Ein Buch, wie eine Umarmung - eine sanfte & altersgemäße Liebesgeschichte!
Dunbridge Academy - WhereverDie Dunbridge Academy begleitet mich schon eine ganze Weile, sodass ich mich unglaublich über den Spin-Off gefreut habe. Zwischen den Seiten der Reihe zu verschwinden, bedeutet für mich Heimkommen, in ...
Die Dunbridge Academy begleitet mich schon eine ganze Weile, sodass ich mich unglaublich über den Spin-Off gefreut habe. Zwischen den Seiten der Reihe zu verschwinden, bedeutet für mich Heimkommen, in der Welt eines schottischen Internats zu verschwinden und davon zu Träumen selbst mit meinen engsten Freunden zur Schule zu gehen - aber mich auch nachts heimlich auf ihre Zimmer zu schleichen oder im Gewächshaus zu feiern, während wir eigentlich schlafen sollten :)
In "Wherever" begleiten wir Scarlett, die schon seit einer ganzen Weile unangefochtene Klassenbeste ist - wäre da nicht George, der seit einem Jahr droht ihr diesen Titel abzunehmen und damit auch ihr Stipendium in Gefahr zu bringen. Nahezu mühelos hält er mit ihren schulischen Leistungen mit und bringt sie mit einem herausfordernden Grinsen sowie einem perfekt passenden lateinischen Zitat fasst zur Verzweiflung. Was jedoch als erbitterte Rivalität angefangen hat, droht sich mit der Zeit in etwas ganz Anderes zu verwandeln. Denn was, wenn für Scarlett mehr auf dem Spiel steht, als George ahnt? Und was, wenn George ein noch viel größeres Geheimnis mit sich herumträgt?
Die Dunbridge Academy hat mich schon nach wenigen Kapiteln wieder zwischen ihren efeubewachsenen Mauern aufgenommen, ich konnte es kaum erwarten die neue Generation der Schüler und Schülerinnen kennenzulernen und bin nur so durch die Seiten geflogen. Das ganze Buch habe ich innerhalb weniger Stunden gelesen, so sehr bin ich in der Geschichte versunken. Diese hat sich für mich als Ganzes wie eine große Umarmung angefühlt, sicher, zum Wegträumen schön, aber gleichzeitig auch so wichtig in ihren vielen kleinen Botschaften.
Scarlett ist eine Protagonistin mit der ich mich sehr identifizieren kann. Sie hat extrem hohe Ansprüche an sich selbst, ihr ist es wichtig in der Schule immer nur die beste Leistung zu erbringen, Fehler zu machen erträgt sie kaum und Regeln kommen ihr wie Mauern vor, gegen die sie auf gar keinen Fall stoßen darf. Sie trägt eine riesige Last an Druck und Erwartungen an sich selbst auf ihren Schultern, eckt mit ihrer leicht strengen Art immer wieder an und bleibt so lange eine Außenseiterin. Es war für mich heilsam zu sehen, dass sie in diesem Buch genau so akzeptiert und gemocht wurde, wie sie ist, gerade dafür gemocht und geschätzt wurde. Ihre Geschichte ist schwer, geprägt von Ablehnung, Einsamkeit und dem Wunsch gesehen zu werden, die Angst davor wieder nur auf die schlimmste Art verhöhnt zu werden. Zu sehen, wie George sie in all ihren Facetten sieht und sie so liebt, wie sie eben ist, hat ganz tief in mir etwas geheilt. Scarlett und George sind sich ähnlich in ihrer Intelligenz, ihrem Streben nach Leistung und ihrer Freude am Lernen. "Academic Rivals" wäre wohl das passende Trope dazu und ich habe es geliebt, wie sie zusammen Latein übersetzt haben, sich gegenseitig verbessert haben. Bei George in jedem Wort zu spüren, wie sehr er Scarlett/Pops mag, bei ihr anfangs deutliche Irritation über sein Verhalten. George ist sanft, aufmerksam, intelligent, hat das größte Herz der Welt, einen neckenden Humor und gleichzeitig einen sehr wachsamen Blick dafür, wie es den Menschen um ihn herum geht. Er ist ein Protagonist, den man nur lieben kann - ja ich fand ihn wirklich ganz, ganz toll.
Während also die Liebesgeschichte für mich keinerlei Wünsche offen gelassen hat, ist das Buch doch so viel mehr. Die Autorin schreibt psychische Erkrankungen mit einem bewundernswerten Feingefühl, treffend, realistisch und zugleich hoffnungsvoll - das fällt mir bei jedem ihrer Bücher auf, aber bei diesem und dem letzten Band der Reihe besonders. Dass auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit auf diese Themen gelenkt wird und sie respektvoll aufgearbeitet werden, finde ich nicht nur wichtig, sondern auch einfach ganz toll :) Das Gefühl der Hoffnung zieht sich auch durch die Darstellungen der Freundschaften in diesem Buch, die zeigen, dass auch wenn man sich anfangs vielleicht nicht versteht, ein zweiter Blick und ein offenes Herz sich immer lohnen. Das gesamte Buch ist in meinen Augen sehr altersgemäß, deckt ein großes Spektrum an Themen ab, die in diesem Alter beschäftigen (z.B. Freundschaft, Sexualität), und vermittelt dabei sanft Werte wie Konsens (George ist ein Meister darin), Akzeptanz und das Gefühl, dass man gut ist, so wie man ist :)
Insgesamt hat mir auch der fünfte Band der "Dunbridge Academy - Wherever" sehr gut gefallen und mich mit seiner sanften Darstellung einer ersten Liebe, engen Freundschaften, einem wunderschönen Internatsetting, der sensiblen Repräsentation von psychischen Krankheiten und vor allem dem Gefühl, dass man schon so gut ist, wie man eben ist, mehr als überzeugt!