Turbulent. Unterhaltsam. Herzallerliebst.
Die Arcyrion-Akten – Fall 2: Die falsche VerbrecherinKiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin ...
Kiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin alltäglichen Kleinigkeiten nach. Außerdem wäre da noch das mehr schlecht als recht laufende Talent-Training bei Gina Monroe, die Ungewissheit, in welcher Beziehung Neith zu ihr steht, der sich merklich verschlechternde Zustand von Aiken und Kiaras eigene Trauer.
Doch als in einem schwer gesicherten Lagerhaus von V.A.U.L.T. eingebrochen und ein fragliches Artefakt entwendet wird, Tote auftauchen und ihre Freundin verdächtigt wird, spitzt sich die Lage für Brocks, Draven und ihr „Team“ zu. Schon bald wünscht sich Kiara die ruhigen Tage sehnlichst zurück … denn die Zeit, um den tatsächlichen Schuldigen zu finden, läuft unaufhörlich ab …
Teil zwei der Arcyrion-Akten entfaltet rasch einen ganz eigenen Sog, der uns zum einen die verlorene Welt der Dreuaner sowie die hiesige, noch immer nicht freie, von Ungerechtigkeiten und veralteten Hierarchien dominierte Situation der „Flüchtlinge“ und zum anderen die relevanten, bereits bekannten Figuren näherbringt.
Luke, der mit einer Krankheit und seinen düsteren Zukunftsaussichten; Draven, der mit seinem Stand unter seinesgleichen und dem, was in ihm wohnt, ringt. Gina, die nicht in der Position ist, Schwäche zu zeigen, und sich bereits durch zu viele Kämpfe geschlagen hat. Neith, die um keinen Preis ihre Geheimnisse offenbaren will, selbst wenn das bedeutet, ein Dasein als Gefangene zu fristen. Etwas, das Kiara unter keinen Umständen zulassen kann und wird – eine nervenaufreibende, aussichtslose Spurensuche, schwelende Konflikte und gewagte Schauspielerei (…) stehen auf dem Plan. Dabei sind die Initiatoren des Schlamassels näher als geahnt und der wahre Strippenzieher ein Gegner, der mit Macht und Einfluss selbst Hochsicherheitsorganisationen infiltrierte …
Zuerst: Evelyne Aschwanden leitet den zweiten Teil ihrer Urban-Fantasy-Serie mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse ein und beendet diesen mit einem Glossar – besser geht’s nicht!
Die Handlung setzt ungefähr drei Monate nach Kiaras Kündigung im öden Bürojob an, sodass ein deutlicher Fortschritt in ihren Fähigkeiten sowie ein spürbares Einfinden in der übernatürlichen – dreuanischen – Gesellschaft zu vernehmen ist. Neben Brocks sind vor allem Arik Draven, den ich unglaublich schätze und ins Herz geschlossen habe, Luke Vanderbilt, der mit sensiblen Seiten und unerwartet harschen Fähigkeiten mehrfach zur Hilfe eilt, Neith Morrigan, ein impulsives Feuer-Talent mit zwielichtigem Geschäftssinn, und Gina Monroe, Wächterin und Anführerin der Dreuaner, detailreich ausgearbeitet und stets präsent. Eben immer vor Ort, wenn Chaos ausbricht …
„Die falsche Verbrecherin“ ist spannend aufgebaut, zu keiner Zeit langweilig, oft herzerwärmend und durch Evelynes authentischen, humorvollen Stil leider zu schnell vorbei. Feingliedrig wurde sich eine urbane Welt erdacht, in der alles – von den unterschiedlichen Talenten und Daemonen bis zu den Taschendimensionen und den involvierten Menschen – logisch abgestimmt scheint. Für den Fall zuträgliche sowie allgemeine Informationen, turbulente Ermittlungsarbeiten und etliche Theorien über Identität und Intention des Einbrechers/Diebs halten sich mit waghalsigen Ereignissen, Action und Kampf, schmerzlichem Verrat und leiser Verzweiflung die Waage. Zwischendurch blitzen zarte, gefühlvolle Momente, bewegende Erkenntnisse und Blicke hinter Fassaden, hinter stoische Beherrschung, auf. Wie gewohnt ist zwar der romantische Strang gegeben, ohne jedoch die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Aschwanden flocht wiederholt die schwierige, wackelige Situation der „Zuwanderer“, Vorurteile und Ausgrenzung, persönliche Traumata und tragische, verlustreiche Vergangenheiten ein – und schlägt mit diesen Themen einen Bogen zu der „unseren“ Gegenwart, weckt Mitgefühl und Verständnis. Dass auch 5 Jahre nach dem Fall von Nimralis nicht alle geretteten Dreuaner die Otra, die einstige Ordnung, und ihren Rachedurst hinter sich gelassen haben, zwei konträre Gruppen radikal aufbegehren, erschwert Monroes Vorhaben, für Frieden und Gleichheit zu sorgen, und macht Vertrauen so kostbar …
Für Draven & Co. gibt es nur wenige Pausen, dafür türmen sich die Sorgen, Ungereimtheiten führen in Sackgassen, Verrat schockiert – und all das ist nur mit Sarkasmus, bitte viel davon, zu ertragen. Abgesehen der Idee, die den Arcyrion-Akten zugrunde liegt, ist die Darstellung von „Vampiren“, „Daemonen“ und „Wandlern“ sowie die verschiedenen Kräfte übrigens ziemlich cool.
Fall Nummer 2 ist abgeschlossen, jedoch versprühen die letzten Kapitel böse Vorahnungen und leiten grundlegende Veränderungen ein – „Gefangene der Zeit“ kann kommen.