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Veröffentlicht am 10.05.2020

Der letzte Wisting für mich

Wisting und der fensterlose Raum
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Nach dem Tod eines Politikers werden in seinem Haus am See Kartons voller Bargeld gefunden. 80 Millionen Kronen, deren Ursprung sich niemand erklären kann. Unter strenger Geheimhaltung soll Wisting mit ...

Nach dem Tod eines Politikers werden in seinem Haus am See Kartons voller Bargeld gefunden. 80 Millionen Kronen, deren Ursprung sich niemand erklären kann. Unter strenger Geheimhaltung soll Wisting mit seinem kleinen Team der Sache auf die Spur kommen.

Schon nach dem ersten Band dieser Reihe hatte ich eigentlich das Fazit gezogen, keinen weiteren mehr lesen zu wollen. Doch vom Klappentext war ich dann doch neugierig geworden ; ) Leider schafft es der Autor wieder nicht, aus seinem durchaus gut konstruierten Fall einen richtigen Knüller zu machen. Zwar sind die vielen Wiederholungen, die sich dadurch ergeben, dass sowohl Wisting als auch seine Tochter Line denselben Fall recherchieren, etwas weniger, trotzdem werden einige Fakten mehr als einmal durchgekaut. Auch sonst kommt nicht so viel Spannung auf wie man anhand des Plots erwartet. Wisting und Line sind sympathisch, viel mehr Beziehung baut man aber auch in Band 2 nicht zu ihnen auf. Alles scheint recht distanziert, echte Ermittlerleidenschaft kommt nicht zum Tragen. Insgesamt ist der Krimi nicht ganz schlecht, hebt sich aber kaum aus der Masse heraus. Fazit also auch dieses Mal wieder: keine weiteren Wistingbände für mich. Ernsthaft diesmal.

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Veröffentlicht am 06.05.2020

Zerfall

Nulluhrzug
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Mitten im russischen Nirgendwo liegt Bahnstation Neun. Früher einmal eine produktive Stätte, es gab viele Arbeiter, die in Sägewerk und in der Fabrik für Schwellenimprägnierung malochten und in den Baracken ...

Mitten im russischen Nirgendwo liegt Bahnstation Neun. Früher einmal eine produktive Stätte, es gab viele Arbeiter, die in Sägewerk und in der Fabrik für Schwellenimprägnierung malochten und in den Baracken hausten. Und natürlich den Nulluhrzug, hundert Wagons lang, der jede Nacht pünktlich um Mitternacht durch die Station saust. Ursprung: unbekannt, Ziel ebenso. Und doch bestimmt der Zug das Leben, sogar noch als alle Arbeiter nach und nach abgezogen und nur noch einige wenige Bewohner zurückbleiben.
Buidas Parabel ist in ihrer Kürze doch sehr intensiv und erschütternd. Die Monotonie und Einsamkeit des Tuns der Siedler stimmt genauso nachdenklich wie die in einem Nebensatz ausgelebte Grausamkeit des Systems. Wer etwas hinterfragt, Sinn und Zweck des Zuges etwa, verschwindet über kurz oder lang. Überhaupt ist der Zug der Inbegriff der Sinnlosigkeit, niemand weiß wozu er fährt, warum er Lebensinhalt aller sein soll. Als Leser bleibt man genauso ahnungslos wie die Protagonisten, die deprimierende Grundstimmung kommt ebenso nahtlos rüber. Ich konnte mich sprachlich nicht so recht auf die Geschichte einlassen, war aber trotzdem davon an die Seiten gebunden, eben auch, weil man wenigstens einen kleinen Silberstreif am Horizont erhofft. Im historischen Kontext (tolles Nachwort) bekommt „Nulluhrzug“ noch einmal etwas mehr Tiefe, die mir sonst vielleicht entgangen wäre. Keine einfache Kost, aber in ihrer Kürze umso aussagekräftiger.
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Veröffentlicht am 25.04.2020

American dirt

American Dirt
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Eben noch war es ein fröhliches Familienfest, jetzt sind Lydia und ihr 8jähiger Sohn Luca die einzigen Überlebenden eines brutalen Mordanschlags. Ihr Mann hat sich durch seine Arbeit als Journalist ins ...

Eben noch war es ein fröhliches Familienfest, jetzt sind Lydia und ihr 8jähiger Sohn Luca die einzigen Überlebenden eines brutalen Mordanschlags. Ihr Mann hat sich durch seine Arbeit als Journalist ins Visier des beherrschenden Kartells in Acapulco gebracht, jetzt musste die ganze Familie einen blutigen Preis zahlen. Lydia und Luca fliehen, nur mit dem was sie am Leib tragen. Nach Norden geht es. Die USA sind das Ziel. Doch der Weg ist weit und gefährlich.
Jeanine Cummins Roman zeigt auf erschreckende Art und Weise wie schnell die eigene kleine Welt doch aus den Fugen geraten kann. Zwar war sich die kleine Familie der Gefahr durchaus bewusst, aber wirklich damit gerechnet hat niemand. Lydia wächst jetzt über sich hinaus, einfach weil sie es muss. Ich finde ihre Figur sehr realistisch gezeichnet, ihre Angst und Verzweiflung wirken genauso echt wie die Liebe zu ihrem Sohn Luca. Mich hat manchmal gestört, dass Lucas Gedanken oft viel zu erwachsen sind, schließlich ist er erst 8 Jahre alt. Natürlich verändert sich ein Kind in so einer besonderen Situation, trotzdem wirkte es nicht ganz stimmig auf mich. Auch die anderen Protagonisten agieren sehr realitätsnah, und so wird die Reise nach Norden nicht nur gefährlich, sondern bringt einen immer wieder auch ins Grübeln. Die Thematik ist brandaktuell, und Cummins‘ Roman auch ein politisches Statement. Ihre Sprache ist ebenso eindringlich wie ihre Handlung erschütternd ist. Ich fand „American dirt“ bis auf wenige Abstriche sehr gelungen, und bin auch auf die Verfilmung gespannt.

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Veröffentlicht am 12.04.2020

Vardo

Vardo – Nach dem Sturm
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Ein plötzlicher Sturm wird für ein kleines norwegisches Dorf zur Katastrophe, sind doch fast alle Männer beim Fischen umgekommen. Plötzlich müssen die Frauen nicht nur mit ihrem Kummer, sondern auch auf ...

Ein plötzlicher Sturm wird für ein kleines norwegisches Dorf zur Katastrophe, sind doch fast alle Männer beim Fischen umgekommen. Plötzlich müssen die Frauen nicht nur mit ihrem Kummer, sondern auch auf sich allein gestellt in der Wildnis klarkommen. Auch Maren hat nicht nur ihren Vater, sondern auch ihren Verlobten verloren. Am anderen Ende von Norwegen dagegen, wird Ursa in die Hände ihres, ihr noch völlig fremden, Verlobten gegeben. Der soll bald eine neue Stelle als Comissioner antreten: in Vardo.

Der Roman beruht auf historischen Tatsachen, auch wenn schon die Grundhandlung wie etwas klingt, dass einer Autorenfeder entsprungen ist. Für mich ist leider ein Teil dessen weggelassen worden, was mich an diesem Roman am meisten gereizt hat; gerade auf die letzten Seiten wird davon ein wenig gequetscht, und so hat die Handlung nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen. Die Zeichnung der Figuren ist jedoch sehr gut gelungen, man lernt die beteiligten Frauen sehr gut kennen und kann bei vielen schon früh erahnen wie sie sich verhalten werden. Trotzdem hofft man oft, dass es vielleicht doch anders kommt. Wirklich einfühlen kann man sich in die Figuren nicht, oft wird das Geschehen doch eher kalt und distanziert berichtet. Immer wieder wirkt alles wie eine in die Länge gezogene Reportage, eine düstere und beklemmende Reportage. Mich hat der Roman nicht ganz abholen können, obwohl ich die wahre Geschichte rund um die Vardofrauen wirklich interessant fand.

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Veröffentlicht am 28.03.2020

Spannender Abschied von Kraken

Die Herren der Zeit
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Eigentlich wollte Unai nur zu einer Lesung gehen, der aktuelle Bestseller „Die Herren der Zeit“ hatte ihn wie so viele andere auch gefesselt. Der geheimnisvolle Autor des Romans taucht nicht auf, dafür ...

Eigentlich wollte Unai nur zu einer Lesung gehen, der aktuelle Bestseller „Die Herren der Zeit“ hatte ihn wie so viele andere auch gefesselt. Der geheimnisvolle Autor des Romans taucht nicht auf, dafür aber eine Leiche in den Waschräumen. Unai erkennt den Modus operandi sehr schnell; wird er doch im Roman aufs Genaueste beschrieben. Doch der Mörder ist noch nicht am Ende.
„Die Herren der Zeit“ ist der Abschluss der Trilogie über die weiße Stadt Vitoria. Ein gelungener Abschluss, den man aber mit einem weinenden Auge zuklappt, denn Unai und seine Truppe habe ich wirklich gerne bei ihren Ermittlungen begleitet, und hätte gerne noch mehr von ihnen gelesen. Die Handlung spielt dieses Mal auf zwei Zeitebenen: einmal die aktuellen Ereignisse in Vitoria 2019, zum anderen bekommt man Auszüge aus dem fiktiven Bestseller zu lesen, der um 1200 spielt. Trotzdem greifen die beiden Handlungsstränge gut ineinander. Die Autorin vermag es ganz hervorragend historische Fakten, Sehenswürdigkeiten und Eigenheiten von Vitoria wie selbstverständlich einfließen zu lassen. Ich mag ihren Erzählstil sehr gerne, auch wenn manche Dialoge etwas holprig geraten sind; was natürlich auch an der Übersetzung liegen mag. Trotzdem nimmt einen das Geschehen schnell mit, und so fallen die kleinen Unstimmigkeiten kaum ins Gewicht. Die Handlung ist raffiniert konstruiert, vorhersehbar ist kaum etwas und so tappt man lange im Dunkeln. Ich mochte diesen Thriller sehr, und hoffe trotz allem auf ein Wiedersehen mit Kraken & Co.

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