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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Und doch eine Bücherfrau

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Auch Band 2 der Dilogie kommt mit einen ähnlich anmuteten und wunderschönen Cover daher - etwas romantisch und fast etwas kitschig in der Farbgebung, aber nur wer noch nie einen Sonnenauf-/Sonnenuntergang ...

Auch Band 2 der Dilogie kommt mit einen ähnlich anmuteten und wunderschönen Cover daher - etwas romantisch und fast etwas kitschig in der Farbgebung, aber nur wer noch nie einen Sonnenauf-/Sonnenuntergang an der Nordsee erlebt hat empfindet dies so. Fakt ist, dass sie genau so sind. Aber auch die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen sind, wie schon in Band 1, wieder sehr realistisch und zugleich sehnsuchtsvoll. Man spürt das Kennen und die Sehnsucht der Autorin zu dieser Region.

Im Gegensatz zu Band 1 habe ich hier zu den Protagonisten gleich einen viel tieferen Zugang gefunden - in Band 1 sind mir vor allem Anna März zu steif und unnahbar geradezu fremd geblieben. Hier war sie für mich viel herzlicher und zugänglicher.
Aber vor allem die Figur von Martje mit all ihren Ängsten, Unsicherheiten, ihren teils unlogischen Handlungen und depressiven Phasen wurde sehr überzeugend und authentisch dargestellt - auch wenn man denken mag, dass derartiges in dieser Zeit nicht (mehr) möglich war, wurde alles gut durchdacht dargestellt.

Natürlich ist es ein Wohlfühlroman und das Ende war vorhersehbar, aber bis dahin wurde ich mit einigen Überraschungen wieder sehr gut unterhalten. Der gesamte Schreibstil war wieder sehr flüssig.
Durch die schönen kurzen Kapitel konnte man sehr strukturiert von einer Zeitebene auf die andere wechseln was dem Buch unheimlich an Tiefe gegeben hat.

Ich denke schon, dass man diesen Band alleine für sich lesen wird können, doch würden dann ein paar Ungereimtheiten zurückbleiben.

Ich würde für diese Dilogie eine eindeutige Leseempfehlung abgeben und empfehle aber beide Bände nacheinander zu lesen um ein schönes und abgerundetes Bild von den Bücherfrauen vom Listland zu erhalten, denn schließlich hat sich ja auch Martje - zwar spät - zu einer von Ihnen entwickelt.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Fortuna oder Sfortuna?

Villa Rivolta
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Villa Rivolta ist eine ruhige, fast schon poetische Geschichte über eine Kinderfreundschaft die die Jahrzehnte überdauert, über Seelenverwandtschaft aber auch über italienisches Lebensgefühl der Nachkriegszeit; ...

Villa Rivolta ist eine ruhige, fast schon poetische Geschichte über eine Kinderfreundschaft die die Jahrzehnte überdauert, über Seelenverwandtschaft aber auch über italienisches Lebensgefühl der Nachkriegszeit; incl. der Zerrissenheit des Landes. Vor allem ist es aber die Geschichte einer überaus starken Frau ihrer Zeit gepaart mit italienischer Leichtigkeit. Violeta, diese starke Frau, die als gleichmütig, sogar gleichgültig galt, obwohl sie es nicht ist - sie dachte nur am Anfang schon das Ende mit. Für mich der stärkste Satz dieses "Epos" welches unheimlich fein gezeichnet ist.



Die Geschichte von Violeta als sfortuna und Piero der scheinbar immer fortuna ist. Ein durchaus gesellschaftspolitischer Roman welcher soziale, kulturelle und wirtschaftliche Themen dieser Zeit aus italienischer Sicht aufzeigt: Mit tiefen Einblicken in die Firmengeschichte von Iso Rivolta die mir bis dahin gar nicht bekannt war - klar, man kennt eine Isetta, aber die Geschichte dazu? - Nein (bis zum lesen des Buches nicht).

Für mich seit langem eine überaus berührende Geschichte mit tiefen Einblicken aber leider mit einem etwas unerwarteten Ende. Trotzdem absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Ungeschönte Wahrheiten

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Ich war gespannt auf diesen historischen Roman über den 30-jährigen Krieg. Und - bereits vorweg - die Anspannung wurde belohnt.
Der Autor hat es in einem schonungslosen, authentischen, dramatischen, ...

Ich war gespannt auf diesen historischen Roman über den 30-jährigen Krieg. Und - bereits vorweg - die Anspannung wurde belohnt.
Der Autor hat es in einem schonungslosen, authentischen, dramatischen, lebendigen aber sehr empathischen Schreibstil geschafft eine ausgewogene Symbiose der fiktiven Geschichte des Jacob Wolffen mit historisch belegten Fakten zu schaffen.

Die Figur des Jacob Wolffen wird sehr realistisch und detailliert mit all seinen inneren Kämpfen gegen und für das System der Kirche sowie der militärischen und adeligen/weltlichen Macht und der unterschiedlichen Standesdünkel herausgearbeitet und zieht sich wie ein roter Faden (ähnlich der Darstellung auf dem Cover) durch die ganze bisherige Geschichte. Der Autor nimmt bei sämtlichen Figuren, egal ob sympathisch oder unsympathisch, kein Blatt vor den Mund - es wird keineswegs alles als heiter Sonnenschein dargestellt, sondern durchaus etwas brutal und dadurch einfach nachvollziehbarer und echter; aber die Zeiten damals waren einfach anders, schwerer aus unserer heutigen Sicht, und wenn der Autor, der einen sehr flüssigen Schreibstil hat, alles beschönigen würde, würde es dem Buch an Atmosphäre und Tiefgang fehlen.

Man merkt der Geschichte einfach an, dass sich der Autor intensiv mit dem historisch belegten Hintergrund beschäftigt hat. Natürlich kommt ihm hier zugute, dass er aktives Mitglied einer entsprechenden historischen Gruppe ist und zusätzlich auf praktische Erfahrungen zurückgreifen kann.
Das einfache Leben mit Hunger/Dreck/Arbeit/Verzweiflung und die Schlachten mit allen Schrecken werden sehr bildhaft beschrieben. Auch hat er es verstanden anschaulich aufzuzeigen wie weit Menschen gehen (können) und wie sie (meist seitens der Kirche) manipuliert wurden.

Man wird ab der ersten Seite direkt ins Geschehen hineingezogen - egal ob in das gemächliche aber beschwerliche Leben oder in die teils brutalen Schlachten.

Für diesen ersten Teil der Trilogie möchte ich eine klare Leseempfehlung aussprechen und freue mich schon auf Band 2 und 3.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Gelungene historische Spurensuche

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Ich möchte dieses mal einfach mit dem atmosphärischen Cover dieses vierten Bandes einer gelungenen historischen Saga anfangen. So wie auch schon die Vorgängerbände ist es sehr ansprechend gestaltet, ...

Ich möchte dieses mal einfach mit dem atmosphärischen Cover dieses vierten Bandes einer gelungenen historischen Saga anfangen. So wie auch schon die Vorgängerbände ist es sehr ansprechend gestaltet, fügt sich gut ein und passt zum Inhalt.
Wie schon gesagt handelt es sich hier bereits um den vierten Band eines wirklich gelungenen historischen Romans von Kai Meyer der in seiner unverwechselbaren Sprache historische Fakten und Fiktion mit ein bisschen Okkultismus wunderbar auf 2 Zeitebenen miteinander verwebt. Manchen Figuren dieser raffiniert gestalteten Handlung ist man bereits schon einmal in einem Vorgängerband begegnet und begrüßt sie fast schon wie alte Bekannte. Aber auch neue Figuren werden mit der gewohnten lebendigen und feinen Art gezeichnet.

Kai Meyer versteht es vorzüglich eine gleichbleibende Spannung zu halten - zwar ohne großes Auf-und-Ab dafür aber umso vielschichtiger, absolut glaubwürdig und stimmig; und immer auf einem hohen Niveau.

Dieses Buch das unabhängig in dieser Reihe gelesen werden kann hat mich wieder restlos begeistert - gerne würde ich auch Band 5 und ?? lesen wollen. Also eine klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Sehr gut recherchiert

Sieben Jahre
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Ein gutes Buch, nur ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte.

Von der Autorin, von der ich schon so viele Bücher gelesen habe bin ich normalerweise einen etwas andern Schreibstil gewohnt - viel emphatischer ...

Ein gutes Buch, nur ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte.

Von der Autorin, von der ich schon so viele Bücher gelesen habe bin ich normalerweise einen etwas andern Schreibstil gewohnt - viel emphatischer und mitreißender. Bei diesem hier fand ich schon den Einstieg etwas holprig und befremdlich; ich fand so gar keinen Zugang zu den Personen, sie waren für mich einfach nicht wirklich greifbar. Natürlich hatte ich keinen Heile-Heile-Welt-Roman erwartet, geht doch bereits aus dem Klappentext hervor, das es sich um den 7-jährigen-Krieg dreht, aber eben auch um König und Familie; und dieser Teil kam mir einfach ein bisschen zu flach daher. Hier hatte ich mir einfach ein bisschen mehr "Gefühl", Theatralik und Symbolik in diesem ungeheuren Machtgefüge der Familie erwartet, mehr Tiefe. Im Vordergrund stehen doch schon sehr die Schlachten und Gefechte dieses Krieges.

Ich möchte keinesfalls die Arbeit die in diesem Buch steckt schmälern, geschichtlich ist es wirklich herausragend genau recherchiert - hier sucht es wahrlich seines gleichen. Diese politische und militärische Schwerpunktsetzung kenne ich von der Autorin nur nicht in diesem Ausmaß. Die Spannung und ein gewisser emphatischer Aspekt bleibt bei dieser Aneinanderreihung von Kriegsgeschehen für mich einfach auf der Strecke.

Nichtsdestotrotz lässt sich dieser "dicke Wälzer" gut lesen, beleuchtet es doch eine historisch interessante Zeit die vielen in dieser Art gar nicht bekannt ist.

Ich möchte bewusst nicht näher auf die Handlung eingehen, soll doch eine gewisse Neugier für den Leser bleiben und nicht alles vorab verraten werden. Ich möchte lediglich meinen persönlichen Eindruck zu diesem gelesenen Buch wiedergeben.

Hut ab sage ich hier vor allem ob der gigantischen Recherche die für dieses Buch nötig war.

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