Weder sonderlich romantisch noch fantastisch oder gar aufregend
Kingdom of crystal Hearts„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ...
„𝐊𝐢𝐧𝐠𝐝𝐨𝐦 𝐨𝐟 𝐜𝐫𝐲𝐬𝐭𝐚𝐥 𝐇𝐞𝐚𝐫𝐭𝐬“ führt uns auf den Kontinent Brillant, der aus vier Reichen besteht und von einer Königin regiert wird, deren Grausamkeit und Härte ihr vorauseilen. Anlässlich des 20. Geburtstages ihres Sohnes reist Rhaella nun durch das Land – hält dekadente Feierlichkeiten und protzige Festivitäten ab, während große Teile des Volkes, die Gemeinen, hungern und verzweifeln, täglich unzählige Menschen in den Minen sterben, um dem Adel zu noch mehr Macht und Reichtum zu verhelfen. Die Rebellion sieht jetzt den Zeitpunkt gekommen, dem Schrecken ein Ende zu bereiten, das Volk endlich von der Regentin und dem unbeteiligten, gleichgültigen Thronfolger zu befreien.
Veränderung muss her, ein Wandel, bevor noch weitere Leben enden …
Elodie Cabot lebt seit jeher in Granat, dem Armutsviertel von Karmenit, und ist seit dem Verlust ihrer Eltern Teil des Widerstands. Nachdem auch ihre geliebte Schwester verschwand, wurde die Wut der jungen Jägerin, ihr Rachedurst, ihr Wunsch nach Vergeltung mit Händen greifbar. Ihr Part beim Attentat auf die Königin war klar, doch alles kam anders. Plötzlich teilt sich Elodie unter dem Namen Lady Magnolia Burbon mit der Regentin eine Kutsche, pilgert mit ihr von Reich zu Reich, schläft in den weichsten Betten und speist exzellent. Über ihr das Damoklesschwert, immer die Angst im Nacken, als einfache Gemeine enttarnt, als Hochverräterin gehängt zu werden. Nur ihrer Zofe ist es zu verdanken, dass Elodie als Adelsmitglied – wenn auch unkonventioneller, vorlauter Art – vernommen wird. Bis die Vorsicht schwindet … und die Ereignisse eine dramatische Wendung nehmen …
♡ »𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐠𝐞𝐧, 𝐈𝐡𝐫 𝐤𝐨𝐞𝐧𝐧𝐭 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐫𝐞𝐜𝐡𝐞𝐧.
𝐀𝐛𝐞𝐫 𝐠𝐥𝐚𝐮𝐛𝐭 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐈𝐡𝐫 𝐦𝐢𝐜𝐡 𝐣𝐞𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐛𝐞𝐡𝐞𝐫𝐫𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐭.« ♡
Positiv hervorheben möchte ich den Stil von Sina Brings, der insgesamt wirklich schön – heißt: bildreich, klar und gefühlvoll – war. Schnörkellos werden wir durch die Geschichte geführt, sehen die Missstände des Kontinents, spüren den Schrecken der Bevölkerung, wenn Rhaellas Name fällt. Unrecht und Leid ziehen sich unterschwellig durch die Seiten, Angst und Gewalt.
Elodie, die uns durch die Erzählung führt, wirkt in vielen Momenten wie eine starke Persönlichkeit. Auch ihre Situation – begonnen in ihrer verlustreichen Vergangenheit über ihren Platz in der Rebellion, ihren Feuereifer, den Sturz der Herrschenden, wenn auch blutig, einzuleiten, bis hin zu ihrer jetzigen verqueren Position – war nachvollziehbar dargelegt. Jedoch mangelte es u. A. an einer griffigen Ausarbeitung dem Romance-Plot und dem männlichen Loveinterest betreffend.
Denn Rafe Tharendor von Eldorin – auffällig durch seinen Blick, intensiv und dunkel – ist mehr Statist als tatsächlich integriert, was nicht an seiner Wortlosigkeit liegt. Woher also die romantischen Gefühle kamen oder wie die Magie in dieser Welt funktioniert, bleibt lediglich eine Ahnung. Denn auch in Sachen Worldbuilding konnte der Romantasy nicht überzeugen. Dafür kam es, wie zu erwarten, zu einer expliziten Szene. Ob ich diese, im Angesicht der Umstände und der vorherrschenden Stimmung, Rafes allgegenwärtiger Distanz, so passend fand? Eher nicht. Ich kann diesem „Hauptsache Spice“ nichts abgewinnen. Hier wäre der Aufbau einer glaubhaften und nachvollziehbaren emotionalen Verbindung oder Einblicke in die Edelsteinmagie weitaus relevanter gewesen.
Zusätzlich irritiert der Stillstand, in den die Handlung zügig abdriftet. Wiederholende Informationen, kreisende Gedanken, immer gleiche Abläufe und sich ähnelnde Formulierungen sowie Elodies Gefühlswirrwarr – hin- und hergerissen zwischen Zukunfts- bzw. Todesangst, der Zuneigung für den stummen Prinzen und dem Zweifel ob ihrer Tat – sorgen trotz der relevanten Punkte, die Brings einfließen lässt, für Eintönigkeit. Dabei erwacht in der vermeintlichen Lady, während sie Stunde um Stunde mit Rafe und Medicus Renauld verbringt, etwas, das sie den Hass auf den Adel, die Verteufelung einer gesamten Gesellschaftsschicht, hinterfragen lässt.
Dass die Atmosphäre durchweg beklemmend ist, Misstrauen durch die Seiten fließt, eine unbestimmte Vorsicht, untermalt die Zustände von Brillant und die Anspannung der Hochverräterin. Auch die einen oder anderen (vielleicht vorhersehbaren) Wendungen und Gänsehaut verursachenden Momente gibt es im Verlauf, aber leider traf auch das viel zu rasche Ende nicht meinen Geschmack.
„Kingdom of crystal Hearts“ ist ein solider, wenn auch oft zäher und unspektakulärer Roman, in dem die Autorin mit Rafes Handicap Aufmerksamkeit für stumme Menschen/Gebärdensprache generiert und einige wichtige, aktuelle Themen anschneidet – sei es die weitverbreitete Armut, die dem Überfluss der Oberen gegenübergestellt wird, der Versuch, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, und die Tatsache, dass wir letztlich alle gleich sind.