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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannung entlang des Parsifals

Der Fall Wagner
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Der Kriminalroman von Johannes Wilkes stammt aus dem ars Vivendi Verlag und führt die Leser in das idyllische Bayreuth sowie dessen Festspielhaus.

Karl-Dieter ist ein herausragender Erlanger Bühnenbildner. ...

Der Kriminalroman von Johannes Wilkes stammt aus dem ars Vivendi Verlag und führt die Leser in das idyllische Bayreuth sowie dessen Festspielhaus.

Karl-Dieter ist ein herausragender Erlanger Bühnenbildner. Gerade vollzog sich die Krönung seiner Karriere, denn er wurde ans Bayreuther Festspielhaus zuur Inszenierung des neuen Parsifals berufen. Das ist für ihn das absolut größte Ereignis.

Doch Karl-Dieters Stimmung bekommt einen Dämpfer, als er von der Intendantin erfährt, dass seine Assistentin Helin nicht zur Arbeit erschienen ist. Er hatte sich für die Kurdin besonders stark gemacht und gehofft, sie würde der harten Beurteilung durch dieautoritäre Intendantion bestehen. Doch nun das. Denkt Karl-Dieter zunächst noch an einen banalen Grund, so beginnt er bald, sich Sorgen zu machen, nachdem er von allen Bekannten der jungen Frau erfährt, dass auch sie Helin nicht mehr gesehen haben.

Auch die Verbindung zwischen Helin und ihrem Freund Tim ist unterbrochen. Tim ist Journalist und musste gerade aus der Türkei fliehen, um seine große Reportage in Deutschland veröffentlichen zu können.

Karl-Dieter bittet seinen Lebensgefährten, Kommissar Mütze, ihm bei der Suche nach seiner Assistentin zu helfen aber in Gottes Namen nicht die Polizei einzuschalten.

Johannes Wilkes hat den Krimi entlang des Parsifals aufgebaut. Zunächst als Arbeitsplatz für einen Protagonisten werden schlieĺich die Kapitel zu Beginn mit einem Zitat aus der Oper geziert. Somit grummelt es immer im Hintergrund von Bühnen- und Theatergeräuschen. Aber neben Festspielhaus in Bayreuth sind auch Erlangen und die fränkische Schweiz Schaulätze dieses doch politischen Krimis.

Der Klappentext des Romans »Der Fall Wagner« lässt nicht erwarten, dass es um ein politisch brisantes Thema geht. Denn sowohl mit dem Journalisten Tim, der über einen angeblichen Putschversuch auf den türkischen Machthaber berichten will, als auch Helin, die an Demonstrationen der Kurden teilnimmt, wird ein politisches Thema für Motivation eines Verbrechens genutzt. Gleichzeitig werden hiermit Handlungsstränge gelegt, die den Lesern viel Freiraum für Spekulation lassen.

Für einen Rahmen um die Verbrechen herum hat Johannes Wilkes das Privatleben von Karl-Dieter und Mütze gewählt. Auch diesen Konflikt wünschen sich Leser gerne als gelöst. Somit wird Spannung auf verschiedenen Ebenen geboten.

Geschmückt wird »Der Fall Wagner« am Ende des Romans noch mit einem erzählrischen Abriss der Entstehungsgeschichte des Bühnenweihfestspiels. Außerdem ist das gedruckte Taschenbuch mit einem wunderschönen Farbschnitt versehen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

Veröffentlicht am 20.02.2026

Die spannenden Geheimnisse von Locksburg warten!

What about the bodies
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Der Kriminalroman von Ken Jaworoski war für mich der absolute Überraschungs-Hammer. Er hat mich überrascht in Sachen Spannung, in Sachen Humor und in Sachen Aufbau der Geschichte. Doch zunächst alles der ...

Der Kriminalroman von Ken Jaworoski war für mich der absolute Überraschungs-Hammer. Er hat mich überrascht in Sachen Spannung, in Sachen Humor und in Sachen Aufbau der Geschichte. Doch zunächst alles der Reihe nach. Eine einfache Kurzbeschreibung lässt sich gar nicht geben. Ich versuche es troitzdem ohne zu spoilern.

Es gibt drei Protagonisten: Carla, Reed und Liz. Alle leben in dem kleinen Örtchen Locksburg, Pennsylvania. Hier gab es einst viel Kohlebergbau, doch mittlerweile sind fast alle Wohnungen leer, die Einwohnerzal nur noch ein Drittel wie damals. Offenbar ein verschlafenes Städchen inmitten der USA.

Carla ist die Mutter von Billy, der mittlerweile am MIT in Computerwissenschaften studiert. Billy stottert. Je stressiger es für ihn wird, umso mehr stottert er. Und es ist stressig für ihn, denn auf seinem Heimatbesuch drängt es ihn, seiner Mutter zu beichten, dass er vor einem Jahr eine weibliche Leiche im Garten vergraben hat.

Reed hingegen ist Autist. Er nimmt alles wörtlich. Meist zu wörtlich. Gerade ist seine Mutter verstorben. Es war ein Unfall. Sein Bruder Greg kümmert sich um diie Beisetzung. Ihm hat Reed aufgetragen, eine selbstgenähte Puppe bei der Mutter mit in den Sarg legen zu lassen. Als Reed in der dritten Klasse war, hatte er sie genäht und der Mutter geschenkt. Die war damals sehr erfreut darüber und wollte die Puppe immer bei sich haben. Reed sollte darauf aufpassen, dass ihr die Puppe nicht abhanden kam. Er hatte es ihr versprochen. Doch sein Bruder Greg sah keinen Sinn darin, die Puppe in den Sarg legen zu lassen. Also musste sich Reed darum kümmern, sein Versprechen der Mutter gegenüber einzuhalten.

Liz ist Mitte Zwanzig und hat nur eines im Sinn: Country- und Folkstar in Nashville zu werden. In verschiedenen Orten hat sie schon gejobt und sich von einem zum nächsten schlecht oder gar nicht bezahlten Gig durchgehangelt. Bestimmt hat sie schon mehr als zwanzig Tapes an Produzenten in Nashville geschickt, aber nie etwas savon gehört. Seit einiger Zeit ist wieder in Locksburg. Da erhält sie den einen Anruf aus Nashville, der ihr ganzes Leben verändern soll. Sie soll in vierzehn Tagen einen Auftritt und Probeaufnahmen in einem Studio haben.

Mehr kann nicht zum Inhalt von »What About The Bodies« gesagt werden, ohne zu spoilern. Ich hoffe, diese kurzen Zitate voller Humor wecken Euern Appetit, denn dieser Roman hat es verdient.

Die drei Geschichten werden jeweils aus der Ich-Perspektive der Hauptfiguren präsentiert. Die Kapitel sind kurz, und die Reihenfolge folgt einem klaren Muster: Carla – Ree – Liz – Carla – Ree – Liz und so weiter. Da die Geschichten anfangs stark variieren, benötigt man eine Weile, um dieses Muster zu erfassen und sich bei den Kapitelwechseln mental auf die jeweilige Erzählung umzustellen. Keine Sorge: Einfach weitermachen. Das klappt schon.

Erst nach der ersten Hälfte des Romans zeigen sich Hinweise darauf, dass die drei Erzählstränge miteinander verbunden sind. Ein und derselbe Polizist erscheint unerwartet auch in einer der anderen Geschichten. Doch bis zu diesem Punkt gab es bereits zahlreiche Gelegenheiten zum herzlichen Lachen. Ein einfaches Schmunzeln genügte mir nicht mehr. Die Dialoge und Situationen sind so amüsant beschrieben, dass man einfach nicht widerstehen kann.

Ken Jaworoski ist es in »What About The Bodies« gelungen, die Figuren auf faszinierende Weise zu gestalten. Die kleinen Eigenheiten von Billy und Reed bieten ihm zahlreiche Möglichkeiten und Freiräume. Besonders beeindruckend ist, wie authentisch die Figuren wirken. Ihre Entwicklungen sind nachvollziehbar und fesseln die Leser bis zur letzten Seite. Die Verbindung der Erzählstränge entfaltet sich geschickt und hält die Spannung bis zum Schluss. Jaworoski versteht es meisterhaft, Humor und Drama miteinander zu verweben, sodass »What About The Bodies« nie an Intensität verliert.

Die Spannung für die Leser resultiert aus dem Geschehen in den einzelnen Geschichten. Schnell ist man auf der Seite dieser Protagonisten und bedauert ihr Leben. Keiner lebt auf großem Fuß, sie haben Probleme noch und nöcher und man wünscht ihnen nur, dass alles gut ausgehen wird. Und natürlich wartet man bereits in der ersten Hälfte darauf, dass die Stränge zusammenlaufen. Damit kann man den Roman nicht einfach loslassen.

Wird das alles gut enden? Überzeugt euch selbst von »What About The Bodies« und lasst euch überraschen. Ein echtes Highlight in diesem Jahr!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Menschen und ihre Verzweiflung

Mit dem ersten Licht
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Dies Werk von Florian Knöppler besticht durch seine sanften Klänge. Der Autor stellt uns zahlreiche Figuren vor, die in ihrem Leben an einem Wendepunkt stehen, an dem sie unsicher sind oder den Mut fehlen, ...

Dies Werk von Florian Knöppler besticht durch seine sanften Klänge. Der Autor stellt uns zahlreiche Figuren vor, die in ihrem Leben an einem Wendepunkt stehen, an dem sie unsicher sind oder den Mut fehlen, den nächsten Schritt zu wagen.

Arne stammt aus einer fürsorglichen Familie, hat enge Freunde und sollte eigentlich mit seinem Leben glücklich sein. Trotzdem fühlt er sich in einer tiefen Einsamkeit gefangen. Erst als er in der Schule die bezaubernde Laura trifft, gelingt es ihm, sich aus seiner Isolation zu lösen. Zum ersten Mal erlebt er wahre Nähe. Ihre Beziehung entwickelt sich wie eine zarte Pflanze, auch wenn an einigen Stellen bereits Schwierigkeiten in Sicht sind.

Arne ist sich nicht bewusst, welche Schwierigkeiten Laura hat. Daher wird es beinahe zu spät, als ihm klar wird, dass auch sie auf seine Hilfe angewiesen ist, nicht nur umgekehrt. Arne beginnt, Lauras ständige Abwesenheit und ihre melancholischen Blicke zu bemerken. Er fragt sich, ob er etwas übersehen hat, und versucht, mehr über ihre Gedanken und Gefühle herauszufinden. In einem ehrlichen Gespräch öffnet Laura sich ihm und erzählt von ihrem inneren Kampf. Arne erkennt, dass ihre Verbindung stärker ist, wenn sie einander unterstützen können. Gemeinsam beschließen sie, sich den Herausforderungen zu stellen und ihre Beziehung auf eine tiefere Ebene zu heben.

In »Mit dem ersten Licht« beschreibt Florian Knöppler auf berührende Weise das innige Verlangen, Einsamkeit und Traurigkeit hinter sich zu lassen. Viele Figuren kämpfen mit depressiven Gefühlen, nicht nur die Hauptfigur. Während Arne anscheinend die Fähigkeit hat, familiäre Herausforderungen zu meistern, zögert er, in seiner Beziehung zu Laura richtig aktiv zu werden.

Florian Knöppler präsentiert uns diese Menschen auf eine so respektvolle Art, dass man sich sofort zu jeder einzelnen Figur hingezogen fühlt. Ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihr Mut und Optimismus werden in ihrem Denken und Handeln deutlich. Man empfindet eine tiefe Verbundenheit mit ihnen und möchte ihnen nahe sein, vielleicht sogar zur Seite stehen. Doch als Leser erfährt man nicht direkt ihre und besonders Lauras Herausforderungen; man kann nur hoffen, dass es ihnen letztendlich gut gehen wird und sich alles zum Besten wendet.

Ein berührender Liebesroman, der die Emotionen der Menschen in und um Elmshorn in der jüngeren Vergangenheit einfängt. Eine Geschichte, die es verdient, an die Spitze der bekannten Literaturlisten zu gelangen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

Veröffentlicht am 16.02.2026

Technik trifft Psychothriller

Das Signal
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Dieser Roman von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Technologiethriller, der Elemente des Psychothrillers kombiniert. Die Geschichte dreht sich um ein altes Gebäude, eine Frau mit einer Behinderung und ...

Dieser Roman von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Technologiethriller, der Elemente des Psychothrillers kombiniert. Die Geschichte dreht sich um ein altes Gebäude, eine Frau mit einer Behinderung und ein digitales Spiel, das die Grenzen zwischen Realität und Wahn verschwimmen lässt.

Bei einem Unfall im noch nicht fertiggestellten Weinkeller erleidet die junge Innenarchitektin Viola Decker den Verlust eines Beins. Ihre Realität besteht nun ausschließlich aus Herausforderungen. Ihr Ehemann Adam verspricht, sich um alles zu kümmern und sämtliche Hindernisse aus ihrem Leben zu entfernen. Auf den ersten Blick scheint er dieses Versprechen rührend zu erfüllen. Doch beim barrierefreien Umbau ihres abgelegenen, alten Hauses zeigt er sich nicht besonders eilig. Zudem ist sein übertriebenes Kümmern eher belastend für Viola, da sie buchstäblich im Erdgeschoss gefangen ist, immer in der Gesellschaft einer schweigsamen Pflegerin, die sie ständig überwacht. Viola hat das Gefühl, in einem Gefängnis zu leben. Ihre Isolation wird immer deutlicher.

Und immer wieder verschwinden wichtige Dinge aus Violas Reichweite – Rollstuhl, Krücken, Computer. Sie kommt auf die Idee, die Geräte mit winzigen GPS-Trackern auszustatten, um nicht lange danach suchen zu müssen. Aber nicht nur die Gräte. Als Adams Verhalten sich zu verändern beginnt und er immer häufiger spät nach Hause kommt, beginnt sie heimlich, auch ihn zu tracken, und entdeckt schon bald beunruhigende Muster. Offensichtlich belügt er sie über seinen Tagesablauf – und nicht nur er. Warum? Mit jedem Tag und jeder Lüge wächst in Viola ein furchtbarer Verdacht und sie beschließt, dem Verhalten ihres Mannes etwas entgegenzusetzen.

Ursula Poznanski hat einen ganz perfiden, um so spannenderen Psychothriller geschrieben, der voller Überraschungen und schließlich auch Wendungen strotzt. Die im Roman zum Einsatz gelangende Technikl sollte so manchen Leser ins Grübeln bringen, wenn er es nicht schon längst gemacht hat. Die Technik und ihre Funktionsweise ist faszinierend. Die Rückschlüsse, die die Protagonistin daraus zieht sind immer wieder einleuchtend und plausibel.

Davon abgesehen, dass man als Leser gespannt sein darf, wie die ganze Situation am Ende gelöst wird, ist es auch interessantz zu erleben, wie die Protagonistin mit ihrem fehlenden Bein umgeht und wie sie auch mit dieser Situation umgeht.

Das Figurenportfolio ist so angelegt, dass man als Leser ganz klar gut und böse voneiner unterscheiden kann und nach wenigen Seiten weiß – oder der Meinung ist zu wissen – für wen man Sympathie und für wen Abneigung hegen soll. Meine Lieblungsfigur bei allem ist allerdings Benno, der Sohn der Nachbarn. Ihr dürft euch auf die Begenung mit ihm freuen.

„Das Signal“ von Ursula Poznanski ist ein fesselnder Psychothriller, der moderne Technik geschickt einsetzt, um die Spannung zu steigern und an Hitchcock zu erinnern. Die Charaktere sind klar in gut und böse unterteilt, jedoch mit überraschenden Wendungen, die die Geschichte lebendig halten. Besonders beeindruckend sind die Geheimnisse, die nicht nur von den Bösewichten ausgehen, sondern auch die liebenswerten Figuren betreffen. Die kurzen Kapitel von 4 bis 5 Seiten sorgen für einen schnellen Lesefluss und erhöhen die Spannung.

Das Buch ist äußerst unterhaltsam und empfehlenswert für Leser, die psychologische Thriller und technische Raffinesse schätzen. Allerdings hatte ich manchmal das Gefühl, dass Hinweise auf Wendungen zu deutlich erschienen, was die Überraschung etwas mindern kann.

Insgesamt ist „Das Signal“ jedoch ein gelungenes Werk, das sowohl Technikliebhaber als auch Thriller-Fans begeistern wird.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Der Glaube an die Vorhersagen von Nostradamus

Endzeit
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Jetzt erschien mit »Endzeit« der dritte Kanada-Krimi von Frauke Buchholz, der sich wieder um die Thematik der indigenen Bevölkerung und zusätzlich um das gesellschaftliche Chaos der momentanen Zeit bemüht. ...

Jetzt erschien mit »Endzeit« der dritte Kanada-Krimi von Frauke Buchholz, der sich wieder um die Thematik der indigenen Bevölkerung und zusätzlich um das gesellschaftliche Chaos der momentanen Zeit bemüht. Weitere Fälle für den Profiler Ted Garner, der offiziell nicht mehr für die kanadische Polizei arbeitet.

Ted Garner, einer der erfolgreichsten Profiler der Royal Canadian Mountain Police (RCMP) hat sich suspendieren lassen und arbeitet als Psychotherapeut. Er selbst bezweifelt, dass er gut darin ist. Seine Sitzungen mit Patienten geben ihm anscheinend recht.

Während er privat in alten, nicht zufriedenstellend gelösten Fällen steckt und er es daraufhin mit einer sehr unschönen Drohung und Machtdemonstration seitens der Mafia zu tun bekommt, wird er von seinem ehemaligen Chef bei der RCMP um Hilfe gebeten. Eine Mutter und zwei ihrer Kinder sind bestialisch mit einer Axt ermordet worden. Ihr Ehemann und der kleinste Sohn Felix sind offenbar mit dem Leben davongekommen, wurden aber entführt. Der Großvater der Kinder ist ein steinreicher Unternehmer und hängt ausschließlich an seinem Enkel Felix, den er unbedingt zurück haben möchte. Sein Sohn Peter und Onkel der KInder will ihm helfen, schaltet aber entgegen den Regeln der Entführer die Polizei ein.

Ted Garner betreut Peter als Psychologe und erläutert die Möglichkeit einer Geldübergabe, die in einem Wildpark stattfinden soll. Doch die Entführer haben vorgesorgt.

In diesem neuen Roman verzichtet Frauke Buchholz auf mehrere parallele Stränge. In „Endzeit“ geht es vor allem um die Befreiung des entführten Enkels. Selbst Morde hängen scheinbar irgendwie mit dieser Entführung zusammen. Der Täter ist dann schließlich doch eine Überraschung. Seine Motivation erstaunlich, obwohl auf diese in mehreren Kapiteln immer wieder hingewiesen wird.

Auch in ihrem aktuellen Roman vermittelt Frauke Buchholz den Lesern kompetent ausführliche Einblicke in die Behandlung der Ureinwohner sowie deren Traditionen und Emotionen innerhalb der gegenwärtigen kanadischen Gesellschaft. Die Natur Kanadas spielt ebenfalls eine zentrale Rolle und wird lebendig beschrieben. Diese eindrucksvollen Landschaften verstärken die emotionale Tiefe der Handlung. Letztlich führt die Suche nach dem Enkel zu unerwarteten Erkenntnissen über Identität und Zugehörigkeit.

Die Figuren in Frauke Buchholz‘ Roman sind glaubwürdig und detailliert gestaltet. Ihre Beweggründe und Überlegungen sind nachvollziehbar und erhöhen die Glaubwürdigkeit der Erzählung. Die Autorin versteht es, die Spannung durchgehend zu steigern und den Leser bis zum Ende zu fesseln. Das Thema der indigenen Völker Kanadas wird einfühlsam behandelt und regt zum Nachdenken über Fragestellungen zur heutigen Gesellschaft in Zeiten eines Donald Trump an.

Die sehr langen Absätze, die sich teilweise über mehrere Seiten ziehen, haben mir jedoch nicht gefallen. Den Lesern wird keine Gelegenheit zur Pause gegeben. Dadurch werden viele Abschnitte schwer lesbar und es besteht die Gefahr, dass diese Stellen überblättert werden, was bedauerlich wäre.

Ich kann den Krimi nur empfehlen, denn er ist nicht nur aufregend, sondern behandelt auch ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt und sehr interessiert. Und er zeigt, wie aus Wahnsinn Wirklichkeit werden kann. Also, nicht zögern, zugreifen und lesen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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