Unterhaltsame Romance mit einem Hauch Magie, viel Gefühl und einer großen Portion Plätzchenduft.
All we faked for Christmas
Als Jules Vater ihr eröffnet, sie früher als von ihr angstvoll erwartet in das Familiengeschäft einzuleiten, sollte es noch eine harmlose Abschiedsfeier geben – Abschied vom muffligen Grinch-Dasein, ...
Als Jules Vater ihr eröffnet, sie früher als von ihr angstvoll erwartet in das Familiengeschäft einzuleiten, sollte es noch eine harmlose Abschiedsfeier geben – Abschied vom muffligen Grinch-Dasein, den Exzessen und dem Partyleben. Eine kleine Feier mit Fynn und ihren ElfenfreundInnen, mit Musik und Glühwein. Doch plötzlich sitzen Jule und ihr bester Freund im Schlitten des Weihnachtsmannes und rasen, nur mit Rudolph an der Front, in ein Abenteuer, das alles verändert. Allen voran Jule, von Grund auf …
Es war ein ganz normaler Morgen für Physiotherapeut Ben Nowak. Normal. Bis er den Blick in seinen Garten schweifen lässt und einen … riesengroßen Schlitten entdeckt?! Als er diese Nicht-Halluzination genauer in Augenschein nimmt, stößt er auf Elsa. Also auf eine junge Frau, die der Disneyfigur zum Verwechseln ähnlich sieht. Und die leider Karateunterricht hatte …
Im Garten eines Fremden, unter einem – DEM – zerstörten Schlitten aufzuwachen, keine Spur von Flynn oder Rudolph, kommt, so kurz vor Weihnachten, einer riesengroßen Katastrophe gleich! Holly, Jules Schwester, und Santa geben der Erbin des Weihnachtsfestes nur bedingt Zeit, um die beiden zu finden, das Gefährt zu reparieren und zurück auf den Korvatunturi zu gelangen. Für Jule tickt die Uhr – denn ihre Mutter wird es sein, die sie für diesen Fauxpas umbringen wird … Gut, dass der äußerst nette Ben ihr – trotz ihrer fantastischen Geschichte – Unterschlupf gewährt, ihr sogar bei der Suche nach ihren Begleitern hilft. Blöd, dass Ben nicht nur vernarrt in Weihnachten ist, sondern auch eine kleine – zugegebenermaßen zuckersüße – Tochter hat. Etwas, das Jule genauso verabscheut wie das Fest, die nervigen Traditionen und ihre Pflicht, schon bald selbst für freudige Stimmung und strahlende Augen zu sorgen. Ätzend! Zum Glück hat ihr unfreiwilliger Retter ja genügend Feuerzeuge bei sich …
Stellt euch vor, jemand erzählt euch, magisch, mit dem Weihnachtsmann verwandt und mit Hilfe eines Rentiers von Finnland nach Potsdam geflogen zu sein. Irre, oder? Nun, das war auch Bens Eindruck von seiner Mitbewohnerin auf Zeit. Eigentlich hat der junge Vater auch überhaupt keine Nerven für den attraktiven, mürrischen und durch und durch unweihnachtlichen Grinch, den er sich ins Haus geholt hat. Immerhin liegt es an ihm, seinem Opa und seiner Schwester ein perfektes – das letzte gemeinsame – Fest zu bereiten. Und dazu gehört scheinbar eine feste Freundin. Gut, dass der charmante Therapeut mit Elena bereits DIE Kandidatin im Auge hat. Doch alles läuft schief und so greift Ben aus Verzweiflung zu Jules verschrobenem Angebot, ihm zu helfen. Aber irgendwie …
Was war das wunderbar! Obgleich „All we faked for Christmas“ mit knapp 600 Seiten kein kurzes Büchlein ist, verfliegen die Kapitel schneller als die Feiertage selbst. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass wir zu Beginn einen Eindruck der Situation von Jule und Ben vor ihrem Aufeinandertreffen bekommen und im Verlauf dabei sind, wenn sich ihre Haltung, ihre Gefühle und ihre Wünsche, ihr Denken, ändern. Julie Ayden schafft es, mit viel Humor und Skurrilität, mit bildlichen und gefühlvollen Worten eine glaubhafte Story zu erzählen, in der der Erwartungsdruck, der auf beiden lastet, die (Selbst)Zweifel und (Versagens)Ängste nachvollziehbar zur Geltung kommen. Es war leicht, Jules Negativität und ihr abweisendes Verhalten, die jahrelange Rebellion, zu verstehen; nichts mehr zu wollen als frei zu sein. Und auch Ben – der früh mit Verlust und Verantwortung konfrontiert wurde –, sein Streben nach Harmonie und „weniger einsam sein“ waren griffig. Berührten. Noch mehr Kontur bekommen diese herzensguten Personen durch verschiedene Eigenheiten, kleine Details und Hintergründe.
Die Handlung ist abwechslungsreich, aufregend, heiß und romantisch, kommt mit Plätzchenduft, Charme und Amüsement daher, mit unbeholfenen Reaktionen, Impulsivität und Traurigkeit. Aber auch mit Wärme, Verständnis und Güte, mit endlich ausgesprochenen Wahrheiten, nötigen Veränderungen und harten Entscheidungen. Neben den beiden Mitbewohnern, liebevollen Gesten und Christmas-Feels sind es die Nebenfiguren, die zum Lächeln und Seufzen bringen. Vor allem Bens mürrischer Opa und seine wundervolle, starke Tochter Etta bereichern die Fantasy-Romance ungemein.
Ayden spart übrigens auch nicht an Überraschungen und Wendungen, an ernsteren Themen und gelungenen Entwicklungen. „All we faked for Christmas“ ist eine zauberhafte Urban-Fantasy-Geschichte – angereichert mit Tiefe, Witz und viel Gefühl lohnt sich auch abseits der Weihnachtszeit ein Blick.