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Veröffentlicht am 10.05.2021

Flaches Finale, mir großem Potential

Die Quellen von Malun - Blutschicksal
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Der Kampf um die Vorherrschaft von Ruann geht in die finale Runde. Unsere Protagonisten machen sich bereit sich Walerius, Rabanus und Siberi zu stellen und ihr Leben und Malun zu verteidigen.
Ein epischer ...

Der Kampf um die Vorherrschaft von Ruann geht in die finale Runde. Unsere Protagonisten machen sich bereit sich Walerius, Rabanus und Siberi zu stellen und ihr Leben und Malun zu verteidigen.
Ein epischer Showdown?
Dann wollen wir mal.

Vorab möchte ich aber einige positive Aspekte und Dinge, die mir sehr gut gefallen haben, hervorheben!

Auch an dieser Stelle möchte ich, wie immer, vor Spoilern vorwarnen. Wer sich nicht spoilern lassen möchte kann gerne bis zum Fazit springen!

Besonders hervorheben an diesem Band möchte ich die Ausschnitte aus der Chronik von Galeja. In diesen erfahren wir mehr über die Zeit, weit vor dem ersten Band. Und sie waren für mich mein Highlight. Es ist sehr spannend zu sehen wie sich die Geschichte entfaltet und wie man Antworten auf Fragen bekommt, die man nun schon eine sehr lange Zeit mit sich rumträgt. Noch dazu sind diese Passagen sehr flüssig geschrieben und fliegen nur so dahin.
Ebenso hatte das Buch durchaus den ein oder anderen Moment bei dem ich mir wirklich ein Lachen verkneifen musste, das hat die gesamt Stimmung dann doch sehr angehoben.
Ein weiterer Punkt der mir gut gefallen hat war der Umgang mit dem Ableben von Walerius. Nachdem Siberi sein “Werk” vollendet hat und seine Rache bekommen hat, erfüllt ihn dies mit keinerlei Zufriedenheit und er fühlt sich leer und einsam. Und ich finde, dass ist eine sehr gute Darstellung von Rache. Denn sie bringt nicht immer die gewünschte Erlösung und die erhoffte Befriedigung. Fand ich sehr großartig!
Auch das Nachwort der Autorin fand ich on-point. Es war interessant zu lesen, wie sie den “Wandel der Welt” während des Schreibprozesses empfunden hatte und was es mit ihr gemacht hat. Dazu möchte ich später gerne noch etwas zu sagen.

Im allgemeinen bin ich aber sehr Enttäuscht von Blutschicksal.
Lasst mich das ein bisschen ausführen:
In meinen Augen trifft hier das “Trilogien-Phänomen” zu, welches ich damals so um 2010 bis 2012 beobachtet habe.
Das bedeutet, dass eine dreiteilige Reihe mit einem starken ersten Band beginnt und der zweite Teil dann ziemlich nachlässt. Als zweiter Band hat er nur die Funktion den Anfang und das Finale zu verbinden und wenn möglich noch ein einige Informationen bereit zu stellen und die Wandlung der Charaktere voran zu bringen. Oftmals ist der zweite Band daher der “langweiligste” der drei Bände. Es passiert wenig, es ist eher ruhig und alle bereiten sich auf das Finale vor.
Wenn dann der dritte Band rauskommt sind natürlich die Erwartungen sehr hoch, es ist ja immerhin das Finale. Gerade bei den Büchern die in dem oben genannten Zeitraum rauskamen (z.b. Bestimmung, Cassia & Ky, Godspeed) war der dritte Band dann aber doch der Enttäuschendste und das “grande Finale” blieb aus. Und ich finde, dass dieses “Phänomen” auch hier zutrifft.
Mir hat die Reihe im allgemeinen nicht gut gefallen, bin ich ehrlich.
Der erste Band war, rückblickend von allen der stärkste. Im zweiten Band haben wir viel von eigenen Wandlungen gelesen und es ging viel um die Vorbereitung für den Krieg. Mehr aber nicht. Und alles was im zweiten Band gefehlt hat, kam dann, auf schlag im dritten Band.
Und wenn ich sage “Auf Schlag” dann meine ich das auch so.
Das Finale war mit großem Abstand eine der chaotischsten und wirrsten Szenen die ich seit einer ganzen Weile gelesen habe!
Ich versuche das alles, so gut es geht, zu ordnen, denn ich habe eine ganze Weile gebraucht um das Ende zu verarbeiten.

1. Das Problem mit der Zeit
Ich habe es in meiner letzten Rezension bereits angesprochen, aber ich möchte noch einmal darauf hinweisen. In diesem Buch wird viel gereist. Sehr viel. Eigentlich in jedem Kapitel und es ist jedes mal gefühlt eine Weltreise. Und ja, ich weiß, dass Reisen, gerade zu Fuß oder mit dem Pferd ihre Zeit dauern, gerade wenn man durch das ganze Land reist.
Hier kommt aber ein großes Aber mit zwei winkenden Händen:
a) wird es irgendwann langweilig und leider auch, so hart es klingt, nervig, wenn die Charaktere die eine Reise antreten, die dann tage- und nächtelang geht, sie bei dem Ort ankommen, dann verbringt man als Leser ein oder zwei Seiten dort und reist wieder tage und nächtelang zurück. Und das kam in diesem Band nicht nur ein oder zweimal vor. Vor allem in Gedanken geblieben ist mir die Situation von Tailin und Leymon mit den anderen zu diesem Vulkan reisen mussten. Dann sind sie tage- und nächtelang gereist, waren da, dann wurde binnen kürzester Zeit diese Zeremonie abgefrühstückt und dann bitte alle im Gänsemarsch in zweier Reihen wieder zurück reisen.
Wieso? Und wieso so oft?
Nelja und Dorgen, Alia und der Blutsohn, Dorgen und seine Konsorten, Leymon und Tailin, Siberi. Tage- und Nächtelang.
b) Und das schlimmste an dieser Sache ist, dass es einfach absolut keine Kontinuität gibt, was den zeitlichen Fluss an sich beschreibt! Nehmen wir noch mal unser Beispiel von vorhin: Leymon und Tailin sind tage- und nächtelang unterwegs, für mehrere Wochen oder gar MONATE! Und was machen die anderen Charaktere in der Zeit? Wechselt man dann von deren Kapitel zu z.b. Feylas Kapitel wirkt es, als wäre zwischen ihren Kapiteln absolut gar keine Zeit vergangen. Ich kann die Geschehnisse absolut nicht einordnen! Irgendwo hieß es mal, dass Feyla ein Jahr mit Dorgen verheiratet gewesen sei. Das habe ich so absolut gar nicht empfunden. Für mich ging das alles viel zu schnell und zeitgleich viel zu langsam. Wenn ihr mich fragt waren das allerhöchstens ein paar Wochen, maximal vier Monate.
Weil ich, während aller drei Bände, kein Zeitgefühl aufbauen konnte. Hat die Geschichte binnen einer Woche gespielt? Ein halbes Jahr? Drei Jahre? Eine Decade? Ich weiß es nicht. Eine zeitliche Einordnung gab es für mich nicht! (Anm. d. R. : Die Autorin hat in der Leserunde geschildert, dass alle drei Bände in einem Zeitumfang von ca. zwei Jahren spielen. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich es während des Lesens nicht so empfunden habe.)

2. It’s A Kind Of Magic
Eben so ein großes Problem war für mich der Umgang mit der Magie. Auch da muss ich etwas ausholen:
Am Anfang hatten wir so ziemlich null mit Magie zu tun, diese wurde uns dann nach und nach vorgestellt bis auf einmal alles auf einmal kam. Und hier kommen wir zu einigen Unterproblemen die ich damit habe.
a) Irgendwann war die Magie an einem so allgegenwärtigen Stand angekommen, dass alles andere irrelevant war. Ich hatte das Gefühl, dass Magie und gerade der Zustand eines Göttergeborenen mehr oder weniger dazu missbraucht wurde, “lästige” Passagen wie das Heilen von Wunden, das zunehmen von Nahrung oder das Schlafen auszublenden oder zu umgehen. Dafür wurden solche Szenen aber ersetzt durch, für mich absolut wirre, chaotische und nicht nachvollziehbare Abfolgen irgendwelche magischen Riten. Im Verlauf seiner Ausbildung landet Tailin das ein oder andere mal in einem See, Fluss, Wasserbecken (?) und erlebt dort seine Magische Wirkungen. Diese Szenen folgen aber so Schlag auf Schlag und nehmen einen so großen Teil der Geschichte ein, während sie zugleich sehr von anderen Handlungssträngen ablenken und nicht wirklich etwas beitragen, was wir als Leser nicht schon wissen. Es wäre auch kein Problem gewesen wenn sich das auf ein oder zwei Szenen beschränken würde. In diesem Fall kam das aber so oft vor, dass ich die Kapitel von Tailin und Leymon irgendwann nur noch überspringen wollte. Auch das Ende war so von der Magie eingenommen, dass der eigentliche Kampf komplett auf der Strecke geblieben ist. Magie macht in der richtigen Dosis echt Spaß. In diesem Fall war es für mich einfach zu viel.
b) Auch hier mangelte es an einer gewissen Kontinuität. Und damit beziehe ich mich einmal mehr auf Tailin und in diesem Fall auch auf Alia. Tailin wurde nach Malun gebracht um dort gelehrt zu werden, wie er seine Magie Hand zu haben hat. Er kannte sich mit Magie absolut nicht aus und wusste nichts damit anzufangen. Die Visionen die er Nachts hatte haben ihn beinahe wahnsinnig gemacht. Und es hat gedauert, bis er die Magie halbwegs unter Kontrolle hatte (bis zu dem Punkt wo es dann nach einem weiteren Ritual auf einmal perfekt klappte. Aber gut, das hat was mit Leymon zu tun.). Alia auf der anderen Seite entdeckt in der Mitte von Band 2 ihre magischen Fähigkeiten, wendet sie am Ende das erste mal richtig an und ist anfang des dritten Bandes bereits eine erprobte und erfahrene Kämpferin mit ihren Kräften. Sie weiß das “Goldene Netz” zu nutzen, Schutzzauber zu sprechen, in die Gedanken anderer zu Schleichen und versuchen sie zu heilen. Absolut. Ohne. Irgendeinen. Lehrer. Ohne Training. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse. Es gab für mich keinen ersichtlichen Lehrprozess und Alia war einfach von jetzt auf gleich eine Meisterin ihrer Fähigkeiten, die es sogar fertig gebracht hat den stärksten aller Gottgeborenen fernzuhalten. Weil…? Keine Ahnung.

3. Du bist ein Gottgeborener! Und du bist einer! Und du!
Wo wir gerade schon bei den Gottgeborenen sind. Jeder ist einer. Gefühlt ist jeder Charakter dem wir während dem Verlauf der Geschichte begegnen ein Gottgeborener. Auch solche, die am Anfang ganz normal waren, aka: alle unsere Protagonisten.
Alia: Gottgeborene.
Dorgen? Gottgeborener
Tailin. Gottgeborener
Feyla? Gottgeborene
Die SklavinThia? Gottgeborene. Nugia? Gottgeboren, Nelja? Gottgeboren, Siberi. Gottgeboren. Leymon? Gottgeborener. Alle. Wirklich ausnahmslos. Dafür, dass sie am Anfang so selten gewesen sein sollen, sind sie nun wirklich im übermaße zu finden. (Anm. d. R: Auch diesen Punkt hat die Autorin während der Leserunde erklärt und zwar hat sie die Charaktere und Verbündete absichtlich so ausgesucht, weil sie die einzigen sind, die am Ende genug Macht aufbringen können um den Krieg zu beenden. Ändert trotzdem nichts an meinem Punkt.)
Auch die Umstände unter denen Gottgeborene entstehen können, ergeben sich mir einfach nicht. Auf der einen Seite wurde mir als Leser suggeriert, dass Gottgeborene entstehen, wenn man mit seinem Partner schläft und dabei einen dieser magischen Steine trägt. Auf der anderen Seite habe ich dafür aber keinerlei Belege, da ich nicht weiß unter welchen Umständen Alia und Nelja gezeugt wurden. Und Für mich sind es im Gesamtverlauf der Geschichte einfach zu viele Gottgeborene. Die Sicht der “Menschen” bekommen wir gegen Ende einfach nicht mehr mit, da ja sogar die Bösewichte in der Geschichte allesamt Gottgeborene sind. Dieser Zustand wird für mich irgendwann sehr inflationär gebraucht und ab einem Punkt war es nicht mehr wichtig ob jemand gottgeboren ist, sondern wer es nicht ist. Es fehlte einfach ein normaler Charakter, der die andern etwas am Boden hält. Denn gerade gegen Ende der Geschichte waren unsere Protagonisten mit dem Kopf sehr in den magischen Wolken!

4. Wenn Gewalt nicht mehr schockt, sondern langweilt
Die Reihe ist gewalttätig. Sehr gewalttätig. In jedem Kapitel kommt es irgendwo vor, das irgendjemand missbrauch, getötet, gefoltert oder vergewaltigt wird. Das ist nichts für schwache Nerven, da bin ich ehrlich.
Mein Kritikpunkt ist aber nicht, dass es zu viel Gewalt ist, weil ich Gewalt in Büchern nicht gut haben kann (was nicht der Fall ist). Sondern das es über die drei Bände verteilt so unfassbar viel Gewalt ist, dass ich ab einem Punkt nicht mehr mit der Wimper gezuckt habe. Es war einfach zu viel. Auch hier gilt: Irgendwann fragst du dich nicht mehr ob dem Charakter etwas schlimmes zugefügt wurde. Sondern welchem Charakter nicht. Jeder Charakter wurde Misshandelt, Gefoltert, Vergewaltigt, Missbraucht, Geschändet, immer wieder bis zur totalen Besinnungslosigkeit gefoltert und, und, und. Ich weiß, dass dieses vorgehen zeigen soll die schrecklich diese Welt ist und vor allem wie schrecklich Walerius und Rabanus sind. Nur weiß ich das als Leser irgendwann, jedes weitere Mal trägt in diesem Zusammenhang nichts mehr zur Geschichte mit bei. Und ja, ich weiß, dass das gerade sehr herzlos klingt! Doch ab einem Punkt haben mich die Schicksale der Charaktere nicht mehr berührt. Am Anfang war das was anderes, da ich noch eine Verbindung zu den Charakteren, gerade zu den Protagonisten, aufgebaut hatte. Je mehr Charaktere vorgestellt wurden, desti vager und kürzer wurde die Charaktervorstellung, bis zu dem Punkt an dem ich nur zwei Informationen hatte:
Wie der Charakter hieß und wie Walerius ihn misshandelt oder vergewaltigt hatte. Und in welche verwandtschaftlichen Zusammenhang sie mit Feyla standen (jeder ist mit ihr Verwandt. Jeder.)
Der Schock ließ proportional zum Fortschritt der Geschichte nach. Je vager die Charaktere wurden, desto stumpfer reagierte ich auf ihr “Schicksal”. Aus der Sicht der Leserin wurde es auch mit jedem Mal immer vorhersehbarer, stumpfer und plumber. Die Masse macht es. Und hier war es einfach zu viel. Irgendwann war der Schockeffekt weg, denn ich wusste ja wie die Welt von Ruann funktioniert und nach dem 50ten mal dachte ich mir nur: “Weiter im Text.” Mir musste nicht mehr gezeigt werden, wie schrecklich alles ist. Ich wusste es. Ich wusste es seit nunmehr drei Bänden.

5. Glücklich bis ans Lebensende - aber muss das sein?
Ich gönne jedem Charakter für gewöhnlich das Beste was die Geschichte zu bieten hat. In diesem Fall ist es was anderes. Nicht, dass ich die Charaktere hasse, sondern dass es im Kontext der Geschichte nicht gepasst hat.
Ja, hat. Denn in dieser Geschichte, die uns drei Bände lang das Schlimmste vom Schlimmen zeigt, in der mit Mord und Totschlag nur so um sich geworfen wird und in der es keine Hoffnung gibt überlebt. Jeder. Hauptcharakter.
Wir haben diesen Krieg nun drei Bände mitgemacht und so wie ich es bisher immer gelesen habe ist kein Krieg ohne Verluste. Dieses Buch ist da eine Ausnahme. Eine für mich sehr enttäuschende Ausnahme. Da am Ende der Geschichte so ziemlich alle Charaktere auf irgendeine Art und Weise überleben. Der Tod war zum Greifen nah für vier bis fünf Charaktere wenn ich mich nicht täusche. Und sie alle haben überlebt. Alle. Dieser Krieg hat sich nicht nach einem Verlust angefühlt, sondern für mich eher nach einer Enttäuschung.Ich wünsche natürlich keinem Charakter den Tod, aber das in diesem fall kein Charakter gestorben ist fühlt sich dann doch falsch an.
Das Ende wirkt aber auch ansonsten nicht rund auf mich.
Zum einen wäre dort der Fluch, der mit einem mal gebrochen wird (und somit zu einer Art neuen Fluch wird für die nächsten Generationen) und zu anderen der Epilog, der für diese Geschichte einfach eine Spur zu blumig ist. Denn es reicht natürlich nicht aus, dass jeder Charakter überlebt. Sie alle Leben auch noch Glücklich bis an ihr Lebensende. Ohne das es weitere Zwischenfälle gibt. Ohne eine erneute Blutära, ohne irgendwelche Kriege, Streitereien, Verluste… dieser ganze Krieg, der nun drei Bände lang angeteasert wurde fühlt sich einfach nicht richtig an. Nicht “ausreichend” genug. Alles findet, ohne Nachwirkungen, zu einem Happy End.
Wie gesagt, für mich fühlt sich das, in Zusammenhang mit der Geschichte, einfach nicht richtig an.

Ich habe mit Sicherheit noch einige Kleinigkeiten vergessen, wie zum Beispiel dass einige Charaktere am Ende einfach vergessen wurden (Siberi, Kori, Nuren). Das plötzliche Auftauchen einer neuen Spezies, die vorher nicht angekündigt wurde (Drachen). Die Monster, die Siberi auf einmal hergeholt hat. Thia, die auf einmal die mächtigste Gottgeborene zu sein schien (auch wenn Tailin vorher diesen Titel hatte). Die Tatsache, dass Sayra auf einmal redet, während sie vorher nur geschwiegen hat. Dass sie AUCH auf einmal eine der mächtigsten Gottgeborenen ist, die auf Erden wandeln. Was ist mit dem Widerstand passiert?
Aber… ich glaube alles in allem habe ich die, für mich, wichtigsten Punkte zusammengefasst.
Dazu muss ich aber sagen, dass ich vermute, dass die Geschichte als eine Filmreihe sehr gut funktionieren könnte. Viele Szenen könnte man in meinen Augen visuell besser darstellen, als in Textform, gerade bei dem sehr szenischen Schreibstil der Autorin. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mir die Filme sehr gut gefallen würden.

Fazit:
In meinen Augen wird in diesem Band auch wieder viel zu viel um den heißen Brei geredet. Und dafür, dass er so dick ist, passiert dann doch erschreckend wenig. Es gibt zu viele Ungereimtheiten die am Ende nicht ganz aufgelöst werden und auch die Charakterentwicklung findet nicht wirklich ein festes Standbein. Die ganzen Nebenstränge machen es, gerade gegen Ende der Geschichte, nicht einfach dem Fluss weiter zu folgen.
Alles in allem hat mir leider auch das Finale der Geschichte nicht wirklich zugesagt.

Blutschicksal - Die Quellen von Malun erhält von mir einen von fünf möglichen Sternen. Leider war es nicht meine Geschichte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Konnte mich leider nicht überzeugen

Die Quellen von Malun - Blutsohn
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“Blutsohn - Die Quellen von Malun” setzt fast nahtlos an den Ereignissen aus Band 1 an und führt die Geschichte unserer Protagonisten weiter, mit ein paar kleinen Zusätzen.

An diese Stelle setze ich einen ...

“Blutsohn - Die Quellen von Malun” setzt fast nahtlos an den Ereignissen aus Band 1 an und führt die Geschichte unserer Protagonisten weiter, mit ein paar kleinen Zusätzen.

An diese Stelle setze ich einen Spoileralarm, für den Fall, dass ich auch dieses Mal kein Blatt vor den Mund nehmen werde!

Zu diesen kleinen “Zusätzen” zählen unter anderem die weiteren Sichten mit denen wir beschenkt werden. Neben Leymon, der soweit ich weiß schon im ersten Teil seinen Gastbeitrag hatte, sehen wir nun auch vermehrt die Sicht vom Blutsohn selber und von einem neuen Charakter, Siberi, zu dem ich später noch kommen werde.
Der zweite Teil macht einiges wett, was der erste Teil, in meinen Augen, versäumt hat. Zum einen Erfahren wir mehr über die Gottgeborenen, die Götter, deren Fähigkeiten und die Vergangenheit. Der Fokus liegt auch mehr auf dem Krieg selber, den Zuständen in dem Land und weiteren Intrigen innerhalb der einzelnen Konstellationen. Dadurch, dass unsere Charaktere so breit gefächert sind und sich über das Land verteilt befinden, lesen wir auch mehr von verschiedenen Standorten des Landes und was dort passiert.
Wir sehen die Kriegsfront, die Rebellenfront, die Seite der Flüchtlinge, die der Gottgeborenen im sicheren Malun, die Seite der Pamusch und auch ab und zu die Sicht des Blutsohnes.

Was ich an dieser Stelle einmal hervorheben möchte, ist, dass ich gerade die Kapitel von Lunis, dem Blutsohn, Nelja und Leymon sehr gerne gelesen habe! Sie waren durchgehend spannend, informativ und sehr gut geschrieben und ich habe mich immer gefreut wenn am Anfang eines Abschnittes der jeweilige Name stand!

Doch bei all der Vielzahl an Sichten, Perspektiven und Seiten in diesem Buch hatte ich, alles in allem, nicht das Gefühl, dass die Geschichte wirklich voran geht. Sie blieb auch nicht auf der Stelle. Das Verhältnis würde ich als “kompliziert” betiteln.

Mein erstes Problem habe ich, definitiv, mit Siberi. Nicht, weil er der Antagonist ist. Nein. Sondern weil er absolut abstinent im ersten Band war. Ja, Rabanus meinte “Wir warten lieber noch ein Paar Tage, bis Dorgen in seinem neuen Amt fest ist”, das erklärt aber nicht wieso wir, bis auf die letzten Seiten im ersten Band, nichts von ihm gelesen haben. Er wurde als Antagonist in den zweiten Band eingeführt und sorgt dort nun für Unruhen. Ja, das ist seine Aufgabe als Gegenspieler, dennoch wirkt er für mich nicht ausgearbeitet und ausgereift und eher in die Geschichte geworfen. Er taucht auch, wenn es die Geschichte für nötig hält und ist Übermächtig mit seinen Fähigkeiten als Gottgeborener. Seine einzige Schwäche scheint zu sein, dass wenn er emotionaler wird seine Kräfte nicht mehr ganz so wollen wie er. Was ihn im großen und ganzen nicht zu stören scheint. Er hat seine Augen und Ohren überall, seine Kräfte gelten als Unübertroffen und er scheint es auch mit den mächtigsten Göttern aufzunehmen. Was kann da noch mit einspielen?
Richtig, eine weitere Seite seiner Fähigkeit mit der er Dorgen das Gesicht von Feyla simulieren kann und ihn so in eine Liebschaft mit sich zwingen kann. An dieser Stelle wurde es für mich mit dem Verständnis schon schwer. Ich wusste nicht woher diese Fähigkeit kam, woher diese Verbindung kam, was genau sie auslöst und das Dorgen dieser so absolut ausgeliefert war.

Dorgen hat, von allen Charakteren in dieser Geschichte, wohl am meisten gelitten. Unter Siberis Einfluss wurde Dorgen von einem Anfangs sehr geliebten Anführer binnen weniger Tage zu einem absoluten Tyrann vor dem jeder Angst hat. Was ich lustig finde, da ich immer nur höre wie unsere Protagonisten erzählen, sie hätten gehört, dass Dorgen so furchtbar sei. Ich höre keinen anderen Charakter das sagen. Woher haben unsere Protagonisten die Informationen, wie konnten sie so weit getragen werden? Das Tailin darüber bescheid weißt ist klar, weil er eine ähnlich seltsame, magische Verbindung zu Dorgen hat, wie Siberi. Nicht ganz so toxisch, aber dennoch für mich absolut nicht greifbar. Diese Verbindung kam und ging und war mal da, dann wieder nicht… Irgendwann wollte ich dem ganzen nicht mehr folgen.
Zurück zu Dorgen. Sein Charakter wurde unter Siberis Einfluss einfach in den Abgrund gerissen. Seine Befehle wurden radikaler, gedankenloser und nahmen Menschenleben in Kauf und als er aus dieser Trance, in die Siberi ihn steckte, erwachte und die Ausmaße seiner Taten sah lernte er auch nicht aus seinen Fehlern. Er macht auf mich nicht den Eindruck als würde er so wirklich Widerstand leisten. Auch als Alia auftaucht und sich eine weitere magische Verbindung zwischen ihnen auftut bringt dies nichts und Dorgen verfällt wieder Siberi obwohl er deutlich hinter die Fassade sieht, was Siberi ist, was er tut und wie er vorgeht. Wie gesagt: Siberi ist einfach übermächtig. Wie geht man gegen so einen Charakter also vor?


Wo wir gerade bei Alia sind:
Ihr Charakter-Ark war speziell. Nachdem ich mich beim ersten Teil darüber beschwert hatte, dass andauernd eine Flucht angekündigt wird, die nicht passiert, werden wir mit dieser ziemlich schnell beschenkt. Sie, ihre Schwester Nelja und ihr Half-Love-Interest-Mariusch fliehen also. Okay, vorher hatten sie bzw. Alia noch eine Begegnung mit dem Blutsohn. Mit dem mächtigen, gefürchteten Blutsohn, der sie auch prompt Vergewaltigt…. Schlägt….? Ich bin mir recht unsicher welche Methode genau angewendet wurde. Nach dem ganzen bekommt der Blutsohn Alia nicht mehr aus dem Kopf und sie und ihre Konsorten fliehen.
Und diese Flucht war ziemlich enttäuschend. Interessante Passagen wie die Situation bei Erisa wurden Stark verkürzt. Auch hier wurde wieder das Prinzip des, wie ich es ab jetzt nenne, “irren Zeitsprungs” angewendet. Alia und Nelja kommen an, es wird kurz der neue Charakter vorgestellt, dann kommt ein neues Kapitel eines neuen Charakters, wir springen zurück zu Alia und Nelja und boom, es sind mehrere Tage vergangen und wir müssen wieder weiter. Es ist Schade. Erisa machte auf mich einen sehr interessanten Eindruck und brachte etwas neuen Wind in die ganze Lage, dass es meinen Lesefluss beeinträchtig hat, sie wieder so schnell gehen zu lassen. Es herrschte für mich keine vernünftige Balance zwischen spannenden Sequenzen und narrativen Bombardements an Informationen.
Jetzt kommt natürlich die Frage auf, wo war den Mariusch bei der ganzen Sache, wenn er doch mit den beiden geflohen ist:
Er ist gestorben.
Ziemlich am Anfang der Flucht wurde er in der Mitte zerteilt und das war es dann mit ihm. War ich geschockt? Nicht wirklich. Dennoch habe ich die Szene zweimal gelesen, weil ich nicht ganz verstand was ich da gelesen habe. Es kam so aus dem nichts und war mir auf der anderen Seite so egal, dass ich dem nicht weiter nachgehen wollte. Auch der Impakt den dieser Tod auf Alia hatte wirkte auf mich nur minimal. Ja, sie hat mehrere Tage getrauter und Essen und Trinken verweigert, aber davon bekam ich wenig mit, da genau diese Trauerphase in die Zeit mit Erisa fiel, sprich: Alles übersprungen.
Am Ende führte ihr Weg sie in das Lager von Dorgen, wo sie auch prompt die sterbende Nureen mehr oder weniger ersetzen soll und es entspannt sich zwischen ihr und Dorgen eine Liebesbeziehung (?) mit einem Akt der Leidenschaft über den auf magische Weise auch Feyla Bescheid weiß (für die das anscheint komplett Okay ist, weil es ist ja nicht “so eine Beziehung”) und während dieser sich Alia auf eine Reise via Astralprojektion Richtung Lunis macht. Diese Szene und die ganze Beziehung zwischen den beiden war ein weiterer Bestandteil der langen Liste an Gründen, wieso ich der Geschichte irgendwann nicht mehr folgen konnte und wollte.

Wenn wir gerade schon einmal bei Lunis sind ist er auch Teil eines großen Plotttwists, dessen Ausmaß scheinbar nicht ganz bei mir angekommen ist, da ich weder von ihm, noch von einem anderen Charaktere, der in diesen Twist mit involviert ist, wirklich viel mitbekommen habe. Die Bindung zu den Charakteren hat im allgemeinen sehr gelitten. Wo ich im ersten Teil noch meine Freude daran hatte mit den anderen Charakteren zu bonden, ist davon nichts mehr zu sehen. Dorgen und Alia habe ich schon abgefrühstückt, weiter geht es mit Feyla.

Feyla ist in der Zwischenzeit bei den Wüstenfrauen angekommen, einer Untergrundorganisation die sich der Rebellion verschrieben hat und aus Frauen besteht, die Walerius in der Vergangenheit in der Wüste ausgesetzt hat.
Hier tun sich auch mehrere Ungereimtheiten für mich auf. Zum einen ist diese Organisation mir zu schwammig. Sie kommt aus dem nichts und das was mir als Erklärung dargeboten wird, wie sie entstanden ist, reicht mir nicht aus um das Bild irgendwie rund zu machen. Noch dazu scheint ja jeder dort Feyla zu misstrauen, dafür, dass sie von Walerius ausgesetzt wurde. Walerius ist in diesem Konstrukt immer noch der Hauptfeind. Dafür, dass die Feyla aber nicht zu 100% trauen, darf sie dann doch schon viel machen, rumlaufen und an diversen Gruppenaktivitäten teilnehmen.
Ein weiterer Dorn im Auge sind die Verwandtschaftsverhältnisse die nun mehr enthüllt werden. Im Kontext der Geschichte ergeben die vielleicht sich, für mich als Leser kommen sie aber wie aus dem Nichts und werden auch nicht zu genüge erklärt. Ist der Zusammenhang für den späteren Verlauf in der Geschichte noch relevant, oder war er nur da für einen weiteren dieser Schock-Momente. Auch ihre Seite der Geschichte ist nicht ganz unberührt von den Zeitsprüngen und der Alltag bei den Wüstenfrauen wird mir als Leser nicht ganz ersichtlich.
Es verhält sich ähnlich wie im ersten Teil bei Alia. Wir werden im groben mit den Regeln der Gemeinschaft konfrontiert, aber die Protagonistin spinnt ihr Leben dann drum herum. Bei Alia ist es anscheinend nie aufgefallen, dass sie ihrer Arbeit nicht zu 100% nachgeht und Feyla kann sich frei bewegen und mehrere Tage am Bett der Todkranken Nugia verbringen ohne das es groß jemanden störrt.
Ungeachtet ihrer seltsamen, wie aus dem nichts entstandenen Verbindung zu Siberi und ungeachtet dieser absolut unangenehmen und in meinen Augen auch unnötigen Szene (weil sie wieder nichts beigetragen hat und nur für den Schockmoment da war) mit der Ex-Sklavin Thia die ihre Macht als Gottgeborene zur Schau gibt. Dazu komme ich gleich auch noch.

Abschließend noch ein paar Worte zu Tailins Kapiteln:
Ich habe sie gehasst. Jedes einzelne.
Seine Kapitel waren am stärksten Betroffen von diesen Zeitsprüngen. Hier ein paar Tage, da mehrere Wochen, hier einige Monate. Das zeitliche einordnen ist schier unmöglich. Dazu kommt die Bombadierung mit Informationen. Tailins Kapitel bestehen zu 95% nur aus Beschreibungen und Umschreibungen, in einem solchen Maße, dass man fünf Seiten getrost überspringen konnte und immer noch an der gleichen Stelle war. Seine Kapitel drehten sich hauptsächlich um seine Empfindungen rund um seine Fähigkeiten, wie ich das verstanden habe. Dabei wird so viel mit der Umgebung gespielt, so viele Eindrücke geschildert, so viele… Naturphänomene dargebracht, so oft gestorben, dass ich irgendwann nicht mehr hinterher kam und mir auch nicht mehr die Mühe machte. Ich wurde bei Tailin einfach mit so vielen Informationen zu geworfen, mit denen ich wenig bis gar nichts anfangen konnte, dass ich es irgendwann aufgegeben habe. Ich kann daher auch nicht mehr viel zu Tailin sagen.

Kommen wir noch einmal zu den Gottgeborenen, von denen es im ersten Teil ja noch hieß, dass es ganz wenige gibt. Sie seien eine Rarität in dem Lande und man würde Wochen- und Monatelang nach ihnen Suchen. Und damit meine ich nicht die Gottgeborenen die der Blutsohn direkt sucht, wo Haarfarbe und Augenfarbe übereinstimmen. Sondern wirklich die Gottgeborenen an sich.
Und während sie im ersten Teil noch so selten waren, haben wir sie nunmehr im absoluten Überfluss. Nicht nur Nelja ist, wie vermutet, eine Gottgeborene, nein! Auch Alia ist eine. Die Sklavin Thia ist eine, bei den Pamusch gibt es etliche. Dann natürlich Siberi! Nugia ist ebenfalls eine Gottgeborene und Nureen, wenn ich mich nicht ganz Irre, auch! Bei den Wüstenfrauen gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit, neben den spannenden Verwandtschaftsverhältnissen auch noch einige Gottgeborene. Jeder hat auf einmal Fähigkeiten die er Entwickelt. Und natürlich wird auch mit Vermutungen um sich geworfen, wer die Stücke von Talun und Maluna in sich trägt. Doch dahingehend fehlt es mir dann wiederum an Informationen.
Was mich zu noch einem Problem bringt: die Geschichte hält sich mit Informationen auf, mit deren Erhalt ich als Leser absolut nichts anfangen kann. Und davon hat Blutsohn eine Menge! Auf der anderen Seite wird aber mit Informationen und Szenen gespart, die wirklich was zu der Geschichte beitragen können.


Würde man mich Fragen, worum genau es in Band 2 geht, könnte ich die Frage nicht wirklich beantworten, da gleichzeitig so viel und so wenig passiert und sich die Geschichte im Kreis dreht aber auch nicht. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind unklarer denn je, viele Szenen kommen aus dem Nichts und wirken Erzwungen und gestellt, während auf der anderen Seite auch so viele Situationen sind die absolut nichts zum großen Ganzen beitragen. Wir haben immer noch nicht wirklich erfahren, was die “große Verschwörung” ist, die im ersten Angekündigt wurde, wie die “Schicksale” der Protagonisten miteinander Verbunden sind.. Es dreht sich alles im Kreis und man kommt nicht wirklich voran.
Feyla bewirkt bei den Wüstenfrauen nichts.
Tailin ist mit seinen Kräften noch nicht wirklich weiter (und ich frage mich ja wirklich wie Chaveen es sicher und heile zu Tailin gebracht hat, wenn es den Dreien anscheinend so schlecht geht) und wirft nur immer mehr Fragen auf.
Dorgen ist hilflos mit der Situation überfordert und findet keine Lösung und macht auf mich auch nicht wirklich den Eindruck daran groß etwas ändern zu WOLLEN.
Und Alia? Die hat es zu Dorgen geschafft und herausgefunden, dass sie eine Gottgeborene ist. Würde ich auch nicht wirklich als Erfolg verbuchen.

Fazit:

Band 2 hat mich sehr enttäuscht. Der Einstieg war unglaublich spannend und es ging rasant los, nur damit es schnell abschwacht. Ich hab keine Sympathie mehr für die Charaktere empfunden, weshalb es mir auch immer schwerer fiel mit Leib und Seele bei ihren Schicksalen dabei zu sein. Als Leser wird man hingehalten und mit Informationen zu geschmissen, während der eigentliche Plot nicht ins Rollen kommt. Ich bleibe mit mehr Fragen zurück als am Anfang und war am Ende einfach nur froh die letzte Seite umblättern. Auch wenn einige Charaktere dabei waren, an denen ich Spaß hatte, war das Gesamtpaket für mich nur enttäuschend und hat den ganzen Rest runter gezogen.

“Blutsohn - Die Quellen von Malun” bekommt von mir daher 1,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.05.2021

Starke Idee, die in der Umsetzung dann doch etwas hinkt

Die Quellen von Malun - Blutgöttin
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“Blutgöttin - Die Quellen von Malun” beschäftigt sich vier Charakteren, deren Schicksale miteinander verbunden sind und die die Gründe für das Verschwinden des Wassers aufdecken und dabei auf eine Verschwörung ...

“Blutgöttin - Die Quellen von Malun” beschäftigt sich vier Charakteren, deren Schicksale miteinander verbunden sind und die die Gründe für das Verschwinden des Wassers aufdecken und dabei auf eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßen stoßen!

Naja, jedenfalls ist es das, was das der Klappentext einem suggerieren möchte. Viel ist davon aber in dem Buch selber nicht zu finden, aber ich nehme zu viel vorweg!
Wie so oft bei diesen Rezensionen fangen wir mit den positiven Aspekten an:

Die Autorin schafft es, wenn es dann mal wirklich darum geht, ein wirklich erschreckendes und bedrückendes Kriegsgeschehen zu Schildern. Ihre Actionszenen sind unterhaltsam und spannend und lesen sich unfassbar flüssig. Grade auf den letzten Seiten schafft sie es den Leser stutzig zu machen und ihn dazu zu bewegen dran zu bleiben und weiter zu lesen. Man möchte mehr von der Welt und ihren Geheimnissen erfahren und will um jeden Preis dabei bleiben.

Leider, und in dem Sinne ein sehr großes Leider, macht dies den geringeren Teil der Geschichte aus. Denn im größeren Sinne dreht sich der Storyverlauf und die Entwicklung der Charaktere um eher andere Aspekte der Geschichte.
Was genau ich damit meine lest ihr im Folgenden:

Auch hier wieder: MAJOR SPOILER-ALARM! Ich nehme in meiner Rezension kein Blatt vor den Mund und gehe auf die Story und deren Verlauf ein. Wer sich nicht spoilern möchte springt bitte, wie gehabt, zum Fazit:

Akt 1 - Die Charaktere:

Im allgemeinen kann man die Charaktere in einem Satz beschreiben: Sie drehen sich im Kreis oder treten auf der Stelle.


Zum einen haben wir die Sklavin Alia. Sie arbeitet in einem Wasserbergwerk bei dem sie Tag aus, Tag ein für die Sapioner Wasser abschöpfen. Sie hat eine kleine Schwester, Nelja, die sie in den tiefen des Bergwerks versteckt und einen Freund/Lebenspartner, Mariusch, welcher als Wassersucher dafür verantwortlich ist, noch aktive Wasserquellen zu finden.
Alia lässt sich am besten beschreiben mit “unverschämt viel Glück” und “rückwärts und bergab wäre besser als stillstand”. Ihre Storyline ist nämlich geprägt von glücklichen Zufällen und nichts.
Von ihrem Sklavenalltag bekommen wir gewissermaßen wenig mit, denn ständig ist sie damit beschäftigt sich von der Route zu schleichen und zu ihrer kleinen Schwester zu gehen, der sie immer mal wieder Trinken und Essen vorbei bringt. Andauernd wohlgemerkt! Und niemand bekommt das mit von den Wachen. Nicht die besten Wachen würde ich wohl sagen.
In ein, zwei Nebensätzen wird mal darauf eingegangen, was ansonsten so im Lager passiert, aber näher darauf eingegangen wird auch nicht. Wir bekommen eine Situation mit einer Gefangennahme und Folter mit, aber auch das hat nicht wirklich viel mehr impact auf ihre Storyline. Auch muss sie für einen gewissen Zeitraum einmal raus aus dem Bergwerk und einer anderen Beschäftigung nachgehen, bei der man sehr gut etwas über ihre Fluchtpläne, ihre Planung oder ähnliches hätte erfahren können. Davon bekommen wir aber nichts mit. Wirklich geplant wird bei ihr nämlich nicht.
Wir kommen auch über 500 Seiten nicht aus dem Sklavenlager raus, auch wenn das von der ersten Seite an groß angeteasert wird und der Leser damit gelockt wird, dass etwas passiert.

Alias Sicht der Dinge trägt wenig zu der Geschichte bei, aber nicht ansatzweise so wenig wie Dorgen und Feyla.
Bei Gott, wie ich die beiden hasse. Anfangs waren, gerade Dorgens Kapitel, beide echt spannend. Dorgen hat uns einiges von der Kriegsfront gezeigt, bei Feyla haben wir mehr davon mitbekommen wie die High-Society in diesem Land lebt und welchen Konsequenzen sie ausgesetzt sind. Das war wirklich interessant und spannend und hat wirklich Spaß gemacht zu lesen. Nachdem die beiden aber zusammen gefunden haben ging es nur bergab.
Ihre Kapitel drehten sich entweder um Dramen, welche entweder durch künstliche Dramatisierung geschaffen wurde oder schlichtweg durch eigene Leichtsinnigkeit und Dummheit.
Feyla geht an so ziemlich alles Kopflos heran und kommt, für meinen Geschmack, einfach viel zu gut dabei rum! Wäre Dorgen nicht ihr Mann, sondern ein anderer, dann würde sie mit ihren Launen auch nicht weit kommen. Dafür, dass sie ihr ganzes Leben unter diesen Umständen und Menschen gelebt hat, scheint sie doch absolut keine Ahnung davon zu haben wie der Hase läuft. Für große Vergehen, wird sie milde bestraft. Kommt mit allem davon, wird als einzige von ihren Schwestern von ihrem Mann geliebt und ist anscheinend die einzige mit Köpfchen und damit auch die einzige Bedrohung.
Wird etwas gemacht?! NEIN! Und warum schockiert mich das so? Weil, in dem gesamten ersten Band, in allen vier Ansichten klar gemacht wird, dass du schon alleine dafür ausgepeitscht wirst, wenn du jemanden schief anguckst. Und dann verstößt sie gegen die obersten Gebote ihres Vaters, MEHRFACH, und was ist?! Verhältnismäßig nichts.
Und am Ende sagt ihr Vater, der schon das gesamte Buch über den Eindruck gemacht hat, seine Tochter entweder flachzulegen oder zu töten, dass er sie flachlegen oder töten möchte.
Kam es überraschend? Nein.
War ich überrascht? Auch Nein.
Walerius, der gewaltsame, grauenvolle Mann und das furchtbare Oberhaupt der Sippe ist gewaltsam, grauenvoll und furchtbar? Wer hätte DAS nur gedacht?!
Dorgen selber ist absolut flach und denkt nur so weit wie er gucken kann. Ich würde seine Kapitel am liebsten jedes mal überspringen. Er hebt sich auf ein hohes Ross und zeigt mit erhobenen Finger auf seine anderen Frauen. Es heißt die ganze Zeit, was sie nur für schlimme Personen sind, wie widerlich und zickig und menschlich abscheulich sie sind, während Dorgen, gerade mit dieser Einstellung, absolut nicht besser ist als die Damen. Verurteilt sie dafür, dass sie ihn nur als "Zuchthengst" sehen könnten, denkt selber aber genau so abwertend über sie. Er macht sich auch nicht wirklich die Mühe sie näher kennen zu lernen und seine Meinung eventuell zu ändern. Er will anders sein als die anderen Männer in diesem Land? Dann behandle nicht nur eine von fünf Frauen entsprechend, sondern alle! "Aber er LIEBT Feyla!!" Na und? Ich kann mir trotzdem die Mühe machen einen Menschen besser kennen zu lernen, auch wenn ich ihn nicht liebe! Oder wollt ihr mit jedem eurer Freunde den Bund fürs Leben eingehen? Ich glaube nicht.
Wenn er sich für die anderen auch nur ansatzweise so interessieren würde wie für Feyla, eventuell würden die Mädchen ihren Hass dann nicht komplett auf ihre Schwester abschieben.
Auch geht er die ganze Sache mit Walerius absolut falsch und kopflos an! Klar kann man sagen, dass Walerius ein böses Mastermind ist, aber Dorgen spielt ihm mit allem was er tut absolut in die Hände und wundert sich am Schluss, wieso seine Schwächen ausgenutzt wurden!
Ja, unser Herr Offizier, wie kann das nur sein! Das Dorgen Offizier ist steht übrigends genauso im Klappentext. Keine Ahnung wie der an seinen Posten gekommen ist, wirklich gut ist er darin nicht.

Kommen wir zu Tailin. Auch mit ihm hatte ich meine Probleme, gebe ich offen zu. Aber von allen Charakteren am wenigsten. Seine Kapitel bestanden zu 90% nur aus Umgebungsbeschreibungen oder irgendwelchen Gefühlseindrücken und Erinnerungen an die Vergangenheit. Was, an sich, nichts spannendes ist. Wenn man es aber mit den Kapiteln der anderen vergleicht, bekommt man hier wenigstens etwas anderes mit. Dorgen und Feyla befinden sich nur in dem riesigen Anwesen und Alia nur in dem Bergwerk. Tailin kommt wenigstens rum und man lernt andere Völker kennen. Auch waren seine Kapitel die mit Abstand harmlosesten von allen. Aber dazu zu dem Thema später mehr.
Auch bei ihm war der Spannungspegel konstant im unteren Bereich. Erst gegen Ende nimmt es bei ihm an Fahrt auf und die Story kommt ins Laufen, aber das kann man über alle Charaktere sagen.
Kurz gesagt, war Tailin, wie die anderen auch, zwar kein wirklich spannender Charakter, aber bei ihm hat man von der Welt wenigstens am meisten gesehen und mitbekommen.

Womit wir auch schon beim nächsten Akt wären.

Akt 2. - Die Welt von “Die Quellen von Malun”

Ich bin mir ziemlich sicher, dass in diesem Buch viel Arbeit und Herzblut drinnen steckt. Die Charaktere kommen nicht von irgendwo, der Aufbau ist nicht einfach von heute auf morgen entstanden und das alles einen Zusammenhang hat.
Leider, an dieser Stelle ein großes leider, war ich die meiste Zeit über sehr verwirrt von der Welt. Es gibt verschiedene Völker, die alle verschiedene Merkmale haben, verschiedene Regionen, verschiedene Lager, Bergwerke, Paläste, Charaktere, Handlungen, Riten, Bräuche, Konfessionen, Sprachen, Zeitrechnungen und, und, und das ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr hinterhergekommen bin. Eine Karte, vielleicht noch ein Verzeichnis von den Charakteren und Völkern wäre wirklich hilfreich gewesen.
Abgesehen davon gab es auch so einige Ungereimtheiten in der Geschichte, welche bis ganz zum Schluss nicht wirklich zu 100% aufgeklärt wurden.
Unter anderem die Auslese, das große Ereignis, bei dem Krieger, die ein gewisses Alter erreicht haben, zu Gladiatoren Kämpfe gehen um dort die Besten auszusortieren.
Dazu stellen sich mich einige Fragen:
1. So wie ich das verstanden habe, kommen die blättert nach Sapioner seit einem Jahrzehnt nicht wirklich von der Stelle weil Manneskraft an der Front fehlt: Wieso also, andauernd, irgendwelche Krieger abzweigen für die Auslese, bei der sie sich bekämpfen und die Verlierer entweder sterben oder Sklaven werden?
2. Ja, die Gewinner müssen (nicht dürfen) in eine Sippe einheiraten und Kinder bekommen, wo die Söhne dann wieder an die Front geschickt werden. Das mag ja alles sein, aber alleine das Schwanger werden an sich dauert seine Zeit, dann die Schwangerschaft an sich und dann muss man das Glück haben, dass man einen Sohn bekommt (weil die Frauen in dieser Welt keine Rechte haben, außer Gebären, und selbst das Recht wird einigen noch genommen) und DANN muss man Glück haben, dass dieser Sohn es überhaupt schafft groß genug zu werden und es schafft, das Training zum Soldaten zu überleben. Und das ist auch ein Prozess der lange dauert. Wenn sich also meine Truppen seit einem Jahrzehnt nicht vom Fleck bewegt haben, weil die Männer fehlen… ich würde mir gedanken machen.
3. So wie ich das verstanden habe können die Männer, wenn sie den wollen, zurück an die Front. Wieso verpflichtet man diese nicht einfach direkt wieder? Wenn der Krieg doch so wichtig ist und jeder Mann gebraucht wird!
3.1. Dazu NOCH eine Frage! Es kommt im Verlauf der Geschichte oft genug vor, dass Truppen in den Wald geschickt werden wo, nachweislich, Soldaten mit bei sind, die “gerade so das Schwert heben können” und bei denen es dann natürlich nicht verwunderlich ist, dass sie im Kampf getötet werden. Ich weiß, die Sapioner sind ein sehr brutales und gewaltsames Volk, aber das halte ich dann doch für einen sehr dummen Schachzug. Man verliert Manneskraft die an der Front gebraucht wird. Und das fällt für mich nicht unter “Naja, sie waren ja schwach!”, es war dennoch Manneskraft die man hätte nutzen und ausbilden können.
Was die Kriegsführung der Sapioner angeht, darüber kann man Streiten, was die anderen Völker angeht (Faruaner, Pameli und Gottgeborene) kann ich wenig Erzählen, da sie auch ziemlich wenig in dem Buch vorkamen. Mag sein, dass es in den nächsten Teilen besser wird, aber für den Auftakt einer Trilogie fand ich diesen Band schwierig. Man wird als Leser in die Welt geworfen und teilweise mit Wissen zu gepumpt mit dem du später nicht wirklich was anfangen kannst. Oder du bekommst in Nebensätzen kleinere Wissenshappen zugeworfen und darfst sie später zwischen den ganzen anderen Informationen hervor kramen, falls es dann mal wieder nötig wird. Klar möchte man die Story in Fahrt bringen, aber ich als Leserin würde gerne erstmal mit einsteigen und mich anschnallen und nicht hinter dem Truck her rennen in der Hoffnung irgendwie hinterher zu kommen (oder mir nebenher ein eigenes Verzeichnis aufschreiben auf welches ich dann zurück greife.)

Akt 3. - Die Brutalität

Ich bin kein zart besaiteter Mensch und ich liebe es auch, wenn es in Büchern mal etwas härter zugeht und man bemerkt, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Charaktere können und sollen in meinen Augen auch leiden, dass fördert das Character Development. Auch kann Brutalität ein Mittel dazu sein, dass man bemerkt, mit was für einem Regiment man es zu tun hat und was es am Ende für die Charaktere bedeutet in dieser Welt zu leben. In den meisten Fällen folgt die Brutalität in Büchern einem Gewissen Zweck, vielleicht nicht in der Geschichte selber, aber für den Leser.
Was “Blutgöttin” aber macht ist fern von irgendwas davon.
Es wird gemordet, gemeuchelt, gefoltert, vergewaltigt, geschlagen, geprügelt und alles möglichst Ekelhaft und in jedem erdenklichen Spektrum des Folter-Kellers. Es zeigt eindrücklich mit was für einer Welt wir es hier zu tun haben und was unsere Charaktere hier durchmachen müssen.
Jedoch verliert diese Brutalität irgendwann ihren Schockeffekt wenn wir es auf fast jeder Seite lesen. Der großteil des Buches besteht nur aus irgendwelche Gräueltaten, die in den meisten Fällen nicht einmal unseren Protagonisten selber passieren (Tailin wird mal von einer Pamuschkatze gefoltert, was wir auch eher im Fiebertraum mitbekommen und Feyla wird mal ausgepeitscht). Ab einer gewissen Stelle war ich es einfach nur leid und ich habe mir gewünscht, dass von dem angedrohten auch mal etwas ausgeführt wird. Oftmals wird über das Grauen nur berichtet und als Leser bekommen wir es nur in Nebensätzen mit wie Soldaten Sklavinnen vergewaltigen oder wie Gefolterte schreien.
Die Brutalität in dieser Geschichte war am Anfang eindrucksvoll, verlor aber schnell an Effekt und war zum Ende hin einfach nur noch drüber. Gut portioniert hätte es in meinen Augen mehr Effekt gehabt.

Kommen wir nun zum letzten Akt, ehe wir zum Fazit springen.

Akt 4: Das Prinzip des Schongarens

Was mich immer noch davon abhält, der Geschichte weniger Sterne zu geben ist das versteckte Potential zwischen den Zeilen, welches immer mal wieder durchschimmert, aber nicht ganz durch sickern will. Schlicht und ergreifend weil diese Geschichte sich so absolut langsam erzählt, dass es schon fast erschreckend ist!
Wir reden hier von einer Geschichte, bei der ein Charakter im ersten Kapitel ankündigt fliehen zu wollen, und es bis zum Ende nicht geschafft hat! Himmel! Alia hat noch nicht einmal wirklich mit der Planung angefangen!
Dorgen und Feyla kommen in ihrer Liebesbeziehung absolut nicht vom Fleck! Und nein, die Tatsache das sie sich in einander verliebt haben und für den anderen sterben würden ist nicht wirklich Story-Entwicklung!
Einzig bei Tailin ging es wenigstens ein bisschen voran! Ein bisschen!
Ich gehe aus dem ersten Band aber mit mehr Fragen raus, als ich reingegangen bin, und das schlimmste: Ich habe absolut keine Antworten erhalten.
Der Klappentext kündigt an, dass die Schicksale miteinander verbunden sind.
Wo? Dorgen und Tailin sind/waren Freunde, okay. Feyla hat aber weder zu Tailin noch zu Alia eine wirkliche verbindung. Es reicht nicht aus, dass Dorgen eine Verbindung zu Tailin hat. Und weder Dorgen, noch Tailin noch Feyla haben in irgendeiner Art und Weise eine Verbindung zu Alia, sie wissen nicht einmal, dass sie existiert.
Dazu kommt die Verschwörung rund um das Verschwinden des Wassers, welche auch im Klappentext angekündigt wird. Auch das hat sich in keiner Art und Weise angekündigt. Ich rede hier nicht vom Auflösen oder ähnlichen. Die Verschwörung an sich kam nicht vor, überhaupt nicht. Als Leser weiß ich nur, dass das Wasser verschwindet, dass da eine Verschwörung dahinter steckt, lässt das Buch absolut nicht durchsickern.
Stattdessen befasst es sich mit dem langweiligen Sklavenalltag von Alia, welche mit schierem Glück an den Wachen vorbei kommt, der absolut ungesunden Liebe zwischen Dorgen und Feyla, die daraus besteht, dass zwei Charaktere zueinander gefunden haben, die beide nicht begreifen wie die Welt läuft und der halbwegs interessanten Reise eines desertierten Soldaten und seiner Liebe zu dem Soldaten eines anderen Volkes.
Das alles passiert in einem absolut langsamen Tempo, dass ich mich nun mehr im Nachhinein Frage was wirklich in der Geschichte passiert ist.

Fazit:
Eine sehr solide Grundidee und die halbwegs gute Umsetzung machen “Blutgöttin” zu einem ganz netten Einstieg in die Reihe. Man sieht das Potential, welches hinter dem Ganzen steckt. Leider leidet die Geschichte an dem Erzähltempo, welches hier einfach viel zu langsam ist, und den teilweise sehr eindimensionalen, unsympathischen und selten dummen Charakteren, welche zwar ab und an ihre Momente haben, aber die Geschichte nicht wirklich voran treiben.
Gerade das Ende von Band 1 fixt einen als Leser an und ich muss gestehen, dass ich trotz meiner Kritikpunkte dennoch gerne weiterlesen möchte um zu erfahren was hinter dieser angeblichen Verschwörung liegt und was uns in Malun erwartet UND wie die Schicksale unseres goldenen Quartetts doch noch zueinander finden.

“Blutgöttin - Die Quellen von Malun” bekommt von mir, mit zwei zugedrückten Augen, 4,5 von 10 möglichen Sternen (3 von 5 und damit eine eingeschränkte Leseempfehlung. Wer sich zu sehr auf den Klappentext verlässt wird enttäuscht, ehrlich gesagt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 13.08.2019

Deftige Sprache trifft auf fehlende Story

Nachtschwärmer
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Als Helena erfährt, dass es neben ihrem Vater, ihrer (nicht anwesenden Mutter) und ihr noch jemand Vierten im Bunde gibt steht ihre Welt Kopf. Ihre Mutter hat sie kurz nach der Geburt zu ihrem Vater gegeben ...

Als Helena erfährt, dass es neben ihrem Vater, ihrer (nicht anwesenden Mutter) und ihr noch jemand Vierten im Bunde gibt steht ihre Welt Kopf. Ihre Mutter hat sie kurz nach der Geburt zu ihrem Vater gegeben und sich selber verzogen. Fast zwei Jahrzehnte später findet Helena zufälligerweise heraus, dass sie noch einen Halbbruder, Lucas, hat, als dieser via Social Media kontaktiert. Für Helena beginnt eine spannende Zeit. Sie erzählt niemandem von ihrem neugefundenen Familienmitglied und auch wenn sie ihn noch nicht persönlich kennen gelernt hat ist sie Feuer und Flamme!
Bis das Schicksal seine eigenen Karten spielt und Lucas bei einem Verkehrsunfall stirbt. Nach dem Abi macht sich Helena auf den Weg zu dem Ort an dem ihr Bruder seine Jugend verbracht hat und ihr Leben nimmt mit einem Mal rasant Fahrt auf!!


Das ist es jedenfalls was da Buch mir verspricht. Was ich bekommen habe war eine komplett chaotische Geschichte ohne einen Pfad, die versucht hat auf irgendeine Art und Weise philosophisch und tiefgründig zu sein. Ich habe mich sehr auf die Geschichte gefreut, da ich selber einen Halbbruder habe, der mir mehr als nur am Herzen liegt und ich Geschichten in denen es um Geschwister geht eher bevorzuge als Geschichten in denen es um Liebespaare geht.

In diesem Fall weiß ich aber bis jetzt nicht einmal, ob es eine wirkliche Geschichte bzw. einen Plot gibt. „Nachtschwärmer“ besteht praktisch nur aus zwei Bauteilen.

Bauteil 1.
Die Dialoge.

Die Charaktere schaffen es in ewiglangen Dialogen unendlich wenig zu sagen. Und das bringen sie auch noch in einer so derben und komplett überspitzten Art und Weise rüber, dass es eine reine Qual war dieses Buch zu lesen! Für ein Trinkspiel eignet sich das Buch aber perfekt! Aufgabe: Bei jedem Schimpf- oder Fäkalwort einen trinken! Der Letzte der steht hat gewonnen.
Nach zwei Kapiteln ist man am Boden. „Spasti“, „Nazi“, „ficken“, „Schnauze“, „Fresse“, „Fotze“, „Schlampe“, „Titten“, „Arsch“ sind nur eine kleine Auswahl der Wörter, mit denen auf den Seiten um sich geworfen wird. Nicht zu Ende geführte Sätze, Denkansätze die im Sande verlaufen, homophobe und rassistische Äußerungen sind in diesem Fall auch nur ein kleiner Teil des großen Ganzen.
Die Dialoge sind teilweise auch komplett wir. Mit einem Mal wird ein Thema angefangen, irgendwo mitten drin, über etwas von dem ich in meinem Leben noch nie etwas gehört habe. Oder bei dem ich erst mehrere Seiten folgen muss, damit ich begreife um was es geht.

Bauteil 2.
Beschreibungen

Und das kann Helena sehr gut. Sie erzählt ihre Geschichte langsam. Stück für Stück. Die einzigen wirklichen flotten Momente die mir einfallen sind einmal recht am Anfang und recht am Ende. Ansonsten geht sie jede Etappe ihrer langen Reise ins kleinste Detail durch. So klein, dass ich oftmals mehrere Seiten überspringen konnte und mich immer noch in der gleichen Szene befand. Dabei geht Helena nicht einmal interessant vor. Ihre Umgebung wird beschrieben wie in einem Tatortbericht. Der Ort ist Farblos und wirkt einsam. Helena selber wirkt gefühlskalt und abgestumpft, auch wenn sie die meiste Zeit praktisch nur am Weinen ist.
Und das wäre primär auch nichts Schlimmes, immerhin geht es in diesem Buch um den Verlust und das Widerfinden, um das erwachsen werden… Sollte es jedenfalls. Den neben den ganzen Beleidigungen, Prügeleien, Hitler-, Nazi- und Ost/West-Vergleichen schwebt über dem ganzen Thema dieses „Pseudo-philosophische“ Geschwafel. Hier ein Blick in die Sterne samt „Denkst du nicht auch, dass manchmal alles sinnlos ist?“, dort eine Trennung mit den Worten „Du kennst mich doch gar nicht!“ und zwischen durch einige ruhige Stunden in denen man nur in den Sonnenuntergang schaut und über das Leben nachdenkt. Alles gepaart mit Alkohol (welcher hier in Maßen konsumiert wird!) und Zigaretten, so wie dummen Sprüchen, hysterischen Weibern und komplett kindischen Kerlen.
Die Gesamte Story dreht sich anfangs im Kreis und als es scheint, dass so langsam der Höhepunkt erreicht wird, flacht die Geschichte ab und läuft aus, in einem Ende, welches mich in keiner Art und Weise berührt hat. Die Geschichte um Lukas geht verloren, auch wenn seine Freunde hier und da mal über ihn reden. 90% der Zeit geht es nur um Helena und wie sie mit seinen Freunden scheiße baut. Mike fährt fast die ganze Zeit besoffen Auto, Clara ist nur am Streiten mit Victor, die Jungs bauen in einer Tour nur scheiße und ziehen Helena mit rein und sie scheint es nicht zu stören, weil, „das sind ja die Freunde von meinem Halbbruder“! Und was die Aktion mit Clara an sich sollte, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Es war an den Haaren herbeigezogen, aus dem nichts und passte nicht ins Gesamtbild.

Fazit:
Was wollte das Buch jetzt von mir? Ich weiß es nicht.
Was will ich von dem Buch? Nicht mehr genervt werden.
Ich habe nur weiter gelesen, in der Hoffnung, dass der Pfad noch einmal zurück zu Lukas führt. Doch die Geschichte drehte sich so lange in immer engeren Kreisen bis sie irgendwann stehen gebelieben ist. Es wurde keine Spannung aufgebaut, die Charakterentwicklung blieb auf der Strecke und ich habe mich beim Lesen gefühlt, wie in einem falschen Film. Mehr „Jugendsprache“ geht fast gar nicht.

Mit einem halben von fünf möglichen Sternen bin ich dem Buch noch gnädig gestimmt. Dennoch kriegt „Nachtschwärmer“ von Moira Frank keine Leseempfehlung von mir und ich rate jedem einzelnen von diesem Buch ab!

Veröffentlicht am 11.08.2019

Spannend und gut durchdacht

Ophelia Scale - Die Welt wird brennen
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Ophelia lebt im Jahre 2134 und was für andere wie Zukunftsmusik klingt ist für die achtzehn Jährige die Hölle. Vor sechs Jahren verstarben die Eltern – das Königspaar- und ihr Sohn Leopold de Marais kam ...

Ophelia lebt im Jahre 2134 und was für andere wie Zukunftsmusik klingt ist für die achtzehn Jährige die Hölle. Vor sechs Jahren verstarben die Eltern – das Königspaar- und ihr Sohn Leopold de Marais kam an die Macht. Sofort setzte er seine Vision um und rief die „Abkehr“ ins Leben. Der Besitzt so wie die Nutzung von weiterentwickelter Technologie steht unter Strafe. Wer sich dagegen wehrt, dem droht das Clearing. In ihrer Wut und in ihrem Frust hat sich Ophelia „Reverse“ angeschlossen- einer Rebellengruppe die den König stürzen und die Abkehr ungeschehen machen will. Hier hat Ophelia nicht nur Freunde gefunden, sondern auch die Liebe kennen gelernt. Als ihr diese schlagartig genommen wird schwört Ophelia Rache. Und die Möglichkeit dazu kommt schneller als gedacht… jedoch anders als erhofft.

Ich war skeptisch was die Geschichte rund um Ophelia angeht. Eine weitere düstere Zukunftsvision unserer Welt? Wieder mit einer Rebellenbewegung und einer jungen (zu jungen) Kämpferin, die das Schicksal der Welt ändern soll… Naja, ich weiß ja nicht.

Dennoch bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben.
Zu aller erst muss ich an dieser Stelle mal die Welt an sich loben! Ich habe es selten in einem Buch gehabt, dass mir als Leser erklärt wird wie es dazu kam. Die Gründe in „Die Tribute von Panem“ waren schwammig, in „Legend“ wurde, soweit ich weiß, gar nicht drauf eingegangen und bei „Die Bestimmung“ wurde es irgendwo mal eventuell in einem Nebensatz angeschnitten. Aber keine der Geschichten hatte sich die Mühe gemacht mir Gründe zu nennen wie die Welt aufgebaut war und wieso die Dinge so sind wie sie eben sind.
Die Welt erschließt sich mir, jedenfalls mit dem was mir bis dahin geboten wurde.
Was ich auch positiv hervorheben möchte.
Die Story hat einiges zu bieten und hängt sich nicht an Kleinigkeiten auf.
Das Erzähltempo ist flott, aber nicht zu schnell. Man kommt mir, ist von der Geschichte sogar eingenommen. Es ist natürlich nicht die ganze Zeit über spannend, aber interessant genug, dass ich gerne am Ball geblieben bin. Eindrücke wurden schnell an den Mann gebracht und nicht in Seitenlangen Szenen ausgeschmückt.
Die Geschichte wird auf eine… ich sag mal humane und, für Ophelias Verhältnisse, realistische Art rübergebracht. Natürlich kennt sich die Gute nicht mit den architektonischen Verhältnissen Frankreichs zur Zeit der französischen Revolution aus. Sie zählt keinen unnötigen Schnickschnack von irgendwelchen Gebäuden auf. Sondern sieht: Groß, Imposant, Wow! Und das ist gut so! Es ist für mich greifbar. Wäre sie einer der Charaktere gewesen, die mit Fachbegriffen um sich schleudert wie ich mit schlechten Witzen hätte ich mir die Geschichte nicht länger angetan.
Szenerien wurden allgemein nicht schnell langweilig. Eine Szene wurde so lange aufrechterhalten, wie sie wichtig für die Geschichte war. Alles andere wurde mir im Zeitraffer geschildert. Aber auch hier wurde nicht gehetzt. Es war stimmig! Ich weiß nicht wie die Autorin es angestellt hat, denn normalerweise hasse ich es, wenn Leerphasen in Geschichten einfach übersprungen werden. Was, wenn es mich interessiert, was an diesem Tag passiert ist, nach dem Training, hm? Es muss nicht alles geskipped werden! Was in diesem Fall auch nicht getan wurde. Lena Kiefer hat die perfekte Balance zwischen „überspringen“ und „eintauchen“ gefunden.
Und nicht nur das! Ophelia Scale hat, für mich, mit dem Klischee des standardmäßigen Bösewichtes aufgehört. Natürlich brauch der Protagonist einen Ansporn, einen Antrieb. Ansonsten tritt die Geschichte auf der Stelle und das will niemand lesen. Doch hier war der Böse nicht einfach jemand der Macht wollte! Keiner der nur nach Reichtum oder Ruhm strebte (One Piece lässt grüßen). Auch er hatte seine Gründe, nachvollziehbare Gründe die man als Außenstehender nicht wissen kann und die einem auch erst im Verlauf der Geschichte begegnen.
Als ich zu der Stelle kam, hatte ich eine persönliche Erleuchtung und konnte sogar sympathisieren. Der Bösewicht war also nicht nur ein eindimensionaler Charakter der böse war weil halt darum. Nein. Er war ausgearbeitet, hatte seine Vergangenheit… er ist tatsächlich ein Charakter in dieser Geschichte. Kein platter Plott-Prophet. Jemand der in der ganzen Geschichte Sinn ergibt.

Und bis hierhin hätte es von mir auch fünf Sterne gegeben.
Im folgenden Abschnitt kommen mögliche Spoiler vor. Wer die nicht lesen will springt bitte zum Fazit vor.

Zu aller erst möchte ich mich bitte einmal über Knox beschweren. Ja, ich weiß. Er hat einen wichtigen Teil in der Geschichte und dient Ophelia praktisch als Hauptansporn zu der ganzen Sache mit dem Widerstand und so weiter. Aber ernsthaft? In der Geschichte ging es praktisch zu 50% nur noch um ihn! Knox hier! Knox da! Wenn Knox doch nur bei mir wäre! War das da grade Knox? Oh Knox…
JAAAAAAHA! Ich hab‘ es verstanden! Knox war dir und dem Widerstand wichtig! Ja! Begriffen! Und ehrlich gesagt habe ich es die ersten 200 male noch ganz unterhaltsam gefunden. Danach wurde es nur noch lächerlich und hat Ophelia ausgebremst. Und mir die Lust auf das E-Book genommen. Genug Knox für ein Leben.
Und mein zweites Manko ist definitiv das Ende. Ich war, nein! Ich bin enttäuscht. Ophelia wurde mir das gesamte Buch als eine recht weitsichtige Person dargestellt. Sie denkt zwei Schritte weiter als ich und hatte es sogar geschafft mit der Zeit ihre Gefühle zu regulieren und Zielstrebiger zu denken. Doch dieses Verhalten wurde binnen 46 Seiten komplett zunichte gemacht.
Und ich frage mich ernsthaft, wieso Ophelia auf diese KI reingefallen ist! Man kann mir sonst etwas erzählen, aber das, was die OmnI und Troy da gemacht haben kann nicht richtig gewesen sein. Außerdem hätte Ophelia stutzig werden müssen! Dieses Gerät wurde dazu eingesetzt die Anwärter zu Testen und ihnen realistische Situationen vorzugaukeln. Mit realistischen Personen und ihren realistischen Verhaltensmustern.
Und dann wird genau in der Sekunde in der Ophelia dem Königreich „verfallen ist“ so eine Szenerie vor ihren Augen abgespielt? Spätestens bei der nicht geladenen Waffe wird sie etwas gemerkt haben, aber komm schon… So etwas muss doch auffallen.
Ophelia wurde zum Risiko und musste eliminiert werden! Dass es ihr nicht aufgefallen ist und dass diese ganze Situation so schnell abgeharkt wurde macht mich immer noch rasend! Das gesamte Buch hat man Ophelias Wandlung miterlebt, sie als starke junge Frau kennengelernt und BUMM! Mit einem Mal verwandelt sie sich in die holde Maid in Nöten mit nicht mehr als 5 Gehirnzellen um alle wichtigen Lebensfunktionen durchzuführen.
Großartig.

Fazit:
Auch wenn mich das Ende mehr als nur wütend gemacht hat freue ich mich sehr auf Band zwei. Der Schreibstil und die Geschichte an sich hat mich mehr als nur überzeugt und ich möchte wissen wie es weitergeht.
Ophelia Scale – Die Welt wird brennen bekommt von mir 4 von 5 möglichen Sternen und damit eine starke Leseempfehlung. Fans von „Die Tribute von Panem“, „Legend“ oder auch „Die Bestimmung“ werden hier definitiv ihren Spaß haben!