbringt.

Für mich kam beim Lesen an keiner Stelle Langeweile auf. Vor allem bezüglich des Humors bin ich komplett auf meine Kosten gekommen. Was den angeht, scheinen die Daphne Mahr und ich vollkommen auf einer Wellenlänge zu liegen. Ich habe das Schmunzeln stellenweise gar nicht mehr aus meinem Gesicht bekommen, da ich mich so prächtig amüsiert habe.
Neben den vielen vergnüglichen Szenen kommen auch die spannenden Momente nicht zu kurz. Mich zumindest hat die Handlung durchgehend an die Seiten fesseln können. Besonders zum Ende hin konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Auch mit der Portion an Gefühlen und Romantik konnte die Story bei mir punkten und mit der Buchspringen-Thematik – wie oben bereits erwähnt – ebenso. Bei dem Herauslesen von Romanfiguren werden wohl die meisten sofort an die Tintenherz-Trilogie denken und wer jetzt befürchtet, dass „Booklove“ irgendwie abgekupfert wirkt oder so: Nein, keine Sorge, das ist überhaupt nicht der Fall. Daphne Mahrs Debüt und die berühmte Reihe von Cornelia Funke kann man meiner Ansicht nach in keinster Weise miteinander vergleichen - die Geschichten sind völlig verschieden. Mich persönlich hat die Handlung in „Booklove“ vom Feeling her eher an die Jugendbücher von Kerstin Gier, Dagmar Bach oder Sonja Kaiblinger erinnert. Auch deren Bücher enthalten diese von mir so heiß geliebte Mischung aus Liebe, Magie, Komik und Spannung.

Dann zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Schreibstil und zur Gestaltung: Den Erzählstil fand ich einfach nur klasse. Er ist jugendlich, humorvoll und so schön locker und leicht. Für mich hat er sich super angenehm lesen lassen.
Die Aufmachung des Buches gefällt mir ebenfalls sehr! Das Cover finde wunderhübsch und von den Rosen-Vignetten an den Kapitelanfängen bin ich ebenfalls ganz angetan.

Fazit: Magisch, romantisch, umwerfend witzig! Ein wunderbarer Wohlfühlschmöker mit Gute-Laune-Garantie!
Daphne Mahr hat mit „Booklove – Aus Versehen buchverliebt“ eine zuckersüße Romantasystory aufs Papier gebracht, mit welcher sie mich auf ganzer Linie überzeugen konnte. Ich habe mich sofort pudelwohl zwischen den Buchdeckeln gefühlt und einmal in das Buch versunken, wollte ich daraus am liebsten gar nicht wieder auftauchen. Die Geschichte beschert uns einen bezaubernden Mix aus Fantasy, Romantik und Familiengeschichte und steckt voller Witz, Spannung und Überraschungen. Es macht einfach nur unheimlich viel Spaß dieses Buch zu lesen und Zeit mit den herrlichen Figuren zu verbringen. Ich kann den Debütroman von Daphne Mahr wärmstens empfehlen und vergebe 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 24.02.2021

Mitreißend, einfühlsam, berührend und einfach nur großartig!

Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)
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Bei einem Blick ins neue Frühjahrsprogramm des Hanser Verlags ist mir „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ sofort ins Auge gesprungen. In das Cover habe ich mich auf den ersten Blick – ...

Bei einem Blick ins neue Frühjahrsprogramm des Hanser Verlags ist mir „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ sofort ins Auge gesprungen. In das Cover habe ich mich auf den ersten Blick – ich mag die Atmosphäre, die es verströmt, unheimlich gerne! Da mich der Klappentext ebenfalls umgehend überzeugen konnte, zögerte ich keine Sekunde lang und packte das Buch schleunigst auf meine Want-to-read-Liste.

Der 12-jährige Mason Buttle ist ein sehr herzlicher und grundehrlicher Junge. Er ist ungewöhnlich groß für sein Alter, etwas dicklich, er schwitzt extrem viel und kann kaum lesen und schreiben. All das macht ihn zu einer perfekten Zielscheibe für Spott und Hänseleien. Mason wird von den anderen Kindern an seiner Schule ausgelacht, gemobbt und ausgegrenzt. Vor einiger Zeit hatte er aber noch einen besten Freund: Benny. Doch Benny lebt leider nicht mehr. Er ist unter tragischen Umständen in dem Obstgarten der Buttles verunglückt. Was genau damals passiert ist, ist jedoch bis heute unklar.
Mason vermisst Benny sehr. Zum Glück findet er aber in Calvin einen neuen tollen Freund. Auch Calvin ist ein Außenseiter; er ist auffallend klein und zierlich, dafür aber sehr schlau und ein Meister im schnellen Googeln. Mason und Calvin sind wahrlich ein sehr ungleiches Paar, verstehen sich aber auf Anhieb richtig gut. Gemeinsam bauen sie sich ein Geheimversteck, in welchem sie sich vor den gemeinen Angriffen der anderen schützen können. Als Calvin plötzlich vermisst wird, schauen alle sofort auf Mason - wie schon bei Benny. Mason muss Calvin unbedingt finden und zudem auch endlich in Erfahrung bringen, was damals mit Benny geschehen ist.

Dies war mal wieder so ein Buch, bei welchem ich schon nach wenigen Seiten wusste, dass ich es lieben werde. Unseren Hauptprotagonisten Mason habe ich sofort in mein Herz geschlossen und von der Art und Weise, wie er uns die Geschichte erzählt, war ich vom ersten Moment an ganz verzaubert. Meine anfängliche Begeisterung sollte dann auch nicht nachlassen, im Gegenteil, sie nahm immer weiter zu. Ich habe insgesamt eine wundervolle Zeit mit dem Buch verbracht und kann nur sagen: Unbedingt lesen! Ich kann jedem, egal ob Jung oder Alt, wirklich nur ans Herz legen, in diesen beeindruckenden Kinderroman einzutauchen und den liebenswerten Mason Buttle kennenzulernen. Die Autorin Leslie Connor hat mit „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ etwas ganz Tolles aufs Papier gezaubert, für das sie in meinen Augen eindeutig zurecht Preise erhalten hat.

Erfahren tun wir alles aus der Sicht des 12-jährigen Mason Buttle in der Ich-Perspektive. Von der Erzählweise könnte ich euch endlos etwas vorschwärmen. Sie steckt voller Feingefühl und Authentizität, sodass man sich spielend leicht in Mason hineinversetzen kann und sich ihm beim Lesen richtig nahe fühlt. Mir zumindest erging es so. Ich habe mich mit unserem Ich-Erzählerin ungemein verbunden gefühlt und fand es faszinierend und bewegend zu sehen, wie Mason die Welt wahrnimmt. Mit ihm hat die Autorin einen einmaligen Buchhelden erschaffen. Mason ist ehrlich, herzlich, treu und hilfsbereit. Er ist ein total lieber Junge und wird sich, da bin ich mir vollkommen sicher, sofort in die Herzen sämtlicher Leser*innen schleichen. Mason muss man einfach gernhaben.
Wie das nur leider oft so ist, sind es gerade diese freundlichen und besonderen Menschen, die ins Visier von Mobbern geraten. So auch Mason. Obwohl er so ein sympathischer Kerl ist, ist er an seiner Schule ein ziemlicher Außenseiter und wird von ein paar Jungs aus seiner Klasse übel gehänselt. Dass er von dicklicher Statur und sehr groß ist, ungewöhnlich viel schwitzt, kaum lesen und schreiben kann und einfach viel zu gutmütig ist, um sich zu wehren, macht ihn zu einem idealen Mobbing-Opfer.

Ich habe stellenweise zutiefst mit Mason mitgelitten, habe ihn zugleich aber auch sehr für seine Stärke und seine Ruhe bewundert. Mason erhält zweifellos öfters Gründe, um wütend aus der Haut zu fahren oder genervt und aufgewühlt zu reagieren, was er jedoch niemals tut. Solche sanftmütigen, loyalen und optimistischen Menschen wie Mason einer ist sollte es unbedingt viel mehr auf dieser Welt geben.

Neben dem Mitleid und Bewunderung empfinden haben mich Masons Erzählungen auch richtig mitfiebern lassen. Was hat damals nur zu Bennys Tod geführt? Diese Frage zieht sich durch das gesamte Buch und wie Mason, so tappen auch wir Leser diesbezüglich bis zum Schluss im Dunklen. Auch die Szene, in der Calvin plötzlich spurlos verschwindet, sorgt für ordentlich Spannung. Man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, da man endlich Antworten auf die ganzen Fragen haben möchte.
Insgesamt ist „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ aber dennoch ein ruhiges Buch. Masons Art zu berichten hat einfach so etwas Entspanntes und Friedliches an sich, was mir echt gut gefallen hat. Die Geschichte gewinnt dadurch etwas Leichtes, trotz der ernsthaften und teils sehr schweren Themen, mit denen sie sich auseinandersetzt.

Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, Mobbing, Ausgrenzung, Verlust, Trauer, Gerechtigkeit, das Anderssein – all das und noch mehr behandelt Leslie Connor in ihrem Kinderroman und wie sie das tut, ist wirklich grandios. Nachdenklich und sanft zugleich und mit ausgesprochen viel Einfühlungsvermögen, Wärme und Sensibilität. „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ ist definitiv so ein Buch, das man als Schullektüre im Unterricht durchnehmen sollte.

Und zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den Nebenfiguren; diese dürfen schließlich auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben.
Leslie Connor hat nicht nur mit Mason eine wunderbare Figur erschaffen – auch mit den weiteren Charakteren konnte sie mich komplett überzeugen. Calvin (Calvin fand ich einfach nur zuckersüß), die herzensgute Sozialarbeiterin Miss Blinny (Miss Blinny ist klasse!), Moonie (ein ganz toller Hund), der fiese Matt Drinker und seine Freunde...Egal ob sympathisch oder unangenehm, ob Mensch oder Tier: Allesamt wurden sie hervorragend ausgearbeitet und tragen mit dazu bei, dass man unvergessliche Lesestunden mit dem Buch verbringt.

Fazit: Leslie Connor ist mit „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ ein großartiger Kinderroman ab 10 Jahren gelungen, mit welchem sie mir ein wahres Lesehighlight beschert hat. Das Buch erzählt eine wunderschöne Geschichte über viele wichtige Themen und ist unglaublich einfühlsam, warmherzig und berührend geschrieben. Ich habe mich sofort in die außergewöhnliche Erzählweise verliebt und unseren einzigartigen Buchhelden Mason Buttle habe ich ganz fest in mein Herz geschlossen. Ich kann jedem wirklich nur wärmstens empfehlen „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“ zu lesen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

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