Idabel und Dill
Harper Lee und Truman CapoteMit diesen zwei literarischen Figuren haben Harper Lee und Truman Capote den bzw. die jeweils andere in ihren Werken verewigt.
Die beiden Außenseiter kannten sich seit Kindertagen, eine eher schicksalhafte ...
Mit diesen zwei literarischen Figuren haben Harper Lee und Truman Capote den bzw. die jeweils andere in ihren Werken verewigt.
Die beiden Außenseiter kannten sich seit Kindertagen, eine eher schicksalhafte Begegnung, da Capote einige Jahre bei Verwandten wohnte und Lee ein Nachbarskind war. Sie besaß ein Baumhaus; dorthin zogen sich die beiden oft zurück, um sich vorzulesen und sich Geschichten auszudenken. Die Grundsteine für zwei unterschiedliche literarische Karrieren und Werke von Weltruhm wurde dort gelegt.
Das kleine Büchlein (141 Seiten) ist schnell gelesen, enthält auf kleinem Raum aber so viele spannende und interessante Informationen, die zur weiteren Beschäftigung mit den beiden nahezu verpflichten. Einiges war mir schon bekannt, vieles neu. (Die Biografie von Capote ist in Folge dessen schon bei mir eingezogen.) Lavizzari beschreibt die Sommer, die beide als Kinder gemeinsam verbrachten, dann die örtliche Trennung. Den raschen Erfolg Capotes zunächst in der New Yorker Szene, dann weltweit, während es um Lee zunächst still bleibt. Als Capote, gerade frenetisch gefeiert für "Frühstück bei Tiffany" für seine Recherchen zu "Kaltblütig" eine Art Leibwächter und mehr oder weniger eine Sekretärin (offiziell: assistant researchist) braucht, ist Lee zur Stelle, die gerade ihr Manuskript von "Wer die Nachtigall stört" abgeliefert hat. Noch während der Recherchen avanciert ihr Buch zum Beststeller, wird mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet und ungemein erfolgreich mit Gregory Peck in der Hauptrolle verfilmt. Während Lee sich im folgenden aus der Öffentlichkeit zurückzieht, sucht Capote weiterhin das Rampenlicht. Die Arbeit an "Kaltblütig" kostet Capote sechs Jahre seines Lebens und trotz des großen Erfolgs läutet es seinen Untergang ein.
Das hat richtig Spaß gemacht und zeigt wieder einmal, was ich alles noch lesen will ... Immer wieder überraschend, wer wie im Netzwerk der New Yorker Künstlerszene verankert war.
Einziges Ärgernis: Eine der bekanntesten literarischen Figuren, geradezu eine Ikone für Integrität, der Anwalt Atticus Finch, Protagonist in "Wer die Nachtigall stört", wird durchgehend (!) mit einem falschen Nachnamen, nämlich Fink, versehen.
Unbedingt auch empfehlenswert: Der Film "Capote" mit Philip Seymour Hoffman, verdient mit einem Oskar belohnt.