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Veröffentlicht am 01.04.2026

Die Schattenarmee in Deutschland

Der Prinz
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Dieser Thriller von Magdalena Parys ist der zweite Roman der Berlin-Trilogie dieser Autorin nach »Der Magier«. Der Roman der in Berlin lebenden Schriftstellerin erschien bereits 2020 in Polen. Der Wiener ...

Dieser Thriller von Magdalena Parys ist der zweite Roman der Berlin-Trilogie dieser Autorin nach »Der Magier«. Der Roman der in Berlin lebenden Schriftstellerin erschien bereits 2020 in Polen. Der Wiener Polente Verlag hat ihn nun in deutscher Sprache für den deutschsprachigen Buchmarkt herausgebracht.

Es beginnt alles recht unkompliziert. Im Berliner Dom entdeckt man die Leiche eines gekreuzigten Priesters. Bald wird klar, dass es an einem anderen Ort bereits einen ähnlichen Fall gab und dass die Öffentlichkeit sowie die Medien nicht von diesen Leichnamen erfahren dürfen. Der Berliner Polizeipräsident erhält von einer einflussreichen Person den Auftrag, die Morde zu untersuchen und gleichzeitig die Informationen vor der Presse zu verbergen.

Nahezu zeitgleich mit der Entdeckung der Leiche kommt es unter rätselhaften Umständen zu einem Feuer in einer Unterkunft für Migranten. Aber nicht nur an diesem Ort, auch in anderen Bundesländern nehmen separatistische Tendenzen zu, und ein schädlicher Nationalismus scheint sich erneut zu etablieren. Ein erheblicher Teil der Bundeswehr wird dabei als einflussreich angesehen.

Aber wem nützen diese scheinbar willkürlichen Ereignisse wirklich? Einem rücksichtslosen Individuum, das sich selbst als Prinz tituliert und inspiriert von Gabriele D’Annunzios Experiment in Fiume, das Imperium Germanum neu erwecken möchte? Einer geheimen Organisation, die sich der demokratischen Aufsicht entzieht? Oder etwa Regierungsvertretern, die um die höchste Position im Staat ringen?

Der Polizeipräsident von Berlin, Tschapieski, die Fernsehreporterin Dagmara Bosch und Kommissar Kowalski gehen tief in die Komplexität dieses Falls, bei dem auch die Zukunft des Staates auf dem Spiel steht.

Als ich vor dem Erscheinen des Romans »Der Prinz« den Klappentext gelesen hatte, empfand ich eine gewisse Ähnlichkeit zu einem weitaus bekannteren Werk der Literatur: »Die Akte Odessa« von Fredrick Forsyth. Und tatsächlich wird zwischen Widmung und erstem Kapitel darauf hingewisen, dass beide Romane dieselbe Wurzel an Informationen als Ausgangspunkt nutzen. Die geheime Gründung einer Armee nach dem zweiten Weltkrieg durch Wehrmacht- und SS-Veteranen, die nicht einsehen wollten, dass Deutschland den Krieg verloren hatte.

Mit dieser Information machte mir der Roman sofort mehr Spaß und ich fand es auch klasse, dass die Autorin mit einem kurzen Statement innerhalb des Textes hierauf eingeht. Darüberhinaus steht sie dem großen britischen Schriftsteller nicht nach. Ähnlich wie der nutzt auch sie die Möglichkeit, weiteres Detailwissen oder fiktive Lebensläufe in die Handlung einzuflechten.

Sehr vielschichtig ist die Handlung von »Der Prinz« in verschiedene Stränge aufgebaut, die sich an einzelnen Figuren festmachen. Es braucht viele Seiten, bis man gut und böse voneinander getrennt hat und weiß dennoch nicht, ob diese Einschätzung auch am Ende so bleibt, oder ob nicht doch noch eine Überraschung wartet. So viel sei verraten: Es gibt mehr als eine Überraschung!

Die Figuren werden sehr umfangreich beschrieben. Dafür halten nicht einfach nur Personenbeschreibungen her, sondern ganze separate Handlungsstränge und Szenen befassen sich mit Teilen aus dem Leben der jeweiligen Figur. Damit werden sie vielschichtig, nahbar, liebens- oder hassenswürdig. Ihre Motive für ihr Verhalten während der Haupthandlung werden offenbar und das Verhalten selbst als plausibel.

Nicht nur die vielseitige Spannung in »Der Prinz« rund um eine Verschwörungstheorie und die mit bedacht gestalteten Figuren haben mir sehr gefallen. Auch die Geschaltung des Buches hat mir gefallen. So wird jedes Kapitel durch ein Gemälde aus sogenannten „Beutekunst“ eingeleitet. Neben der Abbildung der Gemälde wird deren Namen und Herkunft genannt und zusätzlich mit der Information beschrieben, wo sich das Bild einmal befunden hat und wohin es im oder nach dem zweiten Weltkrieg gekommen war. Außerdem gibt es in jedem Kapitel einen sehr interessanten Bibelspruch, ein Zitat, welches sich durchaus auf die Handlung bezieht.

Der Roman ist top-empfehlenswert für Leser, die gerne Thriller im Dunst von Verschwörungstheorien, Neo-Nazis und Geheimdiensten lesen. Fans von Frederick Forsyth werden auch diesen Roman lieben.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Mit Lene nach Griechenland des 19. Jh. reisen

Helena. Das Schicksal der Todesschwestern
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Dies ist der neue historische Roman von Iny Lorentz, in dem uns die Protagonistin Helena, genannt Lene, zu den Todesschwestern ins Griechenland des 19. Jahrhunderts führt.

Lene ist die Tochter des angesehenen ...

Dies ist der neue historische Roman von Iny Lorentz, in dem uns die Protagonistin Helena, genannt Lene, zu den Todesschwestern ins Griechenland des 19. Jahrhunderts führt.

Lene ist die Tochter des angesehenen Professors Huber. Ihr wurde vor einigen Jahren gesagt, dass ihre Mutter verstorben war. Durch besondere Erlebnisse fühlt sich Lene zu Griechenland und den Griechen hingezogen und verfolgt deren Freiheitskampf gegen die Unterdrückung vom Osmanischen Reich.

Leider ist ihr Vater ein entschiedener Gegner von allem, was mit Griechenland zu tun hat. Lene kann es sich nicht erklären, warum ihr Vater die Griechen so hasst und verabscheut.

Aber zugegebenermaßen hat sie einen ziemlichen Dickkopf und will sich ihre Liebe zu Griechenland nicht verbieten lassen. Es kommt zum Streit mit dem Vater, der sie daraufhin in ihr Zimmer einsperren lässt. Monatelang!

Doch dabei erfährt Lene von der Haushälterin, dass ihre Mutter noch lebt und nach Griechenland gegangen ist. Auch hat Dagmar noch einen Brief von der Mutter an Lene, der inzwischen viele Jahre alt ist. Die Mutter hatte die Haushälterin bei ihrem Weggang gebeten, stets ein Auge auf ihre Tochter zu haben und sich um sie zu kümmern.

Nun gibt es für Lene nur noch einen Wunsch: aus ihrem Zimmer auszubrechen, nach Griechenland zu reisen und ihre Mutter suchen!

Das Schriftstellerehepaar informiert erneut über verschiedene historische Ereignisse, die sie mit einer spannenden und fiktiven Erzählung verknüpfen. Das Schicksal von Helena fesselt die Leser sofort, nicht zuletzt wegen des grausamen Charakters ihres Vaters. Iny Lorentz gelingt es, die Leser mühelos in die Handlung einzuführen und sie sofort in die Geschichte eintauchen zu lassen. Die von ihnen geschaffene Atmosphäre erweckt die Vergangenheit zum Leben. Dank der detaillierten Charakterzeichnungen erkennen Leser sofort, wer die Guten und wer die Bösen sind. Dennoch gibt es im Verlauf der Geschichte noch viele unerwartete Wendungen.

Helena zog mich in ihren Bann, nicht zuletzt wegen der knackigen Kapitel, die das Leseerlebnis intensivierten. Der Roman ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, und jeder Abschnitt umfasst zehn bis zwölf kurze Kapitel, die lediglich ein bis fünf Seiten lang sind. Diese Struktur fördert ein flüssiges Lesen und hält die Spannung der Geschichte hoch. Die fesselnde Handlung ließ mich einfach nicht los.

In diesem Roman stehen Abenteuer im Vordergrund, während Intrigen eher in den Hintergrund treten. Eine Deutsche findet sich in einer fremden Welt zwischen unbekannten Griechen wieder, und die Erlebnisse sind durch Kämpfe und Schlachten gegen die Türken, Überfälle und Raubzüge geprägt. Diese Elemente verleihen dem Werk eine gewisse Verwandtschaft zu den Erzählungen von Karl May. Geschickt werden die historischen Ereignisse in die Handlung eingeflochten, was das Interesse des Lesers stets aufrechterhält. Am Ende des Buches gibt es einen historischen Überblick, der das Geschehen zusätzlich beleuchtet. Ein Personenverzeichnis und ein Glossar, das einige Begriffe erklärt, bedienen den Wissensdrang der Leser.

Ich lade euch ein, in die fesselnde Welt des historischen Romans „Helena“ einzutauchen. Dieses Buch verspricht nicht nur spannende Unterhaltung, sondern ist auch perfekt geeignet für all jene, die auf der Suche nach einer unterhaltsamen Lektüre sind.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Ein schräger Krimi am Badesee

Giovanni, du stinkst
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In der kleinen Stadt, wo sich die Menschen noch in den Straßen begegnen und über den Gartenzaun Geschichten austauschen, lebt der Abteilungsinspektor Giovanni Sinovats vom LKA in Eisenstadt. Mit seiner ...

In der kleinen Stadt, wo sich die Menschen noch in den Straßen begegnen und über den Gartenzaun Geschichten austauschen, lebt der Abteilungsinspektor Giovanni Sinovats vom LKA in Eisenstadt. Mit seiner Energie und seinem unerschütterlichen Optimismus ist er der besonnene Pol der Polizei. Doch nicht zum ersten Mal hört er seine Mutter rufen: »Giovanni, du stinkst. Geh duschen!«. Er kann es nicht mehr hören. In diesem Artikel nehme ich euch mit an den verträumten Badesee im kleinen Paradies, zwischen all den Grundstückspächtern. Der Fall der am Ufer gefundenen Leiche muss aufgeklärt werden und Giovanni Sinovats ermittelt. Lasst uns eintauchen in die Welt von Giovanni und entdecken, dass wahre Stärke oft aus den unerwartetsten Situationen entsteht.

Zwar ist zunächst zu klären, ob es sich bei der Leiche um einen Badeunfall handelt, aber schon bald wird klar, dass die vermeintliche Idylle im Paradies gar nicht so idyllisch ist. Den Grundstückspächtern soll erneut die Pacht erghöht werden, was die vermeintliche Harmonie der nur auf den ersten Blick eingeschworenen Dorfgemeinschaft gehörig aus dem Gleichgewicht bringt. Außerdem schein ein Pächter zu sehr auf die Ehefrau des Nachbarn zu schauen, wie auch seine eigene Frau auf den Nachbarn selbst schaut.

Christian Klinger hat für »Giovanni, du stinkst« ein kleines Dorf geschaffen, wo die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen, leben skurrile Figuren, die den Roman lebendig werden lassen. Da ist der Schamane, der den Ausstieg aus der hektischen Welt sucht und tief in die Geheimnisse von Pilzen und Kräutern eintaucht. Die Nachbarn, gefangen in einer unglücklichen Ehe, kämpfen gegen die Stille ihrer Beziehungen, während der Anwalt der Pächter gleichzeitig im Schatten des Grundstückseigentümers agiert. Und nicht zu vergessen der Regierungsbeamte, der mit einem schelmischen Grinsen plant, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden, was die Dynamik des Dorfes nur weiter aufheizt.

In einer Welt, in der Geschichten oft wie aus einem Lehrbuch erscheinen, wagt es der Autor, die Leser direkt anzusprechen, als wären sie alte Freunde am Lagerfeuer. „Doch bevor wir uns diesem bald die Idylle störenden Objekt zuwenden …“, beginnt er, und sofort wird die Grenze zwischen Erzählung und Realität durchbrochen. Durch diesen ungewöhnlichen Erzählstil wird der Leser nicht nur zum passiven Zuhörer, sondern zu einem aktiven Mitgestalter der Geschichte, der die Abenteuer und Wendungen hautnah miterlebt. So wird jede Seite zu einem gemeinsamen Erlebnis, das zum Nachdenken und Schmunzeln anregt.

In dem kleinen Paradies, wo sich die Geheimnisse wie Schatten um die Ecken schlingen, entfaltet sich die Spannung in verschiedenen Strängen. Während die Ermittler fieberhaft nach dem Tod der Leiche suchen, sind die intriganten Machenschaften des Verpächters ebenso fesselnd – seine verborgenen Absichten scheinen mehr zu verbergen, als man zunächst ahnt. Doch auch das heimliche Turteln der nachbarlichen Ehepaare trägt zur elektrisierenden Atmosphäre bei, während sie in ihrer scheinbar perfekten Welt ein Spiel aus Eifersucht und Geheimnissen spielen. Und nicht zu vergessen der Assistent des Landeshauptmanns, dessen undurchsichtige Pläne und Ambitionen die Geschichte weiter anheizen und das Netz der Spannung immer dichter verweben.

In »Giovanni, du stinkst« von Christian Klinger begegnen wir einer ungewöhnlichen Erzählung, die auf mehreren Ebenen Spannung aufbaut. Die skurrilen Figuren ziehen den Leser sofort in ihren Bann und verleihen der Geschichte eine unverwechselbare Note. Klingers direkte Ansprache an die Leser schafft eine intime Verbindung, die das Gefühl verstärkt, Teil der Handlung zu sein. Jeder Charakter bringt seine eigene Farbe in die Erzählung, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Diese Geschichte ist ein wahres Lesevergnügen für alle, die das Besondere im Alltäglichen schätzen. Ein Muss für Liebhaber von kreativen Erzählungen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

Veröffentlicht am 12.03.2026

Die Ukraine als Testgelände

Die Praktikantin
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Mit dem Roman »Die Praktikantin« hat der für seine Polit-Thriller bekannte Düsseldorfer Autor Horst Eckert nach »Die Nacht der Verräter« erneut ein hochbrisanten aktuellen Thriller vorgelegt.

Die angehende ...

Mit dem Roman »Die Praktikantin« hat der für seine Polit-Thriller bekannte Düsseldorfer Autor Horst Eckert nach »Die Nacht der Verräter« erneut ein hochbrisanten aktuellen Thriller vorgelegt.

Die angehende Journalistin Carla Bergmann hat einen Praktikumsplatz bei der Morgenpost in Düsseldorf ergattert. Am ersten Tag in der Lokalredaktion wird sie mit den Polizeiberichten betraut. Obwohl das nicht ihrem idealen Bild von Journalismus entspricht, ist es am ersten Tag auch nicht zu erwarten, dass sie viel anderes leisten kann.

Carla erfährt etwas über einen Einbruch und möchte doch diesen Fall nachgehen. Jedoch muss sie schnell erfahren, dass dieser Einbruch wohl gar nicht stattgefunden haben sollte. Die ursprünglich festgenommenen Einbrecher sind bereits wieder auf freiem Fuß, nachdem der Staatsschutz, ein Dezernat der Düsseldorfer Polizei, die ganze Sache als Irrtum eingestuft hat.

Aber Carla erfährt, dass in den Räumen des Einbruchs, russische Journalisten, die im Exil leben und von Putins Schergen verfolgt werden, eine Zeitung betreiben. Auch sie können sich nicht erklären, warum der Einbruch nicht stattgefunden haben sollte, aber ein Polizeisiegel an ihrer Tür klebte. Den Russinnen wurde mitgeteilt, dass sie das Siegel einfach abnehmen dürften.

Unter den russischen JournalistInnen befindet sich auch ein ukrainischer Kollege, der in der letzten Zeit etwas chaotisch wirkte. Carla bekommt eine Verbindung zu ihm und er möchte ihr auch etwas übergeben. Sie vereinbaren ein Treffen …

Ich bezeichne Horst Eckert auch gerne als den deutschen „Michael Connelly“, mit dem Unterschied, dass sich Horst Eckert seiner politischen Themen treu bleibt. Eckert hat es geschafft, ein Universum aufzubauen, in welches man als Leser gerne wieder zurückkehrt. In seinen Romanen tauchen immer wieder Figuren aus den vorhergehenden Romanen auf, ohne dass sie die tragenden Hauptpersonen in dem aktuellen Roman sind.

So muss es keinen wundern, dass in diesem Roman wieder Vincent Ché Veih genauso wie dessen ehemalige Partnerin Melia Adan, die mittlerweile die Chefin der Kriminalpolizei in Düsseldorf ist, auftreten. Das Vorkommen von Figuren aus älteren Romanen schafft für die Leser eine Atmosphäre ähnlich der Rückkehr in eine bekannte Familie. Ich finde dieses Vorgehen legitim und persönlich ganz klasse.

Aktuelle politische Themen zu finden, wie Sie Horst Eckert in seinem Roman verwendet, ist bei der heutigen gesellschaftlichen Lage weltweit sicherlich kein schwieriges Unterfangen. Aber wie diese Themen durch den Autor in einer fiktiven Geschichte miteinander verknüpft werden, das hat schon etwas ganz besonderes. Und man könnte beinahe Angst bekommen, wenn solch ein Szenario tatsächlich geschehen wäre oder geschehen wird.

Horst Eckert verfolgt weiterhin seinen strukturellen Stil, um das Erzähltempo zu steigern. Die Kapitel sind extrem kurz und jedes spielt in einer anderen Szene, die zu einem parallelen Handlungsstrang gehört. Zudem sind die Sätze prägnant, ohne lange Ausschweifungen in die Beschreibung der Umgebung. Solche Ausschweifungen erfolgen nur dann, wenn sie erklärend und sinnvoll sind. Viele der Kapitel enden mit einem Cliffhanger, was dazu führt, dass man beim Lesen förmlich durch die Seiten fliegt. Nach den ersten Kapiteln erhält man einen klaren und einfachen Überblick über die Ausgangslage und wird mit den kommenden Herausforderungen vertraut, denen sich die angehende Journalistin mit ihrem verborgenen Geheimnis stellen muss.

»Die Praktikantin« entführt uns in das spannende Eckert-Universum, wo alte Bekannte und neue Gesichter aufeinandertreffen. Die Handlung dreht sich um ein hochaktuelles Thema: Künstliche Intelligenz und der Krieg in der Ukraine. Investigative Journalisten nehmen uns mit auf ihre aufregende Ermittlungsreise, die in kurzen, prägnanten Sätzen erzählt wird. Die Kapitel sind so kurz, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann – jeder Szenenwechsel bringt frischen Wind und hält die Spannung hoch.

Besonders bewegend ist das nachfolgende Nachwort, das emotional aufwühlend die Themen des Buches reflektiert. Die Geschichte wird zwar zufriedenstellend beendet, aber sie lässt trotzdem Raum für eine mögliche Fortsetzung. Ideal für Leser, die Thrill und Aktualität schätzen. »Die Praktikantin« ist ein fesselndes Lesevergnügen, das zum Nachdenken anregt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

»Die Praktikantin« von Horst Eckert ist erneut uneingeschränkt zu empfehlen!!!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Konflikte und Geheimnisse wohin man schaut

Kalt wie die Luft
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Der Roman von Orjan N. Karlsson ist ein spannender Thriller mit einem sehr interessanten Figurenensemble. Da dieser Thriller in Norwegen spielt und von einem norwegischen Autor stammt, kann man ruhigen ...

Der Roman von Orjan N. Karlsson ist ein spannender Thriller mit einem sehr interessanten Figurenensemble. Da dieser Thriller in Norwegen spielt und von einem norwegischen Autor stammt, kann man ruhigen Gewissens von einem Skandinavien-Thriller sprechen.

Die junge Kommissarin Noora erhielt die Versetzung von der Hauptstadt Oslo in die charmante Stadt Bodø, die nördlich des Polarkreises liegt. Diese Entscheidung traf man gegen den Willen des Leiters der Kriminalpolizei, der einen anderen Kandidaten für die Position favorisierte. Dennoch gab es überzeugende Gründe für den Einsatz der Kollegin aus Oslo an diesem Ort.

Doch bevor sich Noora überhaupt einarbeiten und mit den Kollegen bekannt machen kann, geht es mit einem vermissten Mädchen gleich an den ersten Kriminalfall. Die 19-jährige Iselin Hanssen kehrte von ihrer Joggingtour nicht zurück. Parallel dazu wird eine Leiche von einem Mädchen entdeckt welches schon seit fast 30 Jahren vermisst wurde. Kommissar Jakob und seine neue Kollegin Noora stoßen auf den Cold Case zu dieser Leiche. Doch schon jetzt zeichnen sich ähnliche Muster ab, wie bei der verschwundenen Iselin. Doch dann wird auf der nahegelegenen Insel Røst ein weiteres Mädchen vermisst. Bei diesem Mädchen handelt es sich um eine bekannte Influencerin, die die Medien auf sich zieht.

Jakob leitet die Ermittlungsgruppe, hat jedoch auch mit persönlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist nicht immer ganz konzentriert. Die Situation eskaliert, als die Presse Wind von den verschwundenen Mädchen bekommt und die Öffentlichkeit sowie Zeugen panisch reagieren. Während sie alte Akten durchforsten, stoßen sie auf auffällige Parallelen zwischen den drei Fällen, die sie nicht ignorieren können. Der Druck steigt, und die Uhr tickt, während sie verzweifelt versuchen, die Mädchen lebend zu finden.

Der Autor Orjan N. Karlsson präsentiert in Bezug auf die Figuren ein breites Spektrum und nutzt gängige Figuren, wie man sie aus anderen Thrillern kennt, was für kommende Romane erhebliches Potenzial verspricht. Sei es in Form von Liebesbeziehungen oder familiären Konflikten, stets ergibt sich die Möglichkeit, den Roman mit zusätzlichen spannenden Elementen und Konflikten anzureichern. Das hat mir besonders gut gefallen.

Der Thriller weist eine klare Struktur auf, wobei jedes Kapitel den Namen der Figur trägt, aus deren Perspektive es erzählt wird. Gelegentlich treten Kapitel in einer anderen Schriftart auf, die die Sichtweise des Täters zeigen, jedoch ohne namentliche Kennzeichnung. Trotz dieser Abschnitte, in denen seine Gedanken und Handlungen nachvollzogen werden können, bleibt die Identität des Täters für den Leser gänzlich im Verborgenen.

Die Spannung entfaltet sich auf verschiedenen Ebenen. An erster Stelle steht das persönliche Leben der Protagonistin Noora, die aus bestimmten Gründen die Kriminalpolizei in Oslo verlassen musste. Dies führt zu einem Problem, als sie in die kleine Stadt Bodø versetzt wird. Weder ihre Kollegen noch die Leser erfahren zunächst den Grund für ihre Versetzung.

Zudem besteht eine aufregende Erwartungshaltung hinsichtlich der Lösung der Kriminalfälle. Es handelt sich schließlich um eine erhebliche Anzahl von Verbrechen, die in diesem Thriller behandelt werden. Bei der Aufklärung arbeiten die Mitglieder der Kriminalpolizei sehr eng zusammen, und verschiedene Hinweise bringen sowohl die Protagonisten als auch die Leser auf falsche Fährten.

Im Schluss des Romans wird die zentrale Handlung zwar zufriedenstellend abgeschlossen, sodass sich die Leser entspannt zurücklehnen können, jedoch hat der Autor einen Cliffhanger eingefügt, der möglicherweise auf einen Fortsetzungsroman hindeutet oder in einem solchen weiter behandelt wird. Diese Herangehensweise halte ich für völlig gerechtfertigt. Übrigens wurde der zweite Teil dieser Reihe bereits für den Herbst 2026 von Pendragon angekündigt. Ob da allerdings der Cliffhanger aufgegriffen wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

»Kalt wie die Luft« ist ein fesselnder Roman, der die Leser sofort in seinen Bann zieht. Die wundervollen und konfliktreichen Figuren sind so lebendig, dass man sich direkt mit ihnen identifizieren kann. Die parallelen Stränge und falschen Fährten halten die Spannung hoch und sorgen für unerwartete Wendungen. Besonders gefallen haben mir die kurzen Kapitel – perfekt, um immer wieder einen kleinen Cliffhanger zu erleben und schnell weiterlesen zu können. Ein zusätzlicher Pluspunkt sind die Einblicke in die Denkweise des Täters, die dem Leser das Gefühl geben, Teil des Rätsels zu sein. Ein absolutes Muss für alle Krimifans!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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