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Veröffentlicht am 16.04.2025

Engine 99

Devil's Kitchen
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Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, ...

Andy heißt nicht wirklich Andy, und eine „echte“ Feuerwehrfrau ist sie auch nicht. Stattdessen arbeitet sie undercover, um eine Bande Feuerwehrleute zu überführen. Die legen Brände statt sie zu löschen, und das sind noch ihre harmloseren Vergehen. Für Feuerwehrmann Ben wird die Lage schnell brandgefährlich, schließlich hat er Andy erst auf die Spur seiner Kollegen gebracht und droht jetzt jederzeit mit ihr aufzufliegen.
Helfer in der Not, die diese Not gnadenlos ausnutzen, ja sogar aktiv herbeiführen? Perfide. Und als Konzept für diesen Thriller wirklich toll ausgedacht. Fox nimmt uns mit in eine Welt, in der der Umgangston hart, die Einsätze lebensgefährlich und die Gier grenzenlos ist. Andy ist eine taffe Frau, die sich dieser Umgebung anpassen kann. Sie nimmt viel auf sich und hält einiges aus und das muss sie auch. Ben wirkt im Gegensatz dazu fast weich, auch wenn er es ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat. Der Rest der Truppe wirkt wie ein Haufen zusammengewürfelter Psychopathen; fast ist man froh über das Nachwort, in dem die Autorin ausdrücklich darauf hinweist, dass ihr bei der Recherche niemand auch nur ansatzweise so Durchgeknalltes in einer Feuerwache begegnet ist. Aber man merkt als Leser schnell, dass in dieser Welt doch noch ein etwas altbackener und sehr männlicher Wind weht, ein teilweise toxisches Umfeld. Das Szenario ist sicherlich nicht superrealistisch, geht aber als Thriller gut auf. Fox erzählt in lockerem Stil, die Handlung ist durchweg spannend; jederzeit rechnet man damit, dass Andy und Ben auffliegen. Die Sprache ist derb und heftig, das passt hervorragend zur Handlung. Ab und an fand ich den Thriller dann etwas zu übertrieben, insgesamt hat mich Fox aber wieder überzeugt. Ein heftiger Thriller, der sich schnell wegliest und dabei wirklich gut unterhält.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Leider mehr erhofft

Dream Count
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Chia nimmt den Coronabedingten Lockdown zum Anlass Bilanz zu ziehen, was ihre Beziehungen angeht. Einige Männer haben sie in ihrem Leben über kurz oder lang bisher begleitet, geblieben ist keiner. Was ...

Chia nimmt den Coronabedingten Lockdown zum Anlass Bilanz zu ziehen, was ihre Beziehungen angeht. Einige Männer haben sie in ihrem Leben über kurz oder lang bisher begleitet, geblieben ist keiner. Was ihr dagegen bleibt, sind ihre Cousine Omelogor, ihre beste Freundin Zikora und nicht zuletzt ihre Haushälterin Kadiatou. Vier Frauen, die vieles eint, aber auch einiges trennt.
Ich habe bereits die anderen Romane der Autorin gelesen (z.T. auch verschlungen) und muss leider sagen, dass Dream Count nicht ganz an meine (vermutlich zu) hohen Erwartungen herankam. Das liegt zum einen am etwas chaotischen Aufbau, der Tatsache, dass ich mit Chia nicht ganz so viel anfangen konnte und nicht zuletzt dem Schluss des Romans. Dazwischen gibt es großartige Szenen, die die Autorin mit viel Feingefühl skizziert. Überhaupt hat mir ihr Schreibstil über weite Strecken wieder sehr gut gefallen, sie kann Situationen und Gefühle so authentisch rüberbringen. Auch thematisch kann der Roman viel, Kritik an patriachialen Strukturen, Rassismus, Sexismus, dem Arm-Reich-Gefälle undundund. Viel Stoff, der aber doch die Handlung dabei nicht überfrachtet.
Die vier Frauen sind sich in vielem sehr gegensätzlich, doch ihre nigerianische Herkunft eint sie ebenso wie die Tatsache, dass sie jede für sich viel mitgemacht haben. Die Autorin lässt jede der vier zu Wort kommen, dabei wechselt auch die Erzählperspektive, was zu Beginn etwas unerwartet kam. Zudem ist die Handlung nicht chronologisch, was die Zuordnung schon mal etwas erschwert. Hat man die Ereignisse aber für sich einsortiert, wird man auch meist belohnt. Mir haben die Handlungsstränge rund um Kadiatou und Omelogor am besten gefallen, wohingegen ich Chia bis zum Schluss weder sonderlich leiden noch verstehen konnte. Etwas einseitig fand ich die Darstellung von Männern im Allgemeinen, sie zeigen hauptsächlich negative Eigenschaften, was ich doch sehr vereinfacht finde. Natürlich ergibt sich das daraus, welche Erfahrungen die Frauen mit ihnen gemacht haben, doch an der ein oder anderen Stelle machte das die Message doch zu plakativ für meinen Geschmack.
Insgesamt ist Dream Count ein Roman, den man sich zwar etwas erarbeiten muss, den ich aber trotz einiger Kritikpunkte weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Eingepfercht

Die Kammer
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Ellen Brooke ist eine der wenigen Sättigungstaucherinnen der Welt, gerade ist sie mit ihrer Truppe zu einem neuen Einsatz in der Tiefe gestartet. Die Enge und die Druckverhältnisse in der Kammer bergen ...

Ellen Brooke ist eine der wenigen Sättigungstaucherinnen der Welt, gerade ist sie mit ihrer Truppe zu einem neuen Einsatz in der Tiefe gestartet. Die Enge und die Druckverhältnisse in der Kammer bergen schon unter normalen Umständen nicht nur große physische, sondern auch psychische Herausforderungen. Doch als ein Teammitglied stirbt, stehen die Verbliebenen vor den vermutlich härtesten Tagen ihres Lebens, denn: sie können nicht hinaus. Die Helfer können nicht hinein. Und das Sterben scheint noch nicht vorbei.
Deans Thriller hat mich wirklich mitgerissen. Allein das Setting ist schon so fremd, dass man möglichst schnell mehr über diesen außergewöhnlichen Ort und Beruf erfahren möchte. Bei aller Spannung lässt sich der Autor dabei auch Zeit vieles genau zu erklären, um den Leser möglichst authentisch mitzunehmen in die Kammer. Auch technische Details werden verständlich in die Handlung eingearbeitet, überhaupt hat mir Deans Erzählstil wirklich gut gefallen.
Die Zeit bis zur Rückkehr wird für die Verbliebenen zu einer nervenaufreibenden und zermürbenden Zerreißprobe. Obwohl alle psychischen Druck gewöhnt sind und mit den speziellen Herausforderungen ihrer Arbeit umgehen können, zeigt der Autor doch sehr gut wie die Situation an jedem nagt. Ellen führt als Erzählerin durch die Handlung, die anderen Crewmitglieder lernt man erst nach und nach kennen. Sie hat eine ruhige und bedachte Art, alles was man von jemandem mit diesem Job erwarten kann. Doch auch sie hat Geheimnisse und eine Vergangenheit, wie alle Beteiligten. Dean zeigt sehr geschickt, wie sich Stress und Anspannung auf das quasi blinde Vertrauensverhältnis untereinander auswirken, wie Extremsituationen alles ändern können. Diese Einblicke waren für mich einer der ganz großen Stärken des Thrillers. Die Story hat mich wirklich glänzend unterhalten, einzig die Auflösung wirkte auf mich etwas schwächer, wenn auch schlüssig. Trotzdem empfehle ich ihn gerne weiter, da das tatsächlich irgendwie kaum ins Gewicht fällt.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Camplife

Der Gott des Waldes
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Im Camp Emerson soll der Sommer 1975 eigentlich wie im Fluge vergehen, zahlreiche Aktivitäten gibt es am Rande des Naturreservates zu entdecken. Doch kaum hat es begonnen, müssen die Jugendlichen mit einer ...

Im Camp Emerson soll der Sommer 1975 eigentlich wie im Fluge vergehen, zahlreiche Aktivitäten gibt es am Rande des Naturreservates zu entdecken. Doch kaum hat es begonnen, müssen die Jugendlichen mit einer Tragödie umgehen: Barbara van Laar, ausgerechnet die Tochter der Gründerfamilie des Camps ist spurlos verschwunden. Sollte es wirklich Zufall sein, dass es genau Barbara getroffen hat? Deren Bruder Bear ebenfalls vor Jahren verschwand?
Liz Moore hat einen wirklich sehr spannenden Roman abgeliefert, der es aber auch versteht die leisen Zwischentöne zu treffen. Ich mochte Long bright river schon gerne, aber dieser Roman hier ist jetzt wirklich rund und im Gesamteindruck sehr gelungen.
Durch verschiedene Perspektivwechsel und Zeitsprünge lernt man das Familiengefüge der Einzelnen in immer neuen Facetten kennen und verstehen. Auch Campbewohner wie Teenie Tracy oder die Leiterin kommen zu Wort, sie alle haben Anteil an Barbaras Verschwinden. Die Figuren in diesem Roman sind interessant und vielschichtig gestaltet, ein echtes Highlight dieses Buches. Auch die Landschaft hat ihren Anteil an der Handlung, mal als Spielplatz, mal als unbestimmte Bedrohung, mal als Zufluchtsort, immer ist die Natur und Geschichte der Gegend präsent und untermalt die starke Atmosphäre.
Moore rollt den Kriminalfall langsam auf, Vermutungen werden angestellt, falsche Fährten verfolgt, Vorurteile spielen ebenfalls eine große Rolle. Geheimnisse werden nach und nach enthüllt, die Sozialstrukturen der 70er Jahre spielen ebenso eine Rolle wie die Kluft zwischen Arm und Reich; auch die Rolle der Frau wird immer wieder thematisiert. Bei allem Krimifeeling im Vermisstenfall spielt Sozialkritik also doch einen großen Part im Roman.
Mir hat diese Mischung aus Gesellschaftsstudie und Kriminalfall gut gefallen, auch die Auflösung fand ich wirklich stimmig. Ein toller Roman.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Das Ende?

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Vor 90 Jahren hat ein tödlicher Nebel die Welt eingehüllt, fast alle Menschen sind ihm zum Opfer gefallen. Einzige Ausnahme: ein paar Wissenschaftler, die sich mit anderen auf eine Forschungsinsel zurückziehen ...

Vor 90 Jahren hat ein tödlicher Nebel die Welt eingehüllt, fast alle Menschen sind ihm zum Opfer gefallen. Einzige Ausnahme: ein paar Wissenschaftler, die sich mit anderen auf eine Forschungsinsel zurückziehen konnten. Dort leben sie seitdem von dem wenigen, das sie anbauen können und haben sich mehr oder weniger mit der Situation arrangiert. Doch eines Tages wird eine der Ältesten ermordet und mit ihrem Tod steht plötzlich das Überleben der kompletten Gemeinschaft auf dem Spiel.
Stuart Turton schreibt oft Bücher, die immer ein bisschen anders sind, lässt dabei Genregrenzen verschwimmen und unterhält mit dieser Mischung ganz hervorragend. Auch bei diesem Krimi-SciFi-Mix hat er wieder abgeliefert und mich schnell für seine Geschichte begeistert.
Schon die Erzählperspektive ist ungewöhnlich: Abi, eine Art KI, mit der alle Dorfbewohner verbunden sind, erzählt die Story aus ihrer Sicht. Diese wahrhaft allwissende Erzählerin ist jedoch ebenfalls nicht allmächtig, denn sie ist an Befehle der Ältesten gebunden und so weiß man irgendwann doch nicht mehr wie sehr man ihr trauen kann. Die sozialen Beziehungen der Dorfbewohner sind von Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftsgefühl geprägt, Fehden, Streits etc. scheinen ihnen komplett fremd zu sein. Das lässt ein Gefühl von Heile Welt aufkommen, obwohl an dieser postapokalyptischen Szenerie nun wirklich nicht alles heile ist. Der Mord lässt vieles ans Licht kommen, oft auf verschlungenen Wegen. Ich habe wirklich mit Emory mitgefiebert, ob sie es schafft, das Rätsel zu lösen und natürlich im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zu retten. Der Countdown läuft immer im Hintergrund mit und sorgt so natürlich für noch mehr Spannung. Turton erzählt locker, zwischendrin wirkt seine Szenerie fast schon märchenhaft und doch haben die ermittlerischen Fähigkeiten von Emory ebenso Hand und Fuß. Mir hat diese Mischung wirklich gut gefallen.

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