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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2025

Körper und Geist

ME YOGA
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Nicole Bongartz, Yogalehrerin mit Studio in Köln und bei der Online-Plattform YogaEasy, legt mit „ME YOGA“ ein etwas anderes Yoga-Buch vor. Anders, weil es nicht etwa primär um Yogaphilosophie oder praktische ...

Nicole Bongartz, Yogalehrerin mit Studio in Köln und bei der Online-Plattform YogaEasy, legt mit „ME YOGA“ ein etwas anderes Yoga-Buch vor. Anders, weil es nicht etwa primär um Yogaphilosophie oder praktische Übungen geht und der Yoga-Weg vielmehr der Manifestation der eigenen Bedürfnisse dient. „Denn im Yoga geht es nicht darum, sich besser zu fühlen, sondern darum, sich selbst besser fühlen zu können.“
Offenherzig berichtet die Autorin, wie sie mit den Hürden in ihrem Leben umgegangen ist. Und diese Authentizität vermittelt das Vertrauen in die von ihr vorgestellte Methode. Diese besteht aus einer Mischung aus Journaling, Meditation und Asanas. Das Buch ist so konzipiert, dass mit jedem Kapitel mehr Bewusstsein freigelegt wird, so dass das eigene Lebenskonzept klarer wird oder gar um fehlende Elemente ergänzt werden kann.
Ich habe „ME YOGA“ als sehr inspirierend empfunden, weil es eine Brücke schlägt zwischen körperlichen und mentalen Aspekten. Es regt mich an, mich mit Papier und Stift auszustatten, eingelebte Dinge in meinem Leben zu hinterfragen. In jedem Fall ist es mit dem Lesen allein nicht getan. Ich habe es selbst in der Hand, und wer weiß, was dabei an die Oberfläche tritt.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Hart, aber herzlich

Achtzehnter Stock
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„Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Dort ist es, wo Wanda mit ihrer Tochter Karlie lebt. Sie ist alleinerziehende ...

„Glück lässt sich von Pisse im Treppenhaus nicht abschrecken, Glück findet von Zeit zu Zeit sogar in den achtzehnten Stock.“ Dort ist es, wo Wanda mit ihrer Tochter Karlie lebt. Sie ist alleinerziehende Mutter und hofft auf eine Chance, als Schauspielerin ihre Brötchen zu verdienen.
Der achtzehnte Stock steht für den sozialen Brennpunkt, und der wird hier authentisch dargestellt - von den Dingen, die im Hausflur abgestellt werden, über die Nachbarn bis zur allgegenwärtigen Angst, den Kindern könne etwas zustoßen, wenn sie im Hof unbeaufsichtigt spielen.
Die größte Unterstützung erhält Wanda von ihrer türkischen Nachbarin, von der sie nicht einmal den Namen zu kennen scheint, wird sie doch nur „Aylins Mama“ genannt. Unberücksichtigt bleibt im Verlauf des Buchs, wie sie eigentlich über die Runden kommt, während sie nicht engagiert wird.
Das tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Wir erleben die Protagonistin als Aschenputtel, das in die Welt der Reichen und Schönen hineinschnuppern darf und sich eigentlich nicht für sie verbiegen will. Sprachlich bringt die Autorin auf den Punkt, worin die Herausforderungen dieses Lebens bestehen, so dass ich mich gut darin einfühlen konnte - ein erfrischender Perspektivwechsel!

Veröffentlicht am 13.03.2025

Der Fluss des Lebens

Flusslinien
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Dieser sogenannte „Generationenroman“ kommt eigentlich mit nur zweien aus, während die dazwischen kaum eine Rolle spielt. Unsere Protagonistinnen sind Großmutter und Enkeltochter füreinander.
Erstere, ...

Dieser sogenannte „Generationenroman“ kommt eigentlich mit nur zweien aus, während die dazwischen kaum eine Rolle spielt. Unsere Protagonistinnen sind Großmutter und Enkeltochter füreinander.
Erstere, Margrit, lebt in einem Altersheim und ist mit 102 Jahren trotz ihres hohen Alters immer noch eine aufmerksame Beobachterin und Gesprächspartnerin. Gut für Luzie, die ein Trauma überwinden und wieder neues Vertrauen ins Leben fassen muss.
Es gibt noch weitere liebenswürdige Charaktere, wie Artur, den Fahrer der Heimbewohner und jene selbst, die bald auch in Kontakt mit der jungen Tätowiererin kommen. „Die Haut wird verletzt, und verheilend schließt sie die Tinte unter sich ein.“
Als würden die klugen Dialoge zwischen den Figuren noch nicht reichen, um in diesem Roman zu versinken, lässt er uns auch noch sprachliche und philosophische Gedankenspiele miterleben.
„Flusslinien“ begeistert mich mit dem Hamburger Elbstrand als Handlungsort und der Verarbeitung der großen Themen des Lebens auf eine sehr charmante Art.

Veröffentlicht am 08.03.2025

Mütter und Töchter

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Eine Familiengeschichte über ein Jahrhundert und fünf Generationen mit dem Fokus auf die Ahnenlinie der Frauen. Im Mittelpunkt stehen Martha und ihre Tochter Raisa, über deren Zusammenleben etwas Düsteres ...

Eine Familiengeschichte über ein Jahrhundert und fünf Generationen mit dem Fokus auf die Ahnenlinie der Frauen. Im Mittelpunkt stehen Martha und ihre Tochter Raisa, über deren Zusammenleben etwas Düsteres schwebt, was selbst für die Tochter schwer zu greifen ist. „Kannst du bitte normal mit mir reden, so wie andere Mütter auch?“
Eigentlich reizen mich in Romanen die Verstrickungen zwischen den Figuren, und derer gibt es einige. So erfahren wir in Zeitsprüngen von einer schwierigen Vergangenheit, können Verhalten in der jüngsten Zeitebene anders interpretieren.
Mein Problem mit diesem Roman liegt aber genau in diesem Interpretieren. Wir werden mit vielen Andeutungen konfrontiert, durch die dramatische Ereignisse blass bleiben und eine Distanz zu den Figuren entsteht. Ich hätte mir gewünscht, mich in ihre Probleme einfühlen zu können; das ist mir nur selten gelungen.
Gut gefallen hat mir die Darstellung einer kindlichen Freundschaft, die durch Phantasie und Offenheit geprägt ist. Auch sprachlich habe ich das Buch als sehr ansprechend empfunden.

Veröffentlicht am 16.02.2025

Meer oder nicht Meer

Meeresleuchten
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Was macht den hohen Norden aus? „Meeresleuchten“ nimmt uns mit nach Schleswig-Holstein und gleichzeitig auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Region und seiner Bewohner.
Die Verfasser der Gedichte ...

Was macht den hohen Norden aus? „Meeresleuchten“ nimmt uns mit nach Schleswig-Holstein und gleichzeitig auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Region und seiner Bewohner.
Die Verfasser der Gedichte dieser Anthologie sind dort geboren oder haben dort gelebt, auch einige Dänen, wie Hans Christian Andersen, finden sich in der illustren Runde wieder. Doch begegnet sein können sie sich nicht allesamt, denn die Ältesten unter ihnen sind im 17. Jahrhundert gestorben, während andere heute noch am Leben sind.
Die sachdienlichen Hinweise des Herausgebers bieten eine hilfreiche Einordnung, denn manches Gedicht gibt seine geographische Einordnung nicht direkt zu erkennen. Geht es um Liebe oder Glaube, hätte dies im Prinzip überall so stattfinden können.
Und dann gibt es eben die typischen Texte, die auf die Landschaft anspielen („O, so grüß‘ mir meinen fernen Kühlen Meeresstrand!“, Theodor Storm: In die Heimat) oder gar in Plattdeutsch verfasst wurden („Aanten int Water, Wat værn Gesnater!“, Klaus Groth: Aanten int Wader) und somit für mich den besonderen Reiz dieser Sammlung ausmachen.
Schön ist es auch, hier bekannte Werke wiederzufinden, die bisher ganz ohne örtliche Verknüpfung auf mich gewirkt hatten (Matthias Claudius: Abendlied oder Christian Adolf Overbeck: An den Mai).
„Meeresleuchten“ wartet mit einer überraschenden Vielfalt von Poesie auf, die mal mehr, mal weniger ihren Ursprungsort offenbart. Das mit Leinen und Folie gestaltete Büchlein ist auch äußerlich eine Bereicherung für das Lyrikregal.