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Veröffentlicht am 29.01.2026

Von starken Frauen in schwierigen Zeiten – die Geschichte der englischen Widerstandskämpferinnen

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Von starken Frauen in schwierigen Zeiten – die Geschichte der englischen Widerstandskämpferinnen im besetzten Paris während des Zweiten Weltkrieges

Darum geht es:
Im zweiten Weltkrieg wurden englische ...

Von starken Frauen in schwierigen Zeiten – die Geschichte der englischen Widerstandskämpferinnen im besetzten Paris während des Zweiten Weltkrieges

Darum geht es:
Im zweiten Weltkrieg wurden englische Frauen nach Paris geschickt, um sowohl die Résistance zu unterstützen als auch die Deutschen auszuspionieren. Zu diesen Frauen gehört auch Pat, die neu nach Paris kommt, mit einem im Koffer versteckten Funkgerät im Gepäck. Jeden Tag muss sie damit nach London funken und auf Antwort warten. Am Anfang hat sie außer ihrem Kontaktmann nur wenig Kontakte, aber nach und nach findet sie Verbündete.
In der zweiten Zeitebene (1998) recherchiert die Radiomoderatorin Gwen für ein Buch über diese englischen Widerstandskämpferinnen. Zusammen mit ihrer Tochter zieht sie nach Paris, um den Spuren zu folgen. Dabei helfen ihr auch die Kassetten, die ihre Großmutter Ilsabé kurz vor ihrem Tod besprochen hat und auf denen sie von ihrem bewegten Leben in Paris erzählt, in das sie 1941 zog. Auf dem Sterbebett hatte sie Gwen gebeten, nach einer Lilou in Paris zu suchen. Mit journalistischem Gespür macht Gwen sich auf die Suche und entdeckt mehr, als sie je vermutet hätte.

Mein Eindruck:
Ein bis in die Tiefe gut recherchierte Geschichte, deren historischer Hintergrund mir leider bisher unbekannt war. Diese Frauen haben Unglaubliches geleistet, lebten unter den Augen der deutschen Besatzung und mussten bei der Entdeckung um ihr Leben fürchten. Diese immer drohende Gefahr wird im Buch greifbar und sorgt dafür, dass die Geschichte weitergetragen wird. Wenigstens in dem Erzählstrang in Paris im Zweiten Weltkrieg. Denn leider wird dieser unterbrochen von Gwens Recherche und Leben, das mir an der Stelle zu breit ausgeführt wurde, gerade am Anfang teils dozierend die historischen Ereignisse um den Zweiten Weltkrieg erzählt. Für mich hätte dieser Teil kürzen ausfallen können.

Fazit:
Eine wichtige Geschichte, die hier erzählt wird, ein literarisches Denkmal für die tapferen Frauen in gefährlichen Zeiten. Aber mit einigen Längen. Trotzdem interessant für alle, die sich mit dieser Zeit in Paris beschäftigen, Spannung und Geschichte inbegriffen.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Wenn die Therapeutin zu viel weiß und Geheimnisse ausplaudert

Agatha Raisin und die tote Therapeutin
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Darum geht es:
Kaum ist die neue Therapeutin Jill Davent in das beschauliche Dorf Carsely in Cotswolds gezogen, schon werden brisante Details von Agatha Raisin herumerzählt. Dabei hatte sie diese Erfahrungen ...

Darum geht es:
Kaum ist die neue Therapeutin Jill Davent in das beschauliche Dorf Carsely in Cotswolds gezogen, schon werden brisante Details von Agatha Raisin herumerzählt. Dabei hatte sie diese Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit Jill bei einem Besuch im Vertrauen erzählt. Verärgert will sie die Therapeutin zur Rede stellen, doch findet sie diese ermordet vor.
Gleich gerät sie unter Verdacht, hatte sie ihren Ärger und das Missfallen doch deutlich und öffentlich kundgetan. Als routinierte Detektivin will Agatha den wahren Täter finden, doch so leicht ist das nicht. Nach und nach erkennt sie, dass sie nicht die Einzige im Dorf ist, die ein Motiv hätte.

Mein Eindruck:
Agatha Raisin ist eine manchmal verschroben, manchmal eigenwillige Person, die doch immer wieder auf die richtige Fährte kommt.
Ich kannte bisher die Fernsehserie und mochte die Darstellung der Agatha als eine etwas skurrile Persönlichkeit mit extravagantem Modegeschmack und einem manchmal rigiden Umgang mit den Menschen um sie herum. Dies war also mein erstes Buch und ich war gespannt auf diesen Cosy-Crime. Leider wurde ich enttäuscht. Die Figuren blieben mir fern, ich fand Agatha überzogen in ihrem Umgang mit den Männern, die sie alle auf mögliche Ehemänner abcheckte.
Der Fall entwickelt sich ganz nett, lange rätselt man mit. Die Auflösung an sich scheint mir dann eher gewollt, eher einem Klischee entsprechend und selbst in einem Sherlock-Holmes Fall war dies schon einmal die Lösung.
Irritierend fand ich, dass immer wieder auf einen vorherigen Fall verwiesen wird, weil damals zwar der Mörder entlarvt wurde, aber Agatha sich daran festhält, dass auch die Mutter etwas gewusst haben musste. Vielleicht lohnt es sich also, zuerst den Vorgängerband zu lesen.

Fazit:
Ein Cozy-Crime, der natürlich von Agatha, der Detektivin, lebt. Schnell und leicht zu lesen, mit einer gewissen Spannung, aber einem enttäuschenden Ende.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Eine tapfere Hausfrau sticht in ein Wespennetz

Down Cemetery Road
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Darum geht es:
Sarah Tucker steckt in einem frustrierenden Leben als Hausfrau fest. Ganz deutlich wird es ihr bei einem unerfreulichen Geschäftsessen, das sie für ihren Ehemann zuhause ausrichten muss. ...

Darum geht es:
Sarah Tucker steckt in einem frustrierenden Leben als Hausfrau fest. Ganz deutlich wird es ihr bei einem unerfreulichen Geschäftsessen, das sie für ihren Ehemann zuhause ausrichten muss. Da scheint eine Explosion eines Hauses in der Nachbarschaft eine tödlich faszinierende Ablenkung. Nur ein Kind überlebt das Unglück. Obwohl Sarah die Familie nicht kannte, fühlt sie mit dem Kind, das jedoch aus dem Krankenhaus verschwindet.
Sarahs Erkundungen bleiben nicht unbemerkt und plötzlich steht sie im Fokus von Polizei und Geheimdienst.

Mein Eindruck:
Ich weiß nicht, warum dieser Thriller mit der Privatdetektivin Zoe Boehm beworben wird, sie spielt nur am Rande eine Rolle. Vielleicht ist es der aktuellen Verfilmung geschuldet, denn im englischen Original erschien das Buch schon 2003. Sarah Tucker jedenfalls treibt die Handlung voran, stellt die Fragen und gerät dadurch ins Zielfenster der Gegner. Denn was passiert ist, warum das Haus in die Luft fliegen musste und warum das Kind verschwand, das alles darf nicht bekannt werden. Die Hintergründe des »Warum« sind auch im Blick auf den Entstehungszeitpunkt (2003) zu sehen, lassen mich aber auch jetzt noch erschaudern, weil sie so unglaublich real erscheinen.
Sprachlich ist es ein Vergnügen, Down Cemetery Road zu lesen. Die Personen, die Szenen sind lebhaft und aktiv beschrieben. Ich fühle mit Sarah in ihrer gezwungen Gastgeberrolle, gleich in der ersten Szene. Mit wenigen Worten und Aktionen wird hier ein umfassendes Bild gezeichnet, literarisch ein spannendes Werk.
Die Handlung an sich erinnert mich immer mal wieder an eine Mischung der Autoren John Le Carré, Ian Fleming und Robert Ludlum. Und tatsächlich hat der Autor Mick Herron eine zweite Reihe im Spionagemilieu angesiedelt, die von Diogenes schon übersetzt und veröffentlicht wurde.

Fazit:
Ein starker Thriller mit Sprachwitz und einem erschreckenden Motiv (das ich nicht verraten werde). Wer Geschichten über Geheimoperationen, teils brutale Gewaltanwendung gemischt mit sympathischen Anti-Helden und mutigen Frauen mag, der wird hier wunderbar unterhalten.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein gefährliches Buch und wo ist diese Bibliothek?

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Darum geht es

Vier Freunde treffen sich 1930 in ihrem (geheimen) Stützpunkt, dem Antiquariat am alten Friedhof. Vor Langeweile, aus Übermut und aus Geldnot stehlen sie besondere Bücher, um das Antiquariat ...

Darum geht es

Vier Freunde treffen sich 1930 in ihrem (geheimen) Stützpunkt, dem Antiquariat am alten Friedhof. Vor Langeweile, aus Übermut und aus Geldnot stehlen sie besondere Bücher, um das Antiquariat zu finanzieren.
Felix ist der Stratege der Gruppe und fragt sich schon länger, wie weit sie noch gehen können, ohne aufzufliegen. Ein Coup geht gerade so gut, es wird immer gefährlicher. Doch da kommt das Angebot, die Hand von E.T. A. Hoffmann, eine gefragte Reliquie für Literaturliebhaber, zu stehlen. Bei Ausbaldowern trifft er Eva und verliebt sich rettungslos in sie. Der folgende Diebstahl allerdings nimmt eine fatale Wendung, so dass Felix letztendlich nach Amerika emigriert.
Als Buchsachverständiger kehrt er 1945 nach Leipzig zurück. Denn ein entstellter Häftling behauptet, der Vorleser von Hitler gewesen zu sein, und nur Felix, den er von früher kennt, wird er den Standort der Bibliothek verraten, wenn dieser Eva findet. So macht sich Felix auf die Suche nach seiner großen Liebe.

Mein Eindruck
Ich wollte das immerhin vierte Buch über das graphische Viertel in Leipzig unbedingt lesen. Sowohl »Die Bücher, der Junge und die Nacht« als auch »Das Haus der Bücher und Schatten« hatten mich in ihren Bann bzw. in den Bann des graphischen Viertels gezogen. Und wieder beschreibt Kai Meyer die düstere Atmosphäre zwischen den Druckereien und Buchläden, den Menschen und den drohenden Machtverhältnissen eindrucksvoll und beklemmend. Diesmal – wie auch beim dritten Buch – wählt Meyer als zweite Zeitebene die Zeit direkt nach Kriegsende und zeigt uns das zerstörte Viertel und die leidenden Menschen.
Dazu kommen ein rätselhafter Häftling, eine Todesserie und eine Suche nach einem Phantom.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich fand es atmosphärisch dicht, spannend und berührend. Die aufgeworfenen Rätsel und ihre Lösung haben mich unterhalten. Und trotzdem bleibt bei mir das Gefühl, dass dieser Band nicht so fesselnd war wie die beiden anderen Bücher, die ich bis dahin über das graphische Viertel von Meyer gelesen hatte. Diese hatten mich atemlos vor Staunen über das Handwerk, die Figuren und die Geschichten zurückgelassen. Diesen Zauber habe ich diesmal nicht verspürt. Ich konnte mich nicht mit Felix und seinen Freunden in dem Maße verbinden, wie es mir bei den beiden anderen Büchern gelang.
Aber das ist wahrlich Jammern auf hohem Niveau, dieses Buch ist ein Pageturner und jeden Buchstaben wert, mit dem es gedruckt wurde.

Fazit
»Das Antiquariat beim alten Friedhof« ist eine sehr lesenswerte Geschichte, die gekonnt – wie von Kai Meyer gewohnt – zwei wichtige Zeitebenen miteinander verwebt und ein eindrückliches Bild von den Zeiten, den Menschen und ihren Machenschaften erzeugt. Sehr unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Ein Künstler und sein Leben

Dius
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Darum geht es

Dius studiert an der Kunsthochschule, an der Anton Dozent für Kunsttheorie ist. Eines Tages steht Dius bei ihm vor der Tür und bietet ihm an, sein Freund zu sein. Außerdem besitzt Dius ein ...

Darum geht es

Dius studiert an der Kunsthochschule, an der Anton Dozent für Kunsttheorie ist. Eines Tages steht Dius bei ihm vor der Tür und bietet ihm an, sein Freund zu sein. Außerdem besitzt Dius ein Landhaus, in dem Anton seine Doktorarbeit schreiben könne.

Es beginnt eine intensive, bildgewaltige Freundschaft, die Antons Leben massiv beeinflusst.

Mein Eindruck

Die ersten Seiten der Begegnung zwischen Dius und Anton sind voller Anspielungen aus der Bildmalerei und Philosophie. Dies machte mich neugierig auf diesen Roman.
Dius ist ein besonderer Mensch, der seine künstlerische Fähigkeit in gewaltigen Kunstwerken ausdrückt. Er malt, gestaltet und kann selbst hochwertige Möbel bauen. Dazu hat er ein Ausstrahlung, die viele in seinen Bann ziehen.
Anton ist sein Dozent in Kunsttheorie, der seinen Beruf und die Diskussionen mit den Studenten liebt. Aber er steckt in schwierigen Liebesbeziehungen und so kommt ihm die Einladung von Dius, aufs Land zu fliehen, um die Doktorarbeit zu beenden, gerade recht.
Dort finden sie beide Ruhe, machen lange Spaziergänge und philisophieren vor sich hin.

Hertmans Beschreibungen sind ähnlich wie die Figur von Dius gewaltig, zeugen von einer literarischen Sprungkraft und machen die auf die Dauer ermüdende Larmoyanz von Anton erträglich. Alles dreht sich zwar um Dius, wie er die Menschen um sich herum beeinflusst und beeindruckt. Doch es ist auch die Geschichte von Anton, der sich so an das Leben von Dius anhängt.

Fazit

Die ersten Seiten konnten leider nicht halten, was ich erwartete. Es mag sein, dass ich die Sätze hinter den Sätzen nicht gesehen habe, zu wenig über die philosophischen Ansätze nachgedacht habe. Aber zuletzt gefiel mir die inaktive Haltung von Anton einfach nicht. Daher gut gemeinte 3 Sterne.

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