Mit sozialistischem Gruß
Deine Margot„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja ...
„Ich weiß, dass es eine Margot gab. Das war eine Person, die deinen Vater Erich nannte. Aber ich weiß nicht, wer das war. Und will es auch jetzt nicht wissen. Sei so gut, vernichte diese Briefe.“
Vilja hat „diese Briefe“ gefunden und beginnt, den Spuren jener Zeit nachzugehen, in der ihre finnische Familie in der DDR lebte. Sie will verstehen, welche Rolle sie in der Beziehung zwischen „Erich“ und „Margot“ spielte.
Die Puzzleteile fügen sich aus Episoden der Jahre zwischen 1983 und 2012 zusammen. Wie der Vater, der als Journalist tätig war, nimmt auch die Tochter die Recherche auf. Von Berlin aus sammelt und verknüpft sie die Aussagen ihrer Gesprächspartner, um der Wahrheit näherzukommen.
Es ist eine besondere Perspektive, die die Autorin mit ihren Figuren teilt: die von Ausländern aus einem westlichen Land, die sich bewusst auf ein Leben in der DDR einließen. Dadurch wirkt manches fremd oder verschoben, etwa wenn vom „Sandmännchen“ als „Abendmärchen“ die Rede ist, eine Bezeichnung, die wohl kaum jemand verwenden würde, der damit aufgewachsen ist.
Neben Einblicken in politische und gesellschaftliche Entwicklungen geht es um familiäre Strukturen, den Alltag mit Kinderkrankheiten und Haushalt - und darum, wie viel eine Familie aushält, wenn eine fremde Frau dazwischenkommt.
Mir hat es ausgesprochen gut gefallen, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten. Es wurden Erinnerungen geweckt und zugleich um neue Aspekte ergänzt, etwa den wenig bekannten Blick auf Finnen in der DDR. Die Spurensuche ist spannend und authentisch erzählt, und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Romans.