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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Eine Enttäuschung

Die Bagage
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Die Erwartungen waren vor dieser Lektüre sehr hoch. Das Buch wurde Anfang des Jahres von der Kritik hoch gelobt und bereits als DER Top-Roman des Jahres 2020 bejubelt. Monika Helfer erzählt in disem autofiktionalen ...

Die Erwartungen waren vor dieser Lektüre sehr hoch. Das Buch wurde Anfang des Jahres von der Kritik hoch gelobt und bereits als DER Top-Roman des Jahres 2020 bejubelt. Monika Helfer erzählt in disem autofiktionalen Roman von ihrer Großmutter in der Zeit des ersten Weltkrieges. Einen weiteren Teil des Romans machen Einschübe Helfers zu ihren eigenen Eindrück von Familienmitgliedern und Erläuterungen, wie sie nun zu dem Wissen über ihre Großmutter, die sie nie persönlich kennengelernt hat, gekommen ist.

Diese Meta-Erzählebene hat mich am meisten am Roman gestört. Wahrscheinlich lieben das die Kritiker, ich empfand diese als unpassend und anstrengend. Wie die Autorin nacherzählt, was ihr z.B. die Tante erzählt hat und das nachdem sie die Begebenheit bereits im eigentlich Erzählstrang von ~1914 schon geschildert hatte, wirkt auf mich einfach obsolet. Ich bin während des Lesens von diesem dünnen 150 Seiten-Büchlein mehrfach eingeschlafen. Die Figuren kommen mir nur im Erzählstrang des Ersten Weltkrieges nahe. In den Meta-Einschüben habe ich keinen Informationsgewinn. Auch konnte mich die Sprache der Autorin überhaupt nicht überzeugen. Zugegeben, mir gefällt selten der Rhythmus der österreichischen Sprache. Viele Autoren schaffen es jedoch nach eine kurzen Eingewöhnungszeit, dass ich doch im Text ankomme. Dies ist hier leider nicht geschehen. Das Schicksal der Familie lässt mich eigentlich nicht kalt, wird aber durch den Stil der Autorin sehr auf Distanz gehalten.

Insgesamt konnte mich dieser Roman also nicht überzeugen. Vielleicht waren meine Erwartungen auch viel zu Hoch und ich hätte mich nicht zu sehr von den Pressestimmen anheizen lassen sollen. Schade, denn aus der Geschichte an sich, hätte ein mitreißender Roman werden können.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Spannender Abschluss der Romanreihe

His Dark Materials 3: Das Bernstein-Teleskop
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Auch im letzten Teil der Reihe macht sich Philip Pullman daran, eine bzw. mehrere facettenreiche, fantasievolle Parallel-Welten um das Mädche Lyra, ihren Begleiter Will sowie die im letzten Band eingeführte ...

Auch im letzten Teil der Reihe macht sich Philip Pullman daran, eine bzw. mehrere facettenreiche, fantasievolle Parallel-Welten um das Mädche Lyra, ihren Begleiter Will sowie die im letzten Band eingeführte Figur der Physikerin Mary Malone zu erschaffen.

Die Geschichte ist - wie gewohnt - flott und süffig erzählt, der Leser wird in die Welt hineingesogen. Selten hat eine Romanreihe meine Fantasie so angeregt. Die Ideen, die Pullman nun zum Abschluss bringt sind wirklich sehr interessant und kurzweilig. Die dahinterstehenden Thesen des Autors werden jedoch - meines Erachtens - nicht wirklich aufgelöst. Gerade der außerst kritisch Blick in Richtung der institutionellen, christlichen Kirche wird hier zwar massiv eingebaut, trotzdem bleibt für mich offen, was genau der Autor seinen Lesern vermitteln will. Die Leser sollten, wie schon bei den vorherigen Bänden, nicht allzu jung ausfallen. Ältere Jugendliche ab ca. 16 Jahren können sicherlich das Material besser fassen und vertragen als jüngere Kinder. Pullman flechtet bis zum Äußersten Naturwissenschaften und religiöse Lehren zu einem mitunter undurchsichtigen Zopf zusammen. Rein vom Sinn für Layout und Stringenz stören die im letzten Band der Reihe plötzlich eingeführten Zitate zum Beginn eines jeden Kapitels. Diese haben meist religiöse Bezüge und haben auch immer irgendetwas mit dem folgenden Kapitel zu tun. Trotzdem bleiben sie redundant. In meiner Ausgabe wurden die Zitate durch schwarze Textfelder mittig in den ersten Sätzen des Kapitels angeordnet. Wirklich nicht schön anzusehen und auch störend im Lesefluss.

Insgesamt handelt es sich hierbei also um ein spannendes Fantasy-Buch, was jedoch mehr Schwächen aufweist, als die Vorgänger. Trotzdem eine empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Großartig geschrieben und trotzdem nicht ganz packend

Der letzte Satz
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Wie von Robert Seethaler gewohnt, umfassen die letzten Lebensjahre des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler lediglich 120 Seiten in diesem Büchlein. Die Erzählung (und ich wähle dieses Wort mit einer ...

Wie von Robert Seethaler gewohnt, umfassen die letzten Lebensjahre des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler lediglich 120 Seiten in diesem Büchlein. Die Erzählung (und ich wähle dieses Wort mit einer Intention) setzt wenige Monate vor dem Tod des Komponisten während einer Schiffsüberfahrt von New York zurück nach Europa ein. Mit reduzierten Beschreibungen bringt uns der Autor den gar nicht so alten, aber trotzdem sterbenskranken Komponisten näher. In mitunter kürzesten Erinnerungen, Gedanken und Gefühlsbeschreibungen Mahlers erfahren wir vor allem etwas über die tiefe Verbundenheit Mahlers zu seiner Ehefrau Alma und den Verlust der ersten Tochter Maria.

Die Beschreibungen sind kurz gehalten, nichts ist hier zu viel. Der Roman mutet dabei eher wie eine längere Kurzgeschichte an. Kaum hat man begonnen zu lesen, ist auch schon wieder alles vorbei. Hier schwanke ich zwischen dem Eindruck, dass alles punktgenau gesagt wurde und doch irgendwie etwas fehlt. Letztendlich so richtig am Herzen packen, konnte mich dieser Roman nicht. Er ist großartig geschrieben mit einem herausragenden Sinn für die richtigen Momente. Trotzdem fehlt etwas, was für mich nicht richtig greifbar bleibt.

Alles in allem ist man für einen Leseabend durchaus auf hohem Niveau gut unterhalten worden, hat interessante, bodenständige Einblicke in das Leben eines hochkarätigen Komponisten bekommen und trotzdem fehlt das i-Tüpfelchen, um auch dieses Buch herausragend zu machen.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

vox, vocis (f.)

Vox
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Eigentlich interessant, dass das lateinische Wort für Stimme ein Femininum ist. Im Roman von Christina Dalcher wird diese Stimme allen Frauen in den USA nach der Wahl eines rechtspopulistisch/religiös-fundamentalistischen ...

Eigentlich interessant, dass das lateinische Wort für Stimme ein Femininum ist. Im Roman von Christina Dalcher wird diese Stimme allen Frauen in den USA nach der Wahl eines rechtspopulistisch/religiös-fundamentalistischen Präsidenten genommen, indem ihnen Wortzählender um das Handgelenk schließt und sie mit Elektroschocks bestraft, wenn sie mehr als 100 Wörter am Tag sprechen. Mit dem Machtwechsel gehen noch weitere puritanische Veränderungen der Gesellschaft einher, die Dalcher nachvollziehbar und erschreckend real herleitet. Die Protagonistin Jean ist Neurolinguistin und bekommt durch einen Zufall eventuell die Chance etwas an diesem neuen Missstand zu ändern.

Spannend erzählt Dalcher in ihrem Roman die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Jean um Frauen, denen nicht nur die Sprache sondern auch die Freiheit und Würde genommen wird. Als interessierte Leserin realisiert man schnell, dass diese Fiktion nicht fern der Wirklichkeit sein muss. Mit der Hauptfigur und eigentlich allen Frauen dieses Romans entsteht schnell eine tiefe Verbundenheit und es kommen tatsächlich sehr, sehr negative Gefühle gegenüber einem großen Teil der männlichen Bevölkerung dieser Fiktion auf. Man bangt mit der Protagonistin und so entwickelt sich der Roman zu einem richtig Pageturner. Leichte Schwächen zeigt die Geschichte der Autorin in allzu überwahrscheinlichen Zufällen im Plot sowie einer sehr ärgerlichen Stelle, an welcher die Autorin der hochintelligenten Jean eine untypische, allzu starke Begriffstutzigkeit unterstellt. Anzumerken ist jedoch, dass die Autorin den Roman innerhalb von zwei Monaten runterschrieb. Darauf bezogen, eine Meisterleistung, aber ein wenig mehr Zeit zur Ausarbeitung der Sprache und des Plots hätte auch nicht gestört.

Es handelt sich hier um eine äußerst lesenswerte Veröffentlichung, die kritisch mit unseren Rollenbildern verfährt, welche vielleicht gar nicht so stabil "modern" sind, wie wir manchmal denken könnten.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was wird hier eigentlich durchleuchtet?

Was wir voneinander wissen
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Dieser Roman (wobei ich die Bezeichnung für dieses Werk schwierig finde) von Jessie Grengrass reiht wechselnd Episoden aus dem Leben der Ich-Erzählerin an Schilderungen zum wissenschaftlichen Arbeiten ...

Dieser Roman (wobei ich die Bezeichnung für dieses Werk schwierig finde) von Jessie Grengrass reiht wechselnd Episoden aus dem Leben der Ich-Erzählerin an Schilderungen zum wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener historischer Figuren, darunter Wilhelm Conrad Röntgen oder Sigmund Freud. Prägende Figuren aus dem Leben der Erzählerin sind dabei die Mutter und Großmutter, auf welche näher eingegangen wird.

Mir fällt es schon bei der Kurzzusammenfassung schwer, überhaupt festzumachen, womit sich die Autorin im Roman konkret beschäftigt. Vielleicht, wie im Klappentext benannt: "Erkenntnisgewinn". Leider bleibt der Erkenntnisgewinn für den Leser bei dieser Lektüre eher gering. Selten habe ich ein Buch als so anstrengend empfunden. Es ist zäh erzählt und kommt nicht zur Sache. Vielleicht liegt das am philosophischen Anspruch der Autorin, vielleicht intellektualisiert sie einfach auch nur zu stark. Alles wirkt unglaublich verkopft und konstruiert. Für viele Beschreibungen nutzt die Autorin zu umständliche Sprachbilder. Auch fehlt mir bei den historischen Einschüben der Zusammenhang zum Text über die persönlichen Erfahrungen der Figur. Es wirkt über Strecken hinweg einfach nur wie ein zähes, unzusammenhängenes Geschwafel.

Letztendlich lässt mich dieses Buch erkenntnislos zurück. Es hat mich nicht erreichen können und ich habe danach, trotz oder wegen des hohen Sprachniveaus der Autorin, keine Lust, erneut ein Buch von ihr zu lesen. Sie wollte sicherlich in diesem ersten Roman viel verpacken, nur ist es zu gewollt zu viel geworden.

Ich habe mich gerade gefragt, warum ich dem Buch trotzdem zwei Sterne gegeben habe... wahrscheinlich aufgrund des schön anzusehenden, vielversprechenden Covers.

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