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Veröffentlicht am 25.06.2017

Sechs Männer, eine Frau und eine große Anzahl von Hürden

Paper Palace
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Meinung:

Ella Harper hat einfach kein Glück. Eine Hürde gemeistert, stellen sich ihr gleich zwei neue in den Weg. Die Vorwürfe gegen Reed zermürben sie, denn obwohl sie an seine Unschuld und ihn glauben ...

Meinung:

Ella Harper hat einfach kein Glück. Eine Hürde gemeistert, stellen sich ihr gleich zwei neue in den Weg. Die Vorwürfe gegen Reed zermürben sie, denn obwohl sie an seine Unschuld und ihn glauben möchte, so weiß sie auch, dass die Royals dunkle Geheimnisse mit sich tragen. Hinzukommend das auf einmal ihr totgeglaubter Vater vor der Tür steht, ihr gefundenes Glück nicht zu dulden scheint und das Klischee eines übervorsichtigen Vaters einer bildhübschen Tochter erfüllt, werden ihre Nerven ganz schön strapaziert.

>>Der tote Onkel Steve?<< Ich presse die Zähne zusammen. >>Er sah ziemlich lebendig aus. Ein bisschen so wie Tom Hanks in Verschollen, nur ohne den Volleyball.<< >>Heilige Scheiße!<<

Die Situation zwischen Ella und Steve einzuschätzen viel mehr lange sehr schwer. Die Rollen für beide sind neu verteilt und keiner weiß so recht, wie er seine Ausfüllen soll. Steve befindet sich auf einmal in der Vaterrolle gegenüber eines Teenagers, ohne Erfahrungen in diesem Bereich zu haben, demnach stellt er sich stellenweise recht ungeschickt an. Doch kann man es ihm verübeln? Bedeutet ein Elternteil zu sein wirklich, dass man immer perfekte Entscheidungen trifft oder ist es viel mehr der Gedanke, der zählt? Ella hat es ihm nicht gerade einfach gemacht, was ich in Bezug auf manche seiner Anweisungen auch tatsächlich nachvollziehen konnte, andererseits hat mich ihr Dickschädel auch auf eine ganz andere Idee gebracht: Bereits als ihre Mutter noch gelebt hat, war sie auf sich alleine gestellt und hat viel Verantwortung getragen und das bedeutet vor allem eins: Freiheit. Auch nach dem Tod ihrer Mutter, war sie an keinerlei Regeln oder Grenzen gebunden, die Steve ihr hingegen von Anfang an aufzeigt. Für sie ist dies gleichbedeutend mit dem Gefühl, eingeengt zu werden, dem sie allem Anschein nach nicht nachgeben möchte, doch besteht vielleicht auch die Möglichkeit, dass sie unbewusst etwas wahrnimmt, was die Royals an ihm - mit Blick auf einen alten Freund - gar nicht realisieren?

Nach dem Tod ihrer Mutter, war Ella auf sich alleine gestellt, bis sie ein Teil der Royals wurde. Aus einem Anhängsel einer zerrütteten Familie, ist sie zum Bindeglied geworden, die alle einander wieder näher gebracht hat. Mit Steve hat sie nicht nur einen Vater, sondern auch ein Elternteil, welches Regeln aufstellt und nicht bereit ist, die Grenzen in irgendeiner Weise zu dehnen. Eigentlich, sollte er eine Lücke füllen, doch die Tatsache ist, dass Ella sich mit den Royals schon vorher nicht mehr alleine gefühlt hat. Steve hingegen versucht nicht ein Teil ihres Lebens zu werden, sondern drängt die Royals bewusst weg, um sich einen Platz in ihrem Leben zu schaffen. Doch eins hat er dabei unterschätzt, seine Tochter hat schon immer ein Schlupfloch gefunden und genau dieses nutzt sie, um ein Teil der Familie zu bleiben, die sie nicht mehr missen möchte, ungeahnt dessen, in welcher Gefahr sie wirklich schwebt.

Man, ich würde gerade sogar lieber Zeit mit Jordan verbringen, als mit Steve! Meinem Vater. >>Also, was sollen wir heute unternehmen?<<, fragt er mich. Ich spiele an meinem Gurt herum. >>Hast du denn nichts geplant?<< Und warum hast du mich dann aus der Schule entführt?!, ich würde ich am liebsten brüllen. >>Ich wollte die Entscheidung dir überlassen. Ladys first.<< Die Lady möchte zurück in die Schule.


Obwohl sich das Verhältnis der Royal-Söhne zu Callum durch Ella Stück für Stück bessert, so ist die Spannung untereinander doch immer greifbar. Doch was man ebenso in jedem Band spüren konnte, ist, dass Callum immer zu seinen Söhnen steht, egal, welchen Ärger diese wieder verzapft haben. Insbesondere Reed macht es Callum diesbezüglich alles andere als leicht. Auch er ist aufgrund der Beweislage und seiner ständigen Eskalationen nicht von Reeds Unschuld überzeugt und dennoch, steht er hundertprozentig hinter ihm. Callum mag in der Vergangenheit vielleicht einige Fehler begangen habe, doch seine Kinder stehen spürbar an erster Stelle und das macht ihn in meinen Augen zu einem perfekten Vater. Perfekt bedeutet nicht, dass man frei von Fehlern ist oder immer die richtige Entscheidung trifft, es bedeutet, dass man sich füreinander einsetzt und füreinander kämpft.

Reed hat in den Jahren vor Ella, auf niemanden Rücksicht genommen. Er hat Frauenherzen erobert, nur um diese danach zu brechen und er hat Genugtuung darin gefunden, sich mit Männern im Nahkampf zu messen. In der Zeit ohne Ella, hat er sich selber eingeredet, dass er mit den Geschehnissen gut zurechtkommt, doch Ella hat jedem von ihnen die Augen geöffnet. Sie hat der Familie wichtige Werte vermittelt, die nur noch Abneigung und Verzweiflung empfunden hat.

Er presst sich die Hand auf seine Brust, als hätte Val einen Dolch hineingestoßen. >>Wie kannst du des wagen, Carrington? Ich bin ein amerikanischer Romeo!<< >>Tja, und Romeo geht am Ende drauf.<<

Ella und Reed sind ein Team, die füreinander kämpfen. So ist auch Ella bereit, sich einer Gefahr auszusetzen um Reed vor dem Gefängnis zu bewahren. Wie groß diese Gefahr wirklich ist, erkennt sie erst, als es bereit zu spät ist und mit der Enthüllung dieser, tritt ein weiteres Geheimnis zu Tage, welches eine sich annähernde Familie erneut in seinen Grundfesten erschüttert. Werden die Royals nun endgültig zerbrechen, oder ist diese Offenbarung die Möglichkeit für einen Neuanfang?


Charaktere:

Ellas Vergangenheit, hat sie eins gelehrt: Wenn sich eine Situation zuspitzt und die Gefahr besteht, dass dir etwas Wichtiges genommen wird, dann hau ab. Ella ist niemand, der Problemen aus dem Weg geht und ebenfalls niemand, der Menschen, die ihr wichtig sind, hängen lassen würde. Mit der Aussicht, damals bei den Royals einziehen zu müssen, hat sie um ihre Freiheit und Selbstständigkeit gefürchtet, doch jetzt ist der Einsatz ein viel größerer - ihre Liebe zu Reed. Sie ist eine Kämpferin, wenn es darum geht, anderen zu helfen, wenn die Konflikte sie hingegen persönlich betreffen, verlässt sie stellenweise der Mut.

Reeds impulsive Art, hat ihn schon häufig in Schwierigkeiten gebracht, doch diesmal hat er sich in ein Schlamassel manövriert, aus dem auch Callum ihn nicht retten kann. Es liegt an ihm, die Auflagen des Anwalts zu erfüllen und sich nicht provozieren zu lassen, doch Ella ist seine Achillesferse, diejenige Person, die er schützen und verteidigen möchte. Gleichzeitig ist sie auch der Mensch, der ihm am meisten Kraft schenkt und seinen Kampfgeist weckt.


Schreibstil:

Mit dem dritten Band der "Paper"-Reihe, hat uns Erin Watt einen nervenaufreibenden Showdown geliefert. Die Autorin hat über zwei Bände etwas aufgebaut, was mir erst zum Ende diesen Bandes richtig bewusst geworden ist: Wir lernen einen Charakter nur durch die Augen der anderen kennen, sodass beim Leser - so war es zumindest bei mir - das Bild einer lebensfrohen Person mit gutem Charakter entstanden ist. Sich dieses Mittel zu Eigen gemacht, ist es, als würden wir jemanden kennen, den wir noch nie gesehen haben und genau das hat mich blind für das Offensichtliche gemacht. Einerseits liefert uns die Autorin die Antwort auf dem Silbertablett, andererseits kommt man ins Grübeln, weil man denkt, dass kann einfach nicht möglich sein. Der Verlauf mag demnach vielleicht stellenweise voraussehbar sein, in Kombination mit der Unsicherheit hingegen, hat sich der Spannungspegel bei mir, kontinuierlich aufrechterhalten.

Doch noch viel interessanter: Die Bombe die durch die Enthüllung platzt ist weitaus erschreckender gewesen. Die Royals sind speziell und in ihrer Art nicht gerade einfach zu Händeln, doch erst einmal ihr Vertrauen gewonnen, stehen sie wie eine unverrückbare Mauer hinter einem. Umso trauriger fand ich daher, dass eine Heimlichkeit bzw. Lüge bewirkt hat, dass eine ganze Familie unter Selbstvorwürfen leidet, die dazu geführt haben, dass jeder der Royals mit Schuldgefühlen zu kämpfen hat und um diese zu kompensieren eine Dummheit nach der anderen begeht.

Auch Dinah lernen wir zum Schluss von einer anderen Seite kennen, die einmal mehr verdeutlicht, wie sehr wir uns im Leben von Nichtigkeiten beeinflussen lassen und wozu andere Menschen dadurch getrieben werden. Obwohl ich mir hier noch eine Inneneinsicht gewünscht hätte, war die Idee dieser Wandlung dennoch interessant.

Sechs Männer, eine Frau und eine große Anzahl von Hürden, die zeigen, dass auch eine scheinbar zerrüttete Familie neue Kraft schöpfen und an einem Strang ziehen kann. Ich freue mich riesig auf die zwei Folgebände und bin gespannt, wessen Geschichte wir erfahren werden. Ich vermute mal Gideon, aber auch wenn es nicht so ein sollte, diese Bücher sind für mich ein Must-Read.

Veröffentlicht am 18.06.2017

Stilbewusst, forsch und nicht gerade die Höflichkeit in Person, ist Preppy ein echtes Unikat

Preppy - Er wird dich verraten
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Meinung:

Ein Zufluchtsort bietet uns Schutz, wenn ein einschneidendes Erlebnis unser Denken und Sein beherrscht. Dre hat einen solchen Ort gefunden, der ihr gleichzeitig Besinnungslosigkeit schenkt, doch ...

Meinung:

Ein Zufluchtsort bietet uns Schutz, wenn ein einschneidendes Erlebnis unser Denken und Sein beherrscht. Dre hat einen solchen Ort gefunden, der ihr gleichzeitig Besinnungslosigkeit schenkt, doch ist dieser weniger Schutz, als ein Teufelskreis.

>>Und zuletzt sei gesagt, dass ich sicherlich eine ganze Menge bin, Doc. Ein Krimineller. Klar. Stilsicher. Absolut. Ein Mann mit einem großen Schwanz. Verdammt, auch das.<< Seine Miene wurde ernst. >>Aber ich bin kein verdammter Lügner.<<

Preppys Art, einem die Wahrheit unverblümt ins Gesicht zu sagen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ist für Dre oft alles andere als einfach. Während sie Gedankengängen nachhängt und diese stellenweise äußert, ist er es, der ihre Worte in die Tat umsetzt, gegen sie verwendet und ihr genau damit die Augen öffnet. Nicht selten sind seine Anspielungen und Äußerungen verletzend, doch durch den Wahrheitsgehalt auch gerade so wirksam. Er verstellt sich nicht, zeigt kein falsches Einfühlungsvermögen und hält erst recht nichts davon, Dre zu bemitleiden.

>>Ich habe Nein gesagt<<, stieß ich hervor. >>Wie niedlich, dass du glaubst, dass könnte mich aufhalten.<<

Die Vergangenheit formt einen jeden von uns, sie macht uns zu dem, was wir sind. Wenige Rückblicke von Samuel [Preppy] zeigen, dass er sich nach Liebe gesehnt hat, und von dieser Erwartung nicht nur enttäuscht wurde, sondern ihm stattdessen Aufmerksamkeit zuteilwurde, die er niemals auf sich lenken wollte. Heute hat er Kontakt mit Drogen und scheut nicht davor, seine Waffe einzusetzen, um das Leben eines anderen zu beenden. Skurriler Weise muss ich sagen, dass ich Preppy nicht als schlechten Menschen ansehe, was keines Wegs bedeutet, dass ich einen Mord gut heiße, doch genau dieses Geschehen ist seit er denken kann, seine Welt. Gerade deshalb finde ich es so beeindruckend, dass ein kleiner Junge der sich noch nicht einmal auf seine Mutter verlassen konnte, derart Vertrauen in Bear und King steckt, dass alle drei mit einer unerschütterlichen Loyalität und einem Wir-Gefühl füreinander einstehen. Drei Menschen, die oftmals nur die Schattenseiten vom Leben kennen gelernt haben und dennoch solch ein Vertrauen in andere setzen können.

>>Kein Platz für ihn da drin<<, sagte er und legte das Kinn auf meinen Bauch. >>Weil da drin nämlich du bist, und obwohl du so klein bist, brauchst du verdammt viel Platz.<<

In Bezug auf Dre, trifft Preppy Entscheidungen, die einerseits Egoismus vermuten lassen, andererseits aber auch zeigen, was Nächstenliebe bedeutet. Er rettet sie gleich in mehrfacher Hinsicht vor sich selber und so erscheint mir im Nachhinein eine Lüge, als sicherer Weg für Dre, erst einmal ihr Problem aufzuarbeiten, bevor sie sich ihren Wunsch erfüllen kann, dort anzuknüpfen, bevor damals alles steil bergab ging. Preppys Art dies zu bewerkstelligen ist oft ungewöhnlich, doch dadurch nicht weniger wirksam oder gar beeindruckend.


Charaktere:

Dre findet im Heroin Euphorie und Besinnungslosigkeit. Ein Höhenflug der ihr kurzweilig Frieden schenkt, bis Preppy diesen Rausch allein durch seine Persönlichkeit ersetzt. Er befreit sie aus dem Käfig ihrer Gedanken und ihrer Vergangenheit. Doch entpuppt sich dieses neue Gefühl von Sicherheit ebenfalls zu einer Illusion?

Preppys Angst und die Wut aus seiner Vergangenheit, lauern unter der Oberfläche. Er verkörpert etwas, dass man schnell falsch interpretiert, wenn man ihn noch nicht richtig kennt, denn anders als man es vermuten würde, ist das dunkle Funkeln in seinen Augen kein Zeichen für einen bösen Menschen, sondern viel mehr eine Warnung dafür, dass er verletzt und nie geheilt wurde. Eine Situation, die er sich selbst kaum bewusst ist, bis seine Vergangenheit auf einmal vor seiner Tür steht und Dre die einzige ist, die es vermag, ihn aufzufangen.


Schreibstil:

T.M. Frazier hat uns mit King und Bear schon zwei tolle Geschichten des Männer-Trios näher gebracht. Mit Preppy öffnet sie hingegen nochmal eine ganz andere Tür. Er ist ein Mann, der mich mit seinen Kontrasten gefesselt und mir gleichzeitig immer wieder Rätsel aufgegeben hat. Er ist ein "Bad Boy" der ungewöhnlichen Art, dessen Markenzeichen ein eher sonderbarer Kleidungsstil ist. Eine Fliege ist sein Erkennungszeichen, seine Art, ungefiltert die Wahrheit herauszulassen sein Wesenszug.

Im Verlaufe der Geschichte kristallisiert sich eine Message ganz klar heraus: Hassen ist einfach. Zu lieben ist schwer. Wir erleben hier nicht nur Dres Kampf mit sich ins Reine zu kommen, sondern gleichzeitig auch Preppys, mit seiner Vergangenheit abzuschließen und letzteres ist ein Prozess, den ich lange Zeit gar nicht als solchen wahrgenommen habe. Die Interaktion der Protagonisten ist ein miteinander, von dem beide profitieren ohne sich dessen selbst bewusst zu sein.

Preppys Art verrät einiges über ihn, sodass uns die Autorin auf eine ganz eigene Weise ermöglicht, ihn kennen zu lernen. Stilbewusst, forsch und nicht gerade die Höflichkeit in Person ist er ein echtes Unikat, mit stellenweiser Todes-Sehnsucht, wie es scheint. Preppys Mundwerk ist einfach nicht zu stoppen sodass ich öfter der Meinung war, es wäre gut diesem Mann, zum Selbstschutz, den Mund zuzukleben.

Ein toller erster Band dieser unzähmbaren Persönlichkeit, der mich gespannt auf die beiden Folgebände warten lässt.

Veröffentlicht am 15.06.2017

Wenn sich das Ziel verlagert und sich der Fokus neu justiert

Dark Mafia Prince
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Meinung:

Wenn man etwas gründlich genug kaputt macht, verliert es seine Fähigkeit zu fühlen und nichts zu fühlen, ist im Leben von Aleksio Dragusha definitiv ein Pluspunkt.

Mbreti gjumi - der schlafende ...

Meinung:

Wenn man etwas gründlich genug kaputt macht, verliert es seine Fähigkeit zu fühlen und nichts zu fühlen, ist im Leben von Aleksio Dragusha definitiv ein Pluspunkt.

Mbreti gjumi - der schlafende König. Du wirst überleben, um an einem anderen Tag zu kämpfen.

Schießen zu müssen, heißt, dass eine Drohung nicht gewirkt hat. In dem Geschäft der Dragusha-Brüder, muss man seine Drohungen wahrmachen. Es ist eine Frage der Loyalität, der Würde und der Ehre. Diesen Vorsatz zu leben fällt Aleksio mit der Zeit jedoch sichtlich schwerer, seit Mira seinen Blick auf die Dinge verändert. Der Inhalt seiner Drohungen richtet sich gegen Mira, die für ihn von immer größerer Bedeutung wird und ein Gefühl von Geborgenheit schenkt, welches er seit dem Mord seiner Eltern nicht mehr verspürt hat. Immer mehr lässt er erkennen, dass er bereit ist, mit seinen Regeln zu brechen, sein Bruder Viktor hingegen, denkt gar nicht daran Kiros Leben für jemanden wie Mira aufs Spiel zu setzen.

>>Ich bin nicht dein Baby.<< >>Du bist, was immer ich will, und zwar von jetzt an.<<

Aldo Nikolla ist ein Mann mit einem schwachen Herz und dennoch eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Er galt als Freund und hat drei kleinen Jungs die Eltern genommen. Ein Mann, den die Dragusha Brüder um jeden Preis in die Knie zwingen wollen.

Die Prophezeiung der Brüder aus den Schatten hat damals viele in Angst und Schrecken versetzt, weshalb die Dragusha Kinder gejagt und auf der Flucht voneinander getrennt worden. Mit Aleksio und Viktor sind zwei der drei Brüder wieder vereint und suchen ohne Rücksicht auf Verluste nach dem jüngsten Spross. Doch sobald die Leute sehen, dass die Brüder sich wieder vereinigen, wird sich die gesamte Feuerkraft Nikollas gegen sie richten. Um einen Trumpf im Ärmel zu haben, eignet sich Aleksio das einzige an, was Nikollas Achillesferse am nächsten kommt - seine Tochter Mira. Doch ist die Liebe eines Vaters wirklich stark genug, um das Monster in ihm zu bändigen?

>>Kann ich eine einzige Sache behalten?<< Ich vermute Schmuck. Irgendetwas wertvolles. Schuhe vielleicht. Um ihre Schuhsammlung ranken sich Gerüchte. >>Kommt drauf an. Kann es Kugeln abfeuern? Weil, so nachsichtig ich auch bin -<< >>Es ist nur eine Kaffeetasse. Niemand wird sich darum scheren.<<

Bevor Aleksios Leben einen Punkt erreicht hat, der glückliche Momente verdrängt und ihn zu einem anderen Menschen gemacht hat, waren er und Mira unzertrennliche Freunde. Nun hingegen, ist er ihr gefährlichster Feind, denn jedes Mal, wenn sie ihn ansieht, sieht sie jemanden, den es nicht mehr gibt. Jedes Mal, macht sie sich selbst etwas darüber vor, wer er wirklich ist. Zumindest ist es das, was Aleksio ihr einreden möchte, denn so hart seine Schale auch ist, so hartnäckig ist Mira, an dem Jungen festzuhalten, der damals voller Lebensfreude war.

Miras Kindheit hingegen ist vollkommen anders verlaufen - behütet und in Sicherheit, auch wenn sie ihr zu Hause oftmals als goldenen Käfig empfunden und ihre Freiheit vermisst hat. Es war einfach für Aleksio, Mira als Ziel zu wählen, um an Nikolla heranzukommen, denn als Person des öffentlichen Lebens, scheint auch sie nicht mehr das bodenständige Mädchen von damals zu sein, sondern ihren Fokus auf oberflächliche Werte zu legen. Die Entwicklung der beiden ist vollkommen verschieden verlaufen, nachdem Aleksio den Mord an seinen Eltern beobachten musste. Er hat gehungert, während Mira essen konnte. Sie hat gelacht, während er geweint hat. Sie war in Sicherheit, während er sich verstecken musste. All diese Punkte machen Mira zu einem perfekten Köder um die Gefühle außen vor lassen und dem dritten Dragusha Bruder näher kommen zu können. Doch was ist, wenn Mira sich gar nicht verändert hat? Wenn auch sie ihre Wege gefunden hat, Menschen das sehen zu lassen, was sie sie sehen lassen möchte? Was ist, wenn sich freundschaftliche Gefühle weiterentwickeln und man zwischen einem der letzten verbliebenen Familienmitglieder oder einer alten Liebe entscheiden muss?

>>Fühlt sich an wie eine Falle, riecht wie eine Falle. Es ist eine Falle.<<

Mit Aleksio und Viktor sind zwei der Dragusha Brüder wieder vereint. Nun fehlt noch Kiro, dessen Spuren immer wieder in eine Sackgasse führen. Die Zeit wird knapp, denn nicht nur Nikolla sitzt ihnen im Nacken, auch Lazarus.

Nikolla und Lazarus arbeiten Hand in Hand, dabei ist dieses Duo mit Vorsicht zu genießen, denn diese Art von Kooperation der beiden, ist kein freundschaftlicher Zusammenschluss. Lazarus weiß ebenso wie die beiden Dragusha Brüder um Nikollas Schwäche und ist bereit alles zu tun, um die Erfüllung der Prophezeiung der Brüder aus den Schatten abzuwenden. Durch Lazarus erhält die Geschichte eine unberechenbare Variable, denn anders als Nikolla und Aleksio, hat Lazarus nichts zu verlieren. Er ist bereit, alle Register zu ziehen und genau das macht ihn so gefährlich. Er ändert seine Pläne ohne diesen Umschwung erkennen zu lassen, sodass auch Miras Vater nicht mehr die Sicherheit und den Rückhalt hat, die ihm das Machtgefühl verleihen. Mit dieser einen Komponente, verändert sich das gesamte Geschehen zu einem äußerst wackeligen Konstrukt.

Zu Beginn der Geschichte, lernen wir Aldo Nikolla durch Miras Augen kennen. Das Bild einer Tochter, die nur das Beste in ihrem Vater sieht, sodass auch ich davon ausgegangen bin, dass sie oberste Priorität für ihn hat. Erst durch den Einfluss Aleksios, verlagert sich diese Perspektive und enthüllt immer mehr Details, die in Frage stellen, ob und inwieweit Mira wirklich Schutz von ihrem Vater erwarten kann. Wird er es sogar sein, der seiner Tochter ein Messer in den Rücken rammt? Eine Frage, die ich lange Zeit nicht beantworten konnte, denn allem Anschein nach, ist Aldo Nikolla niemand, der sich die Zügel aus der Hand nehmen lässt.

Ein Baby kann diese Art von Gewalt nicht begreifen, aber sie dringt trotzdem in die Psyche.

Was passiert mit einem Menschen, dem man das Gefühl von Sicherheit nimmt? Verliert er seinen Optimismus? Seine Hoffnung und Zuversicht? Mira wird seit ihrer Entführung immer wieder vor neue Hürden gestellt, doch die wahrscheinlich größte, hat niemand kommen sehen, denn ihr Vater scheint nicht nur Informationen zurückzuhalten, die ihr Leben in Gefahr bringen, er hütet auch ein Geheimnis, dessen Enthüllung Mira dazu bringt, dem Kampf um sein Überleben aufzugeben.


Charaktere:

Mira befindet sich in einem Konflikt zwischen der Liebe zu ihrem Vater und der Erinnerungen an den Aleksio aus ihrer Kindheit. Doch wie sie bald feststellen muss, ist nicht nur Aleksio ein vollkommen anderer Mensch, auch ihr Vater scheint nicht derjenige zu sein, den sie zu kennen glaubte. Schon als Kind war die einzige Möglichkeit, sie dazu zu bringen, mit dem Weinen aufzuhören, ihr zu zeigen, dass jemand anders schlimmer verletzt ist. Ihr etwas zu geben, worum sie sich anstelle von sich selbst kümmern kann. Hier ist es an ihr, zu entscheiden, wem sie diese Aufmerksamkeit schenken möchte. Ist sie bereit, der Wahrheit über ihren Vater ins Auge zu blicken, oder ist es leichter, die Erinnerungen an den kleinen Aleksio aufzugeben und nur das zu sehen, was er ihr weismachen möchte?

Aleksio ist gut darin, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, wie ein Kämpfer, der dem Schlag ausweicht. Loyalität ist etwas, was einem in der Welt von Aleksio das Genick brechen kann. Er ist hart im Nehmen, doch seine Gefühle trüben seinen Verstand und machen ihn zu einer Marionette. Kiro oder Mira - Wenn sich das Ziel verlagert und sich der Fokus neu justiert.


Schreibstil:

Annika Martin hat mich mit dem Reihenauftakt ihrer Trilogie schnell in ihren Bann gezogen. Mit Mira und Aleksio haben wir zwei Protagonisten, die aufgrund einer Fehde einander entrissen worden und seither vollkommen verschiedene Leben geführt haben. Das erstaunliche daran ist, dass sie charakterlich, gar nicht so weit voneinander entfernt liegen, denn obwohl Aleksio versucht, seine Gefühle zu unterdrücken und bei seinen Handlungen außen vor zu lassen, um die Spur seines jüngsten Bruders Kiro aufnehmen zu können, so schafft es Mira, diese Fassade zu durchbrechen. Etwas, was ein Fremder zugegebenermaßen wohl niemals bewirkt hätte, doch trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweise, teilen die beiden eine gemeinsame Vergangenheit, die sie nach wie vor miteinander verbindet.

Auch die Zeichnung Miras hat mir sehr gut gefallen. Wir erleben die junge Frau in zwei ausgeprägten Perspektiven. Einmal durch Mira selbst, die mich mit ihrer Stärke, ihrem Mut und ihrer Loyalität immer wieder beeindruckt hat und einmal durch Aleksios Augen, der einerseits nicht fassen kann, warum das junge Mädchen von damals auf einmal zu einem Modepüppchen mutiert ist und dennoch immer wieder spürt, dass sie sich gar nicht wirklich verändert hat.

Die Protagonisten selbst lassen uns ihre Stärken und Schwächen erkennen, durch den Blick des jeweils anderen, haben wir jedoch die Möglichkeit Dinge an ihnen wahrzunehmen, denen sie sich selber nicht bewusst sind. Sie ermöglichen einander Gegebenheiten mit den Augen des anderen zu sehen. Auch den Schmerz den Aleksio nach all den Jahren immer wieder fühlt, ermöglicht uns die Autorin hier hautnah mitzuerleben. Ein Bild mit Tierbabys, weckt in Mira schöne Erinnerungen, während Aleksio diese mit dem Tod und einem Moment verbindet, bei dem für ihn alles steil bergab ging. Eine Situation die uns so viel über die Protagonisten verrät und gleichzeitig noch zu einem wichtigen Warnsignal wird.

Die stetige Entwicklung der Situation und der Charaktere, hat den Spannungspegel der Geschichte konsequent aufrechterhalten, denn obwohl wir hier zwischen Kiro und Mira als Ziel mit unterschiedlichen Absichten pendeln, so ist es das miteinander zweier, alter bekannter Freunde, die gemeinsam ihren Fokus verlagern und füreinander einstehen. Werden sie Kiro finden und wird es wirklich zu einer Entscheidungsfrage zwischen Familie und Liebe kommen?

Eine Herausforderung jagt die nächste und ich bin unheimlich gespannt auf die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 04.06.2017

Es braucht nur einen starken Willen, um gegen das Böse bestehen zu können

Hidden Hero 1: Verborgene Liebe
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Meinung:

Die Akademie bildet eine Art Netzwerk, mit einer steilen Hierarchie, deren Ausläufer über etliche Bundesstaaten reichen. Die Identität der Helden ist nur Mitgliedern der Akademie und Familienangehörigen ...

Meinung:

Die Akademie bildet eine Art Netzwerk, mit einer steilen Hierarchie, deren Ausläufer über etliche Bundesstaaten reichen. Die Identität der Helden ist nur Mitgliedern der Akademie und Familienangehörigen bekannt, um diese und ihre Familien zu schützen. Wissen ist Macht und genau dieses hat sich jemand zu Eigen gemacht, denn die gezielten Angriffe auf die Helden häufen sich und nehmen immer größere Ausmaße an. Die Ratsmitglieder ordern die besten Helden zusammen um gemeinsam das Phantom zu jagen und der Mordserie ein Ende zu setzen.

Manchmal muss man Risiken eingehen, um ans Ziel zu kommen. Genau das denkt sich auch Lily, die mit ihrer "Flower Power" weniger dazu geeignet ist, in großen Städten gegen die Bekämpfung des bösen eingesetzt zu werden und deshalb in einem kleinen Kaff stationiert wurde, indem sie ihr Dasein als "Heldin" fristen muss.

Kreischend sprang ich auch und wischte mir hektisch über meine Zunge. Ich hatte die Decke im Hund gehabt! O Gott, ich wollte eine Zungentransplantation, und zwar sofort!


Kaum starten wir in die Geschichte, schlägt uns Lily mit ihrer miesepetrigen Art entgegen. Die junge Frau trieft vor Sarkasmus und Ironie und ist zudem noch felsenfest davon überzeugt, dass sie zu viel größerem bestimmt ist. Mein erster Gedanke war: Och nein, bitte nicht jemand der an Selbstüberschätzung leidet. Mit ihrer Einstellung befindet sie sich anfangs auf einem heiklen Grad der mich hat befürchten lassen, sie würde in die Schublade "nerviger" Charakter abrutschen. Doch zu meiner Überraschung war das ganz und gar nicht der Fall.

Mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, schien mir ihr Plan sich bei den Superhelden einzuschmuggeln, gleich zum Scheitern verurteilt, denn diese Wesenszüge lassen einen eher unbedacht handeln. Sie schwimmt gegen den Strom und lässt sich nicht von anderen verbiegen und genau das macht sie so einzigartig und vor allem liebenswert. Mit ihrer falschen Identität als Veritas Warrior ist es ihr tatsächlich gelungen, einen Fuß zwischen die Tür zu bekommen.

Arrogantes Affengesicht! Nein, halt, das wäre den Affen gegenüber unfair.

Gerade das ist es auch, was Lily zu etwas besonderem macht. Sie sieht das Helden-Dasein als ein Privileg, dass sie nun erleben darf und sehr zu schätzen weiß, während andere ihre Gaben und Fähigkeiten als selbstverständlich ansehen und dabei das Ziel aus den Augen verlieren. Hier haben wir es mit einer anderen Form von Selbstüberschätzung zu tun, welche im Gegensatz zu Lilys Variante wirklich eine Gefahr darstellt. Anstatt im Team zu agieren und gemeinsam nach Hinweisen zu suchen, kommt es hier viel mehr zu einem Machtkampf, bei dem jeder zu demonstrieren versucht, wie toll er doch ist. Lilys stellenweise "überhebliches" Verhalten hingegen entfaltet eine vollkommen andere Wirkung. Sie gibt ihr Mut, sie hinterfragt die Geschehnisse, hält die Augen offen und weiß, dass man als Einzelgänger bei weitem nicht die Stärken und Möglichkeiten hat, wie einem der Rückhalt eines Teams geben kann.

Doch genau das ist auch der Knackpunkt. Wie kann man einem Team Vertrauen schenken, wenn jemand aus den eigenen Reihen, geschützte Daten nach außen gibt um diejenigen zu töten, die für die Sicherheit auf den Straßen der gefährlichsten Bundesstaaten sorgen? Auch Lily spielt hier mit dem Feuer, denn unter den Helden befinden sich auch Wahrheitsfinder, die in Anbetracht der momentanen Umstände wahrscheinlich weniger einen ehrgeizigen Dickschädel bei einer falschen Identität, sondern vielmehr einen Handlanger vermuten würden.

>> [...] Ich werde niemals - ich buchstabiere es auch gerne, falls ihr das Wort nicht kapiert, schreibe es auf oder tanze es, falls ihr für den Rest zu beschränkt seid - niemals, niemals, niemals für diesen durchgeknallten Kerl arbeiten, der alles auslöschen will, wofür ich kämpfe. Das Phantom wird n i e m a l s meine Unterstützung kriegen. Ist das in euren verdammten Schädeln endlich angekommen?!<<

Lily ist ein ganz schönes Energiebündel, deren Temperament nicht selten mit ihr durchgeht. In Kombination mit ihrer schonungslos offenen und ehrlichen Art, nimmt sie jedes, sich bietende, Fettnäpfchen mit. Chris der allseits bekannte und berühmte "Hero" ist der Schwarm aller Frauen, so auch Lilys. Schon damals hat sie für den jungen Helden geschwärmt, der sie nun, anders als zur Zeit ihrer Ausbildung auf der Akademie, wahrnimmt.

Macht verändert Menschen und verdirbt diese durch schlechte Einflüsse. Die Indizien lassen Schlüsse zu, die nicht nur auf Maulwürfe in den eigenen Reihen schließen lassen. Anfangs erschien es mir durch manche Situationen auch so, als wäre Hero das Hauptziel der Angriffe und das nicht, weil er im Fokus der Übergriffe stand, sondern weil sich bei Gesprächen der Handlanger des Phantoms eine - scheinbar männliche Person - als Ziel herauskristallisiert hat. Ob und inwieweit das wirklich zutrifft, kann ich nach dem ersten Band noch gar nicht sagen, sicher ist, dass Personen involviert sind, deren Kontraste zu surreal erscheinen, als das ich mir vorstellen könnte, dass diese wirklich zusammen arbeiten, weshalb ich ihre Handlungsgründe in Frage stelle.

>>[...] Wir sind zwei Seiten einer einzigen Medaille. [...]<<

Die Wut, verraten worden zu sein ist groß und blendet unsere Protagonisten stellenweise, was ich durchaus verstehen kann, doch als Leser geht man hier noch einmal differenzierter in die Situation hinein, weshalb ich vermute, dass auch aufgrund der Aussage einer Person, viel mehr dahintersteckt, als die Vorfälle interpretieren lassen. Handelt es sich bei den Anschlägen um einen Racheakt oder wissen sie von einer drohenden Gefahr, die Lily und Hero noch gar nicht erahnen? Ich glaube hier wartet noch eine große Überraschung auf uns, die alles bisher gewesene nochmal in ein anderes Licht rücken wird.


Charaktere:

Lilys (Annabeth) Art die Wahrheit ungefiltert rauszulassen, bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten und ihr Traum das Helden-Dasein zu Leben scheint immer wieder in weite Ferne zu rücken. Doch anders als es sowohl Lily als auch ich erwartet hätten, sind ihre eigenen Trainingseinheiten mit Erfolg gekrönt, sodass sie dem großen Hero gleich mehrfach das Leben rettet und manche Situationen vermuten lassen, dass Lily mehr Talent hat, als die Akademie damals aus ihr herauskitzeln konnte. Wird ihr Wunsch, sich dauerhaft dem Kampf gegen das Böse widmen zu können, wahr?

Chris ist ein Traum von Mann, der nicht nur mit einem atemberaubenden Körper beeindruckt, sondern auch gleich mehrere Fähigkeiten auf einem höheren Level besitzt. Da könnte man doch meinen, dass ein derart vom Glück geküsster Mann, ein übergroßes Ego hat und ganz schön großspurig ist, oder? Falsch! Unser Hero ist ein bodenständiger und ehrlicher Mensch, der einzige Nachteil: Er ist eine Berühmtheit unter den Helden und erhält Aufmerksamkeit, die weniger ihm, als seinem Ruf gilt. Lily hingegen ist eine erfrischende Abwechslung, die kein gutes Blatt an dem jungen Helden lässt und damit genau in sein Herz zielt.


Schreibstil:

Veronika Rothe hat mit "Hidden Hero" einen spannenden und zugleich humorvollen Reihenauftakt gestartet, dessen Gehalt von Ironie und Sarkasmus nicht übertrieben, sondern aufgrund der Charakterzeichnung unserer Protagonistin Lily, vollkommen authentisch gewirkt haben.

Lily ist eine verrückte Nudel, die oftmals mehr Glück als Verstand hat, doch mit ihrem Eifer, Engagement und ihrer Liebe zum Helden-Dasein, beschreiten wir mit ihr eine unvergessliche Reise, die mich vollkommen gefesselt hat.

Aus einem kleinen Kaff macht sie sich alleine auf den Weg nach New York. Um ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen, fälscht sie ein Dokument und gibt sich eine neue Identität. Sie setzt alles auf eine Karte und ihr Weg lässt nur zwei Möglichkeiten zu: Entweder sie schafft es, ihr Können unter Beweis zu stellen, oder sie verliert alles. Ihr Mut ist konform mit Leichtsinn. Das Risiko inmitten der facettenreichsten Fähigkeiten anderer Helden ist enorm und gerade deshalb auch so bewundernswert. Sie kämpft um zu beweisen, was andere nie in ihr gesehen haben. Sie zeigt, dass es nur einen starken Willen braucht um gegen das Böse bestehen zu können und die Fähigkeiten selber nur ein Pluspunkt dieser Stärke sind.

Die Autorin stellt uns Lily als Außenseiterin vor, die ihren Frust und ihre Enttäuschung auch andere spüren lässt. Lediglich eine Freundin, steht ihr zur Seite und nimmt ihre Wünsche ernst, während ihre Mutter ihr immer nur predigt, sie solle stolz darauf sein, ein Teil der Helden-Gemeinschaft sein zu dürfen, egal wie unwichtig ihre Fähigkeit auch erscheint. Im Kampf gegen das Phantom hingegen, erleben wir eine bemerkenswerte Wandlung an ihr, denn sie findet nicht nur Freunde, sondern sie zeigt uns auf verschiedenste Weise, dass sie eine große Bereicherung für die Akademie ist, die sogar gegen Helden mit stärkeren Fähigkeiten bestand hat.

Immer auf sich alleine gestellt, hat sie mit Hero und Max nicht nur ein Team, sondern Freunde gefunden, denen sie den Rücken freihält und diese ebenso hinter ihr stehen. Es hat mich unheimlich gefreut, zu sehen, dass Lily ein Teil von dem sein kann, was sie immer schon machen wollte und noch dazu Rückhalt und Anerkennung erfährt. Eine wirklich tolle Entwicklung, die sie genießen könnte, wäre da nicht die immer näher rückende Gefahr, deren dunkler Schatten immer größere Ausmaße annimmt.

Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, die nach dem Schluss des ersten Bands einen großen Wendepunkt vermuten lässt.

Veröffentlicht am 25.05.2017

Wenn man eine Leidenschaft teilt und eine alte Liebe eine neue Chance erhält

True North - Wo auch immer du bist
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Meinung:

Griffin hat das Familienerbe angenommen und leitet seither nicht nur die Farm, sondern trägt auch eine große Verantwortung. Welche Aufgaben übernimmt man als Farmer? Dass die Arbeit körperliche ...

Meinung:

Griffin hat das Familienerbe angenommen und leitet seither nicht nur die Farm, sondern trägt auch eine große Verantwortung. Welche Aufgaben übernimmt man als Farmer? Dass die Arbeit körperliche Leistung erfordert, war mir durchaus bewusst, jedoch nicht, wie hoch die Relevanz von vorausschauendem Handeln und Aufmerksamkeit ist. Davon hängt nicht nur der Erfolg einer guten Ernte ab, sondern unter Umständen gleich die ganze Existenz.

>>Ich rufe dich an und sage dir Bescheid.<< >>Und ich werde ans Telefon gehen wie ein Großstadtschnösel.<<

Griff war mir von vorneherein sympathisch und das nicht aufgrund seiner Aufgaben, sondern der Hintergründe, die ihn dazu bewegen, genau diese Herausforderung mit ungewisser Zukunft zu stemmen. Er selbst hat sich vom Leben etwas anderes erhofft, doch als Haupteinnahmequelle der Familie, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Träume hinten an zu stellen, um wenigstens seinen Geschwistern ihre Zukunft in Form eines Studiums finanzieren zu können, damit zumindest diese die Chance haben, ihr Leben in Bahnen zu lenken, die sie selbst gewählt haben. Er liebt seine Aufgaben und dennoch stellt er sich immer wieder die Frage, ob er wirklich eine Wahl hatte.

>>Griffin blickte skeptisch zu mir hinab. Meine Güte, war der Kerl riesig. Wie Paul Bunyan, der riesenhafte Holzfäller aus den uralten Sagen. >>Ich schreie Frauen nicht an.<< >>Reine Formsache<<, zische ich. >>Du grummelst und knurrst.<<

Mit Audrey warm zu werden hat etwas länger gedauert, dabei konnte ich die erste Zeit gar nicht genau benennen, warum das so war. Die Anforderungen denen sie ausgesetzt ist, sind so gestellt, dass es ihr immer als eine Art scheitern ausgelegt wird. Als letzte Rettung bietet ihr der BPG Konzern deshalb an, bei Griffin und den dort umliegenden Farmern Produkte einzukaufen, deren Anbau noch auf herkömmliche Art stattfindet, ohne großen Einsatz von Pestiziden. Diese Art des Anbaus erfordert Zeit, Geduld und jede Menge körperlichen Einsatz. Die Einnahmen, welche die Farmer für eben diese Produkte erhalten, halten sich für den Aufwand jedoch sehr gering und auch diesen Preis will die BPG noch ordentlich runterhandeln.

Erst mit dem Verständnis, wie viel Arbeit hinter der Tätigkeit als Farmer steckt, konnte ich benennen, warum Audrey anfangs eher distanziert, stellenweise sogar oberflächlich auf mich gewirkt hat. Ebenso wie die Sterneköche ist sie fokussiert auf den Erfolg. Die Lebensmittel werden als Mittel zum Zweck angesehen, doch wie viel Arbeit hinter dem Anbau steckt weiß dort anscheinend keiner zu schätzen. Auch Audrey fehlt dafür das Gefühl und Verständnis, bis sie selber am Alltagsgeschehen auf Griffins Farm teilnimmt und mit den Aufgaben wächst.

Sie hielt inne, hob den Kopf und forderte mich mit ihrem Blick heraus. Ich lehne nie eine Herausforderung ab.

Darüber hinaus gibt es noch einen wesentlichen Unterschied, dessen Kontrast mich wirklich verwundert hat. Während der Konzern darauf fixiert ist, große Gewinne zu erzielen und die Konkurrenz abzuschütteln, ist das Geschäft der Farmer ein miteinander und nicht, wie man erwarten würde, ebenfalls ein Konkurrenzkampf. Hier hilft jeder jedem.

Bereits die Farmer kalkulieren ihre Preise mit einem niedrigen Gewinn, der nicht wirklich ins Gewicht fällt, dieser reicht um die laufenden Kosten zu decken und über Jahre hinweg eine gewisse Rücklage aufzubauen, lässt jedoch bei Weitem keine großen Sprünge zu. Die Vorschläge die Audrey hingegen nach Maßgabe des Konzerns unterbreitet, liegen bei Weitem unter der Vergütung des Aufwands, denn ein Gewinn ist hier nicht mehr zu verbuchen. Diese Tatsache muss auch ihrem Chef bewusst gewesen sein, sodass Audrey nur als Lockvogel für die männlichen Farmer missbraucht wird.

Zweieinhalb Autostunden waren abschreckend. Mein Zeitplan ließ nicht einmal eine Freundin zu, die zweieinhalb Minuten entfernt wohnte. Außerdem konnte ich nicht noch eine Person in meinem Leben gebrauchen, die auf mich angewiesen war und die ich nicht enttäuschen durfte. Davon gab es schon genug.

Der BPG Konzern hätte ohne weiteres die Mittel, den regulären Preis für die Ware zu bezahlen. Doch hier kommt wieder der berechnende Faktor, denn je geringer der Einkaufspreis und je höher der Verkaufspreis, desto größer ist der Gewinn. Der Konzern fokussiert sich ausschließlich auf seinen Erfolg, ohne deren Abhängigkeit der Farmer überhaupt zu realisieren. Hier spielt das Image eine sehr große Rolle. Ein Farmer dessen Bekanntheitsgrad gen Null geht, muss sich im Rahmen der marktüblichen Preise bewegen, während ein bekannter Konzern horrende Preise für ein Produkt verlangen kann, welches sie zu einem vergleichsweise minimalen Preis erworben haben.

Es fiel mir seit jeher schwer, Komplimente anzunehmen. Wahrscheinlich, weil ich nicht oft welche bekommen hatte.

Audrey selber kann ich nicht einmal einen Strick aus ihrer Unwissenheit drehen. Ebenso wenig wie ihr, war mir zuvor wirklich bewusst, wie viel Arbeit und Fleiß hinter der Tätigkeit eines Farmers steckt. Wir gehen in einen Lebensmittelladen, indem bereits alles fertig auf uns wartet, doch der Weg bis dahin, den hinterfragt wohl kaum einer. Mit der Erkenntnis, die nicht nur wir sondern auch Audrey erlangt, mausert sich die junge Frau zu einer passionierten Köchin, die vollends aufblüht und dadurch in meinen Augen sogar mehr Potenzial besitzt, als einen Sternekoch, den sie bisher immer bewundert hat. Wer seine Leidenschaft leben möchte, muss das Drumherum zu schätzen wissen und dazu gehört in diesem Fall auch die Leistung derjenigen, die die Lebensmittel zur Verfügung stellen, mit denen in einem fünf Sterne Restaurant die Gerichte gezaubert werden, denn letztendlich ist das kochen nur noch die Verfeinerung eines Produktes, dessen Eigengeschmack im Anbau seinen Ursprung findet und deren natürliche Aromen unterstrichen werden.

Er hielt mich wirklich für vollkommen unfähig. Genau wie alle anderen auch.

Mit Audrey und Griff kollidieren zwei Welten, bei denen ich am Anfang das Gefühl hatte, sie würden gar nicht zueinander passen, doch im Gegenteil, Griff steckt Hingabe in seine Arbeit, die jede Menge Aufmerksamkeit und Geschick erfordert, während Audrey diese weiterverarbeitet und dem ganzen noch das Tüpfelchen auf dem "i" verleiht.

Dass Audrey sich das Verhalten der BPG gefallen lässt, liegt nur in der Chance begründet, ihre Restaurant-Idee vorstellen zu dürfen und nach Möglichkeit der Gewinner diesen Wettbewerbs zu sein, der diese Idee umsetzen darf. Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass ein Restaurant, welches sich einen eigenständigen Ruf aufbaut und von kleinen Füßen immer größer wird, auf Dauer mehr Erfolg haben wird, als ein durch andere Sterne-Köche gepushtes. Schon hier lässt sich erkennen, dass Audrey bei weitem niemals eine derartige Köchin wie ihre Idole wird. Audrey wird nicht nur die Gaumen der Menschen in Erstaunen versetzen, sondern ebenso mit ihrer Freundlichkeit und Natürlichkeit beeindrucken, die viele haben missen lassen. Insbesondere letzteres ist der Schlüssel zum wirklichen Erfolg.


Charaktere:

Hat Audrey wirklich - wie am Anfang aufgezählt - viele Fehler aus Nachlässigkeit oder fehlender Motivation heraufbeschworen oder sind es die zu hohen Anforderungen des BPG Konzerns und "hochnäsiger" Sterneköche, denen sie einfach nicht gerecht werden kann? Das Audrey einiges auf den Kasten hat, führt sie uns auf der Farm immer wieder vor Augen und was noch viel wichtiger ist, ihr sieht man die Begeisterung für das Kochen an. Sie ist mit Feuereifer dabei und scheut auch Aufgaben nicht, die dem kochen vorangehen. Denn bevor Fleisch verarbeitet werden kann, muss ein Tier erst einmal sein Leben lassen.

Griffin ist recht mürrisch. Beim ersten gegenübertreten hat er mich ein wenig an den Almöhi erinnert - den Großvater von Heidi - mit Bart und kaum zu einem Lächeln zu bewegen. Die Ablehnung die er Audrey gegenüber an den Tag legt, liegt nicht nur in ihrer gemeinsamen Vergangenheit begründet. Er führt das Werk seines Vaters fort und die Anerkennung die er sich dafür wünscht, wird vom BPG Konzern soweit runter zu gehandelt, dass der Abnehmer sich bereichert, während der Lieferer weit unter dem eigentlichen Verkaufspreis liefern soll. Im Beisammen sein mit seinen Brüdern lässt er stellenweise eine lockere und fröhliche Art durchscheinen. Dennoch ist auch immer ersichtlich, dass er sich diese Freiheit nicht oft gewährt. Er trägt eine Last die ihm vererbt wurde, sodass im letztendlich keine Wahl geblieben ist, als den Hof und damit all die Verantwortung auf sich zu nehmen. Eine Einnahmequelle für die Familie, die zumindest seinen Geschwistern ermöglichen soll, ihr Leben selbst zu lenken und auch andere Wege einschlagen zu können.

Schreibstil:

Sarina Bowens Reihenauftakt von „True Norht“ hält einige Überraschungen bereit darunter auch der Informationsgehalt der Cider-Gewinnung. Ein Wissen was viele von uns im Alltag wahrscheinlich weniger benötigen, aber durchaus spannend zu verfolgen ist.

Audreys Ehrgeiz und Enthusiasmus ist greifbar, weshalb ihre Freude nicht nur auf Griff übergreift, sondern auch mich als Leser mit Fröhlichkeit erfüllt hat. Egal worum es geht, solange es sie mit ihrer Leidenschaft verbindet, ist sie voller Tatendrang und akzeptiert auch Umstände, die weniger erfreulich sind, sowie ihre Aufgabe den örtlichen Farmern ihre hochwertigen Produkte unterm Marktwert abzukaufen oder sich von bekannten Köchen von oben herab behandeln zu lassen.

Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist der immer selbe Handlungsort, der hier leider nicht viel Spannungspotential zulässt. An sich wäre das kein Problem, doch stellenweise hatte ich das Gefühl, wir drehen uns ein wenig im Kreis. Eine Mischung aus Anziehen und Abstoßen, sowie sexuelle Anziehung und den Gedanken, dass ein "wir" aufgrund der Verantwortung und zu erfüllenden Aufgaben nicht möglich ist. Eine Entwicklung habe ich hier kaum erkennen können. Die Interaktion der Charaktere ist dennoch schön zu verfolgen.

Das Ende hat noch einige Überraschungen bereitgehalten. Dinge die ich eher als unwahrscheinlich vermutet hätte sind eingetreten, andere die ich für wahrscheinlich gehalten habe sind nicht passiert. Etwas was ich immer gerne mag, denn das macht alles überraschender und weniger vorhersehbar.

Der "Informationsgehalt" hat mir sehr gut gefallen. Wir erleben hier das Farmer-Leben und damit einhergehend, welche Verantwortung und Aufgaben zu tragen sind. Wir erfahren etwas über die Produktion von Cider und auch das Miteinander der Farmer, die nicht wie erwartet im Konkurrenzkampf stehen, sondern gemeinschaftlich füreinander einstehen.

Ein Reihenauftakt der schön war, jedoch in meinen Augen nicht sein ganzes Potential ausgeschöpft hat. Die Familie rund um Griff hat mich allerdings in ihrer Herzlichkeit und mit ihren Sticheleien überzeugt, sodass ich diese sehr lieb gewonnen habe und gerne wissen möchte, wie es weiter geht ;)