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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2025

Verdrehter Verrat?

Mondia-Dilogie 2: Twisted Treason
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So heißt dieser Roman, wenn man seinen Titel ins Deutsche übersetzt. So ganz zufällig wurde hier sicher nicht vorgegangen, denn die erfolgreiche Twisted-Reihe der amerikanischen Autorin Ana Huang dürfte ...

So heißt dieser Roman, wenn man seinen Titel ins Deutsche übersetzt. So ganz zufällig wurde hier sicher nicht vorgegangen, denn die erfolgreiche Twisted-Reihe der amerikanischen Autorin Ana Huang dürfte weder dem Verlag noch der Autorin entgangen sein. Die Verdrehungen hier sind allerdings andere. Und ich kann nicht umhin, der Autorin meine Bewunderung zu zollen. Eine an sich aberwitzige und banale Geschichte relativ spannend auf fast tausend Seiten auszuwälzen, ist schon eine beachtliche Leistung.

Natürlich hat die männliche Hauptfigur den Cliffhanger aus dem ersten Band überlebt. Wie sollte es auch sonst weitergehen? Die ganze Welt wird in ihrer Universalität von einer Bibliothek zusammengehalten, in der sämtliche Erstausgaben von Büchern gesammelt werden. Sie befindet sich im Untergrund von Paris und wird von den sogenannten Weltenschreibern gepflegt. Allerdings erfährt man nichts von dieser Arbeit, denn die Herrschaften haben nur damit zu tun, die Bibliothek zu schützen. Gefahr droht ihr von den sogenannten Novas, die sich mit den Weltenschreibern in einem tödlichen Konflikt befinden.

Die weibliche Hauptfigur ist eine sogenannte Ripari. Nur diese Leute verstehen den inneren Mechanismus der Bibliothek. Dummerweise gibt es davon nun nur noch eine Person. Natürlich ist die ganze Konstruktion dieser Geschichte ein einziger weltfremder Blödsinn, aber es kommen der Kampf von Gut und Böse in ihr vor. Und natürlich die Rettung der Welt. Darunter geht es nicht mehr.

Den eklatanten Widerspruch zwischen der Universalität dieser Bibliothek und der Tatsache, dass sie von einem einzigen Familienclan geführt wird, scheint der Autorin nicht aufgegangen zu sein. Man verzeihe mir die Ironie: Aber ein wenig mehr moderne Vielfalt hätte ich schon erwartet.

Natürlich entsteht zwischen den beiden Hauptfiguren eine Liebesbeziehung, so eine neue Variante von Romeo und Julia, denn in dieser Julia steckt etwas von diesem Twistet Treason. Aber das zu erklären, würde zu weit gehen. Ich habe mich jedenfalls etwas gequält, um die fast fünfhundert Seiten endlich zu schaffen. Aber ich gehöre auch nicht die Zielgruppe. Die nämlich wird sich vermutlich nicht so langweilen.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Im Westen angefeindet, im Osten instrumentalisiert

Thomas Mann – 1949
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Natürlich konnte man als Außenstehender 1949 nicht in den Kopf von Thomas Mann schauen. Aber Thomas Mann schrieb Tagebuch, sodass man auch heute noch so manches nachvollziehen kann. Als der Schriftsteller ...

Natürlich konnte man als Außenstehender 1949 nicht in den Kopf von Thomas Mann schauen. Aber Thomas Mann schrieb Tagebuch, sodass man auch heute noch so manches nachvollziehen kann. Als der Schriftsteller 1929 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war diese Auszeichnung noch nicht zu einem Förderpreis für unbekannte Schriftsteller verkommen. Vier Jahre später blieb Mann lieber in der Schweiz als in das Deutschland der Nationalsozialisten zurückzukehren. Die meiste Zeit lebte er danach in den USA, wo er bis zur McCarthy-Zeit blieb. Danach wurde es auch in den USA ungemütlich.

Im Jahre 1949 reiste Thomas Mann aus den USA nach Deutschland. Er war zu den Feierlichkeiten des Goethe-Jahres eingeladen worden, sowohl nach Westdeutschland (Frankfurt) als auch nach Ostdeutschland (Weimar). In beiden Städten hielt er dieselbe Rede, doch die Stimmungen waren bereits damals sehr verschieden. Im Westen fühlte man sich keineswegs befreit, sondern besetzt, und im Osten herrschten Verhältnisse, die Thomas Mann an den beginn der Nazi-Zeit erinnerten. Gewiss waren dort die Vorzeichen anders, aber Jugend-Aufmärsche, wie sie im Buch beschrieben werden, weckten bei ihm solche Assoziationen. Nicht zu Unrecht, denn die Machtdemonstrationen der SA und des Rotfrontkämpferbundes in der Weimarer Republik ähnelten sich sehr.

Es ist also kein Wunder, dass Mann mit Deutschland fremdelte. Im Buch wird dieses ungute Gefühl sehr gut dargestellt. Allerdings konnte ich mich mit den Zeichnungen nicht wirklich anfreunden. Ich hatte immer das Gefühl, dass es nur eine Sorte Mensch bei den beiden Zeichnern gibt. Um das zu verifizieren, muss man sich nur ein Foto von Göring ansehen und dazu die Figur in diesem Buch. Wenigstens annähernd sollte man doch eine gewisse Ähnlichkeit erkennen können.

Das ändert jedoch nichts am Wert dieses Buches, denn es schildert ja nicht nur diese Reise, sondern vor allem die Gefühlswelt von Thomas Mann dabei. Und das gelingt sehr gut.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Magie wirkt nur im Reich der Magie, aber nicht in der Realität

Die Piraten von Darksea
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Das muss leider auch Max erfahren, der sich ins Reich der Magie begibt, um dort vielleicht Sternenstaub zu erhaschen. Damit könnte seinem offenbar schwer kranken Bruder Christopher geholfen werden. Eigentlich ...

Das muss leider auch Max erfahren, der sich ins Reich der Magie begibt, um dort vielleicht Sternenstaub zu erhaschen. Damit könnte seinem offenbar schwer kranken Bruder Christopher geholfen werden. Eigentlich war die "Sonnendiebin" der Traum von Christopher. Er wollte mit diesem Schiff und seinem berühmten Kapitän in die Darksea segeln und dort Abenteuer erleben.

Zwei Jahre nachdem Christopher eine Flaschenpost verschickte, bekam er von Kapitän O'Malley eine Einladung, die vom Schiffspapagei der "Sonnendiebin" überbracht wurde. Max beschließt anstelle von Christopher in die Welt der Phantasie zu reisen, weil er glaubt dort Rettung für seinen Bruder zu finden.

Dann beginnen mehr oder weniger spannende Abenteuer auf diesem Schiff, das Max bald nach einer von ihm angestifteten Meuterei übernimmt. Kapitän O'Malley lebt nicht mehr, und seine Schwester, die inzwischen das Kommando führt, erweist sich als faul und unfähig. Statt seinem Bruder zu helfen, rettet Max Darksea vor einem schlimmen Bösewicht. Dabei steht er in engem Briefwechsel mit Christopher im Krankenhaus, wohin der Papagei ständig fliegen muss. Sehr weit scheint Darksea von den Britischen Inseln nicht entfernt zu liegen. Nun ja, Phantasie halt.

In den weniger spannenden Teilen des Buches habe ich mich nebenbei gefragt, wo eigentlich die Bücher geblieben sind, die lebensechte Kinder in den Mittelpunkt stellen und nicht irgendeine schlecht zusammengeschusterte Phantasiewelt. In fast jedem modernen Kinderbuch wird gezaubert und gehext. Oder die Helden haben übersinnliche Kräfte oder erleben Abenteuer im Reich der Träume. Wirkliche Lebenshilfe geben solche Bücher nicht. Dafür gibt es ständig etwas zu retten.

Auch Max muss sich am Ende von der geläuterten Kapitänin O'Malley erklären lassen, dass keine Magie aus dem Reich der Träume im realen Leben hilft. Na, wenigstens etwas.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Über realen Neid und düstere Glücksvampire

Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt
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Manchmal lese ich dann doch andere Rezensionen, vor allem wenn es wie bei diesem Jugendbuch recht viele sind. Unfreiwillig erhält man dabei einige Einblicke in die Lebenswelt der heutigen Elterngeneration. ...

Manchmal lese ich dann doch andere Rezensionen, vor allem wenn es wie bei diesem Jugendbuch recht viele sind. Unfreiwillig erhält man dabei einige Einblicke in die Lebenswelt der heutigen Elterngeneration. Einige vermissen an diesem Buch die Magie. Naja, ein wenig Glitzer kommt ja vor, aber eben auf Kosten anderer. Und dann fehlt einigen eine Trigger-Warnung. Gibt es die eigentlich auch inzwischen bei Grimms Märchen? Wieso haben Millionen Menschen die Harry-Potter-Bücher schadlos überlebt?

Wer sich ein Buch kauft, in dessen Titel das Wort Düsterwelt vorkommt, sollte sich hinterher nicht beschweren, dass es in der Düsterwelt düster ist. Im Gegensatz zu gewissen überempfindlichen oder zartbesaiteten Zeitgenossen empfand ich dieses Buch als völlig harmlos. Und mir war seine Heldin von Anfang an sympathisch. Ja, Menschen tun sich mit scheinbaren Außenseitern und starken Charakteren schwer, weil sie bei ihnen auf Eigenschaften und Fähigkeiten treffen, die sie nicht besitzen. Und Neid ist bekanntlich eine Auszeichnung.

Maggie Blue Brown hat es nicht leicht. Ihr Vater hat sich eine andere Frau gesucht, und ihre Mutter leidet unter Depressionen. Maggie lebt deshalb bei ihrer etwas seltsamen Tante und muss in eine neue Schule gehen, wo sie auf die üblichen minderbemittelten Neider trifft. Auf dieser Seite scheint auch Ida zu stehen, die scheinbar auf der Sonnenseite lebt. Doch dieser Schein trügt wie so häufig.

Und dann verschwindet Ida auch noch durch ein seltsames Portal, das nur Maggie sehen kann, in die Düsterwelt. Das ist so eine Art Paralleluniversum. Dort herrscht ein Typ, der aus dem Glück anderer Menschen, die er extra dafür entführen lässt, seinen Rausch zieht. Maggie durchschreitet das Portal, um Ida zurückzuholen. Natürlich wird ihr das gelingen, ansonsten wäre diese Geschichte nicht geschrieben worden.

Die ist jedoch keinesfalls eine dieser üblichen seichten Magiegeschichten, sondern besitzt einen durchaus ernsthaften Hintergrund. Auch im realen Leben gibt es sie nämlich, diese Energievampire, die andere aussaugen. Dazu wurden ganze Bibliotheken von Lebenshilfebüchern geschrieben. Insofern handelt es sich bei diesem Buch zwar um eine Fantasy-Geschichte, die jedoch einen durchaus nachvollziehbaren und ernsthaften Hintergrund besitzt. Und Maggie ist keine von diesen magischen Alleskönnern mit Strahlkraft, sondern ein ungewöhnliches Mädchen mit einem realistischen Charakter.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Übertreibungen, ein mitunter sinnfreier Streckenverlauf und eine peinliche Selbstinszenierung

Bikepacking Trans Germany
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Legendär ist die sogenannte Great Divide Mountain Bike Route, die von Kanada bis Mexiko ungefähr 30 Mal die große Wasserscheide, also die Rocky Mountains, überquert. Im Buch soll sie 4300 km lang sein, ...

Legendär ist die sogenannte Great Divide Mountain Bike Route, die von Kanada bis Mexiko ungefähr 30 Mal die große Wasserscheide, also die Rocky Mountains, überquert. Im Buch soll sie 4300 km lang sein, tatsächlich ist sie fast 5000 km lang. Man kann sie natürlich normal abfahren, aber eigentlich wird sie als Rennen gelistet. Nicht gegeneinander, sondern um die schnellste Zeit. Da wollten die Autorin und ihr Partner eigentlich hin, aber Corona vereitelte dies.

Einige Leute in Deutschland wollten so etwas hierzulande nachmachen und ersonnen eine "ähnliche" Tour durch Deutschland. Das war eine ziemlich dämliche Idee, die auch prompt scheiterte. Deutschland ist dicht besiedelt, also nicht mit den Rocky Mountains vergleichbar, und ein Radrennen wie dort ist in Deutschland undenkbar. Die von den beiden Herren ausgedachte Route führt von Basel bis zum Kap Arkona auf Rügen, einmal quer durch Süddeutschland bis ungefähr Hof, dann über den Kammweg des Erzgebirges bis zur polnischen Grenze und von dort dann an Berlin vorbei bis Rügen. Dass diese Tour "legendär" sein soll, ist eine der vielen Übertreibungen in diesem Buch.

Schon beim Durchblättern des eigentlich schön gemachten Buches fällt sofort auf, dass man seine Autorin auf gefühlt jedem Bild sieht. Und das in manchmal peinlichen Posen. Wieviel Selbstverliebtheit muss man besitzen, um das nicht zu sehen? Bei den Packlisten und den tantenhaften "Verhaltensregeln" setzt sich das fort. Da steht zum Beispiel, man solle nasse Regensachen nicht mit den Schlafklamotten zusammenpacken. Echt jetzt? Dass man besser mit einem gut funktionierenden Fahrrad eine solche Tour beginnen sollte, kommt dann auch noch. Und dann: "Ich fahre, um zu zeigen, dass auch Frauen herausragende Abenteurerinnen sein können."

Braucht es einen solchen Beweis wirklich? Vielleicht sollte sich die Autorin mal ein paar Reiseberichte von echten Abenteuerinnen zu Gemüte führen. Es gibt eine Frau, die alleine in einem Paddelboot Australien umrundet hat. Und wer erinnert sich nicht an das damals noch minderjährige holländische Mädchen, das allein die Welt umsegelte? Hätte die Autorin wirklich ein Abenteuer gesucht, dann hätte sie wenigstens auf ihr Smartphone bei dieser Tour verzichtet. Aber dann hätte sie den Weg nicht gefunden.

Im Buch findet man die einzelnen Abschnitte relativ gut beschrieben, aber natürlich immer unter dem subjektiven Blickwinkel der Autorin und mit ihrem Hang zur Selbstdarstellung. Wer sich für Details der Strecke interessiert, muss sich eine App herunterladen und dann die QR-Codes im Buch scannen. Aus meiner Sicht besitzt diese Tour im Prinzip eine wunderbare Streckenführung, die aber im Detail an Schwachsinn grenzt. Warum? Weil sie einem das Leben schwer macht oder weil sich gewisse Leute offenbar daran berauschen durch unwegsames Gelände mit dem Fahrrad zu fahren. Was sie damit beweisen wollen, ist mir rätselhaft. Entweder ich entscheide mich für eine wilde Streckenführung wie in den USA und muss dann einsehen, dass das hier nicht wirklich geht, oder ich möchte Land und Leute kennenlernen.

Wenn man sich für das Letzte entscheidet, kann man sich das Leben einfacher machen und das deutsche Radwegenetz benutzen. Dann muss man auch nicht wild zelten, sondern findet überall eine Unterkunft in der Nähe. Auch eine solche Tour kann man in zwei Wochen absolvieren, sogar mit einem stinknormalen Tourenrad. Und "Abenteuer" gibt es dabei auch, denn tatsächlich sind in Brandenburg die Radwege gelegentlich unbefahrbar, weil der dortige Sand das verhindert. Deswegen ist Brandenburg noch lange keine Wüste, wie die Autorin in ihrer übertriebenen Art schreibt. Und der deutsche Norden ist auch nicht rau. Rau wird es am Polarkreis, und der ist noch weit weg vom deutschen Norden.

Ich könnte noch so manche andere Fehleinschätzung der Autorin aufführen, will es aber beim Kraftwerk Boxberg belassen. Da ziehen angeblich dunkle Wolken auf, die in Wirklichkeit Wasserdampf aus den Kühltürmen sind. Und die Tagebaue müssen nicht so bleiben wie sie jetzt sind. Einfach mal in die Lausitzer Seenlandschaft fahren, die aus gefluteten Tagebaulöchern besteht. Dort kann sich jeder ein Bild davon machen, dass man scheinbar verlorene Natur in ein Paradies verwandeln kann.

Ich weiß nicht so recht, wie ich dieses Buch bewerten soll. Eigentlich ist es schön aufbereitet, und die Tour ist von der Idee her sicher wunderschön, wenngleich der Hintergedanke dabei ein ziemlicher Quatsch ist.

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