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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.08.2025

Emilia und ihr Weg

Mein Name ist Emilia del Valle
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Emilia del Valle wurde 1866 als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Adligen in San Francisco geboren. Sie wächst, behütet von ihrem fürsorglichen Stiefvater, unter bescheidenen ...

Emilia del Valle wurde 1866 als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Adligen in San Francisco geboren. Sie wächst, behütet von ihrem fürsorglichen Stiefvater, unter bescheidenen Verhältnissen auf. Unbeeindruckt von der Meinung anderer geht Emilia zielstrebig ihren eigenen Weg. Mit nur 17 Jahren schreibt sie einfache Romane, arbeitet sich hinauf bis in die Redaktion von Zeitungen. Sie fühlt sich zu ihrem Kollegen Eric immer mehr hingezogen und begibt sich gemeinsam mit ihm nach Chile, wo sich ein Bürgerkrieg anbahnt. Zugleich geht sie zurück zu ihrer chilenischen Familie, zu ihren Wurzeln.

Bereits das eindrucksvoll gestaltete Cover hat mich in Bann gezogen. In ihrem neuen Roman erzählt Isabell Allende die Geschichte der jungen Emilia. Eindrucksvoll schildert Isabell Allende, wie Emilia einen Weg geht, der für junge Frauen ihrer Zeit ungewöhnlich ist. Sie widmet sich mit Hingabe der schriftstellerischen Tätigkeit und gelangt in die Verlage großer Zeitungen. Für ihre Begabung sprechen die im Buch veröffentlichten Reportagen und Artikel. Auch als Emilia auf ihrer Reise nach Chile seekrank wird, bricht sie diese nicht ab. In Chile angelangt, steht ein Treffen mit ihren Vater bevor, der die Briefe ihrer Mutter nicht beantwortet hat. Es gelingt Emilia, sich mit ihm und ihrer Herkunft auszusöhnen. Dann gerät sie im Bürgerkrieg zwischen die Fronten und riskiert ihr Leben. Die Autorin beschreibt die Schrecken des Krieges, den Hunger und die Todesangst Emilias aber auch der Soldaten schonungslos. Interessant sind auch die politischen Verhältnisse dieser Zeit, schon damals übernahm eine Junta durch Putsch die Macht. Was sich Jahrzehnte später ebenso blutig wiederholen sollte.
Immer wieder an der Seite Emilias ist ihr treuer Freund Eric, mit dem sie bald mehr als Freundschaft verbindet. Wie immer fesselt Isabell Allende durch ihre kraftvolle Ausdrucksweise und den bildhaften Erzählstil. Sie hat mit Emilia eine packende Frauenfigur geschaffen sowie eine spannende Geschichte erzählt. Ich vergebe für diesen Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Verletzte Kinderseelen

Der Sommer am Ende der Welt
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Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim ...

Die Journalistin Hanna begibt sich gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um Recherchen über Verschickungskinder aufzunehmen. Diese Kinder wurden in den 1960er-Jahren in ein Kinderkurheim auf die Insel geschickt. Hanna hat Kontakt zu Susanne, einem ehemaligen Kind, das auch als Erwachsene noch traumatisiert ist. Dann liegt das Tagebuch einer ehemaligen Betreuerin vor der Tür ihres Hotelzimmers, die ihre Recherche voranbringt und zugleich Schreckliches offenbart.

Das ansprechend gestaltete Cover hat mein Interesse geweckt und ich wurde auch von der Leseprobe nicht enttäuscht. Die Autorin Eva Völler ist mir nicht unbekannt, am besten hat mir ihr Roman "Die Dorfschullehrerin" gefallen. Ihr neuer Roman hat die schlimmen Erfahrungen von Kindern zum Inhalt, die in den 1960-er Jahren zu Kinderkuren verschickt wurden. Ihre Recherchen führen sie auf die Insel Borkum, wohin einst ihre Mutter zur Kur verschickt wurde.
Die Realität hatte für Susanne sowie die anderen Verschickungskinder nichts mit einer Kur zu tun. Unfassbar war für mich, dass die Kinder sofort nach ihrer Ankunft nicht mit ihren Vornamen angesprochen, sondern von Betreuerinnen zu Nummern degradiert wurden. Sie mussten diese Frauen sogar noch mit „Tante“ anreden. Unter der harten Aufsicht der Betreuerinnen gab es drastische Strafen, Schläge und Vernachlässigungen, die sogar zum Tod eines Kindes geführt haben.
Die Autorin hat ihre Protagonisten sorgfältig und sehr authentisch charakterisiert.
Zu den liebenswerten Charakteren gehört die Betreuerin Luise, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Anhand der Betreuerin Angela kommt die Unmenschlichkeit zum Ausdruck, der die Kinder ausgesetzt waren. Auch Hanna, Katie und Ole waren interessante Protagonisten, die für Abwechslung gesorgt haben. Eva Völler hat die Ereignisse mit einer Liebesgeschichte verknüpft, die sich etwas zu schnell entwickelte und nicht ganz glaubwürdig war.
Das Tagebuch von Luise ist in Kursivschrift verfasst, was sich sehr angenehm von den übrigen Kapiteln des Buches abhebt.
Eva Völler schreibt sehr einfühlsam und emotional, sie baut überraschende Wendungen in ihr Buch ein. Der Roman hat mich berührt und zum Nachdenken darüber angeregt, weshalb so etwas noch bis zu Beginn der 1970er-Jahre geschehen konnte. Ich vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Gänsehautfeeling

Eisenblume
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Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Thriller ein. Emilia drängt Jakob, sie in das ehemalige Psychiatriegebäude zu begleiten. Sie ist auf der Suche nach einer Toten. Die Jugendlichen gelangen ...

Das düster gestaltete Cover stimmt perfekt auf den Thriller ein. Emilia drängt Jakob, sie in das ehemalige Psychiatriegebäude zu begleiten. Sie ist auf der Suche nach einer Toten. Die Jugendlichen gelangen in das baufällige Gebäude und machen eine schreckliche Entdeckung. Fredrika Storm und Henry Calment werden mit den Ermittlungen beauftragt. Diese führen beide Polizisten in die Vergangenheit, als in der Anstalt zwei Patienten verschwunden sind. Doch bald werden sie mit einem weiteren Todesfall konfrontiert.

Vorliegend handelt es sich um den zweiten Krimi der schwedischen Autorin Frida Skybäck. Ich habe bereits den ersten Band „Schwarzvogel“ mit den sympathischen Ermittlern Fredrika Storm und Henry Calment gelesen. Den zweiten Krimi finde ich jedoch noch viel spannender. Frida Skybäck beschreibt die Suche in dem alten Haus so atmosphärisch, dass ich Gänsehaut bekommen habe. Als eine verweste, in eine Wand eingemauerte Leiche gefunden wird, müssen Fredrika und Henry sich mit einem 35 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall befassen. Ihre Ermittlungen führen sie zu Ärzten und Schwestern, die früher in der psychiatrischen Einrichtung tätig waren. Beide Polizisten haben bald die Gewissheit, dass ihnen etwas verschwiegen wird. Auch die Aussagen ehemaliger Patienten sowie deren Angehörigen bringen die Ermittler zunächst nicht weiter.
Mit den beiden Hauptprotagonisten Frida und Henry hat die Autorin authentische, ausdrucksstarke Charaktere geschaffen, die beide ihre Stärken und Schwächen haben. Es ist interessant zu lesen, wie sich beide trotz ihrer Gegensätze immer weiter annähern. Frida Skybäck hat so viele überraschende Wendungen in ihren Krimi eingeflochten, dass die Spannung nie nachließ. Auch die früheren, zum Teil grausamen Zustände in psychiatrischen Einrichtungen wurden thematisiert. Das Ende hat sich dann völlig überraschen gestaltet. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Der Inspektor und der Totengräber

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Wien im Jahr 1896: Bei dem Zaubertrick „Die zersägte Jungfrau“ stirbt die Darstellerin wirklich. Die Ermittlungen führen Inspektor Leopold von Herzfeldt in den Prater, wo immer wieder junge Frauen vermisst ...

Wien im Jahr 1896: Bei dem Zaubertrick „Die zersägte Jungfrau“ stirbt die Darstellerin wirklich. Die Ermittlungen führen Inspektor Leopold von Herzfeldt in den Prater, wo immer wieder junge Frauen vermisst und später tot aufgefunden werden. Unterstützung erhält er bei seinen Nachforschungen von der Reporterin Julia Wolf sowie von seinem Freund Augustin Rothmayer, dem Totengräber.

Es ist mein erstes Buch, das ich aus der Totengräberreihe von Oliver Pötzsch lese und es wird mit Sicherheit nicht mein letztes sein.
Der Autor versteht es, durch seine flüssige, bildhafte Erzählweise den Leser in Bann zu ziehen. Der historische Krimi verspricht von der ersten bis zur letzten Seite Spannung. Schmunzeln musste ich über die Verbrecherjagd der Polizei in der Dienstkutsche.
Ich kenne den modernen Prater und habe mich gerne von Oliver Pötzsch in den Wurstelprater des Jahres 1896 führen lassen. Hier stehen nicht nur buntes Treiben und Zaubertricks im Vordergrund. Es treiben sich auch düstere Gestalten herum, wie etwa der skurrile Bauchredner mit seiner gruseligen Puppe. Zudem verschwinden hier junge Frauen spurlos. Der Autor überzeugt zudem durch seine authentischen Protagonisten. Leopold, Julia, ihre gehörlose Tochter Sisi, Augustin und seine Ziehtocher Anna sowie deren Freund Emil habe ich sofort ins Herz geschlossen. Vor allem habe ich den Mut von Julia bewundert, die sich unbeirrt in unheimliche Gassen des Praters wagt, um das Schicksal vermisster Frauen aufzuklären. Beeindruckt war ich auch vom Wissensdurst des Totengräbers, der sich perfekt mit Leopold ergänzt hat.
Der Autor spricht aber auch die politischen Verhältnisse dieser Zeit an. Antisemitismus war schon damals ein Thema, wie Leopold immer wieder erfahren musste. Oliver Pötzsch baut perfekt einen Spannungsbogen auf und punktet nicht zuletzt mit Wiener Charme. Mit diesem Krimi habe ich mich bestens unterhalten gefühlt. Ich hoffe auf neue Fälle mit diesen ungewöhnlichen Ermittlern. Für das Buch vergebe ich fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Innige Frauenfreundschaft

Wir sehen uns wieder am Meer
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Eines Tages erhält Juni einen Anruf, der sie über das Schicksal der Freundinnen ihrer Großmutter Tekla in Kenntnis setzt. Im Jahr 1944 arbeitet die junge Krankenschwester Birgit im kalten Norden Norwegens, ...

Eines Tages erhält Juni einen Anruf, der sie über das Schicksal der Freundinnen ihrer Großmutter Tekla in Kenntnis setzt. Im Jahr 1944 arbeitet die junge Krankenschwester Birgit im kalten Norden Norwegens, als sie der 16-jähiren ukrainischen Zwangsarbeiterin Nadia begegnet. Das junge Mädchen muss in einer Fischfabrik Zwangsarbeit leisten. Birgit schließt sich dem Widerstand an und gerät dadurch in Lebensgefahr. Aber auch nach Ende des Krieges gerät sie zwischen die Fronten.

Das Cover passt perfekt zum Titel des Buches und versprüht Lebensfreude.
Mit ihrem Roman „Wir sehen uns wieder am Meer“ legt Trude Teige ihren dritten, perfekt recherchierten Roman vor. Nachdem in ihren bisherigen Romanen Junis Großmutter Tekla sowie ihr Großvater Konrad im Mittelpunkt standen, prägen nun die Freundinnen Teklas die Erzählung.
Die Autorin beschreibt anhand ihrer Protagonistin Birgit die Entschlossenheit und den Mut norwegischer Frauen und Männer, der deutschen Besatzungsmacht Widerstand zu leisten. Der Roman vermittelt an diesen Stellen politisches Hintergrundwissen. Da ist auch Freundin Annelise, die sich freiwillig in den Dienst der Deutschen begibt und erst nach dem Krieg zur Besinnung kommt. Am Beispiel von Nadia wird die Grausamkeit der Nationalsozialisten deutlich, die unter unwürdigen Bedingungen und mit Gewalt Menschen zur Zwangsarbeit verpflichteten. Nach dem Krieg begibt sich Birgit auf der Suche nach ihrer großen Liebe in Moskau in Gefahr. Erneut hat Trude Teige starke, eindrucksvolle Charaktere geschaffen.
Das dritte Buch der Autorin reicht aus meiner Sicht aber nicht völlig an ihre vorhergehenden Romane heran. Erst ziemlich zum Ende des Romans ist Spannung entstanden. Die Figur der Birgit blieb zum Anfang eher oberflächlich. Es war aber berührend zu lesen, wie die Freundschaft der Frauen allen Widrigkeiten standhielt. Ich vergebe für das Buch vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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