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Veröffentlicht am 28.05.2023

Naturalien der Eifel

ENDLICH EIFEL – Band 7
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In „Endlich Eifel“ werden Land und Leute der Region unter einem bestimmten Schwerpunkt vorgestellt. Band 7 ist dem Genuss gewidmet, es geht also vornehmlich um Naturalien.
Interessant ist schon das Format ...

In „Endlich Eifel“ werden Land und Leute der Region unter einem bestimmten Schwerpunkt vorgestellt. Band 7 ist dem Genuss gewidmet, es geht also vornehmlich um Naturalien.
Interessant ist schon das Format als Bugazin, das wie ein übergroßes Taschenbuch daherkommt und inhaltlich mit Reportagen aufwartet. In den Porträts begegnen wir Eifelern, die meist etwas anbauen oder Essbares produzieren, wie Käse oder Printen. Sie werden nahbar dargestellt und agieren im Einklang mit der Natur.
Die Texte variieren abhängig von ihren Verfassern. So haben einige für die Darstellung genau den richtigen Ton getroffen, während andere, beispielsweise mit ellenlangen Temperaturstatistiken, eher langweilen.
Besonders gefallen haben mir der Artikel über eine Sauerteigbibliothek, die Sauerteig aus der ganzen Welt archiviert, und das Kapitel mit typischen Rezepten. In jedem Fall macht das Bugazin Lust darauf, der Eifel einen Besuch abzustatten und ihre Besonderheiten selbst zu entdecken.

Veröffentlicht am 21.05.2023

Allein unter Zombies

Clementine
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Die mehrfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin Tillie Walden spinnt mit „Clementine“ die Geschichte einer Figur eines Computerspiels weiter, das im Universum von „The Walking Dead“ angesiedelt ist.
Dieser ...

Die mehrfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin Tillie Walden spinnt mit „Clementine“ die Geschichte einer Figur eines Computerspiels weiter, das im Universum von „The Walking Dead“ angesiedelt ist.
Dieser erste Band beginnt mit „keuch“, „stich“ und „uargh“, denn natürlich gibt es hier Begegnungen mit Zombies, die erledigt werden müssen. Clementine begegnet auf ihrem Weg nach Norden anderen Menschen, doch Vertrauen schenkt sie keinem so schnell.
Anders als in der Fernsehserie sind die Hauptfiguren des Comics Jugendliche, die einige Erfahrungen erst noch sammeln müssen. Andererseits wird ein natürlicher Umgang mit einer körperlichen Behinderung vermittelt, die der Anerkennung für die Heldin keinen Abbruch tut.
Die Zeichnungen sind komplett in Schwarz-Weiß gehalten und zeugen vom Können der Illustratorin. An manchen Stellen fiel es mir schwer, der Handlung zu folgen, da diese weder aus Bild noch aus Text ersichtlich wurde. Aufgrund des offenen Endes und der ansprechenden Grafik kann ich mir dennoch gut vorstellen, die Reihe weiterzuverfolgen.

Veröffentlicht am 14.05.2023

Die Kämpfe des Lebens

Dry
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Christine Koschmieder verarbeitet ihre eigene Geschichte in Romanform. Die frühesten Erinnerungen stammen aus ihrer Kindheit ab 1982, die jüngsten sind kaum drei Jahre her.
Es geht um die persönlichen ...

Christine Koschmieder verarbeitet ihre eigene Geschichte in Romanform. Die frühesten Erinnerungen stammen aus ihrer Kindheit ab 1982, die jüngsten sind kaum drei Jahre her.
Es geht um die persönlichen Kämpfe, wie den gegen die Krebserkrankung des Partners, um Emanzipation, um Alkoholabhängigkeit. „Mein Leben, das ich bisher als griechische Tragödie mit hohem Hollywoodanteil gelesen habe, so eine, in der die Götter ständig im Drehbuch rumpfuschen.“
Das Buch ist unterteilt in Abschnitte, die bestimmte Zeiträume abdecken, aber nicht chronologisch aufeinanderfolgen. In kleinen Episoden lernen wir die Ich-Erzählerin ausreichend kennen, um zu verstehen, welche Umstände sie in die Entzugsklinik bringen. Die dort verbrachten drei Monate bilden sowohl tragischen Höhepunkt als auch Versöhnung mit der Vergangenheit.
Die Tragikomik des Lebens erhält durch die Protagonistin eine authentische Stimme, der ich gerne zuhörte; Koschmieders geradliniger Erzählton, der ganz ohne Effekthascherei auskommt, geht ans Herz und überzeugt.

Veröffentlicht am 07.05.2023

Ein eigenes Zimmer

Schreibwelten
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50 (hauptsächlich englischsprachige) Schriftsteller der Weltliteratur werden in “Schreibwelten” vorgestellt. Die Portraits haben den Schwerpunkt auf dem Schreibprozess und den Anforderungen an Ort und ...

50 (hauptsächlich englischsprachige) Schriftsteller der Weltliteratur werden in “Schreibwelten” vorgestellt. Die Portraits haben den Schwerpunkt auf dem Schreibprozess und den Anforderungen an Ort und Umstände des Schaffens.
Von festen Abläufen bis zum Schreiben an beliebigen Orten sind alle Ausprägungen vertreten. Man nehme beispielsweise den Schrankkoffer. “Öffnet man ihn jedoch, verwandelt er sich in einen Schreibtisch mit Bücherregal, Schreibmaschine und Schubfächern. Conan Doyle war von seiner Sonderanfertigung begeistert.”, verständlicherweise! Zur Auflockerung werden Zitate und Exkurse mit Themenfokus, wie über Ablehnungsbescheide an die einst unbekannten Autoren, eingestreut.
Zu jedem Autor gibt es mindestens eine ganze bebilderte Seite des typischen Schreibplatzes, manchmal noch zusätzlich Illustrationen einzelner Gegenstände, die den Schreibtisch üblicherweise zierten. Dieser Augenschmaus lädt Bibliophile zum Blättern und Schmökern ein.

Veröffentlicht am 01.05.2023

Ausreis(s)en

Polnischer Abgang
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Im Jahr 1990 macht sich der 14-jährige Jarek mit seinen Eltern aus Polen auf nach Deutschland. Mit dem Argument, deutscher Herkunft zu sein, wollen sie versuchen, dort einzuwandern.
Was in Polen mit dem ...

Im Jahr 1990 macht sich der 14-jährige Jarek mit seinen Eltern aus Polen auf nach Deutschland. Mit dem Argument, deutscher Herkunft zu sein, wollen sie versuchen, dort einzuwandern.
Was in Polen mit dem Kennenlernen der Familienmitglieder beginnt, zieht sich über deutsche Autobahnen und endet im Auffanglager für Flüchtlinge. „Die Zeit im Lager zog sich hin wie ein langer, öder Stau, an dessen Ende mehr und mehr Autos andockten.“
Mir gefielen die Anspielungen auf die Zustände in Polen, die Umstände der Zeit. Der Anfang enthielt originelle Details, wie die Diskussion um einen Gartenzwerg, der unbedingt mit auf die Reise sollte oder die nachvollziehbar angespannte Situation beim Grenzübertritt als „Besucher“.
Ich bedaure, dass Jarek für mich blass blieb, ich kaum seine Gefühle, sein Staunen, seine Ängste nachvollziehen konnte. Mich hätte außerdem noch mehr die Familiengeschichte interessiert. Aus Vorgeschichte, Auseinanderreißen und Auflösen hätte ein emotionaler Handlungsstrang entstehen können.