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Veröffentlicht am 15.07.2025

Turbulent. Unterhaltsam. Herzallerliebst.

Die Arcyrion-Akten – Fall 2: Die falsche Verbrecherin
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Kiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin ...

Kiara Brocks' neues Leben gestaltet sich unaufgeregter als erhofft. Statt Daemonen zu jagen, undercover zu agieren oder überhaupt ein bisschen Nervenkitzel zu erfahren, gehen Draven und seine Partnerin alltäglichen Kleinigkeiten nach. Außerdem wäre da noch das mehr schlecht als recht laufende Talent-Training bei Gina Monroe, die Ungewissheit, in welcher Beziehung Neith zu ihr steht, der sich merklich verschlechternde Zustand von Aiken und Kiaras eigene Trauer.
Doch als in einem schwer gesicherten Lagerhaus von V.A.U.L.T. eingebrochen und ein fragliches Artefakt entwendet wird, Tote auftauchen und ihre Freundin verdächtigt wird, spitzt sich die Lage für Brocks, Draven und ihr „Team“ zu. Schon bald wünscht sich Kiara die ruhigen Tage sehnlichst zurück … denn die Zeit, um den tatsächlichen Schuldigen zu finden, läuft unaufhörlich ab …

Teil zwei der Arcyrion-Akten entfaltet rasch einen ganz eigenen Sog, der uns zum einen die verlorene Welt der Dreuaner sowie die hiesige, noch immer nicht freie, von Ungerechtigkeiten und veralteten Hierarchien dominierte Situation der „Flüchtlinge“ und zum anderen die relevanten, bereits bekannten Figuren näherbringt.
Luke, der mit einer Krankheit und seinen düsteren Zukunftsaussichten; Draven, der mit seinem Stand unter seinesgleichen und dem, was in ihm wohnt, ringt. Gina, die nicht in der Position ist, Schwäche zu zeigen, und sich bereits durch zu viele Kämpfe geschlagen hat. Neith, die um keinen Preis ihre Geheimnisse offenbaren will, selbst wenn das bedeutet, ein Dasein als Gefangene zu fristen. Etwas, das Kiara unter keinen Umständen zulassen kann und wird – eine nervenaufreibende, aussichtslose Spurensuche, schwelende Konflikte und gewagte Schauspielerei (…) stehen auf dem Plan. Dabei sind die Initiatoren des Schlamassels näher als geahnt und der wahre Strippenzieher ein Gegner, der mit Macht und Einfluss selbst Hochsicherheitsorganisationen infiltrierte …

Zuerst: Evelyne Aschwanden leitet den zweiten Teil ihrer Urban-Fantasy-Serie mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse ein und beendet diesen mit einem Glossar – besser geht’s nicht!
Die Handlung setzt ungefähr drei Monate nach Kiaras Kündigung im öden Bürojob an, sodass ein deutlicher Fortschritt in ihren Fähigkeiten sowie ein spürbares Einfinden in der übernatürlichen – dreuanischen – Gesellschaft zu vernehmen ist. Neben Brocks sind vor allem Arik Draven, den ich unglaublich schätze und ins Herz geschlossen habe, Luke Vanderbilt, der mit sensiblen Seiten und unerwartet harschen Fähigkeiten mehrfach zur Hilfe eilt, Neith Morrigan, ein impulsives Feuer-Talent mit zwielichtigem Geschäftssinn, und Gina Monroe, Wächterin und Anführerin der Dreuaner, detailreich ausgearbeitet und stets präsent. Eben immer vor Ort, wenn Chaos ausbricht …

„Die falsche Verbrecherin“ ist spannend aufgebaut, zu keiner Zeit langweilig, oft herzerwärmend und durch Evelynes authentischen, humorvollen Stil leider zu schnell vorbei. Feingliedrig wurde sich eine urbane Welt erdacht, in der alles – von den unterschiedlichen Talenten und Daemonen bis zu den Taschendimensionen und den involvierten Menschen – logisch abgestimmt scheint. Für den Fall zuträgliche sowie allgemeine Informationen, turbulente Ermittlungsarbeiten und etliche Theorien über Identität und Intention des Einbrechers/Diebs halten sich mit waghalsigen Ereignissen, Action und Kampf, schmerzlichem Verrat und leiser Verzweiflung die Waage. Zwischendurch blitzen zarte, gefühlvolle Momente, bewegende Erkenntnisse und Blicke hinter Fassaden, hinter stoische Beherrschung, auf. Wie gewohnt ist zwar der romantische Strang gegeben, ohne jedoch die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Aschwanden flocht wiederholt die schwierige, wackelige Situation der „Zuwanderer“, Vorurteile und Ausgrenzung, persönliche Traumata und tragische, verlustreiche Vergangenheiten ein – und schlägt mit diesen Themen einen Bogen zu der „unseren“ Gegenwart, weckt Mitgefühl und Verständnis. Dass auch 5 Jahre nach dem Fall von Nimralis nicht alle geretteten Dreuaner die Otra, die einstige Ordnung, und ihren Rachedurst hinter sich gelassen haben, zwei konträre Gruppen radikal aufbegehren, erschwert Monroes Vorhaben, für Frieden und Gleichheit zu sorgen, und macht Vertrauen so kostbar …

Für Draven & Co. gibt es nur wenige Pausen, dafür türmen sich die Sorgen, Ungereimtheiten führen in Sackgassen, Verrat schockiert – und all das ist nur mit Sarkasmus, bitte viel davon, zu ertragen. Abgesehen der Idee, die den Arcyrion-Akten zugrunde liegt, ist die Darstellung von „Vampiren“, „Daemonen“ und „Wandlern“ sowie die verschiedenen Kräfte übrigens ziemlich cool.
Fall Nummer 2 ist abgeschlossen, jedoch versprühen die letzten Kapitel böse Vorahnungen und leiten grundlegende Veränderungen ein – „Gefangene der Zeit“ kann kommen.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Nette Rockstar-Romance

Raven’s Melody: Rockstar Romance
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Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der ...

Nach einer neuerlichen Eskapade in Vegas, die mit einer drunken Casino-Tour, einem zerstörten Hotelzimmer und diversen Platzwunden endete, ist Chris Collister drauf und dran, vom Posten als Manager der Thunderbirds zurückzutreten. Nur ein Deal könnte ihn von seiner Kündigung abhalten. Doch statt alle vier Rockstars büßen zu lassen, ist es an Gitarrist und Sänger Devin „Raven“ Anderson, ein Opfer zu bringen: Er soll Sparrow – Teil jenes Newcomer-Duos, in dessen Ungnade der Star fiel – öffentlich zu daten. … Ob das funktionieren kann?
Aus Sorge, nicht mehr als ein One-Hit-Wonder zu sein und nie die Chance zu bekommen, der Welt zu zeigen, was wirklich in den Sandpipers steckt, lässt sich Sparrow Price auf den wahnwitzigen Vorschlag ihrer Managerin Olivia ein – voller Bedenken und Unsicherheit. Für zwei Monate spielt sie die Fakefreundin des abgehobenen und arroganten Frontmanns der Thunderbirds.
Je besser sie den Rocker und seine Wahrheiten kennenlernt, umso mehr – echte – Zeit sie mit ihm verbringt, umso häufiger stellt sich die sanfte Musikerin die Frage, ob dieses Arrangement vielleicht mehr werden kann als ein PR-Gag …

»Es stand nicht auf meinem Plan, mich zu verlieben.«

Melanie Schütz führt uns in einem leichten, sehr detailreichen und gefühlvollen Stil durch ihre Romance, in der zwar die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, jedoch auch die Missstände des Musikbusiness, der Druck, den Rampenlicht mit sich bringt, sowie Trauer und Verlust(ängste) thematisiert werden.
„Raven’s Melody“ begann unterhaltsam und weckte vor allem durch das – hitzige – Miteinander zwischen Raven und Sparrow, ihre zumindest anfänglich aufregende Annäherung und die individuellen Hintergründe große Erwartungen. Jedoch verlor sich die Story mMn in ausufernden Gedankenkreisen und Überlegungen. Dies ließ die Protagonisten und ihre (neue) Situation, Ravens inneres Ringen und Sparrows Zweifel zwar greifbar werden, dämpft zugleich aber auch signifikant das Tempo. Dennoch sind es hauptsächlich die konträren Charaktere, ihre verschiedenen Melodien und ihr unvorhersehbares Zusammenspiel, dass das Interesse aufrechterhält.

Wo der Frontmann der Thunderbirds – flirtend und impulsiv – von jahrelangen durchzechten Nächten, verdrängten Problemen und Höhenflügen gezeichnet ist, ist das schüchterne Küstenmädchen bodenständig und merklich von der Aufmerksamkeit und dem Luxus überfordert. Sowohl ihre Zurückhaltung als auch ihre Empathie treffen in dem harten Bad Boy einen Nerv, der ihn nur zu gerne vergessen lässt, dass das alles – jede Berührung, jedes zarte Lächeln, jedes Date – nur fake ist. Und doch erstickt Verlangen die Distanz, blitzt im Schauspiel Vermissen auf, sorgt Aufrichtigkeit für Nähe. Aber Ravens Erfahrungen lehrten ihn, dass das Leben und die Liebe vergänglich sind …

„Ich lebte das Leben (...) Lebte es hart, lebte es richtig, ausufernd genug für zwei.“

Inmitten des eher soften Verlaufs finden sich Szenen, die Spaß machen, atmosphärische Beschreibungen, die uns nicht nur in die dekadente, nie stillstehende Realität beider, in intensive, losgelöste Nächte und berauschende Auftritte führen, sondern uns im selben Maße an der Ruhe, die das Meer schenkt, und an der Sicherheit, die Heimat bedeutet, teilhaben lassen.
Wenn ich auch die romantische Entwicklung nicht zur Gänze fühlen, den bemüht wirkenden Dialogen stellenweise nichts abgewinnen konnte, fand ich Ravens Versuche, seine „Freundin“ aus der Reserve zu locken, sie mit flotten Sprüchen zu überrumpeln, größtenteils amüsant. Im Gegensatz zu seinem zunehmend anstrengender werdenden Wechselspiel aus heiß-kalt, ja-nein.
Den Rest der Thunderbirds lernen wir leider nur flüchtig kennen, nichtsdestotrotz machen die unterschiedlichen Musiker einen sympathischen, unterstützenden Eindruck. Im Gegensatz zu Liv und dem zweiten Teil der Sandpipers – mit Wren und ihrer „wohlmeinenden“ Art wurde ich einfach nicht warm.
Hingegen sorgt Sparrow mit versteckten Talenten und verborgenen Seiten für Überraschungen – war zu Beginn deutlich, dass sie weder an sich glauben noch für sich, ihre Wünsche einstehen kann, zeigt sie im fortschreitenden, von Hürden durchzogenen Verlauf immer häufiger Souveränität und Selbstbewusstsein.

„Raven’s Melody“ war für mich nicht DAS perfekte Buch, dennoch bietet die Story – neben sensiblen, einfühlsam behandelten Themen – nette Unterhaltung, tolle Settings, Romantik und (guten) Spice.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Cozy-Gruselspaß für kurzweilige Stunden.

How to Feed a Demon
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Frisch verlassen, von dem Desinteresse ihrer Eltern gepeinigt und voller Trauer um den einzigen Menschen, der ihr jemals das Gefühl gab, gut und wertvoll zu sein, ergreift Marie in einer Vollmondnacht ...

Frisch verlassen, von dem Desinteresse ihrer Eltern gepeinigt und voller Trauer um den einzigen Menschen, der ihr jemals das Gefühl gab, gut und wertvoll zu sein, ergreift Marie in einer Vollmondnacht überstürzt die Flucht – und weiß dabei gar nicht so recht, wohin. An einer Bushaltestelle trifft sie auf einen mysteriösen Mann, der sie zu einer trockenen Bleibe verweist, die die 17-Jährige gerade dringend gebrauchen kann. Und damit nimmt Maries Leben eine Wendung, die sie selbst wohl am meisten überrascht …

„How to Feed a Demon“ ist ein schnuckliges Jugendbuch, in dem uns Sabine Riedel in ein übernatürliches Hotel, zu einer skurrilen Gemeinschaft und in allerhand Geheimnisse führt.

Maries Unterkunft stellt das Mädchen mehrfach vor die Frage, ob sie dem Wahnsinn verfallen oder nur in einem (Alb)Traum gefangen ist, denn die BewohnerInnen sind vieles, nur nicht gewöhnlich, nur nicht menschlich. Aber das Schlimmste? Von nun an bis zum nächsten Neumond ist Marie dafür verantwortlich, die Wesen zufriedenzustellen und ihnen einen entspannten Urlaub zu ermöglichen. Doch wie bewirtet man Blutschinke, Irrlichter und Fängginnen, Drachen, Basilisken und Golems?
Auf die frisch eingestellte Hotelverwalterin wartet eine Herausforderung nach der nächsten. Dabei kommt die größte Ungereimtheit von außen: Denn der aufdringliche Herr Mertens will sich unbedingt das Grundstück unter den Nagel reißen und auch die Gläubiger sind nicht weit!
Zwischen Geldproblemen, die gelöst, zu gut versteckten Schätzen, die dringend gefunden werden müssen, und Plaudereien mit potenziellen Ungeheuern versucht das Mädchen, nachdem sie sich der Wichtigkeit dieses Ortes bewusst geworden ist, alles, um ihrem Posten gerecht zu werden und den von den aussterbenden Fabelfiguren dringend benötigten Safespace zu beschützen. Und ihren Platz zu finden.

Riedel schreibt in einem bildreichen, aber einfachen Ton, dem es hier und da an Abwechslung mangelt. Dies macht die lebendige, kreative Storyline jedoch wett, in der wir liebevoll ausgearbeitete, schrille wie exzentrische Persönlichkeiten antreffen und zugleich einiges über ihre speziellen Leben(sweisen) sowie die Rolle von Hotel und Hüterin erfahren.
Im Verlauf vollzieht Marie eine deutliche Entwicklung, indem sie sich nicht nur ihren, zunächst beängstigenden Aufgaben stellt, sondern sich auch mit den individuellen Problemen der Gästeschar beschäftigt – und langsam mehr will als nur ihre Zeit abzusitzen; gar ihr Herz an die Vielfalt, die zusammengewürfelte Gemeinschaft und einen ganz bestimmten Wandler verliert.
Es machte Spaß, die Geschehnisse zu verfolgen, mit Marie zu lernen und düsteren Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Themen wie Ausgrenzung, Vorurteile und Einsamkeit erhalten einen Raum, minimieren aber zu keiner Zeit den Cuteness- und Wohlfühlfaktor. Mit fortschreitender Handlung nehmen Spannung, Gefahren und Action zu, ohne dass der softe, gemütliche Kern verloren geht. Ob es die „Lovestory“ gebraucht hätte, muss jede/r für sich entscheiden.

Insgesamt war „How to Feed a Demon“ aber eine wundersame, feinfühlig erzählte Geschichte über Freundschaft und jene Familie, die man sich selbst aussucht, über (Selbst)Akzeptanz und Mut. Humorvoll, gemütlich und definitiv mal anders.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Bereit für Sich-selbst-(neu)-finden am Rande der Nordsee?

Jonna - Tage wie Glaswolle | Mit wunderschönem limitierten Farbschnitt
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„Jonna: Tage wie Glaswolle“ ist Teil eins der „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ von Lene Jansen, in der uns salzige Nordseeluft durch das Haar weht, tragische Erinnerungen unter kühlen Steinen warten, Nostalgie ...

„Jonna: Tage wie Glaswolle“ ist Teil eins der „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ von Lene Jansen, in der uns salzige Nordseeluft durch das Haar weht, tragische Erinnerungen unter kühlen Steinen warten, Nostalgie und Wehmut an Stegen lauern und Geheimnisse erst noch ausgegraben werden müssen …

Jonna Niehaus muss raus – raus aus ihrem Alltag, aus der Wohnung, aus der Ehe. Denn alles scheint zu eng, nicht richtig, fehlerhaft. Zu viele unausgesprochene Erwartungen hängen zwischen ihr und Nils, zu viel Verdrängtes macht der Enddreißigerin das Atmen schwer.
Doch statt während eines Sabbaticals in Thailand zu sich selbst zu finden, kehrt Jonna in ihre Heimat zurück, zum ersten Mal nach 17 Jahren.
Was als kurzer Stopp und spontaner Anstandsbesuch beginnt, wird zu einer wochenlangen Reise in die Vergangenheit, in eine nicht ganz runde, aber lebhafte Kindheit, in eine Version ihrer selbst, die sie einst nur zu gerne – samt dem Gefühl von zu Hause, von Familie, von ihrer ersten Liebe und all dem Schmerz, der Schuld – hinter sich gelassen hat.
Zurück zu sein heißt, Bekanntes zu erblicken, mit dem unumgänglichen Älterwerden, Schweigen und Sehnsucht konfrontiert zu werden, mit Ängsten, die nur das Meer aufwühlen kann, und der Sturm. Zwischen Renovierungsarbeiten in der kleinen Pension, die Glaswolle hervorbringen, Besuchen bei ihrer Mama, die nur langsam leichter werden, tröstenden Gesprächen mit ihrem Papa, die nie aufhören, weh zu tun, findet Jonna Stück für Stück wieder zu sich. Nicht alleine, sondern mit Hilfe. Die sie nur noch annehmen, zulassen muss.
Aber das Leben spielt anders, als der Mensch (er)hofft, und so sind es Hanna und Ella, die vom Festland Gesprächsstoff bringen, der aus leisen Vermutungen mehr macht –

Lene Jansen versteht es, mit Worten umzugehen, Emotionen und relevante Themen, Empfindungen, um die nur die wenigsten umhinkommen, in Geschichten zu verpacken, deren Hauptaufgabe es nicht ist, zu unterhalten, sondern zu berühren, zu heilen, Punkte zu treffen, denen man nur zu gerne ausweicht.
Auch die „Zweieinhalb-Schwestern-Serie“ spendet Trost und eine Umarmung, verströmt das Gefühl, verstanden zu werden, während wir salzige Luft atmen, Sand unter den Füßen …

Jonna, ihre Schwestern und andere Charaktere, denen wir auf der Nordseeinsel begegnen, sind um die 40, stehen mitten im Leben, sind von Erfahrungen, Verlusten und Fehlern gezeichnet. Reue, falsche Schuld und ein Hauch Nostalgie gehören ebenso zur Geschichte wie Jonnas chaotisches Inneres – ihr Nicht-mehr-Wissen, wer sie ist und was sie will. Doch so schmerzlich der Aufenthalt in der Heimat ist, so nah an Erinnerungen, die lange verdrängt lagen, so weit weg von dem Mann, dem sie damals das Ja-Wort gab, so erleuchtend und überraschend verläuft diese Auszeit. So heilsam und echt. Stück für Stück findet Jonna ihre Worte wieder. Ihre Wurzeln und Wahrheiten. Und sich selbst.

Malerische Beschreibungen, poetische Töne und ein Potpourri widersprüchlicher Gefühle, wehmütige Schulterblicke, tiefe Seufzer und Tristesse begleiten das Geschehen, häufig aufgewühlt durch innere Stürme und (noch) fehlende Anker. Zu all dem gesellt sich ein Verdacht, ein Geheimnis, verborgen von Schlick und vergangenen Jahren...
Die Protagonistin wurde mit all ihren Ecken, Unzulänglichkeiten und Zweifeln gezeichnet, mit ihrem Fluchtinstinkt und dem Mut, doch zu bleiben. Es war rührend, einen Teil von ihr kennenzulernen, sie einen Schritt nach dem anderen gehen zu sehen, herauszufinden, was da brodelt und in Schieflage geriet.
Die Niehaus-Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein: Während Hanna die Jüngste und Schlichtende, das Bindeglied zwischen den Älteren ist, kann Ella ihren Frust, ihren Ärger nicht verbergen – die einzige der drei, die zurückblieb, mit all den Pflichten. Leise brodelnde Konflikte, gesprochene Vorwürfe, unausweichliche Konfrontationen – doch es ist eine bisher nicht gesehene Wahrheit, die droht, die neu geschaffene, fragile Verbindung zum Einsturz zu bringen...

„𝐉𝐨𝐧𝐧𝐚: 𝐓𝐚𝐠𝐞 𝐰𝐢𝐞 𝐆𝐥𝐚𝐬𝐰𝐨𝐥𝐥𝐞“ ein poetischer Mehrwert über das Erwachsen- und Älterwerden, über (Selbst)Vergebung und Veränderungen, über Familie und die Liebe ...
Bereit für Sich-selbst-(neu)-finden am Rande der Nordsee?

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Urban-Fantasy mit Cozy-Vibes

Abra Kandelabra
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Los geht's: Ein neues Abenteuer wartet auf die Clique um den Esoterikladen Abra Kandelabra!

Haben wir in „Hexenhut und Hokuspokus“ einen Überblick über die Gegebenheiten, die Charaktere und ihre Beziehungen ...

Los geht's: Ein neues Abenteuer wartet auf die Clique um den Esoterikladen Abra Kandelabra!

Haben wir in „Hexenhut und Hokuspokus“ einen Überblick über die Gegebenheiten, die Charaktere und ihre Beziehungen bekommen, geht’s in „Seitenweise Rätsel“ quer durch Salenstede, um einen Fluch zu brechen, der Vinz' Leben verkompliziert – vor allem in Sachen Liebe.
Auf Quinn, Amelia, Korbinian, Chrys, Ricarda und den Verfluchten warten einige Rätsel, die gelöst, Hürden, die überwunden werden müssen – und nicht alle Aufgaben, die das Zusammensetzen eines alten, dringend benötigten Grimoires erfordern, sind ungefährlich ...

Jamie Enderlein führt uns in einem einfachen, schnörkellosen Ton durch Teil 2 ihrer Urban-Fantasy-Serie, die aus wechselnder Perspektive von Amelia, die erst kürzlich Bekanntschaft mit dem übernatürlichen gemacht hat, und Quinn, die nach einem Fauxpas von ihrer Hexencommunity verstoßen wurde, erzählt wird. Doch auch ihre ungewöhnlichen FreundInnen bekommen ausreichend Raum und Tiefe, wurden mit individuellen Problemen bestückt, sodass das Gefühl, eine vertraute, nahbare Familie zu begleiten, deutlich präsenter ist als im Auftakt. Im Vordergrund steht die Mission, den Fluch zu brechen, und die Rätsel schnellstmöglich zu lösen – die Autorin lotst ihre kleine, eingeschworene Truppe – in der es nicht nur bei einem Couple mehr als freundschaftliche Funken gibt – durch die gesamte Stadt, animiert sie dazu, sich zu öffnen und sich ihren Ängsten zu stellen und lässt uns währenddessen bildreich in schaurige Orte und in brenzlige Situationen eintauchen. Die Frage, was es überhaupt mit dem Fluch, der Vinz von Quinn fernzuhalten versucht, auf sich hat, verführt uns dazu, Vermutungen anzustellen.
Illusionen, Geister und Riten sind genauso Bestandteil von der Geschichte wie Alltägliches, Neckereien und softe cozy Vibes. Dennoch gab es einige Längen und zähe Momente, die merklich das Tempo drosseln und Spannung samt Vorankommen verschlucken.

Enderlein versah die einzelnen Figuren mit unterschiedlichen Gemütern, widmete sich feinfühlig sensiblen Themen und der Darstellung mystischer Gegebenheiten und Traditionen. Wir finden Freundschaften auf Augenhöhe, den warmherzig umgesetzten Found-Family-Trope, (Selbst)Liebe und natürlich auch allerhand Zauberei.
Band 3 kann kommen!

„Abra Kandelabra“: eine gemütliche Serie, für magische Stunden.

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