Dunkle Geheimnisse und Vintage Vibes
Society of Death. Von Rache verführtSociety of Death wirft seine Leserinnen mitten hinein ins Jahr 1875, in eine Welt voller gesellschaftlicher Schranken, geheimer Bruderschaften und tödlicher Intrigen. Im Zentrum stehen zwei Figuren, die ...
Society of Death wirft seine Leserinnen mitten hinein ins Jahr 1875, in eine Welt voller gesellschaftlicher Schranken, geheimer Bruderschaften und tödlicher Intrigen. Im Zentrum stehen zwei Figuren, die kaum unterschiedlicher sein könnten und deren Ungleichgewicht das Buch zugleich reizvoll und frustrierend macht.
Kommen wir zu Victoria. Eine Frau gegen die Welt. Ihr Traum, Medizin zu studieren, prallt an den Mauern einer Zeit ab, die Frauen lieber schweigen sieht. Doch sie trotzt, kämpft, forscht und trägt die emotionale Seite der Geschichte. Als ihr Bruder stirbt, ist ihre Entschlossenheit das Rätsel um seinen Tod zu lösen der Motor des Romans und hat mich trotz meiner Peobleme mit dem männlichen Charakter dran bleiben lassen.
Denn Emery ist… schwierig. Für die Anerkennung einer zweifelhaften Bruderschaft unterzieht er sich Ritualen, die mehr nach Selbstverleugnung als nach Charakterstärke klingen. Sein fehlendes Rückgrat machte ihn schwer erträglich, und dennoch nimmt sein Erzählstrang enorm viel Raum ein.
Und während Emery immer tiefer in die Bruderschaft abrutscht, beginnt Victoria, genau diese Strukturen zu hinterfragen und zu durchleuchten. Beide bewegen sich auf denselben Abgrund zu, aber seltsam aneinander vorbei.
Ihre Verbindung blieb für mich blass und machte es mir schwer, die romantische Komponente ernst zu nehmen.
Trotzdem hat das Buch etwas Seltsames, das einen festhält. Dunkle Geheimnisse, ein Mord, eine moralisch fragwürdige Bruderschaft und der verträumte, leicht vintage angehauchte Schreibstil macht das Ganze überraschend atmosphärisch. Man liest weiter, weil man Antworten braucht und wissen will, wie tief diese Schatten wirklich reichen. Und genau das macht Society of Death spannender, als man anfangs erwartet.