Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2026

Romantasy mit märchenhaftem Flair und dunklen Tönen

A Beauty for the Beast
0

Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt ...

Für den geächteten Prinzen, der sein Volk mit harter Hand regiert, läuft langsam die Zeit ab – der Moment, der ihn wahrhaftig und unwiderruflich in ein Monster verwandeln wird, naht. Nur die Liebe, echt und aufrichtig, kann ihn retten … Als sich ein Fremder Zutritt zu seinem Schloss verschafft, von Hunger und Kälte getrieben, bietet er dem Bettler einen Deal an, denn Varek sieht seine Chance, den Fluch, der auf ihm lastet, endlich zu brechen: Er will für ein Jahr die Tochter des Eindringlings. Und plötzlich findet sich Isabell in prächtigen Gemächern wieder, ihrer Freiheit beraubt. Doch statt vor dem Hochmut des Prinzen in die Knie zu gehen, bietet Bell ihm die Stirn. Und schneller als gedacht entbrennen zwischen der Schönen und dem Biest Gefühle, die über Verlangen und Leidenschaft hinausgehen …

In „A Beauty for the Beast“ adaptiert Liz Rosen den französischen Klassiker „La Belle et la Bête“ und schenkt dem Bekannten mit bildreichen Worten „frische“ Nuancen, überraschende Wendungen und dunkle Töne. Die Autorin schuf ein vorstellbares, märchenhaftes Setting, lässt uns an Bells Seite die Kälte des mystischen Schlosses durchdringen. Mitten hinein in furchteinflößende Schatten, hallende Einsamkeit, einst dekadente Säle. Schmerzhafte Geheimnisse.

Aufgrund der Kürze der Dark-Romantasy ist nicht mit allzu viel Tiefe innerhalb der Storyline zu rechnen. Hier und da wirkten die (romantischen) Entwicklungen und auch der Stil sehr einfach. Nichtsdestotrotz waren Isabell und Varek, die aus wechselnder Perspektive erzählen, interessante Figuren mit Eigenheiten, Hintergründen und einer Geschichte. Gerade das „Biest“ überzeugt mit seinem – unberechenbaren, wankelmütigen – Wesen, das aus seiner Vergangenheit und dem Fluch geboren, von Einsamkeit, Schuld und (Selbst)Hass gezeichnet ist. Auch Bell hinterlässt Eindruck, beweist sie mehrfach Stärke und Mut, wächst im Heim ihres vermeintlichen Wärters über sich hinaus. Die Dynamik der beiden wandelt sich von distanziert und argwöhnisch, von Misstrauen bei jeder Begegnung, zu einer, in der Achtsamkeit und Respekt dominieren, Verlangen in jedem Blick.
Im Verlauf werden wir mit actionreichen Szenen und einer vor allem zu Beginn düsteren Atmosphäre konfrontiert, mit schlagfertigen, offenen Gesprächen und den verschiedensten Gefühlen. Rose würzt ihr dunkles Märchen mit ausreichend (und direktem) Spice, der sich stimmig in die Handlung fügt.
Wichtiger sind jedoch die Erkenntnisse und Erinnerungen, die „A Beauty for the Beast“ bereithält: Jeder Mensch ist mehr als sein Äußeres, als der Schein; besteht aus einem Sammelsurium aus Facetten. Und die größte Liebesgeschichte ist immer die, die wir mit uns selbst schreiben.

»Es ging nie darum, geliebt zu werden – es ging darum, lieben zu können. Mich selbst. Andere. Das Leben.«

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Atmosphärische Romantasy, die auf ruhige Töne setzt

Her Aria of Blood and Light
0

In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten ...

In „Her Aria of Blood and Light“ führt uns Mila Rosgeber in ein Land, das noch immer unter den Auswirkungen eines längst verjährten Bürgerkriegs leidet, in ein Reich des Ewigen Winters, zu einem verängstigten Volk, mitten hinein in weitreichende Veränderungen, aufglimmende Rebellion und zu der Härte ungeahnter Mächte …

Hauptsächlich verfolgen wir das Geschehen aus der Perspektive von Katerina Taviles – heute eine für ihre Stimme gefeierte und bis in die Riegen des Kaiserlichen Hofstaates bekannte Opernsängerin, doch hinter Professionalität und Höflichkeit versteckt die junge Frau eine vor Trauer verzerrte Seite – denn seit dem großen Aufstand ist sie eine Waise und nur durch einen glücklichen Zufall in Gestalt ihres Ziehvaters noch am Leben.
Zu Beginn werden wir Teil von Katerinas Alltag, von ihrer musikalischen Leidenschaft und der alles verändernden Begegnung mit dem geheimnisvollen Jason Sanseran. Die Treffen mit dem Fremden werden von einem aufgeregten, jedoch nicht deutbaren Kribbeln begleitet. Von Fragen und Unklarheiten. Von Erinnerungslücken und nagenden Kopfschmerzen bis hin zu Gefühlen der Unruhe und Unsicherheit …

„Egal, wie viele Leben sie leben würde. Egal, zu was für einer Kreatur sie geworden war. Ihn würde sie immer erkennen.“

Einblicke in Jasons Gedanken und Abschnitte in sein Tun geben der Story etwas Mystisches, Bedrohliches – und dem vor langer Zeit Erwachten Kontur. Je mehr wir seinem obsessiven Wesen und der Wahrheit seines Seins auf die Schliche kommen, umso unberechenbarer wird der Elidat.
Hier und da werden wir in Vergangenes zurückgeworfen, was zum einen Katerinas Verhalten, ihre Ängste, noch greifbar werden lässt, zum anderen Jasons – herrische, besitzergreifende, manipulative – Art mit etwas durchtränkt, das gleichermaßen Verständnis wie Mitgefühl entfacht. Zwischendurch schnappen sich auch andere Figuren eine Sequenz, gewähren uns ihre Sicht auf gegenwärtige Ereignisse und – wie auch das Auftauchen und die Rolle von Dave Merdian – verleihen dem Ganzen neue Blickwinkel sowie die dringend nötige Abwechslung.
Denn Milas sehr, sehr ruhige Erzählweise in Kombination mit einem langsamen Tempo, das durch ausschweifende und bis ins Kleinste festgehaltene Beschreibungen von jedem Handgriff, jedem Lichtstrahl, jeder Regung zusätzlich gedrosselt wird, lässt die Romantasy oftmals langwierig erscheinen. Dabei war der Stil der Autorin wirklich toll – atmosphärisch, klar und regelrecht malerisch, während sich ein Hauch Melancholie und Schwermut, eine gewisse Distanz, die die Stimmung des Buches unterstreicht, durch die Seiten zieht.
An so mancher Stelle, die für Verständnis und Authentizität wichtig gewesen wäre, kommt Rosgebers Detailverliebtheit hingegen zu kurz – bspw. fehlte es mir an Hintergründen über die unsterbliche Art, auch die romantische Entwicklung zwischen Dave und Katerina oder die Verwandlung der Opernsängerin waren eher abrupt und genauso wenig nachvollziehbar wie die rasche Akzeptanz. Ehrlich gesagt kam ich auch nicht umhin, in der frisch erwachten Protagonistin ein typisches Klischee zu sehen – erstmalig, augenblicklich kontrolliert, kaum anfällig für Irritationen und sofort kampffähig.
Das Finale ging meinem Erachten nach zu schnell und zügig vonstatten, schließt die Geschichte jedoch – trotz des einen oder anderen offenen Handlungsstrangs – größtenteils stimmig ab.

Insgesamt konnten das historisch angehauchte Setting, die hier geschilderte Idee der „Unsterblichkeit“, die Romantik in den Worten und der Aufbau der Geschichte, die von einer tragischen, tiefsinnigen Note begleitet wird, überzeugen. Immer wieder finden sich neben Spannung, Dunkelheit und Opfern auch Gefühl und einschneidende Wendungen. Im Verlauf begegnen wir allerhand Charakteren – von FeindIn zu FreundIn, von Mensch zu Ewigem –, werden mit aufkommenden Unruhen und der politischen Lage des Landes konfrontiert, mit Rebellion und Kampf, Täuschung, Bündnis und totgeglaubten Mächten.
Mila Rosgeber führt uns in das Leben und die Veränderungen von Katerina Taviles, in eine Welt, in der weder Winter noch Kälte je versiegen. Erzählt von Schicksalsschlägen, prägenden Verlusten und von der Stärke, die es braucht, immer wieder aufzustehen. Weiterzugehen.

»Sein Ende ist meine Freiheit«, wisperte Katerina an die funkelnden Sterne gerichtet. So wertlos diese Freiheit auch geworden war.“

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Mehr als eine romantische Komödie. Viel mehr.

The Friend Zone
0

„The Friend Zone“ ist eines dieser Bücher, die äußerlich locker und süß anmuten, sich nach einer witzigen RomCom anhören, jedoch im Inneren mit einer ungeahnten Schwere, mit Tiefe und sensiblen Themen ...

„The Friend Zone“ ist eines dieser Bücher, die äußerlich locker und süß anmuten, sich nach einer witzigen RomCom anhören, jedoch im Inneren mit einer ungeahnten Schwere, mit Tiefe und sensiblen Themen glänzen. Vieles, was Abby Jimenez aufgreift, hat mich sehr berührt und neben Mitgefühl auch Verständnis geweckt.

Zwar verlief die erste Begegnung von Kristen Peterson und Josh Copeland nicht optimal, doch beide reißen sich für ihre besten Freunde zusammen. Immerhin liegt es in Joshs und Kristens Pflicht als Trauzeugen, die Vorbereitungen für die Hochzeit des Traumpaares optimal zu gestalten. Ausgerechnet in dieser stressig-euphorischen Phase kündigt Kristens Handwerker, der für ihr Unternehmen ‚Doglet Nation’ unerlässlich ist. Josh bietet ihr seine Hilfe an und schon bald sprühen zwischen ihnen die Funken, die der guten Sorte. Langsam, aber mit einer unerschütterlichen Gewissheit nähern sich die Dog-Mom und der Feuerwehrmann an … Wäre da nur nicht Tyler, mit dem sich die Selbstständige schon bald ihre Wohnung und ihre Zukunft teilen wird, und ihr Geheimnis, das bisher nicht mal ihre beste Freundin kennt... Eines, mit dem Josh niemals leben und glücklich werden könnte. Kristen setzt alles daran, ihn in der Friendzone und auf Abstand zu halten. Nur, ist das gar nicht so einfach.

Als ich diese humorvolle Romance begonnen habe, rang ich gerade mit den monatlichen – für mich seit jeher quälenden – Schmerzen und fühlte mich SOFORT verstanden. Gesehen. Denn die Protagonistin kämpft schon jahrelang mit ihrem – außer Kontrolle geratenen – Zyklus, den Begleiterscheinungen der Uterusmyome, mit Anämie, Schwindel, starken Krämpfen und den dadurch bedingten Einschränkungen. Um endlich wieder mehr Lebensqualität zu erhalten, entscheidet sich Kristen für einen drastischen Eingriff.
Es ist so, so wichtig, dass offen über die Blutung und etwaige nicht normale Verläufe gesprochen wird, dass sie thematisiert und diskutiert wird, dass derartige Probleme gehört und ernst genommen werden.

Mit Peterson schuf Abby Jimenez eine äußerst komplexe, authentische, menschliche Figur, die unglaublich viele Punkte aufweist, um sich mit ihr zu identifizieren, um sich selbst zu erkennen. Ich fand mich jedenfalls in vielen (inneren) Konflikten, Denkmustern und Verhaltensweisen wieder. Kristen ist taff, hingebungsvoll und sehr direkt, bekommt schlechte Laune, wenn sie hungrig ist, hält an ihren Prinzipien fest und wird doch regelmäßig von dem Gedanken, niemals zu genügen, dem Drang, stets die Starke, die Kontrollierte mimen zu müssen, heimgesucht.
Den zweiten Part nimmt Josh ein – Josh, der fürsorgliche, aufmerksame Feuerwehrmann, der erst seit Kurzem in Kalifornien wohnt und sich, selbst mit sechs Schwestern aufgewachsen, eine große, eigene Familie wünscht. Für mich war er die Definition von Greenflag: Copeland achtet auf Kristens Bedürfnisse, akzeptiert ihre Eigenheiten, verliebt sich in ihre Macken, fordert sie heraus und lässt ihre Hand nicht los, weder bei den kleinen noch den großen Schlachten. Josh geht sogar im Umgang mit Stuntman Mike vollkommen auf – und hallo? Ein liebevoller, attraktiver, tierlieber Handwerker mit Sinn für Humor, der sein Leben für die Gesellschaft riskiert? Sabber!
Die Dynamik der beiden war von Anfang an äußerst unterhaltsam, spritzig, manches Mal anzüglich, prickelnd und ein Mix aus heiß - kalt. Zwar ist Kristen nicht bereit, Joshs Traum von einer eigenen Familie durch ihren augenscheinlichen Mangel, ihre scheinbaren Unzulänglichkeiten, zu torpedieren, aber diesen Book-Boyfriend hält nicht mal eine kalte Schulter davon ab, sich – mit Bedacht und Vorsicht – immer wieder jener Frau zu nähern, die sein Herz mit einer Urgewalt erobert hat … Und ist Liebe nicht manchmal auch Opfer bringen, Kompromisse eingehen und das Gemeinsam über Hürden tragen?

Durch Einblicke in Joshs anspruchsvollen Job werden wir u.A. mit der Verschwendung von Kräften/Ressourcen aufgrund zahlreicher fälschlicher „Notfälle“ konfrontiert, was der Handlung einen weiteren wichtigen Aspekt schenkt. So ulkig manch Einsatz scheint, so nachvollziehbar war die Frustration der Wachleute. Integriert sind auch die Möglichkeiten (und bürokratischen Hürden) der Adoption und Leihmutterschaft, etwas, das zahlreiche Menschen betrifft und belastet, dennoch selbst heute weitläufig tabuisiert wird. Jimenez spricht von anerzogenen Minderwertigkeitsgefühlen, leiser Rebellion, von Body-Shaming, das bereits bei einer taktlosen Frage beginnt, von gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbildern, von der falschen Norm, in die etliche Frauen nicht passen können oder wollen. Von Kinderlosigkeit und tiefgreifenden Verlusten.

Neben der Strangers-to-Friends-(with benefits)-to-Lovers-Entwicklung, Missverständnissen und Konflikten warten ein toll inszeniertes Setting, ein niedlicher Sidekick und die besten Freunde. Sloan und Brandon, die bereit sind, sich das Jawort zu geben, deren Verbundenheit spürbar ist. Doch das Schicksal geht zu oft seltsame, grausame Wege …

Stilistisch werden wir in einem klaren, stellenweise amüsanten und oft ernsten Ton durch die unerwartet tiefsinnige Storyline geführt, bildreich und voller Gefühl. Nicht ohne schmerzhafte Offenbarungen, tragische, schockierende Wendungen – WTF-Twists inklusive –, bedingungslose Liebe und wahre Freundschaft. „The Friend Zone“ war ergreifend, aufregend und mitreißend, sorgte für Lachen und Tränen im selben Maße, für Seufzer und den Wunsch, sofort jemanden in den Arm zu nehmen.
Ich empfehle auch einen Blick auf das Nachwort.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Spannend, gefühlvoll und lesenswert

To Cage a Wild Bird
0

Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. ...

Dividium ist eine grausame Welt, in der die Reichen stetig reicher werden und die Armen verhungern. Mit strikten Regeln, harten Strafen und gezielter Manipulation wird vor allem der Untere Sektor kontrolliert. Doch damit nicht genug: Um Einnahmen zu generieren, haben sich die Mächtigen einen perfiden Vergnügungspark geschaffen …


Raven würde alles tun, um ihren Bruder zu beschützen.
Als dieser verhaftet und in das gefürchtete Gefängnis – die Endstation – Endlock gebracht wird, schleust sie sich mithilfe des Widerstands und einem Fluchtplan in das Loch ein. Aber als bekannte Kopfgeldjägerin, die nicht wenige der Insassen selbst nach Endlock befördert hat, hat es Raven nicht leicht, das Vertrauen der Häftlinge zu gewinnen. Schon bald ist es gerade Vale, ein ihr nicht unbekannter Wachmann, auf den die 23-Jährige angewiesen ist, wenn sie den tödlichen Spielen des Rates entkommen und das Gefängnis mitsamt ihrem Bruder lebend verlassen will. Doch wie kann sie einem Menschen vertrauen, der weder Freund noch Feind ist, wankelmütig zwischen den Seiten und für all das steht, was ihr nicht nur ihre Unschuld und ihre Kindheit, sondern auch ihre Eltern genommen hat?


Einzig aus der Sicht der Kopfgeldjägerin verfolgen wir das Geschehen, sodass diese im Verlauf eine greifbare Figur wird, eine mit Fehlern und Eigenheiten, die impulsive Entscheidungen trifft, manchmal naiv hofft, wütend ist und bis zum Ende kämpft. Für den letzten Rest Familie, den sie noch hat, und für die Freiheit.

Aufgrund des klaren und recht einfachen Stils von Brooke Fast gelingen das Ankommen in Dividium und das Einfühlen in Raven problemlos. Nach und nach, wenn auch zumeist eher knapp und oberflächlich, bringt uns die Autorin die Gegebenheiten, die diesem für eine Dystopie typischen (Kasten-)System zugrunde liegen, das Unrecht, das Leid, die Missstände näher.

In den ersten Kapiteln bekommen wir einen Eindruck des Lebens der Unterschicht außerhalb des Gefängnistraktes – von Gesetzen und gnadenlosen Strafen über den Mangel an Credits bis hin zu dem von der Oberschicht inszenierten, gezielten Aufwiegeln der ärmeren Bevölkerungsschicht gegeneinander. Auch die Existenz des Kollektivs, einer Rebellengruppe, gibt dem Ganzen eine dunkle, Vorsicht heischende Note.

Ebenso trist und grau, von Hierarchien gespalten, von Gewalt und Überwachung gezeichnet, kam Endlock zur Geltung. Angst und Anspannung ziehen sich durch die kalten Korridore, aufgestaute Aggressionen sowie Sorge und die nagende Ungewissheit, wer als Nächstes auf Leben und Tod rennen muss. Obgleich die Art der Spiele kein neues Element ist, wirkten sie originell aufbereitet. Denn in dieser Haftanstalt bezahlen die Gutbetuchten dafür, selbst zu jagen …



„𝗪𝗶𝗿 𝗸𝗼𝗻𝗻𝘁𝗲𝗻 𝘂𝗻𝘀 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝗰𝗵𝘂𝗹𝗱𝗴𝗲𝗳𝘂𝗲𝗵𝗹𝗲 𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗱𝗮𝘀 𝗹𝗲𝗶𝘀𝘁𝗲𝗻, 𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝘁𝘂𝗻 𝗺𝘂𝘀𝘀𝘁𝗲𝗻, 𝘂𝗺 𝘇𝘂 𝘂𝗲𝗯𝗲𝗿𝗹𝗲𝗯𝗲𝗻.“



Durch eine gewisse Cliquenbildung, deren Basis auf der Verfolgung ähnlicher Ziele – Überleben und Flucht – und dem Hass auf den Oberen Sektor und die Strippenzieher beruht, bedient Fast den Found-Family-Trope auf stimmige Weise. So sind es Jed, August, Momo, Kit und Yara, die mit ihren Eigenheiten für Abwechslung sorgen und auf individuelle Weise Interesse schüren.

Wie nicht anders zu erwarten, hält „To Cage a Wild Bird“ neben aufregenden, temporeichen Momenten und solchen, die Achtsamkeit verlangen, ein Wagnis erfordern und Risiko bedeuten, auch solche bereit, die Verlust, Opfer und Wahrheiten, die alles verändern könnten, mit sich bringen. Die nach Hoffnungslosigkeit schmecken, nach bitterer Verzweiflung.

Vale, der in Raven und den anderen mehr zu sehen scheint als eine Nummer, bleibt unnahbar, ein Schemen, und ist doch die einzige Rettung. So sehr sich Raven auch gegen ihre Gefühle wehrt, wird der hochrangige Wärter, von dem sie kaum etwas weiß, zu jemanden, an den sie sich inmitten der Tristesse klammert. Aber trotz Hilfsbereitschaft und Charme sind es Vales verborgene Intentionen sowie die unbeantworteten Fragen, die dazu ermahnen, ihn mit Argwohn zu betrachten. …

Bezeichnet als Enemies-to-Lovers-Romance, war das Verhältnis von Raven und Vale weder von Feindschaft noch von Abneigung geprägt, und auch nicht sonderlich „slow“. Dies ändert aber nichts daran, dass in so manchen Diskussionen die Funken sprühen und die Dynamik Unerwartetes wie Unterhaltsames bereithält. Meiner Meinung nach haben die expliziten/anrüchigen Szenen nichts für die Story getan, schienen sie doch im Angesicht der Umstände unpassend. Statt diesen hätte ein ausgefeilteres, genauer betrachtetes Worldbuilding die Dystopie aufgewertet. Wie sich der Verlauf entwickelt und ob es Raven und ihren neuen FreundInnen gelingt, Endlock zu verlassen? Lest unbedingt selbst nach!


So viel noch: Das Ende von „To Cage a Wild Bird“ bietet zwar Spielraum für eine Fortsetzung, doch die Autorin verzichtet auf einen riesengroßen Cliffhanger und darauf, uns mitten aus der Geschichte zu reißen. Dafür gibt's auf jeden Fall einen Pluspunkt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.12.2025

Wohlfühlstory mit Herz und Tiefe

Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris
0

Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre ...

Edith Lane ist mittlerweile dreißig und weiß noch immer nicht, was sie im Leben will. Den Großteil ihres Erwachsenwerdens hat sie sich selbst, ihre eigenen Wünsche und Ziele, zurückgestellt, um für ihre Eltern da sein zu können. Diese Entscheidung bereut die bis dato Barista keine Sekunde lang, doch nun treibt es sie in die Ferne, Richtung Neuanfang.
Eine Stellenausschreibung für eine Führungsposition in einer Bäckerei in der Hauptstadt Frankreichs kommt ihr da gerade recht. Mit ausbaufähigen Sprachkenntnissen, aber voller Tatendrang und Euphorie macht sie sich auf den Weg nach Paris.
Um erschüttert festzustellen, dass sich die bezaubernde Bäckerei nicht in der Liebesstadt, sondern in einem kleinen Dorf außerhalb befindet. Kaum ist die erste Enttäuschung abgeflaut, trifft sie schon der nächste Tiefschlag: Geneviéves Moreau, ihre zukünftige Chefin, tritt alles andere als herzlich oder gar freundlich auf. Und selbst Manu, der Auszubildende, spart an Wärme und Worten …
Eigentlich sollte sich Edie zurück -und an die Regeln halten, immerhin will sie weder die rüstige Inhaberin verärgern noch ihren Job in der Fremde und das dazugehörige Dach über dem Kopf riskieren. Doch die Auflage, der sich im Keller befindlichen Backstube fernzubleiben, und die Geräusche des Nachts, die nicht dem urigen Gemäuer geschuldet sind, treiben die Irin dazu an, dem Geheimnis der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne auf den Grund zu gehen, nur um etwas zu entdecken, das ihr Weltbild und ihren Glauben aus den Angeln hebt. Gleichzeitig sorgt die Wahrheit, ungeschönt, dafür, dass sie das abweisende Verhalten von Madame Moreau und die eindrucksvolle wie tragische Geschichte der Bäckerei versteht, sie fühlt.
Nichts kann sie von jetzt an noch davon abhalten, sich der Welle aus Problemen, die unaufhörlich durch die Straße schnellt und das Lebenswerk der Moreaus mit sich zu reißen droht, mit aller Macht entgegenzustellen. Selbst wenn das bedeutet, ihr Herz bei diesem Akt zerspringen zu lassen.

Bereits in den beiden vorigen Romanen von Evie Woods habe ich ihre Art, verschiedene Schicksale und Zeitebenen miteinander zu verknüpfen und alles mit einem Hauch Magie zu spicken, sehr genossen und die Geschichten fasziniert verfolgt! So auch jetzt.
„Die geheimnisvolle Bäckerei in der rue de Paris“ wird hauptsächlich aus der Sicht von Edith Lane wiedergegeben, sodass wir die junge Frau, ihre Zweifel und Ängste, ihren Verlust und die bis heute nicht abgeflaute Sehnsucht greifen können. Ebenso spürbar waren ihre Hoffnung, die der Wechsel von Wohnort und Beruf entfachte, und die Enttäuschung, die über Edie hinwegrollte. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die die Verständigung mit den Franzosen und Französinnen sowie die angespannte, unterkühlte Situation am eigentlich gemütlichen Arbeitsplatz mit sich brachten, überwindet die Irin ihre sprachlichen Unsicherheiten nach und nach, kommt aus sich heraus und knüpft Freundschaften. Auch der charmante, aufmerksame Hugo Chadwick hilft Edie dabei, sich einzuleben. Ihr Herz zu öffnen, ohne zu ahnen, dass der attraktive Hobby-Fotograf etwas Wichtiges vor ihr verbirgt …

Woods versteht es, emotional verletzte, nahbare und authentische Charaktere zu zeichnen und diese in Storys zu platzieren, die nicht nur relevante Themen ansprechen – Verlust, Selbstfindung, Neuanfänge oder, wie hier, das Sterben von echtem Handwerk und kleinen Betrieben –, sondern auch historische Ereignisse umreißen, Romantik und Geheimnisse beinhalten und zusätzlich etwas magisch-wundersames. An passender Stelle wird die Gegenwart unterbrochen, sodass wir etwas über Madame Moreaus Heimlichkeit und die Geschichte über ihre herzige Bäckerei erfahren. Diese Rückblenden in ein Frankreich des Zweiten Weltkriegs geben dem Roman etwas Echtes und gleichsam Tragisches.
Macht es euch gemütlich in der Boulangerie et Pâtisserie de Compiègne, denn diese Handwerksbäckerei lässt euch nicht so schnell los …

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere