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Veröffentlicht am 01.10.2022

Sinnsuche auf dem Campingplatz

Ein unendlich kurzer Sommer
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Ich hatte mich auf einen schönen und nachdenklichen Sommerroman gefreut, bekommen habe ich diesen leider nicht.

Die Themen dieses Romans scheinen klar zu sein: Sommer, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, ...

Ich hatte mich auf einen schönen und nachdenklichen Sommerroman gefreut, bekommen habe ich diesen leider nicht.

Die Themen dieses Romans scheinen klar zu sein: Sommer, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Liebe, Neuanfang und Flucht vor dem eigenen Leben. Lale ist diejenige, die flieht. Ihr Leben ist ihr zu eng geworden, zu vorhersehbar. Sie bricht alle Brücken zu ihren Lieben ab und genau da lag für mich einer der Knackpunkte bei diesem Roman. Wir sind alle soziale Lebewesen und leben in Beziehungen. Natürlich hat jeder von uns das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Aber die Menschen, die uns wichtig sind, einfach so im Unklaren zu lassen habe ich als egoistisch und narzisstisch wahrgenommen. Ich bin deshalb mit dieser Figur nicht warm geworden, was sich aber der Mitte des Buches noch verstärkt hat, als die familiären Verhältnisse offensichtlich wurden. Sicherlich leidet Lale an Depressionen nach dem Tod ihres Bruders, aber darf sie deshalb den Menschen in ihrem direkten Umfeld weh tun?

Gustav, den grantigen Campingplatz- Betreiber hingegen konnte ich sehr wohl leiden, er ist schwer krank, dies wird schnell klar. Chris, der nach seinen Wurzeln sucht, hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen, hier möchte ich aber nicht verraten warum, sonst müsste ich spoilern und das möchte ich nicht.

Die Spannung ist in dem Roman eher mau, es plätschert eigentlich immer nur so dahin. Die Geschichte wird chronologisch ohne irgendwelche größeren Zeitsprünge erzählt. Der Schreibstil der Autorin zeichnet sich durch viele Dialoge und Gedankensprünge aus, es braucht eine gewisse Zeit, ehe ich ihr folgen konnte. Für mich war es leider nicht das Buch, was ich mir erhofft hatte und so wurde ich enttäuscht. Denn mich hat die Story weder zum Nachdenken angeregt, noch hat es mich berührt. Hier habe ich schon wesentlich bessere Bücher gelesen. Aber vielleicht war es auch einfach nicht meine Geschichte und ich konnte mit der Figur Lales nichts anfangen. Ich überlasse es daher jedem Leser sich selbst ein Urteil zu bilden. Aber für mich ist klar, dass Weglaufen / Verdrängen nichts bringt, denn die Realität holt einen einfach immer wieder ein. Meiner Meinung nach muss man sich immer den Fakten stellen.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Mysteriöse Symbole auf den Opfern

Hafenmörder
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Mit einer guten Story und einem interessanten Ende habe ich diesen Krimi genossen. Ich konnte mich gut in die Probleme von Carl-Jakob Melcher hineinversetzten. In der wesentlichen Geschichte geht es um ...

Mit einer guten Story und einem interessanten Ende habe ich diesen Krimi genossen. Ich konnte mich gut in die Probleme von Carl-Jakob Melcher hineinversetzten. In der wesentlichen Geschichte geht es um eine Reihe von mysteriösen Mordfällen, welche Hamburg in Angst und Schrecken versetzen. Bei allen Opfern hinterlassen die Täter oder der Täter mysteriöse Symbole auf den Gesichtern. Martin Bucher von der Kriminalpolizei bittet Carl-Jakob Melcher um Hilfe in dieser Sache. Bald werden weitere Morde bekannt. Die Zeit läuft beiden davon. Werden sie die Täter finden? Carl-Jakob Melcher ist ein sehr symphytischer Protagonist, welcher trotz seines gesellschaftlichen Standes nichts von der vorgeschriebenen Etikette hält. Er verliebt sich in das Dienstmädchen Clara, welche bei seinem Onkel Heinrich Knudsen, einem wohlhabende Reederei-Inhaber arbeitet. Dabei lässt er nichts unversucht ihr seine Gefühle zu beweisen. Auch sonst ist er ein sehr fleißiger Mann, welcher neben seinem eigentlichen Beruf noch als Hilfsdetektiv für seinen Freund Martin Bucher arbeitet. Als wesentlichen Nebenfiguren kommen Onkel Heinrich Knudsen, Martin Bucher sowie das Dienstmädchen Clara in Betracht. Gerade Clara ist ein sehr interessanter Charakter beweist sie doch, dass mehr in ihr steckt als die Leser es ihr zutrauen würden. Der Schreibstil des Autors ist flüssig, dialogorientiert und gut lesbar. Die Handlung ist in Hamburg des Jahres 1904 angesiedelt und demnach gut nachvollziehbar. Zeitsprüngen sind keine zu erkennen gewesen. Gerade die vielen verschiedenen Wendungen machen diesen historischen Krimi sehr spannend. Auch die sehr detaillierte Beschreibung des typischen Verhaltens der Bevölkerung zu dieser Zeit hat mir sehr gut gefallen. Das Fazit ist positiv. Spannend und mit einem sehr interessanten Ende ist dieser Krimi für gute Lesestunden perfekt geeignet.

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Veröffentlicht am 01.10.2022

Beipackzettel zum Glück

Die kleine literarische Apotheke
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Mit einer fantastischen Idee gesprenkelt war mir dieser Roman in die Hände gefallen. Ich bin aber nicht komplett überzeugt von meiner Ausbeute. In der wesentlichen Story geht es um die junge Blu, welche ...

Mit einer fantastischen Idee gesprenkelt war mir dieser Roman in die Hände gefallen. Ich bin aber nicht komplett überzeugt von meiner Ausbeute. In der wesentlichen Story geht es um die junge Blu, welche ihrem Leben eine neue Wendung geben möchte. Sie eröffnet eine kleine Buchhandlung in Florenz doch aller Anfang ist schwer. Auch im Privatleben gibt es kaum Veränderungen. Plötzlich scheint diese Veränderung einzutreten. Mit einer genialen Idee schafft es Blu zusammen mit ihren Freundinnen ihrer Buchhandlung einen entscheidenden Schub zu geben. Sie verkauft Bücher wie „seelische Medizin“ analog zur Medizin in einer Apotheke. Dabei werden diesen Empfehlungen beigelegt bei welcher Gemütslage dieses Buch am besten geeignet scheint. Wird sie es schaffen auch privat ihr Glück zu finden? Blu ist eine junge selbstbewusste Frau, welche ihren Traum einer eigenen Buchhandlung in die Tat umsetzt. Zusammen mit ihren drei Freundinnen Rachele, Giulia und Carolina lebt sie in einer „Mädels-WG“ und teilt fast ihr ganzes Privatleben mit ihnen. Dennoch zeigt sie in manchen Situationen eine gewisse Unsicherheit, welche sie durch eine übertriebene, fast schon etwas alberne Art zu verdrängen weiß.

Als wesentliche Nebendarsteller können neben ihren drei Freundinnen noch die Cousine von Carolina Sery genannt werden. Dabei hat mir diese neben Carolina noch am besten gefallen, auch wenn ich sie etwas stereotypisch „nerdig“ dargestellt fand. Die Charaktere sind in meinen Augen etwas überzeichnet. Alle kamen als naive fast schon vampartige, männergeile Frauen rüber was in der heutigen Zeit etwas sonderbar klingt. Ich fühlte mich ein wenig in die 90iger Jahre versetzt, aber vielleicht bin ich dabei auch etwas stereotypisch in meiner Meinung. Der Aufbau der Story ist stringent und wird nicht durch Zeitsprünge unterbrochen. Die Übersetzung aus dem italienischen ist gut und verständlich erfolgt. Dialogorientiert und humorvoll fliegen die Seiten nur so dahin. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist der eigentliche Kern der Geschichte. So gut die Idee mit den „Apotheker-Beipackzetteln“ zu den Büchern war so mittelprächtig war ihre Integrierung in die Geschichte. Am Ende des Romans erhalten die Leser einen Einblick in alle „Beipackzettel“ zu den jeweiligen Büchern. Allerdings wird die Umsetzung in die Geschichte nur marginal erwähnt was ich insgesamt etwas schade fand. Das Fazit ist dementsprechend mittelprächtig. Humorvoll und kurzweilig mit einem etwas zu kurzem „Kern“ der Geschichte. Diese Story zwar lesbar, aber nichts Besonderes so wie es der Titel auszudrücken weiß

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Drei Schwestern und das Erbe der Sektkellerei

Der Winzerhof – Das Prickeln einer neuen Zeit
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Linda Winterberg zählt seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen, so war für mich klar, dass ich auch ihre neuste Reihe lesen wollte. Diesmal entführt uns die Autorin nach Wiesbaden in ...

Linda Winterberg zählt seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen, so war für mich klar, dass ich auch ihre neuste Reihe lesen wollte. Diesmal entführt uns die Autorin nach Wiesbaden in die Nachkriegsjahre. Der Familie Herzberg gehört eine Kellerei, welche nach dem Krieg wieder aufgebaut werden will.

Henni, die Hauptfigur des Romans und älteste Schwester, hat von ihrem Vater die Leitung übernommen. Ihre Schwester Lisbeth kehrt nach Wiesbaden zurück, ihr Mann war ein hochrangiger Nazi in Berlin. Das Nesthäkchen Bille hat als Lazarettschwester gearbeitet und wird im Osten vermisst. Auch Hennis Mann wird vermisst, so kann sie nicht auf seine Unterstützung bauen.

Die weiblichen Figuren sind recht liebevoll gezeichnet, aber auch stereotypisch. So versucht Lisbeth als Wohltäterin ihre Schuldgefühle zu betäuben. Sie beschafft Lebensmittel auf dem Schwarzmarkt für die Kinder der Schule. Aber ist damit ihre „Schuld“ als Frau eines hochrangigen Nazis getilgt? Und hier liegt leider die Schwäche des Romanauftakts, alle werden als Opfer dargestellt, aber die Deutschen waren nicht nur die Opfer des Krieges, den Hitler und seine Mannen begonnen haben. Die Schuldfrage wird leider überhaupt nicht thematisiert und dies ist irgendwie schade, hier hätte ich mir definitiv eine differenziertere Darstellung gewünscht.

Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass alle Probleme sich in Wohlgefallen auflösen, die eigentliche Problembehandlung wird meist übersprungen. So hätte ich zum Beispiel gerne mehr von Hennis innerer Zerrissenheit gelesen, bevor sie eine neue Ehe, wenn auch nur um die Firma zu retten, eingeht. Dies passiert auch noch bei einigen anderen Ereignissen in dem Roman, was ebenfalls schade ist. Auch waren mir die Männer in dem Roman allesamt zu blass.

Was ich an dem Roman ausgesprochen mochte, war die Abwechslung und der Erzählfluss, es wurde nie langweilig. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt flüssig zu lesen und die beschreibenden Passagen und die Dialoge haben sich gut ergänzt.

Somit kann ich dem Roman gute und schlechte Seiten abgewinnen, wer an der Oberfläche bleiben möchte und einfach einen Unterhaltungsroman sucht ist hier gut bedient. Wer aber etwas mehr Tiefgang erwartet und sich nicht nur mit einer schwarz-weiß-Färbung zufrieden gibt wird leider enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Eine besondere Frau

Ich bin ja heut so glücklich
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Mit einer schönen, aber auch tragischen Geschichte nach wahren Begebenheiten ist dieser Roman eine schöne Ode an eine interessante, aber nicht sehr bekannte Persönlichkeit. Ich war fasziniert, aber auch ...

Mit einer schönen, aber auch tragischen Geschichte nach wahren Begebenheiten ist dieser Roman eine schöne Ode an eine interessante, aber nicht sehr bekannte Persönlichkeit. Ich war fasziniert, aber auch traurig über das Schicksal von Renate Müller, einer eindrucksvollen Persönlichkeit in einer Zeit, wo die Menschheit auf einen historischen Tiefpunkt hinsteuerte. In der wesentlichen Handlung geht es um das Leben von Renate Müller, welche ihren Traum als Filmschauspielerin lebt. Aufgewachsen in der Provinz schafft sie es mit ihrer besonderen Art und der Unterstützung ihrer Familie ihren Traum zu verwirklichen. Doch bald droht der Traum aufgrund der politischen Verhältnisse in Deutschland zu zerplatzen. Das schönste Lächeln kann die Fratzen des Nationalsozialismus leider nicht zu Umkehr bewegen. Ein verhängnisreicher und tragischer Kampf beginnt.

Die Hauptprotagonistin ist eine sehr lebensfrohe und weltoffene Person. Obwohl in einem kleinen Ort großgeworden, ist sie Veränderungen gegenüber sehr aufgeschlossen und versucht diese positiv anzunehmen. Ihre herausragende Persönlichkeit ist dabei ihre größte Waffe, schafft sie es doch fast alle Menschen positiv zu beeinflussen. Als wesentliche Nebendarsteller der Handlung können die Schauspielerin Sybille, ihre engste Freundin, Georg Deutsch ihre große Liebe sowie ihr Freund aus Kindertagen, Werner Lohse genannt werden. Dabei war mir der Charakter Werner Lohses etwas zu überzeichnet. Anfangs etwas dümmlich verliebt dargestellt entwickelt sich dieser zu einem „Handlanger“ des Naziregimes was ich persönlich etwas zu konstruiert dargestellt fand. Dies ist aber mein einzig größerer Kritikpunkt an diesem insgesamt sehr schön geschriebene Roman. Der Aufbau ist stringent und wird durch punktierte Zeitsprünge unterbrochen, was auf den Lesefluss keinen größeren Einfluss hat. Der Schreibstil der Autorin ist gehoben, dialogorientiert, flüssig und sehr gut lesbar. Als Besonderheit ist ein ausführliches Glossar über die damaligen Handlungsorte, sowie Begriffe der Zeit am Ende des Buches anzumerken. Sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der „innerlichen“ Zerrissenheit von Renate Müller. Sie ist gefangen in ihrem eigenen Schicksal. Dabei wird sie angetrieben von ihrem Traum ihre Liebe zu dem Juden Georg Deutsch unbeschwert fortzuführen, was angesichts der politischen und gesellschaftlichen Umstände sehr schwierig ist. Dabei ist eine Passage im Roman, welche diese innere Leere am besten beschreiben kann. Auf Seite 363 (E-Book) sagt Renate Müller zu ihrer Freundin Sybille: „Ich kann in keine fremde Wirklichkeit mehr hineinschlüpfen, weil meine eigene mich übermannt hat“. Dies ist sinnbildlich für die Tragik der damaligen Schauspielerin. Sie hat es nie mehr geschafft so glücklich zu sein, wie sie es doch einmal gewesen war.

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